Beitrag
von defpro » Di 2. Jun 2026, 14:16
Mit ein bisschen Verspätung: Ich war am 22. und 24. Mai im Deutsche Bank Park Frankfurt bei Metallica. Es war die Fortführung der M72-World Tour, die bereits seit 2023 läuft und deren Konzept an vielen Tourstopps besagt, dass pro Stadt zwei Konzerte ohne Setlist-Überschneidungen gespielt werden. Da die Hits über beide Tage verteilt werden, werden auch hauptsächlich Kombi-Tickets für beide Abende verkauft. Die Bühne war ringförmig in der Mitte angeordnet, wobei ganz mittig Metallica-typisch noch der Snakepit als exklusiver Zuschauerbereich installiert wurde. Die Supports waren Knocked Loose und Gojira am Freitag und Avatar und Pantera am Sonntag, wobei ich die jeweils erste Vorband verpasst habe.
Für mich waren es die allerersten Stadion-Konzerte überhaupt. Die Orga im Stadion selbst fand ich im Großen und Ganzen top. Einlass ging flott, man ist schnell an Getränke gekommen und im Stehplatzbereich fand ich es platztechnisch immer sehr angenehm, sodass man nicht gemerkt hat, dass der Laden ausverkauft ist.
Nachbessern sollte man bei Urinalen. Ich verstehe nicht, wieso man hier nur auf klassische Dixis setzt. Dass sich einfach jeder an die Bäume stellt, weil die Schlangen an den Dixis zu lang sind, kann ja wohl auch nicht die Lösung sein. Das vegetarische Essensangebot fand ich auch ziemlich mau, wobei ich auch nicht an allen Ausgängen das Angebot studiert habe. Außerdem fand ich es ziemlich uncool, dass die Getränkestände im Stadion um 22.30 Uhr geschlossen wurden. Klar, man will die Leute aus dem Stadion raus haben, aber dann lass die doch wenigstens dort noch ihren Pfand zurückgeben und nur draußen neue Getränke verkaufen. So haben sich unnötig lange Schlangen und Stresssituationen ergeben.
Zu den Konzerten selbst: Für mich war das eine absolute Frechheit, was bei den Vorbands abgeliefert wurde und ich hatte meine Ansprüche bereits nach unten geschraubt. Bei Gojira hatte ich teilweise wirklich Probleme, überhaupt die Songs zu erkennen. Wenn man es nicht hinbekommt, für die Supports einen einigermaßen vernünftigen Sound bereitzustellen, dann sollte man doch bitte einfach kleinere Bands hinstellen, die sonst in <1.000-Locations spielen und mal vor der großen Crowd ihr Können beweisen dürfen, anstatt hier mit hochkarätigen Namen zu werben und dann so eine Grütze abzuliefern. Ich bin bei Gojira wirklich den kompletten Zuschauerbereich abgelaufen, um einen ansatzweise vernünftigen Sound zu finden und es war überall Not gegen Elend (und ich bin normalerweise bei dem Thema wirklich nicht empfindlich).
Bei Metallica hat es sich zum Glück soundtechnisch gebessert. Gerade sonntags fand ich es von Beginn an recht gut, wobei ich mir fairerweise an beiden Tagen irgendwann den Sound schöngesoffen habe, was auch hervorragend funktioniert hat. Das Konzept der Mittelbühne klang für mich auf dem Papier ganz gut, komplett begeistert hat es mich dann letztendlich jedoch nicht, da sich die Band (im Gegensatz zu den Supports) nicht über die Bühne verteilt hat, sondern für 4 Songs recht statisch an ihrem Spot verweilt haben, sodass man häufig doch nur auf die Leinwände geglotzt hat. Klar, dafür gab es keine drölf FOS-Bereiche, die Crowd hat sich gut verteilt und die Preise waren mit 128 € pro Abend noch recht fair gestaltet. Wir hatten das Glück, einige Highlights aus dem letzten Drittel des Sets mit der Band direkt vor der Nase erwischt zu haben. Ich würde sagen, dass die Stimmung am Sonntag deutlich besser war, wobei wir hier auch direkt zu Beginn weit vorne rein sind, während wir uns freitags für große Teile des Konzerts etwas weiter hinten aufgehalten haben, weil da während Gojira der Sound noch am erträglichsten war. Die Showeffekte waren in Ordnung. Klar wäre hier sicherlich in puncto Pyro usw. noch mehr gegangen, aber für mich reicht es auch aus, wenn die Songs für sich stehen.
Die Setlist fand ich ziemlich großartig, auch wenn meine größten Wünsche (The Four Horsemen, Sanitarium, Disposable Heroes, Justice) alle nicht gespielt und auch mein liebstes Instrumental "To Live Is to Die" nicht gepickt wurde. Aber was hier bei "Battery", "Blackened" und "Leper Messiah" für eine Stimmung abging, war schon ziemlich überwältigend. Gerade mit Blick auf die Standard-Best-of-Setlists in Zürich und Berlin würde ich mir glaube ich keine "normale" Metallica-Show mehr ansehen. Das ist für Gelegenheitshörer und First-Timer sicherlich trotzdem cool, aber als Fan hat man dann doch andere Ansprüche. Generell finde ich den Ansatz mit den zwei Konzerten auch ziemlich cool und könnte mir einige Bands vorstellen, bei denen das ebenfalls gut funktionieren könnte.
Alles in allem war es ein schönes Stadion-Debüt. Im August bin ich an gleicher Stelle bei The Weeknd, diesmal allerdings mit Frontalbühne. Der ist zwar mit Band unterwegs, trotzdem wird da auch viel prerecorded sein. Ich hoffe mal, dass man hier soundtechnisch besser aufgestellt ist.