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Der Konzertbesuchsthread

Konzerte, Platten & Musik im TV
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ThomZorke
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von ThomZorke » Sa 29. Nov 2025, 01:44

Ich war am Montag bei Radiohead in London. Mein letztes Konzert von ihnen war 2017 auf dem Glastonbury Festival. Der Abend damals fühlte sich ein bisschen wie ein runder Abschluss an. A Moon Shaped Pool war in den Setlisten bereits in den Hintergrund gerückt, stattdessen gab es ein Best Of ihrer gesamten Diskographie (über Pablo Honey reden wir nicht). Über 7 Jahre war es still um die Band und es hätte mich nicht gewundert, wenn es das gewesen wäre.

Laut Interview mit Ed O’Brien aus dem Oktober war meine Einschätzung gar nicht so falsch, denn er hatte mit der Band abgeschlossen. Doch vor ein paar Monaten fing es an zu rumoren in den Gerüchteküchen der Fan-Foren. Scheinbar hatte die Band nach der längsten Pause ihrer Karriere wieder zueinandergefunden. Die Spekulationen waren so konkret, dass Fans bereits vor der offiziellen Ankündigung im September Hotels buchten. Fünf Städte, jeweils vier Shows. Da ich ziemliches Glück im Vorverkauf für die Shows in Berlin hatte, wollte ich auf andere Städte verzichten. Als sich in einem der Fan-Foren eine Chance für London aufgetan hatte, habe ich doch zugeschlagen.

Nach Tourstart war ich allerdings skeptisch. Kein neues Material, für Radiohead verhältnismäßig wenig Varianz zwischen den Shows. Diskussionen rund um das Thema Legacy Band gingen los. Einerseits freute ich mich, dass es nach 8 Jahren endlich wieder soweit ist, andererseits hatte ich wenig Lust auf eine halbgare Reunion Show.

Am Ende wurde ein verlängertes UK-Wochenende mit Besuch in Oxford daraus. Dort findet noch bis Anfang Januar die Ausstellung This Is What You Get im Ashmolean Museum statt. Mit Original-Artworks, Skizzen und weiterem Material wird die visuelle Welt von Radiohead rund um Stanley Donwood und Thom Yorke ausgeleuchtet. Für Fans eine schöne Sache, die Originale der Albencover zu sehen. Ob man ohne Bezug zur Band viel Spaß an der Ausstellung hat, kann ich nicht beurteilen. Zur Einstimmung hat es mir jedenfalls geholfen.

Langsam kam ich also in Stimmung und die Atmosphäre rund um The O2 ließ die Vorfreude weiter steigen. Es gab einen Merch Shop, der bereits tagsüber offen hatte und überall um die Location hingen Plakate und Banner mit Artwork und Lyrics. Dann ging alles schnell. Noch kurz ein Cider mit den Foren-User:innen getrunken, aber da es keinen Support gab, legten Radiohead direkt um 20:30 Uhr los.

Die Bühne in der Mitte der Arena war ein 12-eckiges Konstrukt mit 12 transparenten Leinwand-Panels. Den ersten Song spielte die Band komplett dahinter und war von schön diffusen Visuals umhüllt. Erst danach lüfteten sich die Panels wie ein Vorhang und bewegten sich den Rest des Konzerts auf und ab.

Zum Start gab es einen ungewöhnlichen Opener. Planet Telex war dennoch eine hervorragende Wahl, denn zusammen mit 2 + 2 = 5 und Sit Down. Stand Up war der Start ins Set schön wuchtig. Meine Sorgen rund um die Shows waren schnell verflogen, denn ich war baff, wie druckvoll die Band klang. Die Freudentränen kamen schnell und konnten spätestens bei Lucky nicht mehr zurückgehalten werden.

Perfekt für mich: Es sollte das In Rainbows-lastigste Konzert der Tour werden. 6 Songs gab es zu hören und so kam ich allein in der ersten Konzerthälfte in den Genuss von 15 Step, Videotape und Weird Fishes/Arpeggi. Mir kam schnell eine Frage auf, die ich bis heute nicht ganz beantworten kann: Hab ich vergessen, wie gut die Band live klingt oder habe ich sie noch nie so gut gehört?

Ich tendiere fast zu Letzterem. Viele Songs haben leicht veränderte Arrangements verpasst bekommen, die eine starke Wirkung hatten. Grund dafür könnte ihr neuer zweiter Drummer, Chris Vatalaro, sein. So hört man in manchen Songs noch einen zusätzlichen Synthie oder gar ein bisschen Flötenspiel.

Bei einer derart vielfältigen Diskographie frage ich mich oft, wie man einen roten Faden hinkriegt, aber es hat funktioniert. Mit No Surprises, dem wunderschönen Daydreaming oder Let Down gab es immer wieder Verschnaufpausen, bevor mit The National Anthem oder Bodysnatchers das Tempo wieder angezogen wurde. Die Stimmung war das ganze Konzert über fantastisch. Die Leute wussten in den richtigen Momenten ihre Klappe zu halten, aber haben ordentlich laut mitgesungen, wenn es der Song hergab.

Das Main Set verging also wie im Fluge, doch die Zugabe sollte es in sich haben. Fake Plastic Trees war ein riesiger Singalong, aber die größte Überraschung für mich folgte darauf mit Jigsaw Falling Into Place. Die komplette Halle war am Ausrasten. Alle am Tanzen, Singen und Jubeln. Der Song entwickelte einen hypnotischen Sog. Es ist vermutlich mein Lieblingssong von ihnen, aber ich hätte nicht mit so einer heftigen Publikumsreaktion gerechnet. Gänsehaut von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Die Stimmung blieb für die restliche Zugabe ähnlich euphorisch. Paranoid Android, All I Need, You And Whose Army?, Just und Karma Police bildeten den Abschluss des Konzerts.

Meine Sorge um das Konzert war somit unbegründet. Das war vielleicht der beste Konzertabend meines Lebens, denn es hat einfach alles gepasst. Eine unglaublich tighte Band voll Spielfreude, die intensive Stimmung und eine nahezu perfekte Setlist. Die Vorfreude auf die Berlin Shows ist nach dem ersten Konzert enorm.

Wie es nach der Tour weitergeht, ist unklar. Ich bleibe dabei, dass ich es unschön fände, wenn sie jahrelang ohne neues Material touren (Grüße gehen raus an LCD Soundsystem). Sollte es nach dieser Tour vorbei sein, dann kann man immerhin nicht sagen, dass ihr künstlerisches Erbe durch die Tour Kratzer erlitten hätte. Im Gegenteil.

Alien Brody
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Alien Brody » Sa 29. Nov 2025, 09:11

Ich war gestern bei Kraftwerk im ausverkauften CCH in Hamburg. Kleiner Spoiler vorweg: Das CCH ist with a bang in der exklusiven Liste der Venues gelandet, in die ich nie wieder gehen werde. Aber eins nach dem anderen.

Doors war um 18:30 Uhr, Beginn sollte um 20 Uhr sein. Ich kam um ca. 19:20 Uhr an. Etwa ein Kilometer Schlange vor dem Gebäude, weil – wie sich später herausstellte – die Leute nur in Schüben reingelassen wurden. Das war an sich okay, es ging auch schnell voran, und eine Viertelstunde später war ich schon drin. Was aber nicht bedeutete, dass ich dann zügig zu meinem Platz gekommen wäre. Drinnen: absolutes Gedränge, keiner wusste irgendwas, Leute stehen überall, die Garderobenschlange blockiert die Treppen – es war katastrophal.

Also dachte ich angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit: Das mache ich zwar ungern, aber dann spare ich mir die Garderobe (3,50!) und gehe direkt zum Platz. Ich gehe also hoch über die verschlungenen Pfade, finde meinen richtigen Eingang, und die Frau sagt: "Sorry, die Jacke müssen Sie leider abgeben." Also ich – und alle anderen, die an diesem Punkt gescheitert sind (inklusive der Leute, die schon seit einer halben Stunde vor dem Eingang bei der Gastro rumgelungert hatten) – wieder runter an die Garderobenschlange. Es ist mittlerweile viertel vor acht, vor mir stehen locker 150 Leute. Ich stehe da also zehn Minuten, bis irgendwann jemand auf der Treppe ruft: "Okay, Sie können jetzt auch mit Jacke rein."

Die ganze Karawane setzt sich also wieder in Bewegung. Ich ging natürlich davon aus, es wird gewartet, bis alle im Saal sind. Nein: Das Konzert beginnt pünktlich, und die ersten fünf bis zehn Minuten waren ununterbrochen Leute unterwegs. Da der Saal vollbestuhlt ist, musste jedes Mal die ganze Reihe aufstehen. Leute hatten sich im Platz geirrt, mussten zurück, es war dunkel, die Platznummern unleserlich – absolute Katastrophe. Ich weiß nicht, wie man das so machen kann. Die haben gefühlt zehn Jahre diesen Laden renoviert, und es ist immer noch so schrecklich. Nach einer Stunde war es übrigens auch unerträglich stickig in dem Raum. Was haben die eigentlich gemacht?

Naja. Dann: Konzert an sich sehr cool. Außer Ralf Hütter ist ja niemand aus der Ur-Besetzung mehr dabei, aber das fiel ohnehin nicht groß auf, da die vier Künstler bis auf Hütter komplett wort- und überwiegend reglos ihre Armaturen bedienten. Es folgten ca. zwei Stunden Hit auf Hit, mit Numbers ging’s los, aber natürlich kamen im Laufe der Zeit auch Das Model, Autobahn, Trans Europa Express, Tour de France, Die Roboter, Die Mensch-Maschine und etliche andere mehr.

Ich selbst habe die Band in meinen frühen Zwanzigern goutiert, und von Zeit zu Zeit bin ich tatsächlich in die Zone gekommen – vor allem bei den frühen Sachen. Aber das große Manko war das Publikum. Ich würde sagen, mit meinen 43 Jahren habe ich den Altersschnitt deutlich gesenkt, Männerquote ca. 80 % – selten gute Voraussetzungen. Und so war es dann auch: Die Boomer haben in einer Tour gequatscht, gehustet und mussten alle fünf Minuten aufstehen, weil die Prostata… Es war ein reges Kommen und Gehen, sodass man oft nicht das Gefühl hatte, dass die Musik im Mittelpunkt steht. Was schade war, denn der Sound, das muss man dem CCH lassen, war wirklich glasklar und sehr kraftvoll. Ich saß im Hochparkett, ziemlich weit hinten, und es war stellenweise immer noch grenzwertig laut. Von daher nix auszusetzen.

Auch die Light-Show war, wie erwartet, sehr beeindruckend. Auf der großformatigen Leinwand liefen unterschiedliche Arten von Visualisierungen – teils Videoclips, aber auch Laseranimationen und andere abstrakte Muster. Durch die mehrschichtige Leinwand entstand ein spannender 3D-Effekt.

Alles in allem also gemischte Gefühle. Die Show und die Musik natürlich zeitlos. Publikum und Veranstaltungsort dagegen eher zum Abgewöhnen. Beim Rausgehen wurde ich dann noch von einem 60-jährigen Harald angeraunt, ich solle auf der Treppe nicht auf mein Handy gucken. Ich musste fast lachen – es war einfach der perfekte Ort und die perfekte Stimmung für so einen Kommentar.

Aber ich will nicht unken: All das wird wahrscheinlich bald in Vergessenheit geraten. Ich habe dann – Strafe muss sein – mein Kaugummi noch unter den Sitz geschmiert, und das CCH, wie gesagt, wird mich nicht wiedersehen. Aber ich bin froh, dass ich das jetzt zumindest von meiner Bucket List runterhab und nicht das nächste Mal dann einen vermutlich dreistelligen Betrag bezahlen muss, um diese Legenden live zu erleben.

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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Wishkah » Sa 29. Nov 2025, 09:29

@Baltimore hatte auch schon sowas über die Einlass-/Garderobensituation gestern erzählt. Das klingt ja tatsächlich sehr ärgerlich. :|

In Rostock gab es keinen Garderobenzwang.

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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Wishkah » Sa 29. Nov 2025, 09:30

@ThomZorke: Der Bericht klingt wunderschön. Ich freue mich sehr auf Berlin. :herzen2:

Alien Brody
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Alien Brody » Sa 29. Nov 2025, 10:21

Wishkah hat geschrieben:
Fr 14. Nov 2025, 07:11
Ein Großteil der Anwesenden hat dem Geschehen auf der Bühne aufmerksam zugesehen und dazu rhythmisch genickt.
Genau so war das :smile:

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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von defpro » Sa 29. Nov 2025, 12:22

SammyJankis hat geschrieben:
Fr 28. Nov 2025, 17:48
Ich war gestern in Köln bei DJ Premier & The Alchemist in der Essigfabrik. Habe Anfang der Woche Benny the Butcher krankheitsbedingt verpasst. Hat sehr geschmerzt, vor allem, da Westside Gunn auch am Start war. Nun also doch zumindest eine Hip-Hop Show diese Woche. Essigfabrik war sehr gut gefüllt. Gab natürlich das übliche Random DJ Set vor dem Hauptact.

DJ Premier & The Alchemist - Beide sind ohne Zweifel top DJs und die Beats waren auch vom klasse, da kann man nix sagen. Beide standen hinter den Turntables und haben viel Stuff aus ihrer Karriere abgemischt. Gang Star, Big L, viel Griselda Stuff. Die Crowd hats gefeiert. Das Problem, was ich damit hatte, war, dass sie am Mic weiterhin nur als Backup MCs gewirkt haben. Sprich es gab keine Person, die die ganzen Songs gerappt hat. Eine Ausnahme gab es als The Alchemist einen Song gerappt hat. Hätte man evtl im Vorfeld mit rechnen können, aber so war es doch zumindest für mich enttäuschend. Crowd war trotzdem voll drin. Naja, eine Show, die an meinen falschen Erwartungen gescheitert ist.
Westside Gunn war auf der Bühne in Köln anwesend? :shock: Puh, das triggert meine FOMO schon hart.

Bei Premier und Alchemist hätte ich erwartet, dass die Songs zumindest teilweise mit den Rap-Parts abgespielt werden. So rein als Instrumental wäre mir das auf Dauer zu eintönig. Da passt für mich so ein Konzert als Rahmen einfach nicht richtig. Dass Al da nicht so viel rappt, hätte ich jedoch auch so vermutet, sonst würde Premier da schon sehr in den Hintergrund rücken.

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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Wishkah » Sa 29. Nov 2025, 17:25

28.11.2025 The Subways (+ The Livelines), Markthalle, Hamburg

Ich war gestern bei The Subways in der Markthalle in Hamburg.

Eigentlich war gestern ein Konzert von Die Höchste Eisenbahn in Rostock geplant. Die Tickets dafür hatten wir schon vor Monaten gekauft. Alte Freunde aus der Heimat haben sich aber entschieden, gemeinsam zum Konzert von The Subways zu gehen. Und da es diese Treffen in größerer Runde mittlerweile nicht mehr so häufig gibt, habe ich mich diese Woche in meiner Konzertplanung kurzfristig unentschieden und auch noch ein Ticket dafür auf dem Zweitmarkt ergattert. Das Konzert war nämlich schon seit geraumer Zeit ausverkauft.

The Subways sind so eine typische Jugendband für mich. Mein erstes richtiges Konzert war eine Doppel-Headlineshow von Billy Talent und eben The Subways – damals noch als junge, aufstrebende Band, die gerade ihr erstes Album veröffentlicht hatte. Da schwingt also viel Nostalgie mit. Ein paar Songs der ersten beiden Alben mag ich auch heute noch ganz gerne. Und da die aktuelle Tour unter dem Motto "For Eternity – Celebrating 20 Years" läuft – bezogen auf das Debütalbum "Young for Eternity", das vor 20 Jahren veröffentlicht wurde –, war ich ganz optimistisch gestimmt, dass es ein unterhaltsamer Abend werden könnte.

Ich kam kurz nach Einlassbeginn an der Markthalle an und habe mich in die Schlange eingereiht. Die Markthalle selbst verbinde ich ebenfalls mit vielen Erinnerungen aus der Jugend. Ich war bestimmt schon seit zehn Jahren nicht mehr dort gewesen, aber zu Schulzeiten war das ein regelmäßiger Treffpunkt für lokale Bandwettbewerbe und andere Konzerte. Der Einlass verlief jedenfalls etwas schleppend. Das Konzert war ja ausverkauft und entsprechend war auch schon viel los. Das Durchschnittsalter der Anwesenden lag vermutlich bei etwa 40 Jahren. Das Indierock-Publikum der 2000er ist in die Jahre gekommen.

Um 20 Uhr ging es mit The Livelines los. Da meine Freunde noch nicht da waren, habe ich mir die Band aus Osnabrück im sehr gut gefüllten Saal von weiter hinten angesehen. Es gab Alternative-/Poprock mit englischsprachigem Gesang einer Sängerin. Das klang tatsächlich wie eine der typischen Bands, die schon vor 15-20 Jahren am selben Ort im Rahmen von irgendwelchen Contests à la "Local Heroes" aufgetreten sind. Was damals schon ziemlich generisch und unspektakulär war, ist heute nicht besser. Das Publikum wurde durchgängig zum Klatschen, Springen und Mitsingen animiert. Ich habe mich schnell gelangweilt. Spätestens als ein Megafon zum Einsatz kam, hatte ich üble Flashbacks aus alten Bandzeiten und habe die Flucht ins Foyer ergriffen. Währenddessen startete die Band mit "Teenage Dirtbag" gerade noch ein Wheatus-Cover. Uff.

Immerhin habe ich den richtigen Moment erwischt, um meine Freunde zu treffen, die gerade angekommen waren. Nach einem Bier und einem Kurzen (ja, wir haben den Nostalgie-Trip offensichtlich ernstgenommen und waren wieder 16!) ging es gemeinsam zurück in den Saal, um die letzten Momente des 45-minütigen Auftritts von The Livelines zu sehen. Es wurde bis zum Ende nicht mehr spannender. In der Umbaupause haben wir uns nach vorne in den unteren Innenraum begeben. Im Gegensatz zum restlichen Saal war dort sogar noch überraschend viel Platz. Das Bedürfnis nach etwas Sicherheitsabstand zum Geschehen wird mit steigendem Lebensalter offensichtlich größer.

Um 21:15 Uhr wurde der Saal wieder dunkel und The Subways kamen auf die Bühne. Das Trio aus Hertfordshire in England besteht seit der Bandgründung Anfang der 2000er aus Sänger/Gitarrist Billy Lunn und Bassistin/Sängerin Charlotte Cooper. Der ursprüngliche Schlagzeuger (und Bruder von Billy Lunn) Josh Morgan hat die Band vor einigen Jahren verlassen und wurde durch Camille Phillips ersetzt.

Der Auftritt der Band wurde mit "Oh Yeah" eingeleitet. Eine gute Wahl, um das Publikum gleich in Bewegung zu bringen. Das hat schon Spaß gemacht! Auch im weiteren Verlauf des Abends wurde das Motto der Tour gut umgesetzt. Der Fokus lag auf den Songs des Debütalbums "Young for Eternity", von dem ein großer Teil gespielt wurde. Besonders schön fand ich "I Want to Hear What You Have Got to Say", der auch nach 20 Jahren noch eine starke Nummer ist. Die Stimmung im Publikum blieb durchgängig gut. Die Anwesenden wurden von Frontmann Billy Lunn mehrmals überschwänglich als bestes Publikum der Tour bezeichnet – na gut, das glaube ich ihm einfach mal.

Ansonsten war das Konzert so, wie man sich ein Konzert von The Subways vermutlich eben so vorstellt. Eine energievolle Clubshow, mitunter etwas krachig. Mehrstimmiger Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug. Viele Ansagen, viel Publikumsanimation. Abgesehen davon eine recht minimalistische Bühnenshow. Ein bisschen Licht und ein großes Banner mit dem Bandnamen im Hintergrund, mehr gab es nicht. Bei so einer Clubshow aber auch nicht anders zu erwarten. Zum Ende hin gab es dafür noch ein bisschen Stagediving von Billy Lunn. Musikalisch haben mich vor allem die Songs der ersten beiden Alben gut unterhalten. Alles danach geht generell in eine ähnliche Richtung, auch wenn es dann manchmal etwas an Nachdruck und Hitpotenzial mangelt. Diese Eingängigkeit ist bei "We Don't Need Money to Have a Good Time" des dritten Albums "Money and Celebrity" zwar gegeben, den Song mit seinem deutschen Refrain finde ich aber trotzdem eher nervig. Gesanglich merkt man Billy Lunn an, dass er keine 20 mehr ist (sondern nächstes Jahr 40 wird). Die hohen Töne hat er öfter mal seinem Publikum überlassen, das lautstark ausgeholfen hat.

Nach dem regulären Set kam die Ankündigung, dass die Band noch eine Zugabe spielen wolle, dafür aber vorher nicht extra die Bühne verlassen würde. Das sei immerhin der traurigste Teil der Show und müsse daher nicht öfter als notwendig erfolgen. Es gab dann unter anderem mit "With You" noch meinen Lieblingssong der Band, der in einer reduziert-melodiösen Version gestartet wurde. Schön! Und ganz am Ende mit "Rock & Roll Queen" natürlich noch den obligatorischen Überhit der Band. Der hat sich bei mir über die Jahre ganz schön abgenutzt. Die Unsitte mit den deutschen Texteinschüben macht es nicht besser. Aber live hat das nochmal für viel Bewegung und gute Laune gesorgt, von daher war das schon ein stimmiger Abschluss.

Nach sehr kurzweiligen 80 Minuten Spielzeit war das Konzert dann vorbei. Insgesamt war das aus musikalischer Sicht sicherlich kein großes Jahreshighlight, aber als kleiner Nostalgie-Trip mit alten Freunden, einigen Hits und guter Stimmung auf jeden Fall ein sehr schöner Zeitvertreib. Ich hatte sehr viel Spaß. Und das ist ja manchmal die Hauptsache.

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SammyJankis
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » Sa 29. Nov 2025, 19:12

defpro hat geschrieben:
Sa 29. Nov 2025, 12:22
SammyJankis hat geschrieben:
Fr 28. Nov 2025, 17:48
Ich war gestern in Köln bei DJ Premier & The Alchemist in der Essigfabrik. Habe Anfang der Woche Benny the Butcher krankheitsbedingt verpasst. Hat sehr geschmerzt, vor allem, da Westside Gunn auch am Start war. Nun also doch zumindest eine Hip-Hop Show diese Woche. Essigfabrik war sehr gut gefüllt. Gab natürlich das übliche Random DJ Set vor dem Hauptact.

DJ Premier & The Alchemist - Beide sind ohne Zweifel top DJs und die Beats waren auch vom klasse, da kann man nix sagen. Beide standen hinter den Turntables und haben viel Stuff aus ihrer Karriere abgemischt. Gang Star, Big L, viel Griselda Stuff. Die Crowd hats gefeiert. Das Problem, was ich damit hatte, war, dass sie am Mic weiterhin nur als Backup MCs gewirkt haben. Sprich es gab keine Person, die die ganzen Songs gerappt hat. Eine Ausnahme gab es als The Alchemist einen Song gerappt hat. Hätte man evtl im Vorfeld mit rechnen können, aber so war es doch zumindest für mich enttäuschend. Crowd war trotzdem voll drin. Naja, eine Show, die an meinen falschen Erwartungen gescheitert ist.
Westside Gunn war auf der Bühne in Köln anwesend? :shock: Puh, das triggert meine FOMO schon hart.

Bei Premier und Alchemist hätte ich erwartet, dass die Songs zumindest teilweise mit den Rap-Parts abgespielt werden. So rein als Instrumental wäre mir das auf Dauer zu eintönig. Da passt für mich so ein Konzert als Rahmen einfach nicht richtig. Dass Al da nicht so viel rappt, hätte ich jedoch auch so vermutet, sonst würde Premier da schon sehr in den Hintergrund rücken.
Jo Westside Gunn war da, kann dir aber nicht sagen, wie groß sein Anteil an der Show war.

Rap-Parts wurden abgespielt, aber es war im Endeffekt nicht mehr als nen DJ-Set. Premier hat nach meinem Gefühl sogar mehr gerappt als The Alchemist.
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