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Was lest ihr gerade?

Von Spam bis Gott und die Welt
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Quadrophobia
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Quadrophobia » Mi 20. Mär 2019, 17:04

defpro hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 16:48
Taksim hat geschrieben:
Fr 15. Mär 2019, 14:08
Mal wieder ein bisschen Klassiker-Zeit:

American Psycho
Nicht nur wegen seines Status sondern auch wegen der Kontroverse darum ist dies natürlich ein Buch mit dem ich mit ner Menge Gepäck rangegangen bin. Ich hab wahnsinnig viel darüber gehört hab und das rangierte aber mal komplett von "absolutes Muss" bis "absolut grauenvoll". Aber nicht deswegen und auch nicht wegen der zu erwartenden expliziten Gewaltdarstellungen hatte ich lange Berührungsängste mit dem Buch (auch wenn mir die häufigen Kommentare á la "mir drehte sich der Magen um" oder "ich musste das Ding weglegen" schon zu Denken gaben). Berührungsängste hatte ich, da ich es als sehr sperrig erwartet habe, gerade weil wieder andere meinen nicht die Gewalt sondern die ewig repetitiven Spiralen von oberflächlichen Beschreibungen wären das eigentlich Anstrengende.
Ich muss nun sagen, dass ich letzteres als genialen bitterbösen Kommentar auf Statusdenken und Markenfetischismus lese, aber voll verstehe, wenn man davon irgendwann genervt ist. Jedoch ist es so wie ich gehofft hatte, dass der Punkt, dass es nerven soll, mir Anerkennung abgewinnt. Daneben war ich überrascht, wie viele schwarzhumorige Einwürfe es gab, wo ich nun definitiv den Einfluss auf einige meiner Lieblingsautoren allen voran John Niven sehe, da es Parallelen in der Art gibt, wie tiefster Zynismus ganz beiläufig vom Hauptcharakter vom Stapel gelassen wird, was deren krude Weltansicht gleichsam verstörend und urkomisch erscheinen lässt und man sich ganz schlecht fühlt darüber zu lachen :mrgreen:
Wie auch immer man dazu steht, es ist eine Erfahrung. Und ja, die Gewaltdarstellungen sind heftig und bestimmt nicht für jeden was, aber das Buch geht auf jeden Fall weit darüber hinaus nur ein Sadismus-Porno zu sein.
Hab das Buch mit 14 zum ersten Mal gelesen (damals natürlich vor allem aufgrund der expliziten Gewaltdarstellungen :lol: ) und war dann doch überrascht, wie viel mehr Substanz dieses Buch doch bereit hält. Müsste ich eigentlich mal wieder lesen, wenn ich es nicht im letzten Abijahr verliehen hätte und seitdem nie wieder zurückerhalten habe.
Habe im Nachgang auch noch alle anderen Veröffentlichungen von Bret Easton Ellis gelesen, die ich auch alle weiterempfehlen würde, wenn man mit dem Schreibstil von Ellis etwas anfangen kann. So explizit wie in "American Psycho" wird es auch nur noch mal kurz in "Glamorama", ansonsten sind die Bücher harmloser (was sie jedoch nicht minder spannend macht). Besonders "Less Than Zero" und "The Rules of Attraction" solltest du auf jeden Fall mal antesten. Erstereren würde ich auch als seinen besten Roman bezeichnen. Sind beide im Milleu reicher College-Studenten angesiedelt, besonders die von dir oben genannten Charakteristika ziehen sich eigentlich durch seine komplette Bibliographie.

An "Moby Dick" habe ich mich auch mal versucht, musste aber leider gelangweilt abbrechen. Mein letzter Versuch mit "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" ist auch im Sande verlaufen. Evtl. sollte ich mit etwas leichterem beginnen, um meine Leselaune wieder zu entfachen...
Auf jeden Fall! Vielleicht sogar eins der besten Pop-Literatur Bücher aller Zeiten. Ich finde Less Than Zero und vor allem den Nachfolger "Imperial Bedrooms" (leider nicht so toll) nicht weniger brutal als American Psycho, wenn es auch nicht gleichmäßig viel Gewaltdarstellungen hat.

defpro
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von defpro » Mi 20. Mär 2019, 17:41

Quadrophobia hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 17:04
defpro hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 16:48
Taksim hat geschrieben:
Fr 15. Mär 2019, 14:08
Mal wieder ein bisschen Klassiker-Zeit:

American Psycho
Nicht nur wegen seines Status sondern auch wegen der Kontroverse darum ist dies natürlich ein Buch mit dem ich mit ner Menge Gepäck rangegangen bin. Ich hab wahnsinnig viel darüber gehört hab und das rangierte aber mal komplett von "absolutes Muss" bis "absolut grauenvoll". Aber nicht deswegen und auch nicht wegen der zu erwartenden expliziten Gewaltdarstellungen hatte ich lange Berührungsängste mit dem Buch (auch wenn mir die häufigen Kommentare á la "mir drehte sich der Magen um" oder "ich musste das Ding weglegen" schon zu Denken gaben). Berührungsängste hatte ich, da ich es als sehr sperrig erwartet habe, gerade weil wieder andere meinen nicht die Gewalt sondern die ewig repetitiven Spiralen von oberflächlichen Beschreibungen wären das eigentlich Anstrengende.
Ich muss nun sagen, dass ich letzteres als genialen bitterbösen Kommentar auf Statusdenken und Markenfetischismus lese, aber voll verstehe, wenn man davon irgendwann genervt ist. Jedoch ist es so wie ich gehofft hatte, dass der Punkt, dass es nerven soll, mir Anerkennung abgewinnt. Daneben war ich überrascht, wie viele schwarzhumorige Einwürfe es gab, wo ich nun definitiv den Einfluss auf einige meiner Lieblingsautoren allen voran John Niven sehe, da es Parallelen in der Art gibt, wie tiefster Zynismus ganz beiläufig vom Hauptcharakter vom Stapel gelassen wird, was deren krude Weltansicht gleichsam verstörend und urkomisch erscheinen lässt und man sich ganz schlecht fühlt darüber zu lachen :mrgreen:
Wie auch immer man dazu steht, es ist eine Erfahrung. Und ja, die Gewaltdarstellungen sind heftig und bestimmt nicht für jeden was, aber das Buch geht auf jeden Fall weit darüber hinaus nur ein Sadismus-Porno zu sein.
Hab das Buch mit 14 zum ersten Mal gelesen (damals natürlich vor allem aufgrund der expliziten Gewaltdarstellungen :lol: ) und war dann doch überrascht, wie viel mehr Substanz dieses Buch doch bereit hält. Müsste ich eigentlich mal wieder lesen, wenn ich es nicht im letzten Abijahr verliehen hätte und seitdem nie wieder zurückerhalten habe.
Habe im Nachgang auch noch alle anderen Veröffentlichungen von Bret Easton Ellis gelesen, die ich auch alle weiterempfehlen würde, wenn man mit dem Schreibstil von Ellis etwas anfangen kann. So explizit wie in "American Psycho" wird es auch nur noch mal kurz in "Glamorama", ansonsten sind die Bücher harmloser (was sie jedoch nicht minder spannend macht). Besonders "Less Than Zero" und "The Rules of Attraction" solltest du auf jeden Fall mal antesten. Erstereren würde ich auch als seinen besten Roman bezeichnen. Sind beide im Milleu reicher College-Studenten angesiedelt, besonders die von dir oben genannten Charakteristika ziehen sich eigentlich durch seine komplette Bibliographie.

An "Moby Dick" habe ich mich auch mal versucht, musste aber leider gelangweilt abbrechen. Mein letzter Versuch mit "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" ist auch im Sande verlaufen. Evtl. sollte ich mit etwas leichterem beginnen, um meine Leselaune wieder zu entfachen...
Auf jeden Fall! Vielleicht sogar eins der besten Pop-Literatur Bücher aller Zeiten. Ich finde Less Than Zero und vor allem den Nachfolger "Imperial Bedrooms" (leider nicht so toll) nicht weniger brutal als American Psycho, wenn es auch nicht gleichmäßig viel Gewaltdarstellungen hat.
Jetzt hast du noch schön meinen Tippfehler hervorgehoben :grin: Stimmt, "Imperial Bedrooms" fiel etwas ab, wobei ich das bei mir auch auf die zu hohen Erwartungen geschoben habe (wie so oft bei Fortsetzungen). Müsste das Buch nochmal lesen, hab das nicht mehr so auf dem Schirm.
Gewaltdarstellungen gibt es meine ich bei "Less Than Zero" gar keine, auch die expliziten Sexszenen kamen erst ab "Rules Of Attraction". Oder meinst du "brutal" eher im übertragenen Sinn?

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Quadrophobia
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Quadrophobia » Mi 20. Mär 2019, 18:06

defpro hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 17:41
Quadrophobia hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 17:04
defpro hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 16:48

Hab das Buch mit 14 zum ersten Mal gelesen (damals natürlich vor allem aufgrund der expliziten Gewaltdarstellungen :lol: ) und war dann doch überrascht, wie viel mehr Substanz dieses Buch doch bereit hält. Müsste ich eigentlich mal wieder lesen, wenn ich es nicht im letzten Abijahr verliehen hätte und seitdem nie wieder zurückerhalten habe.
Habe im Nachgang auch noch alle anderen Veröffentlichungen von Bret Easton Ellis gelesen, die ich auch alle weiterempfehlen würde, wenn man mit dem Schreibstil von Ellis etwas anfangen kann. So explizit wie in "American Psycho" wird es auch nur noch mal kurz in "Glamorama", ansonsten sind die Bücher harmloser (was sie jedoch nicht minder spannend macht). Besonders "Less Than Zero" und "The Rules of Attraction" solltest du auf jeden Fall mal antesten. Erstereren würde ich auch als seinen besten Roman bezeichnen. Sind beide im Milleu reicher College-Studenten angesiedelt, besonders die von dir oben genannten Charakteristika ziehen sich eigentlich durch seine komplette Bibliographie.

An "Moby Dick" habe ich mich auch mal versucht, musste aber leider gelangweilt abbrechen. Mein letzter Versuch mit "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" ist auch im Sande verlaufen. Evtl. sollte ich mit etwas leichterem beginnen, um meine Leselaune wieder zu entfachen...
Auf jeden Fall! Vielleicht sogar eins der besten Pop-Literatur Bücher aller Zeiten. Ich finde Less Than Zero und vor allem den Nachfolger "Imperial Bedrooms" (leider nicht so toll) nicht weniger brutal als American Psycho, wenn es auch nicht gleichmäßig viel Gewaltdarstellungen hat.
Jetzt hast du noch schön meinen Tippfehler hervorgehoben :grin: Stimmt, "Imperial Bedrooms" fiel etwas ab, wobei ich das bei mir auch auf die zu hohen Erwartungen geschoben habe (wie so oft bei Fortsetzungen). Müsste das Buch nochmal lesen, hab das nicht mehr so auf dem Schirm.
Gewaltdarstellungen gibt es meine ich bei "Less Than Zero" gar keine, auch die expliziten Sexszenen kamen erst ab "Rules Of Attraction". Oder meinst du "brutal" eher im übertragenen Sinn?
Der Schreibfehler war mir gar nicht aufgefallen :grin:

Klar, es gibt keine expliziten Beschreibungen von Gewalt, aber das würde auch kein Bisschen zum Buch passen. Insgesamt empfinde ich die behandelte Gewalt aber trotz weniger expliziter Sprache ähnlich heftig wie bei American Psycho, was ich aber zugegebenerweise vor Ewigkeiten gelesen habe.

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Taksim
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Taksim » Mi 20. Mär 2019, 18:25

Quadrophobia hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 17:04
defpro hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 16:48
Taksim hat geschrieben:
Fr 15. Mär 2019, 14:08
Mal wieder ein bisschen Klassiker-Zeit:

American Psycho
Nicht nur wegen seines Status sondern auch wegen der Kontroverse darum ist dies natürlich ein Buch mit dem ich mit ner Menge Gepäck rangegangen bin. Ich hab wahnsinnig viel darüber gehört hab und das rangierte aber mal komplett von "absolutes Muss" bis "absolut grauenvoll". Aber nicht deswegen und auch nicht wegen der zu erwartenden expliziten Gewaltdarstellungen hatte ich lange Berührungsängste mit dem Buch (auch wenn mir die häufigen Kommentare á la "mir drehte sich der Magen um" oder "ich musste das Ding weglegen" schon zu Denken gaben). Berührungsängste hatte ich, da ich es als sehr sperrig erwartet habe, gerade weil wieder andere meinen nicht die Gewalt sondern die ewig repetitiven Spiralen von oberflächlichen Beschreibungen wären das eigentlich Anstrengende.
Ich muss nun sagen, dass ich letzteres als genialen bitterbösen Kommentar auf Statusdenken und Markenfetischismus lese, aber voll verstehe, wenn man davon irgendwann genervt ist. Jedoch ist es so wie ich gehofft hatte, dass der Punkt, dass es nerven soll, mir Anerkennung abgewinnt. Daneben war ich überrascht, wie viele schwarzhumorige Einwürfe es gab, wo ich nun definitiv den Einfluss auf einige meiner Lieblingsautoren allen voran John Niven sehe, da es Parallelen in der Art gibt, wie tiefster Zynismus ganz beiläufig vom Hauptcharakter vom Stapel gelassen wird, was deren krude Weltansicht gleichsam verstörend und urkomisch erscheinen lässt und man sich ganz schlecht fühlt darüber zu lachen :mrgreen:
Wie auch immer man dazu steht, es ist eine Erfahrung. Und ja, die Gewaltdarstellungen sind heftig und bestimmt nicht für jeden was, aber das Buch geht auf jeden Fall weit darüber hinaus nur ein Sadismus-Porno zu sein.
Hab das Buch mit 14 zum ersten Mal gelesen (damals natürlich vor allem aufgrund der expliziten Gewaltdarstellungen :lol: ) und war dann doch überrascht, wie viel mehr Substanz dieses Buch doch bereit hält. Müsste ich eigentlich mal wieder lesen, wenn ich es nicht im letzten Abijahr verliehen hätte und seitdem nie wieder zurückerhalten habe.
Habe im Nachgang auch noch alle anderen Veröffentlichungen von Bret Easton Ellis gelesen, die ich auch alle weiterempfehlen würde, wenn man mit dem Schreibstil von Ellis etwas anfangen kann. So explizit wie in "American Psycho" wird es auch nur noch mal kurz in "Glamorama", ansonsten sind die Bücher harmloser (was sie jedoch nicht minder spannend macht). Besonders "Less Than Zero" und "The Rules of Attraction" solltest du auf jeden Fall mal antesten. Erstereren würde ich auch als seinen besten Roman bezeichnen. Sind beide im Milleu reicher College-Studenten angesiedelt, besonders die von dir oben genannten Charakteristika ziehen sich eigentlich durch seine komplette Bibliographie.

An "Moby Dick" habe ich mich auch mal versucht, musste aber leider gelangweilt abbrechen. Mein letzter Versuch mit "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" ist auch im Sande verlaufen. Evtl. sollte ich mit etwas leichterem beginnen, um meine Leselaune wieder zu entfachen...
Auf jeden Fall! Vielleicht sogar eins der besten Pop-Literatur Bücher aller Zeiten. Ich finde Less Than Zero und vor allem den Nachfolger "Imperial Bedrooms" (leider nicht so toll) nicht weniger brutal als American Psycho, wenn es auch nicht gleichmäßig viel Gewaltdarstellungen hat.
Danke, merk ich mir!
Joa, Moby Dick Seite 200, kann nicht behaupten, dass es sich flüssig runterlesen lässt.
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tOmAtE
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von tOmAtE » Mi 20. Mär 2019, 20:29

Mir ist gestern Robinson Crusoe in die Hände gefallen. Die Geschichte ist natürlich bekannt, aber ich hatte es noch nie gelesen oder Hörbuch gehört oder Film gesehen. Liest sich super leicht weg und ist tatsächlich ganz spannend. Falls die Lust nach einem Klassiker steht kann ich das nur empfehlen.
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Taksim
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Taksim » So 14. Apr 2019, 14:15

Taksim hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 18:25
Joa, Moby Dick Seite 200, kann nicht behaupten, dass es sich flüssig runterlesen lässt.
Puh, das war doch sehr zäh.
Jetzt habe ich ein bisschen was zu den Hintergründen gelesen und mit mehr Muße lässt sich da bestimmt ne Menge mehr noch rauslesen aus den tausenden Referenzen und stilistischen Kniffen. Aber von Geschichte, Charakteren und Sprache war ich wenig angetan. War mir zum Ende hin fast sicher, dass der englische Ausdruck "cut to the chase" im Sinne von "Komm zur Sache" gut durch dieses Buch hätte inspiriert sein können. Die Chase erstreckt sich dann aber nur auf kurze vierzig, fünfzig Seiten und man muss sich durch viele, viele deskriptive Passagen kämpfen bis es soweit ist (Wiki sagt, der Ausdruck kommt aus der Stummfilmbranche im frühen 20. Jahrhunderts, wo das wohl ein geflügeltes Wort unter Produzenten war, die keine unnötigen Längen in ihren Filmen haben wollten).
Und wie ich im Kontext von American Psycho schon angemerkt hatte, mag ich eigentlich solche Abweichungen und für mich muss bestimmt nicht jede Passage eines Romans eine konkrete Funktion haben oder den Plot voranbringen. Nur hier funktionierte es für mich nicht, vielleicht weil auch die Materie für mich wenig spannend bleibt.
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Wishkah » Mo 15. Apr 2019, 07:55

Naokos Lächeln (Haruki Murakami, OT: "Norwegian Wood") - Nach "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" und "Mister Aufziehvogel" nun mein dritter Murakami, durch den ich in den letzten paar Tagen gerauscht bin. Stilistisch waren die drei Bücher sich überraschend ähnlich. Im Mittelpunkt steht stets ein jüngerer Mann, der irgendwie verloren im Leben zu sein scheint und sich von den Geschehnissen treiben lässt. Die Themen sind dabei immer auffallend gleich: Es geht um Begegnungen mit anderen Menschen (vor allem Frauen), Liebe und Freundschaft, Sex, Alkohol, Essen und Musik (mit vielen popkulturellen Zitaten). Das klingt trivial und beschreibt so auch tausende andere Bücher, aber wer einen dieser Romane gelesen hat, weiß, was ich meine.

Eine Gemeinsamkeit ist zudem, dass jeder dieser Romane am Ende etliche Fragen und Handlungsstränge offenlässt. Vieles bleibt vage, teilweise sogar schlicht verwirrend, gerade wenn die Ereignisse ins Abstruse und Übernatürliche übergehen. Das mag unbefriedigend klingen (und ist es teilweise auch), aber trotzdem haben mich alle drei Bücher in ihren Bann gezogen. Das japanische Setting mit seiner durchgängig präsenten nostalgischen Melancholie, in die man so schön eintauchen kann, hat es mir einfach angetan. Im Grunde ist es mir dann auch gar nicht so wichtig, was genau passiert und welche Türen am Ende nicht geschlossen werden, so lange ich für ein paar hundert Seiten in dieser Stimmung versinken kann. Das macht die Romane von Murakami bislang so besonders für mich. Ist ganz sicher nicht für jeden etwas, aber mich trifft es total.

Auf "Naokos Lächeln" bin ich jetzt gar nicht konkret eingegangen, aber im Grunde beschreibt jeder meiner Sätze auch dieses Buch. Eins der bodenständigeren Werke von Murakami (ohne den Sprung ins Übernatürliche), im Grunde eine Liebesgeschichte, in der es vor allem auch darum geht, welche Spuren der Verlust eines geliebten Menschen in einem hinterlässt.

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Taksim
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Taksim » Sa 27. Apr 2019, 23:46

Quadrophobia hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 17:04
defpro hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 16:48
Besonders "Less Than Zero" und "The Rules of Attraction" solltest du auf jeden Fall mal antesten. Erstereren würde ich auch als seinen besten Roman bezeichnen. Sind beide im Milleu reicher College-Studenten angesiedelt, besonders die von dir oben genannten Charakteristika ziehen sich eigentlich durch seine komplette Bibliographie.
Auf jeden Fall! Vielleicht sogar eins der besten Pop-Literatur Bücher aller Zeiten. Ich finde Less Than Zero und vor allem den Nachfolger "Imperial Bedrooms" (leider nicht so toll) nicht weniger brutal als American Psycho, wenn es auch nicht gleichmäßig viel Gewaltdarstellungen hat.
So, habe jetzt auch "Less Than Zero" gelesen. Fand ich gut, aber "American Psycho" erachte ich als deutlich zwingender, deutlich einnehmender. Manchmal fehlte mir etwas die Bindung zu den Geschehnissen, wobei das vlt. auch wieder in der Natur der Sache liegt, da in dem Buch ja keiner Bindung zu irgendwas hat, alle sind brutal distanziert zu sich selbst und zu ihrer Umgebung.
Könnt ihr eure Einschätzungen dazu vlt. noch etwas ausführen?
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Stebbie » So 28. Apr 2019, 00:25

Taksim hat geschrieben:
So 14. Apr 2019, 14:15
Taksim hat geschrieben:
Mi 20. Mär 2019, 18:25
Joa, Moby Dick Seite 200, kann nicht behaupten, dass es sich flüssig runterlesen lässt.
Puh, das war doch sehr zäh.
Jetzt habe ich ein bisschen was zu den Hintergründen gelesen und mit mehr Muße lässt sich da bestimmt ne Menge mehr noch rauslesen aus den tausenden Referenzen und stilistischen Kniffen. Aber von Geschichte, Charakteren und Sprache war ich wenig angetan. War mir zum Ende hin fast sicher, dass der englische Ausdruck "cut to the chase" im Sinne von "Komm zur Sache" gut durch dieses Buch hätte inspiriert sein können. Die Chase erstreckt sich dann aber nur auf kurze vierzig, fünfzig Seiten und man muss sich durch viele, viele deskriptive Passagen kämpfen bis es soweit ist (Wiki sagt, der Ausdruck kommt aus der Stummfilmbranche im frühen 20. Jahrhunderts, wo das wohl ein geflügeltes Wort unter Produzenten war, die keine unnötigen Längen in ihren Filmen haben wollten).
Und wie ich im Kontext von American Psycho schon angemerkt hatte, mag ich eigentlich solche Abweichungen und für mich muss bestimmt nicht jede Passage eines Romans eine konkrete Funktion haben oder den Plot voranbringen. Nur hier funktionierte es für mich nicht, vielleicht weil auch die Materie für mich wenig spannend bleibt.
Kann ich gut nachvollziehen, aber aus irgendeinem Grund fand ich Moby Dick doch ziemlich cool - zumindest so gut, dass ich es mir gleich nochmal als Theaterstück gegeben habe. Liest sich sicherlich nicht einfach runter und es ist phasenweise schon ein enormer Exkurs, aber irgendwie hat das Buch doch eine große Faszination ausgelöst.

Mein Schreibtisch explodiert gerade vor Literatur, die gelesen werden will, aber derzeit verbringe ich die nächtlichen Abendstunden mit "Die anwesende Abwesenheit der Vergangenheit" von Achim Landwehr, ein mit 320 Seiten doch recht ausführlicher Essay zur Geschichtstheorie, der eigentlich genau das thematisiert, was mich seit 1-2 Jahren eh umtreibt: Die Materialität historischer Überlieferung.

An Romanen wird mich wohl demnächst (endlich) die Verwandlung von Kafka erwarten, ehe ich mich (vermutlich) mal an das jüngste Werk von Jonathan Safran Foer machen werde: Here I Am
(c) 26.06.2006

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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Wishkah » Do 18. Jul 2019, 11:17

Zuletzt gelesen:

The Hobbit und The Lord of the Rings (J. R. R. Tolkien) - Meine größtes Leseprojekt in den letzten Wochen. Die Trilogie habe ich zuletzt zu Schulzeiten mit 12-13 auf Deutsch gelesen, kurz nachdem der letzte Film damals veröffentlicht wurde. Diesmal dann in der englischen Originalversion. Man hört ja häufig, dass die Reihe ziemlich zäh zu lesen sein soll und auch ich hatte meine erste Leseerfahrung noch so ähnlich in Erinnerung. Mag am jungen Alter damals gelegen haben, aber diesmal war ich positiv überrascht, dass das gar nicht der Fall war. Ich bin sehr gut durchgekommen und hatte viel Spaß mit den detaillierten Beschreibungen von Mittelerde. Und ich war doch etwas überrascht, wie viele (selbst ganz banale) Dinge in den Verfilmungen, die ich in den letzten Jahre etliche Male gesehen habe, verändert wurden. Der nächste Durchgang der Bücher wird sicherlich nicht wieder 15 Jahre auf sich warten lassen.

Der Wortschatz (Elias Vorpahl) - Eine Amazon-Empfehlung eines jüngeren deutschen Autors, der dieses kurze Buch im Selbstverlag veröffentlicht hat. Die Beschreibung klang ganz interessant: Ein Wort reist durch seine Welt, um seine verlorene Bedeutung wiederzufinden. Im Gegensatz zu den vielen positiven Online-Reviews bin ich aber leider nicht besonders angetan. Es gibt einige nette Ideen, aber meistens bleibt es auch dabei. Die Erzählung ist viel zu flach, alles passiert zu schnell, den Charakteren und vor allem der Welt fehlt es unheimlich stark an Tiefe. Und dazu gibt es einige Passagen, in denen ich mir nicht sicher bin, ob man das Geschehen noch als Hommage an diverse Klassiker (z.B. "Die unendliche Geschichte", "Alice im Wunderland") oder schon als simple Kopie bezeichnen kann. Teilweise erinnert die ganze Sache stilistisch an die Zamonien-Bücher, nur ohne den Moers'schen Tiefgang. Schade, denn die Idee an sich war gar nicht so schlecht. Immerhin habe ich mich auch nur einen Vormittag damit aufgehalten.

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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Wishkah » Mo 29. Jul 2019, 21:55

Wishkah hat geschrieben:
So 17. Mär 2019, 14:58
Zuletzt habe ich gelesen:

The Haunting of Hill House (Shirley Jackson)
Das hatte mir ja im Anschluss an die gleichnamige (und darauf basierende) Netflix-Serie sehr gut gefallen, daher habe ich mich vor ein paar Tagen mal diesem Buch derselben Autorin gewidmet:

We Have Always Lived in the Castle (Shirley Jackson) - Atmosphärisch und vom Setting her sehr ähnlich wie das oben genannte Werk. Ein altes Anwesen und eine junge Frau als Protagonistin, die in ihrer eigenen Welt lebt und diese auch mit allen Mitteln so beibehalten möchte. Auch von diesem Buch bin ich wieder sehr angetan. Shirley Jackson vermag es, durchgängig ein Gefühl der Spannung und des Unbehagens zu erwecken. Mit nur 146 Seiten auch wieder ein sehr kurzweiliges Vergnügen. Sehr zu empfehlen!

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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von MairzyDoats » Di 6. Aug 2019, 10:11

Habe zuletzt Hunger Makes Me A Modern Girl: A Memoir von Carrie Brownstein gelesen und bin wirklich nachhaltig beeindruckt von dem Buch. Es umfasst die autobiografische Geschichte von Brownsteins Zeit mit Sleater-Kinney. Und holy shit kann die gut schreiben. Es fließt ein toller Satz in den nächsten, in denen so viel Selbstreflexion steckt und das finde ich auch so gut daran: Carrie Brownstein seziert sich im Grunde die ganze Zeit selbst, geht hart mit sich ins Gericht und zerschlägt auch den gerne gezeichneten Mythos eines glamourösen Rockstar-Lebens. Dabei behält sie auch immer ein großes Ganzes im Blick, das sie ebenso gekonnt beschreibt. Gleichzeitig geht sie mit anderen (häufig bekannten) Figuren unglaublich respektvoll um. Ich kann mich außer einer für mich sehr treffenden Kritik am Slackertum kaum daran erinnern, dass sie sich groß beschwert oder irgendwen schlecht da stehen lässt. Das Buch ist eins meiner neuen Lieblingsbücher. :smile:
Hallo wie geht willkommen in meiner Signatur. Lass dir hier bitte richtig gut gehen einfach, Käffchen für dich

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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Quadrophobia » Di 6. Aug 2019, 10:23

Rein ästhetische Randnotiz.: Ich lese immer mehrere Bücher gleichzeitig. Hab gerade eins durch (Die unerträgliche Leichtigkeit des seins) und wollte jetzt eins von den beiden anderen, wo ich mittendrin bin, weiterlesen.

Das sind durch einen kosmischen Zufall: Die Pest von Albert Camus und Liebe in Zeiten der Cholera von Gabriel Garcia Marquez. :lolol: :lolol: :lolol:

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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Stebbie » Di 6. Aug 2019, 10:28

Das kann ich ja überhaupt nicht.

Ich lese derzeit noch ein wenig nerdigen Historikerkram ("Der Staat der Historiker", ein Essay zu Staatsvorstellungen deutscher Historiker nach 1945), aber dank der Inspiration von Julian liegt dann auch endlich Mal "Girl in a Band" auf dem Tisch bereit, das Buch von Kim Gordon, das ich seit Jahren schon lesen wollte. Und die Memoiren von Carrie Brownstein werde ich dann gleich nachschieben :-)
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von smi » Do 5. Sep 2019, 11:23

Ich bleibe in letzter Zeit oft hängen und versacke auf halbem Weg. Wenn ich sie dann wieder zur Hand nehme, muss ich eigentlich wieder von (weiter) vorne anfangen.

Dabei ist mir aufgefallen, dass dies eher bei Romanen etc. passiert. Daher siche ich ein Sachbuch (gerne auch Biographie)...

Was ich in letzter Zeit durchgelesen habe:
Hans Rosling - Factfulness
Buch über gefühlte und reale Fakten und die Entwicklung der Erde in den letzten Jahren.

Martin Sonneborn - Herr Sonneborn geht nach Brüssel
Bericht über das, was Herr Sonneborn in seinen Tagen als EU Parlamentarier so erlebt hat.

Sophie Passmann - Alte weiße Männer: Ein Schlichtungsversuch
Sie hat dafür mit 16 (für Sie) einflussreiche Männern gesprochen.

Oliver Wesseloh - Bier leben: Die neue Braukultur
Einer meiner Lieblingsbrauer. Inhalt ist sehr gemischt: Teil Biographie, Teil Brauereien, Biertipps und Brautipps.

Wie man sieht, sehr durchmischt...

Hat jemand einen "Sachbuchtipp" für mich?

smi

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Stebbie
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Stebbie » Do 5. Sep 2019, 11:35

MairzyDoats hat geschrieben:
Di 6. Aug 2019, 10:11
Habe zuletzt Hunger Makes Me A Modern Girl: A Memoir von Carrie Brownstein gelesen und bin wirklich nachhaltig beeindruckt von dem Buch. Es umfasst die autobiografische Geschichte von Brownsteins Zeit mit Sleater-Kinney. Und holy shit kann die gut schreiben. Es fließt ein toller Satz in den nächsten, in denen so viel Selbstreflexion steckt und das finde ich auch so gut daran: Carrie Brownstein seziert sich im Grunde die ganze Zeit selbst, geht hart mit sich ins Gericht und zerschlägt auch den gerne gezeichneten Mythos eines glamourösen Rockstar-Lebens. Dabei behält sie auch immer ein großes Ganzes im Blick, das sie ebenso gekonnt beschreibt. Gleichzeitig geht sie mit anderen (häufig bekannten) Figuren unglaublich respektvoll um. Ich kann mich außer einer für mich sehr treffenden Kritik am Slackertum kaum daran erinnern, dass sie sich groß beschwert oder irgendwen schlecht da stehen lässt. Das Buch ist eins meiner neuen Lieblingsbücher. :smile:

Hab es die Tage mal angefangen und bin nun mit rund einem Drittel durch. Es ist wirklich, wirklich gut!

Zwischendurch habe ich mir auch mal die veröffentlichte Rede von Adorno über die Aspekte des neuen Rechtsradikalismus gegönnt und abgesehen von etwas veralteten historischen Konzepten (dazu ist wieder um das obige Buch von Gabriele Metzler ganz hilfreich. Leider wird dies im Nachwort nicht allzu stark thematisiert, abgesehen davon, dass darauf hingewiesen wurde, dass er gerade die etwas überholten Aussagen ohnehin nur tätigte, um dem Umfeld gerecht zu werden), kann man sich dem allgemeinen feuilletonistischen und politikwissenschaftlichen Tenor nur anschließen. Man erkennt die Gegenwart ziemlich gut in dem Gesagten wider und es ist daher ein nicht immer leicht zu lesender (die Rede war ja auch frei und in Teilen ad-hoc vorgetragen), aber dennoch anregender Text.
(c) 26.06.2006

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Monkeyson
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Monkeyson » Do 24. Okt 2019, 08:58

Sibylle Berg - GRM

Hammerhart und richtig genial geschrieben. Bin gerade mittendrin und kann daher noch gar nicht viel zur Portraitierung der namensgebenden Grime-Szene sagen, aber alleine der gesellschaftliche Kosmos, in dem das alles spielt, überzeugt in seiner schonungslosen, defätistischen Darstellung. Dazwischen gibt es immer wieder Momente von klugen philosophischen Gedanken oder schnoddrigem schwarzen Humor. Dass die verwendete Jugend- und Internetsprache nicht aufgesetzt bis peinlich wirkt, ist dabei die größte Leistung einer Autorin von außerhalb, also bio- wie geographisch weit abseits der hier beschriebenen Lebensverhältnisse.

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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Monkeyson » Do 24. Okt 2019, 09:03

Passt vielleicht zu den Nennungen von Bret Easton Ellis auf dieser Seite oder zu Chuck Palahniuk. Dann aber wiederum doch mit ganz einzigartigem Stil.

Übrigens erst die zweite Autorin, die mich vollends überzeugen konnte.

Von der anderen, Hillary Mantel, ganz anderes Schubfach, kommt zum Glück nächstes Jahr endlich die Vervollständigung der Thomas-Cromwell-Trilogie.

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Taksim
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Taksim » Do 24. Okt 2019, 12:04

Monkeyson hat geschrieben:
Do 24. Okt 2019, 09:03
Übrigens erst die zweite Autorin, die mich vollends überzeugen konnte.
Wie meinst du das genau?
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Monkeyson » Do 24. Okt 2019, 13:17

Taksim hat geschrieben:
Do 24. Okt 2019, 12:04
Monkeyson hat geschrieben:
Do 24. Okt 2019, 09:03
Übrigens erst die zweite Autorin, die mich vollends überzeugen konnte.
Wie meinst du das genau?
Könnte jetzt wieder etwas chauvinistisch klingen, aber bis zu Frau Mantel und aktuell Frau Berg haben mich lange Zeit alle weiblichen Autoren enttäuscht. Wobei mir gerade noch mit Margaret Atwood (erst dieses Jahr für mich entdeckt) und Anna Seghers 2 weitere Gegenbeispiele einfallen, weswegen ich jetzt nicht auf große Ursachenforschung gehen muss.

Nicht gezündet haben Connie Willis, J.K. Rowling, Harper Lee, Ursula K. Le Guin, Audrey Niffenegger und diverse kleinere Namen... vielleicht einfach Bad Luck.

Doris Lessing ist noch auf der To-Read-List, sonst irgendwelche Empfehlungen?

Alte weiße Männer kenne ich zur Genüge, da stelle ich langsam auch etwas Überdruss fest.

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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Taksim » Do 24. Okt 2019, 13:44

Okay, hatte ich schon so verstanden, ich wollte nur sicher gehen.

Eine die auch im Rückblick auf dieses Jahrzehnt häufiger völlig zu Recht bejubelt wird ist Jennifer Egan. Zu ihrem Werk "A Visit from the Goon Squad" (Der größere Teil der Welt) wollte ich eh noch was schreiben, da ich es gerad ein zweites Mal gelesen hab und noch begeisterter bin. Zuletzt kam von ihr "Manhattan Beach" raus und der ist auch klasse.

Dann liebe ich ja "Das Leben ist Groß" (A Partial History of Lost Causes) von Jennifer DuBois sehr. Von ihr kam nun "The Spectators", teils Mediensatire, teils Coming of Age in New York der Siebziger und Achtziger, der absolut gut geschrieben ist, mich aber nicht ganz so eingenommen hat (der Standard der von ersterem gesetzt wird ist aber auch hoch).

Um das Triumvirat der Jennifers komplett zu machen finde ich Jennifer Niven's "All the Bright Lights" wunderbar, vor allem durch den aufrichtigen Umgang mit dem Thema selbstmordgefährdete Jugendliche. Der wird auch gerade verfilmt.
Findet man meist unter Teenagerliteratur, davon sollte man sich aber ebenso wenig blenden lassen wie bei z.B. John Green. Wobei der Nachfolger gerade in Deutschland so hart für Teenagermädchen vermarktet wird, dass ich das bisher ausgelassen hab.

Ein echter Hype war ja "A little Life" von Hanya Yanigahara, aber ich kann da nur miteinstimmen. Hat mich emotional manchmal echt sprachlos gemacht.

Rachel Kushner ist ein Name der in letzten Jahren ziemlich gepusht wird, aber da holte mich "The Flamethrowers" nicht so ab. Wird aber sehr gefeiert.

Das fällt mir was Zeitgenössisches angeht so spontan ein.
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Quadrophobia » Do 24. Okt 2019, 13:48

Die John Green Bücher hab ich beim ersten mal echt gerne gelesen, aber beim zweiten Lesen waren sie mir dann doch oft etwas zu kitschig. Insbesondere The fault in out stars. Kann aber auch nicht sagen, ob sich da mein Blick verändert hat, seit es die Verfilmungen gibt.

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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von MairzyDoats » Do 24. Okt 2019, 13:53

Ich hatte mir in letzter Zeit auch bewusst vorgenommen, mehr bzw. fast ausschließlich Frauen zu lesen. Zwar kommt dann immer jemand um die Ecke und sagt "öööhh aber das Geschlecht sollte doch eigentlich egal sein", aber wenn man ehrlich ist, bekommt man dann eigentlich durch die Bank doch immer nur wieder Christian Kracht, Benjamin von Stuckrad-Barre, Philip K. Dick, Jack Kerouac, Heinz Strunk, Haruki Murakami, Bret Easton Ellis, Chuck Palahniuk und Konsorten empfohlen. Da lohnt es sich durchaus einfach mal ganz bewusst über den Tellerrand hinauszuschauen. Und was soll ich sagen: Das hat mein Leseleben total beflügelt. Nach den ersten fünf Büchern hatte ich gefühlt fünf neue Lieblingsbücher und habe nur sehr wenig abgebrochen, was bei mir in den letzten Jahren anders aussah.

Die Bücher, die ich toll fand, habe ich zum Teil auch hier schon beschrieben, kann ich aber gerne nochmal mit auflisten:

"Als Mutter verschwand" von Kyung-Sook Shin (Seitdem wohl auf Platz 1 meiner All-Time-Favourites)
"Juja" von Nino Haratischwili
"Hunger Makes Me A Modern Girl: A Memoir" von Carrie Brownstein
"The Hate U Give" von Angie Thomas
"Unterleuten" von Juli Zeh
"Die Vegetarierin" von Han Kang
"Dunkelgrün fast schwarz" von Mareike Fallwickl
"Das Licht ist hier viel heller" von Mareike Fallwickl (Nochmal viel besser als das Debüt)

Und bestimmt habe ich auch noch das ein oder andere vergessen, weil ich momentan kein Bücherregal habe, um nochmal nachzugucken.
Hallo wie geht willkommen in meiner Signatur. Lass dir hier bitte richtig gut gehen einfach, Käffchen für dich

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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Monkeyson » Do 24. Okt 2019, 14:12

MairzyDoats hat geschrieben:
Do 24. Okt 2019, 13:53
[...] wenn man ehrlich ist, bekommt man dann eigentlich durch die Bank doch immer nur wieder Christian Kracht, Benjamin von Stuckrad-Barre, Philip K. Dick, Jack Kerouac, Heinz Strunk, Haruki Murakami, Bret Easton Ellis, Chuck Palahniuk und Konsorten empfohlen.
Da sind deine Tippgeber aber sehr selektiv. Du könntest genauso gut über den Tellerrand der deutschen / angloamerikanischen Literatur schauen oder über den der zeitgenössischen und würdest ebenso genügend Perlen finden. Freut mich aber für dich, dass das alleine schon in punkto weibliche Autoren geklappt hat, die genannten behalte ich mal im Hinterkopf!

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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Taksim » Do 24. Okt 2019, 14:16

Quadrophobia hat geschrieben:
Do 24. Okt 2019, 13:48
Die John Green Bücher hab ich beim ersten mal echt gerne gelesen, aber beim zweiten Lesen waren sie mir dann doch oft etwas zu kitschig. Insbesondere The fault in out stars. Kann aber auch nicht sagen, ob sich da mein Blick verändert hat, seit es die Verfilmungen gibt.
Das einzige Buch, das ich bisher zweimal hintereinander gelesen hab. War völlig hingerissen.
Die Verfilmung fand ich nicht so gut.
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