> Festival Community Magazin - klickst Du hier <

Der Konzertbesuchsthread

Konzerte, Platten & Musik im TV
Benutzeravatar
Norakete
Beiträge: 2373
Registriert: Di 2. Jan 2018, 01:05
Wohnort: Karlsruhe

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Norakete » So 10. Mai 2026, 12:54

Letzten Dienstag war ich bei Clair Obscur: Expedition 33 - A Painted Symphony in Zürich und seitdem bin ich immer noch eine Gans.

Für mich mindestens mal das Spiel des Jahres, vom persönlichen Stellenwert her auf einer Stufe mit Baldur‘s Gate 3, wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen. Entsprechend musste ich natürlich zu dieser Tour. Ursprünglich wollte ich nach Berlin, da das einfach an meinem 33. Geburtstag stattgefunden hat. Aber leider selbst schuld, da ich den Vorverkaufsstart trotz Kalender-Erinnerung um 1h verpasst habe. Egal, dann eben nach Zürich.

Es gab kein Vorprogramm, was logistisch aber auch schwierig gewesen wäre, da hier neben Gesang, Gitarre und Klavier auch ein ganzes Orchester inkl. Chor aufgetreten sind. Aus meiner Zeit in Blasorchester und Posaunenchor habe ich für derartige Auftritte ohnehin noch ein Faible.

Das Konzert war in 2 Akte mit Pause aufgebaut und hat einen musikalisch nochmal durch das ganze Spiel geführt, inklusive Emmas Ansprache an die Expedition, vorgetragen vom Dirigenten. Was soll ich sagen, ich hatte über ca. 2h durchgehend Gänsehaut. Sowohl die ruhigen Lieder, von Alice Duport-Percier mit minimaler instrumentaler Begleitung vorgetragen, wie auch die energetischeren Lieder (Monoco, Nos vies en Lumière) sind live nochmal sehr viel krasser rüber gekommen als man sie eh schon kennt. Persönliche Highlights waren Renoir, Our Drafts Collide (mein Favorit vom OST), Maelle (inkl. Gommage-Konfetti). Letztlich gab es aber ohnehin kein Lowlight, es war von vorne bis hinten ganz fantastisch.

Fantastisch war auch das Publikum. Selten habe ich erlebt, wie ein Publikum so gespannt zuhört, ohne Getuschel oder andere nervige Nebengeräusche. Wie committed die Leute alle waren, hat man auch an den Outfits gemerkt. Geschätzte 10% der Leute trug mindestens einen Teil vom Baguette-Outfit, auch andere Cosplays waren zu sehen (u.a. 2 Cleas habe ich gesehen). Was ich auch noch nie erlebt habe, war ein derartiger Ansturm an den Merch-Stand. Sowohl vor dem Konzert, in der Pause als auch danach war dauerhaft eine viel zu lange Schlange. T-Shirts haben natürlich 33 Franken gekostet, ich habe dann lieber verzichtet.

Und das war es dann auch. Die Schweiz ist generell sackteuer, egal ob Hotel oder Essen oder irgendwas. Aber es hat sich sowas von gelohnt. In diesem Sinne: dim dam dadidam. :herzen2:
Gesendet von meinem Gerät ohne Tapatalk

last.fm
Das andere last.fm

Benutzeravatar
Wishkah
Beiträge: 15526
Registriert: Mo 14. Sep 2015, 08:49

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Wishkah » Di 12. Mai 2026, 06:35

08.05.2026 Glen Hansard (+ Courtney Marie Andrews), Columbiahalle, Berlin

Ich war am Freitag bei Glen Hansard in der Columbiahalle in Berlin.

Vor zehn Jahren habe ich Glen Hansard zum ersten Mal beim Haldern Pop live gesehen. Ich kannte vorher so gut wie nichts und war hinterher total begeistert von der Bühnenpräsenz und dem leidenschaftlichen Auftritt des irischen Musikers. Trotzdem habe ich mich in den folgenden Jahren weder groß mit seiner Musik beschäftigt noch weitere Konzerte von ihm besucht, obwohl er regelmäßig auf Tour ist und es einige Gelegenheiten gegeben hätte.

Im vergangenen Jahr war er dann (gemeinsam mit Markéta Irglová) als The Swell Season unterwegs. Das Konzert in Hamburg war ähnlich emotional mitreißend wie der Festivalauftritt damals und ein großes Highlight in dem vollgepackten Konzertjahr. Da habe ich mir vorgenommen, die nächste Gelegenheit auf jeden Fall mitzunehmen. Und ein paar Monate später kam dann auch schon die passende Tourankündigung mit diesem Konzert in Berlin.

Ich war etwa eine halbe Stunde vor Einlassbeginn an der Columbiahalle. Vor mir hatten sich schon einige andere Leute dort versammelt. Der Altersschnitt lag in den etwas höheren Gefilden. Nach dem pünktlichen Einlass um 18:30 Uhr hat es mich ganz nach vorne an die Absperrung auf der rechten Bühnenseite verschlagen. Das Konzert war nicht ausverkauft. Es wurde aber ziemlich voll. Beim Blick nach hinten konnte ich zumindest keine großen Lücken erkennen.

Um 20 Uhr wurde es dunkel im Saal. Die US-amerikanische Singer-Songwriterin Courtney Marie Andrews hat den Abend eröffnet. Eine gute halbe Stunde lang gab es eher melancholischen Indie-Folk, abwechselnd am Klavier und an der Akustikgitarre. Ein zusätzlicher Gitarrist hat für sphärische Klänge und passende Soli gesorgt. Das war insgesamt alles ganz schön, aber so richtig mitgerissen hat mich das nicht. Trotzdem ein solider Einstieg.

Nach einer Umbaupause kamen dann um 21 Uhr Glen Hansard und seine Band auf die Bühne – zu großen Teilen die Mitglieder seiner ursprünglichen Band The Frames, unter deren Namen es zu sporadischen Anlässen auch immer noch ab und zu mal Konzerte gibt. Mit "Revelate" wurde der Auftritt direkt mit einem Song dieser Band eröffnet. Mit den krachigen Gitarren klang das doch mehr nach einem klassischen Rockkonzert als ich erwartet hatte. Auf der Bühne war ordentlich was los. Das erste größere Highlight ließ nicht viel länger auf sich warten. "Say It to Me Now", ebenfalls ursprünglich von The Frames, war genau die Art von mitreißendem Folksong, die mich auch bei den letzten Live-Begegnungen mit Glen Hansard so zu überzeugen wusste. Das Publikum um mich herum zeigte sich sehr euphorisch und textsicher.

Die Setlist setzte sich bunt zusammen aus Solo-Songs von Glen Hansard sowie Songs seiner verschiedenen Bands (The Frames, The Swell Season, Interference) und auch dem einen oder anderen Coversong. Ein großes Highlight war für mich vor allem "This Gift", das dem Bassisten und Geburtstagskind Joe Doyle gewidmet wurde. Kurz vorher durfte dieser noch die Kerzen auf der passenden Torte auspusten. Außerdem hat mir "Fitzcarraldo" sehr gut gefallen. Während Glen Hansard zu Beginn noch etwas wortkarg war, gab es hier eine längere Einführung über den Hintergrund und die Entstehung des Songs. Der Sound war durchgängig sehr gut. Auch in den lauteren Phasen konnte man die Violine zum Beispiel immer gut hören. Die Lichtshow war eher zurückhaltend, aber stimmig.

Zum Ende des regulären Sets überschlagen sich die musikalischen Höhepunkte. Mit "Falling Slowly" gab es natürlich die emotionale Ballade von The Swell Season, ausgezeichnet mit einem Oscar für den besten Song in dem Film "Once", der vor knapp 20 Jahren maßgeblich zur Popularität von Glen Hansard beitrug. Das war schon wirklich sehr schön. Im Anschluss erzählte Glen Hansard darüber, wie er auf Courtney Marie Andrews aufmerksam wurde. Die kam dann auch direkt wieder auf die Bühne, um gemeinsam ihren Song "Let the Good One Go" zu spielen. Und danach gab es zum Abschluss mit "When Your Mind's Made Up" noch einen weiteren Song von The Swell Season. Hach, schön!

Im Anschluss gab es noch einen Zugabeblock mit einigen weiteren Liedern, bevor das Konzert dann gegen 23:15 Uhr nach etwa 135 Minuten Spielzeit beendet wurde. Verrückt, weil es trotz der Länge gefühlsmäßig doch ein sehr kurzweiliger Abend war. Auf jeden Fall war es ein sehr schönes Konzert. In den Studioaufnahmen fehlt mir immer so ein bisschen der letzte Funke. Live hingegen weiß Glen Hansard wirklich jedes Mal zu überzeugen. Auch diesmal war es an vielen Stellen wieder sehr mitreißend und musikalisch ausufernd. Da bin ich gar nicht abgeneigt, keine zehn Jahre auf das nächste Solo-Konzert von ihm zu warten.

Benutzeravatar
SammyJankis
Beiträge: 9949
Registriert: So 13. Sep 2015, 14:46

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » Di 12. Mai 2026, 21:04

Ich war am 24.04 (Freitag) in Mülheim an der Ruhr bei Second Sight im AZ. Hardcore ist im AZ Kontext immer ne schwierige Nummer, da es, vor allem was das Thema Mosh angeht, häufig zu Differenzen kommt. Gibt einige Läden, wo Mosh gar nicht gern gesehen wird und habe in der Vergangenheit auf Shows deswegen auch schon massiv Stress erlebt. War dementsprechend gespannt, wie dieser Abend verlaufen würde. Show war gut besucht, schätze um die 100 Zahlende bei 7-12 Euro Eintritt. Sicherlich auch ne Menge Leute dabei, die primär ins AZ wollten, von der Show gar nix wussten, und dann halt den Eintritt gelatzt haben, aber juckt die Veranstalter*innen im Endeffekt ja nicht.

Fierce - Dritter Gig der jungen Düsseldorfer Band. Ich hab noch 100 Prozent Anwesenheitsquote. Show war gut, aber kein Vergleich zu den beiden ersten Shows. Am Anfang war es auch ziemlich ruhig. Publikum ist aber im Lauf des Sets aufgewacht und es gab dann doch Mosh. Alles ohne Probleme. Backtrack Cover ist aus der Setlist geflogen, Inside Out als Intro noch drinnen. Nen anderer Coversong wäre fresh, aber bin mir grad unsicher, was gut passen würde.

Ratbite - Ebenfalls junge Band. Vielleicht zehn Shows gezockt, wenn man Social Media glauben kann. Set war okay, aber der Sound ist noch etwas lost. Da passt für mich einiges noch nicht zusammen. Mal sehen, ob es mit der Zeit besser wird.

Second Sight - Beste Show post-Corona von der Band. Bin zwar immer noch der Meinung, dass man lieber hätte was Neues starten sollen anstatt den alten Stuff wieder aufzukochen. Sound ist auch ein Bisschen überholt. Aber Crowd war voll drin und es gab viel Mosh. War ein würdiger Abschluss eines soliden Abends. Klar, kein Düsseldorf/Köln Show Niveau, aber insgesamt besser als erwartet und zum Glück ohne Stress.
There is panic on the streets

Lastfm

Benutzeravatar
Wishkah
Beiträge: 15526
Registriert: Mo 14. Sep 2015, 08:49

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Wishkah » Sa 16. Mai 2026, 12:03

13.05.2026 Broken Social Scene, Rough Trade, Berlin

Ich war am Mittwoch beim Promo-Konzert von Broken Social Scene im Rough Trade in Berlin.

Vor einigen Wochen habe ich erst durch Zufall mitbekommen, dass mittlerweile auch in Berlin im Rough-Trade-Plattenladen regelmäßig solche Events stattfinden. Zuletzt gab es dort unter anderem auch schon Promo-Konzerte von The Notwist und José González, bei denen ich aber zu spät dran war. Auch das Konzert von Broken Social Scene war eigentlich schon ausverkauft. Ich hatte aber Glück und habe über die Warteliste noch ein Ticket bekommen.

Der Einlass war für 20 Uhr angesetzt. Als ich etwa eine halbe Stunde vorher vor Ort angekommen bin, war der Plattenladen für den Soundcheck noch geschlossen. So hat sich dann allmählich hinter mir eine lange Schlange über den gesamten Vorplatz gebildet. Wenige Minuten vor Einlassbeginn hat es sich Kevin Drew, Frontmann von Broken Social Scene, nicht nehmen lassen, zu seinen Fans nach draußen zu kommen, jeden kurz persönlich zu begrüßen und ein paar Worte zu plaudern. Schöne Geste. Kurz darauf wurden die Türen dann auch geöffnet.

In der Mitte des Plattenladens war ein kleiner Bühnenbereich aufgebaut – ohne tatsächliche Bühne. Ich stand direkt davor. Der Einlass lief dann eine Weile. Es wurde sehr voll im Laden. Klar, bei so einer seltenen Gelegenheit war der Andrang auch wenig überraschend. Die Band hat sich insbesondere in Deutschland ja ziemlich rar gemacht. Die letzte reguläre Tour mit mehreren Konzerten hierzulande hat 2010 stattgefunden. Danach gab es noch einen einzelnen Festival-Auftritt beim Immergut Festival 2017 – bislang mein erstes und einziges Konzert der Band.

Gegen 20:15 Uhr kamen Kevin Drew und ein weiteres Bandmitglied auf die Bühne. Der Abend begann mit einem 15-minütigen Q&A-Teil, durch den eine Interviewerin führte. Dabei gab es hauptsächlich Fragen zur Rückkehr der Band nach einer längeren Auszeit und zum neuen Album "Remember the Humans", das erst in der Woche zuvor veröffentlicht wurde.

Um 20:30 Uhr ging es dann mit dem musikalischen Teil los. Broken Social Scene bestanden an diesem Abend aus vier Personen. Frontmann Kevin Drew, abwechselnd an der Gitarre und am Klavier, dazu ein weiterer Gitarrist/Bassist, ein Posaunist und mit der kanadischen Singer-Songwriterin Hannah Georgas noch eine weitere Sängerin. Das Konzert bestand im Grunde aus zwei Teilen. In der ersten Hälfte wurden vier Songs des neuen Albums gespielt, das mittlerweile schon einige Durchgänge bei mir bekommen hat und mir wirklich gut gefällt. Mit "Hey Amanda" gab es auch meinen bisherigen Favoriten. Der intime Plattenladen-Charme hat viel Spaß gemacht. Ab und zu ging mal ein Ton daneben, der Sound war etwas rumpelig oder es musste ein Song neu gestartet werden, aber das gehört ja alles dazu. Ein paar Leute neben mir haben die besondere Aufgabe bekommen, für die neuen Songs die Songtexte hochzuhalten. Eine lustige Improvisationslösung.

In der zweiten Hälfte kamen dann die Hits. Eingeleitet wurde dieser Teil mit einer wunderschönen Klavierversion von "Lover's Spit", die von Hannah Georgas gesungen wurde. Hach, das war wirklich traumhaft. Mit "Almost Crimes" gab es dann auch noch den Song, mit dem ich die Band vor etlichen Jahren kennen- und liebengelernt habe. Hannah Georgas durfte dann auch noch einen Solo-Song spielen. Und zum Abschluss gab es noch "Anthems for a Seventeen Year-Old Girl". Ein Song für die Ewigkeit, bei dem das ganze Publikum lautstark mitgesungen hat. Großartig!

Nach ziemlich genau einer Stunde Spielzeit war das Konzert dann gegen 21:30 Uhr vorbei. Für Broken Social Scene war es nach Auftritten in New York und London in wenigen Tagen das dritte und letzte Rough-Trade-Event. Und laut Kevin Drew auch das beste. Das habe ich gerne geglaubt, denn es war wirklich ein toller Abend in einem besonderen Rahmen.

Im Anschluss konnte man dann noch das neue Album als Vinyl abholen und von Kevin Drew signieren lassen. Das habe ich mir natürlich nicht nehmen lassen. Und zur Abwechslung habe ich dann sogar noch einen frühen ICE zurück nach Hamburg bekommen. Besser hätte es nicht laufen können.

Insgesamt hatte ich wirklich eine sehr schöne Zeit. Bei 40 Euro Ticketpreis inklusive Q&A, Mini-Konzert, Vinyl und Autogrammstunde kann man sich auch nicht beklagen. Das wird sicherlich nicht mein letztes Rough-Trade-Event gewesen sein. Und für Broken Social Scene ist das Ticket für das nächste reguläre Konzert im September in Berlin (gemeinsam mit Metric und Stars) natürlich auch schon längst gekauft. Die Vorfreude ist nach diesem Auftakt groß.

Benutzeravatar
SammyJankis
Beiträge: 9949
Registriert: So 13. Sep 2015, 14:46

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » Mo 18. Mai 2026, 14:46

Ich war am 08.05. (Freitag) in Düsseldorf bei Slow Burn im Jugendkulturcafe Franzmann. Nur kleine Bands, trotzdem 100 Zahlende, schon ne ordentliche Zahl.

7 Swords - Demo ist in der Woche gedroppt. Zweite Show, ich war durchaus hyped. Die Band schließt die Lücke der Kickback/Arkangel Metalcore Acts, die in der Gegend bisher nicht stattgefunden haben. Und sie machen es gut. Sound superhart und moshlastig, Gesang auch passend. Gab von Anfang an sehr diesen Mosh. All Out War Cover etwas verkackt aber kam dennoch böse. Für ne zweite Show und das junge Alter der Mitglieder wars top. Potential ist da. Für mich bester Auftritt des Abends.

Crawl for Cover - Sind für Cold Decay kurzfristig eingesprungen. Es wurde noch ne Spur stumpfer. Band wurde ähnlich gefeiert wie der Opener. Mich hat's musikalisch nicht so ganz abgeholt, war aber für 15-20 Minuten vollkommen in Ordnung. Six Ft Ditch Cover war sehr cool.

Premonition - Band aus Holland, auch erst knapp nen Jahr oder so unterwegs. Sound geht auch ins so late 90s early 00s moshlastiger Hardcore. Gefällt mir ziemlich gut und kam auch bei der Crowd gut an. Dying Breed Cover war auch stark, hört man nicht oft.

Slow Burn - Die seichteste Band zum Abschluss. Sound geht so in die Cold World/Biohazard Richtung. Gab natürlich weiterhin harten Mosh. Zusätzlich noch No Warning "Short Fuse" Cover. Haben weniger gefühlt als erwartet. Insgesamt gutes Ende eines unterhaltsamen Abends.
There is panic on the streets

Lastfm

fipsi
Beiträge: 12141
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:54

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von fipsi » Do 21. Mai 2026, 11:07

Ich war gestern Abend im UT Connewitz bei Lucrecia Dalt. Die Location gehört zu meinen absoluten Lieblingen und zu meiner Überraschung dürfte ich dort gestern meine erste Show mit Sitzplätzen erlebt haben. Dadurch war der Zuschauerraum sehr ordentlich gefüllt und es hat auch zum musikalischen Programm gepasst. Pünktlich 20:15 hat Moritz Fasbender den Abend eröffnet. Vor paar Jahren habe ich sie schon als Support von Moderat gesehen und den Auftritt positiv in Erinnerung. Dieser Eindruck hat sich bestätigt. Für eine sehr kurzweilige halbe Stunde gab es sehr atmosphärischen Elektro. Als Ansagen kamen Aufnahmen von einem alten Radio. Als lokalen Support nehme ich das immer wieder gerne mit.

Nach einer etwas zu langen Umbaupause kam dann gegen 21:25 Lucrecia Dalt mit ihren beiden Mitmusikern (Perkussion und Bass) auf die Bühne. Im Fokus stand ganz klar das aktuelle Album A Danger to Ourselves, welches etwas düsterer als die Vorgänger wirkt ohne dabei aber seine Leichtigkeit zu verlieren. Die Musik lebt stark von den starken Rhythmen. Live waren deshalb wieder die Percussions ein echtes Highlight. Zusätzlich gab es eine große Abwechslung durch den Einsatz verschiedener Gitarren und Bässe. Mal war es die elektrische Variante oder mal komplett akustisch. Das war schon eine echt schöne Mischung aus leisen Momenten und temporären Ausbrüchen. Hinter den Sitzplätzen gab es vereinzelte Gruppen, die getanzt haben, was sie irgendwann lobend festgestellt hat. Ich war nach einem langen Arbeitstag dennoch froh einfach zu sitzen und die Visualisierung zur Musik auf mich wirken zu lassen. Das war alles sehr stimmig und hat wieder viel Spaß gemacht. Nach knapp 85 Minuten war dann ohne unnötiges Zugabengehabe Schluss. Das war mehr Spielzeit als ich erwartet hätte. Lucrecia Dalt bleibt eine Künstlerin, bei der ich definitiv jede Tour im Blick behalte.

fipsi
Beiträge: 12141
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:54

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von fipsi » Di 26. Mai 2026, 12:17

Ich war gestern Abend bei Sixteen Horsepower in Berlin im Rahmen ihrer Reunion-Tour durch Europa. Wenig überraschend war schon seit Wochen der Festsaal Kreuzberg ausverkauft. Zum Glück waren wir rechtzeitig vor Ort und konnten uns weiter oben einen guten Platz sichern. Bei dem Wetter wäre aber eine bessere Durchlüftung des Ladens wünschenswert gewesen. Pünktlich 20:15 ohne Voract betrat die Band um Sänger David Eugene Edwards in Originalbesetzung die Bühne. Mit I Seen What I Saw vom Debüt Sackcloth 'n' Ashes, welches das ganze Set dominieren sollte, ging es gut durch den Saal polternd los. Bei der der Musik erwarte ich keinen klaren Sound und es hat sich schnell als ganz passend rausgestellt. In der ersten halben Stunde gab es dann mit Splinters und American Wheeze gleich zwei große Highlights der Band hintereinander. Generell ist mir wieder aufgefallen, was für große Songs das Quartett hat. Der Sound war roh und atmosphärisch zugleich, was mich komplett abholt. Musikalisch gab es auch eine sehr gelungene Abwechslung mit den eher countrymäßigen Songs und dem fast schon in den Post-Metal kippenden Stücken. Besonders die Ausbrüche haben den Abend stark gemacht. Die Band wirkte trotz der langen Abwesenheit von 20 Jahren gut eingespielt. Nach 90 Minuten wurde mit Poor Mouth das reguläre Set beendet. Der Song hat nochmal alle Stärken der Band vereint. Danach gab es noch einen kleinen Zugabenblock und es durfte danach eigentlich keiner was vermisst haben. Es war ein echt gutes Konzert und ich bin froh die Möglichkeit gehabt zu haben die Band nochmal zu sehen. Das ist eine würdige Ehrenrunde gewesen.

olli77
Beiträge: 446
Registriert: Do 10. Aug 2023, 06:25
Wohnort: Fürth
Geschlecht:

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von olli77 » Di 26. Mai 2026, 13:12

Ich war am Wochenende einen Tag beim kostenfreien New Orleans Festival in Fürth.

Da ich am Freitag eine Zahn-OP hatte, hab ich mir nur zwei Bands angeschaut.

Als erstes Sean Athens Band.
Sean Athens gewann 2025 die German Blues Challenge und vertritt Deutschland 2026 bei der European Blues Challenge in Katowice.
Blues ist nicht ganz so mein Genre, aber dieser Auftritt nach längerer Live-Durststrecke meinerseits hat echt Spaß gemacht.
Die gesamte Band hat toll harmoniert und das sonst etwas lethargische fränkische Publikum mitgerissen.

Danach und auch schon für mich als letzten Act Albie Donnelly´s Supercharge
So sehr mich der erste Act überzeugen konnte, so schrecklich war für meine Ohren dieser.
Angekündigt wurde die Band mit "zwischen Rhythm’n’Blues, Soul, Funk und rockigem Jazz" sowie "Kraftvolle Bläsersätze, wabernde Hammondsounds und fette Arrangements"
Hört sich schon nicht gerade für einen Ohrenschmaus an und es war noch schlimmer.
Gefühlt waren da nur Hammondsounds und Jazz zu hören.
Hab den Abend dann auch relativ schnell abgebrochen und mich um meine Nachwehen der OP gekümmert.

Benutzeravatar
SammyJankis
Beiträge: 9949
Registriert: So 13. Sep 2015, 14:46

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » Di 26. Mai 2026, 22:07

Ich war am 12.05. (Dienstag) in Köln bei Russian Circles in der Kantine. Show sollte eigentlich in der Live Music Hall sein, wurde aber runterverlegt und auch die Kantine war nicht komplett voll. Deutlich angenehmer als sonst für die Leute, aber da hat man sich bei VVK ordentlich verkalkuliert. Kantine wie immer Krise bei der Anreise, aber was will man machen.

Fotocrime - Nur noch die letzten zwei Songs gesehen. Post-Rock, aber hatte nen Gothic Touch. Hab ich so auch noch nicht gesehen. Fand die beiden Songs aber auch eher egal. Also nicht so tragisch, dass ich hier viel verpasst habe.

Pelican - Nie zu 100 Prozent meine Band gewesen, habe die immer als solide, aber mehr auch nicht abgestempelt. Vor knapp zehn Jahren auch mal ne Soloshow gesehen und mein Eindruck hat sich bestätigt. Nun also eine zweite Chance, da sie Support von Russian Circles waren. Viel verändert hat sich nicht. Wuchtiger Post-Metal, aber irgendwie ähneln sich alle Songs stark. Nicht schlecht, aber auf Dauer eintönig. Gig ist deswegen etwas an mir vorbei gegangen. Wird nicht mehr meine Band.

Russian Circles - Stark wie immer. Wahnsinnssound für nur drei Leute, auch abwechslungsreicher als Pelican davor. Band schafft es jedes Mal, mich zu fesseln. Setlist war ein guter Mix aus der Discographie mit den üblichen Hits. Spielzeit waren knapp 70 Minuten. Band hätte gerne noch einen Song mehr spielen dürfen, aber auch der anderen Seite habe ich so noch eine halbwegs gute Verbindung zurück in die Heimat bekommen. Außerdem hatten die beiden Supports mit 30 bzw. 50-60 Minuten ebenfalls ordentlich Spielzeiten. War insgesamt ein runder Abend.
There is panic on the streets

Lastfm

Benutzeravatar
SammyJankis
Beiträge: 9949
Registriert: So 13. Sep 2015, 14:46

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » Di 26. Mai 2026, 22:52

Ich war am 13.05. (Mittwoch) in Münster bei Angstmäler in der Baracke. Drei von vier Bands bereits kurz zuvor in Koblenz gesehen, aber Support ist richtig und wichtig. Schätze, es waren so 60 Zahlende am Start. Direkt nebenan gab es einen Fachschaftsrave. Die Besucher*innen konnten sich aber nicht für Hardcore Punk erwärmen und haben nur regelmäßig kurz zum Toilettenbesuch die Baracke betreten. Unverständlich.

Fear of Sin - Mit Abstand härteste Band des Abends durfte eröffnen. "Time Ends" Intro ging hart. Danach die drei Demo Songs, einen neuen und das Integrity Cover. Gab 2-3 Leute, die gemosht haben. Kam nicht bei allen gut an. Kann mich auch nicht erinnern, in der Vergangenheit mal so eine harte Band in der Location gesehen zu haben. Dort haben andere Spielarten des Hardcore Vorrang. Gig war gut, aber war halt nicht so viel los wie sonst. Kann man aber auch nicht immer erwarten.

Chemical Threat - Schon eher die Art von Hardcore, die ich in der Barack sehe. Tatsächlich vor zwei Jahren auch dort ein sehr gutes Set der Band gesehen. Dieses Mal hatte es leider nicht die Intensität. Mag den schnellen stompy Sound gerne, aber habe nach dieser Show in Verbindung mit Koblenz das Gefühl, dass die Luft etwas raus ist.

Placid - Weiterhin ein eigener Sound, punkig mit viel Hall in der Stimme. Gab etwas Bewegung, aber alles ruhig und entspannt. Fazit ist bei dieser Band eigentlich immer das gleiche. Sind nicht meine Lieblinge, aber für gute 15-20 Minuten Set reicht es alle Male.

Angstmäler - D-Beat, Fazit auch hier ähnlich wie in Koblenz. Das ist nicht zu 100 Prozent mein Sound, aber es war ein solider Abschluss des Tages. Einige Leute hatten richtig Spaß, die Kids, die bei Fear of Sin gemosht haben, haben es nicht gecheckt. Aber seis drum, mixed Billings sind ja auch was Feines. Abend war insgesamt vollkommen in Ordnung.
There is panic on the streets

Lastfm

Benutzeravatar
SammyJankis
Beiträge: 9949
Registriert: So 13. Sep 2015, 14:46

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » Sa 30. Mai 2026, 23:36

Ich war am 14.05. (Donnerstag) in Düsseldorf bei Outta Pocket im Jugendkulturcafe Franzmann. Beginn war dank Feiertag 16 Uhr. Mir war etwas unbehaglich am Vatertag einen Fuß in die Düsseldorfer Altstadt zu setzen, aber war dann doch entspannter als erwartet. Venue is eigentlich zu klein für die Show. War 10 Minuten nach Einlass am Start und stand Schlange. Dinge, die auf solchen Shows selten passieren. War dann auch fix Sold Out. Schön für die Veranstalter, schlecht für die Luft im Raum, aber was will man machen.

Eternal Enemy - Neues Projekt aus Hannover mit der ersten Show. Sound ist Slam a la Final Resting Place, super stumpf. Jeder Song eigentlich all Mosh. War natürlich von Beginn an die Hölle los. Sehr fieser Mosh nah an der Grenze. Denke für viele auch drüber, aber habe im Vorfeld nichts anderes erwartet. Sänger hat ne beeindruckende Stimme. Vor allem vor dem Hintergrund, dass er mit Pluto the Racer ne Pop-Punk Band hat, in der er auch gut clean singt. Respektables Repertoire. Gab zum Abschluss noch nen Death Threat Cover, dafür bin ich immer zu haben. Astreines Set für die erste Band und top erste Show. War dumm, positiv gemeint.

Once and for All - Weitere Hannover Band. Im Endeffekt wurden nur zwei Leute ausgetauscht. Beste Show, die ich bisher von der Band gesehen habe. Mosh weiter beängstigend hart, was dem Sound kein Wunder ist. Einfach extrem wütender Hardcore ohne viel Drumherum. Cold as Life Cover wurde nicht gespielt. Dafür zwei neue Songs, die mittlerweile auch veröffentlicht wurden. Crowd war abgesehen von den beiden neuen Tracks textsicher. Gilt auch fürs abschließende Madball Cover. Bestes Set des Abends.

Hold My Own - Zum ersten Mal in Europa. Haben einige Member mit reichlich Banderfahrung, darunter Mike Bulldoze. War schon etwas skurril, dass dieser Dude, den man schon als Legende bezeichnen könnte, in dem Jugendzentrum rumgelaufen ist. Sound blieb weiterhin hart. Es wurde aber deutlich, dass die Crowd primär für den deutschen Support am Start waren. Set war ruhiger, aber die Band hat schon noch Reaktionen hervorgerufen. Muss ich Zuhause nicht hören, aber war unterhaltsam.

Outta Pocket - Eine Band für die stumpfere Fraktion. Haben in den USA einen kleinen Hype. Sind hier auch besser angekommen als Hold My Own ohne an die Hannover Bands ranzukommen. Highlight auf jeden Fall das Special Move Cover. Und Probs an den Drummer, der die ersten drei Sets durchweg gemosht hat um dann noch das letzte zu spielen. Spaßiges Set, muss ich aber wie Hold My Own nicht Zuhause hören. War ne astreine Show fürn Zwanni Eintritt. DIY Hardcore ist weiterhin auf einem Höhenflug.
There is panic on the streets

Lastfm

Benutzeravatar
Finn
Beiträge: 1878
Registriert: Mo 14. Sep 2015, 12:57
Wohnort: Kopenhagen

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Finn » So 31. Mai 2026, 15:44

Ich war Mittwoch bei Iceage im Vega. Quasi Release-Konzert des neuen Albums. Statt auf der großen Bühne haben sie in der Mitte eine kleine Bühne aufgebaut, sodass alle Leute drum rum stehen konnten. Das hatte schon den Vibe, als ob sie mitten im Publikum spielen. Tickets waren mit knapp 30€ überraschend günstig. Das Konzert war recht kurzfristig angekündigt und ausverkauft hieß bei dem Setup, dass ca. die Hälfte der Kapazität von 1500 gefüllt war. Sehr entspannt für mich, da ich wieder etwas angeschlagen war.

Das Publikum war sehr durchmischt, aber auch besonders viele junge Leute, die (zum Glück weit weg von mir) ordentlich Gas gegeben haben mit Pogo und Crowdsurfing. Ich bin nicht der größte Fan und kenne das Schaffen der Band nicht bis ins kleinste Detail, aber der Großteil der Setlist ging schon gut nach vorne. Das neue Album wurde (komplett?) gespielt, dann eine Pause und noch ein paar alte Songs. Runder Abend.
__________________________________

Freitag und Samstag fand dann wieder das Nasty Cut Festival statt. Letztes Jahr habe ich es sausen lassen, dieses Jahr fand ich das Lineup bedeutend spannender und es fand noch näher an meiner Wohnung statt, also habe ich zumindest den Freitag mitnehmen wollen. 18:00 ging es los, ich habe es aber erst gegen 19:30 hingeschafft und so ging es mit Swash los. Indie-Punk im stile von Pup, aber weit von der Qualität entfernt und der Sänger hatte merklich wenig Bock. Das war nichts.

Als nächstes dann auch schon Pluto The Racer, auf die ich mich gefreut habe. Direkt ganz anderer Vibe von der Bühne, die drei Jungs hatten Bock und dieser hardcore-informierte Emo-Sound à la Anxious oder One Step Closer ist ja genau mein Ding. Da könnte gerne mal ein längerer Release kommen. Schönes Konzert, danach noch kurz geschnackt und ein T-Shirt mitgenommen.

Weiter ging es mit Burnt Tapes. Meine erste Assoziation waren hier Spanish Love Songs. Die Band hatte merklich einige Fans mitgebracht, war ein rundes Ding, aber hat mich auch nicht komplett vom Hocker gehauen.

Von Fresh hatte ich bisher die meisten T-Shirts gesehen. Irgendwann 2021 wurde mir Girl Clout ungelogen nach dem Ende jeder Playlist von Spotify als nächstes vorgeschlagen, muss irgendwie nur dadurch in den Top 5 Songs des Jahres gewesen sein. Auftritt war nice, gute Stimmung, wieder super heiß im Laden, aber großer Fan werde ich auch hier nicht.

Hollow Suns aus Japan haben dann den Abschluss gemacht. Der Sound hier eher heavy Alternative Rock und das Deftones T-Shirt vom Sänger kam auch nicht von ungefähr. Das Publikum war bisher sehr zurückhaltend, aber dass es gerade hier am meisten Bewegung vor der Bühne gab, hat mich dann doch überrascht. Cooler Auftritt, sympathische Dudes, schöner Abschluss.

Samstag hätten mich dann u.a. noch Comic Sans und Shoreline erwartet, aber ich hatte mich zum CL-Finale verabredet und das dann sausen lassen. Schade, aber der Freitag war auch so gut, dass ich mir für nächstes Jahr garantiert wieder ein Ticket kaufe.

Benutzeravatar
SammyJankis
Beiträge: 9949
Registriert: So 13. Sep 2015, 14:46

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » Mo 1. Jun 2026, 13:37

Ich war am 20.05. (Mittwoch) in Düsseldorf bei Turn of Phrase im Kulturschlachthof. Show sollte eigentlich in Köln stattfinden, aber die Venue ist geschlossen. RIP Quattro Cultura, die Collateral/Grand Scheme werde ich nie vergessen. Show nun also nicht nur mit Wechsel der Location, sondern gleich in ner anderen Stadt. Gut für mich, weil kürzere Anreise. Es war um die 100 Zahlende am Start.

World Instinct - Darmstadt Newcomer im Stile von early 00s Bands. Gab die Demo Songs und einige Cover. War cool, guter Sound, viel Bewegung. Nach zwei eher groben Shows in Düsseldorf ging es auch gesitteter zu. Abwechslung was Sound angeht tut immer gut. Stärker Opener.

Exan - Spielen im Moment viel und es zahlt sich aus. War mit Abstand der beste Gig, den ich bisher von der Band gesehen habe. Ging deutlich schrammeiliger zur Sache als noch beim Opener. Haben auch ordentliches Feedback bekommen. Crowd war weiterhin aktiv.

Compete - Wiens Finest, spielen oft in der Nähe, jede Show wird mitgenommen. War wie immer unterhaltsam. Neue Songs kommen gut. Gab noch Cover von Straight Ahead und Stop and Think. Es wurde das geliefert, was ich erwartet habe.

Turn of Phrase - Zu Beginn mit starkem Bezug zu Envision, mittlerweile geht es stärker in Richtung Turning Point. Sound stark emolastig, aber immer noch mit viel Raum für Mosh. Auch ne Empfehlung für das Forum. Die könnten hier Gefallen finden und im Endeffekt auch problemlos den Support vor ner größeren melodischeren Hardcore Band machen. Gig war gut, Abend ebenso. Gute Vorbereitung fürs Wochenende.
There is panic on the streets

Lastfm

defpro
Beiträge: 2886
Registriert: Fr 20. Mai 2016, 14:38

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von defpro » Di 2. Jun 2026, 14:16

Mit ein bisschen Verspätung: Ich war am 22. und 24. Mai im Deutsche Bank Park Frankfurt bei Metallica. Es war die Fortführung der M72-World Tour, die bereits seit 2023 läuft und deren Konzept an vielen Tourstopps besagt, dass pro Stadt zwei Konzerte ohne Setlist-Überschneidungen gespielt werden. Da die Hits über beide Tage verteilt werden, werden auch hauptsächlich Kombi-Tickets für beide Abende verkauft. Die Bühne war ringförmig in der Mitte angeordnet, wobei ganz mittig Metallica-typisch noch der Snakepit als exklusiver Zuschauerbereich installiert wurde. Die Supports waren Knocked Loose und Gojira am Freitag und Avatar und Pantera am Sonntag, wobei ich die jeweils erste Vorband verpasst habe.

Für mich waren es die allerersten Stadion-Konzerte überhaupt. Die Orga im Stadion selbst fand ich im Großen und Ganzen top. Einlass ging flott, man ist schnell an Getränke gekommen und im Stehplatzbereich fand ich es platztechnisch immer sehr angenehm, sodass man nicht gemerkt hat, dass der Laden ausverkauft ist.
Nachbessern sollte man bei Urinalen. Ich verstehe nicht, wieso man hier nur auf klassische Dixis setzt. Dass sich einfach jeder an die Bäume stellt, weil die Schlangen an den Dixis zu lang sind, kann ja wohl auch nicht die Lösung sein. Das vegetarische Essensangebot fand ich auch ziemlich mau, wobei ich auch nicht an allen Ausgängen das Angebot studiert habe. Außerdem fand ich es ziemlich uncool, dass die Getränkestände im Stadion um 22.30 Uhr geschlossen wurden. Klar, man will die Leute aus dem Stadion raus haben, aber dann lass die doch wenigstens dort noch ihren Pfand zurückgeben und nur draußen neue Getränke verkaufen. So haben sich unnötig lange Schlangen und Stresssituationen ergeben.

Zu den Konzerten selbst: Für mich war das eine absolute Frechheit, was bei den Vorbands abgeliefert wurde und ich hatte meine Ansprüche bereits nach unten geschraubt. Bei Gojira hatte ich teilweise wirklich Probleme, überhaupt die Songs zu erkennen. Wenn man es nicht hinbekommt, für die Supports einen einigermaßen vernünftigen Sound bereitzustellen, dann sollte man doch bitte einfach kleinere Bands hinstellen, die sonst in <1.000-Locations spielen und mal vor der großen Crowd ihr Können beweisen dürfen, anstatt hier mit hochkarätigen Namen zu werben und dann so eine Grütze abzuliefern. Ich bin bei Gojira wirklich den kompletten Zuschauerbereich abgelaufen, um einen ansatzweise vernünftigen Sound zu finden und es war überall Not gegen Elend (und ich bin normalerweise bei dem Thema wirklich nicht empfindlich).

Bei Metallica hat es sich zum Glück soundtechnisch gebessert. Gerade sonntags fand ich es von Beginn an recht gut, wobei ich mir fairerweise an beiden Tagen irgendwann den Sound schöngesoffen habe, was auch hervorragend funktioniert hat. Das Konzept der Mittelbühne klang für mich auf dem Papier ganz gut, komplett begeistert hat es mich dann letztendlich jedoch nicht, da sich die Band (im Gegensatz zu den Supports) nicht über die Bühne verteilt hat, sondern für 4 Songs recht statisch an ihrem Spot verweilt haben, sodass man häufig doch nur auf die Leinwände geglotzt hat. Klar, dafür gab es keine drölf FOS-Bereiche, die Crowd hat sich gut verteilt und die Preise waren mit 128 € pro Abend noch recht fair gestaltet. Wir hatten das Glück, einige Highlights aus dem letzten Drittel des Sets mit der Band direkt vor der Nase erwischt zu haben. Ich würde sagen, dass die Stimmung am Sonntag deutlich besser war, wobei wir hier auch direkt zu Beginn weit vorne rein sind, während wir uns freitags für große Teile des Konzerts etwas weiter hinten aufgehalten haben, weil da während Gojira der Sound noch am erträglichsten war. Die Showeffekte waren in Ordnung. Klar wäre hier sicherlich in puncto Pyro usw. noch mehr gegangen, aber für mich reicht es auch aus, wenn die Songs für sich stehen.

Die Setlist fand ich ziemlich großartig, auch wenn meine größten Wünsche (The Four Horsemen, Sanitarium, Disposable Heroes, Justice) alle nicht gespielt und auch mein liebstes Instrumental "To Live Is to Die" nicht gepickt wurde. Aber was hier bei "Battery", "Blackened" und "Leper Messiah" für eine Stimmung abging, war schon ziemlich überwältigend. Gerade mit Blick auf die Standard-Best-of-Setlists in Zürich und Berlin würde ich mir glaube ich keine "normale" Metallica-Show mehr ansehen. Das ist für Gelegenheitshörer und First-Timer sicherlich trotzdem cool, aber als Fan hat man dann doch andere Ansprüche. Generell finde ich den Ansatz mit den zwei Konzerten auch ziemlich cool und könnte mir einige Bands vorstellen, bei denen das ebenfalls gut funktionieren könnte.

Alles in allem war es ein schönes Stadion-Debüt. Im August bin ich an gleicher Stelle bei The Weeknd, diesmal allerdings mit Frontalbühne. Der ist zwar mit Band unterwegs, trotzdem wird da auch viel prerecorded sein. Ich hoffe mal, dass man hier soundtechnisch besser aufgestellt ist.

Benutzeravatar
SammyJankis
Beiträge: 9949
Registriert: So 13. Sep 2015, 14:46

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » Di 2. Jun 2026, 14:51

Ich war am 22.05. (Freitag) in Hamburg bei Spirit Crusher im Quarterpipe. Bei der Suche nach Verbindungen fürs Cakewalk Fest in Berlin gecheckt, ob man das irgendwie noch mit was verbinden kann und dann entschlossen, noch die Hamburg Show mitzunehmen. Bin mit Deutschland Ticket von Duisburg nach Hamburg. Hat leider dieses Mal im Gegensatz zur Vergangenheit so gar nicht funktioniert. Angestrebte Verbindung fiel aus und auf der Alternativroute hatte ein Zug ~90 Minuten Verspätung. Dazu noch Ausfall von Klimaanlagen, Türstörungen inkl Waggonräumung, das volle Programm. War dann aber doch pünktlich bei der Venue. Die ist etwas versteckt, aber ziemlich modern. Curfew muss aufgrund der Wohnungen drumherum um 22 Uhr sein. Da wird es natürlich zum Problem, wenn alle Bands dank Pfingstwochenende im Stau stehen. Beginn für vier Acts war dann statt 18:30 Uhr erst um 20 Uhr. Reihenfolge der Bands war die Reihenfolge, in der sie angekommen sind. Drei Bands haben ihr Set gekürzt. Schätze es waren so 60-70 Zahlende am Start. Crowd deutlich heterogener als in NRW. Zusätzlich einige Leute mit Glas am Pit. Würde in NRW direkt Stress geben, aber in Hamburg geht es beim Mosh deutlich gesitteter zur Sache, sodass nix passiert ist. Waren auch einige Kinder am Start, feine Sache.

Turn of Phrase - Set wurde wie bereits erwähnt gekürzt. Sound war wieder stark und Band schien auch Lust zu haben. Crowd war aber noch zurückhaltend.

Compete - Auch hier ein kürzeres Set. Cover gabs keine, unsicher, ob auch eigene Tracks dem nun straffen Zeitplan zum Opfer gefallen sind. Gab auf jeden Fall mehr Bewegung als beim Opener. Haben das Beste aus der Situation gemacht.

Blind Ambition - Recht junge Band aus der Frankfurt Ecke. Noch nie gesehen. Ich hab mal in die Veröffentlichung reingehört, hängen geblieben ist nichts. Band hat gefühlt als einzige ein vollständiges Set gespielt. Ist natürlich ärgerlich, weil es für mich mit Abstand die schlechteste Band war. Bassist war nicht am Start, da fehlt schon mal viel. Sound war so Standard moshlastiger Hardcore. Gab passend dazu auch Cover von Terror und Trapped Under Ice, wobei das erste gar nicht gut klang. Zusätzlich hatte der Drummer nen Bassdrop, find ich generell schon mal schlimm. Hat das Ding dann zusätzlich an den most random Stellen während der Songs angeschlagen anstatt es wie schlechte Metalcore Band xy zu machen und damit nen Breakdown einzuleiten. Das war einfach nur komisch und mies. Naja, Crowd in Hamburg fands nicht so schlimm wie ich. Gab sogar Leute die textsicher waren. Bleibt für mich wohl eine einmalige Sache.

Spirit Crusher - Ebenfalls kürzeres Set. Viel dürfte aber nicht gefehlt haben. War das beste Set des Abends mit den stärksten Publikumsreaktionen. Kleiner Wermutstropfen, dass durch die Eile keine Räucherstäbchen angezündet wurde. Somit die erste von 20+ Spirit Crusher Shows für mich ohne Räucherstäbchen. Hat sich falsch angefühlt. Abend war insgesamt okay. Hamburg Hardcore ist momentan bei Weitem nicht so gut aufgestellt wie NRW, aber da gibt es bekanntlich immer Aufs und Abs.
There is panic on the streets

Lastfm

Rieper
Beiträge: 3373
Registriert: Mo 14. Sep 2015, 12:49

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Rieper » Mi 3. Jun 2026, 10:07

Wir waren gestern Abend bei den Unique Moments im Innenhof des Landesmuseums in Zürich bei The xx.

Es war das erste Konzert der Band in Europa seit fast acht Jahren, und ich bin froh, sie in einem halbwegs intimen Rahmen gesehen zu haben und nicht auf einem Festival oder so. Heute spielen sie dort noch einmal; beide Shows waren beziehungsweise sind ausverkauft.

Aufgrund der Arbeit kamen wir erst während des Support-Acts an, sodass ich über Florence Sinclair nicht viel schreiben kann. Es gab einen kleinen, aber feinen Food Court, und das vegane Gyros hat hervorragend geschmeckt.

Es folgte eine etwas zu lange Pause zwischen dem Support und The xx, was jedoch der einzige negative Punkt des Abends bleiben sollte. Das ließ sich letztlich verschmerzen und fiel im Nachhinein kaum noch ins Gewicht. Die Band eröffnete das Set mit Crystalised, und das Publikum war sofort voll dabei. Highlights für mich waren das wunderschöne Angels, I Dare You sowie das kurze Set von Jamie xx mitten in der Show. Romy und Oliver Sim hatten sichtlich Freude am Auftritt, und es tat einfach gut, die Band live zu erleben. Nach rund 70 bis 75 Minuten bildete Intro den Abschluss.

Insgesamt war es ein starkes Konzert und ein sehr schöner Abend in einem tollen Rahmen mit einem ausgesprochen angenehmen Publikum. Selbst bei den leiseren, ruhigeren und intimeren Stücken war das Publikum um uns herum kaum bzw. gar nicht zu hören. Bei den lauteren, schnelleren und elektronischen Songs wurde dagegen ordentlich getanzt. Zudem war die Hitze der vergangenen Tage verschwunden, und der gestrige Regen hörte rechtzeitig vor der Veranstaltung auf. Wirklich ein nahezu perfekter Konzertabend. :herzen2:

Benutzeravatar
Quadrophobia
Beiträge: 16922
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:15
Wohnort: Hamburg
Kontaktdaten:

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Quadrophobia » Mi 3. Jun 2026, 10:54

Noch kein Bericht von @Wishkah ? :O Dann mach ich mal!

Ich war am Montag im Hamburger Docks bei Ben Howard

Mein jetzt fünftes Konzert von ihm, allerding das erste, das wirklich im Club stattfand, sonst wars immer nur Festival, Sporthalle oder Stadtpark. Es war dann auch deutlich später ausverkauft, als ich es erwartet hatte, der Hype der ersten beiden Platten ist inzwischen endgültig vorbei, was imho nur guttut, das Publikum war früher immer sehr anstrengend.

Support kam von Clara Mann, der Name ist mir zuletzt häufiger untergekommen. Schöne, reduzierte Singer-Songwriter Musik, stimmlich stark und sehr atmosphärisch. Gab auch zurecht viel Aufmerksamkeit vom Publikum. Einzig die Ansagen waren etwas wirr :D Später war sie dann auch als Background Sängerin Teil der Band von Ben Howard.

Ben Howard tourt grad hauptsächlich als Support von Zach Bryan und spielt nebenher ein paar Solo Gigs, so auch diesen. Früher gab es von ihm eigentlich immer nur das aktuelle Album in Gänze plus 2-3 Songs in der Zugabe, inzwischen spielt er einen bunten und abwechslungsreichen Mix durch seine fünf Alben. Beim letzten Konzert 2023 im Stadtpark war mir der starke Fokus au "is It" zu langatmig, hier war der Mix deutlich gelungener. Es gab von jeder Platte 2-3 Songs, dazu gleich vier neue, von denen vor allem "Cadence" und "I Want to be the Sun" als Closer beste Erinnerungen an die ausufernden Crescendo-lastigen Songs der ersten beiden Platten hervorgerufen haben. Darüber hinaus hat er offensichtlich endlich seinen Frieden mit dem Debüt geschlossen und es gab neben Promise die sehr seltenen Keep Your Head Up und Only Love, die er in den letzten 10-12 Jahren nur ein paar mal überhaupt gespielt hat. Gleichzeitig hören diese Songs sich inzwischen noch mal deutlich anders an, als damals und haben viel von der elektronischen Textur, die seine neueren Alben prägen abbekommen. Gerade bei Acts, die ich schon oft gesehe habe, mag ich es, wenn alte Hits nicht immer nur vom Blatt gespielt werden (man muss ja nicht alles so verhunzen wie die Pixies). Auch die Bühnenpräsenz ist heutzutage eine ganz andere. Früher konnte man ihn inmitten von Nebelschwarden kaum erkennen, inzwischen gibts auch mal ein paar verhältnismäßig fröhliche Ansagen und Anekdoten, zum Beispiel zu seiner Familienvergangenheit in Hamburg. Einige Songs, die ich früher eher als Filler wahrgenommen habe, bspw. "There's Your Man" von Noonday Dream oder "Sister" von der darauffolgenden EP haben sich mir mit dem Auftritt erst als die tollen Songs die sie sind geöffnet. Insgesamt ein sehr starker Auftritt, Zwei Stunden Spielzeit, alles Top, bisher tatsächlich mein bestes Konzert von ihm.
Zuletzt geändert von Quadrophobia am Mi 3. Jun 2026, 11:27, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Wishkah
Beiträge: 15526
Registriert: Mo 14. Sep 2015, 08:49

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Wishkah » Mi 3. Jun 2026, 10:57

Quadrophobia hat geschrieben:
Mi 3. Jun 2026, 10:54
Noch kein Bericht von @Wishkah ? :O Dann mach ich mal!
Kommt! Ich hänge ein bisschen hinterher.

Starke Berichtquote hier gerade. :thumbs:

Benutzeravatar
Wishkah
Beiträge: 15526
Registriert: Mo 14. Sep 2015, 08:49

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Wishkah » Mi 3. Jun 2026, 12:56

29.05.2026 To Kill a King (Nachmittags- & Abendshow), Foto-/Videostudio Roger Paletti, Berlin

Wir waren am vergangenen Freitag bei den beiden Abschiedskonzerten von To Kill a King im Foto-/Videostudio Roger Paletti in Berlin.

Ich habe die Band vor mittlerweile dreizehn Jahren kennengelernt. Damals hatten sie gerade ihr Debütalbum "Cannibals with Cutlery" veröffentlicht, dessen energischer Indie-Folk/-Rock mir sehr gut gefallen hat. Bei der dazugehörigen Tour Anfang 2014 war ich im Hamburger Knust anwesend. Obwohl es in meiner Erinnerung ein rundes Konzert war und ich ja auch das Album wirklich stark fand, ist die Band in den Jahren danach von meinem Radar verschwunden. Die nachfolgenden Alben habe ich kaum mehr gehört und live habe ich sie auch nicht mehr gesehen. Wie das manchmal eben so ist. Präsent ist die Band erst einige Jahre später durch einen Zufall wieder bei mir geworden. Eine damalige Arbeitskollegin hat eines bedeutungsvollen Tages nämlich ein T-Shirt von der Band getragen. Ein Grund, warum wir ins Gespräch gekommen sind und uns näher kennengelernt haben. Mittlerweile ist sie seit fast sieben Jahren meine Freundin. So kann es kommen.

Als To Kill a King im vergangenen Jahr das Ende der Band angekündigt haben und in diesem Zuge auch ihr letztes Album veröffentlicht wurde, war das also eine emotionale Angelegenheit für uns. Vor einigen Wochen hat Ralph Pelleymounter, Frontmann der Band, dann in den sozialen Netzwerken nach Möglichkeiten für Abschiedskonzerte in Deutschland gefragt. Obwohl die Band ja aus England kommt, war Deutschland immer der zweite Ankerplatz mit einigen Fans. Herausgekommen sind am Ende zwei Shows in Frankfurt und eben in Berlin – bei letzterem aufgrund der Nachfrage noch mit einem zusätzlichen Nachmittagskonzert am selben Tag.

Wir sind am Freitagnachmittag gerade so pünktlich nach der Arbeit in Berlin angekommen. Baustellenbedingte Zusatzumstiege machen immer am meisten Spaß. Die Konzerte sollten in einem kleinen Foto-/Videostudio in einem Hinterhof in Kreuzberg stattfinden. Als wir dort angekommen sind, standen schon ein paar andere Fans vor den noch verschlossenen Türen. Diese wurden dann pünktlich um 18 Uhr geöffnet. Ein kleiner Raum, besetzt mit gemütlichem Sitzgelegenheiten und einem Teppich vor der Bühne, die eigentlich gar keine klassische Bühne war. Getränke auf Spendenbasis. Ein paar einladende Worte des Eigentümers des Studios zu den etwa 20 Anwesenden. Das hatte schon was von einem Wohnzimmerkonzert in heimeliger Atmosphäre.

#1 Nachmittagskonzert

Um 18:15 Uhr starteten To Kill a King – in kleiner Besetzung mit Ralph Pelleymounter und BJ Jackson, dem Keyboarder der Band (an diesem Abend aber in der Rolle des zweiten Gitarristen) – das Nachmittagskonzert. Dass die vollständige Band bei diesen Auftritten nicht mehr zusammenfinden würde und es stattdessen eine reduzierte Akustikvariante gab, war vorher schon bekannt gewesen. Das passte aber auch zum Rahmen. Das Konzert war dann wirklich schön. Es gab gut 50 Minuten lang eine bunte Mischung aus der gesamten Diskographie, einige Anekdoten zu den Songs und viele dankende Worte. Musikalisch haben mir erwartungsgemäß die Songs von "Cannibals with Cutlery" am besten gefallen. Mit der restlichen Diskographie bin ich einfach nicht so vertraut. Gefreut habe ich mich aber auch sehr über "Spiralling" vom letzten Album.

Das zahlenmäßig überschaubare Publikum hat aufmerksam zugehört und in den passenden Momenten mitgesungen. Das Konzert war – im Gegensatz zum Abendkonzert – auch nicht ausverkauft. Es wirkte alles ein bisschen wie die Generalprobe für die folgende Show. Dabei hat Ralph Pelleymounter angedeutet, dass es später für ihn schwierig werden könnte, weil seine Stimme nach der Bahnfahrt von Frankfurt nach Berlin ohne ausreichende Getränkeversorgung etwas angeschlagen war. Das hat man ihm aber größtenteils gar nicht angemerkt. Im Gegenteil, die markante Stimme klang sowohl in den tiefen als auch in den hohen Tonlagen gewohnt stark.

#2 Abendkonzert

Nach den Ende des ersten Konzerts sind wir im Studio geblieben, haben uns aber ganz nach vorne an die Bühne gesetzt. Es gab noch Zeit für ein paar Worte mit der Band und ein Foto. In der Pause ist ansonsten nicht allzu viel passiert. Gegen 20 Uhr begann dann wieder der Einlass. Diesmal wurde das kleine Studio voll. Etwa 40 Anwesende haben ihre Plätze eingenommen. Um 20:30 Uhr gab es wieder ein paar einleitende Worte des Studioinhabers. Dann ging das Konzert los. Der grundsätzliche Rahmen hat sich nicht verändert. Es gab wieder ein Akukstikset von Ralph Pelleymounter und dem zweiten Gitarristen. Die Setlist wurde aber umgestellt und das Konzert ging mit etwa 70 Minuten Spielzeit auch länger als der Auftritt am Nachmittag. Die Stimme von Ralph Pelleymounter hat gut durchgehalten. Die musikalischen Highlights waren für mich ähnlich. "Cold Skin" bleibt nach all den Jahren wohl mein Lieblingssong der Band. Der emotionale Höhepunkt war für mich aber "Family", mit dem die Zugabe eröffnet wurde. Das hat für reichlich Gänsehaut gesorgt. Und "Choices" gegen Ende war mit dem unterstützenden Publikumsgesang auch sehr schön.

Ralph Pelleymounter hat sich zum Schluss sichtlich gerührt und mit Tränen in den Augen von seinem Publikum verabschiedet. Verständlich, es war ja (zumindest auf absehbare Zeit) nicht nur das letzte Deutschlandkonzert von To Kill a King, sondern überhaupt der letzte Auftritt der Band. Auch für uns war es sowohl musikalisch als auch emotional ein sehr schöner Abschied in einem sehr familiären Rahmen. Schade, dass sich die Band auf lange Sicht nicht so etablieren konnte, wie man es sich nach dem Debütalbum damals vielleicht erhofft hatte. Zumindest an diesem Abend durfte der König aber noch einmal auferstehen und sich gebührend feiern lassen.

Benutzeravatar
Wishkah
Beiträge: 15526
Registriert: Mo 14. Sep 2015, 08:49

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Wishkah » Mi 3. Jun 2026, 17:42

31.05.2026 Zach Bryan (+ Ben Howard, Keenan O'Meara), Waldbühne, Berlin

Ich war am Sonntag bei Zach Bryan in der Waldbühne in Berlin.

Eine Premiere für mich: Ich habe mir wohl zum ersten Mal ein Ticket für ein größeres Konzert geholt, obwohl ich den Künstler bis zur Tourankündigung gar nicht kannte. Grund dafür war ein gewisser Ben Howard, der als Support angekündigt wurde und zu dem Zeitpunkt noch keine anderen Tourdaten bekanntgegeben hatte. Da habe ich jegliche Vernunft ausgeblendet und in den sauren Apfel gebissen. Was macht man nicht alles, um seine Lieblingskünstler live zu sehen...

Einlass in der Waldbühne war schon um 15:45 Uhr. Da ich einen festen Sitzplatz hatte, bin ich aber erst eine Dreiviertelstunde später vor Ort gewesen. Der Weg nach Berlin war aufgrund von Baustellen auf der Zugstrecke schon anstrengend genug, da wollte ich nicht noch früher los. Eigentlich hatte ich mich auf einen sommerlichen Konzertabend mit angenehmen Temperaturen gefreut. Eine S-Bahn-Station vor der Waldbühne brach der bewölkte Berliner Himmel aber auf und es hat erstmal eine ganze Weile lang geregnet. Zum Glück konnte man sich Regencapes in der Waldbühne kaufen, die von einem Großteil der Anwesenden dann auch getragen wurden.

Ich hatte einen Gangplatz im seitlichen Unterrang. Nah dran an der Bühne mit bestem Blick auf das Geschehen. Die Waldbühne war nicht ausverkauft, viel dürfte aber nicht gefehlt haben. Selbst im Oberrang gab es nur einzelne freie Plätze. Wie das passiert ist, kann ich mir nicht wirklich erklären. Der US-amerikanische Countrymusiker war mir bis zu dieser Tourankündigung völlig unbekannt. Die offensichtliche Popularität ist komplett an mir vorbeigegangen. Bis auf einzelne Termine in sehr viel kleineren Clubs vor drei Jahren (u. a. mit dem bislang einzigen Deutschlandkonzert in der Fabrik in Hamburg) dürfte diese Tour aber auch die erste Gelegenheit auf dem europäischen Festland sein. Entsprechend waren auch viele internationale Fans anwesend – stilecht mit dem Cowboyhut als mehrheitlich getragene Kopfbedeckung an diesem Abend.

Pünktlich um 17:30 Uhr ging es los mit Keenan O'Meara. Der US-amerikanische Singer-Songwriter kam allein mit seiner Gitarre auf die Bühne und präsentierte etwa 25 Minuten lang seine ruhigen Folksongs. Das war auf jeden Fall eine ganz nette musikalische Hintergrundbemalung für mich, während ich beobachtete, wie sich die Waldbühne langsam füllte. Wettertechnisch sah es immer noch ziemlich mau aus. Der Regen hörte bis zum Ende des Auftritts nicht auf.

Nach einer erfreulich kurzen Pause ging es schon um 18:15 Uhr mit dem eigentlichen Grund meines Erscheinens weiter. Ben Howard und seine Band betraten die Bühne. Zuletzt hatte ich den britischen Musiker Ende 2024 auf seiner Jubiläumstour zum Album "I Forget Where We Were" live gesehen. Im letzten Jahr hat er sich ohne reguläre Konzerte rar gemacht. Umso gespannter war ich darauf, was mich musikalisch bei so einem Support-Auftritt erwarten würde.

Zum Einstieg gab es mit "Sister" eine kleine Rarität. Danach folgte mit "Cadence" ein neuer Song, der mir sehr gut gefallen hat. Ansonsten gab es eine bunte Mischung aus Liedern der Diskographie – darunter aber keiner der alten Indiefolk-Hits des Debütalbums "Every Kingdom". Eigentlich keine große Überraschung, das war immerhin jahrelang bei den Konzerten so der Fall. Bei einem Support-Auftritt in so einem großen Rahmen ohne vertrautes Stammpublikum wäre das für die meisten anderen Musiker vielleicht aber die sicherere Wahl gewesen. Aber wohl nicht für Ben Howard.

Ich habe jedenfalls jede Sekunde des Auftritts genossen. Die Band war in voller Besetzung da. Musikalisch gab es also keine Einschränkungen. Der Sound war solide. Eine große Videoleinwand sorgte für die passende visuelle Untermalung. Und bei Songs wie "Conrad" oder "Days of Lantana" geht mein Herz einfach auf. Ben Howard und seine Band hatten offensichtlich ebenfalls viel Spaß, obwohl das Publikum (zumindest um mich herum) nicht wahnsinnig viel Interesse gezeigt hat. Gespräche und Bier waren wichtiger, aber das ist bei einem Support-Auftritt in der Größenordnung auch nicht überraschend. Ich habe mich nicht stören lassen. Und pünktlich zum Beginn des Auftritts hatte sogar der Regen aufgehört und auch nicht wieder angefangen. Als das Konzert nach etwa 40 Minuten mit "I Forget Where We Were" beendet wurde, war ich sehr glücklich. Und in voller Vorfreude auf das Solo-Konzert am folgenden Tag in Hamburg. Denn einige Wochen nach der Ankündigung der Support-Auftritte für Zach Bryan kamen auch noch einzelne Solo-Clubkonzerte hinzu. Und da habe ich trotz dieser Veranstaltung beim Ticketkauf natürlich nicht gezögert.

Es gab eine erneute Umbaupause. Um 19:30 Uhr startete mit Zach Bryan dann der Hauptact des Abends. Und mit ihm kam gleich ein ganzes Ensemble an Musikerinnen und Musikern auf die Bühne. Das waren insgesamt bestimmt über 20 Menschen, darunter zwei Gruppen mit diversen Blas- und Streichinstrumenten. Schon beeindruckend.

Die Mischung aus Country und Rock, die der US-Musiker auf die Bühne bringt, ist normalerweise nicht so meins. Das aktuelle Album "With Heaven on Top" habe ich aber gehört und ich finde es größtenteils gar nicht verkehrt. Live ging es mir ähnlich, auch wenn überraschend wenige Songs davon gespielt wurden. Besonders beeindruckend fand ich aber vor allem die Atmosphäre in der Waldbühne. Man hat deutlich gemerkt, wie sehr sich die anwesenden Fans auf das Konzert gefreut hatten. Bei jedem Song wurde lautstark mitgesungen. Die Euphorie war groß. Das hat auch Zach Bryan mehrmals positiv bemerkt und sich sinngemäß zu einem "This must be the best day of my life" hinreißen lassen. Häufig sind solche Lobreden über das Publikum ja übertrieben. Hier habe es es gerne geglaubt. Bei Ben Howard bedankte er sich übrigens mit einem "He is my favorite musician in the world". Da haben wir immerhin einen ähnlichen Geschmack.

Zum Auftritt lässt sich ansonsten nicht viel sagen. Ich bin mit der Diskographie ja nicht vertraut. Musikalisch war das aber alles ganz nett. Die Stimmung im Publikum blieb bis zum Ende großartig. Die Videoleinwände und die Lichtshow sorgten für die visuelle Abrundung. Ich hatte auf jeden Fall viel Spaß und habe den Konzertbesuch nicht bereut.

Nach knapp zwei Stunden Spielzeit gab es mit "Revival" als einziger Zugabe den üblichen Abschluss. Während Zach Bryan den Song minutenlang in die Länge zog, um seiner Band nach und nach zu danken, habe ich so langsam den Heimweg angetreten. Im Nachgang bemängelten einige Fans, dass die letzte halbe Stunde bis zur Curfew um 22 Uhr nicht ausgenutzt wurde. Es gab wohl auch schon längere Konzerte. Ich fand es nicht schlimm. Immerhin habe ich so noch den letzten Zug in Richtung Heimat erwischt, was mir normalerweise nicht gelingt.

Insgesamt war es ein sehr unterhaltsames Konzert eines mir bis dahin kaum bekannten Hauptacts – obwohl ich mit der Country-Szene normalerweise wenig Berührungspunkte habe. Und für Ben Howard würde ich sowieso jede Reise unternehmen, auch wenn es diesmal nur ein Support-Auftritt war. Aber das nächste Solo-Konzert sollte ja nicht lange auf sich warten lassen.


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Google [Bot] und 45 Gäste