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Was lest ihr gerade?

Von Spam bis Gott und die Welt
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Quadrophobia
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Quadrophobia » Mi 20. Mär 2019, 17:04

defpro hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 16:48
Taksim hat geschrieben:
Fr 15. Mär 2019, 14:08
Mal wieder ein bisschen Klassiker-Zeit:

American Psycho
Nicht nur wegen seines Status sondern auch wegen der Kontroverse darum ist dies natürlich ein Buch mit dem ich mit ner Menge Gepäck rangegangen bin. Ich hab wahnsinnig viel darüber gehört hab und das rangierte aber mal komplett von "absolutes Muss" bis "absolut grauenvoll". Aber nicht deswegen und auch nicht wegen der zu erwartenden expliziten Gewaltdarstellungen hatte ich lange Berührungsängste mit dem Buch (auch wenn mir die häufigen Kommentare á la "mir drehte sich der Magen um" oder "ich musste das Ding weglegen" schon zu Denken gaben). Berührungsängste hatte ich, da ich es als sehr sperrig erwartet habe, gerade weil wieder andere meinen nicht die Gewalt sondern die ewig repetitiven Spiralen von oberflächlichen Beschreibungen wären das eigentlich Anstrengende.
Ich muss nun sagen, dass ich letzteres als genialen bitterbösen Kommentar auf Statusdenken und Markenfetischismus lese, aber voll verstehe, wenn man davon irgendwann genervt ist. Jedoch ist es so wie ich gehofft hatte, dass der Punkt, dass es nerven soll, mir Anerkennung abgewinnt. Daneben war ich überrascht, wie viele schwarzhumorige Einwürfe es gab, wo ich nun definitiv den Einfluss auf einige meiner Lieblingsautoren allen voran John Niven sehe, da es Parallelen in der Art gibt, wie tiefster Zynismus ganz beiläufig vom Hauptcharakter vom Stapel gelassen wird, was deren krude Weltansicht gleichsam verstörend und urkomisch erscheinen lässt und man sich ganz schlecht fühlt darüber zu lachen :mrgreen:
Wie auch immer man dazu steht, es ist eine Erfahrung. Und ja, die Gewaltdarstellungen sind heftig und bestimmt nicht für jeden was, aber das Buch geht auf jeden Fall weit darüber hinaus nur ein Sadismus-Porno zu sein.
Hab das Buch mit 14 zum ersten Mal gelesen (damals natürlich vor allem aufgrund der expliziten Gewaltdarstellungen :lol: ) und war dann doch überrascht, wie viel mehr Substanz dieses Buch doch bereit hält. Müsste ich eigentlich mal wieder lesen, wenn ich es nicht im letzten Abijahr verliehen hätte und seitdem nie wieder zurückerhalten habe.
Habe im Nachgang auch noch alle anderen Veröffentlichungen von Bret Easton Ellis gelesen, die ich auch alle weiterempfehlen würde, wenn man mit dem Schreibstil von Ellis etwas anfangen kann. So explizit wie in "American Psycho" wird es auch nur noch mal kurz in "Glamorama", ansonsten sind die Bücher harmloser (was sie jedoch nicht minder spannend macht). Besonders "Less Than Zero" und "The Rules of Attraction" solltest du auf jeden Fall mal antesten. Erstereren würde ich auch als seinen besten Roman bezeichnen. Sind beide im Milleu reicher College-Studenten angesiedelt, besonders die von dir oben genannten Charakteristika ziehen sich eigentlich durch seine komplette Bibliographie.

An "Moby Dick" habe ich mich auch mal versucht, musste aber leider gelangweilt abbrechen. Mein letzter Versuch mit "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" ist auch im Sande verlaufen. Evtl. sollte ich mit etwas leichterem beginnen, um meine Leselaune wieder zu entfachen...
Auf jeden Fall! Vielleicht sogar eins der besten Pop-Literatur Bücher aller Zeiten. Ich finde Less Than Zero und vor allem den Nachfolger "Imperial Bedrooms" (leider nicht so toll) nicht weniger brutal als American Psycho, wenn es auch nicht gleichmäßig viel Gewaltdarstellungen hat.

defpro
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von defpro » Mi 20. Mär 2019, 17:41

Quadrophobia hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 17:04
defpro hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 16:48
Taksim hat geschrieben:
Fr 15. Mär 2019, 14:08
Mal wieder ein bisschen Klassiker-Zeit:

American Psycho
Nicht nur wegen seines Status sondern auch wegen der Kontroverse darum ist dies natürlich ein Buch mit dem ich mit ner Menge Gepäck rangegangen bin. Ich hab wahnsinnig viel darüber gehört hab und das rangierte aber mal komplett von "absolutes Muss" bis "absolut grauenvoll". Aber nicht deswegen und auch nicht wegen der zu erwartenden expliziten Gewaltdarstellungen hatte ich lange Berührungsängste mit dem Buch (auch wenn mir die häufigen Kommentare á la "mir drehte sich der Magen um" oder "ich musste das Ding weglegen" schon zu Denken gaben). Berührungsängste hatte ich, da ich es als sehr sperrig erwartet habe, gerade weil wieder andere meinen nicht die Gewalt sondern die ewig repetitiven Spiralen von oberflächlichen Beschreibungen wären das eigentlich Anstrengende.
Ich muss nun sagen, dass ich letzteres als genialen bitterbösen Kommentar auf Statusdenken und Markenfetischismus lese, aber voll verstehe, wenn man davon irgendwann genervt ist. Jedoch ist es so wie ich gehofft hatte, dass der Punkt, dass es nerven soll, mir Anerkennung abgewinnt. Daneben war ich überrascht, wie viele schwarzhumorige Einwürfe es gab, wo ich nun definitiv den Einfluss auf einige meiner Lieblingsautoren allen voran John Niven sehe, da es Parallelen in der Art gibt, wie tiefster Zynismus ganz beiläufig vom Hauptcharakter vom Stapel gelassen wird, was deren krude Weltansicht gleichsam verstörend und urkomisch erscheinen lässt und man sich ganz schlecht fühlt darüber zu lachen :mrgreen:
Wie auch immer man dazu steht, es ist eine Erfahrung. Und ja, die Gewaltdarstellungen sind heftig und bestimmt nicht für jeden was, aber das Buch geht auf jeden Fall weit darüber hinaus nur ein Sadismus-Porno zu sein.
Hab das Buch mit 14 zum ersten Mal gelesen (damals natürlich vor allem aufgrund der expliziten Gewaltdarstellungen :lol: ) und war dann doch überrascht, wie viel mehr Substanz dieses Buch doch bereit hält. Müsste ich eigentlich mal wieder lesen, wenn ich es nicht im letzten Abijahr verliehen hätte und seitdem nie wieder zurückerhalten habe.
Habe im Nachgang auch noch alle anderen Veröffentlichungen von Bret Easton Ellis gelesen, die ich auch alle weiterempfehlen würde, wenn man mit dem Schreibstil von Ellis etwas anfangen kann. So explizit wie in "American Psycho" wird es auch nur noch mal kurz in "Glamorama", ansonsten sind die Bücher harmloser (was sie jedoch nicht minder spannend macht). Besonders "Less Than Zero" und "The Rules of Attraction" solltest du auf jeden Fall mal antesten. Erstereren würde ich auch als seinen besten Roman bezeichnen. Sind beide im Milleu reicher College-Studenten angesiedelt, besonders die von dir oben genannten Charakteristika ziehen sich eigentlich durch seine komplette Bibliographie.

An "Moby Dick" habe ich mich auch mal versucht, musste aber leider gelangweilt abbrechen. Mein letzter Versuch mit "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" ist auch im Sande verlaufen. Evtl. sollte ich mit etwas leichterem beginnen, um meine Leselaune wieder zu entfachen...
Auf jeden Fall! Vielleicht sogar eins der besten Pop-Literatur Bücher aller Zeiten. Ich finde Less Than Zero und vor allem den Nachfolger "Imperial Bedrooms" (leider nicht so toll) nicht weniger brutal als American Psycho, wenn es auch nicht gleichmäßig viel Gewaltdarstellungen hat.
Jetzt hast du noch schön meinen Tippfehler hervorgehoben :grin: Stimmt, "Imperial Bedrooms" fiel etwas ab, wobei ich das bei mir auch auf die zu hohen Erwartungen geschoben habe (wie so oft bei Fortsetzungen). Müsste das Buch nochmal lesen, hab das nicht mehr so auf dem Schirm.
Gewaltdarstellungen gibt es meine ich bei "Less Than Zero" gar keine, auch die expliziten Sexszenen kamen erst ab "Rules Of Attraction". Oder meinst du "brutal" eher im übertragenen Sinn?

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Quadrophobia
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Quadrophobia » Mi 20. Mär 2019, 18:06

defpro hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 17:41
Quadrophobia hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 17:04
defpro hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 16:48

Hab das Buch mit 14 zum ersten Mal gelesen (damals natürlich vor allem aufgrund der expliziten Gewaltdarstellungen :lol: ) und war dann doch überrascht, wie viel mehr Substanz dieses Buch doch bereit hält. Müsste ich eigentlich mal wieder lesen, wenn ich es nicht im letzten Abijahr verliehen hätte und seitdem nie wieder zurückerhalten habe.
Habe im Nachgang auch noch alle anderen Veröffentlichungen von Bret Easton Ellis gelesen, die ich auch alle weiterempfehlen würde, wenn man mit dem Schreibstil von Ellis etwas anfangen kann. So explizit wie in "American Psycho" wird es auch nur noch mal kurz in "Glamorama", ansonsten sind die Bücher harmloser (was sie jedoch nicht minder spannend macht). Besonders "Less Than Zero" und "The Rules of Attraction" solltest du auf jeden Fall mal antesten. Erstereren würde ich auch als seinen besten Roman bezeichnen. Sind beide im Milleu reicher College-Studenten angesiedelt, besonders die von dir oben genannten Charakteristika ziehen sich eigentlich durch seine komplette Bibliographie.

An "Moby Dick" habe ich mich auch mal versucht, musste aber leider gelangweilt abbrechen. Mein letzter Versuch mit "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" ist auch im Sande verlaufen. Evtl. sollte ich mit etwas leichterem beginnen, um meine Leselaune wieder zu entfachen...
Auf jeden Fall! Vielleicht sogar eins der besten Pop-Literatur Bücher aller Zeiten. Ich finde Less Than Zero und vor allem den Nachfolger "Imperial Bedrooms" (leider nicht so toll) nicht weniger brutal als American Psycho, wenn es auch nicht gleichmäßig viel Gewaltdarstellungen hat.
Jetzt hast du noch schön meinen Tippfehler hervorgehoben :grin: Stimmt, "Imperial Bedrooms" fiel etwas ab, wobei ich das bei mir auch auf die zu hohen Erwartungen geschoben habe (wie so oft bei Fortsetzungen). Müsste das Buch nochmal lesen, hab das nicht mehr so auf dem Schirm.
Gewaltdarstellungen gibt es meine ich bei "Less Than Zero" gar keine, auch die expliziten Sexszenen kamen erst ab "Rules Of Attraction". Oder meinst du "brutal" eher im übertragenen Sinn?
Der Schreibfehler war mir gar nicht aufgefallen :grin:

Klar, es gibt keine expliziten Beschreibungen von Gewalt, aber das würde auch kein Bisschen zum Buch passen. Insgesamt empfinde ich die behandelte Gewalt aber trotz weniger expliziter Sprache ähnlich heftig wie bei American Psycho, was ich aber zugegebenerweise vor Ewigkeiten gelesen habe.

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Taksim
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Taksim » Mi 20. Mär 2019, 18:25

Quadrophobia hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 17:04
defpro hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 16:48
Taksim hat geschrieben:
Fr 15. Mär 2019, 14:08
Mal wieder ein bisschen Klassiker-Zeit:

American Psycho
Nicht nur wegen seines Status sondern auch wegen der Kontroverse darum ist dies natürlich ein Buch mit dem ich mit ner Menge Gepäck rangegangen bin. Ich hab wahnsinnig viel darüber gehört hab und das rangierte aber mal komplett von "absolutes Muss" bis "absolut grauenvoll". Aber nicht deswegen und auch nicht wegen der zu erwartenden expliziten Gewaltdarstellungen hatte ich lange Berührungsängste mit dem Buch (auch wenn mir die häufigen Kommentare á la "mir drehte sich der Magen um" oder "ich musste das Ding weglegen" schon zu Denken gaben). Berührungsängste hatte ich, da ich es als sehr sperrig erwartet habe, gerade weil wieder andere meinen nicht die Gewalt sondern die ewig repetitiven Spiralen von oberflächlichen Beschreibungen wären das eigentlich Anstrengende.
Ich muss nun sagen, dass ich letzteres als genialen bitterbösen Kommentar auf Statusdenken und Markenfetischismus lese, aber voll verstehe, wenn man davon irgendwann genervt ist. Jedoch ist es so wie ich gehofft hatte, dass der Punkt, dass es nerven soll, mir Anerkennung abgewinnt. Daneben war ich überrascht, wie viele schwarzhumorige Einwürfe es gab, wo ich nun definitiv den Einfluss auf einige meiner Lieblingsautoren allen voran John Niven sehe, da es Parallelen in der Art gibt, wie tiefster Zynismus ganz beiläufig vom Hauptcharakter vom Stapel gelassen wird, was deren krude Weltansicht gleichsam verstörend und urkomisch erscheinen lässt und man sich ganz schlecht fühlt darüber zu lachen :mrgreen:
Wie auch immer man dazu steht, es ist eine Erfahrung. Und ja, die Gewaltdarstellungen sind heftig und bestimmt nicht für jeden was, aber das Buch geht auf jeden Fall weit darüber hinaus nur ein Sadismus-Porno zu sein.
Hab das Buch mit 14 zum ersten Mal gelesen (damals natürlich vor allem aufgrund der expliziten Gewaltdarstellungen :lol: ) und war dann doch überrascht, wie viel mehr Substanz dieses Buch doch bereit hält. Müsste ich eigentlich mal wieder lesen, wenn ich es nicht im letzten Abijahr verliehen hätte und seitdem nie wieder zurückerhalten habe.
Habe im Nachgang auch noch alle anderen Veröffentlichungen von Bret Easton Ellis gelesen, die ich auch alle weiterempfehlen würde, wenn man mit dem Schreibstil von Ellis etwas anfangen kann. So explizit wie in "American Psycho" wird es auch nur noch mal kurz in "Glamorama", ansonsten sind die Bücher harmloser (was sie jedoch nicht minder spannend macht). Besonders "Less Than Zero" und "The Rules of Attraction" solltest du auf jeden Fall mal antesten. Erstereren würde ich auch als seinen besten Roman bezeichnen. Sind beide im Milleu reicher College-Studenten angesiedelt, besonders die von dir oben genannten Charakteristika ziehen sich eigentlich durch seine komplette Bibliographie.

An "Moby Dick" habe ich mich auch mal versucht, musste aber leider gelangweilt abbrechen. Mein letzter Versuch mit "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" ist auch im Sande verlaufen. Evtl. sollte ich mit etwas leichterem beginnen, um meine Leselaune wieder zu entfachen...
Auf jeden Fall! Vielleicht sogar eins der besten Pop-Literatur Bücher aller Zeiten. Ich finde Less Than Zero und vor allem den Nachfolger "Imperial Bedrooms" (leider nicht so toll) nicht weniger brutal als American Psycho, wenn es auch nicht gleichmäßig viel Gewaltdarstellungen hat.
Danke, merk ich mir!
Joa, Moby Dick Seite 200, kann nicht behaupten, dass es sich flüssig runterlesen lässt.
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tOmAtE
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von tOmAtE » Mi 20. Mär 2019, 20:29

Mir ist gestern Robinson Crusoe in die Hände gefallen. Die Geschichte ist natürlich bekannt, aber ich hatte es noch nie gelesen oder Hörbuch gehört oder Film gesehen. Liest sich super leicht weg und ist tatsächlich ganz spannend. Falls die Lust nach einem Klassiker steht kann ich das nur empfehlen.
//RED STEEL IN THE HOUR OF CHAOS
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Taksim
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Taksim » So 14. Apr 2019, 14:15

Taksim hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 18:25
Joa, Moby Dick Seite 200, kann nicht behaupten, dass es sich flüssig runterlesen lässt.
Puh, das war doch sehr zäh.
Jetzt habe ich ein bisschen was zu den Hintergründen gelesen und mit mehr Muße lässt sich da bestimmt ne Menge mehr noch rauslesen aus den tausenden Referenzen und stilistischen Kniffen. Aber von Geschichte, Charakteren und Sprache war ich wenig angetan. War mir zum Ende hin fast sicher, dass der englische Ausdruck "cut to the chase" im Sinne von "Komm zur Sache" gut durch dieses Buch hätte inspiriert sein können. Die Chase erstreckt sich dann aber nur auf kurze vierzig, fünfzig Seiten und man muss sich durch viele, viele deskriptive Passagen kämpfen bis es soweit ist (Wiki sagt, der Ausdruck kommt aus der Stummfilmbranche im frühen 20. Jahrhunderts, wo das wohl ein geflügeltes Wort unter Produzenten war, die keine unnötigen Längen in ihren Filmen haben wollten).
Und wie ich im Kontext von American Psycho schon angemerkt hatte, mag ich eigentlich solche Abweichungen und für mich muss bestimmt nicht jede Passage eines Romans eine konkrete Funktion haben oder den Plot voranbringen. Nur hier funktionierte es für mich nicht, vielleicht weil auch die Materie für mich wenig spannend bleibt.
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Wishkah
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Wishkah » Mo 15. Apr 2019, 07:55

Naokos Lächeln (Haruki Murakami, OT: "Norwegian Wood") - Nach "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" und "Mister Aufziehvogel" nun mein dritter Murakami, durch den ich in den letzten paar Tagen gerauscht bin. Stilistisch waren die drei Bücher sich überraschend ähnlich. Im Mittelpunkt steht stets ein jüngerer Mann, der irgendwie verloren im Leben zu sein scheint und sich von den Geschehnissen treiben lässt. Die Themen sind dabei immer auffallend gleich: Es geht um Begegnungen mit anderen Menschen (vor allem Frauen), Liebe und Freundschaft, Sex, Alkohol, Essen und Musik (mit vielen popkulturellen Zitaten). Das klingt trivial und beschreibt so auch tausende andere Bücher, aber wer einen dieser Romane gelesen hat, weiß, was ich meine.

Eine Gemeinsamkeit ist zudem, dass jeder dieser Romane am Ende etliche Fragen und Handlungsstränge offenlässt. Vieles bleibt vage, teilweise sogar schlicht verwirrend, gerade wenn die Ereignisse ins Abstruse und Übernatürliche übergehen. Das mag unbefriedigend klingen (und ist es teilweise auch), aber trotzdem haben mich alle drei Bücher in ihren Bann gezogen. Das japanische Setting mit seiner durchgängig präsenten nostalgischen Melancholie, in die man so schön eintauchen kann, hat es mir einfach angetan. Im Grunde ist es mir dann auch gar nicht so wichtig, was genau passiert und welche Türen am Ende nicht geschlossen werden, so lange ich für ein paar hundert Seiten in dieser Stimmung versinken kann. Das macht die Romane von Murakami bislang so besonders für mich. Ist ganz sicher nicht für jeden etwas, aber mich trifft es total.

Auf "Naokos Lächeln" bin ich jetzt gar nicht konkret eingegangen, aber im Grunde beschreibt jeder meiner Sätze auch dieses Buch. Eins der bodenständigeren Werke von Murakami (ohne den Sprung ins Übernatürliche), im Grunde eine Liebesgeschichte, in der es vor allem auch darum geht, welche Spuren der Verlust eines geliebten Menschen in einem hinterlässt.


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