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Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Von Spam bis Gott und die Welt
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slowdive
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von slowdive » Fr 29. Jan 2021, 12:20

NeonGolden hat geschrieben:
Fr 29. Jan 2021, 11:39
slowdive hat geschrieben:
Fr 29. Jan 2021, 11:06
Verdeutlicht für mich immer wieder nur, wie eindimensional und stumpf die noch immer stark männlich geprägte Filmrezeption (bzw. Kunstrezeption allgemein) doch ist. :gähn:
Wie meinst du das bzw. was verdeutlicht das? Dass Chick-Flicks kein Ansehen genießen? Das kann wohl gut sein. Ist die Frage, woran das liegt. Ich kann mir gut vorstellen, dass das ursächlich auch ein marketingtechnisches Problem ist. Solche Filme werden ja auch gefühlt bewusst so vermarktet, dass sich auch ja kein männliches Wesen ins Publikum wagt.
Aber ja, was du schreibst trifft ganz sicher auch zu.
Die Filme sind ja kommerziell nicht unerfolgreich und werden (wenn vielleicht auch gezwungenermaßen) auch von männlichen Kritikern besprochen. Es ist also kein Wahrnehmungsproblem, auch wenn natürlich mehr Frauen in die Filme gehen.

Es geht mir eher um die tieferliegenden Strukturen dahinter. Kurz: Wir leben in einer - gegenwärtig wie historisch - extrem männlich geprägten Gesellschaft, was dazu führt, dass unsere historisch gewachsene Kunstrezeption (was wir für wichtige, ernstzunehmende Themen halten, welche Herangehensweisen wir für "echte Kunst" halten, etc.) ebenso stark eindimensional ist. Das führt dann gerne dazu, dass "Frauenfilme" schnell "nur als Unterhaltung" durchgehen, während noch das plumbste Drama, in dem mit großem Pathos "große Fragen" verhandelt werden, irgendwie auf seinen Wert als Kunstwerk abgeklopft wird.

Ich hatte bzgl. des Filme von oben woanders schonmal versucht auszuführen, was ich ungefähr meine. Poste das nochmal hierunter, aber dann können wir es auch dabei lassen. Muss eig. andere Dinge tun. :grin:
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Monkeyson
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Fr 29. Jan 2021, 12:34

Hab Clueless gut in Erinnerung behalten, vllt zählt der auch darunter.

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slowdive
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von slowdive » Fr 29. Jan 2021, 12:53

Monkeyson hat geschrieben:
Fr 29. Jan 2021, 12:34
Hab Clueless gut in Erinnerung behalten, vllt zählt der auch darunter.
Hatte schon überlegt, ob ich den hier noch reinpacke. Mega Film. :herzen2:

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Monkeyson
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » So 31. Jan 2021, 00:51

smi hat geschrieben:
Mi 27. Jan 2021, 09:32
Um DiCaprio mache ich nur noch um das Frühwerk einen großen Bogen. Wolf Of Wall Street [...] aber sehr stark.
Hab ich aufgrund der aktuellen Ereignisse um Game Stop mal nachgeholt, puh. Also erst einmal: DiCaprio ist darin sehr stark.

Aber dann muss ich wieder feststellen, Scorcese ist der überschätzteste Regisseur überhaupt, change my view!

Der Film ist unterhaltsam und von skurrilem Witz, ja. Aber dieser Witz wird so lang und unpointiert erzählt, da hätte man den Witzerzähler auf einer Party kurzzeitig stehengelassen, um mal pinkeln und an die frische Luft zu gehen.

Versteht mich nicht falsch, die Szenen sind alle interessant. Aber sie sind einfach aneinandergereiht, sauber chronologisch (na fast zumindest) und immer in der Dauer, wie sie gerade abgedreht waren. Das heißt, es passiert einfach immer irgendwas und irgendwann kommen die Szenen, die den Schluss der Erzählung ausmachen und irgendwann ist es zu Ende. Einfach so. Ohne Spannungsbogen oder sonstige künstlerisch bedachte Reihung. Scorcese dreht (gute) Szenen und packt sie in einen Film, so.

Was nervt mich noch an ihm? Auch sonst sehr konservative Herangehensweise, alleine dieses ständige mit den gleichen Buddies Filme machen. Der Zuschauer wird derart an die Hand genommen, dass ich mich verarscht fühle. Aha, die nächste Szene spielt 15 Monate später, danke für die Einblendung. Voiceovers, fucking Voiceovers! Ich bekomme einen Film in Bildern und schauspielerischer Darbietung erzählt und dazu? Bekomme ich das gleiche nochmal verbal erzählt, damit ich es auch ja mitbekomme und nichts falsch interpretiere. Voiceover der Tante? Klar, auch noch mal einblenden. Hat ja schon bei Casino nicht genügend genervt mit insgesamt 4 (?) verschiedenen Voiceovers.

Gab's auch Filme ohne? Meine Erinnerung verlässt mich, und ja tatsächlich: Goodfellas hat mich damals sogar begeistert, wirkte weit realistischer als diese Gangsterklamotte Departed mit nicht ernstzunehmendem Oberboss Nicholson. Und Taxi Driver habe ich als künstlerisch wertvoll abgespeichert, hat er das also irgendwann abgelegt zugunsten standardisierter Hollywoodkost? Ich frage ketzerisch und nur so semiinformiert, vielleicht mag jemand sein künstlerisches Schaffen für mich einordnen? Danke vorab!

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Taksim
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Taksim » So 31. Jan 2021, 11:21

Alter :sadno:
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Da ordne ich nochmal ein bisschen meine Gedanken.
"I don't know."

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smi
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von smi » So 31. Jan 2021, 12:07

Monkeyson hat geschrieben:
So 31. Jan 2021, 00:51
Hab ich aufgrund der aktuellen Ereignisse um Game Stop mal nachgeholt, puh. Also erst einmal: DiCaprio ist darin sehr stark.
Deswegen habe ich "The Big Short" auf meine "Wanna Watch"-Liste gepackt. Klingt von der Darstellern u.a. auch interessant (Bale, Pit Rosling).
Monkeyson hat geschrieben:
So 31. Jan 2021, 00:51
Aber dann muss ich wieder feststellen, Scorcese ist der überschätzteste Regisseur überhaupt, change my view!
Wirklich jeder Film von ihm, den ich kenne (und das sind einige) ist sehr gut bis super. Taxi Driver ist wegweisend für seine Zeit.

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NeonGolden
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von NeonGolden » So 31. Jan 2021, 18:15

smi hat geschrieben:
So 31. Jan 2021, 12:07
Deswegen habe ich "The Big Short" auf meine "Wanna Watch"-Liste gepackt. Klingt von der Darstellern u.a. auch interessant (Bale, Pit Rosling).
Den habe ich mir aus dem gleichen Grund am Freitag angesehen und mal wieder festgestellt, dass ich von Börsendingen so gut wie nichts verstehe.

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von mattkru » So 31. Jan 2021, 20:03

NeonGolden hat geschrieben:
So 31. Jan 2021, 18:15
smi hat geschrieben:
So 31. Jan 2021, 12:07
Deswegen habe ich "The Big Short" auf meine "Wanna Watch"-Liste gepackt. Klingt von der Darstellern u.a. auch interessant (Bale, Pit Rosling).
Den habe ich mir aus dem gleichen Grund am Freitag angesehen und mal wieder festgestellt, dass ich von Börsendingen so gut wie nichts verstehe.
‚Der große Crash – Margin Call‘ ist super.

Allein schon wegen der Cast: Kevin Spacey, Paul Bettany, Jeremy Irons, Zachary Quinto, Penn Badgley, Simon Baker, Demi Moore und Stanley Tucci.

Edit: Ich weiß, Kevin Spacey und so. Ich fange aber nicht an, seine alten Filme zu boykottieren.

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Taksim
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Taksim » Mo 1. Feb 2021, 10:35

Taksim hat geschrieben:
So 31. Jan 2021, 11:21
Alter :sadno:
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Da ordne ich nochmal ein bisschen meine Gedanken.
Wenn es ein Mount Rushmore von Regisseuren gäbe, wäre Scorsese sicher einer der Köpfe.
Dieser Regisseur hat ein so umfassendes Werk geschaffen, dem sowohl in der Anzahl Klassiker als auch in der Anzahl Abzweigungen und Experimente kaum jemand etwas nachmacht.
Zunächst gibt es natürlich die Fülle an stilistischen Elementen die einen "typischen" Scorsese auszeichnen, die er zu einer unverkennbaren Handschrift verwoben hat ( so wie alle großen Regisseure), u.a. das unheimlich schnittige, aber präzise Editing, die ikonischen Charaktere, die prägnanten Freeze-Frames, die meisterhaften Longshots, der knallige Einsatz der Musik (wie liebe ich den Einsatz von "Shipping up to Boston" in The Departed) und, ja, auch die Voice-Overs. Klar, können jene schnell nach hinten losgehen (auch wenn sie nie per se schlecht sind: Fight Club hat auch grandiose Voice-Over-Narration), aber bei Scorsese gibt es ein so tolles Wechselspiel zwischen Wort und Bild, das beides zu dem wilden Ritt beiträgt, den die energetischen Scorsese-Filme darstellen. Nimm nur den legendären Freeze-Frame in "Goodfellas": "As long as I can remember, I wanted to be a Gangster." Wie gut das alles funktioniert, zeigt sich, wenn selbst Parodie zur Huldigung und nicht zur Lächerlichkeit wird: Die Community-Folge "Contemporary American Poultry" ist ein Mini-Lexikon in Scorsese Filmmaking.
Ähnlich wie bei Tarantino ist es dann auch kein Zufall, dass viele Filme von diesen Stilmitteln inspiriert sind. Und gut gemacht zünden die da genauso. Ich denke da z.B. an das rasante Tempo von "I, Tonya" und die Übertragung dieses Storytelling nach Brasilien in "City of God".

Scorsese selber wiederum ist ein wandelndes Filmlexikon und hat entscheidenden Anteil daran, dass sich das amerikanische Kino in den 70ern zu ganz neuen Ufern aufmachte. Die Zeit der klassischen Hollywoodstudio-Produktionen waren in der Krise und es kam eine Bande junger Burschen namens Coppola, Spielberg, Lucas, De Palma, Nichols und eben Scorsese, die die Einflüsse des zu der Zeit sehr populären und progressiven europäischen Kinos aufnahmen. Dort, gerade in Frankreich, wurden die Regeln des Kino komplett neu geschrieben, was Scorsese sich zu Nutze machte und mit uramerikanischen Stoff wie dem Gangstergenre verband.
Besonders zu sehen ist dies in dem Klassiker schlechthin "Taxi Driver". Der Antiheldstatus des Protagonisten, die Beleuchtung der düstersten Ecken New Yorks, die traumartige Atmosphäre in seinen nächtlichen Fahrten, wenn das Licht verwischt wie in einem impressionistischen Gemälde, unterstützt von dem jazzigen Soundtrack und das ambivalente Ende tragen zu dem Legendenstatus dieses Films bei. Der allein würde schon reichen, um seinen Platz als Meisterregisseur zu rechtfertigen.
Aber dann zieh dir rein, was er noch alles gemacht hat: Wie ein wilder Stier, King of Comedy (einer der irrsten Performances ever von De Niro), Goodfellas, Casino, Mean Streets, The Departed, The Wolf of Wall Street. Alles ikonische Streifen, die auf unheimlich hohen Level agieren. Selbst die schwächeren Filme sind immer noch ausgereift, filmtechnisch exzellent und bestechen durch krasse Performances wie DiCaprio in "Aviator" oder Daniel Day-Lewis in "Gangs of New York".
Dazu wird er einfach nicht müde und lieferte jüngst mit "The Irishman" ein sehr reflektiertes, vor allem zum Ende hin introspektives Spätwerk ab.

Als letztes möchte ich dann noch seine Experimentierfreudigkeit hervorheben, da er einerseits diesen distinkten Stil hat, aber andererseits gibt es in seiner Filmographie auch so viel, wo er davon abweicht. Ich habe vieles davon auch noch nicht gesehen, aber u.a. machte er ein biblischen Historienfilm (The last passion of Christ), eine religiöse Mediation (Silence), einen Animationsfilm über die Entstehung des Kino (Hugo), einen Noir-thriller (Shutter Island) und ein Musical (New York, New York).
Er ist also auch viel versatiler als ihm oft nachgesagt wird.
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Taksim » Mo 1. Feb 2021, 12:51

Ein Wort noch zu den großen Storybögen, die angeblich fehlen:
bei den von dir angesprochenen "The Wolf of Wall Street" wie auch in vielen anderer seiner Filme, Goodfellas ebenso, werden klassische Geschichten des steilen Aufstiegs und des umso härteren Falls erzählt. Das ist doch eine ganz klassische Dramatik?
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Mo 1. Feb 2021, 13:12

Interessante Zeilen, danke dafür! Wie gesagt, ich habe Taxi Driver und Goodfellas genossen, müsste meine Kritik an ihm also an den Jahren ab 1995 ansetzen. Und dort kenne ich auch nur die von dir als "ikonisch" titulierten Streifen Casino, Departed, Wolf of Wall Street. Ich kann also wie eingangs gesagt nur bedingt mitreden, meinte aber dort schon ein Muster erkannt zu haben, welches seinem Legendenstatus entgegenspricht. Du zählst auf:

Präzises Editing - Da kann ich nur als Laie mitreden. In WoWS hatte ich sogar das Gefühl, dass sämtliche Schnitttechnik sich darauf beruht, dass die eine Szene halt zu Ende ist und die chronologisch nächste halt daran anzureihen ist. Wo hier präzise was verknappt oder übergeleitet wurde, erschließt sich mir angesichts von 3 Stunden gefühltem Plauderton nicht.

Ikonische Charaktere - Ja. Aber. Zum einen kommen die aus dem Drehbuch. Dort muss man sie aber auch erstmal identifizieren, also in Bezug auf WoWS seine Leistung, ja. In Bezug auf Departed weiß ich jetzt nicht, woher die Charaktere kamen, fände es aber irrwitzig, dort von ikonischen solchen zu sprechen. Über Matt Damon haben alle wegen seines Fake-Boston-Akzentes gewitzelt, über Jack Nicholson aufgrund seines amateurhaften Auftretens an allen Frontschauplätzen. Da gab es ganz andere ikonische Filmbösewichte, die meisterhaft im Hintergrund die Fäden gezogen haben.

Krasse Performances - Ikonisch werden die Charaktere sicherlich auch erst durch ihre Darbietung, aber muss man Scorcese dafür jetzt auf die Schultern klopfen, immer wieder auf die gleichen Sure Shots von Schauspielern zu setzen? Müsste ein großer Regisseur nicht gerade einmal neue Gesichter in Szene setzen, auch um seine filmische Vita unterscheidbarer zu machen? Dazu fühlt es sich wie Gefälligkeit gegenüber Freunden an, wenn er zB DiCaprio in WoWS in ewig scheinenden Einstellungen Raum für Oscarreifes gibt, welches den Film nicht vorantreibt, sondern aufbläht.

Freeze Frames - Wirken auf mich wie ein etabliertes, manchmal ausgelutschtes Element. Aber falls er die mit eingeführt hat, kann ich das respektieren.

Longshots - Sind mir bei ihm nie aufgefallen, aber die liebe ich tatsächlich an Lubezki. Falls er die mit eingeführt hat, kann ich das respektieren.

Knalliger Einsatz der Musik - Puuuuh. Aus WoWS in Erinnerung geblieben: Hip Hop Hooray und Mrs. Robinson, beides keine wirklichen Geheimtipps, wirken auf mich eher konservativ. Aber in seinen anderen Filmen mag das stimmen.

Voice-Overs - Hatte ich ja schon erwähnt, wie ich die sehe. Bei Literaturverfilmungen häufig gewähltes Mittel, siehe Fight Club. Aber er treibt es echt zum Exzess mit seinen bis zu 4 verschiedenen bei Casino.

Experimentierfreudigkeit - Okay, dafür kenne ich die falschen Werke von ihm, nämlich außer Taxi Driver nur 4 Gangsterfilme. Oh, und tatsächlich Shutter Island, den ich gar nicht bei ihm verortet hatte. Packender Thriller, aber wirkt stellenweise auch eher wie auf einen Zug
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aufgesprungen (und ist an entscheidender Stelle leider etwas unlogisch). Für sein Gesamtwerk kann ich daher nicht sprechen.

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Monkeyson
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Mo 1. Feb 2021, 13:24

Taksim hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 12:51
Ein Wort noch zu den großen Storybögen, die angeblich fehlen:
bei den von dir angesprochenen "The Wolf of Wall Street" wie auch in vielen anderer seiner Filme, Goodfellas ebenso, werden klassische Geschichten des steilen Aufstiegs und des umso härteren Falls erzählt. Das ist doch eine ganz klassische Dramatik?
Ist es, ja. Als Regisseur wäre ich also rangegangen und hätte meinen Film unterteilt, z.B. klassisch ein Drittel Aufstieg, ein Drittel Veranschaulichung der abstrusen Höhe, ein Drittel Fall (oder anders gewichtet, wie auch immer). Dann die Frage, welche Szenen dem Narrativ helfen und welche nicht, obwohl sie witzig / schauspielerisch wertvoll / actionreich sind. Ersteren einen größeren Raum geben, letztere rauswerfen. Wer brauchte die Szene mit dem Butler (mit null Konsequenz für den Film)? Wer die mit dem Anruf vom Münztelefon und der Rückfahrt (mit null Konsequenz für den Film)? Wer die von der Schiffsreise nach Monaco (mit null Konsequenz für den Film)? Alles tolle Szenen, insgesamt aber mega-aufgebläht und null pointiert. Gib DiCaprio in anderen Szenen mehr Raum, erzähle den Aufstieg langsamer (der kam recht plötzlich), konzentriere dich auf die Hauptkriegsplätze (das Bangen um's Sorgerecht kam ultraplötzlich), gib Raum für die wichtigen Entscheidungen (das Hin und Her um die Kooperation war viel zu blutleer), lande meinetwegen bei 3 Stunden, aber drück dem Timing deinen Stempel auf!

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von mattkru » Mo 1. Feb 2021, 13:36

Analysiert ihr jeden Film so, den ihr guckt?

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Monkeyson
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Mo 1. Feb 2021, 14:27

mattkru hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 13:36
Analysiert ihr jeden Film so, den ihr guckt?
Nur die mit der größeren Fallhöhe. Bei einem No-Name-Regisseur hätte ich den abgespeichert unter nette Unterhaltung, ab ins Bett.

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NeonGolden
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von NeonGolden » Mo 1. Feb 2021, 15:48

Monkeyson hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 13:24
Wer die mit dem Anruf vom Münztelefon und der Rückfahrt (mit null Konsequenz für den Film)?
Geht es bei der Szene nicht darum den seelischen und moralischen Verfall von Belfort auf die finale Spitze zu treiben? Die Quintessenz dieser intensiven Sequenz kann nur sein, dass fortan alles den Bach runtergeht und das tut es dann ja auch. Weitere Konsequenzen: Donnie verbreitet Interna über das abgehörte Telefon. Naomi dürfte sich spätestens jetzt für die Scheidung entschieden haben.

Abgesehen davon halte ich The Wolf of Wall Street auch für relativ überbewertet und äußerst fragwürdig in der Darstellung von Amoral, Ausbeutung, Frauenfeindlichkeit und allem Weiteren, was sonst noch gnadenlos schiefläuft.
Ich gehe jede Wette, dass der Film von nicht wenigen genau für diese verabscheuungswürdige erste Hälfte gefeiert und Belfort um seinen krassen Aufstieg beneidet wird. Ich finde nicht, dass es dem Film gelingt die dargestellte kranke Welt ausreichend anzuklagen. Opfer werden vollständig ausgeblendet und die Justiz verkommt zum Spielverderber.

Ansonsten kann ich bei Scorsese nicht wirklich mitreden, da ich ansonsten nur Departed, Gangs of New York, Hugo, Shutter Island und Casino gesehen habe. Die habe ich allesamt als überdurchschnittlich gut bis sehr gut in Erinnerung.
Taxi Driver und Raging Bull will ich allerdings auch schon seit Ewigkeiten sehen.

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Mo 1. Feb 2021, 16:42

NeonGolden hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 15:48
Abgesehen davon halte ich The Wolf of Wall Street auch für relativ überbewertet und äußerst fragwürdig in der Darstellung von Amoral, Ausbeutung, Frauenfeindlichkeit und allem Weiteren, was sonst noch gnadenlos schiefläuft.
Ich gehe jede Wette, dass der Film von nicht wenigen genau für diese verabscheuungswürdige erste Hälfte gefeiert und Belfort um seinen krassen Aufstieg beneidet wird. Ich finde nicht, dass es dem Film gelingt die dargestellte kranke Welt ausreichend anzuklagen. Opfer werden vollständig ausgeblendet und die Justiz verkommt zum Spielverderber.
Vollkommen richtig! Darauf bin ich noch gar nicht eingegangen.
NeonGolden hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 15:48
Monkeyson hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 13:24
Wer die mit dem Anruf vom Münztelefon und der Rückfahrt (mit null Konsequenz für den Film)?
Geht es bei der Szene nicht darum den seelischen und moralischen Verfall von Belfort auf die finale Spitze zu treiben?
Ja, aber auch hier: keine Anklage, die Sequenz erinnert in ihrer Jovialität eher an Dude, Where's My Car. Für die anderen Konsequenzen hätte der Part bei ihm zuhause gereicht, der war trotz oder wegen Overacting eindrucksvoll.

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von scarred » Mo 1. Feb 2021, 16:50

Monkeyson hat geschrieben:
So 31. Jan 2021, 00:51
Der Film ist unterhaltsam und von skurrilem Witz, ja. Aber dieser Witz wird so lang und unpointiert erzählt, da hätte man den Witzerzähler auf einer Party kurzzeitig stehengelassen, um mal pinkeln und an die frische Luft zu gehen.

Versteht mich nicht falsch, die Szenen sind alle interessant. Aber sie sind einfach aneinandergereiht, sauber chronologisch (na fast zumindest) und immer in der Dauer, wie sie gerade abgedreht waren. Das heißt, es passiert einfach immer irgendwas und irgendwann kommen die Szenen, die den Schluss der Erzählung ausmachen und irgendwann ist es zu Ende. Einfach so. Ohne Spannungsbogen oder sonstige künstlerisch bedachte Reihung. Scorcese dreht (gute) Szenen und packt sie in einen Film, so.

Was nervt mich noch an ihm? Auch sonst sehr konservative Herangehensweise, alleine dieses ständige mit den gleichen Buddies Filme machen. Der Zuschauer wird derart an die Hand genommen, dass ich mich verarscht fühle. Aha, die nächste Szene spielt 15 Monate später, danke für die Einblendung. Voiceovers, fucking Voiceovers! Ich bekomme einen Film in Bildern und schauspielerischer Darbietung erzählt und dazu? Bekomme ich das gleiche nochmal verbal erzählt, damit ich es auch ja mitbekomme und nichts falsch interpretiere. Voiceover der Tante? Klar, auch noch mal einblenden. Hat ja schon bei Casino nicht genügend genervt mit insgesamt 4 (?) verschiedenen Voiceovers.

Wes Anderson muss ja auch die pure Hölle für dich sein :grin:

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von smi » Mo 1. Feb 2021, 17:59

scarred hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 16:50
Wes Anderson muss ja auch die pure Hölle für dich sein :grin:
:lolol: :lolol:

Ich liebe viele seiner Filme... aber kann schon verstehen, wenn man mit denen nichts anfangen kann.

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Mo 1. Feb 2021, 18:15

scarred hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 16:50
Wes Anderson muss ja auch die pure Hölle für dich sein :grin:
Wegen der fehlenden Spannungsbögen? Die laste ich ihm nicht an, er hat meiner Einschätzung nach einen ganz anderen Anspruch und eigenen Stil. Und zu letzterem passt dann sogar die ganz andere Herangehensweise sehr gut, die kann ich ebenso wertschätzen wie bei Miyazakis Filmen.

Aber damit sind wir weit entfernt vom Ausgangspunkt: klassischen Geschichten, von einem klassischen Regisseur erzählt. Kann sein, dass er den "Plauderton" ohne Spannungsbogen bewusst gewählt hat als Stilmittel, dann passt es für mich nicht zu seinem sonstigen, sehr konservativen Stil. Wirkt auf mich also eher wie eine Nachlässigkeit, und die kritisiere ich.

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Taksim » Mo 1. Feb 2021, 18:27

Monkeyson hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 13:12
Präzises Editing - Da kann ich nur als Laie mitreden. In WoWS hatte ich sogar das Gefühl, dass sämtliche Schnitttechnik sich darauf beruht, dass die eine Szene halt zu Ende ist und die chronologisch nächste halt daran anzureihen ist. Wo hier präzise was verknappt oder übergeleitet wurde, erschließt sich mir angesichts von 3 Stunden gefühltem Plauderton nicht.
Die rasanten Filme haben alle einen klaren und pumpenden Rhythmus und das finde ich beim editing mindestens genauso wichtig wie Übergänge oder interessante Anordnung.
Monkeyson hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 13:12
Ikonische Charaktere - Ja. Aber. Zum einen kommen die aus dem Drehbuch. Dort muss man sie aber auch erstmal identifizieren, also in Bezug auf WoWS seine Leistung, ja. In Bezug auf Departed weiß ich jetzt nicht, woher die Charaktere kamen, fände es aber irrwitzig, dort von ikonischen solchen zu sprechen. Über Matt Damon haben alle wegen seines Fake-Boston-Akzentes gewitzelt, über Jack Nicholson aufgrund seines amateurhaften Auftretens an allen Frontschauplätzen. Da gab es ganz andere ikonische Filmbösewichte, die meisterhaft im Hintergrund die Fäden gezogen haben.
Da fällt mir auf, dass ich den nur auf Deutsch kenne. Kommt Matt Damon nicht aus Boston? Wieso kann der den Akzent denn nicht? :lol: Und in "Good Will Hunting" funktioniert er doch auch?
Natürlich mag es noch bedrohlichere Figuren als Jack Nicholons Figur geben, aber allein sein Entrance ist toll inszeniert (aus dem Schatten heraus). Am Ende
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Klar sind Charaktere im Drehbuch angelegt, aber die müssen dann eben auch entsprechend inszeniert werden.
Monkeyson hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 13:12
Krasse Performances - Ikonisch werden die Charaktere sicherlich auch erst durch ihre Darbietung, aber muss man Scorcese dafür jetzt auf die Schultern klopfen, immer wieder auf die gleichen Sure Shots von Schauspielern zu setzen? Müsste ein großer Regisseur nicht gerade einmal neue Gesichter in Szene setzen, auch um seine filmische Vita unterscheidbarer zu machen? Dazu fühlt es sich wie Gefälligkeit gegenüber Freunden an, wenn er zB DiCaprio in WoWS in ewig scheinenden Einstellungen Raum für Oscarreifes gibt, welches den Film nicht vorantreibt, sondern aufbläht.
Das große Regisseure gern mit den gleichen Leuten arbeiten ist aber auch total gängig und absolut verständlich. Erstmal wegen der zwischenmenschlichen Chemie aber auch weil sie dann immer besser einschätzen können, wie die Darsteller am besten einzusetzen sind. Fast wie Trainer eines Teams. Tarantino, Hitchcock, Baumbach, Linklater, Sofia Coppola und vor allem der eben angesprochene Wes Anderson haben doch alle ihre Spezies.
Außerdem erinner dich mal wer DiCaprio war, bevor Scorsese ihm diese Chancen gegeben hat. Der Darsteller, um den smi einen großen Bogen macht. Dass er einer der besten Schauspieler unser Generation ist, ist auch zu großen Teilen Scorsese zu verdanken.
Monkeyson hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 13:12
Freeze Frames - Wirken auf mich wie ein etabliertes, manchmal ausgelutschtes Element. Aber falls er die mit eingeführt hat, kann ich das respektieren.
Muss man denn Stilmittel einführen, um dafür gelobt zu werden? Innovation ist ein großer Aspekt künstlerischer Leistung jeglicher Art, aber nicht die einzige. Und wie gesagt, Scorsese hat einiges vom europäischen Kino gelernt, aber es sich zu eigen gemacht.
Monkeyson hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 13:12
Longshots - Sind mir bei ihm nie aufgefallen, aber die liebe ich tatsächlich an Lubezki. Falls er die mit eingeführt hat, kann ich das respektieren.
Gibt's jetzt nicht ständig und überall, stimmt, aber der Longshot in Goodfellas ist einer der prägnantesten der Filmgeschichte. Er hat sie auf jeden Fall im Mainstreamkino mehr etabliert. Ansonsten Same question?
Lubezki hat sie auch nicht erfunden, aber ist ein moderner Meister, was das angeht.
Monkeyson hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 13:12
Knalliger Einsatz der Musik - Puuuuh. Aus WoWS in Erinnerung geblieben: Hip Hop Hooray und Mrs. Robinson, beides keine wirklichen Geheimtipps, wirken auf mich eher konservativ. Aber in seinen anderen Filmen mag das stimmen.
Die Art wie er Pop und Rocksongs auch schon früher einbaute ist quasi Tarantino vor Tarantino. Und auch da, müssen das denn Geheimtipps sein? Die Bekanntheit des Songs sagt wenig darüber, aus wie passend oder unpassend der in einer Szene ist.
Monkeyson hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 13:12
Voice-Overs - Hatte ich ja schon erwähnt, wie ich die sehe. Bei Literaturverfilmungen häufig gewähltes Mittel, siehe Fight Club. Aber er treibt es echt zum Exzess mit seinen bis zu 4 verschiedenen bei Casino.
Mag sein. Ich würde halt nur kein Stilmittel aus Prinzip abkanzeln.
NeonGolden hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 15:48
Monkeyson hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 13:24
Wer die mit dem Anruf vom Münztelefon und der Rückfahrt (mit null Konsequenz für den Film)?
Geht es bei der Szene nicht darum den seelischen und moralischen Verfall von Belfort auf die finale Spitze zu treiben? Die Quintessenz dieser intensiven Sequenz kann nur sein, dass fortan alles den Bach runtergeht und das tut es dann ja auch. Weitere Konsequenzen: Donnie verbreitet Interna über das abgehörte Telefon. Naomi dürfte sich spätestens jetzt für die Scheidung entschieden haben.
Würde ich auch sagen.
Übrigens entschuldigung an alle, die den noch nicht gesehen haben. Was Wolf of Wall Street angeht gehen wir recht unbedarft mit Spoilern gerade um :oops:
NeonGolden hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 15:48
Abgesehen davon halte ich The Wolf of Wall Street auch für relativ überbewertet und äußerst fragwürdig in der Darstellung von Amoral, Ausbeutung, Frauenfeindlichkeit und allem Weiteren, was sonst noch gnadenlos schiefläuft.
Ich gehe jede Wette, dass der Film von nicht wenigen genau für diese verabscheuungswürdige erste Hälfte gefeiert und Belfort um seinen krassen Aufstieg beneidet wird. Ich finde nicht, dass es dem Film gelingt die dargestellte kranke Welt ausreichend anzuklagen. Opfer werden vollständig ausgeblendet und die Justiz verkommt zum Spielverderber.
Und das ist der Kritikpunkt, den ich am wenigsten gelte lasse.
Filme müssen amoralische Protagonisten und Institutionen ausleuchten dürfen und das auch mal so für sich stehen lassen. Ich finde, das ganze Milieu demaskiert sich da total und in seinem Exzess machen sie sich total lächerlich. Wer das erstrebenswert findet, dem ist auch nicht zu helfen und es ist nicht die Schuld des Films, dass manche Zuschauer diesen Lifestyle vielleicht cool finden.

Was bin ich froh, dass Fight Club nicht in diesen Zeiten herauskam. Die Diskussionen, die in die Richtung gehen würden, wären heutzutage endlos.

Wo der auch schon angesprochen wurde, bietet sich ein Double Feature mit "The Big Short" da durchaus an. Die Hauptcharaktere sind auch nicht gerade Good Guys, aber sie nehmen die Leute aus, die in "The Wolf of Wall Street" dargestellt werden.
Übrigens mir hat der sehr geholfen, diese ganze Gamestop-Geschichte zu verstehen :grin:
Zuletzt geändert von Taksim am Mo 1. Feb 2021, 19:18, insgesamt 1-mal geändert.
"I don't know."

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Mo 1. Feb 2021, 19:16

Taksim hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 18:27
...
Alles gute Punkte von dir, die nehme ich mal so mit für das nächste Mal, wenn ich ihm ne Chance gebe (The Irishman?).
Taksim hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 18:27
Wo der auch schon angesprochen wurde, bietet sich der ein Double Feature mit "The Big Short" da durchaus an. Die Hauptcharaktere sind auch nicht gerade Good Guys, aber sie nehmen die Leute aus, die in "The Wolf of Wall Street" dargestellt werden.
Übrigens mir hat der sehr geholfen, diese ganze Gamestop-Geschichte zu verstehen :grin:
Dann muss ich den auch sehen! Und das beste: Die Gamestop-Geschichte wird 100-prozentig verfilmt werden. Wer wettet dagegen? :popcorn:

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NeonGolden
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von NeonGolden » Mo 1. Feb 2021, 19:20

Taksim hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 18:27
NeonGolden hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 15:48
Abgesehen davon halte ich The Wolf of Wall Street auch für relativ überbewertet und äußerst fragwürdig in der Darstellung von Amoral, Ausbeutung, Frauenfeindlichkeit und allem Weiteren, was sonst noch gnadenlos schiefläuft.
Ich gehe jede Wette, dass der Film von nicht wenigen genau für diese verabscheuungswürdige erste Hälfte gefeiert und Belfort um seinen krassen Aufstieg beneidet wird. Ich finde nicht, dass es dem Film gelingt die dargestellte kranke Welt ausreichend anzuklagen. Opfer werden vollständig ausgeblendet und die Justiz verkommt zum Spielverderber.
Und das ist der Kritikpunkt, den ich am wenigsten gelte lasse.
Filme müssen amoralische Protagonisten und Institutionen ausleuchten dürfen und das auch mal so für sich stehen lassen. Ich finde, das ganze Milieu demaskiert sich da total und in seinem Exzess machen sie sich total lächerlich. Wer das erstrebenswert findet, dem ist auch nicht zu helfen und es ist nicht die Schuld des Films, dass manche Zuschauer diesen Lifestyle vielleicht cool finden.

Was bin ich froh, dass Fight Club nicht in diesen Zeiten herauskam. Die Diskussionen, die in die Richtung gehen würden, wären heutzutage endlos.
Also zum Einen finde ich, dass Fight Club die Amoral seiner Figuren viel deutlicher zur Schau stellt und demontiert. Nichts an dem Leben von Tyler Durden und dem Protagonisten ist erstrebenswert. Nicht mal vermeintlich.
Zum Anderen würde ich dir absolut zustimmen: ich finde auch, dass ein Film solche Figuren thematisieren darf ohne den mahnenden Zeigefinger zu heben. Aber man sollte sie bzw. ihr Leben auch nicht verherrlichen - und das würde ich WoWS stellenweise durchaus vorwerfen. In Fight Club gibt es wenigstens das Gegengewicht der übertriebenen Gewalt, die von Tyler Durden verkörpert wird und sein Leben so abstoßend macht. Diesen Gegenpol gibt es in WoWS nach meinem Empfinden nicht bzw. nicht stark genug.
Mag sein, dass man es so darstellen kann. Mir ist das Leben der Broker, wie es dort dargestellt wird, zu zuckersüß und ich glaube auch nicht, dass es in Wirklichkeit so ist. WoWS bebildert den traurigen Traum vom schnellen Reichtum mit endloser Macht und Frauen die für Geld alles machen ohne ihm etwas entgegen zu setzen.
NeonGolden hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 15:48
Wo der auch schon angesprochen wurde, bietet sich der ein Double Feature mit "The Big Short" da durchaus an. Die Hauptcharaktere sind auch nicht gerade Good Guys, aber sie nehmen die Leute aus, die in "The Wolf of Wall Street" dargestellt werden.
Übrigens mir hat der sehr geholfen, diese ganze Gamestop-Geschichte zu verstehen :grin:
Ja, bis zu einem gewissen Maß hat er mir auch geholfen. Aber was ihm zum Beispiel nach meinem Empfinden überhaupt nicht gelingt ist das Prinzip mit den Prämien zu erklären, obwohl es gegen Ende ein relativ wichtiges Thema ist. Aber vielleicht habe ich auch nicht gut genug aufgepasst.
Zuletzt geändert von NeonGolden am Mo 1. Feb 2021, 19:24, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Mo 1. Feb 2021, 19:21

Taksim hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 18:27
Übrigens entschuldigung an alle, die den noch nicht gesehen haben. Was Wolf of Wall Street angeht gehen wir recht unbedarft mit Spoilern gerade um :oops:
Dann aber auch nicht die Unterzeile bei Netflix lesen bitte! :sadno:

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von slowdive » Mo 1. Feb 2021, 19:47

Habe jetzt nicht so die Zeit auf alles hier einzugehen, aber ich hatte früher auch schonmal was zu dem Film geschreiben. Bin auf jeden Fall #TeamTaksim. :grin:
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von slowdive » Mo 1. Feb 2021, 20:00

NeonGolden hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 19:20
Taksim hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 18:27
NeonGolden hat geschrieben:
Mo 1. Feb 2021, 15:48
Abgesehen davon halte ich The Wolf of Wall Street auch für relativ überbewertet und äußerst fragwürdig in der Darstellung von Amoral, Ausbeutung, Frauenfeindlichkeit und allem Weiteren, was sonst noch gnadenlos schiefläuft.
Ich gehe jede Wette, dass der Film von nicht wenigen genau für diese verabscheuungswürdige erste Hälfte gefeiert und Belfort um seinen krassen Aufstieg beneidet wird. Ich finde nicht, dass es dem Film gelingt die dargestellte kranke Welt ausreichend anzuklagen. Opfer werden vollständig ausgeblendet und die Justiz verkommt zum Spielverderber.
Und das ist der Kritikpunkt, den ich am wenigsten gelte lasse.
Filme müssen amoralische Protagonisten und Institutionen ausleuchten dürfen und das auch mal so für sich stehen lassen. Ich finde, das ganze Milieu demaskiert sich da total und in seinem Exzess machen sie sich total lächerlich. Wer das erstrebenswert findet, dem ist auch nicht zu helfen und es ist nicht die Schuld des Films, dass manche Zuschauer diesen Lifestyle vielleicht cool finden.

Was bin ich froh, dass Fight Club nicht in diesen Zeiten herauskam. Die Diskussionen, die in die Richtung gehen würden, wären heutzutage endlos.
Also zum Einen finde ich, dass Fight Club die Amoral seiner Figuren viel deutlicher zur Schau stellt und demontiert. Nichts an dem Leben von Tyler Durden und dem Protagonisten ist erstrebenswert. Nicht mal vermeintlich.
Das kann man halt schon empirisch widerlegen, da der Film eine ganze Welle an maskulinistischen Follower-Kulten losgetreten hat, für die Tyler eine absolute Identifikationsfigur ist, wenn es darum geht, den rohen, "echten", archaischen Teil ihrer Männlichkeit zu befreien, der – wie sollte es anders sein – von Konsumgesellschaft, die Widerum mit Verweichlichung und damit auch Weiblichkeit verbunden ist, unterdrückt wird. Das ist eine ganz grundlegende, weit verbreitete Denkweise, deren Linie sich von den männlichen Rock-Rebellen der Gegenkultur (von Stones, über Iggy bis zu den Sex Pistols) über die Literatur von Jack Kerouac bis hin zu Filmen wie "Einer flog über das Kuckucksnest" und eben "Fight Club" durch die Popkultur zieht.

Ich selbst halte "Fight Club" natürlich für eine Kritik an eben diesem Männlichkeitskult – aber viele sehen das eben nicht so. Genauso wie eben der "Red Pilled"-Krams bei "Matrix", die Horden an jungen Männern die werden wollten wie Gordon Gekko in "Wall Street" oder die Nazis, die in "Falling Down" eine Bestätigung ihrer rassistischen Fantasien fanden. Uff. :doof:

Ist halt einfach immer ein wenig die Gefahr bei solch eher "pre-politischer" Kritik: Sie kann in alle Richtungen Missbraucht werden. Ein – vereinfacht gesagt – Fuck-the-System, so angebracht es auch sein mag, lässt halt eine Menge Spielraum für Interpretationen (z.B. bsp. aus welcher Richtung das System kritisiert wird).


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