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Politik

Von Spam bis Gott und die Welt
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Sjælland
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Re: Politik

Beitrag von Sjælland » Mi 26. Okt 2022, 11:06

Quadrophobia hat geschrieben:
Mi 26. Okt 2022, 09:41
Tambourine-Man hat geschrieben:
Mi 26. Okt 2022, 09:40
Monkeyson hat geschrieben:
Di 25. Okt 2022, 15:29


Hab die weiträumig umschifft*. Wie ist deine?

*haha
Differenzierter :lol: Aber berufsbedingt bin ich da thematisch auch sehr tief drin.
Das soll nicht heißen, dass man nicht auch nach der Abwägung aller betrieblichen und verkehrsgeografischen Faktoren den Einstieg dennoch (aus politischen Gründen) ablehnen kann. Aber die Argumentation, die man da vielfach hört, greift einfach zu kurz.
Meiner Meinung nach sollte man den Hafen lieber an TESCO verkaufen
Für den Fall, dass ein Tsunami anrollt? :doof:

Edit: Ach nein, das war TEPCO :roll:

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Monkeyson
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Re: Politik

Beitrag von Monkeyson » Mi 26. Okt 2022, 11:15

Tambourine-Man hat geschrieben:
Mi 26. Okt 2022, 09:40
Monkeyson hat geschrieben:
Di 25. Okt 2022, 15:29
Tambourine-Man hat geschrieben:
Di 25. Okt 2022, 15:22
Ich weiß nicht, ob ich noch einen weiteren Tag irgendwelche Takes und Meinungen zur geplanten Beteiligung von COSCO am Containerterminal Tollerort ertrage.
Hab die weiträumig umschifft*. Wie ist deine?

*haha
Differenzierter :lol: Aber berufsbedingt bin ich da thematisch auch sehr tief drin.
Das soll nicht heißen, dass man nicht auch nach der Abwägung aller betrieblichen und verkehrsgeografischen Faktoren den Einstieg dennoch (aus politischen Gründen) ablehnen kann. Aber die Argumentation, die man da vielfach hört, greift einfach zu kurz.
Wenn du irgendwo ne gute Zusammenfassung siehst, würde mich die auch interessieren.

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Declan_de_Barra
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Re: Politik

Beitrag von Declan_de_Barra » Mi 26. Okt 2022, 13:29

Quadrophobia hat geschrieben:
Mi 26. Okt 2022, 09:41
Tambourine-Man hat geschrieben:
Mi 26. Okt 2022, 09:40
Monkeyson hat geschrieben:
Di 25. Okt 2022, 15:29


Hab die weiträumig umschifft*. Wie ist deine?

*haha
Differenzierter :lol: Aber berufsbedingt bin ich da thematisch auch sehr tief drin.
Das soll nicht heißen, dass man nicht auch nach der Abwägung aller betrieblichen und verkehrsgeografischen Faktoren den Einstieg dennoch (aus politischen Gründen) ablehnen kann. Aber die Argumentation, die man da vielfach hört, greift einfach zu kurz.
Meiner Meinung nach sollte man den Hafen lieber an TESCO verkaufen
Hauptsache nicht Tedesco

Ich habe wirklich von der ganzen Thematik überhaupt gar keine Ahnung und sehe das grundsätzlich auch kritisch, finde aber als einziges Argument die schlechten Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit Russland n bisschen wenig, auch wenn sicherlich nicht falsch

Suitemeister
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Re: Politik

Beitrag von Suitemeister » Mi 26. Okt 2022, 14:38

Kannst du das weiter ausführen, Toto?
Ich bin auch eher auf der Seite derjenigen, die einen Einstieg eines chinesischen Unternehmens in (kritische) Infrastruktur eher ablehnt. Daher würde mich deine Sichtweise, auch vor dem Hintergrund deines Jobs, durchaus sehr interessieren.

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slowdive
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Re: Politik

Beitrag von slowdive » Mi 26. Okt 2022, 23:40

ich würde dazu tendieren, es vorerst so zu sehen:
Suitemeister hat geschrieben:
Mi 26. Okt 2022, 14:38
Ich bin auch eher auf der Seite derjenigen, die einen Einstieg eines chinesischen Unternehmens in (kritische) Infrastruktur eher ablehnt.

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Quadrophobia
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Re: Politik

Beitrag von Quadrophobia » Mi 23. Nov 2022, 09:40

In den gestrigen Tagesthemen durfte BR-Reporter Achim Wendler unwidersprochen behaupten, dass man mit 862€ Brutto das Bürgergeld mitfinanziert, obwohl das rund 350€ unter der Grenze liegt, ab der man überhaupt Steuern zahlt. Ich glaube ja langsam, dass einige Leute im ÖRR aktiv daran mitarbeiten, ihn abzuschaffen


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Re: Politik

Beitrag von defpro » Mi 23. Nov 2022, 12:32

Quadrophobia hat geschrieben:
Mi 23. Nov 2022, 09:40
In den gestrigen Tagesthemen durfte BR-Reporter Achim Wendler unwidersprochen behaupten, dass man mit 862€ Brutto das Bürgergeld mitfinanziert, obwohl das rund 350€ unter der Grenze liegt, ab der man überhaupt Steuern zahlt. Ich glaube ja langsam, dass einige Leute im ÖRR aktiv daran mitarbeiten, ihn abzuschaffen

Wäre schön, wenn solche Personen wenigstens die Courage hätten, ihre Fehler zuzugeben. Scheint leider nicht zu passieren...

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NeonGolden
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Re: Politik

Beitrag von NeonGolden » Mi 23. Nov 2022, 13:32

Hätte denn der korrekte Betrag etwas an seiner grundsätzlich schon sehr abstoßenden Aussage geändert?

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Re: Politik

Beitrag von Quadrophobia » Mi 23. Nov 2022, 13:36

NeonGolden hat geschrieben:
Mi 23. Nov 2022, 13:32
Hätte denn der korrekte Betrag etwas an seiner grundsätzlich schon sehr abstoßenden Aussage geändert?
Ne, aber das man im ÖR einfach ungeprüft Falschbehauptungen machen kann (und zwar nicht in einer Talkshow, sondern in einem redaktionellen Beitrag) ist für mich einfach erschreckend.

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Re: Politik

Beitrag von NeonGolden » Mi 23. Nov 2022, 13:53

Ja, das sehe ich auch so. Sollte man dann zumindest auch umgehend korrigieren, was ja offensichtlich noch nicht passiert ist.

Finde es nur "schade", wie sich in den Kommentaren alle über die falsche Zahl (die kaum was ändert) aufregen, aber nicht über die grundsätzliche Aussage.

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Re: Politik

Beitrag von NeonGolden » Fr 25. Nov 2022, 09:06

Lindner will Freibeträge bei Erbschaftsteuer erhöhen
Quelle:Spiegel Online

Genau Chrissi, Menschen, die über 400.000€ geschenkt bekommen, denen muss jetzt ganz dringend mal geholfen werden.

Wie lost kann man eigentlich sein?

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Re: Politik

Beitrag von akropeter » Fr 25. Nov 2022, 09:13

NeonGolden hat geschrieben:
Lindner will Freibeträge bei Erbschaftsteuer erhöhen
Quelle:Spiegel Online

Genau Chrissi, Menschen, die über 400.000€ geschenkt bekommen, denen muss jetzt ganz dringend mal geholfen werden.

Wie lost kann man eigentlich sein?
Man möchte sich eben sein Wählerklientel sichern
Hamburg dies, Hamburg das, Hamburg Fachjargon!

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Re: Politik

Beitrag von NeonGolden » Fr 25. Nov 2022, 09:25

Ja, eine Bande von Spinnern.

Oh wie schrecklich! Der Wert eurer Erbmasse hat sich in den letzten Jahren ins Unermessliche vervielfacht und jetzt müsst ihr plötzlich ein paar Euro Steuern zahlen. Was für eine himmelschreiende Ungerechtigkeit!

Am Mindset dieser Menschen wird die Welt zugrunde gehen.

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Re: Politik

Beitrag von edamame » Fr 25. Nov 2022, 09:26

NeonGolden hat geschrieben:
Fr 25. Nov 2022, 09:06
Lindner will Freibeträge bei Erbschaftsteuer erhöhen
Quelle:Spiegel Online

Genau Chrissi, Menschen, die über 400.000€ geschenkt bekommen, denen muss jetzt ganz dringend mal geholfen werden.

Wie lost kann man eigentlich sein?
Der Grundsatz, Omas Häuschen soll steuerfrei bleiben, galt lange, weil die Bewertung im Erbschaftsteuerrecht hinter den tatsächlichen Verkehrswerten zurückblieb. Das ändert sich jetzt – und zur Unzeit: Die Immobilienpreise sind immer noch so hoch, dass der zugestandene Freibetrag oft ohnehin nicht mehr ausreicht. "Ich kenne mittlerweile keine größere Stadt, bei der ein Eigenheim für eine Familie einen Wert von weniger als 400 000 Euro hat", sagt Jürgen Lindauer, Steuerberater beim Beratungsunternehmen kpmg.

"Private Eigentümer in Regionen mit hohen Bodenpreisen, also in Großstadtnähe oder attraktiven Mittelzentren, sind von massiven Bodenpreissteigerungen auch steuerlich betroffen. Dort reichen die Freibeträge vielfach nicht mehr aus", sagt auch Sibylle Barent vom Eigentümerverein Haus und Grund.

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Re: Politik

Beitrag von NeonGolden » Fr 25. Nov 2022, 09:42

Das lässt völlig außer Acht, dass besagte Immobilien vor wenigen Jahren wesentlich weniger wert waren. Die Erben haben also extrem von der Wertsteigerung profitiert. Wie man den Profiteuren einer solch zauberhaften Wertexplosion diese Betroffenheitsrhetorik überstülpen kann, da kommt mir latent das Kotzen.

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Re: Politik

Beitrag von Stebbie » Fr 25. Nov 2022, 09:57

Man muss es vielleicht nicht ganz so schwarz-weiß sehen. Der Schilderung des Experten von der KPMG kann ich ein Stück weit folgen, weil wir die sozialen Folgen dieses Problems ganz besonders in meiner Heimatregion seit einigen Jahren erleben - auch im familiären Umfeld. Die immobilien- und Grundstückswerte auf Sylt und mittlerweile auch Föhr und in Ansätzen sogar auf dem Festland sind mittlerweile so absurd hoch, dass sich kaum noch jemand das Erbe leisten kann - gerade wenn weitere Erben ausgezahlt werden müssten.

Kann man natürlich sagen: Ja, dann verkauft ihr das halt und nehmt den Verkaufswert mit, nur führt das dann zu den sozialen Verdrängungsprozessen, die wir auf besagten Inseln erleben. Ganz abgesehen davon, dass es hier ja auch um immaterielle Werte geht (man möchte vll. gerne das Haus der Eltern oder Großeltern im Familienbesitz halten). Viele der dort geborenen müssen seit Jahren aufs Festland ziehen, mit all den Folgen für die infrastrukturelle Versorgung der dortgebliebenen. Die Immobilien gehend währenddessen in den Besitz wohlhabender Investoren aus Hamburg, Frankfurt und Co. Kommt jetzt noch eine zunehmende Steuerbelastung auf dieses Erbe, dürfte sich das Problem wohl nur verschärfen.

Von daher macht eine Anpassung der Freibeträge an die Realitäten im Grunde Sinn, wenngleich Lindner hier vielleicht eine andere Klientel im Sinn haben dürfte. Ob das in dieser Ausformung und gerade zum jetzigen Zeitpunkt richtig ist, das mag ich nicht beurteilen.
(c) 26.06.2006

Gelöschter Benutzer 408

Re: Politik

Beitrag von Gelöschter Benutzer 408 » Fr 25. Nov 2022, 10:02

edamame hat geschrieben:
Fr 25. Nov 2022, 09:26
NeonGolden hat geschrieben:
Fr 25. Nov 2022, 09:06
Lindner will Freibeträge bei Erbschaftsteuer erhöhen
Quelle:Spiegel Online

Genau Chrissi, Menschen, die über 400.000€ geschenkt bekommen, denen muss jetzt ganz dringend mal geholfen werden.

Wie lost kann man eigentlich sein?
Der Grundsatz, Omas Häuschen soll steuerfrei bleiben, galt lange, weil die Bewertung im Erbschaftsteuerrecht hinter den tatsächlichen Verkehrswerten zurückblieb. Das ändert sich jetzt – und zur Unzeit: Die Immobilienpreise sind immer noch so hoch, dass der zugestandene Freibetrag oft ohnehin nicht mehr ausreicht. "Ich kenne mittlerweile keine größere Stadt, bei der ein Eigenheim für eine Familie einen Wert von weniger als 400 000 Euro hat", sagt Jürgen Lindauer, Steuerberater beim Beratungsunternehmen kpmg.

"Private Eigentümer in Regionen mit hohen Bodenpreisen, also in Großstadtnähe oder attraktiven Mittelzentren, sind von massiven Bodenpreissteigerungen auch steuerlich betroffen. Dort reichen die Freibeträge vielfach nicht mehr aus", sagt auch Sibylle Barent vom Eigentümerverein Haus und Grund.
Der Punkt fasst es komplett zusammen. halte das für die absolut richige Entscheidung. Die Wertsteigerungen mögen auf dem Papier da sein, die entsprechenden Objekte werden jedoch nicht jedes mal extern verkauft, sondern selbst genutzt, teils müssen dann auf Basis dieser "fiktiven" Werte Familienmitglieder ausgezahlt werden. Ansonsten ignoriert ihr, dass nicht nur alte Leute sterben. Angenommen, da läuft noch eine Finanzierung drauf "erbt" ein Partner/Kind also etwas wo er noch abbezahlen darf UND darf dass dann noch mal versteuern. Preise von Einfamilienhäusern um 700.000 € sind beispielsweise in Berlin normal.

Die 500.000 € mag aus der Perspektive von jungen Leuten, die am Anfang ihres Berufslebens stehen viel Geld sein, sobald heutzutage jemand baut/kauft/wasauchimmer hantiert man jedoch sehr, sehr schnell mit solchen Summen.

Natürlich könnte man jetzt wieder eine Grundsatzdebatte aufmachen, dass Wohneigentum komplett abzuschaffen, aber derlei unrealistischen Kram könnt ihr unter euch ausmachen.

Viel wichtiger wäre es m.E. mal einen Freibetrag für jahrelange Lebensgemeinschaften einzuführen. Nicht jede*r mag das oftmals antiquierte Modell der Ehe (welches auch so gefördert wird) und lebt trotzdem gern zusammen.
Zuletzt geändert von Gelöschter Benutzer 408 am Fr 25. Nov 2022, 10:24, insgesamt 1-mal geändert.

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Quadrophobia
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Re: Politik

Beitrag von Quadrophobia » Fr 25. Nov 2022, 10:11

I'm all for Erbschaftssteuer, aber die Dynamik ist schon nicht ganz ohne und auch aus linker Perspektive sollte man hier pragmatisch überlegen, was die bessere Variante ist: Dass einige Leute aus der oberen Mittelschicht die Wertsteigerung ihrer Immobilien an die Kinder weitergeben können, ohne steuern zu zahlen, oder ob die Kinder zum Verkauf gezwungen sind. Durch die massive Überbewertung des Immobilienmarktes durch die exzessive Spekulation der letzten Jahre, sind diese Werte nämlich nicht im Ansatz realisierbar und normale Menschen bekommen kein Geld für solche Käufe von der Bank, der völlig klar ist, dass die Immobilie überbewertet ist. Das heißt also, dass man entweder weit unter Wert verkaufen muss, aber trotzdem Erbschaftssteuer auf den Verkehrswert zahlt oder, wenn die Immobilie dafür geeignet ist, an entsprechende Spekulanten verkauft. Da kann es gerade in Ballungsräumen für die Stadtstruktur mitunter sinnvoller sein, auf 50.000€ Erbschaftssteuer zu verzichten und stattdessen eine heterogenere Eigentümerstruktur zu behalten.

Mir ist völlig klar, dass das nicht Lindners Motive sind, aber das ist halt auch ein strukturelles Problem.

Wer richtig groß vererbt, hat das alles sowie so angelegt, dass es an der Steuer vorbei geht. Jetzt die "Mittelschicht" stärker zu entlasten ist durchaus ziemlich unfair gegenüber den Millionen Menschen, die gar kein Vermögen haben, aber innerhalb derjenigen, die überhaupt erben, sind diejenigen, die "wenig" Erben relativ stark benachteiligt.


Was viel dringender nötig ist, als die Anpassung irgendwelcher Freibeträge, ist dass Milliardäre nicht weiter ihre Reichtümer an der Steuer vorbeischleusen können. ALDI bspw. hat in den letzten Jahrzehnten mehrere Milliarden an der Erbschaftssteuer vorbeigeschafft, indem man jede Menge Agrarland gekauft hat, das Sonderregelungen bei der Erbschaft unterliegt. Betriebsvermögen werden idR überhaupt nicht angetastet, obwohl Erben mit den Unternehmen nichts mehr zu tun haben und nur noch als Rentiers von den Dividenden und Kapitalerträgen leben, wie Klatten/Quandt und selbst darauf noch die Steuern vermeiden


Zu den Daten hier mal ein sehr guter Thread


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NeonGolden
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Re: Politik

Beitrag von NeonGolden » Fr 25. Nov 2022, 10:41

Stebbie hat geschrieben:
Fr 25. Nov 2022, 09:57
Man muss es vielleicht nicht ganz so schwarz-weiß sehen. Der Schilderung des Experten von der KPMG kann ich ein Stück weit folgen, weil wir die sozialen Folgen dieses Problems ganz besonders in meiner Heimatregion seit einigen Jahren erleben - auch im familiären Umfeld. Die immobilien- und Grundstückswerte auf Sylt und mittlerweile auch Föhr und in Ansätzen sogar auf dem Festland sind mittlerweile so absurd hoch, dass sich kaum noch jemand das Erbe leisten kann - gerade wenn weitere Erben ausgezahlt werden müssten.

Kann man natürlich sagen: Ja, dann verkauft ihr das halt und nehmt den Verkaufswert mit, nur führt das dann zu den sozialen Verdrängungsprozessen, die wir auf besagten Inseln erleben. Ganz abgesehen davon, dass es hier ja auch um immaterielle Werte geht (man möchte vll. gerne das Haus der Eltern oder Großeltern im Familienbesitz halten). Viele der dort geborenen müssen seit Jahren aufs Festland ziehen, mit all den Folgen für die infrastrukturelle Versorgung der dortgebliebenen. Die Immobilien gehend währenddessen in den Besitz wohlhabender Investoren aus Hamburg, Frankfurt und Co. Kommt jetzt noch eine zunehmende Steuerbelastung auf dieses Erbe, dürfte sich das Problem wohl nur verschärfen.

Von daher macht eine Anpassung der Freibeträge an die Realitäten im Grunde Sinn, wenngleich Lindner hier vielleicht eine andere Klientel im Sinn haben dürfte. Ob das in dieser Ausformung und gerade zum jetzigen Zeitpunkt richtig ist, das mag ich nicht beurteilen.
Ich sehe ehrlich gesagt nicht, wie die Erhöhung von Freibeträgen die Lösung für diese Problematik sein soll. Man sollte hier eher Mittel und Wege finden, wie man die Preisexplosion stoppen kann. Es kann nicht sein, dass man ein System, das soziale Ungerechtigkeit verstärkt und die ungleichmäßige Verteilung von Vermögen fördert, auch noch ausbaut, nur um die Symptome von solchen isolierten Problemen zu bekämpfen.

Abgesehen davon kann ich nach wie vor nicht nachvollziehen, wieso es nicht möglich sein soll, diese im Verhältnis zum Wert der Immobilie geringfügigen Steuerbeträge gegenzufinanzieren. Wenn ich das auch über Jahre nicht finanziert bekomme, wie komme ich dann auf die Idee in so einer teuren Immobilie zu wohnen?
Blackstar hat geschrieben:
Fr 25. Nov 2022, 10:02
Die Wertsteigerungen mögen auf dem Papier da sein, die entsprechenden Objekte werden jedoch nicht jedes mal extern verkauft, sondern selbst genutzt, teils müssen dann auf Basis dieser "fiktiven" Werte Familienmitglieder ausgezahlt werden.
Meinetwegen soll die Steuer entfallen, wenn die Immobilie tatsächlich selbst vom Erben genutzt wird.
Die Problematik, dass Familienmitglieder ausgezahlt werden müssen, hat mit den Freibeträgen nichts zu tun, sondern mit den absurden Immobilienpreisen.
Blackstar hat geschrieben:
Fr 25. Nov 2022, 10:02
Ansonsten ignoriert ihr, dass nicht nur alte Leute sterben. Angenommen, da läuft noch eine Finanzierung drauf "erbt" ein Partner/Kind also etwas wo er noch abbezahlen darf UND darf dass dann noch mal versteuern. Preise von Einfamilienhäusern um 700.000 € sind beispielsweise in Berlin normal.
Auf 700.000€ fallen aktuell 33.000€ Steuern an. Finde ich relativ günstig für etwas, für das ich nichts geleistet habe.
Dann soll es halt Modelle geben, wie diese Steuern langfristig und zinsfrei abbezahlt werden können. Es sind zig Lösungen denkbar um Extremfälle zu entlasten. Die Anhebung von Freibeträgen ist aber vor allem eines: ein Geschenk für eine bereits sehr vermögende Bevölkerungsschicht.
Blackstar hat geschrieben:
Fr 25. Nov 2022, 10:02
Viel wichtiger wäre es m.E. mal einen Freibetrag für jahrelange Lebensgemeinschaften einzuführen. Nicht jede*r mag das antiquierte Modell der Ehe und lebt trotzdem gern zusammen.
Das sowieso. Sehe in der Richtung allerdings wenig Bemühen seitens der FDP.

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Re: Politik

Beitrag von NeonGolden » Fr 25. Nov 2022, 10:55

Quadrophobia hat geschrieben:
Fr 25. Nov 2022, 10:11
I'm all for Erbschaftssteuer, aber die Dynamik ist schon nicht ganz ohne und auch aus linker Perspektive sollte man hier pragmatisch überlegen, was die bessere Variante ist: Dass einige Leute aus der oberen Mittelschicht die Wertsteigerung ihrer Immobilien an die Kinder weitergeben können, ohne steuern zu zahlen, oder ob die Kinder zum Verkauf gezwungen sind. Durch die massive Überbewertung des Immobilienmarktes durch die exzessive Spekulation der letzten Jahre, sind diese Werte nämlich nicht im Ansatz realisierbar und normale Menschen bekommen kein Geld für solche Käufe von der Bank, der völlig klar ist, dass die Immobilie überbewertet ist. Das heißt also, dass man entweder weit unter Wert verkaufen muss, aber trotzdem Erbschaftssteuer auf den Verkehrswert zahlt oder, wenn die Immobilie dafür geeignet ist, an entsprechende Spekulanten verkauft. Da kann es gerade in Ballungsräumen für die Stadtstruktur mitunter sinnvoller sein, auf 50.000€ Erbschaftssteuer zu verzichten und stattdessen eine heterogenere Eigentümerstruktur zu behalten.
50.000€ Erbschaftssteuer fallen an bei einer Erbmasse von ca. 750.000€ (für Kinder). Wer erklärt mir, wieso das für Leute der Mittelschicht nicht finanzierbar sein soll, wenn es gleichzeitig für Menschen, die nichts erben, ein realistisches Lebensziel sein soll, mit einem durchschnittlichen Einkommen die Finanzierung einer gleichwertigen Immobilie zu stemmen?
Quadrophobia hat geschrieben:
Fr 25. Nov 2022, 10:11
Wer richtig groß vererbt, hat das alles sowie so angelegt, dass es an der Steuer vorbei geht. Jetzt die "Mittelschicht" stärker zu entlasten ist durchaus ziemlich unfair gegenüber den Millionen Menschen, die gar kein Vermögen haben, aber innerhalb derjenigen, die überhaupt erben, sind diejenigen, die "wenig" Erben relativ stark benachteiligt.
Das kann ich nachvollziehen und stimmt durchaus.
Quadrophobia hat geschrieben:
Fr 25. Nov 2022, 10:11
Was viel dringender nötig ist, als die Anpassung irgendwelcher Freibeträge, ist dass Milliardäre nicht weiter ihre Reichtümer an der Steuer vorbeischleusen können. ALDI bspw. hat in den letzten Jahrzehnten mehrere Milliarden an der Erbschaftssteuer vorbeigeschafft, indem man jede Menge Agrarland gekauft hat, das Sonderregelungen bei der Erbschaft unterliegt. Betriebsvermögen werden idR überhaupt nicht angetastet, obwohl Erben mit den Unternehmen nichts mehr zu tun haben und nur noch als Rentiers von den Dividenden und Kapitalerträgen leben, wie Klatten/Quandt und selbst darauf noch die Steuern vermeiden
Ja, das ist mein Punkt. Vor dem Hintergrund finde ich es absolut verlogen die Anpassung von Freibeträgen als Hilfestellung für die Mittelschicht zu verkaufen.

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Re: Politik

Beitrag von Stebbie » Fr 25. Nov 2022, 12:32

Es ist ja vermutlich auch nicht als Lösung des Problems (sei eh dahingestellt, ob die FDP das wollen würde) gedacht, sondern nur eine Anpassung der Rahmenbedingungen an die sich verändernden Lebensrealitäten nicht weniger Menschen. Natürlich mögen 30 bis 40.000 € Erbschaftssteuer im Vergleich zum Immobilienwert nicht viel erscheinen, aber du bekommst den Wert ja als 'Nachbewohner' nicht aufs Konto, sondern nimmst dafür einen nicht unwesentlichen Kredit auf - für viele unserer Generation ist das schon ein großer Berg, zusätzlich zu den kosten, die oft mit der Besitzübernahme einhergehen.

Dass hier was auf dem Immobilienmarkt gemacht werden muss, das steht ja gar nicht zur Debatte. Ich verstehe, dass man das anders sehen kann, aber ich halte die Frage, ob man jetzt Steuern auf die Elternhäuser zahlen muss, für einen ziemlich belanglosen Nebenkriegsschauplatz. Da gibt es andere Themen, die weit effektiver und sozial gerechter wären.
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Re: Politik

Beitrag von Quadrophobia » Fr 25. Nov 2022, 14:26

Mit der (absolut richtigen) Anpassung der Wertbestimmung von Immobilien für die Steuer wird ja schon sehr viel mehr Steuer eingezogen. Da finde ich es grundsätzlich legitim, auch die Freibeträge zu erhöhen, um Grenzfälle zu vermeiden.

Sollte ich jetzt mein Elternhaus erben, weil meine Mutter stirbt, müsste ich rund 15.000€ Erbschaftssteuer plus Grundbucheintrag zahlen. Die hab ich schlicht nicht. Um es zu verkaufen, müsste ich meine Großeltern und meinen Stiefvater rauswerfen, oder einen Kredit aufnehmen, und das Haus mit einer Hypothek belegen. Ich behaupte nicht, dass ich arm dran bin, ich erbe ja trotzdem ganz gut. Aber das Problem, dass Menschen Häuser erben, deren Wert - v.a. durch die grassierende Bodenspekulation, maximal aufgeblasen ist, die aber aus verschiedensten Gründen nicht liquidiert werden können, sollte man nicht Unterschätzen. Hier müsste man v.a. ein System finden, dass die grundsätzlich die Abzahlung oder Abschreibung ermöglicht, aber moderat angehobene Freibeträge finde ich nicht grundsätzlich falsch.

Ich rede hier auch gar nicht von massiv viel mehr, aber eine Gleichstellung von Ehepartner:innen und Kindern wäre imho schon sinnvoll.

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Re: Politik

Beitrag von Rieper » Fr 25. Nov 2022, 14:35

Blackstar hat geschrieben:
Fr 25. Nov 2022, 10:02

Viel wichtiger wäre es m.E. mal einen Freibetrag für jahrelange Lebensgemeinschaften einzuführen. Nicht jede*r mag das oftmals antiquierte Modell der Ehe (welches auch so gefördert wird) und lebt trotzdem gern zusammen.
Das sehe ich auch als ganz wichtigen Punkt. Auch wenn es im die Hinterbliebenenrente geht. Wenn du nicht verheiratet bist, kann das ziemlich bitter werden. Da gehört grundlegend etwas gemacht.

Ist nicht nur ein Problem in Ballungsräumen. Bei uns hier unten hast du ähnliche Immobilienpreise. Neubauwohnungen mi 90-100 qm gibt es hier nicht für unter 400.000 Euro. Und zu dem Preis dann auch direkt an der Bundesstraße und nichts mit Garten oder irgendwas. Für Menschen, die nicht in der benachbarten Schweiz arbeiten oder eine hohe Stellung in ihrem Job haben, ist es kaum noch möglich Immobilien zu erwerben. Klar, fährt man mit dem Auto 30 Minuten oder mehr Richtung Schwarzwald, schaut es ganz anders aus. Aber dazu brauchst du halt mindestens ein Auto, weil kein/kaum ÖPNV und verlierst auch andere Vorteile, die es zumindest noch hier gibt.

Ich bin nicht ganz tief in der Thematik drinnen. Aber vielleicht wäre es auch klug bei der Erbschaftssteuer zu unterscheiden, um was es geht. Also um zum Beispiel Eigenheime oder um liquides Vermögen.

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Re: Politik

Beitrag von NeonGolden » Fr 25. Nov 2022, 16:55

Stebbie hat geschrieben:
Fr 25. Nov 2022, 12:32
Es ist ja vermutlich auch nicht als Lösung des Problems (sei eh dahingestellt, ob die FDP das wollen würde) gedacht, sondern nur eine Anpassung der Rahmenbedingungen an die sich verändernden Lebensrealitäten nicht weniger Menschen. Natürlich mögen 30 bis 40.000 € Erbschaftssteuer im Vergleich zum Immobilienwert nicht viel erscheinen, aber du bekommst den Wert ja als 'Nachbewohner' nicht aufs Konto, sondern nimmst dafür einen nicht unwesentlichen Kredit auf - für viele unserer Generation ist das schon ein großer Berg, zusätzlich zu den kosten, die oft mit der Besitzübernahme einhergehen.
Die Lebensrealität nicht weniger Menschen ist, dass sie (fast) gar nichts erben werden. Diese Menschen müssten für die Aussicht auf Wohneigentum eine vielfach größere Summe finanzieren. Sie müssen diese Summe finanzieren mit einem Einkommen, auf das die ganz normale Lohnsteuer anfällt.
Wie ist es für solche Leute also vermittelbar zu behaupten, dass die Finanzierung einer geringfügigen Steuersumme für geschenkten(!) Wohneigentum eine zu hohe Belastung ist, während der Mensch, der nicht erbt, für seinen Wohneigentum indirekt eine vielfach höhere Summe Steuern aufbringen muss?
Ganz ehrlich, das verstehe ich einfach nicht, aber vielleicht bin ich auch einfach zu dumm dafür. :?
Stebbie hat geschrieben:
Fr 25. Nov 2022, 12:32
Dass hier was auf dem Immobilienmarkt gemacht werden muss, das steht ja gar nicht zur Debatte. Ich verstehe, dass man das anders sehen kann, aber ich halte die Frage, ob man jetzt Steuern auf die Elternhäuser zahlen muss, für einen ziemlich belanglosen Nebenkriegsschauplatz. Da gibt es andere Themen, die weit effektiver und sozial gerechter wären.
Diesen belanglosen Nebenkriegsschauplatz hat ja Herr Lindner aufgemacht.
Und sicher gibt es Einzelfälle, für die eine Anhebung der Freibeträge eine "faire" Entlastung wäre. Das kann doch aber nicht die Rechtfertigung sein für eine Steueränderung, von der am Ende hauptsächlich reiche Menschen profitieren werden.
Genau, es gibt andere Themen und Lösungen für solche Sonderfälle.
Quadrophobia hat geschrieben:
Fr 25. Nov 2022, 14:26
Mit der (absolut richtigen) Anpassung der Wertbestimmung von Immobilien für die Steuer wird ja schon sehr viel mehr Steuer eingezogen. Da finde ich es grundsätzlich legitim, auch die Freibeträge zu erhöhen, um Grenzfälle zu vermeiden.
Wie bereits gesagt, aktuelle Erben profitieren parallel ja auch extrem von der Wertsteigerung.
Sagen wir mal, man hätte vor 10 Jahren ein Haus im Wert von 200.000€ geerbt. Darauf wäre keine Steuer angefallen.
Heute erbt man das gleiche Haus mit einem Wert von 600.000€. Dafür fallen nun ca. 30.000€ Steuern an. Wo ist da die Ungerechtigkeit?
Quadrophobia hat geschrieben:
Fr 25. Nov 2022, 14:26
Sollte ich jetzt mein Elternhaus erben, weil meine Mutter stirbt, müsste ich rund 15.000€ Erbschaftssteuer plus Grundbucheintrag zahlen. Die hab ich schlicht nicht. Um es zu verkaufen, müsste ich meine Großeltern und meinen Stiefvater rauswerfen, oder einen Kredit aufnehmen, und das Haus mit einer Hypothek belegen. Ich behaupte nicht, dass ich arm dran bin, ich erbe ja trotzdem ganz gut.
Bei allem Respekt und bitte versteh das nicht falsch, aber mein Mitleid dafür, ein Haus im Wert von offensichtlich mehreren Hunderttausend Euro mit 15.000€ plus Grundbucheintrag finanzieren zu müssen, hält sich in Grenzen.
Für den Fall, dass zum Zeitpunkt des Erbfalles selbst die langfristige Finanzierung einer solchen Summe nicht darstellbar ist, könnte man ja Regelungen finden, wie diese Steuerschuld aufgeschoben wird (eine solche Gesetzesänderung fände ich sinnvoll). Und auch die Bewohner könnten ja eine geringe Mietsumme aufbringen, die diese Summe gegenfinanziert.

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Re: Politik

Beitrag von Quadrophobia » Fr 25. Nov 2022, 19:12

Wie gesagt, das ist langfristig betrachtet ein Luxusproblem, gebe ich anstandslos zu. Wenn das aber in der falschen Situation passiert, kann dich das ganz schön in die Bredouille bringen. Ganz blöd wird es, wenn du auch auf den Verkauf noch Steuern zahlen musst, weil die Immobilie noch nicht lang genug bewohnt wurde. Auch kann es natürlich sein, dass die Immobilie nicht verkehrsfähig ist und der Steuersatz wegen eines wertvollen/großen Grundstücks festgesetzt wurde, du also Erbschaftssteuer zahlst, aber nicht verkaufen kannst. Solche Fälle möglichst zu vermeiden, finde ich sinnvoll. Insbesondere dann, wenn Erb:innen das Haus weiter bewohnen wollen. Ob das über pauschale Freibeträge geschehen muss, oder ob es da andere Lösungen gibt, kann ich nicht sagen. Aber 400.000 sind "schnell" erreicht, wenn eine Immobilie in einer "neuerdings" gefragten Lage steht.


Und ich stimme dir 100%ig zu, dass erben sehr ungerecht ist. Ich finde aber nicht, dass man in diesem Fall primär über die (hanebüchene, keine Frage) Ungerechtigkeit sprechen muss, die zwischen Steuern auf Arbeit und steuern auf Vermögen besteht, sondern innerhalb der Erbschaftssteuer auf die Ungerechtigkeiten gucken sollte, um die zu reformieren.

Das Gerechtigkeitsproblem auf der anderen Seit sieht dann so aus: Wenn jemand seinen Eltern das Haus "gewerblich" abkauft, kann er es steuerlich abschreiben und nach deren Tod das Geld zurück erben, mitunter sogar steuerfrei, weil ein Teil zum Tod von Elternteil A ja an B ging und bei Tod von B wieder der Freibetrag greift (conditions apply). Warum sollte ich also gegenüber diesem Szenario (das ja nur für noch weitaus wohlhabendere gangbar ist) so benachteiligt sein?


Edit: Natürlich kann ich das auch nicht wirklich wertneutral betrachten, wenn es mich selbst betrifft. Aber die Erbschaftssteuer so umzugestalten, dass sie hohe Erbschaften stärker und "kleine" weniger stark belastet, finde ich grundsätzlich vertretbar.


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