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Zeitgeschehen / Panorama

Von Spam bis Gott und die Welt
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Quadrophobia
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von Quadrophobia » Do 14. Feb 2019, 08:45

Stebbie hat geschrieben:Mal ein gutes Stück Recherchearbeit der TAZ mit dem Ergebnis, dass sich Dieter Köhler, der berüchtigte Kölner Lungenarzt aus der Debatte um die Grenzwerte, in seinem Beitrag in dem Ärzteblatt offenbar hart verrechnet hat: TAZ: Lungenarzt mit Rechenschwäche
Ein Schelm wer böses denkt :) Sagt auch wieder viel über rechte Medien, die sich aus ideologischer Geifer auf seine Position bezogen haben, auch wenn sie schon ohne Rechenfehler mehr als fragwürdig war.

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lirumlarum
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von lirumlarum » Do 14. Feb 2019, 09:51

Quadrophobia hat geschrieben:
Do 14. Feb 2019, 08:45
Stebbie hat geschrieben:Mal ein gutes Stück Recherchearbeit der TAZ mit dem Ergebnis, dass sich Dieter Köhler, der berüchtigte Kölner Lungenarzt aus der Debatte um die Grenzwerte, in seinem Beitrag in dem Ärzteblatt offenbar hart verrechnet hat: TAZ: Lungenarzt mit Rechenschwäche
Ein Schelm wer böses denkt :) Sagt auch wieder viel über rechte Medien, die sich aus ideologischer Geifer auf seine Position bezogen haben, auch wenn sie schon ohne Rechenfehler mehr als fragwürdig war.
Problem ist mMn hier, dass es eben nicht nur rechte Medien waren, sondern, dass jemand, der im Fachbereich noch nie peer-reviewed publiziert hat, als "Wissenschaftler" und "Experte" quer durch die öffentlich-rechtliche und allgemeine Medienlandschaft chauffiert wird - und das ziemlich unkritisch.
Dass man "Experten" eher glaubt, wenn sie die eigene Meinung vertreten, ist mMn auch kein rein rechtes Problem, das findet man in jeder ideologischen Strömung. Macht es natürlich nicht besser.

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Quadrophobia
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von Quadrophobia » Do 14. Feb 2019, 10:08

lirumlarum hat geschrieben:
Quadrophobia hat geschrieben:
Do 14. Feb 2019, 08:45
Stebbie hat geschrieben:Mal ein gutes Stück Recherchearbeit der TAZ mit dem Ergebnis, dass sich Dieter Köhler, der berüchtigte Kölner Lungenarzt aus der Debatte um die Grenzwerte, in seinem Beitrag in dem Ärzteblatt offenbar hart verrechnet hat: TAZ: Lungenarzt mit Rechenschwäche
Ein Schelm wer böses denkt :) Sagt auch wieder viel über rechte Medien, die sich aus ideologischer Geifer auf seine Position bezogen haben, auch wenn sie schon ohne Rechenfehler mehr als fragwürdig war.
Problem ist mMn hier, dass es eben nicht nur rechte Medien waren, sondern, dass jemand, der im Fachbereich noch nie peer-reviewed publiziert hat, als "Wissenschaftler" und "Experte" quer durch die öffentlich-rechtliche und allgemeine Medienlandschaft chauffiert wird - und das ziemlich unkritisch.
Dass man "Experten" eher glaubt, wenn sie die eigene Meinung vertreten, ist mMn auch kein rein rechtes Problem, das findet man in jeder ideologischen Strömung. Macht es natürlich nicht besser.
Es macht aber schon einen Unterschied, ob man wie die Tagesschau darüber berichtet, dass Menschen an etwas zweifeln, oder wie Bild und diverse Rechtsradikale Blogs, diese Behauptungen als Wahrheit anführt. Bei Zeit und SZ war bspw. schon frühzeitig zu lesen, dass diese Behauptungen keinen Wahrheitsgehalt haben.

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lirumlarum
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von lirumlarum » Do 14. Feb 2019, 10:27

Quadrophobia hat geschrieben:
Do 14. Feb 2019, 10:08
lirumlarum hat geschrieben:
Quadrophobia hat geschrieben:
Do 14. Feb 2019, 08:45
Ein Schelm wer böses denkt :) Sagt auch wieder viel über rechte Medien, die sich aus ideologischer Geifer auf seine Position bezogen haben, auch wenn sie schon ohne Rechenfehler mehr als fragwürdig war.
Problem ist mMn hier, dass es eben nicht nur rechte Medien waren, sondern, dass jemand, der im Fachbereich noch nie peer-reviewed publiziert hat, als "Wissenschaftler" und "Experte" quer durch die öffentlich-rechtliche und allgemeine Medienlandschaft chauffiert wird - und das ziemlich unkritisch.
Dass man "Experten" eher glaubt, wenn sie die eigene Meinung vertreten, ist mMn auch kein rein rechtes Problem, das findet man in jeder ideologischen Strömung. Macht es natürlich nicht besser.
Es macht aber schon einen Unterschied, ob man wie die Tagesschau darüber berichtet, dass Menschen an etwas zweifeln, oder wie Bild und diverse Rechtsradikale Blogs, diese Behauptungen als Wahrheit anführt. Bei Zeit und SZ war bspw. schon frühzeitig zu lesen, dass diese Behauptungen keinen Wahrheitsgehalt haben.
Grundsätzlich ja, bei den ÖR wurde aber eben auch nicht immer deutlich gemacht, dass es sich "nur" um einen Arzt handelt und nicht einen Wissenschaftler in diesem Fachgebiet. Was rechts damit gemacht wurde, ist natürlich nochmal ein anderes Level.

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Stebbie
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von Stebbie » Do 14. Feb 2019, 11:34

Auch Ärzte können Wissenschaftler sein, und ein Laie ist er nun auch nicht unbedingt, er kommt nur halt von einer anderen Seite und nicht genuin aus der Epidemiologie.

Mich stört jedoch generell (kleine Metadebatte) ein wenig die Art und Weise der öffentlich Diskursführung (in dem natürlich jeder ein Experte zu Stickoxiden und Grenzwerten ist und entsprechend starke Meinungen vertritt), die sich (fast schon hämisch) darauf stürzte, dass es ja nur 100 Ärzte (exkl. der, wie sich später herausstellte, Lobbyisten) und somit lediglich 3% der Mitglieder seien, die ihre Skepsis hinsichtlich der Grenzwerte ausdrückten. Dabei spielt es keinerlei Rolle wie viele Personen eine Position vertreten, sondern einzig deren Sinnhaftigkeit. Die Wissenschaftsgeschichte ist voll von Beispielen, in denen einzelne oder wenige Menschen Minderheitenpositionen gegen eine Orthodoxie vertreten haben, die sich später jedoch als korrekt herausstellten (gerade hier hat das Peer-Review-System seine zentrale Schwachstelle, da sie Orthodoxien zementiert). Da zeigt sich auch ein wenig die Naivität der Öffentlichkeit hinsichtlich der Wissenschaft und Forschung, gerade bei (ehemaligen) Studierenden, Journalisten und Publizisten, die immer wieder Defizite im Umgang mit oder Einordnung von Forschung an den Tag legen, obwohl sie nach außen hin immer Wissenschaft als Argument anführen. Wissenschaftsjournalismus ist immer wieder ein Ärgernis.

Damit will ich nicht sagen, dass ich Köhler und seinen Unterstützern zustimme - das könnte ich nicht, denn ich hab wirklich keine Ahnung vom Thema und bestenfalls eine absolut unreflektierte Laienmeinung -, aber es ist einfach so ein schönes Beispiel für eine wenig glückliche Diskursführung vieler Teilnehmer.

Dass man "Experten" eher glaubt, wenn sie die eigene Meinung vertreten, ist mMn auch kein rein rechtes Problem, das findet man in jeder ideologischen Strömung. Macht es natürlich nicht besser.
Jeder Experte, jeder Wissenschaftler hat eine Meinung zu seinem Fachgebiet - warum sollte man diesem kein Gehör schenken? Ganz im Gegenteil würde ich sagen, dass man viel mehr Plattformen schaffen sollte, wo Experten und Wissenschaftler ihre Meinungen kundgeben können. Das hat rein gar nichts mit irgendeiner Ideologie zu tun.
(c) 26.06.2006

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lirumlarum
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von lirumlarum » Do 14. Feb 2019, 11:59

Stebbie hat geschrieben:
Do 14. Feb 2019, 11:34
Die Wissenschaftsgeschichte ist voll von Beispielen, in denen einzelne oder wenige Menschen Minderheitenpositionen gegen eine Orthodoxie vertreten haben, die sich später jedoch als korrekt herausstellten (gerade hier hat das Peer-Review-System seine zentrale Schwachstelle, da sie Orthodoxien zementiert).
Jein, natürlich hat das Peer-Review-System seine Schwachstellen, aber grade im quantitativen Bereich ist die Datenauswertung/Methodik schon relativ gut kritisch überprüfbar - selbst wenn der Prüfer grundsätzlich die ähnliche Meinung vertritt. Einem guten Reviewer traue ich da schon eine kritische Distanz zu (klar gibt es Gegenbeispiele). Da finde ich es dann schon bedenklicher, wenn 100 Ärzte offensichtlich ungeprüft so einen Aufruf unterschreiben.
Dass man "Experten" eher glaubt, wenn sie die eigene Meinung vertreten, ist mMn auch kein rein rechtes Problem, das findet man in jeder ideologischen Strömung. Macht es natürlich nicht besser.
Jeder Experte, jeder Wissenschaftler hat eine Meinung zu seinem Fachgebiet - warum sollte man diesem kein Gehör schenken? Ganz im Gegenteil würde ich sagen, dass man viel mehr Plattformen schaffen sollte, wo Experten und Wissenschaftler ihre Meinungen kundgeben können. Das hat rein gar nichts mit irgendeiner Ideologie zu tun.
Natürlich sollte man der Meinung Gehör schenken, dazu sind Experten ja da (und in den meisten Politikbereichen passiert das ja auch recht geräuschlos). Aber die Meinung sollte halt auch fundiert begründet sein und nicht nur auf Aufmerksamkeitserregung (und Bloßstellung der Kollegen) ausgelegt sein, wie hier. Das finde ich problematisch. Das Experten mehr öffentliches Gehör finden, fände ich auch gut. Aber die Art von Köhler ist da halt nicht sehr förderlich.

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Tambourine-Man
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Re: Zeitgeschehen / Panorama

Beitrag von Tambourine-Man » Do 14. Feb 2019, 13:18

Stebbie hat geschrieben:
Do 14. Feb 2019, 11:34
Die Wissenschaftsgeschichte ist voll von Beispielen, in denen einzelne oder wenige Menschen Minderheitenpositionen gegen eine Orthodoxie vertreten haben, die sich später jedoch als korrekt herausstellten (gerade hier hat das Peer-Review-System seine zentrale Schwachstelle, da sie Orthodoxien zementiert). Da zeigt sich auch ein wenig die Naivität der Öffentlichkeit hinsichtlich der Wissenschaft und Forschung, gerade bei (ehemaligen) Studierenden, Journalisten und Publizisten, die immer wieder Defizite im Umgang mit oder Einordnung von Forschung an den Tag legen, obwohl sie nach außen hin immer Wissenschaft als Argument anführen. Wissenschaftsjournalismus ist immer wieder ein Ärgernis.
This.

Dass Forschung eben gerade darin besteht Thesen permanent zu hinterfragen bzw. erweitern, wird dabei oft vergessen. Forschung ist nunmal ein "Schlagabtausch", wo es eben mal in die eine und mal in die andere Richtung geht. Aber eben sehr, sehr zäh und langwierig. Dass echte "Durchbrüche" im Forschungsalltag eher die Seltenheit sind, kriegen "die Medien" schlecht rübergebracht. Man hat geradezu den Eindruck, dass es hier umgekehrt läuft wie bei den Peer-Reviews: Wenn eine Studie mal etwas konträres herausfindet, wird darüber überschwänglich berichtet (auch bei Themen, die für die öffentliche Debatte nicht so elementar sind wie jetzt die Grenzwert-Debatte). Unabhängig davon, dass alle anderen Studien zuvor eine andere Methodik/Samples/Variablen/Laufzeiten etc. beinhalteten - und deshalb auch nicht automatisch falsch sind. Dass es dann erst so richtig losgeht und die Forschung diesen Aspekt aufgreift, um eben das zu testen und überprüfen, fällt in den Berichten hinten rüber.
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