> Festival Community Magazin - klickst Du hier <

Der Konzertbesuchsthread

Konzerte, Platten & Musik im TV
Benutzeravatar
Wishkah
Beiträge: 15569
Registriert: Mo 14. Sep 2015, 08:49

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Wishkah » Mo 22. Jun 2026, 12:29

21.06.2026 Kettcar, Motorfähre Vitte, Stralsund

Wir waren gestern bei Kettcar auf der Motorfähre Vitte in Stralsund.

Eigentlich habe ich zu Kettcar keinen großen Bezug. Als Hamburger kenne ich die Band und ihr Label Grand Hotel van Cleef natürlich, aber musikalisch war das immer eher eine Randerscheinung für mich. Generell hat deutschsprachige Musik auch einen schweren Stand bei mir. Nun lebe ich aber schon seit ein paar Jahren in Stralsund und habe mich damit abgefunden, dass der Nordosten Deutschlands eine kulturelle Einöde im Bereich der Konzertszene ist. Nach Rostock verirren sich ganz selten mal für mich relevante Acts. In Stralsund war ich hingegen noch nie auf einem Konzert. Normalerweise fahre ich dafür mindestens drei Stunden lang durch die Gegend.

Umso erstaunter war ich, dass Kettcar vor einigen Wochen eine handvoll Konzerte für den Juni veröffentlichten und doch tatsächlich Stralsund in dieser Ankündigung zu lesen war. Eine namhafte Band! Hier! Gut zehn Minuten Fußweg von meiner Haustür entfernt! Mit dem Ticketkauf habe ich nicht lange gewartet. Gut so, das Konzert war nämlich schnell ausverkauft.

So standen wir gestern dann kurz vor 19 Uhr bei strahlendem Sonnenschein im Stralsunder Hafen. Die Veranstaltung sollte nämlich auf einem Schiff stattfinden und das Konzert während der Fahrt auf See laufen. Ein besonderer Rahmen für diese Heimpremiere. Der Einlass auf die Motorfähre Vitte lief problemlos. Das Deck war für den Abend mit einer provisorischen Bar und mehreren Dixi-Toiletten ausgestattet. Die Bühne war am hinteren Ende aufgebaut. Zu Beginn wirkte es ziemlich voll, was aber auch an der langen Barschlange lag, die über das halbe Deck ging. Als die Leute mit Getränken versorgt waren und sich zum Teil auch auf dem Oberdeck verteilt hatten, wurde es platztechnisch viel angenehmer. Wir sind unten geblieben und haben uns etwas weiter hinten an das Mischpult gestellt. Von dort hatte man einen guten Blick auf die Bühne und stand nicht so im Gedränge.

Gegen 19:30 Uhr legte die Fähre ab und verließ planmäßig den Stralsunder Hafen. Die Route führte das Schiff durch den Strelasund in Richtung Parow. Mit bestem Wetter, frischem Fahrtwind und einem kühlen Getränk in der Hand war das doch eine sehr schöne Ausgangslage. Fehlte nur noch die Musik – die sollte aber auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Um 20 Uhr kam ein Mitarbeiter der Reederei auf die Bühne, erzählte noch ein paar einleitende Worte über die Veranstaltung und die gemeinsame Vergangenheit mit der Band, die bis in die 2000er-Jahre zurückreichte. Und dann war es endlich soweit: Kettcar kamen auf die Bühne und legten los.

Ich bin zugegebenermaßen mit dem Werk der Band nicht so wahnsinnig vertraut. Generell ist dieser deutschsprachige Indierock auch nicht unbedingt die Musik, die ich dauerhaft hören muss. Aber live war das doch wirklich eine schöne Angelegenheit. Songs wie "Sommer '89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)" und "Balu" sorgten für gute Stimmung. Das etwas ältere Publikum war überraschend textsicher und euphorisch. Vor der Bühne gab es auch reichlich Bewegung. Offensichtlich hatten sich unter den etwa 400 Anwesenden keine Leute an Bord verirrt, um einfach mal eine entspannte Hafenrundfahrt mit etwas musikalischer Hintergrundbespaßung mitzunehmen. Ich hatte in den letzten Wochen aber auch keinerlei Werbung in Stralsund für die Veranstaltung gesehen. Da musste man schon Fan der Band sein, um etwas davon mitzubekommen.

Der Sound war für ein Open-Air-Konzert auf See sehr solide. Der Gesang ist manchmal etwas untergegangen, aber ansonsten waren alle Instrumente klar zu hören. Die Beleuchtung war angemessen. Die Band war gut drauf. Frontmann Marcus Wiebusch und seine Kollegen sorgten zwischendurch für sympathische Ansagen. Für dessen Bruder und Keyboarder Lars Wiebusch ist dieser Tourabschnitt gerade die Abschiedsrunde. Nach 25 Jahren mit Kettcar wird er die Band nach den Konzerten im Juni verlassen. Die Fans in den vorderen Reihen haben sich mit einem "Danke, Lars!"-Schriftzug von ihm verabschiedet. Das war schon emotional.

Das reguläre Set wurde mit "Landungsbrücken raus" beendet. Das war für mich als Exil-Hamburger tatsächlich auch ein bisschen emotional. Auf die Frage an das Publikum, wie viele Leute aus Stralsund, dem benachbarten Greifswald oder eben aus Hamburg da waren, zeigten die Reaktionen, dass ich nicht der einzige war. Im Anschluss gab es noch einen angekündigten Zugabeblock, der wiederum mit "Deiche" beendet wurde. Marcus Wiebusch kam danach aber noch einmal auf die Bühne, um erst alleine und dann nach und nach mit den restlichen Bandkollegen zum Abschied "Mein Skateboard kriegt mein Zahnarzt" zu spielen. Schönes Finale!

Nach gut 90 Minuten Spielzeit war das Konzert dann gegen 21:40 Uhr vorbei. Währenddessen drehte sich die Fähre noch einige Male um sich selbst im Strelasund, um dann langsam wieder in den Stralsunder Hafen einzufahren. Die Stralsunder Hafenkulisse durfte sich dabei im orange-rötlichen Abendlicht von ihrer schönsten Seite zeigen. Bevor es von Bord ging, wurden noch kostenlose Konzertplakate verteilt. Ein nettes Erinnerungsstück für dieses erste Konzert in Stralsund. Das darf es gerne öfter mal geben. Tatsächlich war diese "Music-Cruise" auch schon die zweite Ausgabe. Im vergangenen Jahr wurde die Premiere mit Feine Sahne Fischfilet an Bord der Motorfähre Vitte gefeiert. Davon hatte ich aber gar nichts mitbekommen.

Für eine möglicherweise nächste Ausgabe im kommenden Jahr werde ich definitiv die Augen offen halten. Denn insgesamt war das doch wirklich ein schöner Abend in einem speziellen Rahmen!

Ruby
Beiträge: 4036
Registriert: So 20. Sep 2015, 14:31

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Ruby » Mo 22. Jun 2026, 13:20

Wie großartig IDLES gestern waren. :herzen2: :hecheln: Es war so gut, ich habe meinen Aggregatzustand geändert und mich verflüssigt. Habe die jetzt viermal gesehen und das, sowie das erste Konzert in 2018 waren für mich die besten. Beide bei tropischen Temperaturen, nur spielten damals Teile der Band noch halbnackt.

Es gibt auch einen neuen Song den sie direkt am Anfang gespielt haben. Geht wieder eher in Richtung Brutalism. :herzen2:

Ach war das schön. :herzen2: ich glaube es gibt nichts besseres als Songs wie Mother oder Gotho 1049 im Kollektiv zu brüllen. :lol: :herzen2:
"You can buy a bar/restaurant on an exotic island and I'll come and work for you." :herzen2:
"But more than most we have some truly mad memories." :mchearth:

Benutzeravatar
SammyJankis
Beiträge: 10026
Registriert: So 13. Sep 2015, 14:46

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » Sa 27. Jun 2026, 11:21

Ich war gestern in Köln bei Sunn O))) in der Essigfabrik. Natürlich war abseits des Konzerts alles schlimm. Das ist kein Wetter zum Hausverlassen, aber die Karte war halt schon gekauft. Ich glaube ohne wäre ich auch Zuhause geblieben. Vor Ort wurden dann von den Securities Leuten beim Einlass Wasserzerstäuber abgenommen. Was soll so eine Scheiße? Essigfabrik immer ne schlimme Location, viel zu wenig Platz. Natürlich müssen dann auch noch diverse Leute kiffen, damit es noch unangenehmer wird. Luft in der Halle war nicht existent. Gab auch 2-3 Sanieinsätze, hätte tbh mit mehr gerechnet. Show war trotzdem sehr gut besucht.

Nataša Grujović & Steve Moore - Sunn O))) sind ähnlich wie Swans oder Godspeed You! Black Emperor eine der Bands, bei denen ich einen Support unnötig finde. Es gab doch einen und es war das, was man erwarten konnte. Zwei Leute machen experimentelle Musik, viele verschiedene Instrumente im Einsatz, am Rande von Drone. War interessant, aber mir hat hier bereits die Wärme zu schaffen gemacht. An sich für das, was es war, vollkommen in Ordnung.

Sunn O))) - Haben eine Stunde angefangen als angekündigt, weil wohl ein Mitglied noch in Köln unterwegs war. Ganz normal. Nach einem langen Intro gab es dann 80-90 Minuten Drone Gewitter in einer Lautstärke, die nah an der Grenze des Vertretbaren war. Die Band steht bekanntermaßen auf Nebel, was die Luftqualität in der Halle zusätzlich runtergezogen hat. Am Ende des Sets standen bestimmt 200 Leute draußen, weil es kaum auszuhalten war. Draußen war es immer noch laut genug und auf der Bühne verändert sich bis auf vereinzelte Wechsel der Lichtfarben auch nix. Es ist schon anstrengende Musik und das war gestern einfach der schlimmstmögliche Sound, den ich mir hätte geben können. War natürlich trotzdem cool, die Band endlich mal live zu gucken, aber ich hatte einige Durchhänger. Würde dem Ganzen nochmal ne Chance geben, am besten in einer bestuhlten und klimatisierten Location.
There is panic on the streets

Lastfm

Benutzeravatar
Flecha
Beiträge: 6230
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:45
Wohnort: Hamburch
Kontaktdaten:

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Flecha » So 28. Jun 2026, 15:58

Einziger Sunn O)))-Gig, den ich bisher besucht habe, war vor circa 10 Jahren auf Kampnagel (HH) und da waren draußen zwar keine 40, aber immerhin auch so 33 Grad und ich kann deine Erfahrung da komplett nachvollziehen. Musste zwischendurch auch für 20 Minuten raus und Wasser+Luft nachtanken.
Last.fm!
______________________________________________
Mantar, Mantar

Benutzeravatar
Wishkah
Beiträge: 15569
Registriert: Mo 14. Sep 2015, 08:49

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Wishkah » So 28. Jun 2026, 20:50

25.06.2026 Guns N' Roses (+ Mammoth), Uber Arena, Berlin

Ich war am Donnerstag bei Guns N' Roses in der Uber Arena in Berlin.

Ein Konzert der Kategorie: Mitnehmen, um sie mal gesehen zu haben. Die legendäre Hard-Rock-Band um Frontmann Axl Rose hat in der Woche zweimal in der Berliner Uber Arena gespielt. Beide Konzerte waren nicht ausverkauft. Ich konnte mir deshalb ziemlich spontan ein sehr viel günstigeres Ticket für das zweite Konzert am Donnerstag auf dem Zweitmarkt holen. Für den regulären Preis hätte ich wohl verzichtet, weil ich zur Band eigentlich keinen großen Bezug habe. Die Hits kenne ich natürlich. Ansonsten verbinde ich damit aus meiner Jugendzeit vor allem die Fehde mit der von mir damals vergötterten Band Nirvana, die ich altersbedingt erst Jahre später nacherlebte. Und einen lang ersehnten Trailer zu "GTA: San Andreas", der mit "Welcome to the Jungle" unterlegt war. Passt dann ja gut, dass in diesem Jahr voraussichtlich noch "GTA VI" erscheint.

Der Konzertbeginn war für 18:30 Uhr angesetzt. Arbeitsbedingt bin ich erst kurz vorher in Berlin angekommen und mit der S-Bahn schnell weiter zum Ostbahnhof gefahren. Nach einem eiligen Gang durch die Berliner Nachmittagshitze habe ich mich sehr über die Ankunft in der gut klimatisierten Uber Arena gefreut. Ich bin dann auch direkt zu meinem Sitzplatz im schräg-frontalen Unterrang gegangen und habe noch die letzten Minuten der Vorband Mammoth mitgenommen. Der Auftritt des Projektes des US-amerikanischen Musikers Wolfgang Van Halen, Sohn der Gitarrenlegende Eddie Van Halen, endete um kurz nach 19 Uhr wenig überraschend mit einem Gitarrensolo. So wirklich meine Welt war das nicht. Vermutlich nicht das beste Vorzeichen für den Hauptact.

Es folgte eine lange Pause. Für mich wenig nachvollziehbar: Trotz des frühen Beginns der Vorband um 18:30 Uhr (statt um 19 Uhr) hatte diese weder mehr als die übliche halbe Stunde Spielzeit bekommen noch startete der Hauptact früher als 20 Uhr. So zog sich das doch ganz schön in die Länge. Immerhin Zeit genug für ein kühles Getränk, während sich die Arena füllte – möglicherweise die Intention dahinter. Auch ohne Ausverkauf war die Auslastung sowohl im Innenraum als auch in den Rängen sehr gut. Sichtbare Lücken gab es nur wenige. Das Durchschnittsalter war erwartungsgemäß recht hoch. Der Anteil an Personen mit passendem Merchandise ebenfalls.

Gegen 20:10 Uhr wurde es dann dunkel im Saal und Guns N' Roses kamen auf die Bühne. Die Band startete direkt mit dem oben erwähnten "Welcome to the Jungle". Das Intro kam in der Arena wirklich gut an. Was für ein starker Gitarrensound! Das Publikum in den Rängen war sofort auf den Beinen. Tja, und dann setzte der Gesang von Axl Rose ein... Ich hatte in den letzten Jahren einige Berichte gelesen und auch das eine oder andere Live-Video gesehen. Ich wusste also, was mich erwarten würde. Und die Bestätigung folgte mit den ersten Tönen. In den hohen Tonlagen geht wirklich wenig beim einst stimmlich so kraftvollen Frontmann. Ein atemlos-herausgepresstes Gequietsche in Micky-Maus-Manier. Puh! Er selbst ließ sich davon aber nichts anmerken, sprang mit seinen 64 Jahren von einer Bühnenseite zur anderen und sang immer weiter. Fairerweise muss man sagen, dass das auch nicht durchgängig so war, sondern sich überwiegend auf die hohen Töne beschränkte. Die tieferen Passagen klangen viel kräftiger und mehr als solide. Die restliche Band sorgte für einen musikalisch starken Rahmen. Insbesondere der mit dem markanten Zylinder und einer dunklen Sonnenbrille ausgestattete Leadgitarrist Slash wurde immer wieder prominent in Szene gesetzt. Die Nettodauer seiner Gitarrensoli an diesem Abend überschreitet vermutlich die Länge kompletter anderer Konzerte, die ich in diesem Jahr besucht habe. Die gab es gefühlt in jedem Song.

Insgesamt war das ein ganz gelungener Konzertabend. Das Publikum war gut drauf. Die Lichtshow und visuelle Untermalung auf der riesigen Videoleinwand waren angemessen für ein Arenakonzert. Bekannte Hits wie "Knockin' on Heaven's Door", "Sweet Child o' Mine" und "November Rain" haben Spaß gemacht. Die wurden aber vor allem erst im letzten Abschnitt des Konzerts gespielt. Und das war mit einer Länge von etwa drei Stunden beachtlich. Bis dahin hatte sich mit dem x-ten Gitarrensolo schon auch etwas Leerlauf für mich ergeben. So ganz meine Welt war das musikalisch eben nicht. Trotzdem natürlich nicht verkehrt, dass die Band ihren Fans so ein zeitlich umfassendes Erlebnis bietet. Das ist ja nicht immer so. Überraschend für mich war, dass Axl Rose im Kontakt zu seinem Berliner Publikum eher zurückhaltend auftrat. Ab und zu gab es mal eine genuschelte Ansage, aber dabei blieb es auch. Die restliche Band blieb – bis auf einen Gesangsaufgritt des Bassisten Duff McKagan – stumm.

Nach den erwähnten drei Stunden Spielzeit wurde das Konzert mit "Paradise City" abgeschlossen. Ein würdiges Finale. Und dann verabschiedete sich die Band von ihrem jubelden Publikum. Für mich war es ein unterhaltsames, aber sicherlich auch einmaliges Konzerterlebnis.

Benutzeravatar
SammyJankis
Beiträge: 10026
Registriert: So 13. Sep 2015, 14:46

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » So 28. Jun 2026, 22:08

Ich war gestern in Bochum bei Speedway in der Trompete. Hätte gerne Darmstadt mitgenommen, aber an dem Tag hat Westside Gunn den Vorzug erhalten. Also Bochum bei wieder schlimmen Temperaturen. Da in NRW der gesamte RE Bahnverkehr zeitweise eingestellt wurde, war die Anfahrt beschwerlich. Bin pünktlich zur ersten Band bekommen. Location war nicht gut besucht, vielleicht 50 Zahlende. Ist auch eine Tour, die ich eher noch in einem DIY Kontext gesehen hätte. Da wären auch sicher mehr Leute rausgekommen. Location war klimatisiert, vielleicht der kälteste Raum, den ich diese Woche betreten habe. Allein dafür hat sich ein Teil des Eintritts gelohnt.

Exan - Spielen mittlerweile regelmäßig Shows, alles läuft routinierter ab. Haben mit ihrem punkigen Sound auch gut vor die Hauptbands gepasst. Vor der Bühne war natürlich wenig los, aber bei diesem Wetter kann man einfach nix erwarten. Solider Gig, nächstes Mal Anfang August in Köln wieder mit mehr Bewegung.

Dogs Out - Ähnlich viel los wie beim Opener. Sound ist weiterhin ziemlich punkig gemixt mit Scowl Referenzen. Ist in Ordnung. Band hat sich redlich bemüht, die Leute zu animieren, aber viel war da nicht zu machen.

Feels Like Heaven - Bester Gig des Abends, Band klappt auch ohne viel Crowdbeteiligung. Leider war die Platte schon ausverkauft. Ist einfach sehr gut gemachte Musik an der Schnittstelle Hardcore/Emo. Ich hoffe, die bleiben dem DIY halbwegs erhalten, aber wäre überrascht, wenn die in Zukunft nicht mehr Leute ziehen, wenn sie denn aktiv bleiben. Bandmitglieder haben ja auch diverse andere Bands.

Speedway - Set war kurz und knackig, wenig Ansagen, schnell durchgezogen. Gab die üblichen Songs. Hardcore mit etwas Rock Anleihen. Bisschen mehr Bewegung als vorher, aber insgesamt sicherlich die schwächste Show, die ich bisher von der Band gesehen habe. Bei dem Wetter kann man da niemanden einen Vorwurf machen. Sollten eigentlich in drei Wochen in Bielefeld spielen, das wurde jetzt leider abgesagt, aber sind von allen schwedischen Hardcore Bands die aktivste. War insgesamt ein solider Abend.
There is panic on the streets

Lastfm

Benutzeravatar
Wishkah
Beiträge: 15569
Registriert: Mo 14. Sep 2015, 08:49

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Wishkah » Mo 29. Jun 2026, 21:31

27.06.2026 Pulp, Tempodrom, Berlin

Ich war am Samstag bei Pulp im Tempodrom in Berlin.

Seit der Reunion der Britpop-Band vor mittlerweile 15 Jahren habe ich auf eine Gelegenheit gewartet, sie live zu sehen. Damals hatte ich auf eine Bestätigung beim Hurricane Festival gehofft, bei dem solche Buchungen noch gängig waren. Stattdessen gab es aber nur einen Auftritt beim Melt!, das in meiner Festivalplanung nicht relevant war. Abgesehen davon hat die letzte reguläre Tour mit Konzerten in Deutschland – unter anderem auch in Berlin – vor 30 Jahren stattgefunden. Wahnsinn! Ansonsten gab es in den vergangenen Jahren überwiegend Festivalauftritte im europäischen Ausland. Alles nicht machbar für mich. Umso größer war die Freude über die Ankündigung des Berlin-Konzertes vor einigen Wochen. Ein Samstag im Tempodrom – viel besser geht es eigentlich nicht. Auf das wenig später angekündigte Zusatzkonzert am Donnerstag habe ich bewusst verzichtet.

Am bislang heißesten Tag des Jahres hatte ich geplant, mich mit ausreichend zeitlichem Puffer auf den Weg nach Berlin zu machen. Bei der Bahn weiß man ja nie und ich wollte auf keinen Fall riskieren, das Konzert zu verpassen. Dass mein geplanter Zug aufgrund wetterbedingter Probleme erst mit rund 45 Minuten Verspätung losgefahren ist, habe ich noch einigermaßen entspannt aufgenommen. Als der Zug eine Stunde vor Berlin an einem Bahnhof nicht mehr weitergefahren ist, wurde ich langsam nervös. Irgendwann kam dann die Durchsage, dass der eingleisige Streckenabschnitt vor uns durch einen liegengebliebenen Zug blockiert sei. Eine Evakuierung müsse dort erfolgen, Weiterfahrt ungewiss. Und so verging dann die Zeit. Nach etwa eineinhalb Stunden ohne große Veränderung kam die Ankündigung, dass mein Zug nicht mehr nach Berlin weiterfahren, sondern zum Startbahnhof zurückfahren würde. Die anwesenden DB-Mitarbeiter hatten keine anderen Informationen. Verfügbare Taxis oder Busse gab es für die in der Hitze wartende Menschenmenge auch nicht. Meine Resthoffnung, es noch rechtzeitig nach Berlin zu schaffen, war dahin.

Und dann ging plötzlich alles ganz schnell. Ohne große Vorankündigung ist nach etwa zwei Stunden Stillstand plötzlich ein Zug in Richtung Berlin eingefahren. Ich bin relativ ungläubig, aber wieder vorsichtig optimistisch, eingestiegen. Und ein paar Minuten später ging es tatsächlich weiter. Von dem Moment an hat dann glücklicherweise alles reibungslos funktioniert, sodass ich gegen 19:15 Uhr am Tempodrom angekommen bin. Erleichterung! Der Einlass für das ausverkaufte Konzert hatte natürlich schon begonnen. Ich habe trotzdem noch einen Platz ganz vorne nahe der Absperrung zur Bühne auf der rechten Seite ergattert. Alles andere wäre nach dem Nervenkitzel aber auch in Ordnung gewesen. Ich war immerhin rechtzeitig vor Ort und das war die Hauptsache.

Das Konzert war – im Gegensatz zum erwähnten Zusatzkonzert zwei Tage zuvor – ausverkauft. Entsprechend voll wurde es im Tempodrom. Daran hat auch die Wetterlage nichts geändert. Immerhin war es in der Manege angenehm klimatisiert. Das Publikum war etwas älter und augenscheinlich sehr international aufgestellt. Zumindest wurde um mich herum nur wenig Deutsch gesprochen.

Pünktlich um 20 Uhr wurde es dunkel im Saal. Einen Support sollte es nicht geben. Nach einer kurzen Einführung auf der Videoleinwand kamen also direkt Pulp auf die Bühne. Das Motto des Abends lautete: "Du verdienst mehr". Passend zum Titel des aktuellen Comeback-Albums "More.", das im vergangenen Jahr fast ein Vierteljahrhundert nach dem Vorgänger "We Love Life" veröffentlicht wurde. Die Reunion als Zugabe. So kann man es sehen.

Der Abend wurde mit "Sorted for E's & Wizz" eröffnet. Die Stimmung um mich herum war von Anfang an sehr ausgelassen. Die Leute haben viel getanzt und textsicher mitgesungen. Schön! Als gleich im Anschluss der Hit "Disco 2000" kam, wurde ein früher Höhepunkt erreicht. Ich hatte ja vorher etwas die Sorge gehabt, dass die Stimmung unter den hohen Temperaturen leiden würde. Das war aber offensichtlich überhaupt nicht der Fall. Der charismatische Frontmann Jarvis Cocker wusste schon, wie er sein Publikum bei guter Laune hält. So ging das Konzert dann auch weiter. Ein Hit nach dem anderen mit einer bunten Mischung aus der ganzen Diskographie. Nach ziemlich genau einer Stunde gab es mit "Sunrise" ein atmosphärisches Highlight, bei dem die bis dahin ansonsten eher spärlich verwendete Videoleinwand für eine passende Untermalung sorgte. Dann verabschiedete sich die Band zum ersten Mal für eine 15-minütige Pause von der Bühne.

Während der geplanten Unterbrechung gab es eine Publikumsabstimmung, die mit Anweisungen auf der Videoleinwand moderiert wurde – komplett auf Deutsch übrigens, so wie ja auch schon das Motto des Abends dargestellt wurde. Der Lautstärkepegel der Anwesenden sollte zwischen den Songs "Help the Aged" und "Love Is Blind' entscheiden. Gewonnen hat erstgenannter Song.

Als die Band für den zweiten Teil zurück auf die Bühne kam, ging es eigentlich genauso weiter wie vor der Pause. Musikalisch hat das Konzert wirklich viel Spaß gemacht. Die Stimmung blieb vorne sehr gut. Jarvis Cocker sorgte weiterhin für unterhaltsame Ansagen, interessante Anekdoten und akrobatische Einlagen. Da hat alles gepasst. Gegen Ende des Konzertes gab es unter anderem mit "Do You Remember the First Time?" und natürlich "Common People" ein paar große Hits. Das war richtig stark. Im Anschluss erzählte Jarvis Cocker noch etwas von den Anfangstagen der Band, um danach mit "A Sunset" in reduzierter Besetzung für ein würdiges Finale zu sorgen. Zumindest war das der Plan – etwas antiklimatisch entschied er sich danach nämlich spontan, mit "Love Is Blind" doch noch den Verlierer der Publikumsabstimmung zu spielen. Zum ersten Mal seit 1994 übrigens.

Nach über zweieinhalb Stunden (inklusive Pause) war das Konzert dann gegen 22:40 Uhr vorbei. Die Band verabschiedete sich ein letztes Mal von der Bühne. Für mich war es nach der langen Wartezeit das erhoffte Highlight. Und das, obwohl ich während der Anreisestrapazen schon gar nicht mehr daran geglaubt hatte. Umso besser!

Grüße an @TonyMac und @7Ostrich! :headbang:

Benutzeravatar
SammyJankis
Beiträge: 10026
Registriert: So 13. Sep 2015, 14:46

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » So 5. Jul 2026, 21:21

Ich war am Montag in Köln bei Converge in der Essigfabrik. Sehr schön zusammengestelltes Package, insgesamt vier Bands. Damit einher ging es schon um 18:30 Uhr los, für einen Montag ziemlich früh. Essigfabrik war zu dem Zeitpunkt auch noch ziemlich leer. Bei der Hauptband war es dann angenehm voll. Im Vergleich zu Sunn O))) am Freitag davor waren auch die Temperaturen erträglich.

Crouch - Sludge Band aus Belgien mit zwei Leuten von Wiegedood. Haben dieses Jahr ihre zweite Veröffentlichung rausgebracht, von der alle Songs des Sets waren. Mir gefällt die erste besser, aber ich kann der zweiten auch viel abgewinnen. Der Sound hat sich entwickelt, die Songs werden etwas komplexer. Ein wenig Härte geht dadurch verloren, aber das ist wirklich meckern auf hohem Niveau. War für mich der beste Gig des Abends und mit 30-35 Minuten Spielzeit zu kurz.

Boneflower - Screamo Band aus Spanien, die sich auch ordentlich beim Post-Rock bedient. Vor 2-3 Jahren ebenfalls in Köln gesehen und für gut befunden. Diese erste Eindruck hat sich bestätigt. Wildere Parts wechseln sich mit ruhigen Passagen ab. Sänger wusste stimmlich auch zu überzeugen. Eine Band, die auch hier im Forum gut ankommen sollte.

Heriot - Sound ist irgendwo zwischen Sludge und Metalcore. War die einzige Band des Abends, die ich nicht gefühlt habe. Habe ich vor einigen Jahren mal gesehen. Fan es damals besser. Sound war auch nicht so dolle und das ständige Auffordern der Crowd nach Pits hat es auch nicht besser gemacht. Bin irgendwann raus und hab das gute Abendwetter genossen.

Converge - Erster Gedanke, die Band ist alt geworden. Allerdings ist sie immer noch im chaotischen Sektor über jeden Zweifel erhaben. Gab viel von den beiden neuen Platten, die dieses Jahr veröffentlicht wurden. Darüber hinaus natürlich einige Klassiker. Hab es insgesamt schon mal mehr gefühlt, aber war ein gutes Konzert. Crowd ist älter geworden und nicht mehr ganz so wild unterwegs. Natürlich durfte auch die Person mit ausgestreckten Mittelfinger im Pit nicht fehlen. Aber das nur am Rande. Insgesamt für um die 35 Euro ein runder Abend.
There is panic on the streets

Lastfm

Benutzeravatar
Wishkah
Beiträge: 15569
Registriert: Mo 14. Sep 2015, 08:49

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Wishkah » So 5. Jul 2026, 21:27

Schon wieder ein paar Tage her...

01.07.2026 Foo Fighters (+ IDLES), Olympiastadion, Berlin

Ich war am Mittwoch bei den Foo Fighters im Berliner Olympiastadion.

Die Band um Frontmann Dave Grohl gehörte in meiner Schulzeit Mitte bis Ende der 2000er zu meinen ganz großen Lieblingsbands. Ich kannte damals alle Alben in- und auswendig, habe jede neue Veröffentlichung verfolgt, Live-Bootlegs gesammelt und mich in Fan-Foren ausgetauscht. Klar, wenn man in seinen frühen Teenager-Jahren mit Nirvana musikalisch sozialisiert wird, ist der nächste Schritt zur Band des ehemaligen Schlagzeugers nur konsequent. Der Höhepunkt kam 2011 mit "Wasting Light". Das Album war nicht nur musikalisch ein spätes Highlight in der Diskographie der Band, sondern ließ mein kleines Fan-Herz auch mit einer passenden Dokumentation höher schlagen, die ich damals sogar im Kino sehen konnte. Auch live waren die Foo Fighters in dieser Zeit eine feste Größe für mich. Zweimal habe ich sie auf dem Hurricane Festival gesehen (2008, 2011) und noch einmal solo in der Hamburger Barclays Arena (2015). Prägende Erinnerungen.

Die Liebe ist in den vergangenen zehn Jahren dann etwas eingeschlafen. Die Alben der letzten Dekade habe ich kaum noch verfolgt. Selbst das gefeierte Comeback-Album "But Here We Are", das nach dem tragischen Tod von Schlagzeuger Taylor Hawkins veröffentlicht wurde, blieb für mich musikalisch eine Randnotiz. Eher fragwürdige Ereignisse der jüngeren Vergangenheit (wie der plötzliche Austausch des Schlagzeugers oder familiäre Krisen von Dave Grohl) sorgten auch nicht unbedingt dafür, dass meine Begeisterung noch einmal neu entflammte. Die Ankündigung der Tour mit diesem Konzert in Berlin weckte aber doch mein Interesse. Vielleicht aus nostalgischen Gründen. Aber immerhin stark genug, dass ich dafür sogar ein Ticket für A Perfect Circle wieder verkauft habe, die am selben Abend ein paar Kilometer weiter in der Zitadelle Spandau gespielt haben.

Der Einlass im Olympiastadion muss mutmaßlich schon am frühen Morgen begonnen haben. Es sollte nämlich bereits um 16:30 Uhr mit Fat Dog als erstem Support-Act losgehen. Das ist keine arbeitnehmerfreundliche Zeit. Schon gar nicht, wenn man erst eine mehrstündige Anreise mit einigen hundert Kilometern Fahrstrecke hinter sich bringen muss. Entsprechend habe ich von der englischen Dance-Punk-Band auch nichts mehr gesehen.

Ich war gegen 17:45 Uhr am Olympiastadion. Der Einlass ging schnell. Ebenso schnell war ich vorne im zu dem Zeitpunkt noch sehr luftig gefüllten FOS-1-Bereich, für den ich ein Ticket hatte. So konnte ich noch eine knappe Dreiviertelstunde von IDLES, dem zweiten Support-Act des Abends, mitnehmen. Es war mein drittes Konzert der englischen Post-Punk-Band. Einmal solo, einmal auf einem Festival und nun eben als Support. Musikalisch war das gewohnt solide, wobei sich das zugegebenermaßen in den letzten Monaten bei mir etwas abgenutzt hat. Live macht das trotzdem weiterhin Spaß. Als Support-Act bei einem Stadionkonzert zu spielen ist wahrscheinlich nicht der dankbarste Job, aber die Band um Frontmann Joe Talbot ließ sich nicht beirren und es gab auch einige Menschen im Publikum, die etwas aktiver zugehört haben und nicht nur auf der Suche nach Bier und Brezeln waren. Die politischen Ansagen waren weiterhin elementarer Bestandteil des Programms. Da muss ich sagen, dass es zumindest bei mir an Wirkung verliert, wenn in gefühlt jedem zweiten Song eine beliebige Textzeile durch "Viva Palestine" ausgetauscht wird und zwischen den Songs "Free Palestine"-Mitgröhlchöre initiiert werden, ohne ansonsten inhaltlich etwas zum Thema beizutragen. Da sind andere Acts mit derselben Botschaft bei ihren Konzerten in den letzten Monaten doch etwas nuancierter vorgegangen. Aber gut, schwieriges Thema. Zum Schluss gab es mit "Danny Nedelko" noch einen Kracher, dann war der Auftritt kurz vor 18:30 Uhr vorbei.

Eigentlich sollte es schon um 19 Uhr mit dem Hauptact des Abends weitergehen. Stattdessen wurde nur wenige Minuten nach dem Auftritt der IDLES eine Unwetterwarnung auf den Bildschirmen eingeblendet, die vom Großteil des Publikums aber erst einmal ignoriert wurde. Der Himmel zog sich tatsächlich mit dunklen Wolken zu. Ein Sicherheitsmitarbeiter kam dann auf die Bühne und forderte sämtliche Menschen im Innenraum des Stadions dazu auf, aufgrund einer drohenden Gewitterfront den Platz zu räumen und sich auf die Ränge zu begeben. Das taten dann auch alle, wobei sich dieser Prozess bestimmt über 20 Minuten hinzog. Bitter natürlich für die Leute, die schon stundenlang gewartet hatten, um ganz vorne zu stehen. Aber vermutlich besser, als von einem Blitz getroffen zu werden. Als kurz nach 19 Uhr die letzten Fans auf den Tribünen einen Platz gefunden hatten, kam glücklicherweise auch schon die Entwarnung. Es sollte beim Regen bleiben, der mittlerweile eingesetzt hatte. Dass es beim anschließenden Platzsturm von den Rängen zurück in den Innenraum nicht zu ernsthaften Stürzen und Verletzungen gekommen ist, war ebenfalls glücklich. Ich habe ganz gemütlich einen Platz ganz vorne an der Absperrung auf der rechten Bühnenseite eingenommen.

Mit einer halben Stunde Verspätung begann kurz nach 19:30 Uhr das Logo der Foo Fighters am oberen Bühnenrand zu leuchten. Rosafarbene Nebelwolken wurden freigesetzt. Dann kam die Band unter großem Jubel im nahezu ausverkauften Stadion auf die Bühne und legte los. Das Motto war offensichtlich: Keine Zeit mehr verlieren. Ein Hit nach dem anderen wurde abgefeuert. "All My Life", "The Pretender", "Times Like These", "My Hero", "Learn to Fly", "Walk" – wow! Ich war wieder 17 und konnte jede Zeile mitsingen. Das durchschnittlich wohl noch etwas ältere Publikum um mich herum war ebenfalls von den ersten Tönen an voll dabei. Abgesehen von ein paar grauen Haaren hatten sich Dave Grohl und die restlichen Bandmitglieder in der vergangenen Dekade augenscheinlich kaum verändert. Mit Ausnahme des rund 20 Jahre jüngeren Schlagzeugers Ilan Rubin, der vor einigen Monaten in einer kuriosen Tauschaktion von den Nine Inch Nails abgeworben wurde. Auch gesanglich klang Dave Grohl wie immer, wobei seine Stimme mit zunehmender Konzertdauer kratziger wurde. Zur Entlastung gab es einen akustischen Block, bei dem sich die komplette Band auf einer kleinen B-Stage in der Mitte des FOS-1-Bereichs befand. Hier gab es unterem eine akustische Version von "Wheels". Ein Song, der laut Dave Grohl live nur in Deutschland funktioniere. Außerdem "Marigold", der schon zu Nirvana-Zeiten geschrieben und damals auch als B-Seite veröffentlicht wurde. Und "Under You", der mit seinem emotionalen Text ein Highlight für mich war.

Der Sound war manchmal etwas dröhnend, für Stadionverhältnisse aber auf jeden Fall solide. Eine Lichtshow mit beweglichen Bühnenelementen und große Videoleinwände sorgten für eine angemessene visuelle Untermalung. Dave Grohl verstrickte sich zwischen den Songs immer wieder in ausufernden Ansagen. Meistens ging es darum, wie viele Songs die Band an dem Abend noch spielen wolle. Er bedankte sich aber auch regelmäßig beim Publikum der seiner Aussage nach wohl größten Show der Band bislang in Deutschland.

Im letzten Konzertdrittel gab es eine Vorstellrunde der einzelnen Bandmitglieder, bei der für jeden ein Songausschnitt einer ehemaligen Band gespielt wurde. Schöne Idee! Es gab Songs von No Use for a Name (für Chris Shiflett/Gitarre), Sunny Day Real Estate (für Nate Mendel/Bass), The Wallflowers (für Rami Jaffee/Keyboard), The Germs (für Pat Smear/Gitarre) und The New Regime (für Ilan Rubin/Schlagzeug). Bei letzterem durfte das neueste Bandmitglied an die Gitarre, während Dave Grohl den Platz am Schlagzeug einnahm. Nach der wilden Runde konnte ich dann auch einen Haken auf meiner Bucketliste setzen. Das war stark!

Zum Endspurt gab es dann noch einige Hits der Band. Darunter das schöne "Aurora", den Lieblingssong des verstorbenen Schlagzeugers Taylor Hawkins, dem das Lied auch gewidmet wurde. Abgeschlossen wurde das reguläre Set dann mit einer langen Version von "Best of You", bei dem das Publikum minutenlang als großer Chor einspringen durfte. Auch das war ein Highlight. Die anschließende Zugabe, die aufgrund der drohenden Curfew nahtlos folgte, begann mit "The Teacher". Leider wurde danach aufgrund der zeitlichen Begrenzung "Exhausted" gestrichen, ein Song des Debütalbums, auf den ich mich eigentlich sehr gefreut hatte. Ein Opfer der wetterbedingten Verzögerung... Extrem bitter, da wird es wohl keine weitere Gelegenheit geben. Aber "Everlong" als großes Finale danach sorgte für einen mehr als versöhnlichen Abschluss. Ein Song für die Ewigkeit und für mich wohl das Opus magnum in Alternative-Rock.

Nach knapp drei Stunden Spielzeit war das Konzert um kurz vor 22:30 Uhr vorbei. Die Abschiedsrunde der Band wurde von einem ansehnlichen Feuerwerk im Himmel über dem Olympiastadion begleitet. Der Regen hatte schon längst aufgehört. Obwohl ich die Foo Fighters schon lange nicht mehr so intensiv verfolge wie noch in meiner Jugend, war es ein richtig guter Abend.

Benutzeravatar
Stebbie
Hausmeister
Beiträge: 6838
Registriert: Di 15. Sep 2015, 10:44
Wohnort: I'm just trying to get home

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Stebbie » Mo 6. Jul 2026, 09:45

Eine wirklich schöne Setlist, auch wenn sie wieder etwas Front-Heavy ist. Exhausted hätte ich auch schade gefunden.

Mir geht es ansonsten ganz ähnlich. Hab die früher enorm viel gehört, waren zeitweise einer meiner Lieblingsbands, aber hab in den 2010er Jahren den Faden verloren, weshalb ich die auch nur einmal gesehen (auch weil ich 2008 beim Hurricane Oceansize gesehen habe) habe. Und auch wenn es einer der ganz großen Gigs hätte werden können, haben die ihn imho irgendwie in den Sand gesetzt, trotz starken Starts mit Times Like These, All My Life und Learn to Fly. Vielleicht irgendwann noch einmal Solo :-)
(c) 26.06.2006

Online
Benutzeravatar
Quadrophobia
Beiträge: 16975
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:15
Wohnort: Hamburg
Kontaktdaten:

Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Quadrophobia » Mo 6. Jul 2026, 10:02

Wie immer schöner Bericht! Ich finds crazy, dass die ein neues Album haben und dann quasi nichts davon spielen


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Katzenkraft und 43 Gäste