Rock en Seine 2026
Ich war zuletzt auf dem
Rock en Seine in Paris. Ich hatte alles in allem ne sehr gute Zeit, aber kann es tbh dennoch nur bedingt empfehlen. Es war mein drittes internationales Festival dieses Jahr und das dritte Festival im Monat August, also hab ich mir ordentlich gegönnt diesen Sommer. Demnach konnte ich auch die Schwächen des Festivals gut verkraften.
Ich dachte im Vorfeld, dass ich mich ein bisschen übernommen habe, mit Amplifire, dann direkt Way Out West, dann kleine Berlin Sidequest zu Deftones und dann weiter nach Paris zum Rock en Seine. Aber am Ende bin ich doch sehr froh, das gemacht zu haben.
Ich war nur mal als Kind in Paris und erinnere mich an wenig und bin komplett begeistert von dieser Stadt. Ist ja kein Geheimtipp, na klar, aber ich war nicht darauf vorbereitet,
wie schön diese Stadt ist. Ich bin gewohnt planlos da rein gegangen, habe das Hotel ausgesucht, weil es günstig war und lustig aussah. Lage wurde zwar gelobt und es war nah an der Seine, aber ich hatte keine Ahnung, was da so in der Nähe ist. Als ich dann einfach mal losgestapft bin, um was essen zu gehen, um dann random ungeplant vor Notre-Dame zu stehen, war wild. Überhaupt war die ganze Gegend mit seinen vielen Brücken und Bauten einfach nur krass. Habe mir dann die nächsten Tage viel Stuff angeguckt, war im Musée d'Orsay (in dem ich random auf
Marina Abramović getroffen bin und parallel mit ihr durch die Ausstellung gegangen bin, eine Story die ich ab jetzt jedem immer erzählen werde, sorry not sorry). Einfach toll. Außerdem musste ich täglich zu
Land&Monkeys gehen, eine komplett vegane Bäckerei-Kette, die mich komplett fertig gemacht hat. Natürlich die besten Croissants die ich je gegessen habe, aber auch ganz viel anderer wilder Stuff in vegan, das war der Himmel auf Erden für mich. An dem Punkt, als ich dann innerhalb von Paris näher ans Festival-Gelände umgezogen bin, haben die Füse literally schon gebluded, aber auch nix, was ein Blasenpflaster nicht regeln konnte.
Vor dem Festival hab ich noch geguckt, was sonst so in der Stadt ging, wollte gerne noch einen Club von innen sehen und bin dann auf eine gratis Show von
Michael Cera Palin im Supersonic gestoßen, die ganz grandios war. Richtig gute Band, stabile Ansagen, Moshpit ging sehr gut ab. Wenn die mal Support von PUP sind oder so, kann ich für nix garantieren.
Aber gehen wir mal rein ins Festival, wird ja schon wieder lang genug hier.
Tag 1 - Mittwoch
Der erste Tag war eigentlich der Hauptgrund für mich, dieses Festival zu besuchen. Eine ganze Menge der Artists hatte ich gerade erst gesehen, aber Tyler, the Creator ist mir zuletzt immer wieder durch die Lappen gegangen. Diesen Tag wollte ich ganz entspannt angehen und mir erstmal alles angucken auf dem Gelände, um dann irgendwann zu Tyler nach vorne. Dennoch war ich beim ersten act am Start,
Miki, eine französische Pop-Künstlerin. War ganz spaßig, aber mir ist hier direkt was aufgefallen: Das Publikum bewegt sich nicht. Größtenteils wirklich gar nicht, es wird sehr wenig getanzt und häufig nichtmal mit dem Kopf genickt oder so. Ich dachte mir aber, na gut, ist ja auch erst der erste Act. Dennoch hat sie das Publikum dann tatsächlich zu einem Circle Pit motivieren können und diesen traurigsten Pit der Welt kann man sich nun auch
auf Instagram anschauen.
Bin dann so über das Gelände geschlendert, es ist recht klein aber sehr länglich, das heißt die Bühnen sind teils trotzdem weit auseinander, zwischen der Hauptbühne und den kleinsten Bühnen ist man gemütlich schonmal 15 Minuten unterwegs, was natürlich unpraktisch ist, da es in den meisten Fällen gar keine Pausen zwischen den Acts gibt. Das war ohnehin krass, dass man zwischen den Bühnen, die – abgesehen von den beiden kleinsten – wirklich alle recht weit auseinander waren, fast nie Pausen zwischen den Acts hatte. Der letzte Ton war an der einen Bühne gespielt, da ging es an der anderen los. Fünf bis zehn Minuten Ruhe zwischen Konzerten sind schon was wert, habe ich gemerkt. Da hat man sich teilweise ein wenig gefreut, wenn Bands nicht komplett ihre Spielzeit ausgenutzt haben.
An sich ist das Gelände ein Park, aber Ende August lassen die Bäume hier die ersten Blätter und auch der Rasen ist eher Stroh, also sehr schön ist das Gelände nicht. Dennoch gibt es natürlich dann auch hier schöne Statuen auf dem Festivalgelände zu betrachten, dit is Paris, wa. Aber ich glaube mit ein bisschen Lichtspielereien könnte man das Festival noch deutlich ansprechender gestalten. Auch hier tragen die Bühnen Namen von großen Sponsoren, direkt am Eingang gab es einfach einen Stand wo man ne Volkswagen Currywurst bekommen konnte. Sehr viele Stände wieder, wo man irgendwas machen konnte, Karaoke zB, wurde auch wieder viel angenommen.
Ich habe mir dann ein paar Acts noch so am Rande angeschaut,
Ravyn Lenae und
Magi Merlin, beide haben mich nicht so richtig abgeholt, aber ich hatte auch keine großen Erwartungen, heute abgesehen von Tyler ein Highlight zu sehen. Musste mir dann vor Tyler
Sombr angucken und das war erwartbar scheiße. Sombr einfach Kackmusik, sorry.
Na ja, dann ging ein bisschen das Gedränge los für
Tyler, the Creator und ich dachte mir, wenn Tyler losgeht, wird das hier ja eh mit dem ersten Ton nochmal wild neu durchgewürfelt. Falsch gedacht. Mit dem ersten Ton gingen erstmal alle Handys hoch und haben fast den ganzen Song mitgefilmt. Das hat sich so ziemlich durch das ganze Set gezogen. Bei jedem Song Euphorie über diesen Song, dann Handy hoch und Filmen, dabei natürlich nicht bewegen. Es wurde vereinzelt gehüpft, aber so ein Trauerspiel habe ich glaube ich noch nicht erlebt.
Tyler hat dabei ne gewohnt krasse Show geliefert, das war musikalisch mal wieder richtig geil. Und die Crowd war heftigst textsicher, aber diese Unbeweglichkeit war komplett skurril. "St. Chroma" hat einen der heftigsten Drops direkt zu Beginn und von dem Publikum kommt: nichts. Der Dude vor mir hat seine Freundin hochgehoben, damit sie was sieht. Guess what, sie hatte dabei ihr fucking Handy direkt vor dem Gesicht. Ich bin normalerweise niemand, der sich darüber aufregt, mache auch immer meine paar Fotos und ab und zu ein Video, aber das war next Level. Jede Ansage wurde mitgefilmt, die Leute haben sich natürlich selbst gefilmt, Snaps gemacht, most documented Event in History. Irgendwann hat sich in der Ferne dann doch noch ein Pit abgezeichnet, als ich mich zu dem dann vorkämpfen konnte, war der Spaß auch schon fast wieder vorbei. Da wurde dann irgendwann noch ein Pit gestartet, der zweittraurigste des Abends, der aber dann schnell wieder unterbrochen wurde, weil irgendwer was verloren hat. Wahrscheinlich ein Handy.
Eine absolut weirde Sache, die das französische Publikum außerdem immer wieder gemacht hat, war zwischen den Songs die Seven Nation Army Melodie anzustimmen, wie in einem fucking Fußballstadion. Hab ich überhaupt nicht gecheckt. "Chromakopia" hätte man ja auch chanten können, aber na ja. Das kam über das Wochenende immer mal wieder vor, aber zum Glück auch nicht durchgehend. Tyler hat dann immer inne gehalten und das unkommentiert gelassen, aber ich hatte das Gefühl, er fand das evtl auch n bisschen weird.
Tylers Setlist zeigt, dass er mittlerweile so einen krassen Katalog hat, dass er den Part, wo er ausgewählte "alte Songs" nur anspielt, dann Songs von Flower Boy oder Igor kommen. Der älteste Song war "She" von Goblin, also auch sowas wie "Yonkers", das er vor ein paar Jahren noch angespielt hat, ist rausgefallen. Aber so gut das alles war, mit dem Publikum war es leider recht ernüchternd. Bin ein bisschen perplex nach Hause gegangen und hatte die Hoffnung, dass der nächste Tag besser wird, bei Lorde erwarte ich ja auch keinen Moshpit.
Tag 2 - Donnerstag
Der Wetterbericht hat ab diesem Tag für den Rest des Festivals nichts Gutes versprochen, es war quasi Dauerregen angesagt. Also Regenponcho eingepackt und los, ich wollte auf jeden Fall direkt den ersten Act erwischen, Florence Road. Das Festival hat für mich sehr humane Zeiten, es geht nachmittags gegen 15 Uhr los und dann nie viel länger als Mitternacht. Das heißt ich konnte immer vor dem Festival noch ein bisschen Paris erkunden, weil die Festivaltage nie so körperlich anstrengend waren wie zB beim Primavera, wo es bis spät in die Nacht geht.
Florence Road waren dann sehr entspannt, ein guter Start. Ist nicht die außergewöhnlichste Musik, aber sie machen ihre Sache eben sehr gut, finde man kann sich die immer geben. Danach
@Norakete getroffen und zusammen zu
Changeline ans andere Ende des Festivals gegangen. Das war sehr cool, Hyperpop/Rap-Geballer aus Frankreich, sehr skurril und sehr politisch, hat Spaß gemacht. Danach kam dann ein krasser Regenschauer und es hat sich gezeigt, dass dieses Gelände so eines ist, das direkt matschig wird. Also würde ich Gummistiefel brauchen für die nächsten Tage. Zum Glück blieb es heute dennoch immer nur bei vereinzelten Schauern. Ich bin dann in der Gegend geblieben, während Nora schonmal in Richtung Hauptbühne gegangen ist, weil da hat ja irgendwann noch Lorde gespielt.
Ich wollte erst noch was essen und dann auf jeden Fall Wednesday sehen.
Die Essenssituation war ein bisschen verwirrend. Wie es auf Festivals immer üblicher wird, wird auch hier auf ein vermehrt auf ein vegetarisch/veganes Angebot gesetzt, es gab dabei extrem viel vegetarisches, das Festival verspricht 50% vegetarisch, gefühlt war es mehr. Der Hot Dog (!) Stand hatte glaube ich kein Fleisch, wenn ich das richtig gesehen habe. Und so gern ich das sehe, in dem Fall hat es das aber leider mal wieder nicht einfacher gemacht, wenn man vegan ist. Nicht ein einziges Mal habe ich gesehen, dass darauf hingewiesen wurde, dass ausdrücklich was vegan ist. Demnach musste ich auch davon ausgehen, dass die Leute, die das verkaufen, das womöglich auch nicht wissen. Also habe ich möglichst alles gemieden, was irgendwie Käse oder gewisse Saucen haben könnte, am sichersten sind dabei immer Küchen aus Asien, die ja wenig mit sowas arbeiten. Na ja gut. (Essen war natürlich auch noch sehr teuer, aber immerhin bin ich jedes Mal von einer Mahlzeit auch ordentlich satt geworden und es war auch nicht so schlecht wie beim Way Out West)
Anyway,
Wednesday waren dann wie immer richtig gut, einfach eine tolle Live-Band. Hier kam auch nochmal ein ordentlicher Schauer runter, aber das hat gar nicht gestört. Und siehe da: Ein Moshpit! Am Ende vom Set kam Bewegung einer Handvoll Leute rein, womit sich dann etwas abzeichnete für die nächsten Tage: auch hier auf diesem Festival lässt es sich an den kleinen Bühnen besser aushalten und es gibt mehr Potential für eine Crowd, in der man sich bewegen kann. War auf jeden Fall nice, die Band zeigte sich dankbar, dass die Leute trotz Wetter am Start geblieben sind. Es gab auch durchgehend recht viele politische Ansagen auf diesem Festival, die sich gegen den Rechtsruck richten, viel gegen das Regime in den USA und Solidarität mit Palästina.
Dann ging es für mich zurück an die Hauptbühne wo gerade Djo angefangen hat. Ich versuche bei solchen Bühnen immer gerne den einen Hack zu finden, wie man irgendwie nach vorne kommt. Bei dieser Hauptbühne war das recht schwer. Die Bühne ist nicht von den Seiten erreichbar, nur von hinten. Auf der rechten Seite wird sie schmaler, weil da der VIP Bereich ist, auf der linken Seite ergibt sich hinten ein Engpass, weil da eine Tribüne ist für Menschen mit Behinderungen und VIPs. Vor der Tribüne ist es dann aber idR luftig. Das bedeutet allerdings, dass man wirklich nur durchkommt, wenn man sich einmal unangenehm durchzwängt. Am besten schließt man sich einem Zug aus Leuten an, die irgendeine Mission haben, (wieder) nach vorne zu kommen. Getränke holen oder Klo oder so, denn an der Bühne gibt es beides nicht. Leider gestaltet sich das natürlich immer noch etwas schwieriger bei einer Masse die sich so gut wie gar nicht bewegt und nicht tanzt.
Hier habe ich dann meine einzigen unangenehmen Momente mit dem Publikum erlebt, die Leute waren teils hammer pissed, dass hier noch Leute durch wollten, obwohl es wie gesagt noch luftig war. Einmal übel auf französisch angeschnauzt worden, weil ich an einer Person vorbei wollte. Und ich verstehe auch, dass es nervig ist, wenn Leute sich ständig an einem vorbei zwängen. Aber es kann auch nicht die Erwartungshaltung sein, dass hinter dir jetzt die Crowd dicht gemacht wird, weil du da stehst, obwohl vor dir noch ne Menge Platz ist. Na ja, wie gesagt, war die einzige unangenehme Situation.
Djo war dann entspannt, nicht weltbewegend, aber ich find die Musik macht schon Laune, ist eingängig und spaßig. Kann man sich mal geben. Aber ich wollte ja eigentlich vor allem zu Lorde nach vorne und hab dann den Strom der Leute genutzt, die nach Djo raus wollten und das hat gut funktioniert. Vor der Hauptbühne haben sich nun einige große und auch recht tiefe Pfützen gebildet, die auch nicht absickerten. Das hat natürlich die Menge ein bisschen eingeschränkt, aber teilweise war es den Leuten auch einfach egal und sie haben sich ohne Gummistiefel in diese Pfützen gestellt, die so tief waren, dass ihre Schuhe komplett unter Wasser waren.
Meine Erwartungshaltung vor
Lorde war, dass wieder abnormal viel gefilmt wird, wenig getanzt, aber viel mitgesungen. Und es wurde nicht ansatzweise so viel gefilmt. Zwar immer noch recht viel, aber ich würde sagen noch recht normal für einen Pop-Act. Das war beim Rest des Festivals nie wieder so extrem wie bei Tyler. Aber getanzt wurde wirklich wenig und gesungen auch weniger als ich erwartet hatte. Dennoch, Lorde war wie immer ein Highlight.
Es war weitestgehend die gleiche Show wie beim Way Out West, sie hatte nur einen etwas längeren Slot. Das heißt hier gab es noch "Hard Feelings" und "Oceanic Feeling", war wieder wirklich schön. Selbst bei den musikalischen Höhepunkten kam vergleichsweise wenig Stimmung auf, aber immerhin halt wieder die Seven Nation Army Melodie for some reason. An einer Stelle meinte Lorde "Paris, I can hear you Sing, but can you Dance?!", und turns out, Paris can't dance. Ich fand es dennoch richtig schön und konnte dann nach dem Konzert Nora wieder finden und wir konnten gemeinsam schwärmend gen Ausgang und Tram gehen.
Tag 3 - Freitag
Für Tag 3 hatte ich mir eine Mission vorgenommen: Hauptbühne weitestgehend meiden. Eher den kleinen französischen Act sehen als irgendwas, was ich eh gerade schon auf anderen Festivals mitgenommen habe. Die andere Mission waren aber erstmal Gummistiefel, die ich mir im nächsten Decathlon gekauft habe, weil meine Wetter-App mir wieder den ganzen Tag Regen prophezeit hat. Das war eine dreiste Lüge, es hat durchgehend die Sonne geschienen und ich habe in den Dingern nur geschwitzt, matschig war es auch nicht mehr. Tja nun.
Mein Plan war den ersten Act auszulassen um direkt zu CMAT an die Hauptbühne vorzudringen, als einzige Ausnahme. Aber die mussten kurzfristig canceln. Also bin ich bei den kleinen Bühnen geblieben und doch zum ersten Act,
Billie, französische Pop-Sängerin, das hat schonmal Laune gemacht und es gab ein Kate Bush Cover, war ganz nice.
Gabriel Kröger danach war auch okay, französischer, beatlastiger Folk in die Punk-Richtung. Hat mich dann aber nicht so richtig da behalten und ich bin n bisschen rumgelaufen, das was ich zum Ende gehört hatte, klang dann aber noch etwas geiler.
Da ich Biffy Clyro gerade erst gesehen hatte, habe ich mich auch hier gegen die zweitgrößte Bühne und für eine der kleineren entschieden. Und das war eine sehr gute Entscheidung. Hier haben
Sarāb gespielt und das war das erste Highlight des Tages. Das war zwar im weitesten Sinne Prog-Rock, aber solcher, der halt geil ist. Quasi die syrisch-französische Antwort auf The Mars Volta. Das hat richtig gebockt. Die haben eine richtig tolle Spielfreude auf die Bühne gebracht, was sich natürlich nicht so richtig aufs unbewegliche Publikum ausgewirkt hat. Ein Gedanke, den ich an diesem Tag öfters hatte: ein Primavera-Publikum hätte zu dieser Band in einem der Clubs oder auf der kleinsten Bühne alles auseinander genommen ohne die Band und die Sprache zu kennen. Aber hier: nichts. Nun gut, einziger Wermutstropfen, war trotzdem geil, ich hoffe ich sehe die nochmal wieder.
Danach bin ich dann doch einmal abgewichen und zur Mainstage rüber, ich hatte Bock auf
Wet Leg. Easy recht weit nach vorne gekommen und ne richtig gute Zeit gehabt. Mag die Band einfach sehr gerne, die haben einfach einen Haufen guter Songs, die sie immer wieder mit einem super Sound rüber bringen. Auch hier wieder keine Bewegung im Publikum, aber war egal. Auf der Bühne stand auch eine Frau, die die Lyrics in Gebärden übersetzt hat, we love to see it. Das sollte aber auch mein einziger Ausflug zur Hauptbühne bleiben.
Bei Sparks war es schon krass voll, wäre aber womöglich die bessere Entscheidung gewesen, weil das ganz witzig klang, ich bin aber zu
Kurt Vile & The Violators gegangen. Noch nie gesehen. An sich hat die Musik in der Abendsonne ganz gut funktioniert und war sehr entspannt. Aber ich kann einfach nicht mehr mit diesem hingenuschelten männlichen Slackertum. Sorry, dass du auf dieser Bühne stehen musst. Super Gag, dass du dich bei der Crew bedankst, aber deren Namen nicht kennst. You go Boy, give us nothing. Was für eine langweilige Scheiße im Endeffekt. Ich bin gegangen und hab das eher zur Hintergrundmusik werden lassen, wollte was essen, aber überall war es voll.
Als ich mich wo angestellt hatte, ging neben mir gerade
La Flemme los, eine französische Punk-Band und ich habe sie erst nur gehört und nicht zur Bühne geguckt und dachte - naiv wie ich bin - man, das geht ja ganz gut nach vorne, vor der Bühne muss es ja abgehen. Well, wirklich wieder so eine Formation aus Statuen vor der Bühne. So unbeweglich, dass es witzig war. Nachdem mir dann nach einer Viertelstunde anstehen mitgeteilt wurde, dass sie nur noch Fleisch haben, ohne das irgendwo dranzuschreiben, bin ich etwas angefressen vor die Bühne, wo sich nun tatsächlich etwas tat.
Der Gitarrist gab seine Gitarre an eine Frau im Publikum ab und ging selbst dorthin, um die Menge zu einer Wall Of Death zu motivieren und.. das hat dann plötzlich funktioniert! Das war eine weitere Erkenntnis: Wenn die Band es eingefordert hat, ging es dann und die Leute hatten auch Bock. Hätte Tyler vielleicht auch mal machen sollen. Daraufhin gab es durchgehend einen Moshpit, gefühlt sind das immer die potenziell gefährlichsten: von wenigen Leuten, die das nicht so oft machen. Natürlich direkt ein Handy gefunden, das durch die Luft gewedelt ohne Erfolg, also kurz beim Lost & Found abgegeben und zurück in den Pit. (konnte die Verliererin dann am Ende ausfindig machen und sie dahin schicken) Das war echt nicht die spannendste Musik, aber hat richtig Spaß gemacht und endlich hat sich mal was getan.
Ich bin weiter in der Region der kleineren Bühnen zu
Wilco geblieben, hab endlich was zu essen gefunden und mich dann gemütlich ohne Probleme nach vorne begeben. Das war überraschend gut. Könnte auch so Slacker-mäßig rübergebracht werden, aber die älteren Herren auf der Bühne haben sich doch für das zugeknöpfte Jeanshemd entschieden und eine angenehme Energie auf die Bühne gebracht. War cool, hab vergessen, dass ich die sogar mal ne zeitlang gehört habe.
Danach kam ne kontroverse Entscheidung, ich hab mich gegen Nick Cave entschieden, aber keine zehn Pferde hätten mich gerade zur Hauptbühne motivieren können, egal wie bright oder zimtig die sind. Nick Cave geht zwar immer und ist immer gut, aber ich hab ihn ja auch gerade erst gesehen. Stattdessen gab es
ttssfu, die ich aber auch wirklich gern sehen wollte. Relativ düsterer shoegazey Pop, ich hatte hier ein bisschen mit moody Stimmung und Resting Bitch Face gerechnet, was natürlich voll okay gewesen wäre, aber die Sängerin war durchgehend am lächeln, hatte ne richtig gute Zeit, hat einige Ansagen gemacht und sich auch einmal ins Publikum begeben, um dieses (erfolglos) zu motivieren. Das hat es dann zum Ende selbst hinbekommen, hier gab es wieder einen kleinen Moshpit. Es wird! Leider hat ttssfu sage und schreibe 20 Minuten zu früh aufgehört. Sie wollte wahrscheinlich selbst zu Nick Cave, dem sie einen Song gewidmet hat, in dem es darum geht, dass man einen Crush hat. Wünsche ihr viel Erfolg damit, würde ich mir wieder angucken.
Peaches danach war ein würdiger Abschluss für den Tag. Ich hab sie jetzt schon recht oft verpasst und tatsächlich noch nie gesehen, hätte ich vielleicht mal früher hingehen sollen. Meine Erwartungshaltung war immer, dass das weniger Konzert als Kunstinstallation ist, aber es ist beides. Der Mut zur Hässlichkeit und Goofyness, gepaart mit feministischen und politischen Messages und dann noch einer Musik, die gut nach vorne geht, hat mich 100% abgeholt. Es war witzig, schön, hässlich und richtig gut tanzbar, das fand diesmal selbst das Pariser Publikum. Auch, wenn das woanders sicher noch viel krasser gewesen wäre, hat man hier sehr schön miterleben können, wie die Crowd langsam auftaut. Es gab mehr Kostümwechsel als auf ner Pop-Show, aber eben immer ins Groteske neigend oder einfach weniger Klamotten als vorher. Ging richtig gut nach vorne, damit ging der Tag ganz gelungen zu Ende, ich war recht zufrieden und hatte das Gefühl, das Beste draus gemacht zu haben.
Tag 4 - Samstag
Es ist Samstag und da gibt es in Paris was? Richtig, auf die Fresse. An diesem Tag wurde das Publikum einmal komplett ausgetauscht anscheinend und die Leute hatten richtig Bock. Ich frag mich ein bisschen, ob das eine bewusste Entscheidung war, diesen Samstag zum härtesten Tag zu machen. Die Ausrichtung des Tages legte nahe, dass hier mehr gehen könnte, aber damit gerechnet habe ich nach den letzten Tagen nicht. Diesmal fing der Starkregen vor dem Festival an, also wusste ich immerhin, dass ich heute die Gummistiefel durchaus gut gebrauchen könnte - beste Entscheidung ever.
Ich kam etwas zu spät zu
Mannequin Pussy an der Hauptbühne, aber das war schonmal ein sehr guter Start. Ging richtig gut nach vorne, hammer stabile Ansagen, richtig gute Band. Hier bin ich noch nicht vorne reingegangen, aber man hat heute schon gesehen: Da geht mehr als die letzten Tage. Danach bin ich hier geblieben für
Lambrini Girls. Vor der Bühne hat sich schon eine ordentlich matschige Landschaft gebildet und die Band hat keine Kompromisse gemacht. Noch bevor das Konzert richtig losging wurde schon die Menge gespalten, danach durchgehend der härteste Moshpit bis jetzt. Das war wild, Crowd wirklich einmal wie ausgetauscht. Auch hier stabile Ansagen, früh im Set haben sie hinter sich einmal riesig "Fuck Marine Le Pen" eingeblendet und das bis zum Ende stehen lassen. Ansagen gegen den Faschismus, für Community und für trans Personen. Seven Nation Army gab es hier heute den ganzen Tag nicht, stattdessen antifaschistische Gesänge. War großartig.
Danach musste ich erstmal durchschnaufen, Gummistiefel und Hosenbeine komplett matschig, ich hab mich gefühlt wie auf nem Hurricane zu Abi-Zeiten. Erstmal was essen, im Hintergrund liefen Dynamite Shakers, habe ich aber nicht allzu viel von mitbekommen. Danach kamen
Man/Woman/Chainsaw, Forumsband der Stunde so ein bisschen. Fand ich auch tatsächlich sehr gut, erwartbar gute Liveband. Sehr viele Menschen auf der Bühne, Highlight waren die Geigerin und die Keyboarderin, die nicht immer was zu tun hatten und deshalb übel selbst zur Musik abgegangen sind, war spaßig zu sehen. Publikum natürlich hier wieder verhalten, aber die muss ich nochmal im Club sehen. Finde manche Songs immer noch deutlich besser als andere, aber gute Band. "Nosedive" in der Abendsonne zum Abschluss kam besonders gut.
Danach mal wieder
High Vis. Mittlerweile ja schon echt oft gesehen und ich habe auch schon beim Amplifire eine Show gesehen, wo so gut wie gar nicht gemosht wurde, das war auch hier meine Befürchtung. Dennoch musste ich hin und was soll ich sagen. Das war der wohl härteste Auftritt, den ich bisher von denen gesehen habe, das war richtig heftig, was da abging. Komplettes Chaos im Pit, der Sänger hatte diese überraschte Freude ins Gesicht geschrieben, ich wahrscheinlich auch, we love to see it. Nach Bremen für mich die zweitbeste Show der Band bisher.
Danach wieder durchschnaufen zu
Grandma's Ashes, eine französische "Stoner, grunge, nu-metal, gothic rock, industrial, progressive rock"-Band laut App und irgendwie war das tatsächlich alles ein bisschen drin. Hat mich jetzt nicht umgehauen, aber cooler Slot für so eine junge französische Band, war an sich schon cool und würde ich mir auch wieder angucken. Ich bin aber ein bisschen früher gegangen, um mich vorne bei
Turnstile zu platzieren, der heutige Tag hat ja nur geliefert. Und ja, auch hier war der Pit wieder richtig mächtig und wild. Die Leute hatten richtig Bock. Habe auch die ja erst eine Woche vorher gesehen und auch eh nicht zu knapp in letzter Zeit. Aber diesmal haben sie zu meiner Überraschung die Setlist abgeändert, was gut funktioniert hat. Der zuletzt typische Closer "Birds" kam direkt als Opener statt "Never Enough", danach ging es direkt in "Real Thing" von Time & Space rein. Sonst natürlich dominiert natürlich von den letzten beiden Alben, aber es war auch noch Zeit für zwei weitere Songs aus der Zeit davor, "Drop" und "I don't wanna be blind". "Never Enough" kam dann als vorletztes und als letztes "TLC". Hat für mich alles sehr gut funktioniert.
Das Gute ist, dass nach "TLC" nicht direkt der Strom der Leute zur Hauptbühne losging, weil noch so atmosphärischer Sound in der Luft lag und noch für einen Song Zeit gewesen wäre, aber ich wusste, da kommt nix mehr. Also konnte ich relativ entspannt zu
Deftones rüber und mich noch recht gut links hinten vor der Tribüne platzieren. Ich wusste hier geht wieder nicht so viel, aber das war in dem Fall egal. Fands wieder richtig gut, aber war jetzt auch schon das dritte Mal, dass ich genau diese Show gesehen habe. Die liefern aktuell einfach ab. Die Berlin Show vor zwei Wochen war die zweitbeste, die ich von denen je gesehen habe, da kommt nicht viel ran, aber hat mir dennoch viel Spaß gemacht. Da auch Deftones ein wenig früher aufgehört haben, konnte ich noch den letzten Song von
Fcukers mitnehmen, "Bon Bon", der geht natürlich auch immer, hierzu nochmal das sogenannte Tanzbein geschwungen und damit nochmal dem Euphorielevel die Krone aufgesetzt. Dieser Tag hat alles nochmal rausgerissen, das hatte ich nicht erwartet. Ich hab ganz beseelt das Gelände verlassen.
Alles in Allem ein durchwachsenes Festival-Erlebnis, die Crowd hier ist einfach hammer weird und auch das Gelände teils n bisschen schwierig. Dennoch sehr gute Sachen gesehen und ich mochte, dass ich auch so viele französische Acts gesehen habe. Ich mag an dem Festival, dass die Tage sehr stark stilistisch aufgeteilt sind. Da kann man sich auch mal einen Tag rauspicken und das mit einem Paris-Urlaub verbinden, weil die Stadt war für mich das heimliche Highlight. Das war am Ende dann doch einfach ein richtig schöner Urlaub. Ich war auch recht froh, den ebenfalls gut besetzten Sonntag nicht mitgenommen zu haben, das wäre mir zu viel gewesen und wäre wahrscheinlich für mich auch nicht gegen den Samstag angekommen. Hätte nur einen Tag zum Durchschnaufen gebraucht, für mich ging es direkt am Sonntag mit dem Zug zurück nach Hamburg.
Highlights:
Lambrini Girls
High vis
Sarāb
Turnstile
Lorde
Hallo wie geht willkommen in meiner Signatur. Lass dir hier bitte richtig gut gehen einfach, Käffchen für dich