> Festival Community Magazin - klickst Du hier <

Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Konzerte, Platten & Musik im TV
Online
Benutzeravatar
Stebbie
Hausmeister
Beiträge: 5864
Registriert: Di 15. Sep 2015, 10:44
Wohnort: I'm just trying to get home

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von Stebbie » Di 12. Nov 2019, 10:55

Quadrophobia hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 10:41
Na klar gibt es auch Ausreißer. Solange, Kendrick selbstverständlich und Jenny Hval fallen mir da gerade als erstes ein. Aber die Popkultur ist halt auch größer als das, was wir hier diskutieren. Und Drake, Ed Sheeran und Co. sind an Konformität eben kaum mehr zu übertreffen.
und das unterscheidet sich wo genau von der (Pop-)Musik der 80er, 90er oder 00er Jahre?
(c) 26.06.2006

Blackstar
Beiträge: 4721
Registriert: Mo 25. Jan 2016, 16:48

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von Blackstar » Di 12. Nov 2019, 10:59

slowdive hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 10:52
Blackstar hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 10:45
slowdive hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 10:31

Ja, genau das. :mrgreen:
Na dann ernsthafte Antwort:

Gerade im Bereich des Metal hat sich im letzten Jahrzehnt eine ziemliche Professionalisierung hin zum klaren Sound abgespielt: technisch versierter, nicht so engstirnig, mit Anleihen links und rechts des Genres - sprich auch mal elektronische Elemente.
Relevant wäre hier: Shining - Blackjazz (2010). Bisschen früher schon, aber in Reihe auch wichtig: Disillusion - Gloria (2006). Nimmt man mal den furchtbaren deutschen Akzent des Sängers weg, erklärt dieses Album recht gut, was im letzten Jahrzehnt so passiert ist. Nicht nur Gebolze, sondern Anspruch.
Ansonsten: Ein Ohr (oder zwei) auf Alcest werfen schadet nie. Die neue habe ich noch nicht gehört, aber die Alben davor sind hoch innovativ. Im Bereich des Hardcore ist Sammy fitter, hier würde ich Turnstile hervorheben.
Ansonsten kam zuletzt stark der "white black metal" (dumme Genrebezeichnung von mir) durch, sprich Black Metal Anleihen und Künstler, die keine Kirchen anzünden und sonst Arschlöcher sind: Deafhaven, Oathbreaker, etc. Frag fipsi in eurer Whatsappgruppe nach mehr. Gerade dadurch, dass Frauen im Metal jetzt mehr machen, als nur Melodic Gedöns, hat vieles eine neue interessante Note gewonnen. (Querverweis zudem zu Chelsea Wolfe). An einer Anna von hausswolff kommt man auch nicht vorbei, wenn man Innovation sucht.
Kurzweilig, aber schon gut: Zeal & Ardor. Kurzweilig, schon interessant: Batushka. Allgemein sollte dir aufgefallen, dass irgendjemand Shoegaze aus der Kiste gekramt hat (was ich übrigens als Genre nicht mag) und mit Hilfe härterer Sounds daraus Blackgaze gemacht hat. Gab es so in der Konsequenz auch nicht.
Weg vom härteren: Algiers halte ich für hochgradig innovativ.

Das erstmal fürs erste. Wenn mal Zeit ist, mach ich mit elektro weiter.
Ganz im Ernst: Danke. Auch wenn, ich einiges schon kenne, freue mich mich, das zu lesen und Neues zu entdecken. :smile:

Gleichzeitig ist so "Nischenmusik" natürlich (leider) auch wenig aussagekräftig, da die großen gesellschaftlichen Strömungen (und teils auch ihre Counterparts) eher in der Populärkultur verarbeitet werden. Oder anders gesagt: Möchte man über Gesellschaft nachdenken hört man besser Taylor Swift als Shining. Leider.
Wenn ich über Gesellschaft nachdenke, möchte ich weder die einen, noch die anderen hören. ;)
Die hier schon immer mal wieder durchklingende Frage ist ja: Was soll Musik eigentlich?
Teils wird gesagt, dass sie unterhalten soll: Das ist glaube ich auch das Hauptthema.
Dann git es die Strömung die sagen: Musik soll auch eine Botschaft rüberbringen, politisch sein. Hier ist - ohne das mich das groß interessieren würde - gerade in den letzten Jahren so viel entstanden, wenngleich das aus unserer Perspektive immer ein bisschen komisch ist, weil das in Deutschland nicht stattfindet. Die großen politischen Künstler sind halt aus US und UK und deren Probleme sind manchmal nur bedingt nachvollziehbar hierzulande. In Deutschland ist es ja besser, Musiker äußern sich nicht politisch, da kam bislang fast ausschließlich nur Mist bei rum. Aber: Die Populärmusik ist so poltisch aufgeladen, wie lange nicht.
Eine weitere Strömung und da bin ich gern: Musik soll auch fordern. Nicht immer, aber immer mal wieder. So wie ich mich gerade diebisch freue, eine Funeral Doom Band (Esoteric) entdeckt zu haben, die einfach mal stundenlang nur zu fiesen Riffs herumschreit, obwohl der Name schon locker 20 Jahre irgendwo herumschwirrt.

Benutzeravatar
Quadrophobia
Beiträge: 11597
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:15
Wohnort: Hamburg/Göteborg
Kontaktdaten:

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von Quadrophobia » Di 12. Nov 2019, 11:08

Stebbie hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 10:55
Quadrophobia hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 10:41
Na klar gibt es auch Ausreißer. Solange, Kendrick selbstverständlich und Jenny Hval fallen mir da gerade als erstes ein. Aber die Popkultur ist halt auch größer als das, was wir hier diskutieren. Und Drake, Ed Sheeran und Co. sind an Konformität eben kaum mehr zu übertreffen.
und das unterscheidet sich wo genau von der (Pop-)Musik der 80er, 90er oder 00er Jahre?
Allein das "No Future" des Punks oder die Empowerment Bewegung im Hip-Hop der 90er/00er sind doch beste Beispiele dafür, dass es immer eine Vision gab, die popkulturell dominante Genres getragen hat. Dass die Neoliberalisierung der Kunst aber schon damals angefangen hat, ist ja auch Teil des Arguments.

Gerrits Hauptpunkt ist doch die Zukunftslosigkeit aktueller Kunst durch die Omnipräsenz von Verwertungslogiken, die die Totalität des Realistischen einnehmen. Progressive, visionäre Kunst verschwindet ja nicht nur in der Musik zu Gunsten verwertbarer Massenware. Im Kino gibt es die genau gleiche Diskussion um die Marvel Filme (auch die kann man selbstverständlich gut finden) und auch dort ist sie berechtigt, weil sie eben die Popkultur vereinheitlicht und die Produktion von Ideen, Visionen und Wünschen vollständig auszumerzen droht.

Benutzeravatar
slowdive
Beiträge: 3801
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:17
Wohnort: Hannover

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von slowdive » Di 12. Nov 2019, 11:15

Quadrophobia hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 11:08
Stebbie hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 10:55
Quadrophobia hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 10:41
Na klar gibt es auch Ausreißer. Solange, Kendrick selbstverständlich und Jenny Hval fallen mir da gerade als erstes ein. Aber die Popkultur ist halt auch größer als das, was wir hier diskutieren. Und Drake, Ed Sheeran und Co. sind an Konformität eben kaum mehr zu übertreffen.
und das unterscheidet sich wo genau von der (Pop-)Musik der 80er, 90er oder 00er Jahre?
Allein das "No Future" des Punks oder die Empowerment Bewegung im Hip-Hop der 90er/00er sind doch beste Beispiele dafür, dass es immer eine Vision gab, die popkulturell dominante Genres getragen hat. Dass das aber schon damals angefangen hat, ist ja auch Teil des Arguments.

Gerrits Hauptpunkt ist doch die Zukunftslosigkeit aktueller Kunst durch die Omnipräsenz von Verwertungslogiken, die die Totalität des Realistischen einnehmen. Progressive, visionäre Kunst verschwindet ja nicht nur in der Musik zu Gunsten verwertbarer Massenware. Im Kino gibt es die genau gleiche Diskussion um die Marvel Filme (auch die kann man selbstverständlich gut finden) und auch dort ist sie berechtigt, weil sie eben die Popkultur vereinheitlicht und die Produktion von Ideen, Visionen und Wünschen vollständig auszumerzen droht.
Genau. Mir geht es eben auch nicht um Popmusik, sondern um Popkultur. Und das ist ein Unterschied. Die Ravemusik der 90er, in die Jungle-Musik die Verlassenheit und gleichzeitige Gehetztheit urbaner Großstädte gespiegelt hat (Goldie). Der Reaktionismus vom Britpop, dessen Counterpart z.B. die Musik von Tricky war. Oder die Art, in der Burial den Eskapismus der 90er zu Grabe trägt und eine verlorene Zukunft betrautert. Das war alles nicht Pop, aber fest verankert in der Popkultur einer Gesellschaft, die immer auch von jungen Menschen dominiert wird.

Benutzeravatar
fipsi
Beiträge: 10788
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:54

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von fipsi » Di 12. Nov 2019, 11:18

mattkru hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 10:13
Free Jazz + Bubblegum Pop
Habe ich da 100 gecs gehört? :doof:

Ich glaube Innovationen sind schon noch in einigen Rahmen möglich, aber finden hier nur relativ wenig statt. Unsere musikalische Grundlage besteht eben zum großen Teil aus Indie-Rock/Alternative Rock, der beim Hurricane in den 2000ern dominant vertreten war. In diesen Genres herrscht schon so viel Stillstand, dass ihre Abstinenz in den Bestenlisten eben auch ein Zeichen ist. Dadurch wird es auch hier ein großes Thema. Persönlich mag ich auch einige Alben und Künstler aus der Liste von Paste, aber mir fehlt auch so der Wow-Effekt.

Wie Klaus schon angedeutet hat, gibt es im Metal echt viele neue Strömungen in den letzten Jahren. Ich finde es auch interessant, dass da so wenig Beachtung in der breiten Wahrnehmung gibt. Da sieht man mal wie sehr es Subgenres sind.

Generell habe ich das Gefühl, dass die letzten Jahre wieder mehr Innovation stattgefunden haben als in den 2000ern.

Vielen Dank übrigens, dass mit PC Music ein großer Innovator schon genannt wurde. Es echt genial, was in dem Umfeld in den letzten Jahren an Musik erschienen ist. Da wird es echt geschafft Nostalgie und Moderne zu verbinden. Für viele ist das vielleicht richtig überfordernd, aber ich habe mich da echt in vieles verliebt. Wer es mal versuchen will, sollte mal in meine Tipps reinhören und sich verstören lassen (siehe Spoiler).
chek like caroline pola

Benutzeravatar
Quadrophobia
Beiträge: 11597
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:15
Wohnort: Hamburg/Göteborg
Kontaktdaten:

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von Quadrophobia » Di 12. Nov 2019, 11:21

Heavy Metal ist übrigens das aktuell am schnellsten wachsende Genre. Mit Glück kann die Innovationsdynamik der von euch genannten Bands ( ich hab in dem Genre einfach keine Ahnung) ja etwas in die Popkultur einschreiben. Wenns schlecht läuft, lösen Five Finger Death Punch halt Taylor Swift ab.

Blackstar
Beiträge: 4721
Registriert: Mo 25. Jan 2016, 16:48

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von Blackstar » Di 12. Nov 2019, 11:23

slowdive hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 11:15
Quadrophobia hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 11:08
Stebbie hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 10:55


und das unterscheidet sich wo genau von der (Pop-)Musik der 80er, 90er oder 00er Jahre?
Allein das "No Future" des Punks oder die Empowerment Bewegung im Hip-Hop der 90er/00er sind doch beste Beispiele dafür, dass es immer eine Vision gab, die popkulturell dominante Genres getragen hat. Dass das aber schon damals angefangen hat, ist ja auch Teil des Arguments.

Gerrits Hauptpunkt ist doch die Zukunftslosigkeit aktueller Kunst durch die Omnipräsenz von Verwertungslogiken, die die Totalität des Realistischen einnehmen. Progressive, visionäre Kunst verschwindet ja nicht nur in der Musik zu Gunsten verwertbarer Massenware. Im Kino gibt es die genau gleiche Diskussion um die Marvel Filme (auch die kann man selbstverständlich gut finden) und auch dort ist sie berechtigt, weil sie eben die Popkultur vereinheitlicht und die Produktion von Ideen, Visionen und Wünschen vollständig auszumerzen droht.
Genau. Mir geht es eben auch nicht um Popmusik, sondern um Popkultur. Und das ist ein Unterschied. Die Ravemusik der 90er, in die Jungle-Musik die Verlassenheit und gleichzeitige Gehetztheit urbaner Großstädte gespiegelt hat (Goldie). Der Reaktionismus vom Britpop, dessen Counterpart z.B. die Musik von Tricky war. Oder die Art, in der Burial den Eskapismus der 90er zu Grabe trägt und eine verlorene Zukunft betrautert. Das war alles nicht Pop, aber fest verankert in der Popkultur einer Gesellschaft, die immer auch von jungen Menschen dominiert wird.
Ohne Witz: Geh mal zur Popkultur. Da finden genau die Debatten statt, die du hier führst und da spielt auch die pop.kultur an Musik.

Benutzeravatar
Monkeyson
Beiträge: 2449
Registriert: Do 17. Sep 2015, 10:29

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von Monkeyson » Di 12. Nov 2019, 11:24

slowdive hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 09:30
[...] die These aufgestellt, dass die Zeit von ca. 2003 bis heute [...] schon bald als die schlimmste seit den 1950ern angesehen wird. Er begründet dies eben auch damit, dass sich besonders in der Musik eine absolute Visionslosigkeit, die innerhalb der Gesellschaft anzutreffen ist, wiederspiegelt.

[...]

Dazu natürlich noch Alben, die in ihrer Musik (und ggfs. auch ihren Texten) zeitlose menschliche Emotionen berühren (Sufjan Stevens' "Carrie & Lowell", Joanna Newsoms "Have One on Me", Mount Eeries Alben, Sun Kil Moons "Benji", etc.) – quasi die musikalischen Gegenstücke zu Filmen wie dem wunderschönen "Call Me By Your Name". :herzen2:
Wenn du solche Alben nennst, dann untergräbst du aber deinen eigenen Anspruch nach Neuartigkeit, oder was verstehe ich falsch? Hat ein Grundsockel "zeitloser" Alben seine Daseinsberechtigung, so lange es nur ausreichend Neues drumherum gibt?

Dann würden andere Hörer aber andere Beispiele für zeitlose menschliche Emotionen nennen, die von dir genannten Bands haben ja diesbezüglich kein Alleinstellungsmerkmal.

mattkru
Beiträge: 4512
Registriert: So 31. Jan 2016, 18:34

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von mattkru » Di 12. Nov 2019, 11:55

fipsi hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 11:18
mattkru hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 10:13
Free Jazz + Bubblegum Pop
Habe ich da 100 gecs gehört? :doof:
Gibt es das wirklich???

Ich hatte das einfach nur als völlig absurde Kombination in den Raum geworfen.

Benutzeravatar
slowdive
Beiträge: 3801
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:17
Wohnort: Hannover

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von slowdive » Di 12. Nov 2019, 12:08

Monkeyson hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 11:24
slowdive hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 09:30
[...] die These aufgestellt, dass die Zeit von ca. 2003 bis heute [...] schon bald als die schlimmste seit den 1950ern angesehen wird. Er begründet dies eben auch damit, dass sich besonders in der Musik eine absolute Visionslosigkeit, die innerhalb der Gesellschaft anzutreffen ist, wiederspiegelt.

[...]

Dazu natürlich noch Alben, die in ihrer Musik (und ggfs. auch ihren Texten) zeitlose menschliche Emotionen berühren (Sufjan Stevens' "Carrie & Lowell", Joanna Newsoms "Have One on Me", Mount Eeries Alben, Sun Kil Moons "Benji", etc.) – quasi die musikalischen Gegenstücke zu Filmen wie dem wunderschönen "Call Me By Your Name". :herzen2:
Wenn du solche Alben nennst, dann untergräbst du aber deinen eigenen Anspruch nach Neuartigkeit, oder was verstehe ich falsch? Hat ein Grundsockel "zeitloser" Alben seine Daseinsberechtigung, so lange es nur ausreichend Neues drumherum gibt?

Dann würden andere Hörer aber andere Beispiele für zeitlose menschliche Emotionen nennen, die von dir genannten Bands haben ja diesbezüglich kein Alleinstellungsmerkmal.
Jein. Es halt eher diese typische Gegenüberstellung von Hochkultur und Popkultur (die Begriffe schätze ich übrigens nicht, da sie eine qualitative Hierachie beschwören, die es so nicht gibt). Popkultur ist meines Erachtens im Gegensatz zur Hochkultur von kommerzielleren, zeitgeistigeren und auch gesellschaftlichen Einflüssen und Debatten durchzogen und taugt daher eher zur Analyse von Kultur und Gesellschaft. Letzere findet eher abgekapselt davon statt. Die Grenze ist dabei natürlich nicht klar gesteckt und muss immer wieder neu abgetastet werden. Im Film ist das Ganze noch etwas einfacher (wenngleich natürlich auch nicht trennscharf), da man zwischen großen Hollywood-Studio-Produktionen, die von etlichen (finanziellen) Interessen von Studios, Produzenten, etc. durchzogen sind und zielgruppenbasiert kreiiert werden (und somit auch immer eine bestimmte gesellschaftliche Stimmung/Ideologie abbilden) und eigenbrötlerischen Autorenfilmen, die diesen Einflüssen weniger ausgesetzt sind, unterscheiden kann (natürlich gibt es auch Grenzgänger; Villeneuve, Tarantino, Scorsese, etc.). Nach innen gerichte Alben, wie die genannten, sind für mich eher musikalische Pendants zu Zweiteren.

Wie gesagt, kein Qualitätsmerkmal. Janelle Monae oder Solange machen bessere Musik als die DIY-Band um die Ecke und Mission Impossible: Fallout ist sicher besser, als die meisten Indieproduktionen der letzten Jahre.

Benutzeravatar
fipsi
Beiträge: 10788
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:54

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von fipsi » Di 12. Nov 2019, 12:12

mattkru hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 11:55
fipsi hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 11:18
mattkru hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 10:13
Free Jazz + Bubblegum Pop
Habe ich da 100 gecs gehört? :doof:
Gibt es das wirklich???

Ich hatte das einfach nur als völlig absurde Kombination in den Raum geworfen.
Also 100 gecs werfen zu ihrem Bubblegum Bass/Trap Pop so viele Genres hinzu (there is even a ska song!), dass da bestimmt auch Spuren von Free Jazz zu finden sind. Auf Struktur wird da nämlich nahezu komplett verzichtet. Daher geht es in diese absurde Richtung.

100 gecs - stupid horse
100 gecs - money machine
chek like caroline pola

Benutzeravatar
Monkeyson
Beiträge: 2449
Registriert: Do 17. Sep 2015, 10:29

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von Monkeyson » Di 12. Nov 2019, 12:30

slowdive hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 12:08
Monkeyson hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 11:24
slowdive hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 09:30
[...] Alben, die in ihrer Musik (und ggfs. auch ihren Texten) zeitlose menschliche Emotionen berühren (Sufjan Stevens' "Carrie & Lowell", Joanna Newsoms "Have One on Me", Mount Eeries Alben, Sun Kil Moons "Benji", etc.) – quasi die musikalischen Gegenstücke zu Filmen wie dem wunderschönen "Call Me By Your Name". :herzen2:
Wenn du solche Alben nennst, dann untergräbst du aber deinen eigenen Anspruch nach Neuartigkeit, oder was verstehe ich falsch? Hat ein Grundsockel "zeitloser" Alben seine Daseinsberechtigung, so lange es nur ausreichend Neues drumherum gibt?

Dann würden andere Hörer aber andere Beispiele für zeitlose menschliche Emotionen nennen, die von dir genannten Bands haben ja diesbezüglich kein Alleinstellungsmerkmal.
Jein. Es halt eher diese typische Gegenüberstellung von Hochkultur und Popkultur (die Begriffe schätze ich übrigens nicht, da sie eine qualitative Hierachie beschwören, die es so nicht gibt). Popkultur ist meines Erachtens im Gegensatz zur Hochkultur von kommerzielleren, zeitgeistigeren und auch gesellschaftlichen Einflüssen und Debatten durchzogen und taugt daher eher zur Analyse von Kultur und Gesellschaft. Letzere findet eher abgekapselt davon statt. Die Grenze ist dabei natürlich nicht klar gesteckt und muss immer wieder neu abgetastet werden. Im Film ist das Ganze noch etwas einfacher (wenngleich natürlich auch nicht trennscharf), da man zwischen großen Hollywood-Studio-Produktionen, die von etlichen (finanziellen) Interessen von Studios, Produzenten, etc. durchzogen sind und zielgruppenbasiert kreiiert werden (und somit auch immer eine bestimmte gesellschaftliche Stimmung/Ideologie abbilden) und eigenbrötlerischen Autorenfilmen, die diesen Einflüssen weniger ausgesetzt sind, unterscheiden kann (natürlich gibt es auch Grenzgänger; Villeneuve, Tarantino, Scorsese, etc.). Nach innen gerichte Alben, wie die genannten, sind für mich eher musikalische Pendants zu Zweiteren.

Wie gesagt, kein Qualitätsmerkmal. Janelle Monae oder Solange machen bessere Musik als die DIY-Band um die Ecke und Mission Impossible: Fallout ist sicher besser, als die meisten Indieproduktionen der letzten Jahre.
Klingt klug, verstehe ich aber nicht. In Filmen gesprochen sind die Avengers Popkultur und Wes Anderson Hochkultur? Dann würde mich interessieren, warum letztere weniger zur Analyse von Kultur und Gesellschaft taugen. Rein quantitativ gesprochen, weil sie nur für eine Nische sprechen und nicht für den zahlenmäßig weit größeren Mainstream? Wenn man einen Mainstream allerdings für alle Zeiten als gegeben ansieht, könnte es für ein Bild der zeitgenössischen Gesellschaft sogar interessanter sein, sich die Nischenprodukte anzusehen. (These wäre dann, dass die Ausgestaltung des jeweiligen Mainstreams austauschbar ist und daher keiner so tiefgehenden Untersuchung bedarf wie die Ausfransungen an den Rändern.)

Benutzeravatar
Monkeyson
Beiträge: 2449
Registriert: Do 17. Sep 2015, 10:29

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von Monkeyson » Di 12. Nov 2019, 12:56

fipsi hat geschrieben:
Do 7. Nov 2019, 17:21
Why Was Pop Music So Mild And Inoffensive In The 2010s?

Was mir im Bezug dazu auffällt, dass die Figuren im aktuellen Pop mit einem doch stärkeren Profil nahezu alle weiblich sind.

Passend dazu sind bei den diesjährigen AMA's alle bisher angekündigten Liveacts Frauen: Camilla Cabello, Billie Eilish, Dua Lipa, Lizzo und Taylor Swift. Diese Künstlerinnen stehen meiner Meinung nach inhaltlich für irgendetwas. Vielleicht haben sie deshalb so einen Erfolg und ihre männlichen Kollegen werden zu Randgestalten?
Ich würde aktuellen Erfolg nicht allzu sehr hervorheben, wenn die Gründe dafür, wie im Artikel genannt, dergestalt sind:
A lot has been written about how streaming platforms have transformed pop songwriting in the last several years. The phenomenon known as “lean back listening,” in which listeners allow themselves to be guided to the next song — either via a playlist or an algorithm — rather than choosing it themselves, has fundamentally changed the pop audience. Many people no longer listen to specific artists, they listen to Spotify, just as they tune into Netflix first, and then allow Netflix to show them their options for tonight’s entertainment.

Song lengths have shrunk along with attention spans, and the golden rule of “don’t bore us, get to the chorus” has taken on the stature of scripture. These platforms have also disincentivized provocation, whether it’s lyrical or musical. Now more than ever, we listen to music either via laptop speakers or headphones, which enhances intimate or quiet music and makes it harder to appreciate screaming, power chords, or any other musical gesture intended to be felt as much as heard. And this, in turn, has influenced what people value most from music.

In a 2019 column about the popularity of the Youtube channel for Chillhop Music, basically an extremely relaxed form of rap, the critic Amanda Petrusich mused that “the music wasn’t really for liking, in the traditional sense. The music wasn’t for anything. It merely existed to facilitate and sustain a mood, which in turn might enable a task: studying, folding laundry, making spreadsheets, idly browsing the Internet.”
Interessanter Aspekt, der in der hier geführten Debatte nicht fehlen darf! Bislang verlief die eher deskriptiv.

Benutzeravatar
slowdive
Beiträge: 3801
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:17
Wohnort: Hannover

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von slowdive » Di 12. Nov 2019, 13:18

Monkeyson hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 12:30
slowdive hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 12:08
Monkeyson hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 11:24


Wenn du solche Alben nennst, dann untergräbst du aber deinen eigenen Anspruch nach Neuartigkeit, oder was verstehe ich falsch? Hat ein Grundsockel "zeitloser" Alben seine Daseinsberechtigung, so lange es nur ausreichend Neues drumherum gibt?

Dann würden andere Hörer aber andere Beispiele für zeitlose menschliche Emotionen nennen, die von dir genannten Bands haben ja diesbezüglich kein Alleinstellungsmerkmal.
Jein. Es halt eher diese typische Gegenüberstellung von Hochkultur und Popkultur (die Begriffe schätze ich übrigens nicht, da sie eine qualitative Hierachie beschwören, die es so nicht gibt). Popkultur ist meines Erachtens im Gegensatz zur Hochkultur von kommerzielleren, zeitgeistigeren und auch gesellschaftlichen Einflüssen und Debatten durchzogen und taugt daher eher zur Analyse von Kultur und Gesellschaft. Letzere findet eher abgekapselt davon statt. Die Grenze ist dabei natürlich nicht klar gesteckt und muss immer wieder neu abgetastet werden. Im Film ist das Ganze noch etwas einfacher (wenngleich natürlich auch nicht trennscharf), da man zwischen großen Hollywood-Studio-Produktionen, die von etlichen (finanziellen) Interessen von Studios, Produzenten, etc. durchzogen sind und zielgruppenbasiert kreiiert werden (und somit auch immer eine bestimmte gesellschaftliche Stimmung/Ideologie abbilden) und eigenbrötlerischen Autorenfilmen, die diesen Einflüssen weniger ausgesetzt sind, unterscheiden kann (natürlich gibt es auch Grenzgänger; Villeneuve, Tarantino, Scorsese, etc.). Nach innen gerichte Alben, wie die genannten, sind für mich eher musikalische Pendants zu Zweiteren.

Wie gesagt, kein Qualitätsmerkmal. Janelle Monae oder Solange machen bessere Musik als die DIY-Band um die Ecke und Mission Impossible: Fallout ist sicher besser, als die meisten Indieproduktionen der letzten Jahre.
Klingt klug, verstehe ich aber nicht. In Filmen gesprochen sind die Avengers Popkultur und Wes Anderson Hochkultur? Dann würde mich interessieren, warum letztere weniger zur Analyse von Kultur und Gesellschaft taugen. Rein quantitativ gesprochen, weil sie nur für eine Nische sprechen und nicht für den zahlenmäßig weit größeren Mainstream? Wenn man einen Mainstream allerdings für alle Zeiten als gegeben ansieht, könnte es für ein Bild der zeitgenössischen Gesellschaft sogar interessanter sein, sich die Nischenprodukte anzusehen. (These wäre dann, dass die Ausgestaltung des jeweiligen Mainstreams austauschbar ist und daher keiner so tiefgehenden Untersuchung bedarf wie die Ausfransungen an den Rändern.)
Beides ist interessant. Nur, um es mal etwas anders auszurücken: Um zu sehen, was die Masse (= Gesellschaft) bewegt/beschäftigt, muss man schauen was sie konsumiert bzw. welche Werke explizit so konzipiert werden, dass sie Massen erreichen. Deswegen meine ich, kann man aus einem Marvel-Film mehr über den Zeitgeist lernen, als aus einem Wes Anderson-Film (ein guter Vergleich). Der popkulturelle Mainstream ändert sich aber natürlich auch, weswegen eine Analyse immer für eine bestimmte Zeit interessant ist.

Gibt auch ein paar ganz gute Videos zum Phänomen, das auch mich umtreibt (zumindest so ungefähr).


Blackstar
Beiträge: 4721
Registriert: Mo 25. Jan 2016, 16:48

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von Blackstar » Di 12. Nov 2019, 13:23

Beides ist interessant. Nur, um es mal etwas anders auszurücken: Um zu sehen, was die Masse (= Gesellschaft) bewegt/beschäftigt, muss man schauen was sie konsumiert bzw. welche Werke explizit so konzipiert werden, dass sie Massen erreichen. Deswegen meine ich, kann man aus einem Marvel-Film mehr über den Zeitgeist lernen, als aus einem Wes Anderson-Film (ein guter Vergleich). Der popkulturelle Mainstream ändert sich aber natürlich auch, weswegen eine Analyse immer für eine bestimmte Zeit interessant ist.
Ganz ehrlich: Was popkulturell (insbesondere in Schland) derzeit so angesagt ist, war noch absolut kein Thema und das ist auch gut so. Oder erinnert sich noch jemand an die geforderte Deutsch-Quote fürs Radio? :lolol:

Benutzeravatar
fipsi
Beiträge: 10788
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:54

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von fipsi » Di 12. Nov 2019, 13:26

Ich habe mal für das Thema Popkultur (besonders auch Film und Fernsehen) einen eigenen Thread gestartet.
chek like caroline pola

mattkru
Beiträge: 4512
Registriert: So 31. Jan 2016, 18:34

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von mattkru » Di 12. Nov 2019, 13:28

Vielleicht sind die Marvel-Filme einfach deswegen erfolgreich, weil man mit mehr 20 Filmen ein Universum erschaffen hat, deren Figuren man mit der Zeit ‚lieb‘ gewonnen hat.

Das Comic-Filme nicht generell immer gut laufen, sieht man ja an diversen Vollkatastrophen aus dem DCEU oder dem letzten X-Men.

Bei Blockbustern muss auch gesagt werden: die machen haufenweise Geld in China und die Menschen dort ticken bzgl. eines ‚reflektierten Konsumverhaltens’ ungefähr so wie ‚Der Deutsche‘ in den 50er Jahren.

Benutzeravatar
Monkeyson
Beiträge: 2449
Registriert: Do 17. Sep 2015, 10:29

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von Monkeyson » Di 12. Nov 2019, 14:07

mattkru hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 13:28
Bei Blockbustern muss auch gesagt werden: die machen haufenweise Geld in China und die Menschen dort ticken bzgl. eines ‚reflektierten Konsumverhaltens’ ungefähr so wie ‚Der Deutsche‘ in den 50er Jahren.
Hierzu auch interessant: 6 Bizarre Ways Chinese Audiences Alter Movies You Watch, speziell #1 zu Chinas Liebe für u.a. Terminator Genisys.

Back to topic: Ich weiß jetzt nicht, was Chinesen aktuell für Musik hören oder ab wann das Poptrends hierzulande beeinflusst.

Blackstar
Beiträge: 4721
Registriert: Mo 25. Jan 2016, 16:48

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von Blackstar » Di 12. Nov 2019, 14:08

Monkeyson hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 14:07
mattkru hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 13:28
Bei Blockbustern muss auch gesagt werden: die machen haufenweise Geld in China und die Menschen dort ticken bzgl. eines ‚reflektierten Konsumverhaltens’ ungefähr so wie ‚Der Deutsche‘ in den 50er Jahren.
Hierzu auch interessant: 6 Bizarre Ways Chinese Audiences Alter Movies You Watch, speziell #1 zu Chinas Liebe für u.a. Terminator Genisys.

Back to topic: Ich weiß jetzt nicht, was Chinesen aktuell für Musik hören oder ab wann das Poptrends hierzulande beeinflusst.
Im besten Fall hören sie Wang Wen.

mattkru
Beiträge: 4512
Registriert: So 31. Jan 2016, 18:34

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von mattkru » Di 12. Nov 2019, 14:17

Ist zwar nicht China, aber manche K-Pop und J-Pop ‚Bands‘ (von denen ich teilweise vorher nie gehört habe) füllen hier ja auch immer größere Hallen. Das hätte es im Prä-Internet-Zeitalter auch nicht gegeben.

Benutzeravatar
Flecha
Beiträge: 4109
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:45
Wohnort: Hamburch
Kontaktdaten:

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von Flecha » Di 12. Nov 2019, 16:00

Quadrophobia hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 11:21
Heavy Metal ist übrigens das aktuell am schnellsten wachsende Genre. Mit Glück kann die Innovationsdynamik der von euch genannten Bands ( ich hab in dem Genre einfach keine Ahnung) ja etwas in die Popkultur einschreiben. Wenns schlecht läuft, lösen Five Finger Death Punch halt Taylor Swift ab.
Gojira werden ja z.B. auch immer größer und sind mit ihrem "Environmetal" recht nah am Zeitgeist. Und musikalisch ziemlich einzigartig.
Last.fm!
______________________________________________
Mantar, Mantar

Benutzeravatar
fipsi
Beiträge: 10788
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:54

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von fipsi » Di 12. Nov 2019, 17:10

Flecha hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 16:00
Quadrophobia hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 11:21
Heavy Metal ist übrigens das aktuell am schnellsten wachsende Genre. Mit Glück kann die Innovationsdynamik der von euch genannten Bands ( ich hab in dem Genre einfach keine Ahnung) ja etwas in die Popkultur einschreiben. Wenns schlecht läuft, lösen Five Finger Death Punch halt Taylor Swift ab.
Gojira werden ja z.B. auch immer größer und sind mit ihrem "Environmetal" recht nah am Zeitgeist. Und musikalisch ziemlich einzigartig.
Passend dazu gab es letztens von CoS ihre Liste mit den besten Metal-Alben des Jahrzehnts. Die hinteren Plätze kann ich nicht ganz nachvollziehen, aber die Top5 ist schon ziemlich stark und abwechslungsreich besetzt mit Ghost, Power Trip, Deafheaven, Gojira und Behemoth. Die Bands schaffen es auch alle ziemlich gut alte Einflüsse in die aktuelle Zeit zu bringen und somit sich abzusetzen von anderen Metalprojekten. Ich bin dann gespannt auf Listen der genrenahen Magazine und Blogs.
chek like caroline pola

Benutzeravatar
slowdive
Beiträge: 3801
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:17
Wohnort: Hannover

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von slowdive » Di 12. Nov 2019, 17:27

Flecha hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 16:00
Quadrophobia hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 11:21
Heavy Metal ist übrigens das aktuell am schnellsten wachsende Genre. Mit Glück kann die Innovationsdynamik der von euch genannten Bands ( ich hab in dem Genre einfach keine Ahnung) ja etwas in die Popkultur einschreiben. Wenns schlecht läuft, lösen Five Finger Death Punch halt Taylor Swift ab.
"Environmetal"
Was genau ist das bzw. wie zeigt es sich? Klingt interessant. Ohnehin finde ich Gojira durchaus cool. Ist ja auch eine der "aktuellen" Genre-Bands, die man auch außerhalb der Bubble immer wieder mal hört (ich muss es wissen :grin: ).

Benutzeravatar
Flecha
Beiträge: 4109
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:45
Wohnort: Hamburch
Kontaktdaten:

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von Flecha » Di 12. Nov 2019, 17:39

slowdive hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 17:27
Was genau ist das bzw. wie zeigt es sich? Klingt interessant. Ohnehin finde ich Gojira durchaus cool. Ist ja auch eine der "aktuellen" Genre-Bands, die man auch außerhalb der Bubble immer wieder mal hört (ich muss es wissen :grin: ).
Das ist natürlich kein Genre für sich, das man musikalisch irgendwo dran festmachen könnte. :mrgreen:
Und ja, dass sie 2018 beim Glastonbury gespielt haben, spricht ja z.B. auch für sich.

Aber Gojira haben von Anfang textlich sehr starke Umweltaspekte in ihren Songs, insbesondere zum Thema Ozeane - und arbeiten etwa mit Sea Shepherd recht eng zusammen. Beim letzten Hamburg-Gig hatten die z.B. einen Spendenstand dabei.

Etwas detaillierter hier: https://www.loudersound.com/features/we ... rtant-band
Though their roots lay in death metal, one internet commentator neatly encapsulated the band’s ethics and integrity when he christened Gojira ‘Life Metal’, a tag which speaks to both the quartet’s optimistic, humanistic outlook and their tireless, fearless and very vocal championing of environmental causes. Though Magma is less explicitly politicised in this respect, its key lyric, closing the pulverising Silvera, reads: ‘When you change yourself, you change the world’, an ethos Joe and Mario identify as their band’s key message.

“We’re no eco warriors,” insists Mario, “but we’re conscious human beings, and of course we think about life, and how we’d like to live. And those thoughts have resonance. It’s not only about the ecology of nature, it’s also the ecology of human beings. We all have a responsibility to think, and do, things that enrich our word. It’s a chaotic world, with an economy based on fraud, and politics based on corruption, but as ugly as the world is, we can change it.”
Anspieltipps von politischen Gojira-Songs alt nach jung:

Flying Whales
Global Warming
Toxic Garbage Island
Planned Obsolescence
Silvera
Last.fm!
______________________________________________
Mantar, Mantar

mattkru
Beiträge: 4512
Registriert: So 31. Jan 2016, 18:34

Re: Musikalische Rückblicke auf das Jahrzehnt

Beitrag von mattkru » Di 12. Nov 2019, 18:29

fipsi hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 12:12
mattkru hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 11:55
fipsi hat geschrieben:
Di 12. Nov 2019, 11:18


Habe ich da 100 gecs gehört? :doof:
Gibt es das wirklich???

Ich hatte das einfach nur als völlig absurde Kombination in den Raum geworfen.
Also 100 gecs werfen zu ihrem Bubblegum Bass/Trap Pop so viele Genres hinzu (there is even a ska song!), dass da bestimmt auch Spuren von Free Jazz zu finden sind. Auf Struktur wird da nämlich nahezu komplett verzichtet. Daher geht es in diese absurde Richtung.

100 gecs - stupid horse
100 gecs - money machine
Offtopic:

Klingt weniger radikal als erhofft. Aber ich leide wohl unter der gleichen Autotune-Allergie wie Blackstar.


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 9 Gäste