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Zeitgeschehen / Panorama

Von Spam bis Gott und die Welt
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NeonGolden
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von NeonGolden » Sa 10. Aug 2019, 17:21

Tja, welch eine Überraschung nachdem er vor wenigen Wochen schon einen Selbstmordversuch begangen hat. Es möge ja jeder über sein eigenes Leben richten wie er mag, aber in dieser Sache ist es schon extrem bitter hinsichtlich der Aufklärung einer Vielzahl von Verbrechen und der Aufdeckung weiterer Beteiligter. Unbegreiflich, wie das nicht verhindert werden konnte.

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mattkru
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von mattkru » Sa 10. Aug 2019, 17:38

Es gibt jetzt genügend mächtige Männer, die nicht traurig sind.
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von NeonGolden » Sa 10. Aug 2019, 17:47

Angesichts der Geschehnisse kann man davon wohl ausgehen, ja. Oh man, diese Nachricht macht mich echt wütend.

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mattkru
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von mattkru » Fr 16. Aug 2019, 09:15

https://m.spiegel.de/wirtschaft/soziale ... 82188.html

Trump will angeblich Grönland kaufen. :lolol:
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von mattkru » Fr 16. Aug 2019, 12:50

Erstmals Goldschakal in Thüringen gesichtet

https://m.spiegel.de/wissenschaft/natur ... 82209.html

Danke Merkel!
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Finn
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von Finn » Fr 16. Aug 2019, 19:21

:herzen2: schön

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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von mattkru » Mi 11. Sep 2019, 08:26

Die globale Angst- und Panikgesellschaft wird heute volljährig.
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von NeonGolden » Di 1. Okt 2019, 11:10

Wieviele Menschen, die ich eigentlich für schlau gehalten hätte, jetzt diesen völlig blödsinnigen Greta-Gag von Dieter Nuhr verteidigen, finde ich ein bisschen beängstigend.

Es geht nur noch um Empörung und Empörung über Empörung, ohne dass Sachzusammenhänge auch noch den Funken einer Rolle spielen. Greta Thunberg die Idee von Genozid in die Agenda legen? Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!!eins

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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von Taksim » Di 1. Okt 2019, 13:22

Es ist in der Tat ziemlich erschreckend, nicht nur mit dieser Nuhr-Geschichte, sondern allgemein wie viele - in verschiedener Intensität aber durchaus überzeugt - in den Anti-Greta-Chor miteinstimmen.
Die Reflexe, die man so häufig auf beiden Seiten sieht und die ich zusehends unerträglich finde, dass Linke aus Prinzip alles ablehnen, was nur irgendwie als "rechts" angesehen werden kann und Rechte ebenso alles was irgendwie als "links" angesehen werden kann niedermachen, kommen hier in einer Art zum Vorschein, die mich doch überrascht. Weil das einer der wenigen Themen ist, wo eigentlich Konsens herrschen könnte (abgesehen von den Schreihälsen, die nie von irgendwas zu überzeugen sind, vor allem nicht mit Fakten).
Aber so wie ich manchmal das Gefühl habe, dass viele mehr davon gesteuert werden, wie eine politische Meinung nach außen wirkt und nicht wo für sie steht, also dass es weniger darum geht "links" zu sein, sondern darum bloß nicht rechts zu wirken und umgekehrt, kulminiert auch hier darin, dass viele Leute, die genau wie Neongolden sagt, meiner Meinung nach eigentlich nicht dumm sind und die häufig vernunftbasierte Kritik äußern, jetzt auch gegen Greta Stimmung machen, nur um eine gewisse Distanz zu der progressiven Linken zu demonstrieren. Enttäuscht mich ziemlich.
Das kommt zwar auch als vermeintlich vernunftbasiert oder rational-kritisch daher (und nicht so hysterisch wie viele Online-Kommentare), wie, dass es eine Ausnutzung von Kindern sei, was da passiert und das man sich davon nicht einlullen lassen sollte, halte ich aber für völlig am Thema vorbei.
Wie man Greta und alles was sie losgetreten hat nicht einfach aufrichtig applaudieren und so zynisch abkanzeln kann ist echt traurig.
"I don't know."

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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von NeonGolden » Di 1. Okt 2019, 15:08

Ich finde man merkt an der Stelle, wie wenig der Mensch tatsächlich in der Lage ist, bei teils kniffligen Themen zu differenzieren und sachlich zu bleiben und ich denke, dass da die Simplizität der modernen Kommunikation, insbesondere die Debattenführung über Twitter & Co. einen großen Beitrag leistet.
Das Phänomen Greta ist mittlerweile hochkomplex und vieles daran ist durchaus kritikwürdig, anderes und vor allem die Basis nicht mal ansatzweise. Aber der vielbeschäftigte Twitteruser denkt nur mal eben während der Kaffepause 5 Minuten über einen komplexen Sachverhalt nach, regt sich auf und posaunt eine knackige Nonsensmeinung via Punchline ins Internet. Und dann wird alles getan, nur in keinstem Fall von der eigenen Position abgerückt. Und dann werden Themen so lange in Richtungen geschoben, bis sie völlig aus dem Zusammenhang gerissen sind.
Um mal beim Beispiel Nuhr zu bleiben: der Typ sagt sinngemäß, dass jemand, der eine umweltverträgliche Landwirtschaft bzw. Nahrungsmittelproduktion fordert, damit gleichzeitig auch das Ableben/Töten von mehreren Milliarden Menschen befürwortet, da diese auf solche Weise nicht ernährbar wären. Das ist auf so vielen Ebenen schwachsinnig und bösartig und wird zurecht angeprangert und was passiert? Hey, das war Satire und Greta nervt sowieso, hört auf dem Nuhr seine Meinungsfreiheit zu beschneiden. Und schon dreht sich alles nur noch darum was wer darf und was nicht usw. usf. der politische Flügel spielt sachbezogen dabei gar keine Rolle mehr, sondern nur noch zwischenmenschlich. Es ist einfach bizarr.
Und ja, ganz genau wie du sagst, wie kann man sich ernsthaft so gegen Greta positionieren, und dann noch ernst genommen werden wollen mit der Forderung, es müsse sich etwas ändern. Und dann fängt der mit so einer Scheiße an, von wegen die Wissenschaft wird schon für alles eine Lösung finden. Alter.

Und wie sie dann wieder losplärren, Satire darf alles, und schaut mal, was der Böhmermann darf. Wer politische Witze macht, bezieht immer auch eine Position. Und wenn es dort dann eben von allen Seiten Scheiße regnet, dann muss man sich wirklich nicht wundern.

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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von dattelpalme » Mi 2. Okt 2019, 11:23

Finde die Beobachtung auch zutreffend, dass gesellschaftliche Debatten nicht mehr “normal”/sachlich geführt werden (können). Teilweise zeigt sich das auch in den Talkshows.

Grundsätzlich sind mir viele Klimaakivist*innen aber auch zu kurzsichtig in vielen Punkten, wobei ich die Nuhr-Geschichte jetzt nicht richtig mitbekommen habe.
„Die Welt geht vor die Hunde Mädchen, traurig aber wahr.“

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Engholm
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von Engholm » Mi 2. Okt 2019, 12:08

dattelpalme hat geschrieben:
Mi 2. Okt 2019, 11:23
Grundsätzlich sind mir viele Klimaakivist*innen aber auch zu kurzsichtig in vielen Punkten,
Inwiefern?

Die Fridays for Future Bewegung finde ich übrigens klasse. Sie hat das Thema Klimawandel + Einfluss der Menschen darauf weltweit ins Bewusstsein gerufen und ist letztendlich in der Politik angekommen und zum Thema geworden. Letzteres wurde seit Jahren verschlafen.

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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von Stebbie » Mi 2. Okt 2019, 12:39

Aber der vielbeschäftigte Twitteruser denkt nur mal eben während der Kaffepause 5 Minuten über einen komplexen Sachverhalt nach, regt sich auf und posaunt eine knackige Nonsensmeinung via Punchline ins Internet. Und dann wird alles getan, nur in keinstem Fall von der eigenen Position abgerückt. Und dann werden Themen so lange in Richtungen geschoben, bis sie völlig aus dem Zusammenhang gerissen sind.
Auch wenn ich sehe, worauf du hinauswillst, ist das dann am Ende aber doch auch keine sonderlich differenzierte Meinung. Ja, Twitter ist manchmal polarisierend und eine Debatte ist hier nie zuende, ehe nicht etwas von wirklich jedem gesagt wurde, aber es gibt her auch zahlreiche wirklich wertvolle und kluge Beträge.

Der ganzen Bewegung tut man übrigens dahingehend sehr unrecht, als dass die Aktivistinnen um FFF ja gar nicht selbst Positionen vertreten, sondern im Grunde eigentlich nur auf die Berücksichtigung dessen einfordern, was Wissenschaft und Verbände seit langem fordern. Daher ist auch die ganze (meist männliche) Klage hinsichtlich der mangelnden Bereitschaft, sich von einer 16-jährigen die Welt erklären zu lassen, so fehlgeleitet.

Bei Dieter Nuhr hätte ich mir eigentlich ein bisschen mehr Souveränität gewünscht. Er ist halt ein Wirtschaftsliberaler Zyniker und mittelmäßiger Komädiant, aber das wusste man auch vorher schon. Hätte man eigentlich auch ignorieren können.
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von Karo » Mi 2. Okt 2019, 12:41

Engholm hat geschrieben:
Mi 2. Okt 2019, 12:08
Die Fridays for Future Bewegung finde ich übrigens klasse. Sie hat das Thema Klimawandel + Einfluss der Menschen darauf weltweit ins Bewusstsein gerufen und ist letztendlich in der Politik angekommen und zum Thema geworden. Letzteres wurde seit Jahren verschlafen.
Und was ist passiert? Sehr wenig bzw. nicht genug. Im Grunde wird das Thema weiter verschlafen. Das Klimapaket finde ich nichtssagend und schlicht nicht weitreichend genug.

Exemplarisch dafür wirbt der FDP-Spitzenkandidat in Thüringen mit dem Slogan: Gegen den Trend: vernünftig.

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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von Stebbie » Mi 2. Okt 2019, 12:44

Bei den dicken Brettern, die gebohrt werden müssen, kann man doch kaum erwarten, dass binnen weniger Monate ein U-Turn in Sachen Klimapolitik vollzogen wird. Sie haben das Thema zum Hauptthema des politischen Diskurses gemacht. Das alleine ist schon einmal ein guter wie notwendiger erster Schritt - die entscheidende Frage wird bei der kommenden Bundestagswahl gestellt werden. Gelingt es dort einen Umschwung zu initiieren, dann hat sich die ganze Bewegung bereits gelohnt.
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von Engholm » Mi 2. Okt 2019, 13:09

Das Klimapaket ist ein Witz. Da sind sich ja alle abseits der beteiligten Regierungsparteien einig. Das ist keine Sache, die man so halbgar, wie das Ergebnis nun ist, in einer Nachtsitzung beschließt.
Stebbie hat geschrieben:
Mi 2. Okt 2019, 12:44
Sie haben das Thema zum Hauptthema des politischen Diskurses gemacht. Das alleine ist schon einmal ein guter wie notwendiger erster Schritt -
Das meinte ich.

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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von Karo » Mi 2. Okt 2019, 13:57

Engholm hat geschrieben:
Mi 2. Okt 2019, 13:09
Das Klimapaket ist ein Witz. Da sind sich ja alle abseits der beteiligten Regierungsparteien einig. Das ist keine Sache, die man so halbgar, wie das Ergebnis nun ist, in einer Nachtsitzung beschließt.
Stebbie hat geschrieben:
Mi 2. Okt 2019, 12:44
Sie haben das Thema zum Hauptthema des politischen Diskurses gemacht. Das alleine ist schon einmal ein guter wie notwendiger erster Schritt -
Das meinte ich.
Da bin ich in Teilen bei euch.


Andererseits könnte deutlich mehr auf‘s Gaspedal gedrückt werden: Hier ist das Provisorium. Und die einzelnen Ressorts legen bis X eine konkretere und straffere Version vor. Stattdessen wird das Paket in weiten Teilen verteidigt. Man ist nicht bereit, sich unbeliebt zu machen - irgendwo verständlich, aber eigentlich grad fehl am Platze. Das führt dieses beteuernde: Wir haben euch gehört und verstanden! völlig ad absurdum.

Ach, ich reg‘ mich schon wieder auf :doof: Mittlerweile fehlt mir die Geduld für eine objektive Auseinandersetzung mit dem Thema. Wohl, weil ich mich zu sehr mit (technischen, ökologischen und gesellschaftlichen) Lösungs- und Weltverbesserungsideen auseinandersetze.

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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von dattelpalme » Mi 2. Okt 2019, 14:39

Engholm hat geschrieben:
Mi 2. Okt 2019, 12:08
dattelpalme hat geschrieben:
Mi 2. Okt 2019, 11:23
Grundsätzlich sind mir viele Klimaakivist*innen aber auch zu kurzsichtig in vielen Punkten,
Inwiefern?
Eine grobe Zusammenfassung bieten diese drei Links:

* Link 1
Grundlage ist dieser Artikel: ze.tt

* Link 2

* Link 3

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass viele Forderungen und der Aufruf zur individuellen Weltverbesserei vor allem auf Kosten der Schwachen der Gesellschaft gehen, weil nein, nicht jede*r kann sich Bioprodukte im Unverpacktladen leisten, und höhere Spritpreise haben nicht nur positive Konsequenzen, sondern führen auch zu weiterer Landflucht, was wiederum die Mietproblematik weiter verschärft. Das sind jetzt nur zwei Beispiele.

Dieses Bild zeigt u.a. ganz gut, welches Wirtschaftsverständnis einigen zugrunde liegt:
https://www.directupload.net/file/d/5593/dwxhjrwq_jpg
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von Stebbie » Mi 2. Okt 2019, 15:06

Der erste Link lässt sich nicht öffnen, aber die beiden anderen haben doch bestenfalls anekdotischen Wert. Daraus nun ein "viele Klimaaktivistinnen seien zu kurzsichtig" ableiten zu wollen ist dann doch selbst ziemlich kurzsichtig. Dass sich bei zigtausend Beteiligten Personen und Aussagen oder Handlungen finden, die möglicherweise etwas übers Ziel hinauschießen, ist doch nicht der Rede Wert. Da muss an nicht gleich mit "Der Welle" und Diktatur kommen, wie es der zweite Artikel tut (dessen einzige Quelle "der Sohn eine(s/r) Bekannten" ist).

Der bewegt sich dann doch auf einer Ebene, auf der sonst kritisiert wird, dass Greta Thunberg tatsächlich verarbeitete Nahrung zu sich nimmt.
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von Blackstar » Mi 2. Okt 2019, 15:32

"Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass viele Forderungen und der Aufruf zur individuellen Weltverbesserei vor allem auf Kosten der Schwachen der Gesellschaft gehen, weil nein, nicht jede*r kann sich Bioprodukte im Unverpacktladen leisten, und höhere Spritpreise haben nicht nur positive Konsequenzen, sondern führen auch zu weiterer Landflucht, was wiederum die Mietproblematik weiter verschärft. Das sind jetzt nur zwei Beispiele."

In keinem Land Europas ist Fleisch gemessen am Einkommen so billig wie hier. Es geht gar nicht darum, dass alles Bio sein muss, sondern es wäre schon sehr geholfen, wenn man den Fleischpreis mal auf ein normales Niveau hebt und so den Konsum senkt. Soll ja nicht jeder Vegetarier werden, es hilft ja schon immens viel, den eigenen Fleischkonsum um 20-50% zu reduzieren.

Was den Sprit angeht: Mag sein. Zulassungszahlen, nach denen SUV die Meist-Neuzugelassene Fahrzeugart sind zeigen aber, dass es den Leuten im Schnitt noch nicht genug wehtun kann, tonnenschwere Spritfresser zu kaufen.

Unverpacktläden halte ich für Blödsinn.

Aber dennoch: Je mehr das Thema in der Öffentlichkeit ist, desto besser. Obowhl Plastik bzw. Umweltverschmutzung eher ein anderes Thema ist, als Klimawandel, aber wenn man das gleich mitnehmen kann: Klar.

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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von dattelpalme » Mi 2. Okt 2019, 15:34

Stebbie hat geschrieben:
Mi 2. Okt 2019, 15:06
Der erste Link lässt sich nicht öffnen, aber die beiden anderen haben doch bestenfalls anekdotischen Wert. Daraus nun ein "viele Klimaaktivistinnen seien zu kurzsichtig" ableiten zu wollen ist dann doch selbst ziemlich kurzsichtig.
Interessant, dass du das sagst, obwohl du mein Hauptargument komplett ignorierst. Demnach kann ich das nur zurückgeben.

Der Link, der nicht geht, ist eine polemische Analyse des zugrunde liegenden Artikels. Der spricht eigentlich schon für sich.
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von Blackstar » Mi 2. Okt 2019, 15:36

Jagut, aber Ze.tt Artikel, die grundsätzlich einen Hang zum realitätsfremden Filterblasen-Bullshit für Prenzelbergmuttis und deren Probleme haben, zu kritisieren, ist jetzt auch keine besonders große Herausforderung.

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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von lirumlarum » Mi 2. Okt 2019, 16:04

Karo hat geschrieben:
Mi 2. Okt 2019, 13:57
Da bin ich in Teilen bei euch.


Andererseits könnte deutlich mehr auf‘s Gaspedal gedrückt werden: Hier ist das Provisorium. Und die einzelnen Ressorts legen bis X eine konkretere und straffere Version vor. Stattdessen wird das Paket in weiten Teilen verteidigt. Man ist nicht bereit, sich unbeliebt zu machen - irgendwo verständlich, aber eigentlich grad fehl am Platze. Das führt dieses beteuernde: Wir haben euch gehört und verstanden! völlig ad absurdum.

Ach, ich reg‘ mich schon wieder auf :doof: Mittlerweile fehlt mir die Geduld für eine objektive Auseinandersetzung mit dem Thema. Wohl, weil ich mich zu sehr mit (technischen, ökologischen und gesellschaftlichen) Lösungs- und Weltverbesserungsideen auseinandersetze.
Wobei man ja auch nicht vergessen darf, dass es sich hierbei erstmal nur um den 1. Entwurf handelt und nicht den finalen Gesetzentwurf. Da wird sicher - grade wegen der Grünen im Bundesrat - noch nachgeschärft werden. Ich finde auch, dass durchaus sinnvolles dabei ist, gerade, dass man konkrete CO2-Budgets pro Ressort aufstellen möchte, wäre ein riesiger Fortschritt. Wirklich enttäuschend (ohne jetzt Ökonom zu sein) finde ich den C02-Preis, der ja selbst von sehr wirtschaftsliberalen Ökonomen stark kritisiert wird. Da hätte man einfach wesentlich mutiger sein müssen, gerade wenn man gleichzeitig die Pendlerpauschale erhöhen will (was ja per se für den ländlichen Ausgleich nicht falsch sein muss, aber so Unsinn ist. Warum koppelt man das dann nicht z.B. an den CO2-Ausstoß o.ä.). Nur so ist das halt ein Gimmick, was lange wirklich kaum einen Effekt haben wird. Noch mehr, wenn man sieht, dass Landwirtschaft auch erst später in den Handel aufgenommen werden soll.
Generell schwanke ich hier zwischen Frust, denn um überhaupt eine Chance beim 1,5 Grad-Ziel zu haben, bleibt eigentlich kaum noch Zeit, andererseits bin ich schon auch bei Stebbie, dass es immerhin ein erster Schritt ist.
Generell würde ich mir viel mehr Debatten über die konkreten Lösungs-Maßnahmen wünschen, statt immer wieder diese allgemeinen Nonsens-Diskussionen wie von Nuhr über angebliche Klimahysterie, die in den Medien so viel Platz wegnehmen und einfach sinnlos sind. Der wissenschaftliche Sachstand ist nunmal ein anderer.
dattelpalme hat geschrieben:
Mi 2. Okt 2019, 14:39
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass viele Forderungen und der Aufruf zur individuellen Weltverbesserei vor allem auf Kosten der Schwachen der Gesellschaft gehen, weil nein, nicht jede*r kann sich Bioprodukte im Unverpacktladen leisten, und höhere Spritpreise haben nicht nur positive Konsequenzen, sondern führen auch zu weiterer Landflucht, was wiederum die Mietproblematik weiter verschärft. Das sind jetzt nur zwei Beispiele.

Dieses Bild zeigt u.a. ganz gut, welches Wirtschaftsverständnis einigen zugrunde liegt:
https://www.directupload.net/file/d/5593/dwxhjrwq_jpg
Du machst da aber finde ich den Fehler, die Position einiger Aktivisten mit der Bewegung gleichzusetzen. Es stimmt sicher, dass man den Typus "Kind aus gutem Hause" dort besonders oft antrifft. Aber die Bewegung als Ganze, deckt doch soviel ab, auch Kirchen, Sozialverbände und sehr links Eingestellte, dass dieser pauschale Sozial-Ignoranz-Vorwurf etwas ungerecht ist.
Aktiver Klimaschutz ist ja auch nicht nur durch Bio und unverpackt möglich, auch intensive Landwirtschaft kann deutlich klima- und umweltfreundlicher gestaltet werden, als dies heute der Fall ist, z.B. durch Drohneneinsatz, Fruchtwechsel, Sortenvielfalt o.ä.. Und weniger Verpackungsmüll geht auch beim Discounter, das ist eine reine Einstellungssache des Kunden (& z.T. des Anbieters) und hat nichts mit Reichtum zu tun. Den Fleischkonsum hat Blackstar ja auch schon genannt.
Dass sich steigende Spritpreise schwer vermeiden lassen, um das Problem zu lösen, ist klar. Hier soll ja auch eine Verhaltensänderung befördert werden. Aber die Frage ist doch eher, was kann man den Leuten alternativ bieten: Also günstigen, guten, flexiblen ÖPNV (geht übrigens auch durchaus auf dem Land, ich komme da selber her), Sharing-Modelle für Autos oder Lastenräder, Prämien für neue E-Autos oder Heizungen, Steuersenkungen, z.B. für Obst/Gemüse/Grundnahrungsmittel oder andere Bereiche, in denen sozial Schwächere profitieren usw.
Da gibt es doch so viele Möglichkeiten. Dieses Klimaschutz-ist-sozial-ungerecht-Argument ist mir meistens viel zu vereinfachend. Zumal es ignoriert, dass der ökologische Fußabdruck mit dem Reichtum zunimmt. Wenn man also Umweltschädigungen konsequent bestraft, trifft das schon von der Logik her reichere Leute stärker als ärmere.

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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von dattelpalme » Mi 2. Okt 2019, 16:35

lirumlarum hat geschrieben:
Mi 2. Okt 2019, 16:04
Du machst da aber finde ich den Fehler, die Position einiger Aktivisten mit der Bewegung gleichzusetzen.
dattelpalme hat geschrieben:
Mi 2. Okt 2019, 11:23
Grundsätzlich sind mir viele Klimaakivist*innen aber auch zu kurzsichtig in vielen Punkten, wobei ich die Nuhr-Geschichte jetzt nicht richtig mitbekommen habe.
:?
lirumlarum hat geschrieben:
Mi 2. Okt 2019, 16:04
Und weniger Verpackungsmüll geht auch beim Discounter, das ist eine reine Einstellungssache des Kunden (& z.T. des Anbieters)
Das sehe ich anders bzw. vor allem "den Anbieter" in der Pflicht. Man könnte ja z.B. mal anfangen, Babybel nicht dreifach zu verpacken (als Beispiel). Wenn industriell weniger Verpackungen hergestellt werden, hat das doch einen viel größeren Effekt als wenn Einzelne keine Plastiktüten mehr kaufen. Ich hab auch nichts dagegen, wenn individuell auf so etwas geachtet wird, nur ist mein Eindruck, dass es sich hauptsächlich auf diesen individuellen Aspekt verschiebt, was der Sache und der Tragweite einfach nicht gerecht wird.
lirumlarum hat geschrieben:
Mi 2. Okt 2019, 16:04
Aber die Frage ist doch eher, was kann man den Leuten alternativ bieten: Also günstigen, guten, flexiblen ÖPNV (geht übrigens auch durchaus auf dem Land, ich komme da selber her), Sharing-Modelle für Autos oder Lastenräder, Prämien für neue E-Autos oder Heizungen, Steuersenkungen, z.B. für Obst/Gemüse/Grundnahrungsmittel oder andere Bereiche, in denen sozial Schwächere profitieren usw.
Sehe ich größtenteils auch so. Aber ich habe wie gesagt nicht das Gefühl, dass z.B. ein guter und günstiger ÖPNV im Zentrum der Debatte steht, sondern das individuelle Verhalten in den Vordergrund gerückt wird.
Dass E-Autos gar nicht mal so umweltfreundlich sind, hat sich ja nun auch schon herausgestellt.
Gleichzeitig darf bei allen klimafreundlichen Ideen auch niemals vergessen werden, wie und unter welchen Bedingungen diese umgesetzt werden (sollen), Stichwort Kongo.
lirumlarum hat geschrieben:
Mi 2. Okt 2019, 16:04
Wenn man also Umweltschädigungen konsequent bestraft, trifft das schon von der Logik her reichere Leute stärker als ärmere.
Das bezweifle ich. Dass der ökologische Fußdruck größer ist, liegt dann wohl am Konsumverhalten. Aber wenn Nahrungsmittel teurer werden, stört das doch wohl kaum Leute, die wirtschaftlich gut abgesichert sind.
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von slowdive » Mi 2. Okt 2019, 16:42

Stebbie hat geschrieben:
Mi 2. Okt 2019, 15:06
Der erste Link lässt sich nicht öffnen, aber die beiden anderen haben doch bestenfalls anekdotischen Wert. Daraus nun ein "viele Klimaaktivistinnen seien zu kurzsichtig" ableiten zu wollen ist dann doch selbst ziemlich kurzsichtig. Dass sich bei zigtausend Beteiligten Personen und Aussagen oder Handlungen finden, die möglicherweise etwas übers Ziel hinauschießen, ist doch nicht der Rede Wert. Da muss an nicht gleich mit "Der Welle" und Diktatur kommen, wie es der zweite Artikel tut (dessen einzige Quelle "der Sohn eine(s/r) Bekannten" ist).
Deinen letzten Satz ignoriere ich mal. Aber sonst ist das, was Dattelpalme sagt, doch absolut richtig: Kimaschutz als Problem des individuellen Konsums zu framen führt dazu, dass Leute, die aus weniger privilegiert kommenden Schichten nur schwer Wege zu Mitbeteiligung finden können bzw. Teilweise sogar noch darunter leider (würden). Dies zeigt sich in Forderungen nach Maßnahmen, die weder etwas bringen noch fair sind, wie z.B. einer Klimasteuer (eine wirklich komische Idee). Wenngleich diese Art der Argmentation natürlich – anders als du animmst – mehr als nur anekdotischen Wert besitzt, halte ich die Kritik in diese Richtung trotzdem eher für sekundär. Die jungen Kilmaaktivisten sind für mich gerade so fantastisch, weil ihr Protest im Gestus einer kindlichen Naivität daherkommt, die eben weder in der Ideologie des bürokratischen Prakmatismus, noch in einem prefektionistischen Pro-Seminar-Gestus verhaftet ist. Dass hier als Nebenprodukt auch einiges an "Unsinn" autritt, ist glaube ich unvermeidlich

Viel schlimmer ist da das individualistische Framing von anderer Seite. Hast du schon genau all deine Cola-Dosen recyclet? Nimmst du deinen eigenen Jutebeutel mit zum einkaufen? Fliegst du weniger? Oder eben: Greta isst ihren Joghurt auch aus Plastikbechern? Nicht nur, dass so jedlicher Protest auf dümmste Weise deletimiert wird, vielmehr ist die Ideologie hinter derlei Fragen am Ende doch nur die des Status Quo. Man gibt dem Individuum a) das Gefühl, Schuld an Problemen zu sein, die eigentlich Systembedingt sind und Maßnahmen auf einer viel höhreren Ebene erfordern würden und b) gleich die (natürlich) einfache Lösung für das daraus resultierende Gefühl der moralischen Schuld an die Hand: Trenn dein Müll, konsumieren die richtigen fair-trade Produkte, flieg nur zweimal, nicht dreimal in der Urlaub, schau dir vielleicht mal Wall-E an. Und alles ist wieder gut. Natürlich bringt als das überhaupt gar nichts, aber das sollte eigentlich jedem klar, der die Probleme tatächlich ernst nimmt. Das System produziert eine Krankkeit und predigt zugleich ihr Gegenmittel zu sein.

Klimasteuern, Verantwortung im eigenen Konsum, die richtigen Produkte kaufen, teurer Sprit, E-Autos, Fleich etwas teurer – alles Maßnahmen, die (abgesehen davon, dass sie primär die Unterschicht einschränken) mit der Hofffnung unterlegt sind, man könne, von kleineren Justierungen abgesehen, genauso weitermachen wie bisher. Schön, denn so muss die eigentlich längst notwendige (ökonomische) Systemfrage auf einer vollkommen anderen Ebene überhaupt nicht mehr gestelllt werden.

Dann doch lieber nichts tun und sehenden Auges in den Untergrund reiten. Vielleicht muss es tatsächlich erst zur Vollkatastrophe kommen, damit erkannt wird, dass die Maßnahmen nicht nur radikaler sein müssten, sondern eine Ebene zuvor bereits die aktuell gestellten Fragen vollkommen anders formuliert sein sollten. Eigentlich aber auch eine äußerst zynische, miese Alternative.


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