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...mir geht's halt einfach scheiße

Von Spam bis Gott und die Welt
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Monkeyson
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Monkeyson » Di 7. Apr 2020, 21:01

Auch von mir die besten Wünsche für deine Zukunft. Hab selbst nach 6,5 frustrierenden Jahren den Ausstieg aus meinem Berufsleben gewählt und nochmal neu studiert, was sich als sehr gute Entscheidung erwiesen hat (rückblickend höchstens als zu späte). Zum Glück liefen andere Aspekte meines Lebens zu der Zeit glücklichstellend, sonst wüsste ich nicht, was der Frust aus mir gemacht hätte. Ich wünsche dir ebenso guten Halt auf holprigen Wegen!

Gesprächsangebot per PN steht, du hast mir hier ja auch schonmal geholfen.

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Engholm
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Engholm » Mi 8. Apr 2020, 10:22

Alles Gute auch von mir! Es ist nie zu spät, etwas neues zu starten.

Ich habe mit 31 mein langgezogenes E-Technik-Studium ohne Abschluss abgebrochen und mich dato entschieden, was komplett neues zu machen, die Elektrotechnik hinter mir zu lassen und den Weg für eine zweite Berufsausbildung einzuschlagen. Bis zum dem Entschluss habe ich locker 3 - 4 Jahre mit mir selbst und meinen Zweifeln gekämpft. Hatte immer weniger Motivation, immer weniger Antrieb, immer mehr Zweifel, habe mich mit Mühe und Not durch Prüfungen gekämpft und war mir immer sicherer, dass es nicht das richtige ist. Wurde von meinem Umfeld immer wieder motiviert und Zuspruch, das Studium durchzuziehen, aber wenn der Frust in einem Sitzt, ist es schwer bis unmöglich, schwere Aufgaben straight durchzuziehen.

Der zweite Berufsweg war dann finanziell nochmal steinig, dafür aber von einer hohen Motivation begleitet: 1 Jahr Praktikum in einer Werbeagentur + 2,5 Jahre Berufsausbildung und im Rückblick die beste Entscheidung meines Lebens.

Häufige Frage bzw. Aussage: "Aber die ganzen Jahre hast Du dann nun ja verschenkt / verplemmpert!?". Drauf geschissen, dann hat es eben mit der Findung zur Selbstverwirklichung etwas länger gedauert. Ich bin nun mit der Gesamtsituation sehr glücklich.

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Stebbie
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Stebbie » Mi 8. Apr 2020, 12:18

Zunächst freut es mich zu hören, dass du dich mit deiner Situation auseinandersetzt und auf bei diesem Prozess Hilfe suchst.

Ich selber habe ja auch eine etwas non-lineare Biographie mit einer technischen Ausbildung auf der dann ein komplett anderes Studium folgte und habe diesen Weg auch nie auch nur einen Moment lang bereut. Es klingt manchmal nach "Altherren-Weisheit", aber ich merke selber mit der Erfahrung von nun 35 Jahren, dass man in einem gewissen Alter dann doch ganz anders beurteilt, was einem wichtig ist und vielleicht zu ganz anderen Schlüssen kommt als damals mit 19 oder 20 Jahren. Aus dem Grund finde ich es auch richtig Menschen, die mit ihrem Lebensweg unzufrieden sind oder sich in einer Krise finden, nicht immer zu sagen, dass es schon werde und man dran bleiben soll, sondern auch zu signalisieren, dass auch ein Abbruch kein Makel ist, sondern oftmals auch eine wertvolle Erfahrung für das weitere Leben kann.

Ich wünsche dir, dass du nun einen Weg einschlagen wirst, auf dem du dich wohler und in dem du mehr Erfüllung als bisher finden wirst und hoffe, dass du mit der von dir eingeholten Hilfe den tieferliegenden Ursachen auf den Grund gehen und Strategien im Umgang mit diesen entwickeln kannst!
(c) 26.06.2006

dattelpalme
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von dattelpalme » Mi 20. Mai 2020, 19:16

Mein dritter und heftigster Schub überhaupt hat dann nach nur neun Monaten für mein Empfinden nicht lange auf sich warten lassen. Angefangen mit Augenschmerzen auf dem rechten Auge um den 9./10 rum, war ich ab dem 14. rechts fast komplett blind, konnte die eigene Hand nicht mehr sehen. Die Woche war dann ein ewiges Hin und Her aufgrund einer anderen (autoimmunen) Augenerkankung auf dem rechten Auge. Die Augenärzte wollten offensichtlich nicht wahrhaben, dass es sich nicht um eine Uveitis handelte, sondern um eine MS-bedingte Sehnerventzündung, sodass ich - obwohl ich Dienstag das erste Mal beim Arzt war - über das Wochenende im Krankenhaus landete, um so schnell wie möglich mit der Kortisonstoßtherapie anfangen zu können. Habe mich frühzeitig entlassen lassen, um ambulant weiterzumachen und jetzt fünf Tage Kortisonstoßtherapie vorerst hinter mir. Bisher hat sich alles nur marginal zurückgebildet, aber immerhin etwas. Ich bin leicht optimistisch, es dauert halt oft bis die Entzündung sich verpisst....Falls sich in den nächsten Wochen doch etwas anderes herausstellen sollte: Entweder nochmal (mehr) Kortison oder, wenn ich das richtig gelesen habe, Blutwäsche (?!?!?!?!?)......

Momentan machen mich die Nebenwirkungen des Kortisons einfach nur am meisten fertig. Es ist als fiele ich von jetzt auf gleich in eine schwere Depression - innere Unruhe, Leere, Gleichgültigkeit, null Antrieb und komplette Schlaflosigkeit. Schlaftabletten rocken, der einzige Lichtblick. Kein Wunder, dass man davon so schnell abhängig wird.

Jetzt ist bei mir natürlich endgültig Sense mit meiner basistherapiefreien Zeit. Demnächst werde ich dann wohl von MS-Pfleger*innen angerufen, die mir dann zuhause zeigen, wie ich mich selbst schön alle zwei Tage spritzen kann. Sobald die Therapie losgeht, gehöre ich dann offiziell auch zur Corona-Risikogruppe, yessss. Dann werde ich sehen müssen, ob ich das Medikament vertrage, und falls nicht, geht alles wieder von vorne los. OMG, ich hasse diese drecks Krankheit, nichts wird da je besser.....
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Taksim
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Taksim » Do 21. Mai 2020, 13:43

Der tiefe Frust ist sehr verständlich :sad:
Dass eine Behandlung in sich andere Probleme mit sich bringen kann ist auch einfach schwer hinzunehmen. Ich hoffe du findest genug Momente, wo sich auch der leichte Optimismus, den du ansprichst, Bahnbrechen kann und du irgendwie an denen festhalten kannst.
Aber die negativen Emotionen sind mehr als legitim, ich hoffe nur, du kriegst sie kanalisiert.

Das ist alles schwer bis unmöglich von außen zu betrachten und einzuschätzen.
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Wishkah
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Wishkah » Do 21. Mai 2020, 13:48

Ich möchte mich gar nicht in deine Lage hineinversetzen, das muss alles wahnsinnig frustrierend sein und sich schrecklich anfühlen.

Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Kraft und dass du auch ganz unten nicht deine Lebensfreude verlierst. :smile:

dattelpalme
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von dattelpalme » Do 21. Mai 2020, 20:20

Danke für eure Anteilnahme und die aufbauenden Worte :)! Es hilft auf jeden Fall schonmal, sowas rauszulassen, und wenn es in diesem Forum ist. Ziemlich alleine mit der Geschichte zu sein, ist eine der größten Herausforderungen daran, aber glücklich kann ich mich immerhin schätzen, so einen guten Menschen an meiner Seite zu wissen.

Vielleicht könnt ihr ja auch daraus gewinnen, eure Gesundheit (mehr) zu schätzen. Das ist nicht immer alles so selbstverständlich wie eventuell angenommen :)
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dattelpalme
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von dattelpalme » Di 27. Okt 2020, 14:33

Jetzt ist es schon wieder so weit. Gerade hab ich ne halbe Stunde für einen Weg gebraucht, für den ich normalerweise die Hälfte benötige. Alle denken ich sei besoffen und um das zu bestätigen, hab ich mich kurz vorm Ziel nochmal ordentlich hingelegt und hab zwei Minuten gebraucht, um wieder hochzukommen. Seitdem heule ich wie ein Schlosshund. Bekomme gleich die zweite von fünf Infusionen und kann nur hoffen, dass sich das zurückbildet. Mit 33 hat mich die Krankheit schon gebrochen. Sollte mir wohl schnell ne Psychotherapie suchen, sonst sterbe ich an Selbstmitleid und grenzenloser Hoffnungslosigkeit.
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dattelpalme
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von dattelpalme » Di 27. Okt 2020, 15:22

Doch doch, das hilft. Selbstmitleid freut sich doch immer über Mitleid, das sich dazu gesellt ;) danke dir :mchearth:
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elch
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von elch » Di 27. Okt 2020, 18:19

Mensch Palme.
Deine Beschreibungen hier machen betroffen.

Ich hoffe, das die sonnigen Phasen noch lange lange Zeit die Schlechten mehr als ausgleichen.
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Taksim
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von Taksim » Di 27. Okt 2020, 19:03

dattelpalme hat geschrieben:
Di 27. Okt 2020, 14:33
Jetzt ist es schon wieder so weit. Gerade hab ich ne halbe Stunde für einen Weg gebraucht, für den ich normalerweise die Hälfte benötige. Alle denken ich sei besoffen und um das zu bestätigen, hab ich mich kurz vorm Ziel nochmal ordentlich hingelegt und hab zwei Minuten gebraucht, um wieder hochzukommen. Seitdem heule ich wie ein Schlosshund. Bekomme gleich die zweite von fünf Infusionen und kann nur hoffen, dass sich das zurückbildet. Mit 33 hat mich die Krankheit schon gebrochen. Sollte mir wohl schnell ne Psychotherapie suchen, sonst sterbe ich an Selbstmitleid und grenzenloser Hoffnungslosigkeit.
Eine viel persönlichere Entscheidung gibt es nicht, aber das wäre glaube ich so oder so ein wichtiger Schritt. Was du zu stemmen hast ist kaum vorstellbar, aber einen Raum zu haben, wo du es ohne jegliche Einschränkungen kommunizieren kannst, kann nur helfen.

Und solange du diese Wege noch suchst, hoffe ich, kannst du mit ein bisschen Abstand dem Gefühl des Gebrochenseins irgendwie entgegentreten. So kurz nach einer solchen Episode ist das sicherlich schwer bis unmöglich, aber ich hoffe sehr, dass die Infusionen helfen und du dann wieder anders darauf gucken kannst.

Es ist wirklich herzzerreißend :sad:
Aber du wirst es wieder schaffen, dich daraus zu kämpfen. Du hast es bisher geschafft und ich hoffe, das kannst du als Anker sehen, auch wenn der Status Quo so düster aussieht.
Ich schick dir alle Kraft die ich hab.
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mattkru
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von mattkru » Do 29. Okt 2020, 18:43

Wir denken an dich! :herzen2: :thumbs:

dattelpalme
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von dattelpalme » Do 29. Okt 2020, 22:27

Uff, bei euren Worten musste ich gleich wieder heulen :cry: Danke, ihr Lieben!
Kann jetzt erstmal nur weiter abwarten und hoffen. Aber selbst wenn. Es ist keine Dauerlösung und so unfassbar schwer, mit den Konsequenzen bzw. alleine den Gedanken daran für das ganze Leben leben zu müssen.
Eine einzige Hoffnung besteht noch: Stammzelltherapie. Ist natürlich nur in ganz wenigen Ausnahmefällen zugelassen und wird von der KK nicht mal eben so übernommen (Studienlage ist noch nicht ausreichend, aber die, die es gibt, zeigen, dass MSler 10 Jahre ohne Beschwerden leben, wieder laufen/schreiben/lesen/rechnen können. Kostet ca. 50.000 € - das höchstwahrscheinlich nutzlose Medikament, das ich derzeit nehme, kostet 2.000 €/monatlich...). Da bin ich immerhin optimistisch, dass das Potential für Autoimmunerkrankungen in Zukunft mehr Anerkennung findet (nur wann...jetzt auch noch Corona, ich rast aus...). Die Behandlung ist riskant, aber ich bin dazu sowas von bereit und bin mir auch sicher, dass es sehr vielen MS-Patienten ähnlich geht.
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hendrik
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Re: ...mir geht's halt einfach scheiße

Beitrag von hendrik » Mo 23. Nov 2020, 12:06

EDIT: Ich nehme ganz stark zurück, dass der letzte Schub schon lange her ist. Der ist gerade erst vor einem Monat gewesen. Sorry, das habe ich verpeilt!!!

Auch wenn deine letzten Beiträge, Dattelpalme, hier glücklicherweise schon ein wenig her sind und ich hoffe, dass in der Zwischenzeit kein erneuter Schub kam und die Einschränkungen sich gut zurückgebildet haben, habe ich mit Betroffenheit deine Ausführungen gelesen. Es ist schon echt übel, wie eine Krankheit ein körperlich und seelisch fertig macht - das kann/mag ich mir selbst kaum vorstellen. Mein Beileid jedenfalls! Ich hoffe, dass die weiteren Schübe noch lange auf sich warten lassen, nicht so heftig sind und die Einschränkungen sich gut zurückbilden.

Das wollte ich sowieso schon mal schreiben. Jetzt wurde ich gerade an dich erinnert, als ich beim wahrlosen durch dem Internet surfen auf folgendes Forschungsprojekt gestoßen bin: Repairing brain damage in MS
Auch wenn das Projekt selbst auf einen Durchbruch innerhalb der nächsten 50 Jahre hofft, was lange und für die Betroffenen sicherlich frustrierend und nicht gerade aufbauend ist, kann man vielleicht dennoch ein wenig der Forschung folgen und neue Erkenntnisse aus den Forschungsgruppen der Professor*innen ziehen.
Tur mir leid, dass ich nichts aufbauenderes schreiben kann, aber vielleicht ist das dennoch für dich interessant.


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