Da hatten wir genau eine Überschneidung7Ostrich hat geschrieben: ↑So 20. Sep 2026, 23:11Ich war traditionellerweise Do-Fr auf dem RBF 2026 und habe folgende Acts gesehen:
Donnerstag:
- Nastyjoe (Stage 15): Etwas düsterer Indie Rock im ehemaligen Drafthouse. Fand ich anfangs ok, in der zweiten Hälfte hat sich das dann noch einmal gesteigert und ich fand es dann doch ziemlich cool. Kann man im Auge behalten.
- Jewls (Pooca Bar): RBF heißt auch immer, neue Orte zu entdecken, die Pooca Bar war einer davon. Die Band hat einige coole Lieder, die Sängerin hatte versucht, das Publikum zum mitmachen zu animieren, was mal mehr, mal weniger gut funktioniert hat. War aber souverän gemacht und fand ich nicht knirschig. Kann man sich auch gut noch mal geben. Musikalisch ähnlicher Vibe wie Nastyjoe, vielleicht etwas poppiger.
- New Constellations (Knust): Jetzt wurde es klar poppiger. Das Duo war total sympathisch und die Musik hat mir größtenteils gut gefallen, an manchen Stellen dann aber doch etwas verloren. War Indie Pop mit Synthie und funky Gitarrenarbeit.
Freitag:
- Gans (Molotow): Einlass war erstaunlich unproblematisch. Etwas stumpfe post-punkige Musik, teils mit Techno Beats, teils mit Querflöte. War mir manchmal etwas zu quatschig, zum moshen aber natürlich gut geeignet.
- Ditter (25 Club): Hat mir sehr gut gefallen. Indie Pop, der mir ähnliche Vibes gibt wie Confidence Man, Fcukers oder Sleigh Bells, wenn auch nicht ganz so abgedreht und etwas rock-orientierter. Werde ich auf alle Fälle im Auge behalten!
- too many tabs (Imperial Theater): Klar kann man darüber streiten, ob das RBF unbedingt Live Podcasts von solch doch schon sehr etablierten Podcats veranstalten muss. Aber gleichzeitig finde ich es schön, die Möglichkeit zu haben, auch mal so etwas anzuschauen und ich hatte eine super Zeit. Es wurden die tabs zu Wise Guys und zum Perfekten Dinner (was tbh mehr eine Nacherzählung einer bestimmten Folge und kein echtes rabbit hole war) geschlossen.
- Chinese American Bear (Mojo): Aufgrund einiger ärgerlicher Überschneidungen (White Flowers vs. Django Django vs. Taroug vs. Falafel essen) erst eine größere Pause gehabt und dann zeitig beim Mojo angestellt, wodurch wir Premium-Plätze für Chinese American Bear hatten. Und das hat super Spaß gemacht! Sehr gut tanzbarer Indie Pop, der mit seinem Sound, der an Foster The People, The Marías oder auch MGMT erinnert, sicherlich nicht das Rad neu erfindet, aber einfach live super Spaß macht. Auch super sympathische Band.
- Lime Garden (Docks): Hatte ich auf dem Maifeld Derby und auf dem Dockville schon einmal gesehen. Solider Indie Rock, der mich aber leider nicht ganz packt abgesehen vom Hit Clockwork.
- ALT BLK ERA (Betty): Spaßige härtere Band mit Einflüssen aus härterer Rock- bis Metalmusik und drum n bass. Leider war der Sound für mich nicht druckvoll genug, insbesondere die Gitarre fand ich zu leise. Gemosht wurde aber nach einer gewissen Auftauzeit dann doch.
Samstag:
- Fat Dog (Docks): Zurück ins Docks, um mir die doch etwas stumpfe Musik von Fat Dog zu geben. Das Publikum ging gut mit, ich fand es auf Dauer etwas anstrengend. @MairzyDoats hat es recht trefflich als Mischung aus Idles und Meute beschrieben.
- Ninon (Spielbude XL): Den Samstag hab ich eher entspannt angehen lassen und leider ließ mir auch der Timetable keine allzu große Wahl. Ich wollte unbedingt in die Elphi, wodurch man zwangsläufig einiges verpasst und gleichzeitig spielten auch die meisten interesssanten Sachen erst später. Immerhin zwei interessante Acts haben dann aber doch zeitlich gepasst. Ninon machen Indie Pop mit einer etwas düsteren, dramatischen Atmosphäre, womit man mich ganz gut kriegt. Vor dem Auftritt wurde das Musikvideo zum Lied "Family Dinner" präsentiert. Dieses klang deutlich elektronischer als die übrigen Lieder und fand ich spannend!
- Modern Woman (Nochtspeicher): Das war mein musikalisches Highlight, Post-irgendwas, düster, Geige, Saxophon, alles dabei. Empfehlung fürs Forum!
Zu dem Festival selbst kann ich eigentlich nichts Neues sagen. Hat wieder Spaß gemacht, habe viele bekannte Gesichter gesehen (tatsächlich war ich nur auf 2 Konzerten alleine) und habe auch bei meinem fünften Festivalbesuch nicht die Situation gehabt, dass ich irgendwo nicht mehr reinkam. Liegt vermutlich daran, dass ich in aller Regel nicht allzu knapp plane und manche Sachen dann zugunsten weniger Stress bereits im Vorfeld opfere (dieses Jahr z.B. Django Django). Schade nur, dass es dieses Mal bei mir leider gar keine Zeit dafür gab, ein Kiok-Bierchen gemeinschaftlich wegzucornern. Tatsächlich war es am Ende mein erstes komplett alk-freies RBF, das finde ich auch eigentlich gar nicht mal so verkehrt. Ich hoffe, wir werden auch zukünftig viele weitere schöne Ausgaben von dem Festival noch erleben dürfen.
- Anna von Hausswolff (Elphi): Auch hier hat so ziemlich alles gepasst. Der düstere Sound hat in majestätischer Wucht die Elphi erzittert und die Lichtshow blitzte wie ein Unwetter am Nachthimmel oder tauchte die Orgelpfeifen in ein verwunschenes Grün. Sonst war ich nach Elphi-Konzerten hinsichtlich des Sounds immer ein bisschen verhalten, aber hier war es wirklich perfekt. Mein einziger Kritikpunkt wäre, dass die Spielzeit leider nicht voll ausgenutzt wurde. Mindestens Aging Young Woman hätte ich noch gerne gehört. Wäre auch ein ganz guter Kontrast gewesen, denn abgesehen von The Whole Woman, das ich live noch 1000x schöner finde als auf Platte, gab es kaum Verschnaufspausen von den dröhnenden Epen, die zum besten gegeben wurden.
Anna von Hauswolff hatte ich mich total drauf gefreut, aber dann kam eine Verabredung mit Stars, Metric und Broken Social Scene dazwischen ... Hat sie echt die Orgel in der Elbphilharmonie gespielt? Hab das Ding noch nie in Aktion erlebt ...