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Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

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Flecha
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Flecha » Fr 6. Sep 2019, 12:28

Baltimore hat geschrieben:
Fr 6. Sep 2019, 11:19
Spider-Man ist jetzt wohl wirklich (erst einmal) raus aus dem MCU. :cry:

https://www.cnet.com/news/sony-says-doo ... -universe/
Das dürfte dem Franchise einiges an Zugkraft nehmen. Black Panther kann man nach dem erfolgreichen ersten Film sicher als Zugpferd installieren. Aber wen sonst? Der Guardians-Zyklus dürfte ja auch vorbei sein, oder weiß man schon, ob Chris Pratt und Co. auch über einen dritten Teil hinaus Verträge haben?

Ich habe gestern IT 2 gesehen. Ich fand den ersten schon ganz gut, diesen hier aber noch viel besser. Viel näher am Buch, aber mit ca. 2:30 Stunden auch sehr lang.
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Baltimore
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Baltimore » Fr 6. Sep 2019, 12:33

Flecha hat geschrieben:
Fr 6. Sep 2019, 12:28

Ich habe gestern IT 2 gesehen. Ich fand den ersten schon ganz gut, diesen hier aber noch viel besser. Viel näher am Buch, aber mit ca. 2:30 Stunden auch sehr lang.
Interessant. Es gibt irgendwie in meinem Filmforum nur 2/10 oder sehr gute Wertungen.
Viele, die den 1.Teil sehr gut bewertet haben, fanden den 2. Teil komplett grottig.

Sehe ihn wohl am Montag, falls ich Sonntag die Erstsichtung von Teil 1 auf BD schaffe.
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ThomZorke
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von ThomZorke » Mo 9. Sep 2019, 01:10

Uff, ich seh es leider ganz anders als Flecha. Ganz kurz zusammengefasst mein Problem mit dem Film: der erste Teil war ein Coming-Of-Age-Drama mit Horror-Elementen, der zweite ein ziemlich stumpfer Horror vom Reißbrett, der eigentlich nur alles aus dem ersten Teil wiederholt. Und jetzt ab in die Spoiler:
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mattkru
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von mattkru » Mo 9. Sep 2019, 07:14

Ist das Ende eigentlich ähnlich lächerlich umgesetzt wie in der TV-Verfilmung?
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Flecha
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Flecha » Mo 9. Sep 2019, 12:11

mattkru hat geschrieben:
Mo 9. Sep 2019, 07:14
Ist das Ende eigentlich ähnlich lächerlich umgesetzt wie in der TV-Verfilmung?
Inwiefern? Erinnere mich an den TV-Film jetzt nicht mehr so gut - nur halt daran, dass IT in der am Ende vorkommenden Form ziemlich wie in einem alten Sindbad-Film oder so aussah. Das ist hier technisch natürlich viel schöner. Dazu ist die gesamte Deadlights-Nummer mMn. so vorgetragen, dass es nicht zu abgespaced wird, sich aber trotzdem einigermaßen mit der Buchvorlage verträgt.
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von mattkru » Mo 9. Sep 2019, 12:27

Flecha hat geschrieben:
Mo 9. Sep 2019, 12:11
mattkru hat geschrieben:
Mo 9. Sep 2019, 07:14
Ist das Ende eigentlich ähnlich lächerlich umgesetzt wie in der TV-Verfilmung?
Inwiefern? Erinnere mich an den TV-Film jetzt nicht mehr so gut - nur halt daran, dass IT in der am Ende vorkommenden Form ziemlich wie in einem alten Sindbad-Film oder so aussah. Das ist hier technisch natürlich viel schöner. Dazu ist die gesamte Deadlights-Nummer mMn. so vorgetragen, dass es nicht zu abgespaced wird, sich aber trotzdem einigermaßen mit der Buchvorlage verträgt.
► Text zeigen
Genau das meine ich ja. Das hat für mich immer den TV-Zweiteiler ziemlich kaputt gemacht.
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Ne,Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Flecha » Mo 9. Sep 2019, 15:57

Ne, das haben die mit modernem CGI ganz gut hinbekommen. ;)
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von scarred » Mo 9. Sep 2019, 23:40



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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Baltimore » Di 10. Sep 2019, 19:36

WTF, die Beschlagnahme von Maniac (1980) wurde aufgehoben. :o

Das ist nun wirklcih der Film von dem ich es als Letzes erwartet hätte.

https://www.schnittberichte.com/news.php?ID=15010
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Taksim » Do 12. Sep 2019, 19:07

Max Richter hat mit "Ad Astra" erneut für ein ambitioniertes Sci-Fi-Drama den Score gemacht.
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Fr 13. Sep 2019, 13:19


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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Flecha » Fr 13. Sep 2019, 13:35

Monkeyson hat geschrieben:
Fr 13. Sep 2019, 13:19
Des Guardians best films of the 21st century
Ted vor Lost in Translation. Ich bin schockiert.
Stimme da mit vielen nicht überein, wie das bei Listen halt so ist. Aber auf jeden Fall mindestens 30-40 Prozent Nennungen, die ich noch nicht gesehen habe. Ran da, also.
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Baltimore » Fr 13. Sep 2019, 13:36

Flecha hat geschrieben:
Fr 13. Sep 2019, 13:35
Monkeyson hat geschrieben:
Fr 13. Sep 2019, 13:19
Des Guardians best films of the 21st century
Ted vor Lost in Translation. Ich bin schockiert.
Stimme da mit vielen nicht überein, wie das bei Listen halt so ist. Aber auf jeden Fall mindestens 30-40 Prozent Nennungen, die ich noch nicht gesehen habe. Ran da, also.
Und Team America auf 10.
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Flecha » Fr 13. Sep 2019, 13:40

Baltimore hat geschrieben:
Fr 13. Sep 2019, 13:36
Und Team America auf 10.
Für die Zeit war das schon ziemlich on point, würde ich sagen. Habe ich als Jugendlicher auch extrem gefeiert. Aber klar, in eine Top-30 oder so (Listenaktion, anyone? :P ) Würde der bei mir auch nicht kommen.

Ted fand ich, bis auf 2-3 Gags, die im Trailer verraten wurden, absolut furchtbar...
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Taksim » Fr 13. Sep 2019, 13:59

Klar, mit diesen Listen stimmt man nie komplett überein und sie sollen ja auch eher Diskussionsstarter sein. Für mich persönlich fehlt viel, aber wo ich bei dieser und anderen vergleichbaren Listen nicht drüber hinwegkomme ist die komplette Nichtberücksichtigung von "Birdman" und "Manchester by the Sea" und die konstante Bevorzugung von "Amores Perros" über "21 Gramm". Letzteres etabliert sich immer mehr als Konsensmeinung und das kann ich absolut nicht verstehen.
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Baltimore » Fr 13. Sep 2019, 14:10

Flecha hat geschrieben:
Fr 13. Sep 2019, 13:40
Baltimore hat geschrieben:
Fr 13. Sep 2019, 13:36
Und Team America auf 10.
Für die Zeit war das schon ziemlich on point, würde ich sagen. Habe ich als Jugendlicher auch extrem gefeiert. Aber klar, in eine Top-30 oder so (Listenaktion, anyone? :P ) Würde der bei mir auch nicht kommen.
Mag den ja auch. :smile:
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NeonGolden
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von NeonGolden » Fr 13. Sep 2019, 19:19

Da fehlt ja u.a. auch Eternal Sunshine of The Spotless Mind. :?

Was macht Manchester by the Sea für dich so relevant Taksim? Also als ernst gemeinte Frage aus Interesse. Fand den auch ganz nett, aber wüsste eben nicht, was ihn herausragend macht.

Edit: die Liste ergibt doch überhaupt keinen Sinn.

scarred
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von scarred » Fr 13. Sep 2019, 20:18

Manchester by the sea ist für mich (neben Kill Bill und Inception) auch der Film der am meisten fehlt. Der hat mich damals echt gepackt.

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Taksim
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Taksim » Sa 14. Sep 2019, 13:09

NeonGolden hat geschrieben:
Fr 13. Sep 2019, 19:19
Da fehlt ja u.a. auch Eternal Sunshine of The Spotless Mind. :?
Oh ja! Ich wollte wohlwollend sein mit meiner ersten Reaktion, aber es sind schon einige komische Entscheidungen dabei. Und klar, zwei Jahrzehnten gerecht zu werden ist vielleicht auch nicht so einfach. Aber kein "Arrival"? Come on :?
NeonGolden hat geschrieben:
Fr 13. Sep 2019, 19:19
Was macht Manchester by the Sea für dich so relevant Taksim? Also als ernst gemeinte Frage aus Interesse. Fand den auch ganz nett, aber wüsste eben nicht, was ihn herausragend macht.
Und so langsam kann man ja das ganze Jahrzehnt betrachten und da hat mich kein Film so berührt wie der. Es beleuchtet ein emotional unheimlich komplexes Thema ganzheitlich, rau, ehrlich und ohne jeden falschen Pathos aber mit viel, viel Intensivität. Die wird aber sehr subtil transportiert, was vor allem an Casey Afflecks toller Performance liegt. Es spielt sich wahnsinnig viel intern in dem Charakter ab und das merkt man von der ersten Sekunde, auch wenn sich erst im Laufe des Films zeigt, woraus sich dieser Schmerz speist.
Strukturell deshalb auch grandios gemacht und ein perfekter Einsatz von Flashbacks. Dazu die behutsame und zugleich auf exakteste präzise Kameraführung und Einstellungen die entweder ganz nah an den Charakteren dran sind, um die Gesichter richtig zu studieren oder ganz weit, wo sich ihre Verlorenheit perfekt widerspiegelt. Das Setting unterstreicht das dann, mit seiner melancholischen Winteratmosphäre und den kühlen Blautönen. Ich kann auch nur empfehlen, den im Winter zu gucken, auch wenn man drinnen sitzt, friert man mit den Charakteren richtig mit.
Trotz dieser Schwere und Trauer blitzen kleine Momente des Humors durch, die aber sehr situationsabhängig sind und nicht gezwungen als Ausgleich zu der Melancholie wirken. Sondern sie runden das Bild ab, da so eine Situation auch mal einfach absurd wirken kann und sich die Überforderung nur noch durch Humor Ausdruck verschaffen kann.

Die Szene mit Michelle Williams und Casey Affleck, wo sie sich zufällig auf der Straße begegnen ist dann auch jetzt schon einer der packendsten überhaupt. In der von mir sehr geschätzten Reihe "Everything is sadder with the Leftovers music" hat jemand da die Departure Suite drüber gelegt. Wie ein Kommentar so schön sagt: "Really? That scene isn't sad enough for you?"
Es killt einen.
NeonGolden hat geschrieben:
Fr 13. Sep 2019, 19:19
Edit: die Liste ergibt doch überhaupt keinen Sinn.
Jop, stimmt schon. Bei den Filmen, die ich oben genannt habe, musste ich auch wieder daran denken, dass das gut dazu passt, wie erbost einige darauf reagiert hatten, als Iñárritu als Vorsitzender der Cannes-Jury benannt wurde. Macht mich einigermaßen sprachlos, gibt für mich keinen Regisseur der in den letzten zwei Jahrzehnten so konstant bahnbrechende Werke kreiert hat. Aber da er eben stilistisch sehr expressiv ist, rümpfen viele darüber die Nase. Das ist wirklich Filmsnobismus at its worst.
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slowdive
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von slowdive » So 15. Sep 2019, 11:12

Taksim hat geschrieben:
Sa 14. Sep 2019, 13:09
Jop, stimmt schon. Bei den Filmen, die ich oben genannt habe, musste ich auch wieder daran denken, dass das gut dazu passt, wie erbost einige darauf reagiert hatten, als Iñárritu als Vorsitzender der Cannes-Jury benannt wurde. Macht mich einigermaßen sprachlos, gibt für mich keinen Regisseur der in den letzten zwei Jahrzehnten so konstant bahnbrechende Werke kreiert hat. Aber da er eben stilistisch sehr expressiv ist, rümpfen viele darüber die Nase. Das ist wirklich Filmsnobismus at its worst.
Hallo, ich bin es, der Filmsnob. Nein, Inarritu ist für mich tatsächlich einer der überbewertsten Filmemacher unserer Gegenwart. Was du expressionistisch nennst, ist für mich esoterischer Kitsch. Stets ist alles in einer an schlimme Malick-Gräultaten einnernden Weise in einer unfassbar penetranten Weise bedeutungsschwer. Selbst die hohlste Szene wird in einer Weise präsentiert, als würde Gott gerade die Wahrheit höchstselbst verkünden. Und all das täuscht letztlich darüber hinweg, dass die meisten seiner Filme eigentlich wenig zu sagen haben, wenn man es mit der Spiritualität nicht hält. Kurzum: Die Werke sind von innen hohl.

Tatsächlich halte ich Birdman für einen wirklich guten Film (weil er nicht wie ein typischer Inarritu wirkt) und kann auch Biutiful und The Revenant zumindest auf einigen Ebenen etwas abgewinnen (auf anderen widerum überhaupt nicht; siehe obigen Absatz). Alles, was davor kam finde ich hingegen schwer erträglich – und zwar nicht aufgrund der unfassbaren thematischen, filmästhetischen Schwere.

Klingt jetzt vielleicht etwas hart, aber ich fühlte mich gerade etwas getriggert. :grin:

Was den Snobismus in Cannes angeht, bin ich hingegen komplett bei dir. :smile:

Zu der Liste: Ja, man kann nun darüber streiten, ob dieser oder jener Film hinein müsste (natürlich müsste Arrival dabei sein), erörtern, wie zur Hölle es Spielbergs Lincoln dort hinein geschafft hat, und so weiter. Viel schwerwiegender ist für mich aber vor allem eines: Diese Liste ist unfassbar langweilig. Eine klare Perspektive, aus der kuratiert wird, fehlt komplett.

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Monkeyson
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » So 15. Sep 2019, 12:52

slowdive hat geschrieben:
So 15. Sep 2019, 11:12
Taksim hat geschrieben:
Sa 14. Sep 2019, 13:09
Jop, stimmt schon. Bei den Filmen, die ich oben genannt habe, musste ich auch wieder daran denken, dass das gut dazu passt, wie erbost einige darauf reagiert hatten, als Iñárritu als Vorsitzender der Cannes-Jury benannt wurde. Macht mich einigermaßen sprachlos, gibt für mich keinen Regisseur der in den letzten zwei Jahrzehnten so konstant bahnbrechende Werke kreiert hat. Aber da er eben stilistisch sehr expressiv ist, rümpfen viele darüber die Nase. Das ist wirklich Filmsnobismus at its worst.
Hallo, ich bin es, der Filmsnob. Nein, Inarritu ist für mich tatsächlich einer der überbewertsten Filmemacher unserer Gegenwart. Was du expressionistisch nennst, ist für mich esoterischer Kitsch. Stets ist alles in einer an schlimme Malick-Gräultaten einnernden Weise in einer unfassbar penetranten Weise bedeutungsschwer. Selbst die hohlste Szene wird in einer Weise präsentiert, als würde Gott gerade die Wahrheit höchstselbst verkünden. Und all das täuscht letztlich darüber hinweg, dass die meisten seiner Filme eigentlich wenig zu sagen haben, wenn man es mit der Spiritualität nicht hält. Kurzum: Die Werke sind von innen hohl.
Hätte das für The Revenant gelten lassen oder für Babel, aber 21 Gramm?!? Wo gibt es dort eine hohle Szene, wo etwas, was nicht von sich aus verdammt bedeutungsschwer ist? Du kannst Inarritu ja vorwerfen, es sich einfach gemacht zu haben bei der Wahl des Filmstoffes, weil großes Drama so Leute wie mich unterhält und wir uns dann stattdessen nicht über den neuesten Lynch kontrovers auseinandersetzen oder was immer von einer Feuilletonistenriege als nicht-hohl angesehen wird. Aber dann haben wir wohl schlicht andere Erwartungshaltungen an das Medium Film.

Ich kenne jetzt keinen von Malick, aber darf ich mutmaßen, dass du The Fountain ebenfalls scheußlich findest?

Was mir in der Liste auf den ersten Blick fehlt:
Die angesprochenen 21 Gramm und The Fountain
Die von Taksim angesprochenen Arrival und Eternal Sunshine
Children of Men
City of God
Die Jagd
Her
Memento
Pans Labyrinth
Primer
Schmetterling und Taucherglocke

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von slowdive » So 15. Sep 2019, 16:15

Monkeyson hat geschrieben:
So 15. Sep 2019, 12:52
slowdive hat geschrieben:
So 15. Sep 2019, 11:12
Taksim hat geschrieben:
Sa 14. Sep 2019, 13:09
Jop, stimmt schon. Bei den Filmen, die ich oben genannt habe, musste ich auch wieder daran denken, dass das gut dazu passt, wie erbost einige darauf reagiert hatten, als Iñárritu als Vorsitzender der Cannes-Jury benannt wurde. Macht mich einigermaßen sprachlos, gibt für mich keinen Regisseur der in den letzten zwei Jahrzehnten so konstant bahnbrechende Werke kreiert hat. Aber da er eben stilistisch sehr expressiv ist, rümpfen viele darüber die Nase. Das ist wirklich Filmsnobismus at its worst.
Hallo, ich bin es, der Filmsnob. Nein, Inarritu ist für mich tatsächlich einer der überbewertsten Filmemacher unserer Gegenwart. Was du expressionistisch nennst, ist für mich esoterischer Kitsch. Stets ist alles in einer an schlimme Malick-Gräultaten einnernden Weise in einer unfassbar penetranten Weise bedeutungsschwer. Selbst die hohlste Szene wird in einer Weise präsentiert, als würde Gott gerade die Wahrheit höchstselbst verkünden. Und all das täuscht letztlich darüber hinweg, dass die meisten seiner Filme eigentlich wenig zu sagen haben, wenn man es mit der Spiritualität nicht hält. Kurzum: Die Werke sind von innen hohl.
Hätte das für The Revenant gelten lassen oder für Babel, aber 21 Gramm?!? Wo gibt es dort eine hohle Szene, wo etwas, was nicht von sich aus verdammt bedeutungsschwer ist? Du kannst Inarritu ja vorwerfen, es sich einfach gemacht zu haben bei der Wahl des Filmstoffes, weil großes Drama so Leute wie mich unterhält und wir uns dann stattdessen nicht über den neuesten Lynch kontrovers auseinandersetzen oder was immer von einer Feuilletonistenriege als nicht-hohl angesehen wird. Aber dann haben wir wohl schlicht andere Erwartungshaltungen an das Medium Film.

Ich kenne jetzt keinen von Malick, aber darf ich mutmaßen, dass du The Fountain ebenfalls scheußlich findest?
Diese Filme sind für mich allesamt Produkte, die inhaltlich eine Lücke füllen, die durch die abnehmende Relevanz der klasssischen Religionen entstanden ist. Natürlich ist das Schauspielerisch oft meisterhaft und verschachtelt erzählt, die penetrante Fülle an Ethno-Kitsch macht das Filmerlebnis für mich dennoch zur Farce. Relgion, Glaube, Seele, Schicksal – alles Motive, die einem in einer schier unendlichen Schwere präsentiert werden, die letztlich darüber hinwegtäuscht, wie nichtssagend all das doch ist. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man es ohne die inszenierte Gedrücktheit und das kunsthafte Erzählen dem inhaltlichen Kern nach auch mit Nicolas Sparks-Romanen zu tun haben könnte. Dem stimme ich zu.

Abschwächend muss ich sagen, dass ich die älteren Filme schon länger nicht mehr gesehen habe und ihnen vielleicht Unrecht antue. Sein jüngstes Werk, The Revenant, lässt mich jedoch daran zweifeln.

The Fountain habe ich tatsächlich noch nicht gesehen, weil ich ein wenig Angst davor habe. Aus genannten Gründen. Da ich Aronofskys Schaffen aber insgesamt deutlich zugeneigter bin, als dem von Inarritu, könnte ich mir vorstellen, dass die Zweifel unberechtigt sind.

Ich bin wahrlich niemand, der nur Godard und Lynch guckt. Autorenfilme, die sich selbst für wesentlich tiefgründiger halten, als sie es tatsächlich sind und dies auch noch in der jener Sekunde anbiedernd präsentieren müssen, finde ich allerdings tatsächlich grausam.

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von fipsi » So 15. Sep 2019, 16:24

Wobei sich in den letzten Jahren enorm viele filmische Werke mit den von dir genannten Motiven auseinandersetzen. Ich finde es teilweise schon wieder langweilig wie viele Filme sich darauf im Kern runterbrechen lassen. Da spielt dann aber wirklich wieder die stilistische Umsetzung eine große Rolle.

First Reformed fehlt mir übrigens in der Liste, da er für mich perfekt das Motiv Religion umsetzt und es schafft trotz unzähligen offensichtlichen Metaphern nie in den Kitsch abzudriften. Ida aus der Liste geht in eine ähnliche Richtung und ist wirklich sehr sehenswert.
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von slowdive » So 15. Sep 2019, 16:31

fipsi hat geschrieben:
So 15. Sep 2019, 16:24
Wobei sich in den letzten Jahren enorm viele filmische Werke mit den von dir genannten Motiven auseinandersetzen. Ich finde es teilweise schon wieder langweilig wie viele Filme sich darauf im Kern runterbrechen lassen. Da spielt dann aber wirklich wieder die stilistische Umsetzung eine große Rolle.

First Reformed fehlt mir übrigens in der Liste, da er für mich perfekt das Motiv Religion umsetzt und es schafft trotz unzähligen offensichtlichen Metaphern nie in den Kitsch abzudriften. Ida aus der Liste geht in eine ähnliche Richtung und ist wirklich sehr sehenswert.
Nicht, dass ich missverstanden werde. Religion (oder ihre Ersatzstoffe) ist für sich ein Thema, dass unfassbar interessant, wichtig und relevant sein kann und in der Kunst verhandelt werden sollte. Es geht mir eher darum, wie jene in oberflächlicher Weise genutzt wird, um zu zeigen, wie tief, wie bedeutungsvoll, wie tiefgründig irgendetwas ist. Terrence Malick macht genau das in unerträglicher Weise und sein Einfluss scheint ungebrochen. First Reformed, den ich sehr schätze, hat z.B. mit der von mir geäußersten Kritik – zumindest für mich – überhaupt nichts zu tun.

Exemplarisch kann man dies an The Revenant sehen. Man hätte eine interessante Geschichte über Rache, Verlust und die unerbittlichkeit einer Zeit und der Natur an sich drehen könnnen. Stattdessen: Eine Stimme aus dem Off, die in einer getragenen, schwermütigen Weise über das große Ganze brabbelt, Rückblenden in Zeitlupe, der tiefere Sinn der Natur, getragene Kamerafahrten von Lubetzki, spirituell verklärte Indianer und und und. Alles bekommt einen "tieferen" Sinn. Kurzum: Der Plot wird zum esoterischen Selbstfindungstrip.

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von fipsi » So 15. Sep 2019, 16:55

slowdive hat geschrieben:
So 15. Sep 2019, 16:31
fipsi hat geschrieben:
So 15. Sep 2019, 16:24
Wobei sich in den letzten Jahren enorm viele filmische Werke mit den von dir genannten Motiven auseinandersetzen. Ich finde es teilweise schon wieder langweilig wie viele Filme sich darauf im Kern runterbrechen lassen. Da spielt dann aber wirklich wieder die stilistische Umsetzung eine große Rolle.

First Reformed fehlt mir übrigens in der Liste, da er für mich perfekt das Motiv Religion umsetzt und es schafft trotz unzähligen offensichtlichen Metaphern nie in den Kitsch abzudriften. Ida aus der Liste geht in eine ähnliche Richtung und ist wirklich sehr sehenswert.
Nicht, dass ich missverstanden werde. Religion (oder ihre Ersatzstoffe) ist für sich ein Thema, dass unfassbar interessant, wichtig und relevant sein kann und in der Kunst verhandelt werden sollte. Es geht mir eher darum, wie jene in oberflächlicher Weise genutzt wird, um zu zeigen, wie tief, wie bedeutungsvoll, wie tiefgründig irgendetwas ist. Terrence Malick macht genau das in unerträglicher Weise und sein Einfluss scheint ungebrochen. First Reformed, den ich sehr schätze, hat z.B. mit der von mir geäußersten Kritik – zumindest für mich – überhaupt nichts zu tun.

Exemplarisch kann man dies an The Revenant sehen. Man hätte eine interessante Geschichte über Rache, Verlust und die unerbittlichkeit einer Zeit und der Natur an sich drehen könnnen. Stattdessen: Eine Stimme aus dem Off, die in einer getragenen, schwermütigen Weise über das große Ganze brabbelt, Rückblenden in Zeitlupe, der tiefere Sinn der Natur, getragene Kamerafahrten von Lubetzki, spirituell verklärte Indianer und und und. Alles bekommt einen "tieferen" Sinn. Kurzum: Der Plot wird zum esoterischen Selbstfindungstrip.
Ich verstehe dein grundsätzliches Problem und wollte nur mal aufzeigen, dass es weites Spektrum bei dem Umgang mit dem Thema Religion gibt. Der Umgang ist dann natürlich (wie immer) sehr wichtig. Man kann dann schnell eine Tiefe herstellen, da Analogien zur Bibel natürlich immer funktionieren. Beim Thema Natur brauchen wir da gar nicht erst anzufangen.

Da fällt mir rückblickend auf, wie plakativ mother! die Thematik abhandelt und sich durch die ganzen offensichtlichen Bibelverweise disqualifiziert. Damit werden bei dem Zuschauer gleich bekannte Bilder geweckt, was eben auch eine Tiefe hervorrufen kann.
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