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...mir geht's halt einfach scheiße

Von Spam bis Gott und die Welt
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Engholm
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Engholm » Mi 31. Jul 2019, 17:34

mattkru hat geschrieben:
Di 30. Jul 2019, 22:23
Wie kommt ihr eigentlich mit der Tatsache zurecht, das die Erde zunehmend immer mehr vor die Hunde geht?

Trump, Brexit, beschleunigter Klimawandel, AfD, Backlash, verpennte Energiewende, Insektensterben, KI-Überwachung, Rechtspopulisten, Meere voller Plastikmüll, Tropenabholzung, Todeslisten von Rechten für den Tag X, Überbevölkerung, massives Artensterben, ...
Ich bin einerseits ziemlich dankbar, in dieser Zeit geboren zu sein, den aktuellen technologischen Stand und die rasante Entwicklung miterleben zu dürfen. Das ist für mich alles ziemlich faszinierend.

Auf der anderen Seite müsste man eigentlich annehmen, dass wir evolutions- und wissenstechnisch auf dem Stand sein sollten, zivilisiert und nachhaltig zu leben. Aufgeklärt genug sein, unseren Planeten nicht noch weiter zu strapazieren, aufgeklärt genug sein, gut und friedlich miteinander zusammen anstatt gegeneinander zu leben. Und dann hast Du dann (nur im mal im eigenen Land zu gucken) diese Menschen, die gegen 16-jährige Klimaktivistinnen hetzen, die gegen Kitas Morddrohungen aussprechen, weil es keine Schweinschnitzel mehr für die kleinen geben soll, deren größtes Heiligtum der klöternde Dieselmotor scheint, die grundsätzlich erstmal gegen alles was "grün" ist sind, was das Leben auf unserem Planeten eigentlich nur besser machen kann... und das sind dann die gleichen Leute, die dafür sorgen Hetzer-Parteien, die den Frust der Dumm noch weiter anstacheln, weiter nach vorne zu kommen ... und die vermeintlichen "vernünftigen" halten zu schwach dagegen. Das ist für mich alles frustrierend zu lesen, zu sehen zu erfahren. Ich bin mir gerade aber auch nicht sicher, ob dieser Arschloch-Faktor auch schon vor 10 Jahren dagewesen ist, oder diese Menschen erst langsam damit anfangen im Internet laut zu werden, weil sie sich durch anderen laute Spinner bestätigt fühlen?

Evtl hat die Natur uns genetisch so ausgestattet, dass eine Teil von uns eben regelrecht dumm und dauer-unzufrieden ist bzw. wird, damit wir uns gegeneinander aufbringen, anstatt aus den gegebenen Möglichkeiten für alle das beste zu schöpfen, eben damit wir uns früher oder später selbst aus niederen Beweggründen minimieren ;)

Ich bin gespannt, ob unsere Generation noch den Kollaps miterleben wird, der irgendwann kommen wird. Sei es ein menschengemachter Kollaps oder durch eine große Naturkatastrophe, die uns auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Eines ist dabei sicher, die Natur selbst wird sich von uns erholen.

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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Karo » Mi 31. Jul 2019, 18:42

Engholm hat geschrieben:
Mi 31. Jul 2019, 17:34
Auf der anderen Seite müsste man eigentlich annehmen, dass wir evolutions- und wissenstechnisch auf dem Stand sein sollten, zivilisiert und nachhaltig zu leben. Aufgeklärt genug sein, unseren Planeten nicht noch weiter zu strapazieren, aufgeklärt genug sein, gut und friedlich miteinander zusammen anstatt gegeneinander zu leben.
Und doch bin ich immer wieder negativ überrascht, wie im eigenen (akademischen) Freundeskreis die Themen Klimawandel, Nachhaltigkeit und "eigener Beitrag" besprochen und reflektiert wird...

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Doncamillo
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Doncamillo » Do 1. Aug 2019, 13:27

mattkru hat geschrieben:
Mi 31. Jul 2019, 08:42
Ich drücke es jetzt sehr neutral aus: religiösen Eskapismus sehe ich für mich als die allerallerallerallerallerallerletzte mögliche Option an.
.... OK, dann probiere ruhig allesallesalles aus...
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Blackstar
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Blackstar » Di 6. Aug 2019, 10:47

Zum Thema: Ich war Samstag mit einer handvoll alter Freunde unterwegs. Für die bin ich "linksradikal". Die AfD finden die zwar alle doof, sind halt so "konvervative" CDUler. Was da alles an Hass über die Grünen ausgeschüttet wurde, war echt krass. Und bzgl. AfD-Wählern: "Denen muss man zuhören, deren Gefühle ernst nehmen, auf die zugehen usw." Wegen meiner Aussage, dass man Sachpolitik nicht an Gefühlen orientieren muss gab es dann auf den Deckel.

Verstehen tue ich dies, wenn man aber gleichzeitig alle Grünenwähler als irre Protestwähler abtut, die das Land ruinieren und die man ignorieren sollt, finde ich das arg fadenscheinig. Anfangs hab ich noch versucht, gegenzureden, irgendwann hatte ich (auch dank persönlicher Unterzahl) da echt keinen Bock mehr drauf. Irgendwie tut das schon sehr weh. Die Themen Kohle/Ökologie waren noch krasser. Die Freunde arbeiten übrigens alle bis auf einer im politischen Sektor.

Das ist halt vor allem deswegen traurig, weil das hier:
Ich bin mir gerade aber auch nicht sicher, ob dieser Arschloch-Faktor auch schon vor 10 Jahren dagewesen ist, oder diese Menschen erst langsam damit anfangen im Internet laut zu werden, weil sie sich durch anderen laute Spinner bestätigt fühlen?
In meinem Erleben nicht erst 10 Jahre so ist, sondern zumindest hier schon immer. Solche Leute und Ansichten kenne ich seit frühester Kindheit. Problem ist nur in der Tat das Internet, dass wie eine Echokammer wirkt: Die zwei-drei Dorfspinner bekommen mittlerweile so viel Aufmerksamkeit, dass sich das potenziert und dann kommen solche Ansichten wie oben in der breiten Bevölkerung an - obwohl sich grundsätzlich erstmal wenig verändert hat, abgesehen vom Fokus auf Umweltthemen, der 20 Jahre zu spät kommt.

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Tambourine-Man
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Tambourine-Man » Di 6. Aug 2019, 14:57

Ob es früher mehr oder weniger Idioten gab, kann ich nicht beurteilen.
Was mich an der Thematik am meisten umtreibt ist, dass es mir so vorkommt als würden in sämtlichen gesellschaftlichen Debatten, selbst bei den vermeintlich nichtigsten, die Grautöne verschwinden. Das ist kein Plädoyer für's "Sorgen ernst nehmen" oder Ähnliches und erst recht darf es gerade von faktenbasierten Standpunkten kein abrücken geben. Ich sehe da nur insgesamt zunehmend Trennlinien verschiedenster Art durch unserer Gesellschaft laufen, von denen ich nicht weiß, wie die gegensätzlichen Pole da jemals wieder zusammenkommen können. Damit meine ich jetzt nicht einzelne Spinnerbanden und -gruppierungen wie z.B. die Reichsbürger, sondern die Thematiken, wo sich tatsächlich auf beiden Seiten eine nennenswerte Anzahl an Personen gegenübersteht.
Da frage ich mich schon nicht mehr nur wie, sondern ob da gewisse Gräben überhaupt wieder überwunden werden können und das ist ein echt bedrückender Gedanke.
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Blackstar
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Blackstar » Di 6. Aug 2019, 15:15

Was mich an der Thematik am meisten umtreibt ist, dass es mir so vorkommt als würden in sämtlichen gesellschaftlichen Debatten, selbst bei den vermeintlich nichtigsten, die Grautöne verschwinden.
Ich seh es halt oftmals genau gegenteilig. Auf einmal müssen wir Debatten wieder führen, die eigentlich klar sind (siehe Impfungen), wo irgendwer irgendeinen Mist behauptet und der nächste kommt mit "die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte". So verschiebt man eigentlich klare Dinge Richtung ungefähres...

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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Wishkah » Di 6. Aug 2019, 17:24

Blackstar hat geschrieben:
Di 6. Aug 2019, 15:15
Was mich an der Thematik am meisten umtreibt ist, dass es mir so vorkommt als würden in sämtlichen gesellschaftlichen Debatten, selbst bei den vermeintlich nichtigsten, die Grautöne verschwinden.
Ich seh es halt oftmals genau gegenteilig. Auf einmal müssen wir Debatten wieder führen, die eigentlich klar sind (siehe Impfungen), wo irgendwer irgendeinen Mist behauptet und der nächste kommt mit "die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte". So verschiebt man eigentlich klare Dinge Richtung ungefähres...
Ich schätze, da habt ihr beide Recht. :wink:

Das ist auf jeden Fall oft das Problem: Wenn Menschen keinen Unterschied zwischen ihrer persönlichen (oft unfundierten) Meinung und wissenschaftlichen Erkenntnissen machen und diese mindestens auf eine Stufe stellen. Egal ob menschengemachter Klimawandel, Homöopathie oder Impfungen - jeder hat eine Meinung und die zählt genauso viel wie der wissenschaftliche Konsens.* Die sozialen Netzwerke heutzutage fördern das umso mehr, weil sich plötzlich Leute aus allen Ecken Deutschlands und der Welt gegenseitig in dieser Meinung bestärken können und sich dadurch auch immer mehr trauen, diese Meinung lautstark (und entgegen der Befundlage) zu äußern.

Da bin ich auch echt glücklich, ein empirisches Studium absolviert zu haben und ein wenig Verständnis von wissenschaftlicher Arbeit, Forschungsstandards und dem Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität zu besitzen. Das ist etwas, was vielen Leuten in solchen Diskussionen helfen würde.

*Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder aktuelle wissenschaftliche Stand ein ewig gültiger Fakt ist und nicht (mit wissenschaftlichen Methoden) in Frage gestellt werden darf. Ganz im Gegenteil! Falsifizierbarkeit ist ja nicht ohne Grund ein wissenschaftlicher Standard.

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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Flecha » Di 6. Aug 2019, 17:28

Wishkah hat geschrieben:
Di 6. Aug 2019, 17:24
Blackstar hat geschrieben:
Di 6. Aug 2019, 15:15
Was mich an der Thematik am meisten umtreibt ist, dass es mir so vorkommt als würden in sämtlichen gesellschaftlichen Debatten, selbst bei den vermeintlich nichtigsten, die Grautöne verschwinden.
Ich seh es halt oftmals genau gegenteilig. Auf einmal müssen wir Debatten wieder führen, die eigentlich klar sind (siehe Impfungen), wo irgendwer irgendeinen Mist behauptet und der nächste kommt mit "die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte". So verschiebt man eigentlich klare Dinge Richtung ungefähres...
Das ist auf jeden Fall oft das Problem: Wenn Menschen keinen Unterschied zwischen ihrer persönlichen (oft unfundierten) Meinung und wissenschaftlichen Erkenntnissen machen und diese mindestens auf eine Stufe stellen. Egal ob menschengemachter Klimawandel, Homöopathie oder Impfungen - jeder hat eine Meinung und die zählt genauso viel wie der wissenschaftliche Konsens.
Ricky Gervais hat das mMn. gestern ganz gut zusammengefasst: "The world began to crumble when feelings started overruling facts."
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Stebbie » Di 6. Aug 2019, 18:16

... und dann kommt gehässige Frage danach, was denn eigentlich Fakten seien. :clown:
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Flecha » Di 6. Aug 2019, 22:27

Stebbie hat geschrieben:
Di 6. Aug 2019, 18:16
... und dann kommt gehässige Frage danach, was denn eigentlich Fakten seien. :clown:
Ich fühlte mich bei dem Satz an Kants Definition erinnert (ist ja aber nun auch schon was her und in habe es nicht mehr nachgeschlagen). Viel mehr habe ich dazu aus dem philosophischen Spektrum aber auch nicht beizutragen.

Und danach wäre der Nutzen von Impfungen etwa für mich ein Fakt, der nur auf Basis nicht hinreichend begründeter Gefühle abgestritten werden kann.

:clown:
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Doncamillo » Mi 7. Aug 2019, 09:20

Tambourine-Man hat geschrieben:
Di 6. Aug 2019, 14:57
Ob es früher mehr oder weniger Idioten gab, kann ich nicht beurteilen.
Was mich an der Thematik am meisten umtreibt ist, dass es mir so vorkommt als würden in sämtlichen gesellschaftlichen Debatten, selbst bei den vermeintlich nichtigsten, die Grautöne verschwinden. Das ist kein Plädoyer für's "Sorgen ernst nehmen" oder Ähnliches und erst recht darf es gerade von faktenbasierten Standpunkten kein abrücken geben. Ich sehe da nur insgesamt zunehmend Trennlinien verschiedenster Art durch unserer Gesellschaft laufen, von denen ich nicht weiß, wie die gegensätzlichen Pole da jemals wieder zusammenkommen können. Damit meine ich jetzt nicht einzelne Spinnerbanden und -gruppierungen wie z.B. die Reichsbürger, sondern die Thematiken, wo sich tatsächlich auf beiden Seiten eine nennenswerte Anzahl an Personen gegenübersteht.
Da frage ich mich schon nicht mehr nur wie, sondern ob da gewisse Gräben überhaupt wieder überwunden werden können und das ist ein echt bedrückender Gedanke.
Thema Umwelt...schlechtes Gewissen.
In der Betreuung von Menschen muss ich diverse Hygienestandarts einhalten, restliche Lebensmittel müssen entsorgt werden, Desinfektionsflüssigkeiten werden relativ viel eingesetzt, Müll kann durch die Menschen mit Behinderung nicht akkurat getrennt werden.....
Zuhause trenne ich den Siegeldeckel meiner Tetrapackmilchtüte(Gelber Sack) von der Serviette(Restmüll)....
:lolol:

....ich könnte noch viele Umweltsünden und Spitzfindigkeiten aufzählen....
Bei dem Thema Umweltschutz bin ich, wie bei vielen anderen Themen(Politik, Finanzwelt,...) am resignieren und versuche einfach das Bestmögliche in meiner persönlichen Welt zu gestalten!!?
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mattkru
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von mattkru » Mi 7. Aug 2019, 09:30

Danke, das war der bisher beste Beitrag, den ich von dir hier im Forum gelesen habe.

dattelpalme
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von dattelpalme » Mi 28. Aug 2019, 00:44

Seit meiner MS-Diagnose das erste Mal einen „richtigen“ Schub, der mich wieder schön auf den Boden der Tatsachen reißt :sadno: man vergisst es halt, mir geht es ja „gut“.
Dieses Mal sind die Missempfindungen auch nicht auf einen Unterschenkel beschränkt, sondern betreffen komplett beide Beine und Teile der Arme :/
Was mich zusätzlich traurig macht, ist, dass mein Neurologe mir leider kein Schlafmittel mitgegeben hat. Erst konnte ich nicht schlafen aufgrund der Missempfindungen und jetzt bin ich auch noch zusätzlich mehrere Tage durch die Kortisonstoßtherapie beeinträchtigt. Ich kann ja nachvollziehen, dass man da vorsichtig ist, um Missbrauch zu verhindern, aber es ist so schlimm für mich, keinen oder nur sehr wenig Schlaf zu bekommen. Führt außerdem zu Stress, was dem Krankheitsverlauf, was man am Zeitpunkt des Schubs auch wieder exemplarisch sehen kann, abträglich ist.
Jedenfalls ist es jetzt vorbei mit meiner No Meds-Strategie, auch, wenn es aufgrund der geringen Wirkung und der hohen Nebenwirkungen eine knappe Entscheidung bleibt. Termin hab ich allerdings erst in Dezember -.- ....
„Die Welt geht vor die Hunde Mädchen, traurig aber wahr.“


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Taksim
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Taksim » Mi 28. Aug 2019, 15:24

:sad:
Kann mir nur vorstellen, wie die Unberechenbarkeit, die zu allem dazu kommt, noch für mehr emotionalen Stress sorgt, also sowieso schon.
Ich hoffe, es wird schnell wieder etwas besser!
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dattelpalme
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von dattelpalme » Mi 28. Aug 2019, 18:40

Dankeschön für eure Anteilnahme :smile:
Habe eben nach 28 Stunden komplett wach die ersten paar Stündchen geschafft zu schlafen yeay! Kortison kann echt heftig sein :shock:
Tabletten hab ich für später doch noch ausdiskutieren können. Musste mir dafür aber überflüssige Sprüche statt gute Argumente anhören („das ist doch nicht Ihre erste Kortisonstoßtherapie?!“, „das sind doch nur ein paar Tage?!“). Versteh beim besten Willen nicht, wie man als Neurologin so wenig Mitgefühl zeigen kann, ist doch klar, dass die Situation eh schon derbe belastend ist. Ich hab auch echt ganz normal und nett gefragt...
Heißt also, morgen die letzte Infusion und ich darf mir ne neue Praxis suchen :evil:

Zum Glück ist das Thema mit der Unberechenbarkeit noch nicht ganz präsent. Ich gehe davon aus, dass die Symptome sich vollständig zurückbilden. Aber diese plötzliche Erinnerung daran, dass das alles auf einen zukommen wird und man definitiv nicht gesund ist, ist so gemein! Ich gebe die Hoffnung aber nicht auf, dass sich in den nächsten Jahrzehnten viel in der Forschung bewegt. Vielleicht erlebe ich ja noch ein Heilmittel :redbull:
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Doncamillo » Do 29. Aug 2019, 17:44

dattelpalme hat geschrieben:
Mi 28. Aug 2019, 18:40
.....Musste mir dafür aber überflüssige Sprüche statt gute Argumente anhören („das ist doch nicht Ihre erste Kortisonstoßtherapie?!“, „das sind doch nur ein paar Tage?!“). Versteh beim besten Willen nicht, wie man als Neurologin so wenig Mitgefühl zeigen kann,...........Ich gebe die Hoffnung aber nicht auf, dass sich in den nächsten Jahrzehnten viel in der Forschung bewegt. Vielleicht erlebe ich ja noch ein Heilmittel :redbull:
Wenn man nicht selbst etwas Vergleichbares erlebt hat kann man wohl echt nicht nachempfinden wie das alles so abgeht....ich bin bei solchen Themen auch sprachlos und möchte nur sagen dass ich bei den angezeigten Problemen aufmerksam mitlese und versuche das Anliegen mitzutragen...ansonsten bleibe ich bei der Haltung:
Bitte "Krankheit" statt "Wirtschaft" einsetzen!
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Engholm » Do 29. Aug 2019, 18:48

dattelpalme hat geschrieben:
Mi 28. Aug 2019, 00:44
Seit meiner MS-Diagnose das erste Mal einen „richtigen“ Schub, der mich wieder schön auf den Boden der Tatsachen reißt :sadno: man vergisst es halt, mir geht es ja „gut“.
Dieses Mal sind die Missempfindungen auch nicht auf einen Unterschenkel beschränkt, sondern betreffen komplett beide Beine und Teile der Arme :/
Was mich zusätzlich traurig macht, ist, dass mein Neurologe mir leider kein Schlafmittel mitgegeben hat. Erst konnte ich nicht schlafen aufgrund der Missempfindungen und jetzt bin ich auch noch zusätzlich mehrere Tage durch die Kortisonstoßtherapie beeinträchtigt. Ich kann ja nachvollziehen, dass man da vorsichtig ist, um Missbrauch zu verhindern, aber es ist so schlimm für mich, keinen oder nur sehr wenig Schlaf zu bekommen. Führt außerdem zu Stress, was dem Krankheitsverlauf, was man am Zeitpunkt des Schubs auch wieder exemplarisch sehen kann, abträglich ist.
Jedenfalls ist es jetzt vorbei mit meiner No Meds-Strategie, auch, wenn es aufgrund der geringen Wirkung und der hohen Nebenwirkungen eine knappe Entscheidung bleibt. Termin hab ich allerdings erst in Dezember -.- ....
In meinem Familienumfeld + Freundes kenne ich auch zwei Fälle, die es in relativ jungen Jahren erwischt hat (Mitte 20 und Anfang 30).

Im Familienfall war es ein Schub, der vermutlich durch extrem hohen Arbeitsstress ausgelöst wurde, der zu dem Zeitpunkt herrschte. Das Symptom war ein halbseitiges kribbeln von den Zehenspitzen bis in die Hände. Der begleitende Neurologe hat nach der Behandlung eine dauerhafte prophylaktische Medikamenten-Therapie empfohlen, was aber abgelehnt wurde (eben wegen möglicher Nebenwirkungen). Die jährlichen MRT-Termine sind natürlich immer mit einer gewissen Angst begleitet, aber seit dem ersten Schub der ersten Untersuchung, gab es seitdem keine nennenswerten neuen Entzündungsherde bzw. im Gegenteil, einige alte inaktive Herde haben sich teilweise wieder aufgelöst, sind nicht mehr sichtbar. Bei fast jeder MRT-Nachbesprechung gibt es aber auch neue Infos zu neuen Medikamenten. Die Medizin macht da offensichtlich super Fortschritte.

Bei meinem Freund hat sich MS vor allendingen ziemlich auf das flüssige Sprechen und die Motorik gelegt. In der Zwischenzeit kam ein Medikament auf den Markt, was ihm da wohl ziemlich geholfen hat und man ihm die MS Erkrankung auch nicht mehr anmerkt.

dattelpalme
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von dattelpalme » Do 29. Aug 2019, 22:44

Engholm hat geschrieben:
Do 29. Aug 2019, 18:48
In meinem Familienumfeld + Freundes kenne ich auch zwei Fälle, die es in relativ jungen Jahren erwischt hat (Mitte 20 und Anfang 30).

Im Familienfall war es ein Schub, der vermutlich durch extrem hohen Arbeitsstress ausgelöst wurde, der zu dem Zeitpunkt herrschte. Das Symptom war ein halbseitiges kribbeln von den Zehenspitzen bis in die Hände. Der begleitende Neurologe hat nach der Behandlung eine dauerhafte prophylaktische Medikamenten-Therapie empfohlen, was aber abgelehnt wurde (eben wegen möglicher Nebenwirkungen). Die jährlichen MRT-Termine sind natürlich immer mit einer gewissen Angst begleitet, aber seit dem ersten Schub der ersten Untersuchung, gab es seitdem keine nennenswerten neuen Entzündungsherde bzw. im Gegenteil, einige alte inaktive Herde haben sich teilweise wieder aufgelöst, sind nicht mehr sichtbar. Bei fast jeder MRT-Nachbesprechung gibt es aber auch neue Infos zu neuen Medikamenten. Die Medizin macht da offensichtlich super Fortschritte.

Bei meinem Freund hat sich MS vor allendingen ziemlich auf das flüssige Sprechen und die Motorik gelegt. In der Zwischenzeit kam ein Medikament auf den Markt, was ihm da wohl ziemlich geholfen hat und man ihm die MS Erkrankung auch nicht mehr anmerkt.
Hmm, die Entzündungsherde lösen sich nicht wirklich auf, sie vernarben. Die Myelinschicht bleibt ja trotzdem beschädigt. Aber keine neuen Herde sind immer eine gute Sache. Hatte im Februar oder März leider wieder neue, im Rückenmark. Das erklärt auch, wieso sich meine Symptome grundsätzlich auf die Beine beziehen, gar nicht z.B. auf die Augen.
Alle kognitiven Einschränkungen wie Sprechen, logisches Denken, Gedächtnis usw. machen mir mehr Angst als Geheinschränkungen. Und am allermeisten gruselt es mir vor den Ressentiments, die immer noch herrschen. Das können sich gesunde Menschen überhaupt nicht ausmalen.
Bleibt dabei, MS ist einfach kacke.
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von SammyJankis » Mo 6. Apr 2020, 23:13

Als dieser Thread zum ersten Mal auf der Bildfläche erschienen ist, konnte ich mir nicht vorstellen, hier jemals auch nur einen Beitrag abzugeben. Aber es war bisher eigentlich immer eine kleine Erleichterung, wenn ich ehrlich von mir erzählt habe:

Der Abbruch meiner Promotion und der Beginn eines neuen Studiums haben leider auch mit Depressionen zu tun. Ich habe letztes Jahr im Juni die Reißleine gezogen. Die 1,5-2 Jahre davor ging es mir stetig schlechter und es gab irgendwann diesen Tag, an dem ich nicht mehr zur Arbeit gehen konnte. Ich wurde krankgeschrieben, habe es nach kurzer Zeit noch einmal versucht, aber es ging nicht mehr. Es gab da einige Faktoren. Ich war nie zufrieden mit meiner Arbeit, habe Dinge für kompletten Schwachsinn gehalten, die ich machen sollte. Ich hatte nie das Gefühl, dass meine Zweifel, die ich ab einem gewissen Zeitpunkt auch mehrfach geäußert habe, irgendjemanden interessiert haben. Und ich habe meinen Professor verachtet. Ich konnte mir im Endeffekt nicht vorstellen, dass es irgendeinen potentiellen Arbeitgeber gibt, der mich mit dieser Abschlussarbeit einstellt.
Ich habe Chemie studiert, was vielleicht das einzige Fach in der Schule war, welches ich interessant fand. Dementsprechend ist da leider auch dieser Gedanke, dass es keinen Beruf gibt, den ich interessant finde und der mich zumindest so weit erfüllt, dass ich ihn für die nächsten 30-40 Jahre machen möchte, wenn das Einzige, was ich halbwegs interessant fand, mich an diesen Punkt in meinem Leben gebracht hat. Dazu kommen noch einige andere Probleme (Finanzielle Ängste, generelle Angst vor Arbeitslosigkeit, etc.).

Mittlerweile bin ich mir relativ sicher, dass ich schon lange vorher Probleme hatte. Ich kann mich in meinem ganzen Leben nicht eine Leistung, die ich erbracht habe, erinnern, mit der ich wirklich zufrieden war. Diese Floskel, dass man selbst der schärfste Kritiker ist, trifft auf mich zu, aber in ungesunder Weise. Ich war nie schlecht in der Schule, war ziemlich gut in dem Sport, den ich betrieben habe, habe nie in meinem Studentenleben eine Klausur/einen Kurs nicht bestanden. All das hat mich trotzdem nie zufrieden gestellt, auch, wenn ich gelobt wurde. Es war mir egal. Ich glaube, dass nur die Tatsache, dass alles in meinem Leben immer einigermaßen gut geklappt hat, mich davor bewahrt hat, dass die Depressionen viel früher in dieser Form aufgetreten sind.

Ich habe mir Hilfe gesucht und habe bisher das Gefühl, dass es der richtige Weg ist. Ich habe zum Glück ziemlich viel Verständnis und Unterstützung in meinem Umfeld erfahren. Mehr als ich erwartet hätte.
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Baltimore » Mo 6. Apr 2020, 23:31

Wow, das kommt jetzt schon überraschend. Dachte echt, als du mal davon geschrieben hast, dass du einfach nur mit der gesamten Promotion irgendwie nicht zufrieden warst. Aber dann ist es ja wirklich gut, dass du die Reißleine gezogen hast.

Ich hoffe, dass dich das neue Studium dann wieder mehr erfüllt und du darin echt wieder einen Sinn siehst.

Alles Gute!
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von mattkru » Di 7. Apr 2020, 06:26

Ein sehr mutiger Schritt, den ich mir nach 6 Jahren Studium und mittlerweile 8,5 Jahren Berufsleben selber nicht mehr zutrauen würde (auch wenn er bei meinem eigenen Maß an Unzufriedenheit vielleicht doch irgendwann notwendig wäre).

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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von therewillbefireworks » Di 7. Apr 2020, 10:53

Ich koennte diesen Text so kopieren, Chemie durch Informatik ersetzen und er würde meine Situation/meinen Prozess beschreiben, der mich auch zum Abbruch meiner Promotion und den Beginn eines neues Studiums gebracht hat.
So unterschiedlich wir sicherlich als Menschen und so unterschiedlich der Prozess für uns beide gewesen sein wird, so kann ich mich eventuell ein bisschen einfühlen, was in dir vorgegangen ist bzw. immer noch vor sich geht.
Da auch bei mir die Umgebung sehr positiv (sogar meine Eltern stehen voll und ganz hinter mir) darauf reagiert hat, kann ich auch nur nochmal betonen, wie wichtig es für mich war, damit auch meinem Umfeld gegenüber offen zu sein - eine negative Reaktion sagt dann auch viel über die "Freundschaft aus", finde ich - und wie sehr es für mich auch eine Erleichterung war, nicht mehr "verstecken" zu müssen, wie es in mir aussieht.
Deswegen: Hut ab für deinen Mut und ich hoffe, dass der Weg weiterhin in eine richtige Richtung führt für dich!

Wenn du dich mal austauschen moechtest: Sehr gerne.

Ich wünsche dir alles alles Gute
¯\_(ツ)_/¯

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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Taksim » Di 7. Apr 2020, 11:36

Massig Respekt für die Entscheidung und die Willenskraft noch einmal so fundamental etwas zu verändern! Hoffe sehr, dass es dir damit schnell besser geht.
Ich hatte ja auch mal berichtet, dass ich große Frustrationen während meines Versuches einer Promotion durchlebt habe, ich mich aber auch erst spät zu dem Schritt sie zu beenden durchrang. Ich finde es sehr gut, dass du analysiert hast, was schief lief und das jetzt konsequent veränderst.
Ich bin jetzt zwar zufriedener, aber mit Blick auf eine langfristige Perspektive habe ich doch auch Vorbehalte wie es weitergehen kann. Und da ist so ein Schritt wie deiner inspirierend. Bei mir gibt es gerade nicht so akuten Stress, dass ich sofort was ändern müsste, aber das ist eine schöne Erinnerung, dass es immer möglich ist und ein Weg nur ein Weg ist und nicht völlig zementiert sein muss.
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Ruby » Di 7. Apr 2020, 15:53

Alles Gute für dich. :smile:
Ich hab mit Mitte 30 in der zweiten Elternzeit ein Studium begonnen, was nicht wirklich etwas mit meinem Ausbildungsberuf zu tun hatte. Beste Entscheidung.
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