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Der Konzertbesuchsthread

Konzerte, Platten & Musik im TV
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Quadrophobia
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Quadrophobia » Sa 21. Okt 2023, 09:26

Ich habe länger überlegt in welchen Thread ich das schreibe und mich für diesen hier entschieden

Ich war am Donnerstag bei Taylor Swift - The Eras Tour im UCI Othmarschen.

Der Besuch geht vor allem auf eine Freundin meiner Freundin zurück, die großer Swiftie ist. Als Freundschaftsdienst dann auch den mit 19,89€ zwar sehr passenden, aber ziemlich hohen Preis in Kauf genommen. Die Venue ist etwas abgelegen und teilt sich ihre Räumlichkeiten mit einer Bowling Bahn, einem riesigen Asia Restaurant und einem McFit. Alles etwas abgerockt und in die Jahre gekommen. Es gab veganes Essen (Popcorn) zu astronomischen Preisen.

Der Saal war nicht gut gefüllt, vielleicht 1/4 voll. Vornehmlich weibliche Millenials, die ihre Boyfriends oder in einem Fall ihre Mutter mitgebracht haben. Support war ein 30-minütiges Set aus Werbung, sehr generisch, ist wenig hängen geblieben.
Per Helikopter ging es dann ins SoFi Stadium in LA. Das Konzert ist bekanntermaßen nach Album-Blöcken aufgeteilt, los ging es mit „Lover“. Ich bin kein geoßer Swiftie und mit ihrer Diskografie nicht gut vertraut, kenne eigentlich nur alles ab Folklore. Daher war der Einstieg für mich etwas schwierig. Aber schon an dem punkt war ich ziemlich beeindruckt von der Bühnenpräsenz und der Show dahinter. Jedes Album hatte sein eigenes visuelles Theme und die damit verbundene Choreo war super, zwischen jedem Set hat Taytay sich in Rekordzeit eines F1 Boxenstops umgezogen. Mit fortschreitendem Set war es auch immer beeindruckender wie sie durchgehalten hat, sowohl stimmlich als auch tänzerisch. Dazu kam eine sehr sympathisch wirkende Truppe aus Tänzer*innen und Band.
Zwischendurch kam es kurz zu einer angespannten Situation, als ein paar TikTok Kids aus der letzten Reihe Popcorn geworfen haben und die Mutter meiner Sitznachbarin nach einem Kopftreffer agressiv mir ihrer Handytaschenlampe rumgewedelt hat, um die Täter zu identifizieren. Daraufhin haben die Störer die Strategie gewechselt und an stellen wo das Publikum gezeigt wurde, übertrieben gekreischt, bis der dude vor ihnen einfach aufgestanden ist und sie popcorn essend mehrer Minuten angestarrt hat.
Richtig spannend wurde es für mich ab Red, wo die ersten richtig krassen Radio Hits back to back gespielt wurden, bevor mit All Too Well, natürlich in der 10-minütigen Taylors Version, eins der großen Highlights des Sets folgte. Danach ein fließender Übergang zu Folklore, auch mega (wenn auch die Songauswahl für mich hätte besser sein können). Auch 1989 war dann super, da war ich überrascht wie viel ich kannte. Dann kam ein kurzes acoustic Überraschungsset mit einem Song namens „I see you“ ,den es vorher so anscheinend noch nie live gab, und Marroon, der dann auch in Midnights übergeleitet hat, das mir aktuell am präsentesten ist. Insgesamt einfach ziemlich krass was die Frau in fast 3 Stunden abgerissen hat.

Der Grund warum das am ende im Konzertthread gelandet ist, ist dass das Publikum überraschend viele Konzerttypische Verhaltensweisen mitgebracht hat. Es wurde ziemlich viel gelabert und einige Leute - fragt mich bitte nicht warum - haben während des Films Fotos gemacht. Einige der Boyfriends haben mitte des Films abgeschaltet und hingen lieber am Handy.

Ich war dagegen absolut positiv überrascht. Das war für mich vielleicht die bessere Art ein Taylor Swift Konzert zu sehen, denn die plätze die ich mir im Stadion hätte leisten können, wären auch eher so „ich guck auf die Bildschirme“ plätze gewesen. In Sachen Performance war das einfach nur tief beeindruckend und dass sie das körperlich durchhält hat meinen vollsteb Respekt. Ich war jedenfalls nach 3 stunden sitzen und Popcorn schon KO.

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Flecha
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Flecha » Sa 21. Okt 2023, 11:46

Ich war gestern auch bei High Vis im Uebel&Gefährlich. Es war sicher eines der vom Gesamtpaket her besten Konzerte des Jahres.

Es war sehr voll, aber nicht anstrengend voll, wie der Bunker immer extremst ist, wenn es ausverkauft ist. Trotzdem machte es auf mich den Anschein, und das klang hier im Forum ja auch schon paar Mal an, als wenn die Band Idles-mäßig nach Auftritten auf Major Festivals im nächsten Jahr und evtl einem weiteren Album richtig durch die Decke geht. Das Publikum war sehr durchgemischt: klar, die HC-Szene Hamburg war in großer Präsenz zugegen, aber auch Metal-Dudes, Alternative/Indie Leute und ... viele ältere, denen man den Musikgeschmack nicht direkt an Aussehen oder Klamoetten ansehen konnte :lol: (gar nicht oberflächlich, I know). Hab mir schong gedacht, dass die Band mit ihrer Musik ein sehr breites Publikum ansprechen würde und das hat sich bestätigt. Mal sehen, ob die Shows dann auch so intensiv bleiben. Da bin ich auch bei den Idles sehr gespannt, wenn ich ich an das Sporthallen-Konzert denke (wenn ich da hingehe).

Aber der Reihe nach: Auf der Karte stand Beginn 20 Uhr. Ich bin eigentlich nur von Pest Control als Support ausgegangen, mit Melting Palms gab es aber noch einen Local Support als Opener. Das war dann ziemlich schade, weil zu Beginn von deren Show vielleicht 30 Leute im Raum waren. Hat sich sukzessive gefüllt, aber der Auftritt war viel zu schön, als dass sie es verdient gehabt hätten, vor der offiziellen Startzeit anzufangen. Peak Kommunikation einfach mal wieder. Naja, ich war zum Glück trotz Gang zu Azeitona um 7 rechtzeitig um 19.20 oben und hab den ganzen Gig gesehen. Hamburger Shoegaze-Band, die mir vorher gar nicht bekannt war, obwohl sie anscheined schon recht lange dabei sind und mehrere Alben am Start haben. Melancholische mitunter "dreampoppige" Aufbauten, zweistimmiger Gesang, slowdivige Gitarrenwände. Würd ich mir wieder angucken.

Pest Control waren dann, nachdem ich sie diese Woche erstmals richtig und häufig gehört habe, ein richtiges Highlight. Hat Balti ja auch schon geschrieben. Irre Energie, obwohl die Sängerin merklich angeschlagen war (zuvor musste ja ein Gig abgesagt werden aus Gesundheitsgründen). Richtig geiler moderner Thrash Metal mit Hardcore Anleihen (also bisschen wie Drain nur genau andersrum). Das HC-Publikum hat es aufgrund des doch stärkeren Metal-Anteils (die Musik lädt eher zu Circle Pits als richtigen Moshs ein) glaub ich gar nicht so krass goutiert. Nur 4-5 Leute haben sich wirklich bewegt im typischen Hamburger Halbkreis vor der Bühne... Aber ich fands mega stark. Gitarrist mit Scorpions-Longsleeve. Merch Game auf jeden Fall gewonnen. :grin: Hab danach auch die aktuelle Platte mitgenommen.

High Vis selbst haben ca. 21.10 angefangen und dann bis kurz vor 10 durchgezogen. "We are a Punk Rock Band, we don't do Encores". Gute Ansage, hat aber vom Publikum, das da szenetechnisch nicht so drinsteckt, erstmal nicht jede*r geglaubt. Dadurch konnte ich direkt an den Merchtisch, gut so. Das Set bestand zu nahezu gleichen Teilen aus den beiden Alben und das Publikum ist extrem gut mitgegangen. War durch die Masse an Publikum eher ein klassischer Pogo vorn als HC-Mosh. Aber alle permanent am Mitsingen... dass das emotional was mit der Band macht, hat man ihnen sichtlich angemerkt. Die Ansagen auch sehr sympathisch, politische Aussetzer wie zum Krieg im Nahen Osten hat sich der Sänger zum Glück geklemmt. Gefühlt werden die Songs alle ein bisschen schneller gespielt als auf der Platte, was dann auch zur Publikumsinteraktion beiträgt. Altitude, Voices, Trauma Bonds und Choose to Lose meine Highlights.
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » Sa 21. Okt 2023, 11:56

Viel Liebe für Pest Control hier. Find ich gut :D
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akropeter
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von akropeter » Sa 21. Okt 2023, 16:06

Melting Palms sind fantastisch und haben hier in der Tat bisher zu wenig Aufmerksamkeit erfahren.
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » So 22. Okt 2023, 12:26

Ich war gestern in Köln bei High Vis in der Kantine. Show war sehr gut besucht, hätte nicht mit so vielen Menschen gerechnet. Publikum war eine spannende Mischung. Offensichtlich viele Leute aus dem Hardcore Punk Bereich. Daneben aber natürlich auch allerlei Zahlende, die wahrscheinlich dem durchschnittlichen Post-Punk Fan entsprechen. In der Venue dann der erste große Downer, Absperrung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass High Vis darauf bestehen bei deren Vorgeschichte. Ich habe allerdings auch schon Shows mit massig Stage Dives dort gesehen, beispielsweise Basement. Vielleicht ist es eine neue Regelung. Dennoch schade.

TV Cult – Lokaler Support, Post-Punk Band aus Köln. Sänger sah lustigerweise aus wie ein Double des High Vis Sängers. Publikum war noch verhalten, kaum jemand stand vorne. Band hat sich davon allerdings nicht irritieren lassen und routiniert das Set über die Bühne gebracht. Ich fands vollkommen in Ordnung, wurde positiv überrascht. Sie spielen nächsten Monat auch im Vorprogramm von Militarie Gun. Vielleicht gibt es dort ein Wiedersehen.

Pest Control – Wollte die Band eigentlich am Donnerstag in kleinem Rahmen mitnehmen, aber die Show in Münster wurde gecancelt. Nur auf größerer Bühne. Die Stimme der Sängerin hat gut gehalten, keinerlei Aussetzer. Sound ist natürlich über jeden Zweifel erhaben. Schöner Thrash Metal mit leichten Hardcore Anleihen aus der UK Hardcore Szene. Die aktuelle Platte ist für mich starker Anwärter auf das beste Release des Jahres. Vor der Bühne ging auch mehr als ich gedacht hätte. Es wurde ordentlich gemosht. Hat mich für die Band gefreut. Zwei Kritikpunkte, die aber unabhängig von der Performance der Band sind. Die Lichtshow war absolut unnötig, aber wundert mich bei der Location nicht. So musste man noch stärker als sonst aufpassen, nicht erwischt zu werden, da die Crowd so schwieriger zu beobachten ist. Simples Licht ohne große Veränderung und alles ist cool. Dann noch ein leidiges Thema: Getränke am Pit. Zwei Dudes kommen mit Bier in der Hand nach zwei Songs nach vorne und stellen sich an den Pit. Keine fünf Minuten später, das eine Bier ist auf dem Boden verteilt und Leute machen sich reihenweise lang. Unnötig. Vor allem sind es immer Dudes mit Bier, die das nicht auf die Kette kriegen. Noch nie jemanden mit ner Cola am Pit stehen sehen.

High Vis – Start mit „0151“, vielleicht mein absoluter Liebling der Band, also astreiner Beginn für mich. Crowd war auch direkt voll dabei. Viele textsichere Leute in den ersten Reihen. Set war dann ein Mix aus beiden Platten von einer Ausnahme abgesehen. Alles, was ich hören wollte, wurde gespielt. Der Sänger hat sich überschwänglich bedankt. Nehme ich ihm auch tatsächlich ab, dass das was Besonderes ist, nachdem er jahrelang vor kleineren Crowds gezockt hat, wobei er da auch etwas untertreibt, denn Dirty Money waren schon der Shit der UK Hardcore Szene. Natürlich wurde vor der Bühne auch viel gepogt. Unpopuläre Meinung, aber ich hasse Pogo. Menschen sind eng völlig unkontrolliert aneinander gequetscht. Ständig reibt sich ein stark schwitzender Mensch an einem, alle zwei Sekunden steht einem jemand auf dem Fuß, Stress pur. Da lebe ich echt lieber mit der dauerhaften Gefahr von irgendwem mit einem Kick getroffen zu werden. Trotzdem war es ein top Gig, wenngleich der Ieperfest Auftritt nochmal auf einem anderen Level war. Aber dort gab es auch keine Barriere. Bin glücklich nach Hause. Die Band funktioniert auch gut auf großen Bühnen und wird sicherlich noch mehr Fans gewinnen. Einziges Manko bleibt da vielleicht die Spielzeit. Für mich vollkommen in Ordnung, aber viele Leute haben trotz der Ankündigung des Sängers, dass sie keine Zugabe spielen, noch ewig eine gefordert. Es ist halt ein anderes Publikum.
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von AnacondaSniper » Mo 23. Okt 2023, 16:42

Ich war letzten Mittwoch bei Die Nerven in der Zeche Carl, Essen. Support war Shitney Beers. Die gleiche Konstellation habe Ich Anfang des Jahres in Münster schon gesehen, daher war die Vorfreude groß. Halle war gut gefüllt, es war aber noch genug Lücken vorhanden.

Shitney Beers: Meine fünfte Shitney Beers Show dieses Jahr und es war die Beste bisher. Gitarrensound klang auch nochmal besser. Publikum hat zum Glück nicht so laut geredet wie bei der FJØRT Show Anfang des Jahres.

Die Nerven: Live nochmal ne Stück besser als auf Platte. Viel Improvisationen in den Songs. Respekt auch dafür das sie 6 neue / unveröffentlichte Lieder gespielt haben. Spielzeit auch top mit knapp 70 Minuten.

Am Tag darauf war Ich im FZW beim Bierschinken eats FZW Festival in Dortmund. Kleines halbjährliches Festival was von dem bierschinken.net Fanzine veranstaltet wird. Eintrittspreis von 8,50€ für 7 Bands geht mega fit. Auch schön ist der hohe FLINTA Anteil bei der Bands (4 von 7 Bands)

Cat Piss Potion - Verpasst

Splintered - Stellenweise schon sehr holprig gewesen. Paar nette Melodien mehr aber auch nicht.

Schalko - Punk im Rachut/Turbostaat Style. War in Ordnung.

Lulu & die Einhornfarm - Wesentlich besser als erwartet. Hatte aufgrund des Bandnamen nie reingehört. Humor war nicht immer 100% meins aber die Musik und die Ansagen gingen klar.

Statues on Fire - Technischer Melodic Hardcore / Skatepunk a la Propagandhi oder Belvedere. Band kommt aus Brasilien daher auch mega angepisste und antifaschistische Texte. Definitiv mein Highlight des Abends.

Get Jealous - Der Grund meines Erscheinens und es war wie gewohnt ne sehr gute Liveshow.

Wick Bambix - Nicht angeguckt das es schon nach 23 Uhr war.

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Flecha
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Flecha » Mi 25. Okt 2023, 12:14

Ich war gestern im Hamburger Grünspan bei Cult of Luna. Letzte Show dieses Tourlegs. Hab das Ticket letztlich erst am Tag gekauft, aber war im Nachhinein sehr froh, es gemacht zu machen. Die Band hatte ich noch nicht live gesehen und die Supports sind super. Letztlich kamen da rund 4 Stunden Konzert (inkl. Umbaupausen) bei rum, das ist dann für den für das Genre höheren Preis von 42 Euro auch völlig in Ordnung. Und alle Auftritte waren fantastisch.

Bei Slow Crush kann ich mich Sammy aus dem Festival-Thread anschließen. Die Musik ist einfach schön, sehr atmosphärische Shoegaze-Soundwände mit gutem Licht (das sollte hier auch so bleiben). Leider ging die Sängerin im Sound etwas unter. Das wurde zum Glück bei GGGOLDDD und Cult of Luna besser, wobei es da auch die komplette Länge von Beyond II und die Hälfte von Cold Burn brauchte, um sich einzupegeln. GGGOLDDD hatte ich letztes Jahr beim WGT gesehen und der Auftritt war quasi komplett anders. Klar, ihr Gesang ist genau so toll, aber diesmal mit voller Bandbegleitung, nur Songs der letzten beiden Jahre und die vom letzten Album in frische Arrangements mit elektronischen Drums etc gehüllt. Kam super an, was ich gar nicht mal zwingend erwartet hab.

Cult of Luna haben dann, was soll ich sagen, komplett abgerissen. Was für ein Soundgewitter. Liebe ich. Highlight war für mich Finland von meiner Lieblingsplatte Somewhere Along The Highway. The Long Road North, das vier Songs im Set hatte, hab ich so aktiv gar nicht gehört. Aber Blood Upon Stone als Closer hat live richtig giftig angeschoben.

Würde wieder hingehen.
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Wishkah
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Wishkah » Mi 25. Okt 2023, 17:07

Ich war gestern bei Brian Eno in der Berliner Philharmonie.

Ein besonderer Rahmen für das einzige Deutschland-Konzert der ersten richtigen Live-Tour eines so einflussreichen Künstlers, der in den vergangenen fünf Jahrzehnten mit Größen wie David Bowie, den Talking Heads, U2 und Coldplay zusammengearbeitet hat und maßgeblich für das Genre der Ambient-Musik steht.

Der Einlass zum großen Saal der Philharmonie begann pünktlich um 20 Uhr. Ein guter Zeitpunkt, um dem strömenden Regen zu entkommen. Obwohl der Saalplan in den vergangenen Tagen noch etliche freie Plätze zeigte – was bei Ticketpreisen von teilweise über 200€ auch nicht unbedingt verwunderlich ist –, war der Saal kurz vor Beginn überraschend voll. Bis auf ein paar sichtbare Lücken in den hinteren Reihen war im Grunde alles belegt. Das hatte ich gar nicht mehr erwartet. Das Publikum setzte sich dabei erwartungsgemäß eher aus Menschen der höheren Altersgruppen zusammen.

Gegen 21:15 Uhr kamen die Mitglieder des Baltic Sea Philharmonic unter der Leitung des Dirigenten Kristjan Järvi auf die Bühne und leiteten das Programm mit sanften Tönen ein. Das Orchester sollte den ganzen Abend lang für die musikalische Untermalung sorgen. Wie gesagt, ein besonderer Rahmen. Neben Brian Eno selbst, der hinter dem Orchester stand und vor allem für den Gesang zuständig war, waren noch der Schauspieler Peter Serafinowicz (vor allem Spoken-Word-Passagen), der Gitarrist Leo Abrahams und der Multiinstrumentalist Peter Chilvers (vor allem Synthesizer) dabei.

Das Programm basierte hauptsächlich auf einer orchestralen Umsetzung des 2016 erschienenen Albums "The Ship", was live mit dem tollen Baltic Sea Philharmonic wirklich hervorragend funktioniert hat. Düstere und hoffnungsvoll-aufatmende Passagen im Wechsel, zusammengehalten durch den (erkältungsbedingt etwas angeschlagenen) Gesang von Brian Eno. So schön, wie es eben nur in so einem Konzertsaal mit Orchester klingen kann. Im Anschluss gab es noch ein paar Songs aus der restlichen Diskografie des Künstlers, die ebenso im Gegensatz zur Platte in diesem Rahmen nochmal eine ganz neue Wirkung entfalten konnten. "By This River" war so zum Beispiel einfach bezaubernd schön.

Nach etwa 90 Minuten war das Konzert beendet. Eine Zugabe gab es vorher schon. Laut Brian Eno wäre es zu umständlich gewesen, mit einem kompletten Orchester kurz von der Bühne zu gehen und für eine reguläre Zugabe wieder zurückzukommen. Er selbst betrat nach Konzertende (und als der halbe Saal in Rekordzeit schon wieder geleert war) für ein paar abschließende Worte aber nochmal die Bühne.

Ein musikalisch wirklich besonderer Abend. :smile:

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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von AnacondaSniper » Sa 28. Okt 2023, 01:10

Ich war letzten Samstag in Ibbenbüren bei einer Hardcore show im JKZ Scheune. Geplant waren 4 Bands, Chasing Dreams mussten aber aufgrund Krankheit absagen.

Among Familiar Faces: post-hardcore im Stile von Casey / Being as an Ocean. Gute Instrumentals, nur der Gesang ist noch etwas ausbaufähig.

No Shelter: Props an den Sänger für das Escuela Grind shirt. Guter Auftritt, nur leider sehr wenig Bewegung im Publikum für diese Art von Musik.

This Heals Nothing: Ärgere mich diese Band erst kurz vor der Auflösung entdeckt zu haben. Sehr emotionaler Auftritt mit schönen Ansagen die leider durch nervige Zwischenrufe gestört wurden. Freue mich schon auf die Finale Show in Bochum im Dezember.

Am darauf folgenden Tag war Ich bei Neck Deep in der Live Music Hall in Köln. Wie immer eine nervige Autofahrt nach Köln und zurück.

Static Dress: Die erste Hälfte des Auftritt durch Parkplatz Suche verpasst. Der Rest war OK, kenne aber auch nur 1 Song der Band so richtig.

Neck Deep: An und für sich ein guter Auftritt nur leider war die Setlist fast identisch zu der des letzten Jahres. Die Band hat Tage vor der Mainland EU Tour eine UK Tour gemacht wo die ersten beiden EP‘s in voller Länge gespielt wurden. Verstehe nicht, warum sie dies nicht auch bei den EU Daten machen da das neue Album sowie erst nächstes Jahr erscheint. Leider wird das erste Album auch weiterhin ignoriert.

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SammyJankis
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » Sa 28. Okt 2023, 10:21

Ich war gestern in Essen bei Conjurer im Don’t Panic. Beim Einlass die ernüchternde Nachricht: Downfall of Gaia, die den Headliner machen sollte, werden krankheitsbedingt nicht spielen. Naja, Karten waren schon gekauft, der Preis an der Abendkasse wurde auch reduziert. Meine Hoffnung auf nen guten Abend war immer noch da. Gute Besserung an dieser Stelle. In den sozialen Medien wurde ein Bild geteilt, auf dem ein Mitglied von Downfall of Gaia im Krankenhaus am Tropf war. Die sind am Anfang ihrer Tour, hoffe, die können diese fortsetzen. Es waren so 70 Zahlende am Start, lächerlich wenig. Klar, dieses Wochenende ist Turock Fest, aber dennoch hätte ich mehr erwartet.

Naxen – Solider Black Metal. Stand zu Beginn etwas seitlich von der Bühne, wo der Sound leider ziemlich mau war. Im Verlauf des Sets bin ich etwas weiter in den Raum gerückt. Dort ging es dann. Gig war solide. Stimmen der beiden Sänger haben mich nicht komplett abgeholt, aber kein Grund, den Raum zu verlassen. Leider passt der kleine Raum im Don’t Panic gar nicht zu Black Metal. Hell erleuchtet mit bunten Lichtern, so kommt absolut keine Atmosphäre auf. Das ist einfach ein Genre, welches in dunkleren Räumen deutlich besser rüberkommt.

Nostromo – Namen noch nie vorher gelesen, sind aber Toursupport von Conjurer. Es war ein astreiner Gig. Sound ist schwer einzuordnen. Am ehesten würde ich Grindcore sagen, wobei es schon sehr variabel war, also einige Mathcore Elemente. Zwischendurch gab es allerdings immer wieder Songs, die ich klar dem Sludge zuordnen würde. Gespielt wurden gefühlt 30 Songs, viele Tempowechsel. Anstrengend, aber gut. Es gab auch kaum Ansagen oder großen Pausen zwischen den Songs. War beeindruckend, wie vor allem Drummer und Sänger das durchgehalten haben. Habe sehr positiv überrascht den Raum verlassen. An dieser Stelle noch ein kurzer erster Rant zum Publikum. Metaller haben bekanntlich einen speziellen Humor, aber was daran lustig sein soll, zwischen zwei Songs 4-5x „Bukkake“ zu rufen, wird sich mir wohl in diesem Leben nicht mehr verstehen.

Conjurer – Diese Band ist so unfassbar underrated. Letztes Jahr in Bochum waren 70 Leute anwesend, gestern auch, die hätten so viel mehr verdient. Sound würde ich am ehesten als Sludge/Post-Metal mit einigen Ausflügen in Richtung Death Metal beschreiben. Sie können alles. Anspruchsvollere Parts, ultralangsame Breakdowns, fieses Geballer. Beim ersten Song war der Sound etwas dünn. Wurde aber besser. Ein zweiter Rant zur Crowd. Eine Gruppe von Leuten hatte, warum auch immer, eine Seifenblasenpistole und haben damit während des Sets rumgespielt. Fand ich generell unangebracht, aber fand alles erstmal am Rand des Raumes statt, hat also nicht so stark gestört. Bis jemand auf die Idee kam, den Platz vor der Bühne zu nutzen und während eines Songs mit der Seifenblasenpistole einmal vor der Bühne von rechts nach links und wieder zurückzulaufen und im ganzen Raum Seifenblasen zu verteilen. Was soll so eine unlustige Scheiße? Wie sehr braucht man Aufmerksamkeit? Es ist echt unfassbar, wie Leute meinen, dass sie ein Konzert zu ihrer Show machen müssen. Diese peinliche Scheiße muss aufhören. Dennoch, Show war top, Abend trotz der Downfall of Gaia Absage auch. Hoffe, bei der nächsten Conjurer Tour kommen mehr Leute raus.
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » So 29. Okt 2023, 15:03

Ich war gestern in der Weltstadt Wunstorf bei Hannover in der Wohnwelt beim Halloween Mosh. Die Veranstaltung findet seit einigen Jahren immer am Samstag vor Halloween statt. Dieses Jahr sollte die finale Veranstaltung dieser Art werden mit einer Pre-Show am Freitag, die ich nicht mitgenommen habe, und der Main Show am Samstag. Also auf nach Wunstorf, auch mein erster Besuch in der Wohnwelt, nachdem ich vor Jahren aufgrund unglücklicher Umstände die Fury Show nicht mitnehmen konnte. Der Stachel sitzt tief. Schätze, es waren so 150 Zahlende anwesend. Absolut ausreichend, um den Laden vollzumachen. Der Raum war halloweenmäßig hergerichtet mit aufgehängten Skeletten, Lichtern, etc., da wurde viel Mühe reingesteckt. Dem Wunsch der Verkleidungen sind auch bestimmt 90 % der Leute nachgekommen. Eintritt war bei 12-15 Euro, für sieben Bands und das, was kommen sollte, ein lächerlich fairer Preis

Phase – Es gibt manchmal so Tage, da kommt man in den Raum und merkt schon anhand der Atmosphäre, dass es heute eine besondere Show wird. Gestern war so ein Tag. Erwartungen waren hoch. Das erste von insgesamt sieben Sets startet und es ist direkt Alarm. Hab die Band im letzten Monat dreimal gesehen und das hier war der beste Gig. Scheiß auf die Texthänger bei zwei neuen Songs. Der Youth Crew Sound kam bei der Crowd voll an, über die entsprechenden Reaktionen würden sich viele Hauptbands auf anderen Shows freuen. Top Start in den Abend.

Placid – Bisher erst einmal gesehen, letztes Jahr in Mannheim und auch hier war der gestrige Auftritt deutlich besser. Sound ging stärker in Richtung The Flex und Konsorten, wobei der Gesang an Phiz erinnert. Crowd war weiterhin sehr dankbar zu diesem frühen Zeitpunkt. Durchgehend Side to Sides, paar Stage Dives. Es ging gut weiter.

Reflex – Relativ junge Band, wobei die Mitglieder durchweg Erfahrungen in anderen deutschen Hardcore Bands haben. Bin mir unsicher, ob es überhaupt schon eine Show gab. Denke generell bei der Zusammensetzung der Band, dass dies ein Projekt ist, das nur selten in Erscheinung treten wird. Dafür aber hoffentlich genauso heftig wie gestern, denn das Chaos vor der Bühne steigerte sich. Sound geht stark in Richtung Boston der 2010er, sprich No Tolerance und Boston Strangler. Set ging so 15 Minuten, es war groß.

Divine Sentence – Vierte Show der Band in diesem Monat für mich und es war die beste, mit Abstand. Keine großen Veränderungen zur Setlist. Alle Songs der Demo, zwei neue Songs, das xRepentancex Cover „Through Eyes Unclouded“. Der einzige Unterschied bestand im Outro, denn gestern wurde „Still Believe In What Has Fallen Apart“ von Maroon gespielt. Die Crowd war top, deutlich textsicherer als in Trier, Düsseldorf und Frankfurt. Was Mosh angeht wurde mit äußester Brutalität vorgegangen. Es war sehr wütend, vor allem bei den beiden Covern. Was die Sache dabei kompliziert machte, waren die Lichtverhältnisse. Der Raum war dunkel gehalten, passend zu Halloween. Das wäre an sich okay gewesen. Allerdings haben zwei Leute Fotos mit Blitz gemacht, was dazu geführt hat, dass man nur erahnen konnte, wo Leute gerade stehen und moshen. Aber gut, es gab keine großen Zwischenfälle oder Stress. Schön auch zu sehen, dass bei einem Song auf Ansage der Sängerin Frauen der komplette Raum zum Tanzen gegeben wurde ohne Ausnahme. Top Gig, vielleicht für mich der beste des Tages.

Angst – Abschiedsshow und es war ein würdiges Ereignis. Die Band hat glaube ich seit Anfang 2020 keine Shows mehr gespielt. Mit bspw. Force of Denial und Face Your Fears sind auch schon Nachfolgeprojekte der Mitglieder unterwegs. Habe nicht mehr mit einer Abschiedsshow gerechnet, also eine positive Überraschung. Sound geht in Richtung Chokehold. Es wurden Songs von allen Veröffentlichungen gespielt, unter Anderem alle Intros. Habe ich so auch noch nicht erlebt, war aber sehr cool und natürlich extrem wütend. Der Mosh wurde noch ein Stückchen härter. Textsicherheit war auch gegeben. Bei den ältesten zwei Songs durfte auch der alte Drummer nochmal sein Können zeigen. Ein absolut versöhnliches Ende und mit Sicherheit der beste Gig, den ich von der Band gesehen habe.

Echo Chamber – Sind einfach im Moment DIE Band im deutschen Hardcore. Wer was anderes behauptet, lebt am Leben vorbei. Durch die vor kurzem auf einer Promo für die US-Tour (generell etwas, was für Hardcore Bands vom europäischen Festland eine absolute Ausnahme ist) veröffentlichten zwei Songs gibt es mittlerweile acht Tracks. Das reicht eigentlich schon, um die nächsten fünf Jahre geile Shows zu spielen, aber ich denke, da wird zeitnah mehr kommen. Mosh war nicht mehr so hart, dennoch natürlich vorhanden, dafür wurde das Singalongs und Stage Dive Level hochgefahren. Vor allem bei den Songs der Demo konnte der Sänger das Mikro ohne Probleme abgeben. Wieder ein Wahnsinnsgig, wobei der Gig in Köln am Rosenmontag nochmal einen geileren Vibe hatte. Hoffe, dass ich die Band dieses Jahr noch 1-2x gucken kann.

Satisfaction – Den Abschluss bildete ein Projekt, welches bisher nur auf dem Halloween Mosh existierte und mit diesem nun auch zu Grabe getragen wurde. Es handelt sich, wie man dem Namen vielleicht schon entnehmen kann, um ein Hatebreed Cover Set. Die Instrumente wurden dabei fest von Leuten aus der Hannover Hardcore Szene bedient, während den Gesang verschiedene Leute übernommen haben. Darunter Sänger*innen von I Recover, Divine Sentence, Force of Denial und Spark. Die Setlist war für mich perfekt, nur Tracks bis zur „Peseverance“. Dachte zu Beginn des Sets, dass die Crowd etwas müde ist, aber dies war ein Trugschluss. Der Mosh war angsteinflößend hart und bei „Smash Your Enemies“, „Burn the Lies“ und Konsorten war die Crowd natürlich auch textsicher. Bedingt durch den kleinen Raum und die Crowd war es deutlich besser als jedes Hatebreed Set, was ich in meinem Leben gesehen habe. Letzter Song „Driven by Suffering“, groß. Ich glaube, ich könnte jede Woche zum Abschluss einer Show ein Hatebreed Cover Set gucken. Die gesamte Show war astrein und vom Hardcore Standpunkt betrachtet neben dem Northern Unfest im April die beste Veranstaltung des Jahres. Schade, dass es vorbei ist, aber vielleicht wird die kleine Tradition in einem anderen Teil Deutschlands weitergeführt.
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Quadrophobia » Mo 30. Okt 2023, 12:04

Nice, meine Freundin ist mit der Wohnwelt aufgewachsen :headbang:

Ich war am Samstag in Hamburg im Molotow bei Wednesday. Der Gig war gut besucht, aber nicht ausverkauft, für meine Begriffe die perfekte Situation im Molo. Vorband waren Das Bisschen Totschlag eine für meine Begriffe total underratete junge Band aus Hamburg/Berlin und das sag ich nicht nur, weil ich lose mit denen befreundet bin. Die Musik bewegt sich zwischen Art-Rock und Indie Pop, erste Assoziation bei mir waren immer die This is all yours Atl-J, aber inzwischen sind auch sehr viel mehr Wumms drin. Viele wirklich tighte Songs, kam auch sehr gut an, obwohl musikalisch schon recht anders als der Hauptact. Dazu hat die Band wirklich nicen Merch: "Die Beste Support-Band der Welt" und ein Rip-Off der Touristeninformation Meppen.
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Wednesday waren dann einfach super. Dieser Mix aus rohem Shoegaze, Country und Noise Rock kickt mich einfach komplett. Und anders als viele andere Bands haben die das einfach perfekt auf die Bühne gebracht. Die Gitarrensounds waren immer perfekt on Point und haben der Wall of Sound ne super struktur gegeben, MJ Lenderman ist einfach einer der besten Gitarristen überhaupt in dieser Ecke. Die Gesamgsleistung bei diesem "Lärm" hörbar zu bleiben und die - für Shoegaze - doch relativ komplexe Vocal Delivery durchzuziehen ist auch beachtlich. Das Ganze hat auch noch mal gezeigt, wie viele Hits das aktuelle Album hat, mit Chosen to Deserve, Quarry und Bull Believer (als Closer) als Highlights. Die Ansage zu Gaza am Ende war dann etwas random, ansonsten war das ein perfekter Gig für sehr faire 20€.

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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von akropeter » Mo 30. Okt 2023, 14:42

Dem Wednesday Bericht möchte ich mich anschließen.

Fand Das bisschen Totschlag mach hinten raus auch richtig gut.
Wednesday hat mich auch wieder überzeugt, wenn auch der Auftritt in Groningen vor ein paar Monaten noch ein wenig stärker war.

Get Jealous in der ersten Reihe waren auch vollauf begeistert. :D
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von AnacondaSniper » Mo 30. Okt 2023, 20:06

SammyJankis hat geschrieben:
So 29. Okt 2023, 15:03
Ich war gestern in der Weltstadt Wunstorf bei Hannover in der Wohnwelt beim Halloween Mosh. Die Veranstaltung findet seit einigen Jahren immer am Samstag vor Halloween statt. Dieses Jahr sollte die finale Veranstaltung dieser Art werden mit einer Pre-Show am Freitag, die ich nicht mitgenommen habe, und der Main Show am Samstag. Also auf nach Wunstorf, auch mein erster Besuch in der Wohnwelt, nachdem ich vor Jahren aufgrund unglücklicher Umstände die Fury Show nicht mitnehmen konnte. Der Stachel sitzt tief. Schätze, es waren so 150 Zahlende anwesend. Absolut ausreichend, um den Laden vollzumachen. Der Raum war halloweenmäßig hergerichtet mit aufgehängten Skeletten, Lichtern, etc., da wurde viel Mühe reingesteckt. Dem Wunsch der Verkleidungen sind auch bestimmt 90 % der Leute nachgekommen. Eintritt war bei 12-15 Euro, für sieben Bands und das, was kommen sollte, ein lächerlich fairer Preis

Phase – Es gibt manchmal so Tage, da kommt man in den Raum und merkt schon anhand der Atmosphäre, dass es heute eine besondere Show wird. Gestern war so ein Tag. Erwartungen waren hoch. Das erste von insgesamt sieben Sets startet und es ist direkt Alarm. Hab die Band im letzten Monat dreimal gesehen und das hier war der beste Gig. Scheiß auf die Texthänger bei zwei neuen Songs. Der Youth Crew Sound kam bei der Crowd voll an, über die entsprechenden Reaktionen würden sich viele Hauptbands auf anderen Shows freuen. Top Start in den Abend.

Placid – Bisher erst einmal gesehen, letztes Jahr in Mannheim und auch hier war der gestrige Auftritt deutlich besser. Sound ging stärker in Richtung The Flex und Konsorten, wobei der Gesang an Phiz erinnert. Crowd war weiterhin sehr dankbar zu diesem frühen Zeitpunkt. Durchgehend Side to Sides, paar Stage Dives. Es ging gut weiter.

Reflex – Relativ junge Band, wobei die Mitglieder durchweg Erfahrungen in anderen deutschen Hardcore Bands haben. Bin mir unsicher, ob es überhaupt schon eine Show gab. Denke generell bei der Zusammensetzung der Band, dass dies ein Projekt ist, das nur selten in Erscheinung treten wird. Dafür aber hoffentlich genauso heftig wie gestern, denn das Chaos vor der Bühne steigerte sich. Sound geht stark in Richtung Boston der 2010er, sprich No Tolerance und Boston Strangler. Set ging so 15 Minuten, es war groß.

Divine Sentence – Vierte Show der Band in diesem Monat für mich und es war die beste, mit Abstand. Keine großen Veränderungen zur Setlist. Alle Songs der Demo, zwei neue Songs, das xRepentancex Cover „Through Eyes Unclouded“. Der einzige Unterschied bestand im Outro, denn gestern wurde „Still Believe In What Has Fallen Apart“ von Maroon gespielt. Die Crowd war top, deutlich textsicherer als in Trier, Düsseldorf und Frankfurt. Was Mosh angeht wurde mit äußester Brutalität vorgegangen. Es war sehr wütend, vor allem bei den beiden Covern. Was die Sache dabei kompliziert machte, waren die Lichtverhältnisse. Der Raum war dunkel gehalten, passend zu Halloween. Das wäre an sich okay gewesen. Allerdings haben zwei Leute Fotos mit Blitz gemacht, was dazu geführt hat, dass man nur erahnen konnte, wo Leute gerade stehen und moshen. Aber gut, es gab keine großen Zwischenfälle oder Stress. Schön auch zu sehen, dass bei einem Song auf Ansage der Sängerin Frauen der komplette Raum zum Tanzen gegeben wurde ohne Ausnahme. Top Gig, vielleicht für mich der beste des Tages.

Angst – Abschiedsshow und es war ein würdiges Ereignis. Die Band hat glaube ich seit Anfang 2020 keine Shows mehr gespielt. Mit bspw. Force of Denial und Face Your Fears sind auch schon Nachfolgeprojekte der Mitglieder unterwegs. Habe nicht mehr mit einer Abschiedsshow gerechnet, also eine positive Überraschung. Sound geht in Richtung Chokehold. Es wurden Songs von allen Veröffentlichungen gespielt, unter Anderem alle Intros. Habe ich so auch noch nicht erlebt, war aber sehr cool und natürlich extrem wütend. Der Mosh wurde noch ein Stückchen härter. Textsicherheit war auch gegeben. Bei den ältesten zwei Songs durfte auch der alte Drummer nochmal sein Können zeigen. Ein absolut versöhnliches Ende und mit Sicherheit der beste Gig, den ich von der Band gesehen habe.

Echo Chamber – Sind einfach im Moment DIE Band im deutschen Hardcore. Wer was anderes behauptet, lebt am Leben vorbei. Durch die vor kurzem auf einer Promo für die US-Tour (generell etwas, was für Hardcore Bands vom europäischen Festland eine absolute Ausnahme ist) veröffentlichten zwei Songs gibt es mittlerweile acht Tracks. Das reicht eigentlich schon, um die nächsten fünf Jahre geile Shows zu spielen, aber ich denke, da wird zeitnah mehr kommen. Mosh war nicht mehr so hart, dennoch natürlich vorhanden, dafür wurde das Singalongs und Stage Dive Level hochgefahren. Vor allem bei den Songs der Demo konnte der Sänger das Mikro ohne Probleme abgeben. Wieder ein Wahnsinnsgig, wobei der Gig in Köln am Rosenmontag nochmal einen geileren Vibe hatte. Hoffe, dass ich die Band dieses Jahr noch 1-2x gucken kann.

Satisfaction – Den Abschluss bildete ein Projekt, welches bisher nur auf dem Halloween Mosh existierte und mit diesem nun auch zu Grabe getragen wurde. Es handelt sich, wie man dem Namen vielleicht schon entnehmen kann, um ein Hatebreed Cover Set. Die Instrumente wurden dabei fest von Leuten aus der Hannover Hardcore Szene bedient, während den Gesang verschiedene Leute übernommen haben. Darunter Sänger*innen von I Recover, Divine Sentence, Force of Denial und Spark. Die Setlist war für mich perfekt, nur Tracks bis zur „Peseverance“. Dachte zu Beginn des Sets, dass die Crowd etwas müde ist, aber dies war ein Trugschluss. Der Mosh war angsteinflößend hart und bei „Smash Your Enemies“, „Burn the Lies“ und Konsorten war die Crowd natürlich auch textsicher. Bedingt durch den kleinen Raum und die Crowd war es deutlich besser als jedes Hatebreed Set, was ich in meinem Leben gesehen habe. Letzter Song „Driven by Suffering“, groß. Ich glaube, ich könnte jede Woche zum Abschluss einer Show ein Hatebreed Cover Set gucken. Die gesamte Show war astrein und vom Hardcore Standpunkt betrachtet neben dem Northern Unfest im April die beste Veranstaltung des Jahres. Schade, dass es vorbei ist, aber vielleicht wird die kleine Tradition in einem anderen Teil Deutschlands weitergeführt.
Sehr schöner Bericht stimme dem ganzen 100 % zu. Hier noch meine Ergänzung zur Pre Show am Freitag. Das Motto an diesem Abend war ,,All Black“ was auch zu 95 % der Fall war.

Escape to Exist: Recht junge Band die Punk im Black Flag Style spielen. Einzige Band des Festivals mit deutschen Texten. Kamen mir erst ein bisschen zu steif auf der Bühne vor, lag aber wohl daran, dass der eigentliche Drummer verhindert war und somit der Gitarrist an den Drums saß und eine Aushilfsgitarristin an die Gitarre musste. Sänger ging aber gut ab. Kann man sich angucken.

Torch: Irgendwo zwischen Hard und Metalcore. Heute mit nur einem Gitarristen unterwegs wodurch der Sound ein bisschen untergegangen ist. Gab auch wieder das Counting Worms Cover von Knocked Loose. Hat mich nicht so abgeholt.

Pluto The Racer: Sound zwischen 90‘s Skatepunk und Foo Fighters. Für mich die beste deutsche Punkband dieser Art. Drummer der auch gleichzeitig mega gut singt. Bin mega hyped auf das bald erscheinende zweite Release der Band, das erste Demo lief bei mir schon rauf und runter dieses Jahr.

Face Your Fears: Das erste Mal am Abend kam so richtig Bewegung auf. Gab das komplette Moshprogramm. Metallic Hardcore der mir sehr gefällt.

Gestern war ich dann noch bei Ten Foot Pole im Bastard Club in Osnabrück. Bin eigentlich kein großer Fan der Band, aber ich hatte eh nichts Besseres zu tun gehabt an diesem Sonntag. Schätze, es waren so 30–40 Besucher da. War übrigens eine Matinee (17 Uhr Beginn) Show, was immer sehr vorteilhaft an einem Sonntag ist.

Straightline: Technischer Skatepunk mit Thrashmetal Einflüssen. Alles supertight gespielt. Sänger hat mich von der Art und Aussehen total an Chris Hannah von Propagandhi erinnert. Die metallastigen Songs haben mir definitiv am besten gefallen. Der Auftritt wurde mir aber durch die Ansagen getrübt. Ich kann ja verstehen, wenn es einem als Band missfällt, wenn das Publikum nur herumsteht und sich null bewegt. Warum man sich aber dann nach jeden Song selber heruntermachen muss mit so Ansagen wie ,,ihr müsst jetzt nur noch 2 songs von uns ertragen, dann kommen Ten Foot Pole“ oder ,,jetzt kommt leider wieder was metallastiges“ verstehe ich nicht so richtig. Lustig war es auch nicht.

Ten Foot Pole: Die Band war dann das komplette Gegenteil. Witzige und sympathische Ansagen von Sänger Dennis Jagard der auch vor fast allen Songs eine kleine Anekdote zu selbigen erzählt hat. Knappe 60 Minuten Spielzeit, was vollkommen gereicht hat. Ging klar für einen Sonntagabend.

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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Quadrophobia » Mi 1. Nov 2023, 09:18

Ich war gestern bei Protomartyr im Bahnhof Pauli in Hamburg.

Es war mein erster Besuch in dieser Venue, ich hatte die vor Corona eher als Party-Location auf dem Zettel und hatte jetzt das erste mal etwas dort ein Konzert im Plan. Der Club besteht aus einem großen Raum, der im Stil einer Hamburger U-Bahn Station gehalten ist. Ziemlich gelungen und dadurch coole Atmosphäre. Durch die hohe Bühne konnte man eigentlich überall wunderbar sehen.

Support warten CIA Debutante, zwei Typen, einer an der Gitarre, die aber eher als Effektgerät behandelt wurde und einer an der Loopstation. Weirder Mix aus Ambient Loops, Effektgefrickel, Spoken Word und Gitarrenfeedback. Irgendwo zwischen "So klingen Radiohead für Leute, die Radiohead scheiße finden" und Sleaford Mods für Kunststudenten. Sympatisch war allerdings, dass der Sänger seine Lyrics vorher am Späti ausgedruckt hat, weil sie sonst anscheinend nur improvisieren und für die "großen" Shows als Support von Protomartyr nur ihre "Hits" spielen wollen.

Protomartyr hab ich irgendwie immer verpasst, insbesondere die 2017er Show zu Relatives in Descent schmerzt noch. Das neue Album finde ich aber wieder großartig, deshalb absoluten No-Brainer. Venue war jetzt auch gut gefüllt, würde sagen da fehlte wenig zum ausverkauf. Das neue Album war natürlich im Fokus, insgesamt gab es aber einen bunten Mix aus Songs quer durch die Diskographie. Ich kenne mich bei denen erst ab Relatives in Descnet aus, deshalb war das eins der wenigen Konzerte wo der Spannungsbogen für mich nicht so funktioniert hat, wie für den Rest des Publikums, von denen viele Leute anscheinend vor allem die ersten beiden Platten gefeiert haben. Mir dagegen hat die ersten Hälfte besser getaugt, mit "For Tomorrow" als Highlight. Aber auch darüber hinaus haben die eine Art, mich immer wieder reinzuziehen, vor allem die schnellen Passagen im Aufbau. Post-Punk hat ja die Gefahr, schnell generisch zu werden, das weiß die Band irgendwie immer zu verhindern. Neben der mächtigen Wall of Sound kommen immer noch die einzelnen Gitarren perfekt zur Geltung, die beiden Gitarristen wechsel sich dabei auch regelmäßig untereinander zwischen Lead- und Rhythmusparts ab. Auch die Drums kamen schön knackig rüber (das war vielleicht der einzige Kritikpunkt bei Wednesday am Samstag). Über allem thront aber immer Joe Casey, der Typ hat eine Ausstrahlung, man kann eigentlich nirgends anders hingucken. Irgendwie sieht der aus wie der gute Zwilling von Alex Jones, hat immer noch irgendwo ein Astra in seinem Jackett gebunkert und gibt dem musikalisch schon sehr starken Soundgerüst mit seinem erratischen GEsang das was Protomartyr für mich ausmacht. 80-Minuten Spielzeit, astreines Konzert.

@akropeter warst du eigentlich da?
Zuletzt geändert von Quadrophobia am Mi 1. Nov 2023, 12:09, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » Mi 1. Nov 2023, 11:57

Ich war gestern in Bochum bei World Peace in der Oval Office Bar. Der Laden ist beim Schauspielhaus Bochum und war mir bis gestern völlig unbekannt. Nette, alternative Bar. Hoffe, das war nicht die letzte Veranstaltung dort. Show war ausverkauft, sollten so um die 100 Zahlende gewesen sein. Sehr cool. Vor allem, da es an Halloween sicherlich schwierig ist zu kalkulieren, wie viele Leute kommen. Mich hätte nichts zwischen 10 Zahlenden und ausverkauft gewundert. Es war aber immer noch genug Platz, also 20 Leute wären sicherlich noch reingegangen. Eintritt war 5-12 Euro, fair.

Phase – Erst am Samstag gesehen, dort auch schon als Opener. Show war dieses Mal ruhiger, keine Überraschung. Nicht jede Show kann so aussehen wie Samstag in Wunstorf. Die Band hat auch dieses Mal einen guten Opener abgegeben, dieses Mal auch ohne Texthänger. Gab etwas Bewegung, alles entspannt.

Chemical Threat – Wie schon bei der Show in Düsseldorf wurde nur kurz ein Mitglied gewechselt und es gab ein kurzes Secret Set. Das namensgebende 86 Mentality Cover wurde natürlich auch wieder gespielt. War kurz, aber cool.

Pus – Mittlerweile zum dritten Mal gesehen und die Band wird von Show zu Show besser. Das Intro ist stabil. Die Songs der Demo wissen auch zu gefallen und die Sängerin wird in ihrem Auftreten immer sicherer. Die Crowd war jetzt auch voll dabei. Viel Bewegung, vielleicht härtester Mosh des Abends. Guter Gig.

Xiao – Schwedische Hardcore Bands lieben im Moment NRW. Xiao waren vor einigen Monaten erst in Köln, jetzt wieder in Bochum. Wenn ich mich für einen Gig entscheiden müsste, wäre es wohl der in Köln, aber auch gestern war es sehr unterhaltsam. Hardcore mit einigen chaotischeren, leicht an Grindcore angelehnten Parts. Crowd war weiterhin gut aufgelegt, die Band hat sich überschwänglich bedankt für den Support in der Gegend. Dürfen gerne weiterhin alle paar Monate hier spielen.

World Peace – Auch wenn die Band den gleichen Namen trägt wie der Cro-Mags Song, geht es soundtechnisch in eine ganz andere Richtung. Es wurde Power-Violence geboten, in meinen Augen sehr guter. Die Klampfen waren so tief gestimmt, wie es nur ging. Es wurden ca. 26 Songs in 18 Minuten gespielt. Also genau das, was man von einem Power-Violence Set erwartet. Die Crowd hat auch hier nochmal alles gegeben. Ein wütender Abschluss einer gelungenen Show.
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von akropeter » Mi 1. Nov 2023, 14:37

Quadrophobia hat geschrieben:
Mi 1. Nov 2023, 09:18
@akropeter warst du eigentlich da?
Ich musst leider gesundheitsbedingt passen. :sad: :cry:
Hamburg dies, Hamburg das, Hamburg Fachjargon!

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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Quadrophobia » Mi 1. Nov 2023, 15:22

akropeter hat geschrieben:
Mi 1. Nov 2023, 14:37
Quadrophobia hat geschrieben:
Mi 1. Nov 2023, 09:18
@akropeter warst du eigentlich da?
Ich musst leider gesundheitsbedingt passen. :sad: :cry:
GuBe! :sadyes:

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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » Mi 8. Nov 2023, 17:28

Ich war gestern in Oberhausen bei Bohren & der Club of Gore im Ebertbad, ein altes Schwimmbad 10 Minuten vom Oberhausen Hbf entfernt, wo schon seit Jahren primär Theater und Kabarett stattfindet. Gestern war mein erster Besuch, Saal komplett bestuhlt, freie Platzwahl, alles entspannt.

Bohren & der Club of Gore – Es gab genau das, was man von einer Show der Band erwartet. Spielzeit knapp 100 Minuten. Bühne sehr dunkel gehalten. Über jedem der drei Herren sind jeweils zwei Lämpchen, die einzigen Lichtquellen. Jedes der Dark Jazz Stücke wird vom Frontmann der Truppe mit einer Geschichte angesagt. Der Herr könnte auch Helge Schneider sein von seinem Auftreten, da sind sich alle einig. Er ist auch das Mitglied, welches das Saxofon spielt, immer sehr schön zu hören. Sound war top, Setlist auch wieder etwas durchmischter und nicht zu stark dominiert von der letzten Platte „Patschuli Blue“. Zum Glück war auch kein Gast im Publikum, der irgendwie versucht hat, mit dem Sänger pseudolustig eine Konversation zu starten und dabei einfach nur peinlich ist. Das kam in der Vergangenheit leider häufiger vor. Bin sehr zufrieden nach Hause gegangen, muss aber auch sagen, dass für mich eine Show pro Jahr absolut ausreichend ist, könnte ich nicht wie andere Acts jede Woche gucken.
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » Sa 11. Nov 2023, 14:05

Ich war gestern in Gent bei der letzten Blind to Faith Show im Trefpunt. Hinfahrt war stressig, durchgehend Regen, viel Stau, chaotische Parkplatzsuche in Gent. Sind fünf Minuten nach Beginn der ersten Band eingetroffen. Show war seit Monaten ausverkauft, keine Überraschung. Dies war eine der wenigen Hardcore Shows, auf denen ich das Durchschnittsalter gesenkt habe. Das passiert mittlerweile nur noch ganz selten.

Parasite – War ganz solider Punk/Hardcore. Ist allerdings ziemlich an mir vorbeigegangen, da ich mich erstmal im gefühlt 40 Grad warmen Raum akklimatisieren musste. Die Crowd war auch noch nicht wirklich voll dabei. Gab Höflichkeitsapplaus, das wars.

Mindwar – Räumen im Moment eigentlich immer ab, aber gestern ging es verhältnismäßig ruhig zur Sache. Musikalisch gehören die Jungs auf jeden Fall zur Sperrspitze des europäischen Hardcores und sind in meinen Augen auch völlig zu Recht auf Triple B gelandet. Ich hatte gestern das Gefühl, dass das für Hardcore Shows recht alte Publikum nur noch Kraft für ein Set hat und sich alles für die Hauptband aufsparen wollte. Kann man ihnen nicht verübeln.

Blind to Faith – Set war natürlich unfassbar wütend. Die Band ist in meinen Augen einer der most underrated Acts ever. Mag auch daran liegen, dass pro Jahr im Schnitt vielleicht drei Shows gespielt wurden. Möglichkeiten, sie zu sehen, waren rar. Ich weiß noch, wie mal eine Deutschland Show angekündigt wurde. Ich war so hyped, dann die Absage. Naja, Sound ist Metallic Hardcore, würde super nach Cleveland passen. Die Crowd ist aufgewacht, auch wenn ich mir noch etwas mehr erhofft hätte. Ging aber einige Male gut zur Sache. Show war auf jeden Fall gut, meine erste Liveerfahrung mit der Band 2014 auf dem Ieperfest bleibt aber unerreicht. Dennoch bin ich glücklich nach Hause gefahren.
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von SammyJankis » So 12. Nov 2023, 10:00

Ich war gestern in Dortmund bei Tristis im Jugendfreizeitstätte Brackel. Kleines Jugendzentrum, Eintritt waren 3 Euro, Getränke mit 1-1,50 Euro auch sehr günstig. Schätze, es waren so 30 Zahlende anwesend. Eigentlich sollten drei Bands spielen, aber eine hat spontan wegen Corona abgesagt.

Railmen – Die Art von Band, bei der ich gehofft hatte, dass ich ihr nie wieder über den Weg laufe. Auf dem Flyer stand als Beschreibung Power Grunge, absolut keine Ahnung, was das sein sollte. Es war dann im Endeffekt (Punk-) Rock der langweiligen Sorte. Dazu allerlei unlustige Ansagen, die natürlich von den ganz Lustigen im Publikum gerne aufgegriffen wurden, um unlustige Konversationen zu starten. Eine Band, wie ich sie auf jedem Stadtfest oder Bandcontest erwarte. Es war schlimm.

Tristis – Zum zweiten Mal gesehen, zum zweiten Mal überzeugt. An meiner Meinung zum ersten Gig hat sich wenig geändert. Sound geht in Richtung Celeste, gefällt sehr gut. Die Stimme der Sängerin ist top, der Backgroundgesang okay, nur die cleanen Parts sollten unbedingt weggelassen werden. Das funktioniert überhaupt nicht. Natürlich ist ein Jugendzentrum kein vernünftiges Ambiente für Black Metal. Der Sound hätte etwas dicker sein können und Licht hat auch nicht gepasst, aber bei dem Eintrittspreis zu verschmerzen. Die Sängerin war komplett in weiß gekleidet, hat sich gegen Ende des Sets mit einer schwarzen Flüssigkeit überkippt. Guter Effekt, passte zum Sound, hatte was von Samara aus The Ring. Insgesamt ein guter Auftritt, der für die erste Band entschädigt hat. Tristis spielen in zwei Wochen schon wieder in der Nähe, in Solingen mit Inhuman Nature, bin aber leider verhindert.
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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von olli77 » So 12. Nov 2023, 10:33

Ich war gestern im Hirsch in Nürnberg bei BRASS AGAINST

Der Hirsch war im Vergleich zu deren Konzert vor Corona sehr gut gefüllt.
Zwar war es eine relativ unübliche Uhrzeit mit 19 Uhr und Ende 21 Uhr, aber das tat dem Abriss keinen Abbruch




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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von smi » Mo 13. Nov 2023, 18:25

Incarceration/Ultha im Bambi Galore / HH

Mauler - Death Metal
Neue Death Metal Band aus Deutschland, wirkte noch etwas untight, besonders das Schlagzeug (also das Instrument wird schon beherrscht, aber wirkt als wäre noch nicht oft zusammen gespielt/geprobt worden). Insgesamt wird man von der Truppe aber glaube ich noch hören, gerade der Sänger hat ein zunichte Brett abgeliefert. Bambi war schon gut gefüllt, das Bier schmeckte nicht (Holsten alkoholfrei ist zum angewöhnen, dann lieber Wasser) und ein solider Einstieg.

Imha Tarikat - Black Metal
Spannende Black Metal Band, die etwas andere Wege geht. Teils Deutsche Texte. Der Sänger wirkt am Anfang etwas durchgedreht, aber im Laufe des Sets und mit steigender Begeisterung des Publikums, könnte er immer wieder ein Lächeln und teilweise sogar fettes Grinsen nicht unterdrücken. Hat viel Spaß geht und wir nochmal angeschaut, wenn in der Nähe.

Ultha - Black Metal
Und wieder durchgerutscht, seit 7 oder 8 Jahren immer wieder durchgerutscht. Aber nun endlich... Und? Richtig fett abgeliefert! Einfach das Licht rot, Nebel an und los ging das Geballer. Großartige, konstante Soundwand. Ich bin noch immer begeistert und freue mich auf das Konzert mit AHAB auf der Stubnitz nächstes Jahr. Brett.

Incarceration - Death Metal
Nach ultha war ich ziemlich satt. Und wie so oft wenn eine großartige Band mit komplexem sind gespielt hat, hat es die Band danach schwer. Incarceration machen schnellen Death mit speziellem Gesang. Nicht tief und wütend sondern schnell und schrill. Hat am Ende doch ganz gut gefallen und ihr Ultha sicher noch besser.

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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von Baron von Goenn » Mo 13. Nov 2023, 20:17

Ich war letzte Woche Montag bei Greta Van Fleet in Hamburg. Ich fand das Konzert ok, war aber dennoch enttäuscht. Ich find es generell gut, wenn alle Bandmitglieder gewürdigt werden und Soli zeigen können, aber das war an dem Abend wirklich übertrieben. Teilweise Soli über 10 Minuten, die gar nicht immer so geil waren. Vor allem das Drumsolo war für meinen Geschmack komplett misslungen. Da hätten sie die zwei Stunden Spielzeit gerne noch mit ein paar weiteren Hits füllen können (auch wenn die halt nicht aufm aktuellen Album sind). Ich war anscheinend auch nicht alleine mit meiner Meinung, im Publikum immer wieder verständnislose Blicke und Gemaule wahrgenommen. Für einen Montag von Hannover nach Hamburg und zurück und mit Arbeit am nächsten Tag war es dann ein eher mittelmäßiges Erlebnis.
Bier ist schmackhaft und ein hervorragendes Getränk.

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Re: Der Konzertbesuchsthread

Beitrag von smi » Di 14. Nov 2023, 00:11

Konzert 2 von 4 in 7 Tagen (oder wie Sammy sagt: ne normale Woche):
Houle - Black Metal - Tipp
Französische Black Metal Band mit maritimen/nautischen Inhalten. Gesang zwischen klassischem Black Metal und Möve. Schicke live Show, geiler Sound, sympathische Band. Überraschung des Abends, vorher kaum reingehört.

Uburen - Black Metal
Black Metal mit Viking Einschlag. Drei Leute und gerade dafür ein wuchtiger Sound. Solider Nummer abgeliefert, die Fans haben ihre Packung bekommen. Mit persönlich war die Mucke etwas zu einfach und dies ganze "wir sind Wikinger und fahren nach valhalla" ist ziemlich ausgelutscht.

Kanonenfieber - Black Metal
1 WK als Thema, inhaltlich auch teils deftige Themen. Was gar nicht passt, ist mitklatsch parts, Faust nach oben und "hey" Aufrufe etc und das zu Themen wie Schlachten, bei denen viel tausend Menschen gestorben sind. Fande ich ziemlich deplatziert, den zahlreichen Fans der Band hat es gefallen. Ich brauche die nicht wieder. Und die Schaum Kanone, die Schneegestöber darstellen sollte, war unfreiwillig komisch.

Batushka - Black Metal
Die nach dem Split in Streitigkeiten guten Batushka des Gitarristen und Songwriter Krzysztof Drabikowski. Fetter Auftritt, super Sound, mein Bart riecht noch immer nach Weihrauch. 60 Minuten runter gezockt vom feinsten. Einziger kleiner negativ Punkt, leider nur wenige sind des Debüt Litourgiya, und gerade für, waren der Abriss.

Schöner Abend, allerdings sind vier Bands an einen Montag Abend schon eine Ansage. 1830 Einlass, 1850 Beginn, sportlich.

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