21.06.2026 Kettcar, Motorfähre Vitte, Stralsund
Wir waren gestern bei Kettcar auf der Motorfähre Vitte in Stralsund.
Eigentlich habe ich zu Kettcar keinen großen Bezug. Als Hamburger kenne ich die Band und ihr Label Grand Hotel van Cleef natürlich, aber musikalisch war das immer eher eine Randerscheinung für mich. Generell hat deutschsprachige Musik auch einen schweren Stand bei mir. Nun lebe ich aber schon seit ein paar Jahren in Stralsund und habe mich damit abgefunden, dass der Nordosten Deutschlands eine kulturelle Einöde im Bereich der Konzertszene ist. Nach Rostock verirren sich ganz selten mal für mich relevante Acts. In Stralsund war ich hingegen noch nie auf einem Konzert. Normalerweise fahre ich dafür mindestens drei Stunden lang durch die Gegend.
Umso erstaunter war ich, dass Kettcar vor einigen Wochen eine handvoll Konzerte für den Juni veröffentlichten und doch tatsächlich Stralsund in dieser Ankündigung zu lesen war. Eine namhafte Band! Hier! Gut zehn Minuten Fußweg von meiner Haustür entfernt! Mit dem Ticketkauf habe ich nicht lange gewartet. Gut so, das Konzert war nämlich schnell ausverkauft.
So standen wir gestern dann kurz vor 19 Uhr bei strahlendem Sonnenschein im Stralsunder Hafen. Die Veranstaltung sollte nämlich auf einem Schiff stattfinden und das Konzert während der Fahrt auf See laufen. Ein besonderer Rahmen für diese Heimpremiere. Der Einlass auf die Motorfähre Vitte lief problemlos. Das Deck war für den Abend mit einer provisorischen Bar und mehreren Dixi-Toiletten ausgestattet. Die Bühne war am hinteren Ende aufgebaut. Zu Beginn wirkte es ziemlich voll, was aber auch an der langen Barschlange lag, die über das halbe Deck ging. Als die Leute mit Getränken versorgt waren und sich zum Teil auch auf dem Oberdeck verteilt hatten, wurde es platztechnisch viel angenehmer. Wir sind unten geblieben und haben uns etwas weiter hinten an das Mischpult gestellt. Von dort hatte man einen guten Blick auf die Bühne und stand nicht so im Gedränge.
Gegen 19:30 Uhr legte die Fähre ab und verließ planmäßig den Stralsunder Hafen. Die Route führte das Schiff durch den Strelasund in Richtung Parow. Mit bestem Wetter, frischem Fahrtwind und einem kühlen Getränk in der Hand war das doch eine sehr schöne Ausgangslage. Fehlte nur noch die Musik – die sollte aber auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Um 20 Uhr kam ein Mitarbeiter der Reederei auf die Bühne, erzählte noch ein paar einleitende Worte über die Veranstaltung und die gemeinsame Vergangenheit mit der Band, die bis in die 2000er-Jahre zurückreichte. Und dann war es endlich soweit: Kettcar kamen auf die Bühne und legten los.
Ich bin zugegebenermaßen mit dem Werk der Band nicht so wahnsinnig vertraut. Generell ist dieser deutschsprachige Indierock auch nicht unbedingt die Musik, die ich dauerhaft hören muss. Aber live war das doch wirklich eine schöne Angelegenheit. Songs wie "Sommer '89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)" und "Balu" sorgten für gute Stimmung. Das etwas ältere Publikum war überraschend textsicher und euphorisch. Vor der Bühne gab es auch reichlich Bewegung. Offensichtlich hatten sich unter den etwa 400 Anwesenden keine Leute an Bord verirrt, um einfach mal eine entspannte Hafenrundfahrt mit etwas musikalischer Hintergrundbespaßung mitzunehmen. Ich hatte in den letzten Wochen aber auch keinerlei Werbung in Stralsund für die Veranstaltung gesehen. Da musste man schon Fan der Band sein, um etwas davon mitzubekommen.
Der Sound war für ein Open-Air-Konzert auf See sehr solide. Der Gesang ist manchmal etwas untergegangen, aber ansonsten waren alle Instrumente klar zu hören. Die Beleuchtung war angemessen. Die Band war gut drauf. Frontmann Marcus Wiebusch und seine Kollegen sorgten zwischendurch für sympathische Ansagen. Für dessen Bruder und Keyboarder Lars Wiebusch ist dieser Tourabschnitt gerade die Abschiedsrunde. Nach 25 Jahren mit Kettcar wird er die Band nach den Konzerten im Juni verlassen. Die Fans in den vorderen Reihen haben sich mit einem "Danke, Lars!"-Schriftzug von ihm verabschiedet. Das war schon emotional.
Das reguläre Set wurde mit "Landungsbrücken raus" beendet. Das war für mich als Exil-Hamburger tatsächlich auch ein bisschen emotional. Auf die Frage an das Publikum, wie viele Leute aus Stralsund, dem benachbarten Greifswald oder eben aus Hamburg da waren, zeigten die Reaktionen, dass ich nicht der einzige war. Im Anschluss gab es noch einen angekündigten Zugabeblock, der wiederum mit "Deiche" beendet wurde. Marcus Wiebusch kam danach aber noch einmal auf die Bühne, um erst alleine und dann nach und nach mit den restlichen Bandkollegen zum Abschied "Mein Skateboard kriegt mein Zahnarzt" zu spielen. Schönes Finale!
Nach gut 90 Minuten Spielzeit war das Konzert dann gegen 21:40 Uhr vorbei. Währenddessen drehte sich die Fähre noch einige Male um sich selbst im Strelasund, um dann langsam wieder in den Stralsunder Hafen einzufahren. Die Stralsunder Hafenkulisse durfte sich dabei im orange-rötlichen Abendlicht von ihrer schönsten Seite zeigen. Bevor es von Bord ging, wurden noch kostenlose Konzertplakate verteilt. Ein nettes Erinnerungsstück für dieses erste Konzert in Stralsund. Das darf es gerne öfter mal geben. Tatsächlich war diese "Music-Cruise" auch schon die zweite Ausgabe. Im vergangenen Jahr wurde die Premiere mit Feine Sahne Fischfilet an Bord der Motorfähre Vitte gefeiert. Davon hatte ich aber gar nichts mitbekommen.
Für eine möglicherweise nächste Ausgabe im kommenden Jahr werde ich definitiv die Augen offen halten. Denn insgesamt war das doch wirklich ein schöner Abend in einem speziellen Rahmen!
Der Konzertbesuchsthread
Re: Der Konzertbesuchsthread
Wie großartig IDLES gestern waren.
Es war so gut, ich habe meinen Aggregatzustand geändert und mich verflüssigt. Habe die jetzt viermal gesehen und das, sowie das erste Konzert in 2018 waren für mich die besten. Beide bei tropischen Temperaturen, nur spielten damals Teile der Band noch halbnackt.
Es gibt auch einen neuen Song den sie direkt am Anfang gespielt haben. Geht wieder eher in Richtung Brutalism.
Ach war das schön.
ich glaube es gibt nichts besseres als Songs wie Mother oder Gotho 1049 im Kollektiv zu brüllen.

Es gibt auch einen neuen Song den sie direkt am Anfang gespielt haben. Geht wieder eher in Richtung Brutalism.
Ach war das schön.
"You can buy a bar/restaurant on an exotic island and I'll come and work for you." 
"But more than most we have some truly mad memories."
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- SammyJankis
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- Registriert: So 13. Sep 2015, 14:46
Re: Der Konzertbesuchsthread
Ich war gestern in Köln bei Sunn O))) in der Essigfabrik. Natürlich war abseits des Konzerts alles schlimm. Das ist kein Wetter zum Hausverlassen, aber die Karte war halt schon gekauft. Ich glaube ohne wäre ich auch Zuhause geblieben. Vor Ort wurden dann von den Securities Leuten beim Einlass Wasserzerstäuber abgenommen. Was soll so eine Scheiße? Essigfabrik immer ne schlimme Location, viel zu wenig Platz. Natürlich müssen dann auch noch diverse Leute kiffen, damit es noch unangenehmer wird. Luft in der Halle war nicht existent. Gab auch 2-3 Sanieinsätze, hätte tbh mit mehr gerechnet. Show war trotzdem sehr gut besucht.
Nataša Grujović & Steve Moore - Sunn O))) sind ähnlich wie Swans oder Godspeed You! Black Emperor eine der Bands, bei denen ich einen Support unnötig finde. Es gab doch einen und es war das, was man erwarten konnte. Zwei Leute machen experimentelle Musik, viele verschiedene Instrumente im Einsatz, am Rande von Drone. War interessant, aber mir hat hier bereits die Wärme zu schaffen gemacht. An sich für das, was es war, vollkommen in Ordnung.
Sunn O))) - Haben eine Stunde angefangen als angekündigt, weil wohl ein Mitglied noch in Köln unterwegs war. Ganz normal. Nach einem langen Intro gab es dann 80-90 Minuten Drone Gewitter in einer Lautstärke, die nah an der Grenze des Vertretbaren war. Die Band steht bekanntermaßen auf Nebel, was die Luftqualität in der Halle zusätzlich runtergezogen hat. Am Ende des Sets standen bestimmt 200 Leute draußen, weil es kaum auszuhalten war. Draußen war es immer noch laut genug und auf der Bühne verändert sich bis auf vereinzelte Wechsel der Lichtfarben auch nix. Es ist schon anstrengende Musik und das war gestern einfach der schlimmstmögliche Sound, den ich mir hätte geben können. War natürlich trotzdem cool, die Band endlich mal live zu gucken, aber ich hatte einige Durchhänger. Würde dem Ganzen nochmal ne Chance geben, am besten in einer bestuhlten und klimatisierten Location.
Nataša Grujović & Steve Moore - Sunn O))) sind ähnlich wie Swans oder Godspeed You! Black Emperor eine der Bands, bei denen ich einen Support unnötig finde. Es gab doch einen und es war das, was man erwarten konnte. Zwei Leute machen experimentelle Musik, viele verschiedene Instrumente im Einsatz, am Rande von Drone. War interessant, aber mir hat hier bereits die Wärme zu schaffen gemacht. An sich für das, was es war, vollkommen in Ordnung.
Sunn O))) - Haben eine Stunde angefangen als angekündigt, weil wohl ein Mitglied noch in Köln unterwegs war. Ganz normal. Nach einem langen Intro gab es dann 80-90 Minuten Drone Gewitter in einer Lautstärke, die nah an der Grenze des Vertretbaren war. Die Band steht bekanntermaßen auf Nebel, was die Luftqualität in der Halle zusätzlich runtergezogen hat. Am Ende des Sets standen bestimmt 200 Leute draußen, weil es kaum auszuhalten war. Draußen war es immer noch laut genug und auf der Bühne verändert sich bis auf vereinzelte Wechsel der Lichtfarben auch nix. Es ist schon anstrengende Musik und das war gestern einfach der schlimmstmögliche Sound, den ich mir hätte geben können. War natürlich trotzdem cool, die Band endlich mal live zu gucken, aber ich hatte einige Durchhänger. Würde dem Ganzen nochmal ne Chance geben, am besten in einer bestuhlten und klimatisierten Location.
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