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Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Von Spam bis Gott und die Welt
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Monkeyson
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Mi 27. Jan 2021, 14:40

NeonGolden hat geschrieben:
Mi 27. Jan 2021, 14:24
Fatal dürfte durchaus sein, das Spotify einen daran gewöhnt hat ständigen Zugriff auf 99% sämtlicher, halbwegs populärer Musik zu haben. Bei Filmen und Serien funktioniert das offenbar nicht, u.a. da die Rechtelage wesentlich komplizierter ist - oder zumindest scheint es so.
Vielleicht ist der Unterschied eher, dass für das Unternehmen, einen Film zu drehen, vorab viel Geld zugesichert werden muss, was einen Kulturschaffenden an ein großes Unternehmen und seine Vertriebswege bindet?

Die Verlage im musikalischen Bereich scheinen jedenfalls nicht so eine Marktmacht zu haben, sich Spotify zu widersetzen und etwas eigenes aufzuziehen? Oder zumindest war das vllt anfangs so, mittlerweile ist das Monopol erreicht, an dem kaum vorbeizukommen ist.

defpro
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von defpro » Mi 27. Jan 2021, 15:45

Erst mal danke für die Empfehlungen für alternative Streamingdienste. Muss ich mich wirklich mal näher mit auseinandersetzen.
Monkeyson hat geschrieben:
Mi 27. Jan 2021, 14:40
NeonGolden hat geschrieben:
Mi 27. Jan 2021, 14:24
Fatal dürfte durchaus sein, das Spotify einen daran gewöhnt hat ständigen Zugriff auf 99% sämtlicher, halbwegs populärer Musik zu haben. Bei Filmen und Serien funktioniert das offenbar nicht, u.a. da die Rechtelage wesentlich komplizierter ist - oder zumindest scheint es so.
Vielleicht ist der Unterschied eher, dass für das Unternehmen, einen Film zu drehen, vorab viel Geld zugesichert werden muss, was einen Kulturschaffenden an ein großes Unternehmen und seine Vertriebswege bindet?

Die Verlage im musikalischen Bereich scheinen jedenfalls nicht so eine Marktmacht zu haben, sich Spotify zu widersetzen und etwas eigenes aufzuziehen? Oder zumindest war das vllt anfangs so, mittlerweile ist das Monopol erreicht, an dem kaum vorbeizukommen ist.
Off Topic
Ich glaube, für die Plattenfirmen selbst ist Streaming sogar relativ lukrativ, sodass die gar kein großes Interesse haben, dagegen anzukämpfen. Zumindest scheint Streaming den Umsatzrückgang im Bereich der physischen Tonträger ziemlich gut aufzufangen (Quelle). Dürfte vermutlich eher an den konkreten Verträgen mit den Künstlern liegen, dass an letztere im direkten Vergleich weniger Geld ausgeschüttet wird. Aber für die genaueren Hintergründe begebe ich mich in den Bereich des Halbwissens.
Der Monopol-Gedanke ist auch ganz spannend. Die weltweite Expansion von Netflix war ja ungefähr zeitgleich zum Start von Amazon Video (wobei Lovefilm sogar noch älter war). Könnte also tatsächlich sein, dass Netflix mit einer schnelleren Expansion heute mehr Marktmacht hätte und dadurch in einer noch besseren Verhandlungsposition sein würde, wenn es um künftige Lizenzierungen geht.

So ganz kann ich mich von meinem Erklärungsversuch jedoch noch nicht lösen. In meinen Augen hat Musik für die Allgemeinheit noch einen höheren Stellenwert als Filme/Serien und das Bedürfnis, am Puls der Zeit zu sein, ist dort noch stärker ausgeprägt. Wenn Capital Bra eine neue Single veröffentlicht, dann wollen die Kids das JETZT hören und nicht erst in 5 Monaten, wenn Spotify dann endlich mal Streaming-Lizenzen erworben hat. Zudem ist Musik stärker in den Alltag integriert, sei es beim Weg zur Arbeit, beim Essen oder zu beim Putzen. Diese unmittelbare Verfügbarkeit von quasi jeder Musik übt für mich einen wesentlich stärkeren Reiz aus als das bei einem vergleichbaren Video-Streamingdienst der Fall sein könnte. Vielleicht höre ich ein Album nur 2-3x und habe danach keine Lust mehr. Vielleicht begleitet die Platte mich aber auch die nächsten Jahrzehnte und ich kehre immer wieder dazu zurück. Alleine die Gewissheit zu haben, immer auf diese Songs zurückgreifen zu können, wenn ich das möchte, macht für mich die Faszination dafür aus. Bei Filmen und Serien brauche ich das nicht unbedingt. Die schaue ich einmal und dann reicht es erst mal. Vielleicht gibt es nach ein paar Jahren wieder einen Rewatch, vielleicht aber auch nicht. Gibt hier natürlich auch Ausnahmen, aber diese ständige Verfügbarkeit ist mir dort nicht so wichtig.
Off Topic
Aber letztendlich ist das Musik-Streaming-Modell einfach nur pervers, wenn man es durchrechnet. Was man für einen mickrigen Monatsbeitrag für Unmengen an Daten geboten bekommt, von denen ein Großteil vermutlich niemals abgerufen wird, das ist schon ziemlich krass. Wären Künstler:innen damals in einer vernünftigen Verhandlungsposition gewesen, hätten die so etwas niemals zugestimmt.
Vielleicht hätte man ein Tarifsystem implementieren können: Einen Mainstream-Tarif für die Allgemeinheit (Zugriff auf die Top 200 Single- und Albumcharts sowie sonstige beliebte Evergreens) sowie einen wesentlich teureren Tarif für die Musik-Nerds, die eben die große Auswahl wollen. Oder eben doch alternative Ausschüttungsmodelle wie bei (ich glaube) Deezer, wo die Ausschüttungen user-basiert laufen.

defpro
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von defpro » Mi 27. Jan 2021, 16:25

Taksim hat geschrieben:
Mi 27. Jan 2021, 09:51
Ich nehme an, da beziehst du dich auf Titanic und vermutlich Romeo + Julia? (obwohl ich letzteren nicht kenne, ich weiß nur dass Radiohead "Exit Music" für den geschrieben haben, so there's that)
Den hab ich am letzten Wochenende zum ersten Mal gesehen und ich muss sagen, dass ich wirklich positiv überrascht war. War zwar stilistisch schon sehr speziell mit seinem MTV-Ästhetik-meets-Shakespeare-Prosa-Ansatz, aber ich fand den deutlich spannender als die hundertste klassische Shakespeare-Verfilmung.

Und bei Adam Driver hat mir (neben Girls) vor allem seine Darstellung in "Paterson" gefallen, wenn man sich für den entschleunigten Erzählstil von Jim Jarmusch begeistern kann.

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Mi 27. Jan 2021, 23:46

NeonGolden hat geschrieben:
Di 26. Jan 2021, 08:49
Ich habe mir gestern zum zweiten Mal Three Billboards Outisde Ebbing, Missouri angesehen, da er gerade bei Netflix zu sehen ist und ich war wieder sehr davon begeistert, wie pointiert und ausgewogen McDonagh die Beschissenheit der Dinge mit einer grundpositiven, menschlichen Haltung verwoben hat. Perfekt, so wie er ist.

Shape of Water sag' ich nur. Shape of Water...
Danke für die Empfehlung, war wirklich ein super Film. Neben Frances McDormand hat mich Sam Rockwell total überzeugt, aber ich sehe gerade, dass du McDonagh schreibst, der hätte mich aufgrund seiner Vita überhaupt nicht in den Film gelockt. Chapeau!

Dennoch hätte ich meine Auszeichnung an Shape of Water gegeben, 2 Gründe: Zum einen halte ich Fantastik gegenüber Realismus nicht per se für seichter und weniger prämierenswert. Zum anderen: der Score, oh Gott, was für ein furchtbar deplatzierter Score! Klang zeitweilig wie der Willkommens-Chanel auf Hotel-Fernsehern, und das bei den dramatischsten Szenen.

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Mi 27. Jan 2021, 23:51

Monkeyson hat geschrieben:
Di 26. Feb 2019, 07:21
2017
Oscar: The Shape of Water
Globe: Three Billboards / Lady Bird
PGA: The Shape of Water
NSFC: Lady Bird
NYFCC: Lady Bird
LAFCA: Call Me by Your Name
Und die drei für mich relevanten Auszeichnungen so: hold my beer.
Da werde ich mir noch 2 andere ansehen, bevor ich mitreden kann.

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von slowdive » Do 28. Jan 2021, 01:06

Monkeyson hat geschrieben:
Mi 27. Jan 2021, 23:46
NeonGolden hat geschrieben:
Di 26. Jan 2021, 08:49
Ich habe mir gestern zum zweiten Mal Three Billboards Outisde Ebbing, Missouri angesehen, da er gerade bei Netflix zu sehen ist und ich war wieder sehr davon begeistert, wie pointiert und ausgewogen McDonagh die Beschissenheit der Dinge mit einer grundpositiven, menschlichen Haltung verwoben hat. Perfekt, so wie er ist.

Shape of Water sag' ich nur. Shape of Water...
Danke für die Empfehlung, war wirklich ein super Film. Neben Frances McDormand hat mich Sam Rockwell total überzeugt, aber ich sehe gerade, dass du McDonagh schreibst, der hätte mich aufgrund seiner Vita überhaupt nicht in den Film gelockt. Chapeau!

Dennoch hätte ich meine Auszeichnung an Shape of Water gegeben, 2 Gründe: Zum einen halte ich Fantastik gegenüber Realismus nicht per se für seichter und weniger prämierenswert. Zum anderen: der Score, oh Gott, was für ein furchtbar deplatzierter Score! Klang zeitweilig wie der Willkommens-Chanel auf Hotel-Fernsehern, und das bei den dramatischsten Szenen.
Wieso Three Billboards vs. Shape of Water, wenn die Alternativ-Antworten vier Meisterwerke – Get Out, Blade Runner 2049 (lieber diesen hier prämieren, wenn es schon etwas fantastischer sein soll, als Shape of Water, den ich mit seiner Classical-Hollywood-Ästhetik für komplett nostalgischen Unsinn halte [in diesem Sinne auch klar, warum er bei den Oscars gewonnen hat]...sorry), Phantom Thread u. Call Me By Your Name – sind und mit I, Tonya sogar noch ein Film im Rennen war, der besser ist, als die beiden genannten. :roll: :grin:

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Do 28. Jan 2021, 08:30

slowdive hat geschrieben:
Do 28. Jan 2021, 01:06
Shape of Water, den ich mit seiner Classical-Hollywood-Ästhetik für komplett nostalgischen Unsinn halte [in diesem Sinne auch klar, warum er bei den Oscars gewonnen hat]
Auch Nostalgie halte ich nicht per se für seichter und weniger prämierenswert, zumal wenn sie wie hier so verspielt mit einer früher nicht möglich gewesenen Tricktechnik kombiniert wird und somit ein schön erzähltes Märchen mit ganz neuer Bildopulenz hervorbringt.

Aber danke für deine Tipps, 3/4 wollte ich eh noch sehen und statt Phantom Thread ursprünglich Lady Bird - kennst du den?

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von slowdive » Do 28. Jan 2021, 10:21

Monkeyson hat geschrieben:
Do 28. Jan 2021, 08:30
slowdive hat geschrieben:
Do 28. Jan 2021, 01:06
Shape of Water, den ich mit seiner Classical-Hollywood-Ästhetik für komplett nostalgischen Unsinn halte [in diesem Sinne auch klar, warum er bei den Oscars gewonnen hat]
Auch Nostalgie halte ich nicht per se für seichter und weniger prämierenswert, zumal wenn sie wie hier so verspielt mit einer früher nicht möglich gewesenen Tricktechnik kombiniert wird und somit ein schön erzähltes Märchen mit ganz neuer Bildopulenz hervorbringt.
Ich finde 'Nostalgie' halt insofern nicht besonders prämierenswert, als dass ich Kunst einfach für etwas halte, dass, wenn sie wirklich gut sein will, auch nach vorn blickt, mehr über ihre eigene Zeit zu sagen haben haben sollte, als dass diese extrem vergangenheitsfixiert und zukunftsmüde scheint und daher mehr oder weniger einer Zeit hinterher trauert, die unwiederbringlich zuende ist (Shape of Water hat diesen ästhetischen Vibe für mich extrem stark – ein Film, der mehr Symptom einer Gesellschaft ist, als dass er sich aktiv versucht mit ihr auseinanderzusetzen). Für mich kann z.B. ein Album, dass heute rauskommt, aber klingt wie ein 1980s-Pop-Album mit etwas modernerer Produktion einfach nicht das Beste sein, zu dem Kunst im Stande ist – egal, wie gut es die Vergangenheit imitiert. Aber ich weiß auch, dass viele hier anderer Meinung sind. :smile:
Monkeyson hat geschrieben:
Do 28. Jan 2021, 08:30
Aber danke für deine Tipps, 3/4 wollte ich eh noch sehen und statt Phantom Thread ursprünglich Lady Bird - kennst du den?
Ich habe ihn gesehen damals, als 'besser als erwartet' abgespeichert, aber dann schnell wieder verdrängt. Bin aber im Gegensatz zu den Vielen auch echt kein Fan dieses Noah Baumbauch-Greta Gerwig Filmkosmos der letzten Jahre (Marriage Story z.B. fand ich in seiner absolute Wichtigkeit behauptenden Ästhetik wirklich total langweilig und egal, Little Women auch nur 'ganz nett').

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Do 28. Jan 2021, 10:43

Langweilig, oha. Ich fand den total existenziell, wenngleich ich zugeben muss, dass mir als Vater der Film alleine aus persönlichen Gründen sehr nahe gegangen ist und das nicht jedem so gehen muss.

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von dattelpalme » Do 28. Jan 2021, 10:46

Interessant. Ich habe im Kopf, dass die Frage der Kinderbetreuung (abgesehen vom abstrakten Sorgerecht) eine ziemlich untergeordnete Rolle gespielt hat in dem Film.
„Die Welt geht vor die Hunde Mädchen, traurig aber wahr.“

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von slowdive » Do 28. Jan 2021, 10:55

Monkeyson hat geschrieben:
Do 28. Jan 2021, 10:43
Langweilig, oha. Ich fand den total existenziell, wenngleich ich zugeben muss, dass mir als Vater der Film alleine aus persönlichen Gründen sehr nahe gegangen ist und das nicht jedem so gehen muss.
Für mich war der halt vor allem auch inszenatorisch-ästhetisch so ein mega klassisches, hollywood-eskes, malen-nach-Zahlen Dramakino, bei dem danach die ganze Welt über die "oscarreifen" Darstellerleistungen und diese eine krasse Szene (hier: die von Adam Drivers Ausbruch) fabulieren soll (hat ja auch geklappt). Total vorhersehbar, safe-played, öde. Sorry :grin:

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Do 28. Jan 2021, 11:20

Es kann und soll halt nicht jeder Film das Genre neu erfinden.
Und eine intendierte Wirkung da herein zu deuten, ist eh immer schwierig, was wäre die Alternative gewesen?
"Wir dürfen den Charakteren nicht zu viel Raum geben, sonst wirkt das, als wollten wir alle Welt über womöglich oscarreife Darstellungen fabulieren lassen." :doof:

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Do 28. Jan 2021, 11:27

dattelpalme hat geschrieben:
Do 28. Jan 2021, 10:46
Interessant. Ich habe im Kopf, dass die Frage der Kinderbetreuung (abgesehen vom abstrakten Sorgerecht) eine ziemlich untergeordnete Rolle gespielt hat in dem Film.
Was ist denn die Kinderbetreuung abgesehen vom Sorgerecht? Die Mahlzeiten und das Zubettbringen? Das beides stand tatsächlich nicht im Vordergrund, hm.

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von slowdive » Do 28. Jan 2021, 11:38

Monkeyson hat geschrieben:
Do 28. Jan 2021, 11:20
Es kann und soll halt nicht jeder Film das Genre neu erfinden.
Und eine intendierte Wirkung da herein zu deuten, ist eh immer schwierig, was wäre die Alternative gewesen?
"Wir dürfen den Charakteren nicht zu viel Raum geben, sonst wirkt das, als wollten wir alle Welt über womöglich oscarreife Darstellungen fabulieren lassen." :doof:
Ach komm. Es geht mir nicht um die Intention, sondern um das was der Film ist – und für mich ist er das, was ich beschreibe. Keine Ahnung, ob sich irgendjemand irgendetwas dabei gedacht hat oder unbewusst derlei Mechanismen reproduziert. Ist auch völlig egal.

Ich habe auch keine Ahnung, wo ich schrieb, dass man Charakteren keinen Raum lassen soll. Hä? Ist doch auch die Frage wofür und wie man ihnen Raum gibt. Mein Kritik war ja nicht zuletzt eine ästhetische, was für mich auch Sinn ergibt, bei einem audio-visuellen Medium. :grin:

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Do 28. Jan 2021, 11:48

slowdive hat geschrieben:
Do 28. Jan 2021, 11:38
Ach komm. Es geht mir nicht um die Intention, sondern um das was der Film ist – und für mich ist er das, was ich beschreibe. Keine Ahnung, ob sich irgendjemand irgendetwas dabei gedacht hat oder unbewusst derlei Mechanismen reproduziert. Ist auch völlig egal.
Las sich für mich nach Intention, als du schriebst, was "danach die ganze Welt [...] fabulieren soll".
Dass du den ästhetisch ablehnst, ist ja dein gutes Recht, habe ich kein Problem mit.

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von dattelpalme » Do 28. Jan 2021, 11:55

Monkeyson hat geschrieben:
Do 28. Jan 2021, 11:27
dattelpalme hat geschrieben:
Do 28. Jan 2021, 10:46
Interessant. Ich habe im Kopf, dass die Frage der Kinderbetreuung (abgesehen vom abstrakten Sorgerecht) eine ziemlich untergeordnete Rolle gespielt hat in dem Film.
Was ist denn die Kinderbetreuung abgesehen vom Sorgerecht? Die Mahlzeiten und das Zubettbringen? Das beides stand tatsächlich nicht im Vordergrund, hm.
Ähm ja, z.B.? Das Kind war immer irgendwie wie von selbst versorgt, obwohl beide berufstätig sind. Das fand ich einfach merkwürdig an der ganzen Sache. Im Grunde sollte das Kind doch nur herhalten, damit man in einer Scheidungsstory noch höchst kreative Sorgerechtsstreitigkeiten unterbringen kann.
„Die Welt geht vor die Hunde Mädchen, traurig aber wahr.“

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Do 28. Jan 2021, 12:07

dattelpalme hat geschrieben:
Do 28. Jan 2021, 11:55
Im Grunde sollte das Kind doch nur herhalten, damit man in einer Scheidungsstory noch höchst kreative Sorgerechtsstreitigkeiten unterbringen kann.
Womit wir wieder beim Thema gemutmaßte Intention wären. Sicherlich wäre ein Film über die Freuden und Leiden der Kinderbetreuung bei 2 höchst anspruchsvollen Berufen auch ein interessanter gewesen. Aber dies ist nunmal ein Scheidungsdrama mit 2 erwachsenen Hauptprotagonisten, da muss man manch andere Aspekte einfach im Vagen lassen.
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NeonGolden
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von NeonGolden » Fr 29. Jan 2021, 10:51

Monkeyson hat geschrieben:
Mi 27. Jan 2021, 23:46
[...] aber ich sehe gerade, dass du McDonagh schreibst, der hätte mich aufgrund seiner Vita überhaupt nicht in den Film gelockt. Chapeau!
Hö? Der hat doch ansonsten nur den ebenso meisterhaften In Bruges und den tatsächlich relativ schwachen 7 Psychos gemacht. Oder welche Vita meinst du?
Monkeyson hat geschrieben:
Mi 27. Jan 2021, 23:46
Dennoch hätte ich meine Auszeichnung an Shape of Water gegeben, 2 Gründe: Zum einen halte ich Fantastik gegenüber Realismus nicht per se für seichter und weniger prämierenswert. Zum anderen: der Score, oh Gott, was für ein furchtbar deplatzierter Score! Klang zeitweilig wie der Willkommens-Chanel auf Hotel-Fernsehern, und das bei den dramatischsten Szenen.
Würde ich auch nicht behaupten. Im Gegenteil, ich finde zB, dass der Herr der Ringe durchaus zurecht ausgezeichnet wurde.
Tatsächlich kann ich zu Shape of Water gar nicht so viel sagen, weil ich den Film nur einmal damals im Kino gesehen habe und seitdem nicht wieder. Dass ich dazu auch keinerlei Reiz verspüre bestätigt meine Erinnerung, dass er mich einfach nicht besonders umgehauen hat. Ich erinnere mich dunkel an diverse dramaturgische Längen, durchschnittliches Schauspiel und würde auch alles unterzeichen, was slowdive hierzu geschrieben hat.
Ich will dir den Film gar nicht madig machen und wie gesagt, die Oscars sollten einem eigentlich ziemlich egal sein.
slowdive hat geschrieben:
Do 28. Jan 2021, 01:06
Wieso Three Billboards vs. Shape of Water, wenn die Alternativ-Antworten vier Meisterwerke – Get Out, Blade Runner 2049 (lieber diesen hier prämieren, wenn es schon etwas fantastischer sein soll, als Shape of Water, den ich mit seiner Classical-Hollywood-Ästhetik für komplett nostalgischen Unsinn halte [in diesem Sinne auch klar, warum er bei den Oscars gewonnen hat]...sorry), Phantom Thread u. Call Me By Your Name – sind und mit I, Tonya sogar noch ein Film im Rennen war, der besser ist, als die beiden genannten. :roll: :grin:
Tatsächlich, das Kinojahr 2017/2018 war gar nicht mal so übel. Blade Runner 2049 ist für mich ebenbürtig mit Three Billboards. Get Out habe ich bisher nicht gesehen, weil ich um Horror eher einen goßen Bogen mache. Phantom Thread und Call Me By Your Name habe ich zu meiner Schande beide noch nicht gesehen. Kann gut sein, dass ich die auch allesamt noch besser finde.
Aber I, Tonya? Echt? Den fand ich nur nett, ungefähr auf einem Niveau wie Eddie the Eagle.
...Spaß. I, Tonya ist auch ziemlich toll. Ich glaub ich war nur ziemlich häufig von der Hauptfigur genervt. Oder war es die Mutter? Puh, ich weiß es nicht mehr. Irgendwer war unangenehm. :P

Aber ach, eigentlich darf ich bei diesem Thema eh nicht mitreden, schließlich ist für mich auch Dumb and Dumber ein Meisterwerk. :grin:

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von slowdive » Fr 29. Jan 2021, 11:06

NeonGolden hat geschrieben:
Fr 29. Jan 2021, 10:51
Aber ach, eigentlich darf ich bei diesem Thema eh nicht mitreden, schließlich ist für mich auch Dumb and Dumber ein Meisterwerk. :grin:
GERADE dann sollte man mitreden, finde ich. Sonst ist doch alles der selbe Quark, der sich um die selben kanonisierten Werke dreht. Bei mir etwas abseits vom Konsens: Legally Blonde = Comedy Masterpiece. Allgemein "Chick-Flicks" = völlig unterschätzt. Verdeutlicht für mich immer wieder nur, wie eindimensional und stumpf die noch immer stark männlich geprägte Filmrezeption (bzw. Kunstrezeption allgemein) doch ist. :gähn:

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Fr 29. Jan 2021, 11:24

NeonGolden hat geschrieben:
Fr 29. Jan 2021, 10:51
Monkeyson hat geschrieben:
Mi 27. Jan 2021, 23:46
[...] aber ich sehe gerade, dass du McDonagh schreibst, der hätte mich aufgrund seiner Vita überhaupt nicht in den Film gelockt. Chapeau!
Hö? Der hat doch ansonsten nur den ebenso meisterhaften In Bruges und den tatsächlich relativ schwachen 7 Psychos gemacht. Oder welche Vita meinst du?
So ne Riesen-Vita hat der ja nicht, das meinte ich damit. Und In Bruges war unterhaltsam, ja. Aber ich frage mich, ob das Bonus Feature auf der DVD, bei welchem alle "Fuck"-Ausrufe aneinandergeschnitten waren, nicht sogar unterhaltsamer war.

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Fr 29. Jan 2021, 11:26

NeonGolden hat geschrieben:
Fr 29. Jan 2021, 10:51
Aber ach, eigentlich darf ich bei diesem Thema eh nicht mitreden, schließlich ist für mich auch Dumb and Dumber ein Meisterwerk. :grin:
Und ich denke, die Nackte Kanone gehört in jeden Filmkanon.

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von slowdive » Fr 29. Jan 2021, 11:30

Monkeyson hat geschrieben:
Fr 29. Jan 2021, 11:26
NeonGolden hat geschrieben:
Fr 29. Jan 2021, 10:51
Aber ach, eigentlich darf ich bei diesem Thema eh nicht mitreden, schließlich ist für mich auch Dumb and Dumber ein Meisterwerk. :grin:
Und ich denke, die Nackte Kanone gehört in jeden Filmkanon.
Das ist ja wohl völlig unkontrovers. :herzen2:

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von mattkru » Fr 29. Jan 2021, 11:38

slowdive hat geschrieben:
Fr 29. Jan 2021, 11:06
NeonGolden hat geschrieben:
Fr 29. Jan 2021, 10:51
Aber ach, eigentlich darf ich bei diesem Thema eh nicht mitreden, schließlich ist für mich auch Dumb and Dumber ein Meisterwerk. :grin:
GERADE dann sollte man mitreden, finde ich. Sonst ist doch alles der selbe Quark, der sich um die selben kanonisierten Werke dreht. Bei mir etwas abseits vom Konsens: Legally Blonde = Comedy Masterpiece. Allgemein "Chick-Flicks" = völlig unterschätzt. Verdeutlicht für mich immer wieder nur, wie eindimensional und stumpf die noch immer stark männlich geprägte Filmrezeption (bzw. Kunstrezeption allgemein) doch ist. :gähn:
Ich finde den Vergleich zur Musik interessant: ein Kritiker im Metal Hammer wird nicht über Jazz schreiben; jemand von der Visions keinen Schlager bewerten. Aber bei Filmen habe ich immer das Gefühl, es gibt nur eine ‚höhere‘ Konsensmeinung.

Bei Musik gab es früher die Unterteilung in E-Musik und U-Musik. Das hat sich mittlerweile gelegt. Aber bei Filmen wird dieses Prinzip aus meiner Sicht immer noch stark angewendet.
Zuletzt geändert von mattkru am Fr 29. Jan 2021, 11:45, insgesamt 1-mal geändert.

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NeonGolden
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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von NeonGolden » Fr 29. Jan 2021, 11:39

slowdive hat geschrieben:
Fr 29. Jan 2021, 11:06
Verdeutlicht für mich immer wieder nur, wie eindimensional und stumpf die noch immer stark männlich geprägte Filmrezeption (bzw. Kunstrezeption allgemein) doch ist. :gähn:
Wie meinst du das bzw. was verdeutlicht das? Dass Chick-Flicks kein Ansehen genießen? Das kann wohl gut sein. Ist die Frage, woran das liegt. Ich kann mir gut vorstellen, dass das ursächlich auch ein marketingtechnisches Problem ist. Solche Filme werden ja auch gefühlt bewusst so vermarktet, dass sich auch ja kein männliches Wesen ins Publikum wagt.
Aber ja, was du schreibst trifft ganz sicher auch zu.
Monkeyson hat geschrieben:
Fr 29. Jan 2021, 11:24
So ne Riesen-Vita hat der ja nicht, das meinte ich damit. Und In Bruges war unterhaltsam, ja. Aber ich frage mich, ob das Bonus Feature auf der DVD, bei welchem alle "Fuck"-Ausrufe aneinandergeschnitten waren, nicht sogar unterhaltsamer war.
Dude, ich glaube wir sind filmtechnisch einfach hart unkompatibel. :P Allein der eine Telefondialog zwischen Ken und Harry ist pures Gold.
slowdive hat geschrieben:
Fr 29. Jan 2021, 11:30
Monkeyson hat geschrieben:
Fr 29. Jan 2021, 11:26
Und ich denke, die Nackte Kanone gehört in jeden Filmkanon.
Das ist ja wohl völlig unkontrovers. :herzen2:
Absolut! Vermutlich ist Dumb and Dumber auch relativ anerkannt.
Ich wollte mich auch nur elegant aus der Debatte verabschieden, weil ich mich nicht auf eine tiefgreifende Analyse der besprochenen Filme einlassen wollte. :wink:

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Re: Der neue Filmthread oder guckt denn keiner mehr Filme?

Beitrag von Monkeyson » Fr 29. Jan 2021, 12:06

NeonGolden hat geschrieben:
Fr 29. Jan 2021, 11:39
Dude, ich glaube wir sind filmtechnisch einfach hart unkompatibel. :P
Ist das so? Ich fand die beiden besprochenen Werke "unterhaltsam" bzw. "super" (exklusive dem Score).


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