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Der Konzertbesuchsthread

Konzerte, Platten & Musik im TV
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Norakete
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Norakete » So 10. Mai 2026, 12:54

Letzten Dienstag war ich bei Clair Obscur: Expedition 33 - A Painted Symphony in Zürich und seitdem bin ich immer noch eine Gans.

Für mich mindestens mal das Spiel des Jahres, vom persönlichen Stellenwert her auf einer Stufe mit Baldur‘s Gate 3, wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen. Entsprechend musste ich natürlich zu dieser Tour. Ursprünglich wollte ich nach Berlin, da das einfach an meinem 33. Geburtstag stattgefunden hat. Aber leider selbst schuld, da ich den Vorverkaufsstart trotz Kalender-Erinnerung um 1h verpasst habe. Egal, dann eben nach Zürich.

Es gab kein Vorprogramm, was logistisch aber auch schwierig gewesen wäre, da hier neben Gesang, Gitarre und Klavier auch ein ganzes Orchester inkl. Chor aufgetreten sind. Aus meiner Zeit in Blasorchester und Posaunenchor habe ich für derartige Auftritte ohnehin noch ein Faible.

Das Konzert war in 2 Akte mit Pause aufgebaut und hat einen musikalisch nochmal durch das ganze Spiel geführt, inklusive Emmas Ansprache an die Expedition, vorgetragen vom Dirigenten. Was soll ich sagen, ich hatte über ca. 2h durchgehend Gänsehaut. Sowohl die ruhigen Lieder, von Alice Duport-Percier mit minimaler instrumentaler Begleitung vorgetragen, wie auch die energetischeren Lieder (Monoco, Nos vies en Lumière) sind live nochmal sehr viel krasser rüber gekommen als man sie eh schon kennt. Persönliche Highlights waren Renoir, Our Drafts Collide (mein Favorit vom OST), Maelle (inkl. Gommage-Konfetti). Letztlich gab es aber ohnehin kein Lowlight, es war von vorne bis hinten ganz fantastisch.

Fantastisch war auch das Publikum. Selten habe ich erlebt, wie ein Publikum so gespannt zuhört, ohne Getuschel oder andere nervige Nebengeräusche. Wie committed die Leute alle waren, hat man auch an den Outfits gemerkt. Geschätzte 10% der Leute trug mindestens einen Teil vom Baguette-Outfit, auch andere Cosplays waren zu sehen (u.a. 2 Cleas habe ich gesehen). Was ich auch noch nie erlebt habe, war ein derartiger Ansturm an den Merch-Stand. Sowohl vor dem Konzert, in der Pause als auch danach war dauerhaft eine viel zu lange Schlange. T-Shirts haben natürlich 33 Franken gekostet, ich habe dann lieber verzichtet.

Und das war es dann auch. Die Schweiz ist generell sackteuer, egal ob Hotel oder Essen oder irgendwas. Aber es hat sich sowas von gelohnt. In diesem Sinne: dim dam dadidam. :herzen2:
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Wishkah
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Wishkah » Di 12. Mai 2026, 06:35

08.05.2026 Glen Hansard (+ Courtney Marie Andrews), Columbiahalle, Berlin

Ich war am Freitag bei Glen Hansard in der Columbiahalle in Berlin.

Vor zehn Jahren habe ich Glen Hansard zum ersten Mal beim Haldern Pop live gesehen. Ich kannte vorher so gut wie nichts und war hinterher total begeistert von der Bühnenpräsenz und dem leidenschaftlichen Auftritt des irischen Musikers. Trotzdem habe ich mich in den folgenden Jahren weder groß mit seiner Musik beschäftigt noch weitere Konzerte von ihm besucht, obwohl er regelmäßig auf Tour ist und es einige Gelegenheiten gegeben hätte.

Im vergangenen Jahr war er dann (gemeinsam mit Markéta Irglová) als The Swell Season unterwegs. Das Konzert in Hamburg war ähnlich emotional mitreißend wie der Festivalauftritt damals und ein großes Highlight in dem vollgepackten Konzertjahr. Da habe ich mir vorgenommen, die nächste Gelegenheit auf jeden Fall mitzunehmen. Und ein paar Monate später kam dann auch schon die passende Tourankündigung mit diesem Konzert in Berlin.

Ich war etwa eine halbe Stunde vor Einlassbeginn an der Columbiahalle. Vor mir hatten sich schon einige andere Leute dort versammelt. Der Altersschnitt lag in den etwas höheren Gefilden. Nach dem pünktlichen Einlass um 18:30 Uhr hat es mich ganz nach vorne an die Absperrung auf der rechten Bühnenseite verschlagen. Das Konzert war nicht ausverkauft. Es wurde aber ziemlich voll. Beim Blick nach hinten konnte ich zumindest keine großen Lücken erkennen.

Um 20 Uhr wurde es dunkel im Saal. Die US-amerikanische Singer-Songwriterin Courtney Marie Andrews hat den Abend eröffnet. Eine gute halbe Stunde lang gab es eher melancholischen Indie-Folk, abwechselnd am Klavier und an der Akustikgitarre. Ein zusätzlicher Gitarrist hat für sphärische Klänge und passende Soli gesorgt. Das war insgesamt alles ganz schön, aber so richtig mitgerissen hat mich das nicht. Trotzdem ein solider Einstieg.

Nach einer Umbaupause kamen dann um 21 Uhr Glen Hansard und seine Band auf die Bühne – zu großen Teilen die Mitglieder seiner ursprünglichen Band The Frames, unter deren Namen es zu sporadischen Anlässen auch immer noch ab und zu mal Konzerte gibt. Mit "Revelate" wurde der Auftritt direkt mit einem Song dieser Band eröffnet. Mit den krachigen Gitarren klang das doch mehr nach einem klassischen Rockkonzert als ich erwartet hatte. Auf der Bühne war ordentlich was los. Das erste größere Highlight ließ nicht viel länger auf sich warten. "Say It to Me Now", ebenfalls ursprünglich von The Frames, war genau die Art von mitreißendem Folksong, die mich auch bei den letzten Live-Begegnungen mit Glen Hansard so zu überzeugen wusste. Das Publikum um mich herum zeigte sich sehr euphorisch und textsicher.

Die Setlist setzte sich bunt zusammen aus Solo-Songs von Glen Hansard sowie Songs seiner verschiedenen Bands (The Frames, The Swell Season, Interference) und auch dem einen oder anderen Coversong. Ein großes Highlight war für mich vor allem "This Gift", das dem Bassisten und Geburtstagskind Joe Doyle gewidmet wurde. Kurz vorher durfte dieser noch die Kerzen auf der passenden Torte auspusten. Außerdem hat mir "Fitzcarraldo" sehr gut gefallen. Während Glen Hansard zu Beginn noch etwas wortkarg war, gab es hier eine längere Einführung über den Hintergrund und die Entstehung des Songs. Der Sound war durchgängig sehr gut. Auch in den lauteren Phasen konnte man die Violine zum Beispiel immer gut hören. Die Lichtshow war eher zurückhaltend, aber stimmig.

Zum Ende des regulären Sets überschlagen sich die musikalischen Höhepunkte. Mit "Falling Slowly" gab es natürlich die emotionale Ballade von The Swell Season, ausgezeichnet mit einem Oscar für den besten Song in dem Film "Once", der vor knapp 20 Jahren maßgeblich zur Popularität von Glen Hansard beitrug. Das war schon wirklich sehr schön. Im Anschluss erzählte Glen Hansard darüber, wie er auf Courtney Marie Andrews aufmerksam wurde. Die kam dann auch direkt wieder auf die Bühne, um gemeinsam ihren Song "Let the Good One Go" zu spielen. Und danach gab es zum Abschluss mit "When Your Mind's Made Up" noch einen weiteren Song von The Swell Season. Hach, schön!

Im Anschluss gab es noch einen Zugabeblock mit einigen weiteren Liedern, bevor das Konzert dann gegen 23:15 Uhr nach etwa 135 Minuten Spielzeit beendet wurde. Verrückt, weil es trotz der Länge gefühlsmäßig doch ein sehr kurzweiliger Abend war. Auf jeden Fall war es ein sehr schönes Konzert. In den Studioaufnahmen fehlt mir immer so ein bisschen der letzte Funke. Live hingegen weiß Glen Hansard wirklich jedes Mal zu überzeugen. Auch diesmal war es an vielen Stellen wieder sehr mitreißend und musikalisch ausufernd. Da bin ich gar nicht abgeneigt, keine zehn Jahre auf das nächste Solo-Konzert von ihm zu warten.


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