01.06.2026
Ben Howard (+ Clara Mann), Docks, Hamburg
Wir waren am Montag bei
Ben Howard im Docks in Hamburg.
Da hatte ich gerade noch ein verhältnismäßig teures Ticket für den mir bis dahin unbekannten Country-Musiker
Zach Bryan gekauft, weil Ben Howard als Support-Act dabei sein sollte und ich die vermeintlich einzige Gelegenheit, ihn in diesem Sommer (oder vielleicht sogar in diesem Jahr) live zu sehen, nicht verpassen wollte... Und dann kommt ein paar Wochen später doch tatsächlich noch die Ankündigung für einzelne Solo-Clubkonzerte im selben Zeitraum. Darunter mit dieser Show in Hamburg auch das einzige Deutschlandkonzert. Zeitlich und vor allem logistisch für mich eigentlich nicht wirklich machbar. Ich habe aber trotzdem einfach mal im Artist-Presale zugeschlagen. Und alles andere ließ sich dann doch irgendwie organisieren.
Wir sind gegen 19 Uhr an der Reeperbahn in Hamburg angekommen und direkt zum Docks gegangen. Ich bin ewig nicht mehr dort gewesen. Zuletzt vermutlich lange vor der Corona-Pandemie. Der Einlass lief schon. Das Konzert war ausverkauft und es war auch schon einiges los. Trotzdem haben wir noch einen sehr guten Platz ganz vorne auf der rechten Bühnenseite an der Absperrung ergattert. Glück gehabt! Bei der drückenden Hitze im Club hätte ich auch nur ungerne in der Menschenmenge gestanden. Da war es vorne platzmäßig etwas luftiger. Und die Sicht auf die Bühne war natürlich perfekt. Beste Voraussetzungen für ein gutes Konzert also.
Der Club füllte sich dann auch schnell. Pünktlich um 20 Uhr wurde es dunkel. Den Abend eröffnete die britische Singer-Songwriterin
Clara Mann. Eine halbe Stunde lang präsentierte sie ihre sehr ruhigen und atmosphärischen Songs. Mehr als ihren Gesang und eine Gitarre brauchte sie dafür nicht. Ich habe Ben Howard in den letzten Jahren häufiger live gesehen und er hatte jedes Mal eine begabte Musikerin als Support dabei. So auch diesmal. Auf Dauer hat mir etwas der Spannungsbogen in den Songs gefehlt, aber vor allem gesanglich war das doch ganz schön. Und ich muss das Publikum wirklich lobend erwähnen. Um uns herum haben alle Anwesenden sehr aufmerksam zugehört und es gab eigentlich die ganze Zeit über kein nerviges Gequatsche. Das hat man nicht immer, schon gar nicht bei einem Support-Act mit so ruhiger Musik.
Es folgte die obligatorische Umbaupause. Wir haben uns derweil über die eine oder andere leichte Brise gefreut, die in unregelmäßigen Abständen von der Klimaanlage bei uns ankamen.
Kurz nach 21 Uhr ging es dann weiter.
Ben Howard und seine Band betraten die Bühne. Wie schon am Abend zuvor beim Support-Auftritt für Zach Bryan in Berlin wurde das Konzert mit "Sister" und dem neuen Song "Cadence" eingeleitet. Die Band war wieder in voller Besetzung dabei. Neben den Kernmitgliedern gab es auch einen Violinisten und eine Cellistin – leider nicht
India Bourne, die sonst in der Regel dabei ist, aber bei dieser Tour anscheinend aussetzt. Außerdem sorgte Clara Mann für begleitenden Gesang. Trotz der zahlreichen Instrumente und elektronischen Effekte war der Sound vorne kristallklar. Jeder Ton kam an. Das war wirklich stark.
Die Setlist setzte sich aus Songs der kompletten Diskographie zusammen. Während Ben Howard bei seinen Konzerten jahrelang zumeist nur sein aktuelles Album mit zwei bis drei Ergänzungen spielte und vor allem die Songs seiner Anfangszeit gänzlich ignorierte (was regelmäßig für Frustration bei den Fans sorgte), zeigt er sich in den letzten Jahren diesbezüglich sehr viel abwechslungsreicher und offener. So gab es neben aktuelleren Songs wie "Days of Lantana" und "Spirit" auch einige Hits seines Debütalbums "Every Kingdom", dessen melodischer Indiefolk damals für den großen Durchbruch sorgte. Neben "Only Love" durften wir und das restliche Publikum uns dabei vor allem über "Keep Your Head Up" freuen, der in den letzten zehn Jahren nur bei einer handvoll Konzerte gespielt wurde. Das war wirklich wunderschön. Weitere Highlights waren für mich unter anderem noch "Far Out", "Oats in the Water" und das bereits erwähnte "Days of Lantana". Aber auch die neuen und mir bis dahin gänzlich unbekannten Songs, von denen noch einige folgten, wussten sehr zu überzeugen. Da freue ich mich schon auf das nächste Album, das hoffentlich zeitnah angekündigt wird.
Ben Howard wird ja häufiger nachgesagt, sich bei Konzerten gerne mal etwas launischer zu zeigen. Für mich war es nun das neunte Konzert von ihm und ich habe ihn eigentlich noch nie so erlebt. Ganz im Gegenteil, auch diesmal gab es wieder ein paar fast schon unbeholfen-sympathische Ansagen und Anekdoten zu den Songs. Das Publikum um uns herum zeigte sich weiterhin sehr aufmerksam, dankbar und textsicher. Die Stimmung war durchweg sehr angenehm.
Im Vergleich zum Vortag in der großen Waldbühne war die Bühnengestaltung etwas reduzierter. Eine Videoleinwand gab es nicht. Dafür aber eine größere Kugel, die in der Bühnenmitte von der Decke hing und mit Videoprojektionen bestrahlt wurde. Gemeinsam mit der schönen Lichtshow sorgte das für die passende visuelle Untermalung.
Das reguläre Set wurde mit "I Forget Where We Were" abgeschlossen, einem meiner Lieblingssongs. Nach einigen Minuten voller lautstarker "Zugabe"-Rufe gab es dann noch einen Nachschlag. Erst mit "Promise" einen weiteren sehr schönen Song des Debütalbums. Und zum Abschluss mit "I Want to Be the Sun" einen neuen Song, der einen sehr starken ersten Eindruck machte. Dann war das Konzert nach knapp zwei Stunden Spielzeit um kurz vor 23 Uhr vorbei.
Ich war mir lange unsicher, ob wir es überhaupt nach Hamburg schaffen würden. Am Ende hat zum Glück alles reibungslos geklappt. Und belohnt wurden wir mit einem absolut großartigen Konzert in einem fast schon intimen Rahmen. Das dürfte in meiner Liste definitiv eins der besten Konzerte von Ben Howard gewesen sein. Wahnsinn, wie er sich über die Jahre musikalisch weiterentwickelt hat und das live mit seiner Band umsetzt. Ganz viel Liebe.
