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Der Konzertbesuchsthread

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Tambourine-Man
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Tambourine-Man » Mi 15. Apr 2026, 11:52

Rieper hat geschrieben:
Mi 15. Apr 2026, 11:34
Ich war Ende März bei Tramhaus in Basel im Gannet. Das Gannet ist ein zu einer Konzertlocation und einem Restaurant umgebautes Schiff, das auf dem Trockenen steht. Es gab keinen Support, und die Spielzeit betrug ziemlich genau eine Stunde, was auch gut gepasst hat. Gespielt wurde das komplette Debüt sowie ein paar andere Lieder, darunter auch ein neues. Ich fand das Konzert cool, die Crowd war auch gut dabei, obowohl nur so 25-30 Leute im Publikum waren. Gerne wieder.
Oh man wie bitter. Die Band verdient sehr viel mehr Aufmerksamkeit. Leider war jetzt keine Show in der Nähe für mich
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Rieper
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Rieper » Mi 15. Apr 2026, 12:22

Tambourine-Man hat geschrieben:
Mi 15. Apr 2026, 11:52
Rieper hat geschrieben:
Mi 15. Apr 2026, 11:34
Ich war Ende März bei Tramhaus in Basel im Gannet. Das Gannet ist ein zu einer Konzertlocation und einem Restaurant umgebautes Schiff, das auf dem Trockenen steht. Es gab keinen Support, und die Spielzeit betrug ziemlich genau eine Stunde, was auch gut gepasst hat. Gespielt wurde das komplette Debüt sowie ein paar andere Lieder, darunter auch ein neues. Ich fand das Konzert cool, die Crowd war auch gut dabei, obowohl nur so 25-30 Leute im Publikum waren. Gerne wieder.
Oh man wie bitter. Die Band verdient sehr viel mehr Aufmerksamkeit. Leider war jetzt keine Show in der Nähe für mich
Ja, ich war auch überrascht. Voran es gelegen hat, das weiß ich nicht. Aber vergangenen Juni spielte die Band in Aarau und in Tagen vor Basel waren sie in Bern und Zürich.

Vor knapp über einem Jahr war ich in Basel unter anderem bei Jordan Klassen und Nichtseattle und da war jeweils ca. gleich viel los oder sogar eher weniger. Sehr schade.

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NeonGolden
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von NeonGolden » Mi 15. Apr 2026, 14:23

Ich hab Tramhaus letztes Jahr in Barcelona gesehen und da war ordentlich was los. War aber gemessen an der Größe der Stadt auch ein kleiner Laden, vielleicht 150-200 Leute. Das Konzert war fantastisch und ich finde auch, dass sie mehr Aufmerksamkeit und Publikum verdient hätten.

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Wishkah
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Wishkah » Mi 15. Apr 2026, 17:43

13.04.2026 Big Thief (+ Dylan Meek), Columbiahalle, Berlin

Ich war am Montag bei Big Thief in der Columbiahalle in Berlin.

Bislang war das eine Band, die ich zwar ganz gerne höre, aber auch nicht übermäßig stark verfolge. Live gesehen habe ich sie einmal beim Tempelhof Sounds 2022 in Berlin. Das war ein recht kurzer, ganz schöner Auftritt in der knallenden Nachmittagssonne, der im Nachhinein aber auch nicht dazu geführt hat, das Club-Konzert der Band ein paar Wochen später zu besuchen oder gar zum Solo-Konzert von Frontfrau Adrianne Lenker vor zwei Jahren zu gehen. Nach diesem Konzert muss ich sagen: Hätte ich das mal gemacht!

Einlassbeginn in der Columbiahalle war um 18:30 Uhr. Ich war arbeitsbedingt erst etwa eine halbe Stunde später da. Es hat aber trotzdem noch für einen Platz ganz vorne an der Absperrung auf der rechten Bühnenseite gereicht. Die Halle hat sich allmählich gefüllt. Das Konzert war ausverkauft, es wurde also voll. Um mich herum standen vor allem viele jüngere und weibliche Fans. Das hatte ich gar nicht unbedingt erwartet, aber mit Mitte 30 habe ich den Altersschnitt da vorne auf jeden Fall etwas nach oben gezogen.

Pünktlich um 20 Uhr wurde es dunkel im Saal. Den Abend eröffnete Dylan Meek, ein Singer-Songwriter aus Texas. Eine Dreiviertelstunde lang präsentierte er seine Songs, die sich wohl am besten als Neo-Soul beschreiben lassen. Souliger Gesang und ein Keyboard, mehr gab es nicht. Das fand ich manchmal ganz schön, manchmal aber auch etwas anstrengend. Das Klavierspiel war auf jeden Fall ziemlich gut. Und das Publikum ist mir sehr positiv aufgefallen. Ich würde mal vorsichtig behaupten, dass er musikalisch nicht unbedingt einen Volltreffer bei der Zielgruppe gelandet hat. Trotzdem haben alle Menschen um mich herum sehr aufmerksam zugehört und zwischen den Songs gab es viel Applaus. Eine sehr angenehme Atmosphäre insgesamt. Zum Ende des Auftritts kam noch der Bruder, Buck Meek, besser bekannt als Gitarrist von Big Thief, zur Unterstützung auf die Bühne und die beiden sangen passenderweise zusammen den Song "Brotherhood". Das war ganz schön. Und dann war der Auftritt auch vorbei.

Es gab eine etwas längere Umbaupause. Gegen 21:20 Uhr wurde es endlich wieder dunkel im Saal und Big Thief kamen auf die Bühne. Der Auftritt begann mit "Incomprehensible", einem Song des aktuellen Albums "Double Infinity". Lustigerweise gab es den restlichen Abend lang mit "Los Angeles" nur noch einen weiteren Song des Albums. Der Fokus lag stattdessen auf ganz neuen Songs, die bislang noch gar nicht veröffentlicht wurden. Unkonventionell, aber es hat trotzdem sehr gut funktioniert. Das lag einmal daran, dass diese Songs alle wirklich schön klangen. Und andererseits, weil das Publikum weiterhin unheimlich wertschätzend aufgetreten ist. Ein Rahmen zum Wohlfühlen.

Mit Songs wie "Vampire Empire" und "Simulation Swarm" gab es natürlich auch einige Hits, die euphorisch aufgenommen wurden. Aber eigentlich war es wirklich egal, was gespielt wurde. Es klang alles toll. Das Quartett um Frontfrau Adrianne Lenker war musikalisch großartig. Leise, laut, melodiös, zerbrechlich, krachig, ausufernd. Das volle musikalische Spektrum. Und der Sound war zum Glück auch glasklar und druckvoll.

Zum Ende des regulären Sets gab es mit "Change" noch ein Highlight. Das noch größere Highlight kam dann in der Zugabe, die mit "anything" – eigentlich ein Solo-Song von Adrianne Lenker – eröffnet wurde. Hach, war das wunderschön. Als das ganze Publikum nach einer kurzen Irritation zwischendrin lautstark fast schon im Kanon mitgesungen hat, war das wirklich magisch. Passend zum restlichen Programm wurde das Konzert im Anschluss mit einem weiteren neuen Song beendet. Nach etwa 115 Minuten Spielzeit war dann Schluss.

Insgesamt war das wirklich ein ganz großartiges Konzert. Im Juni gibt es in Deutschland noch weitere Tourdaten. Wäre Hamburg irgendwie zeitlich machbar für mich, würde ich wohl keine Sekunde überlegen. Von daher: Unbedingt hingehen!

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Wishkah
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Wishkah » Do 16. Apr 2026, 02:30

15.04.2026 Paul Simon, Uber Eats Music Hall, Berlin

Ich war vorhin bei Paul Simon in der Uber Eats Music Hall in Berlin.

Die heutige Kategorie: Konzerte von Musikgrößen, die man besucht, um sie einmal live gesehen zu haben, bevor es keine Möglichkeit mehr gibt. Das trifft auf den mittlerweile 84-jährigen Musiker, der neben seiner langen Solo-Karriere vor allem bekannt ist durch das legendäre US-Singer-Songwriter-Duo Simon & Garfunkel, auf jeden Fall zu.

Einlass in der Uber Eats Music Hall war um 18:30 Uhr. Da es ausschließlich feste Sitzplätze gab, bin ich ganz entspannt erst eine Stunde später angekommen. Mein Platz war in der Mitte der ersten Reihe im Oberrang. Eigentlich sitze ich in der Uber Eats Music Hall dort nicht so gerne, weil man so weit oben ist. Die Ticketpreise waren aber so hoch, dass mir alle anderen Preiskategorien zu teuer waren. Und der frontale Blick auf die Bühne ist ja immerhin wirklich ganz gut.

Paul Simon spielt an zwei aufeinanderfolgenden Abenden in Berlin. Beide Konzerte dürften sich – trotz der hohen Ticketpreise – (nahezu) ausverkauft haben. Freie Plätze gab es an diesem ersten Abend zumindest kaum. Der Altersdurchschnitt des Publikums lag dabei sicherlich dichter an Paul Simon als an mir. Der Anteil an internationalen Fans in meinem Umkreis war recht hoch.

Der Konzertbeginn war offiziell für 20 Uhr angesetzt. Etwa zehn Minuten später wurde es dunkel im vollen Saal. Paul Simon und seine zahlreich besetzte Band kamen unter großem Jubel auf die Bühne. Der Abend bestand aus zwei Teilen. In der ersten Hälfte wurde das vor mittlerweile drei Jahren veröffentlichte Album "Seven Psalms" komplett gespielt. Sieben Songs, eine gute halbe Stunde Spielzeit, keine großen Pausen oder Ansagen zwischendurch. Nur die Musik von Paul Simon und seiner Band, gesanglich phasenweise unterstützt von seiner langjährigen Ehefrau Edie Brickell. Im Fokus standen ruhigere, akustische Songs, thematisch recht religiös-spirituell ausgerichtet. Musikalisch war das ein angenehmer Einstieg. Gesanglich merkt man Paul Simon sein hohes Alter schon an. Da sitzt nicht mehr jeder Ton perfekt. Aber in dem Alter überhaupt von Abend zu Abend auf der Bühne zu stehen, durch das Konzert zu führen und gleichzeitig Gitarre zu spielen und zu singen ist schon beeindruckend. Das war alles authentisch und hat sich gut zusammengefügt. Dazu gab es ein passendes, sehr reduziertes Bühnenbild. Lediglich die Songtitel und einige Bilder wurden zwischendurch auf einer Leinwand eingeblendet.

Nach diesem ersten Teil gab es eine etwa 15-minütige Pause, bevor Paul Simon und seine Band wieder auf die Bühne kamen. In der anschließenden zweiten Konzerthälfte wurden dann etliche Hits und Raritäten aus der umfangreichen Diskographie des Musikers gespielt. Die Setlist umfasste Solo-Songs wie "Graceland", "50 Ways to Leave Your Lover" und "Me and Julio Down by the Schoolyard", aber auch Songs wie "Homeward Bound" von Simon & Garfunkel. Während es in der ersten Konzerthälfte noch ruhiger zuging, blühten Band und Publikum in diesem zweiten Teil auf. Die Stimmung war deutlich ausgelassener. Paul Simon brachte zwischendurch immer wieder unterhaltsame Anekdoten zu seinen Songs ein. An die Bitte, auf Fotos und Videoaufnahmen zu verzichten, wurde sich nicht mehr durchgängig gehalten. Insgesamt hielt sich das aber weiterhin in Grenzen und die Atmosphäre war angenehm.

Nach dem regulären Set kam die Band noch einmal für einen Zugabeblock auf die Bühne, der mit "Something So Right" eingeleitet wurde. Danach gab es dann zwei ganz große Hits: Erst "The Boxer" von Simon & Garfunkel, bei dem das ganze Publikum im Refrain lautstark mitsingen konnte. Und als sich die Band danach unter dem verdienten Applaus in den Feierabend verabschiedete, blieb Paul Simon auf der Bühne zurück, um mit "The Sound of Silence" alleine an seiner Gitarre für einen emotionalen Abschied zu sorgen. Im Gegensatz zur unangenehm Pathos-triefenden Coverversion von Disturbed, die mich seit ihrer Veröffentlichung vor einigen Jahren immer noch regelmäßig quält, war das wirklich emotional und ein würdiger Abschluss eines schönen Konzertes.

Nach insgesamt zweieinhalb Stunden Programm war der Abend vorbei und auch Paul Simon verabschiedete sich von der Bühne. Ich hatte auf jeden Fall eine schöne Zeit.

Katzenkraft
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Katzenkraft » Do 16. Apr 2026, 06:14

Wishkah hat geschrieben:
Do 16. Apr 2026, 02:30
15.04.2026 Paul Simon, Uber Eats Music Hall, Berlin

Ich war vorhin bei Paul Simon in der Uber Eats Music Hall in Berlin.
Hätte ich schon sehr häufig schreiben können, aber dann halt jetzt:
Toller Konzertbericht! :smile:

Ruby
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Ruby » Fr 17. Apr 2026, 11:51

Wishkah hat geschrieben:
Mi 15. Apr 2026, 17:43


Insgesamt war das wirklich ein ganz großartiges Konzert. Im Juni gibt es in Deutschland noch weitere Tourdaten. Wäre Hamburg irgendwie zeitlich machbar für mich, würde ich wohl keine Sekunde überlegen. Von daher: Unbedingt hingehen!
Kann ich unterschreiben. Auch das mit Dylan Merk.
Auch Köln war absolut großartig, Band, Setlist, Publikum, alles. :herzen2:
Die Setlist war in Köln eine andere.
Letzter Song war bei uns Los Angeles :herzen2:

Das Publikum kam mir jünger vor als vor ein paar Jahren noch, aber lag vielleicht auch daran, dass ich älter geworden bin. :lol:
"You can buy a bar/restaurant on an exotic island and I'll come and work for you." :herzen2:
"But more than most we have some truly mad memories." :mchearth:

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SammyJankis
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » Fr 17. Apr 2026, 13:01

Ich war am 04.04 (Samstag) in Köln bei Full of Hell im Gebäude 9. Klasse Tourpackage, hatte Bock. Show war auch ziemlich gut besucht. Gebäude 9 ist auch eine der mittleren bis großen Locations in Köln, die ich gerne besuche.

Jad - AZ Hardcore aus Polen. War vollkommen in Ordnung, aber wenn man auf die drei noch folgenden Acts guckt, hätte ich auch ohne die Band leben können. Wirkten aber freundlich und meine Frau hat mich aufgeklärt, dass der Sänger wohl seit Anfang der 10er Touche Amore durch Europa fährt.

Jarhead Fertilizer - Side Project von Full of Hell Membern. Erste Europa Tour, hab ich einige Jahre drauf gewartet und wurde zum Glück nicht enttäuscht. Grind/Power Violence Geballer, wer Full of Hell mag wird auch hier nichts falsch machen. Besonders beeindruckend: Der Drummer, der auch bei Full of Hell drummt, hat zusätzlich gesungen. Das so hinzukriegen bei den Taktwechseln, Respekt. Mein Set des Abends.

The Body - Zwei Leute, ganz schwerer, schleppender Sound und darüber schreit der Gitarrist, der stark nach netter Family Dad aussieht, mit seiner hohen Stimme. Das ist schon ne anstrengende Band, aber ich finds top. Einzig die Setlänge war überraschend kurz. 10 Minuten mehr hätten es gerade mit Hinblick auf die Länge der Songs gerne sein dürfen.

Full of Hell - Haben den Abend gebührend beendet. Chaotischer Grind Sound, mal mit mehr Hardcore, mal mit mehr Death Metal Einflüssen. Die Stimme des Sängers ist beeindruckend variabel. Der Drummer spielt das zweite Set des Abends, kein Ahnung, wie er das durchhält. Hier gab es auch zum einzige Mal an diesem Abend Pits. War insgesamt eine wunderbare Show mit einem Package, dass in dem Bereich keine Wünsche offen ließ. In einer gerechten Welt hätten Nails an dem Tag nicht in Essen für Kreator eröffnet, sondern hier gespielt.
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Flecha
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Flecha » Mo 20. Apr 2026, 13:14

Ich war am Freitag im Chalk in Brighton, England bei Frank Turner.

Mein 20. Konzert mit ihm in 17 Jahren zum 20-jährigen Jubiläum seiner ersten EP Campfire Punkrock. Nachdem ich früher zwar nicht hinterher gereist bin oder so, aber doch alle Möglichkeiten auf Festivals und zumindest in Hamburg ausgeschöpft hab, bin ich so um 2020 herum ein wenig Frank-Turner-müde geworden. Weil mir der neuere Output (mit Ausnahmen natürlich) nicht mehr so krass zusagt wie das Frühwerk und weil ich die "Best of"-Setlisten halt zur Genüge gesehen habe. Das Lost Evenings Fest in Berlin mit 2 Special-Shows hat mir gezeigt, was der richtige Rahmen und das richtige Set emotional immer noch mit mir machen und daher habe ich bei der Verkündung der Tour nicht gezögert: "Kleiner" Rahmen, sehr viele Oldschool-Songs, nur er mit Gitarre ohne Bandbegleitung (ich liebe die Sleeping Souls, aber finde es einfach so von der Intimität her schöner). Und das erste Mal überhaupt ein Frank-Turner-UK-Konzert für mich.

Die Location, sehr zentral fast direkt hinter der Strandpromenade gelegen, hat mir gut gefallen. Das Chalk bietet rund 800-900 Personen Platz. Den Tag vorher hatten wir in der Stadt verbracht, es war sehr sonnig und der Vibe in Brighton hat mir extrem gut gefallen. Die Menschen wirkten entspannt, es liefen viele alternative Leute rum, überall ist teils grandiose Street Art, die Fußgängerzone scheint mir noch inhabergeführte Läden zu beherbergen statt den immer gleichen Ketten, die man in jeder deutschen so findet. Die Unterkunft, ein Zimmer über einem Pub etwas außerhalb des Stadtzentrums auch toll. Mitten im Wohngebiet, leckeres Essen (Tofish and Chips, yum). Drinnen auch niemand unangenehm aufgefallen, aus der 3. Reihe 1x ganz durch, um vor Franks Auftritt noch mal die Örtlichkeiten aufzusuchen war ohne Probleme möglich und beim Zurückgehen gabs keine dummen Sprüche oder blockierende Leute, nach denen man bei einer deutschen Crowd hätte die Uhr nach stellen können.

Eröffnet wurde der Abend von Katacombs, einer US-Singer-Songwriterin. Spielte laut eigener Aussage bisher vorher in der Band ihres Bruders Amigo the Devil (sagte mir nichts) und ist seit einer gemeinsamen Tour vor 2? Jahren Frank Turners Partnerin. Dass darüber die Ehe mit Jessica Guise in die Brüche ging, fand ich schade, die wirkte auch super sympathisch. Aber naja. Musikalisch hat es mich zuweilen an Julien Baker erinnert, im Vergleich zum folgenden Programm auf jeden Fall deutlich introspektiver und weniger auf Singalongs etc ausgelegt. Hat mir sehr gut gefallen und die Platte wurde danach auch mitgenommen. Sie hat selbst Merch gemacht und wirkte auch im kurzen Gespräch sehr nett.

Dave Hause als 2. Support ist sowas wie ein Frank Turner staple. Hab die beiden jetzt bestimmt schon 3-4x zusammen gesehen und er dürfte so ziemlich der Artist sein, den ich am häufigsten live gesehen habe ohne ihn je wirklich aktiv zuhause gehört zu haben. Das ist natürlich schon viel mehr dieser klassische Folk/Akustik Punk und die Leute waren da voll drin, was mitsingen, klatschen etc pp anbelangt. Sehr guter Einheizer einfach und mit natürlich stabilen Ansagen zur politischen Lage in den USA.

Frank Turner selbst hat so 20:30 rum angefangen und rund 2 Stunden durchgespielt, ohne die Bühne für eine Zugabe zu verlassen. Es war magisch. Stimmung natürlich fantastisch, alle konnten alles mitsingen und das Set entsprach sehr meinem Geschmack. Start mit The Ballad of Me and My Friends und Nashville Tennessee unfassbar groß. Danach gewechselt zwischen den Campfire-Punkrock-Songs, Raritäten wie Live Fast, Die Old oder A Perfect Wife und dem Song, den ich mir am meisten gewünscht habe: Das Million-Dead-Cover Smiling at Strangers on Trains. :herzen2: Und dann doch fast alle Hits, aber in dem Setup allein und ohne Band+kleine Bühne und sowieso Euphorie waren die auch alle super. I Still Believe eh so ein Banger, Long Live the Queen sehr emotional. Neben Smiling... haben mich aber auch ein paar Songs richtig gecatcht, von denen ich das nicht unbedingt erwartet hätte. Haven't Been Doing So Well und Recovery back to back mit guten Aussagen zum Thema Mental Health war krass. Gleiches gilt für Somewhere Inbetween vom FTHC-Album, der mir vorher gar nicht so richtig im Kopf war als guter Song. Oder halt das eigentlich so unglaublich simple Be More Kind mit ein wenig Bezug zur weltpolitischen Lage.

Alles in allem ein fantastischer Abend, der die Reise absolut wert war und mich darin bestärkt, sowas vielleicht mal wieder zu machen. Lost Evenings in Edinburgh im Septmeber wird zeitlich nichts, aber Frank Turner wird ja ohnehin ohne Pausen weitertouren und da sicher auch noch mal so ein Special reinbringen. I mean: Love, Ire & Song 20 Jahre Tour 2028? Selbstläufer.
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Sjælland » Mo 20. Apr 2026, 17:45

Ich war gestern bei Bongeziwe Mabandla im Knust in Hamburg. Konzert auf dem Schirm gehabt, Ticket aber erst spontan am selben Tag für die regulären 27,20 Euro inkl. aller Zulagen gekauft. Eigentlich wollten wir beim Reeperbahnfestival 2024 schon zu ihm, allerdings war die Nochtwache seinerzeit heillos überfüllt. Das gestrige Konzert war für mich was sehr Besonderes, da es mein erstes Konzert seit dem Bukta-Festival in Tromsø im vergangenen Juli war, nach welchem ich aufgrund einer schweren Erkrankung v.a. am Ohr 2 Wochen ungeplant im Krankenhaus verbracht hatte und immer noch damit zu kämpfen habe.

War ca. 15 Minuten vor angegebenem Konzertbeginn vor Ort, habe erstmal meine Jacke abgegeben und ein alkoholfreies Getränk zu mir genommen. Merch gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Es war noch nicht allzu viel los, daher war es nach dem Drink an der frischen Luft kein Problem, bis nach vorne vor die Bühne zu gehen und mich rechts an der Seite in Reihe 2-3 zu platzieren. Publikum war gut durchmischt, schätze im Durchschnitt Anfang 30, ausverkauft war es nicht, aber es war letztlich gut gefüllt.

Der südafrikanische Sänger ließ allerdings auf sich warten und so kam es, dass das Konzert mit ca. 30 Minuten Verspätung begann. Davor kam kurz eine Person auf die Bühne, stellte vorne eine LP ab und drückte eine Taste am Laptop, wodurch mit einem einsetzendne Bass das Konzert eingeläutet wurde - Bongeziwe Mabandla kam mit seinen beiden Begleitmusikern auf die Bühne, das Licht wurde gedimmt und der vor allem durch seine überragende Stimme getragene Electronic Folk zog das Publikum in seinen Bann. Es folgte knapp anderthalb Stunden Musik in seiner Muttersprache Xhosa mit ganz lieben Ansagen, guter Chemie auf der Bühne, vielen Songs seines neuen Albums (das es später für 30 Euro und signiert zu kaufen gab) und seinen bekannten Hits wie Ndokulandela. Dabei wurde vom Publikum viel getanzt, es gab zwischendurch auch Ululationen und grundsätzlich war die Stimmung ausgelassen. Handys gab meist bei den bekannteren Songs vor allem vorne zahlreich, ansonsten erfreulich spärlich. Nur ganz vorne war eine Gruppe Fans, die irgendwann dann offenbar einen TikTok-Stream von sich gemacht haben, indem sie das Smartphone einfach auf die Bühne gestellt haben. So noch nicht gesehen.

Für mein geschundenes Gehör war es der richtige Konzerteinstieg, mit Gehörschutz ging es auch vorne ohne Probleme, da die Lautstärke gut aushaltbar war. Bin dann durchaus zufrieden nach Hause gefahren und glücklich, dass ich das wieder ohne Angst machen kann.

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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Flecha » Mo 20. Apr 2026, 20:08

Sjælland hat geschrieben:
Mo 20. Apr 2026, 17:45
glücklich, dass ich das wieder ohne Angst machen kann.
Das ist schön zu lesen!
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