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Festivalberichte

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smi
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Re: Festivalberichte

Beitrag von smi » Di 11. Aug 2026, 20:52

Engholm hat geschrieben:
Di 11. Aug 2026, 12:42
Ich weiß nicht, inwieweit die an dem WE parallelen HH-Verstanstaltungen wie Elbriot und Wutzrock noch das Publikum aufgeteilt haben.
Wutzrock vielleicht schon etwas, wobei da wird in HH auch viel Stammpublikum. Elbriot vermutlich eher weniger und wenn man der GK glauben darf, könnte 2026 das erstmal letzte mal gewesen sein.

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smi
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Re: Festivalberichte

Beitrag von smi » Di 11. Aug 2026, 20:59

Ich war auch beide Tage beim Amplifire. Schönes Festivalgelände, gute Orga (von der einen Graben Secu bei fjört mal abgesehen), freundliches Personal. Hast unserer Gruppe auch rundum gefallen und einige haben sich gleich ein 27 Ticket geholt. Ich würde auch wieder fahren, aber nicht blind.

Bands waren hier schon einige Highlight genannt mit high vis, fjört, Turbostaat. Arson fande ich auch ganz amüsand. The Hebridean Sheep, kleine Hamburg two pieces Band, fande ich total super und habe mit sogar Merch gegönnt. Sehr satter und Abwechslungsreicher Sound.

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Quadrophobia
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Re: Festivalberichte

Beitrag von Quadrophobia » So 16. Aug 2026, 22:51

Ich war vergangenen Freitag beim Dockville

Tl;Dr: ich hatte einen schönen Tag, aber im Vergleich zu früher, ist wirklich vieles schlechter geworden (ein bisschen was aber auch besser)

Was das organisatorische betrifft, hat das Festival sehr starke Abstriche im Vergleich zu meinem letzten Mal - 2019 - gemacht. Es gibt den Shuttle nur noch für den Rückweg und auch erst ab 23:00 und er ist jetzt kostenpflichtig. Ausserdem muss man dafür trotzdem ca. den halben weg laufen. Der Campingplatz ist nicht mehr unmittelbar ans Gelände angeschlossen, was viele der Camper merklich blöd fanden. Und zuletzt wurde die Bühnen neu geordnet, die drittgrößte (Maschinenraum) gestrichen und ins Butterland verlegt, wo dafür die tolle Holzkonstruktionsbühne weggefallen ist (die steht nocj aber hinter der 0815 Bühne). Alles in allem merkt man auch über die Verkürzung - die mir persönlich sogar ganz gut passt - hinaus, dass erhebliche Einschnitte nötig waren. Auf der positiven Seite: Awareness ist gut umgesetzt und die Klosituatuon - früher wirklich oft angespannt ohne Ende - war sehr relaxed.

Was das Booking angeht: es wurde dann doch recht offensichtlich, dass es so einfach nicht funktioniert. Wenn es Samstag noch aus irgendeinem Grund erheblich voller war, kann da eigentlich niemand mit zufrieden sein. Es war zu keinem Zeitpunkt trotz kleinerem Gelände und trotz weniger Bühnen irgendwo voll. Selbst bei einem Act wie Blond, wo man eigentlich perfekten Fit mit der Zielgruppe erwartet, war es lediglich so voll wie früher am frühen Abend. Da muss man sich dann auch ernsthaft fragen, warum jemand 90€ für ein (Tages)ticket zahlen soll, um die zu sehen, wenn sie mit wenigen Monaten Abstand in drei Kilometern Luftlinie eine 4000er Venue spielen, was übrigens für die gesamte Spitze des Line Ups galt. Nächstes Jahr hat man immerhin nicht mehr das gleiche Datum wie die Skandi Festivals, weil man muss hier sehr offensichtlich wieder internationaler werden.


Wir waren gegen 15:30 am Gelände mit dem ersten Top: Schatten. Thermometer war bei 34 Grad und keine Wolke am Himmel. Absolut brutal. Zum Glück gab es genug Wasserstellen, wer wollte, konnte sich auch etwas beregnen lassen, dafür war ein tanktruxk aufgestellt.

Musikalisch haben wir mit Young Pepp losgelegt, eher unfreiwillig weil er nah am Schatten gespielt hat. Der ist 18 und hat mehrmals angekündigt, viele der Songs schon mit 13 geschrieben zu haben und so klangen sie halt auch. Trotzdem hab ich Respekt davor, sich in dem alter auf be Bühne zu stellen, auch wenns recht austauschbar war.

Im Anschluss gabs Schluma, deutscher Indie bei GHVC gesigned. Spaßig aber vielleicht ein bisschen zu viel Fokus auf leicht-ironische Ansagen. Nach der hälfte rüber zu

Wednesday weil wir einen guten Platz wollten. Das war die einfachste Aufgabe des Tages, vor der Bühne stand niemand dank sengender Sonne. Das änderte sich dann auch erst mit den ersten Tönen. Absolut astreines Set, auch insbesondere weil die genauso fett in der Sonne stehen mussten wie wir. Fokus gabz klar auf der neuen Platte, daraus gabs alle Hits plus bull believer. Einzig Wasp als Closer finde ich immer etwas fehl am platz aber das bleibt Randnotiz. vorne bei uns waren auch ca. 30 leute die wie wir eindeutig vor allem für diese Band da waren. Haben auch nen guten Turnout erzielt für den undankbaren Slot.

Danach musste erst mal im Wald Kraft getankt werden, man konnte von dort aber sowohl Drews Pegahorn als auch Deki Alem gut hören, beide irgendwie post punkig, erstere eher Bloc Party, letztere eher Wu-Lu. Beides cool, aber nichts nachhaltig hängen geblieben. Kann man aber sicher mehr mir vorwerfen als denen

Kurzer Abstecher zu Miami Lenz, tanzbar und der Crowd nach zu urteilen kam gut an. Wir wollten aber lieber Richtung Nest zu Afar, „Krautwave“ der hier sicher auch ein paar Fans hätte. Für meine Begriffe etwas zahm, aber sehr schön sphärisch und träumerisch mit 35 Minuten auch recht kurzweilig. Leider gabs danach ne erhebliche Lücke, weil weder Blond noch Von Wegen Lisbeth (Hate geht raus an dieser stelle) mich zu mehr bringen als Bühnenwechsel, leider gestaltete es sich so, dass sie Parallel spielten und somit kaum ein Teil des Geländes verschont blieb (kein Hate an Blond, aber musikalisch kann ich die einfach nicht).

Versöhnlicher Abschluss aber mit La securite aus Montreal, richtig nices Art Rock set, mehrstimmig, rotzig, mehrsprachig, sehr coole Leute, sehr groovige Songs, erinnerte an vieles von Arcade Fire bis L‘Impatrice. Die Gitarristin hatte Geburtstag, das wurde auch lieb gefeiert. Die waren ein Top Abschluss und bleiben auf meiner Watchlist.

Insgesamt ein guter Festival Tag, der aber vermutlich in den Jahren vorm Kind, in denen ich 3-4 Festivals pro Jahr mitnehmen konnte, nur mittelmäßig abschneiden würde. Ich habe trotzdem ein early Bird für 2027 gekauft, weil ich trotz aller Kritik möchte, dass es mit diesem Festival weitergeht

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Re: Festivalberichte

Beitrag von defpro » Mo 17. Aug 2026, 14:24

Ich war am vergangenen Wochenende auf dem Tells Bells Festival im hessischen Villmar. Früher habe ich das Festival regelmäßig besucht, weil es von meiner Heimat gut erreichbar war und das Line-Up ziemlich international aufgestellt ist, auch wenn ich mit der sehr punklastigen Ausrichtung häufig nicht ganz so viel anfangen kann. Damals hat es noch viel stärker einen Dorffest-Charakter gehabt, wo einige Leute aus dem Umkreis hinkommen, um Leute zu treffen, ohne jetzt wahnsinnig viel Interesse an der Musik zu zeigen (würde mich da bei einigen Ausgaben auch nicht von ausschließen). Mittlerweile sind die meisten dann doch schon aufgrund des Line-Ups da und reisen teilweise auch von weiter weg an. Sieht man auch daran, dass das Festival im Vorfeld wieder ausverkauft war (schon witzig, wenn ich bedenke, wie oft ich früher einfach spontan mein Ticket an der Abendkasse geholt habe). Es war mein erster Besuch seit 2018.

An der Orga gab es trotz Ausverkauf nicht viel auszusetzen. Man kam überall entspannt durch, Getränke- und Essensschlangen waren komplett im Rahmen (der vegane Burger war überragend), man konnte zu jedem Zeitpunkt so weit vor die Bühne, wie man wollte. Lediglich die Anzahl der Spülklos könnte man nochmal erhöhen. Das hat sich zu Stoßzeiten schon etwas gezogen (die Pissoirs waren dagegen schon fast überdimensioniert). Zum Glück hat man auch für ein paar Schattenplätze gesorgt, weil die Sonne freitags und am Samstag bis zum späten Nachmittag schon heftig geballert hat. Auch das Zelt mit Wassersprüher wurde von vielen Leuten genutzt. Man hat gemerkt, dass die Option auf kostenloses Trinkwasser dann doch etwas improvisiert war. Als wir freitags um kurz nach 6 auf das Gelände kamen, war schon alles leer. Samstags haben wir dann noch etwas abgreifen können, aber als dann irgendwann die Kanister leer waren und das Wasser aus den Carat-Tetra Paks in meine mitgebrachte PET-Flasche abgefüllt wurde, dann war uns der Aufwand dafür auch zu groß und wir haben uns einfach regulär was gekauft (1,50 € für 0,3l fand ich auch fair). Alle sonstigen Getränke gab's für 3 €. Man musste zwar immer nervige Bons eintauschen, aber da ist man zum Glück auch immer schnell drangekommen.

Musikalisch hat mich das Programm wie immer nur teilweise abgeholt. Als Metalhead wurden meine Präferenzen mit Stick to Your Guns, Terror und Speed zumindest in Ansätzen bedient. Dazwischen war es für meinen Geschmack dann aber doch oft eine 0815-Punk-Band zu viel, gerade wenn die besagten Herren (nicht gegendert) ihre Hochzeit in den 90ern hatten und die Shows dementsprechend auch nicht gerade ein Energie-Feuerwerk waren. Für mich hätte da ruhig noch die eine oder andere Band aus dem Post-Hardcore- oder Metalcore-Sektor ihren Platz finden dürfen. Aber das sehen bestimmt viele Leute anders, die eher aus dem Punk kommen. Positiv zu erwähnen ist, dass im Vergleich zu früher deutlich mehr Bands mit FLINTA-Mitgliedern auf der Bühne standen.

Highlight war für mich wie erhofft der Auftritt von Speed. Eine unglaubliche Energie auf und vor der Bühne und ein heftiger Abriss inkl. diesem verdammten Querflöten-Outro. Ich war zwar nach gefühlt jedem Song durch den Staub ziemlich im Eimer, aber es gab zum Glück einige Ansagen, die man zum Luft schnappen nutzen konnte. Denen hat man auch wirklich die Dankbarkeit angemerkt, es als Aussie-Band geschafft zu haben, mit ihren US-Idolen eine Bühne zu teilen. Es wurden interessanterweise auch Shoutouts an German Harcore (z. B. Echo Chamber und Spirit Crusher) verteilt, obwohl deutsche Bands im Line-Up ja stark unterrepräsentiert waren. Ich finde es eigentlich ganz cool, dass so international gebucht wird, zumal es ja auch einige Festivals gibt, die viel klassischen Deutschpunk buchen (z. B. das zwei Orte weiter stattfindende Seepogo). Zudem wüsste ich gar nicht, ob deutsche Hardcore-Bands überhaupt Bock auf solche Festivals mit Barriere haben.

Positiv überrascht war ich von The Baboon Show. Hab die vor Jahren mal als Vorband vor den Hosen gesehen. Damals klangen die Songs noch etwas punkiger, mittlerweile überwiegen Anleihen an AC/DC und Garage Punk a la The Hives. War eine willkommene musikalische Abwechslung mit einer starken Bühnenpräsenz und vielen Ohrwürmern.
Ebenfalls toll war der abschließende Auftritt von Hot Water Music. Hatte mich mit denen vorher nie so beschäftigt und es war schon insgesamt einer der gesitteteren Gigs des Festivals, aber Chuck Ragans Stimme (hab ihn ohne Bart erst gar nicht erkannt) holt aus den Songs nochmal das gewisse Extra raus.

Ansonsten noch gesehen:
Bubonix: Zu ihrer aktiven Zeit nie gesehen, obwohl die mit Abstand bekannteste Band aus der alten Heimat. Klang ganz gut, aber wir mussten erst mal ankommen.
Good Riddance: Ich mochte die kleinen pop-punkigen Einschübe, aber so ganz hat mich das nicht bekommen.
H2O: Schon mehrfach an gleicher Stelle gesehen. Sind leider zum Großteil einem Marsch zum Auto zum Opfer gefallen. Das, was ich noch mitbekommen habe, hat aber richtig Laune gemacht.
Stick to Your Guns: Ich war zu dem Zeitpunkt schon ziemlich müde und die Band hat es auch nicht geschafft, mich aus diesem Loch wieder rauszuholen. Mag die aber ganz gerne, auch die neueren Songs. Zudem war ich überrascht, dass es Pyro und Konfettikanonen gab. So viel production value gab es 2018 beim Tells Bells noch nicht.

Melonball: Skatepunk aus Nürnberg mit weiblichem Gesang. Hat mir auf Platte nicht ganz so viel gegeben, aber war live schon ziemlich spaßig. Zudem gab es ein Cover von The Outfields "Your Love", wo viel mitgesungen wurde.
The Chisel: Britischer Oi-Punk. Hier war es andersherum: Fand die auf Platte ganz ansprechend, so richtig ist live aber nicht viel davon angekommen.
All for Nothing: Spielen gefühlt alle paar Jahre auf dem Tells Bells, aber ich weiß gar nicht, ob ich sie schon mal gesehen habe. Klassischer Hardcore, aber female-fronted, was man ja nicht so regelmäßig sieht. Gewinnt keinen Innovationspreis, aber ich war einfach froh, mal wieder einen Sound zu hören, der mich mehr abholt.
Pulley: US-Skatepunk-Band, hatten ihre Hochzeit in den 90ern und das hat man leider auch gehört. Die Stimme klang wirklich nicht gut. Schade. Hatte mir nach den positiven Eindrücken beim Reinhören mehr von erhofft.
Terror: Hätte ein Highlight werden können, aber ich musste mich noch von dem Speed-Auftritt davor regenieren. Daher nur von weiter weg geschaut. Haben aber trotzdem wie immer Laune gemacht.

Insgesamt hatte ich ein tolles Wochenende. Mein Wunsch wäre für die Zukunft auf jeden Fall, stärker auf gehypete jüngere Bands zu setzen. Solche Buchungen wie Scowl, Drain oder in diesem Jahr Speed machen für mich einiges aus, gerade weil in den oberen Reihen ansonsten schon regelmäßig die gleichen Namen anzutreffen sind. Ich hoffe, dass es im nächsten Jahr mit dem Tells Bells wieder klappt und ich nicht wieder 8 Jahre Pause machen muss.

Edit: Gab übrigens im Vorfeld des Festivals eine kleine Kontroverse. Nachdem die Band Last Hounds absagen musste, hat man mit Deez Nuts einen überraschend prominenten Ersatz aus dem Hut gezaubert. Blöd nur, dass die Band am selben Tag eigentlich einen Gig in Hamburg spielen sollte, der dann abgesagt wurde, weil die Gage des Tells Bells vermutlich etwas üppiger ausfällt. Die Betreiber des Monkeys Music Club waren darüber nicht ganz so erfreut und haben ihrem Frust über die kurzfristige Absage sowie entsprechende Umsatzeinbußen in einem Social Media-Post Ausdruck verliehen, der dann doch überraschend viel Reichweite erzeugt hat. Letztendlich wurde die Absage dann doch wieder zurückgezogen, Deez Nuts haben auf dem Tells Bells einen Opening Slot um 12 Uhr bekommen (zu dem das Gelände wohl auch ziemlich voll gewesen sein muss) und sind danach weiter nach Hamburg gefahren, um dort ihre Show zu spielen. Laut dem Tell Bells war wohl ihre ursprüngliche Bookinganfrage auch für einen solchen Opening Slot gewesen und Kommunikationsprobleme mit Kingstar als Booking-Agentur haben dazu geführt, dass der Last Hounds-Slot mit Deez Nuts nachbesetzt wurde und die Absage für Hamburg kam. Nach meiner Einschätzung trifft das Tells Bells hier keine Schuld und im Endeffekt ist ja alles gut ausgegangen. Aber Deez Nuts und vor allem Kingstar haben sich hier nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

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Re: Festivalberichte

Beitrag von Stebbie » Mo 17. Aug 2026, 17:51

Noch ein paar Worte zum Haldern Pop von mir :-)

Das Festival war viele Jahre soetwas wie meine musiaklische Heimat, ein Fixpunkt meiner Jahresplanung von 2008 bis 2019. Doch es hat seither ganze sieben Jahre gedauert, bis ich mal wieder vor Ort sein konnte, was einerseits an den Umbrüchen der Coronapandemie lag, aber vor allem daran, dass ich nun zwei ganz andere Fixpiunkte bei mir im Haushalt habe, die einen früheren Besuch eher unmöglich gemacht haben.

Dieses Jahr war es aber soweit und ich konnte an den Niederrhein zurückkehren - das erste mal gemeinsam mit meiner Familie, was eine ganze Reihe von Herausforderungen, aber auch schönen Momenten mit sich brachte.

Grundsätzlich hat sich in den sieben Jahren wenig verändert, da es das offenbar Haldern Pop verstanden hat, relativ gut durch die doch nun schon ein paar Jahre andauernde Krise der (vor allem Indie-) Festivals zu navigieren. Etwas, wozu ich später noch einmal zurückkommen werde. In diesem Jahr konnte man offenbar, auch weil man die Besucher*innen noch einmal sensibilisiert hat, sogar mehr Tickets als im Vorjahr absetzen, die auch verstärkt im VVK erworben wurden. Der Samstag war dann sogar ausverkauft, was aber womöglich vor allem an den Sportfreunden Stiller lag, die sicherlich sehr stark gezogen haben.

Zu den wenigen (für manche aber nicht ganz so starken) Veränderungen gehörte die Ausdehnung auf den Mittwoch, der endlich den etwas stressigen Anreisedonnerstag entzerrt hat, ein großräumig umgestalter Reitplatz mit neuem(?) Niederrheinzelt und und die veränderte Eingangssituation im Spiegelzelt. Denn nicht nur wurde der kleine Vorraum entfernt, wodurch der Einlass flüssiger lief und womöglich sogar etwas mehr Kapazität geschaffen wurde, auch hatte man sich dafür entschieden, das Zelt zwischen den Gigs komplett zu räumen. Das resultierte zwar in langen Schlangen, aber auch in einem smoothen Zugang zum Spiegelzelt - was nur das Problem mit sich brachte, dass schon relativ früh Publikum von den Hauptbühnen gezogen wurde.

Ansonsten war wie gesagt alles wie gehabt. Es gab ein halbes Dutzend Venues, die verteilt über den Tag bespielt wurden und somit die perfekte Symbiose aus Ortskern (Kirche, Jugendheim, Pop Bar) und Festivalgelände schufen (Tonstudio, Reitplatz, Niederrheinzelt, Spiegelzelt). Hier hat man offenbar auch gelernt, dass man die wachsenden Kapazitäten nicht für ein größeres Lineup nutzt, sondern vor allem zur Entzerrung der kleineren Stages, denn fast alle kleineren Bands durften 2-3 am Tag ran - was auch die Bands gefühlt sehr gefreut hat, weil es unterschiedliche Räume schuf und zugleich für ein größeres Publikum sorgte.

Auch das Programm war wie gewohnt eine Wundertüte und ein Versprechen an die Zukunft - was aber ggf. auch daran gelegen haben könnte, dass ich mich vergleichsweise wenig habe einarbeiten könnten. Ich musste ja eh erst einmal ausloten, was mit den Kindern möglich sein wird - und was nicht. Wobei sich schnell zeigte, dass letzteres die Realität ist. In meinem inneren Kopf habe ich die vielen Bilder von Kindern mit Hörschutz und Windrädern im Blick, die fröhlich den Pusteblumen und Seifenblasen hinterherlaufen. Das gab es auch, aber als Elternteil sieht man dann auch viel stärker die vielen frustrierten Eltern, die ständig ein quengeliges und/oder müdes Kind managen müssen und realisieren, dass der heiß erwartete Act wohl ins Wasser fallen muss. Es dauerte auch ganze fünf Minuten, bis wir merkten, dass die Kinder eben nicht eine halbe Stunde auf der Schulter sitzen gucken, sondern sich sehr schnell langweilige. Und das sehr lauststark.

So blieben mir am Ende auch ganze 12 Acts, die ich mal mehr, mal weniger sehen konnte. Erstes Opfer waren Horsegirl, die am Donnerstag um 17 Uhr bei praller Sonne den Reitplatz eröffnen durften, aber auf der großen Bühne irgendwie etwas verloren wirken - zudem war auch die Bühne enorm laut, weshalb es mit dem Kinderhörschutz quasi unhörbar war. Also ein paar Songs gehört, ins Infield zurückgezogen, Kinder beschäftigt und ein wenig aus der Distanz gehört. Vielleicht noch einmal bei einer Clubshow in Hamburg?

Danach sind wir ins Camp, wo meine Frau sich mit den Kindern beschäftigt hatte, wodurch ich zumindest Friko in Ruhe sehen konnte - und das hat sich richtig gelohnt, denn Friko und Haldern, das passt im Grunde wie die Faust aufs Auge, weshalb es umso schöner ist, dass es gelungen ist, die Band für ihr einziges Deutschlandkonzert in diesem Jahr zu buchen. Die Band kam mit enorm viel Elan auf die Stage und hat enorm gute Stimmung verbreitet - in der Mitte hing das Set ein wenig mit den ruhigeren Stücken, aber das Ceremony-Cover am Ende hat dann doch wieder ordentlich Stimmung gemacht und gezeigt, was die Band drauf hat. Würde mich nicht wundern, wenn man die in zwei, drei Jahren auf derselben Bühne sieht, nun halt 2-3 Stunden später.

Anschließend ging es fix ins Camp, schnell die Kinder zu Bett gebracht. Der Plan war eigentlich, zu Westwide Cowboy ins Spiegelzelt zu gehen. Aber das fiel der Gemütlichkeit zum Opfern, sodass der Fokus auf Black Country, New Road lag. Die Band hatte sich wirklich viel vorgenommen, immerhin ist es schon das dritte Set beim Haldern Pop, dass sich qua Ants from Up Here auch in der Bandgeschichte verewigt hat. Nur wissen wir alle: Black Country, New Road ist nicht mehr dei Band von vor ein paar Jahren - nur ist das wohl noch bei vielen Besucher*innen angekommen, die vermutlich kurz bei Spotify reinhörten und somit eine ganz andere Band erwarteten. Auch wenn das Set ganz nett war und Forwever Howlong mir live besser gefällt als auf Platte, setzte etwa nach der Hälfte ein Exodus ein, den ich in dem Ausmaß noch nie beim Haldern erlebt hatte. Ich weiß nicht, ob es der späten Stunde (und ggf. dem Wunsch geschuldet war, dass man sich eher bewegen wollte und somit versuchte zu GANS ins Spiegelzelt zu kommen) geschuldet war, oder der Performance als solcher. Auf jeden Fall waren am Ende vielleicht nur noch 20-30% der Besucher*innen vor der Stage, so dass sie ausgerechnet in dem Moment, als sie sich sämtliche Bands des Tages für ein Band on the Run-Cover auf die Bühne holten, quasi kaum noch jemand da war. Das tat mir so sehr leid, dass ich irgendwann hoffte, dass es bald vorbei ist. Es ist halt das Risiko, dass man als Band eingeht, wenn die zentrale Figur aussteigt, man aber dennoch den Namen und den Fame fortführt, ohne aber die großen Werke, die jeder hören möchte, zu spielen - ich hatte kurz noch spekuliert, ob sie zumindest Haldern spielen. Klar ist, dass sie mit Forever Howlong alleine wohl nicht den Sloit bekommen hätten, sodass es rückblickend wohl für alle besser gewesen wäre, hätten Friko (die deutlich mehr Material haben) und BC,NR ihren Slot getauscht. bei Reddit kommentierte jemand, dass es beim Sziget wohl ganz ähnlich aussah.

Dass man die späte Stunde kein Manko sein muss, das haben dann The Notwist am folgenden Abend gezeig - die noch um 01.45 Uhr vor einer gut gefüllten Bühne gespielt haben. Und das auch vollkommen verdient, denn die Band hat ein überragendes Konzert gespielt, weshalb auch so mancher Altfan zu dem Schluss kam, dass die Band wohl nie besser als aktuell war. Ich kam vor dem Konzert etwas verschlafen aus dem Camp, da ich bei zu Bett bringen der Kinder selbst weggenickt bin, aber The Notwist haben mich richtig gepusht. Es ist fast schon schade, dass ich die Band erst so spät kennengelernt hab - in der Form würde ich die jederzeit wieder sehen wollen!

Das so als wesentliche Talking Points der Bands. Ansonsten habe ich noch am Freitag etwa 20 Minuten Susan O'Neill mit einem tollen Set in der Kirche und Silver Gore auf der Hauptbühne gesehen, die beide ein nettes und süßes Set spielten, während der wir aber viel mit den Kindern zu tun hatten, aus welchem Grund wir auch iedereen im Spiegelzelt nur via Leinwand gesehen haben - aber das sah schon sehr spaßig aus. Auf Cardinals habe ich mich eigentlich auch gefreut, aber die haben mich - vll. auch wegen der oben beschriebenen Verschlafenheit - etwas kaltgelassen. Ich hätte wohl besser Kabeaushé sehen sollen, die wohl ein richtig gutes Set gespielt haben.

Am letzten Tag haben wir uns dann komplett aufgeteilt, sodass ich zunächst The 113 in der Pop bar sehen konnte, die das Ding ordentlich abgerissen haben, und dann am Stück chéri chéri, Julia Effekt und La Securité. Erstere udn gerade letztere waren wirklich sehr unterhaltsame Gigs während ich Julia Effekt auf Dauer etaws belanglos fand. Aber passte vielleicht auch nicht auf die sonnendurchflutete Bühne.

Damit war das Musikprogramm für mich auch vorbei, da ich dem Abend meiner Frau den Vorzug gelassen habe. Immerhin konnte ich die Sportfreunde Stiller gut aus dem Camp hören, wo ich nahezu alleine war.

So bleibt ein schönes Wochenende, das zwar eine maximal andere Erfahrung gewesen und die gerade am Donnerstag viel, aber doch viele tolle Momente mit sich brachte. Das Haldern Pop hat sich in manchen Ecken noch verbessert und seine Stärken weiter asugebaut (nachdem es vor 10+ Jahren fast drohte zu einem Klischee zu werden). Es zahlt sich heute aus, dass das Festival vor zehn Jahren nicht in die Expansion gegangen ist, weshalb man heute ein relativ tragfähiges Format hat und vermutlich relativ sicher in die nächsten Jahre blicken kann, während so viele andere Festivals die Segel streichen müssen. Es wird daher spannend, ob das Haldern Pop der große Gewinner des Festivalsterbens werden könnte, denn viele Besucher*innen werden ja irgendwo hin gehen wollen - und das Festival hat einfach den benefit, dass es international relevant ist und man den Bands jederzeit anmerkt, dass sie das Umfeld schätzen (und natürlich auch, dass es eine Kernklientel jenseits der 40 hat, die einfach stabil kommt).

Von daher freuen wir uns schon aufs kommende Jahr. Dann mit realistischeren Erwartungen, besser vorbereitet und mit älteren, erfahreneren Kindern - und vielleicht der einen oder anderen Band mehr. Denn an guten Konzerten mangelte es das Wochenende trotz des nur wenig prominenten Lineups nicht.
(c) 26.06.2006

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SammyJankis
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Re: Festivalberichte

Beitrag von SammyJankis » Mo 17. Aug 2026, 18:06

defpro hat geschrieben:
Mo 17. Aug 2026, 14:24
Highlight war für mich wie erhofft der Auftritt von Speed. Eine unglaubliche Energie auf und vor der Bühne und ein heftiger Abriss inkl. diesem verdammten Querflöten-Outro. Ich war zwar nach gefühlt jedem Song durch den Staub ziemlich im Eimer, aber es gab zum Glück einige Ansagen, die man zum Luft schnappen nutzen konnte. Denen hat man auch wirklich die Dankbarkeit angemerkt, es als Aussie-Band geschafft zu haben, mit ihren US-Idolen eine Bühne zu teilen. Es wurden interessanterweise auch Shoutouts an German Harcore (z. B. Echo Chamber und Spirit Crusher) verteilt, obwohl deutsche Bands im Line-Up ja stark unterrepräsentiert waren. Ich finde es eigentlich ganz cool, dass so international gebucht wird, zumal es ja auch einige Festivals gibt, die viel klassischen Deutschpunk buchen (z. B. das zwei Orte weiter stattfindende Seepogo). Zudem wüsste ich gar nicht, ob deutsche Hardcore-Bands überhaupt Bock auf solche Festivals mit Barriere haben.
Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass die genannten Bands dort niemals spielen werden. Ohne Namen zu nennen bin ich mir auch sicher, dass einige Member von kleineren HC Bands aus diesem Kosmos ihre Band eher auflösen würden anstatt dort zu spielen. Bands, die ich auf dem Festival erwarten würden wären Defiance, Backstabbed, SoulPrison oder Dagger Threat. Die öffnen sich da eher dem "Mainstream" Hardcore/Punk.

Wie war denn die Reaktion der Crowd auf die Shoutouts? Ich bezweifel, dass ein Großteil der Anwesenden Echo Chamber und Spirit Crusher kennt.
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Re: Festivalberichte

Beitrag von defpro » Mo 17. Aug 2026, 20:45

SammyJankis hat geschrieben:
Mo 17. Aug 2026, 18:06
defpro hat geschrieben:
Mo 17. Aug 2026, 14:24
Highlight war für mich wie erhofft der Auftritt von Speed. Eine unglaubliche Energie auf und vor der Bühne und ein heftiger Abriss inkl. diesem verdammten Querflöten-Outro. Ich war zwar nach gefühlt jedem Song durch den Staub ziemlich im Eimer, aber es gab zum Glück einige Ansagen, die man zum Luft schnappen nutzen konnte. Denen hat man auch wirklich die Dankbarkeit angemerkt, es als Aussie-Band geschafft zu haben, mit ihren US-Idolen eine Bühne zu teilen. Es wurden interessanterweise auch Shoutouts an German Harcore (z. B. Echo Chamber und Spirit Crusher) verteilt, obwohl deutsche Bands im Line-Up ja stark unterrepräsentiert waren. Ich finde es eigentlich ganz cool, dass so international gebucht wird, zumal es ja auch einige Festivals gibt, die viel klassischen Deutschpunk buchen (z. B. das zwei Orte weiter stattfindende Seepogo). Zudem wüsste ich gar nicht, ob deutsche Hardcore-Bands überhaupt Bock auf solche Festivals mit Barriere haben.
Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass die genannten Bands dort niemals spielen werden. Ohne Namen zu nennen bin ich mir auch sicher, dass einige Member von kleineren HC Bands aus diesem Kosmos ihre Band eher auflösen würden anstatt dort zu spielen. Bands, die ich auf dem Festival erwarten würden wären Defiance, Backstabbed, SoulPrison oder Dagger Threat. Die öffnen sich da eher dem "Mainstream" Hardcore/Punk.

Wie war denn die Reaktion der Crowd auf die Shoutouts? Ich bezweifel, dass ein Großteil der Anwesenden Echo Chamber und Spirit Crusher kennt.
Backstabbed haben sogar dieses Jahr dort gespielt. Zweiter Slot am Freitag. Habs leider verpasst, aber von mehreren Leuten unabhängig voneinander positives Feedback zum Auftritt bekommen. Muss ich mal reinhören.

Es wurde halt generell die deutsche Hardcore-Szene gelobt und die Leute animiert, auf mehr Shows zu gehen. Die beiden Bands (+ noch irgendwas, habs akustisch nicht verstanden) wurden da einfach als Beispiele genannt. Das war alles der derselben Ansage. Da gab's am Ende schon viel Applaus für, aber ich glaube nicht, dass dies jetzt explizit für die genannten Namen galt, sondern mehr für die Message an sich.

Muss mir die Bands endlich mal anhören. Weiß auch nicht, warum ich das die ganze Zeit vor mir herschiebe.

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7Ostrich
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Re: Festivalberichte

Beitrag von 7Ostrich » Di 18. Aug 2026, 13:50

Ich war mit einigen forumsbekannten Liebmenschen beim Way Out West und hatte eine absolut wunderbare Zeit. Das Line-Up war einfach irre gut, an jedem Tag gab's zum Abschluss zwei sehr große Namen (Moby & The xx / Nick Cave & The Cure / Lorde & Gorillaz), was für ein in meiner Wahrnehmung doch immer noch eher mittelgroßes Festival schon sehr groß gebucht war.

Den ersten Tag habe ich mit der schwedischen Popsängerin Yaeger in der Zeltbühne gestartet. Da ich mittlerweile Primavera-Zeitslots gewöhnt bin, musste ich mich mit Setzeiten vor 15 Uhr erst einmal anfreunden, aber es hat geklappt und war nett. Weitaus spannender fand ich danach Arthur Verocai, der mit Orchester auf einen der beiden großen Hauptbühnen (die sich wie früher beim Primavera gegenüberstehen - ich bin Fan) smoothen Jazz zum besten gab. Überraschend spaßig fand ich Σtella, die ich mir vor allem deswegen angeschaut habe, um anschließend mit Oklou meinen ersten Must-See von möglichst weit vorne genießen zu können. Das hat auch alles wunderbar geklappt und hat super Spaß gemacht. Zu Harvest Sky gab es sogar einen wholesomen Mini-Moshpit vom sonst meist eher zurückhaltenderen Publikum. Das bestand übrigens zu erheblichen Teilen aus Teenies aus der Region, da das Festival explizit vergünstigte u18-Tickets anbietet. Finde ich eine schöne Sache! Mit Moby gab es dann im Anschluss den typischen "würde ich mir solo nicht anschauen, aber nehme ich auf einem Festival gerne mit"-Act. Den Anfang fand ich super, zwischendurch hat es mich verloren, aber Lift me up war geil (auch wenn ich den abgeänderten Chorus nicht gebraucht hätte). Sind zeitig rüber, um gute Spots für The xx zu ergattern und war mit deren Headliner-würdigen Auftritt vollends zufrieden, insbesondere die Lightshow fand ich stark. Trotzdem ist es an der Zeit für neue Lieder!

Auch der zweite Tag begann im Zelt, hier habe ich leider nur das Ende von Sara Parkman, schwedische Folkmusikerin und meine Entdeckung des Festivals, mitbekommen, aber das klang absolut super! Anschließend habe ich mir die schwedischen Muff Potter namens Nektar ebenfalls im Zelt angeschaut, da ich Angst hatte, sonst bei den folgenden Geese keinen guten oder überhaupt keinen Platz mehr zu bekommen. Erstere haben mich leider nicht gekriegt, aber Geese waren vielleicht mein Festivalhighlight. Hier war es dann auch vorbei mit der Zurückhaltung des Publikums, es wurde von Beginn an ordentlich gemosht, so oft war ich lange nicht mehr im Pit. Hat super Spaß gemacht! Dann ging es Schlag auf Schlag: erst bei den Hauptbühnen etwas Blood Orange geguckt (was schön und entspannend war) und dann rüber zur vierten und kleinsten Bühne (die Elektrobühne, zu der ich es leider nicht geschafft habe, mal außen vor gelassen) für FCUKERS. Da ich parallel auch mal etwas Essen musste, habe ich in der Menge tanzend nur die letzten zwei bis drei Lieder erlebt, aber das war wieder ein Fest, fand ich auch weitaus spaßiger als der Primavera-Auftritt letztes Jahr. Und wieder sofort rüber zu den Hauptbühnen, um Nick Cave & The Bad Seeds aus nächster Nähe zu sehen. Auch das fand ich wieder sehr gut und vor allem war ich glücklich, mit Rings of Saturn, Train Long-Suffering, Hollywood und ENDLICH Henry Lee unerwartet viele Lieder aus dem back catalogue zu hören, die mir bisher verwehrt blieben. Aber leider weiterhin nichts dabei gewesen von No More Shall We Part, einem meiner absoluten Lieblingsalben. Meinen einzigen Durchhänger hatte ich dann direkt nach Nick Cave: der Rücken tat weh, vor der anderen Hauptbühne, wo gleich The Cure startete, war es natürlich schon sehr voll und ich war nicht so motiviert, mir in der Dunkelheit einen guten Platz zu suchen. Als dann auch erneut mit Alone anstatt Plainsong, der mir bisher noch fehlt, angefangen wurde, habe ich beschlossen, doch mal bei Lykke Li vorbeizuschauen. Das fand ich von hinten aber leider irgendwie auch nicht so spannend und bin daher pünktlich zu Push und mit Bier in der Hand wieder bei The Cure erschienen. Darauf folgten dann In Between Days, Just Like Heaven, Play for Today und A Forest, was meine Laune wieder schlagartig anhob. Unweit von mir tanzten auch Nick Cave und Warren Ellis mit der Rest ihrer Band und Crew auf der gegenüberliegenden Bühne, die sie zuvor bespielt hatten. Habe ich leider nicht selbst mitbekommen, aber im Nachhinein auf Social Media gesehen.

Den letzten Tag habe ich dann weitaus entspannter angehen lassen. Nach einer Runde Minigolf vor dem Festivalgelände habe ich mir Ezra Collective (inkl. Gastauftritt von Damon Albarn) und anschließend Smerz angeschaut, was ich beides unterhaltsam, aber auch nicht sooo spannend fand. Mein großes Highlight war dafür Lorde, für die ich mir aufgrund des entspannteren Timetables easy einen guten Spot sichern konnte. Von der anderen Hauptbühne schallte sombr rüber, was gar nicht meins war, was ich aufgrund der vielen begeistert mitsingenden Teens um mich herum aber trotzdem nicht weiter haten wollte. Überraschenderweise ging es dann da vorne bei Lorde nicht von Anfang an komplett ab. Zumindest in meiner unmittelbaren Umgebung war man noch gar nicht so feierwütig und textsicher wie erwartet, obwohl direkt mit Royals und What Was That gestartet wurde. Spätestens bei Hammer war das Publikum aber voll da und insbesondere Supercut ging richtig hart. Die Bühnenshow war auch sehr ansprechend. Die Begleitband war etwas merkwürdig seitlich (teilweise mit dem Rücken zum Publikum) platziert, damit die ganze Bühen frei war für Tänzer*innen und fahrbare LED-Würfel, die rumgeschoben, gestapelt und hochgezogen wurden. Bei Liability wurden Bildaufnahmen Lordes aus vergangenen Jahren auf ihren eigenen Körper projiziert und an anderer Stelle trug sie eine Jacke mit roten LEDs. Das war schon sehr cool. Wieder von hinten gab es dann zum Abschluss Gorillaz und auch die haben mir überraschend gut gefallen.

Aufgrund der vielen guten Konzerte und des schönen Geländes hat mir das Festival wirklich gut gefallen, vielleicht war es sogar mein bester Festivalbesuch jemals. Klar gab es auch ein paar Minuspunkte: Bier für 8 Euro und Essen für 15 Euro ist eine Ansage, aber mit Blick auf das Flow Festival geht es offenbar noch schlimmer. Immerhin kommt man gut mit einem Essen pro Abend aus, wenn man vorher in einen der unzähligen Restaurants in Festivalnähe ordentlich zulangt. Da das Festival auch nicht so riesig ist, hat man auch keine große Auswahl an Acts, die man sich anschauen kann. Gerade abends steht und fällt das einfach mit den Headlinern, aber da hatte ich dieses Jahr enorm Glück. Ebenfalls kritisieren kann man die vielen Sidequest-Werbestände, die sich vor allem am Geländeeingang tummeln und gefühlt alle einen eigenen DJ haben. Was Kommerzialisierung angeht, bin ich zwar Primavera gewöhnt, auf diesem eher kleineren und schöneren Gelände hittet das aber schon noch einmal anders. Am Ende sind mir aber die Konzerterfahrungen am wichtigsten und die waren super, daher kann ich mir gut vorstellen, hier auch ein drittes Mal vorbeizuschauen.
Ich bin hier nicht zufällig, ich kenn mich aus

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Re: Festivalberichte

Beitrag von Finn » Di 18. Aug 2026, 15:56

Ich war Freitag und Samstag beim Syd For Solen in Kopenhagen.

Letztes Jahr war ich dort einen Tag und fand es ziemlich rund.

Dieses Jahr also zwei Tage, das Lineup wieder ziemlich namhaft besetzt (am Tag vorher gab es u.a Wednesday, Amyl & the Sniffers, sombr und Medina). Das Gelände war dieses Mal etwas größer und sie haben das Zelt so hingestellt, dass es keinen soundmatsch mit der zweiten Bühne gab. Notwendige Änderung! Ansonsten alles beim alten, nur leider war der coole kleine Farmer's Market nicht mehr da und es gab wieder eigentlich nichts zu tun außerhalb der Musik. Außerdem war es sehr staubig, dazu später mehr.

Los ging es für uns mit Paris Paloma. Das war ein ganz netter Start, Alternative Pop mit Anleihen an Lorde und Florence & The Machine. Nichts verkehrt gemacht, aber auch nicht viel hängen geblieben

Danach ein bisschen Malk de Koijn, weil es nicht anderes gab. Dänische Fanta 4, hat mir nichts gegeben. so 2-3 Namen mehr würden schon noch in den Zeitplan passen.

Anschließend die Überschneidung zwischen Bleech 9:3 und Wilco. Wir haben uns für die Iren entschieden und das wohl auch zurecht. Ich hatte direkt das Gefühl, dass wir in nächster Zeit mehr von denen hören werden. Very 90s mal wieder, aber jetzt schon echt gute Bühnenpräsenz und eine starke Stimme. Überraschung des Wochenendes! Wilco dann den Rest mitgenommen und joa, gibt mir live genau so viel wie auf Platte.

Ich bin dann auch rechtzeitig zur anderen Bühne, wo danach Turnstile spielen sollten,. Und joa, ich lass die Bilder mal stehen. War geil, war staubig, habe gar nicht so viel Action erwartet. Auftritt des Wochenendes.

Danach Erholung bei Iceage. Die habe ich vor kurzem erst gesehen und die wollen einfach nicht 100% zünden. Schon alles solide aber mehr auch nicht. Der Vergleich war aber auch gemein.

Anschließend dann der nächste Act, den ich erst letztens gesehen habe, Lorde. Aber hat sich nochmal gelohnt, war auch riesig. Es war schon ähnlich zu dem Dezember-Auftritt, sie hatte aber einige Anpassungen gemacht, damit es besser auf ein Festival-Publikum passt. Richtig schön einfach.

Zum Abschluss dann die Hälfte von Maribou State, aber ich bin fast im Stehen eingeschlafen, von daher sind wir etwas früher los. Das war aber tatsächlich überraschend cool, weil sie mit voller Band + Sängerin angetanzt sind.

-----

Am Samstag ging es dann mit einer kleinen Schwimmsession und einem Picknick los. Ich habe es leider nicht geschafft, Ninajirachi komplett zu verkaufen, sodass wir uns das geile Geballer auf der Wiese vor dem Festival gegeben haben. Ärgert mich ein bisschen, denn es klang wirklich richtig stark.

Danach sind wir rein und statt Brimheim gab es für uns Horsegirl im Zelt. Das war leider etwas zu schluffig und Da-Da-Da-Da-Da für mich, also eher etwas für nebenbei.

Hans Philip danach komplette Langeweile (selber Slot wie Malk de Kojn am Tag davor, hier darf es gerne noch Alternativprogramm geben), also entspannt mit Decke hingesetzt und was gegessen und getrunken. Das schöne am Festival ist nämlich, dass es so überschaubar ist, dass man sich entspannt in die Mitte hocken kann und beide Hauptbühnen wahrnimmt, die ja eh abwechselnd bespielt werden.

Vom selben Spot dann also auch Anna von Hausswolff geschaut, die musikalisch nciht ganz auf dieses Festival passt, aber nach diesem Auftritt auf jeden Fall in meinem Ansehen gestiegen ist. Sie lebt das einfach total auf der Bühne, der Lärm hat richtig geil geschallert, das Saxofon war sonstwo unterwegs, herrlich. Auch im Hellen bei einem so poplastigen Festival.

Der Rest von Fine war im Vergleich nichts, sie hat 0 Präsenz und die Songs funktionieren für mich live einfach nicht. Blood Orange auf der anderen Bühne auch nicht mein Cup of Tea, aber klang live wenigstens unterhaltsam.

Anschließend dann Geese. Das war natürlich schon ziemlich gut, aber irgendwie hatte ich bei dem ganzen Hype mehr erwartet. Es war solide runtergerockt, die Drummer-Cam war super, die Songauswahl stark, insgesamt gab es wenig auszusetzen. Aber auch wenig hervorzuheben.

Headliner des Tages waren The xx. Das war ziemlich cool, auch wenn mich die Musik heutzutage nicht mehr so abholt. Das Bühnenbild mit dem beweglichen X war top und sie waren wirklich happy, auf der Bühne zustehen. Solokram wurde auch gespielt für etwas mehr Abwechslung, das hat dann überraschend hart geknallt. Schöner Auftritt.

Abschluss dann mit Fcukers. Geiler Auftritt, ich dachte, die wären in 20 Minuten durch, weil die von Hit zu Hit sind. Sängerin nervigste Sprechstimme ever, der Dude mit einer coolen Ansage, so sind wir schön aus dem Festival rausgetanzt.

Hat mir wieder gut gefallen, mal sehen, ob ich nächstes Jahr dabei bin, da ich die Woche drauf bei einem großem Sportevent teilnehme und eigentlich kein Risiko eingehen möchte. Allerdings sind das Lineup und die Bequemlichkeit, mit der ich das Festival erreichen kann, eigentlich zu gute Argumente!

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Re: Festivalberichte

Beitrag von MairzyDoats » Do 20. Aug 2026, 14:05

Finn hat geschrieben:
Di 18. Aug 2026, 15:56
Ich war Freitag und Samstag beim Syd For Solen in Kopenhagen.
Schöner Bericht, danke! Ich fand das Festival sah auch echt gut aus, aber das Way Out West hat es dann für mich ein wenig übertrumpft. Aber für die Zukunft werd ich das auch im Auge behalten.
Finn hat geschrieben:
Di 18. Aug 2026, 15:56
Danach sind wir rein und statt Brimheim gab es für uns Horsegirl im Zelt.
Schade, zu Brimheim hätte ich gerne mal wieder einen Eindruck gelesen, die kriegt man gefühlt echt nur noch in Dänemark zu Gesicht. :|
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Re: Festivalberichte

Beitrag von Finn » Do 20. Aug 2026, 14:29

MairzyDoats hat geschrieben:
Do 20. Aug 2026, 14:05
Finn hat geschrieben:
Di 18. Aug 2026, 15:56
Ich war Freitag und Samstag beim Syd For Solen in Kopenhagen.
Schöner Bericht, danke! Ich fand das Festival sah auch echt gut aus, aber das Way Out West hat es dann für mich ein wenig übertrumpft. Aber für die Zukunft werd ich das auch im Auge behalten.
Das Way Out West hat ja auch quasi dasselbe Lineup + noch deutlich mehr, also gute Wahl :smile:
MairzyDoats hat geschrieben:
Do 20. Aug 2026, 14:05
Finn hat geschrieben:
Di 18. Aug 2026, 15:56
Danach sind wir rein und statt Brimheim gab es für uns Horsegirl im Zelt.
Schade, zu Brimheim hätte ich gerne mal wieder einen Eindruck gelesen, die kriegt man gefühlt echt nur noch in Dänemark zu Gesicht. :|
Dafür wirklich oft in DK :grin: Deshalb für den internationalen Act entschieden.

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Re: Festivalberichte

Beitrag von MairzyDoats » Do 20. Aug 2026, 14:55

Finn hat geschrieben:
Di 18. Aug 2026, 15:56
Dafür wirklich oft in DK :grin: Deshalb für den internationalen Act entschieden.
Haha, ja checke ich, ich hoffe sie kommt irgendwann mal wieder nach Deutschland. Oder ich halt nach Dänemark. :grin:
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Re: Festivalberichte

Beitrag von MairzyDoats » Fr 21. Aug 2026, 19:31

Ich war am letzten Wochenende auch auf dem Way Out West in der sehr schönen Stadt Göteborg in Schweden. Ich war zum ersten Mal dort und hatte eine wirklich gute Zeit, wenn das Line Up stimmt, sehe ich mich auf jeden Fall wieder da antanzen. Das ist alles ziemlich lang geworden. Ich gehe erstmal in einem Beitrag ein generell aufs Festival ein, bevor ich im zweiten Beitrag Konzerte bespreche. Also skippen falls ihr nur was über Konzerte lesen wollt.

Auch wenn die Festivals auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind, konnte ich gewisse Ähnlichkeiten mit dem Primavera auch nicht von der Hand weisen. Way Out West liegt dabei aber in einem schönen Park, eingezäunt von Bäumen, das wurde auch von den Artists häufig positiv hervorgehoben. Dennoch dämpft das Festival diesen Charme ein wenig durch sehr viele Werbestände von großen Unternehmen direkt am Eingang, Yves Saint Laurent, Calvin Klein, Zalando etc. Das bin ich vom Primavera auch gewohnt, aber hier erschlägt es einen fast noch mehr fand ich, da es in diese Waldidylle eingebettet ist. Beim Publikum wurde das aber auch sehr wohlwollend angenommen, diese Stände hatten häufig richtig lange Schlangen, was auch immer man da machen bzw. gewinnen konnte.
Hat man sich dort einmal durchgekämpft kommt man auch direkt auf dem großen Platz mit den zwei gegenüberliegenden Hauptbühnen Azalea und Flamingo, die abwechselnd bespielt werden. Auch hier ist es gerne mal recht crowded, es gibt keine Wellenbrecher, aber zumindest habe ich es bei kleinen sowie großen Acts nie als unangenehm empfunden, hier in der Menge zu stehen.

Die dritte Bühne, Linné, ist ein großes, offenes Zelt, fand ich jetzt auch nicht verkehrt. Hier fand ich teilweise den Sound nicht optimal, es kam einmal sogar zu einem kompletten Ausfall, aber allzu schlimm wars auch nicht. Generell schon eher guten Sound erlebt an diesem Wochenende. Nur bei Geese war es hier sehr voll, die hätte man wohl mal wieder eher auf die Hauptbühne stellen sollen. Die beste Bühne war die kleine Höjden Stage, auf einer kleinen eigene etwas abgeschirmten Fläche, abschüssig gelegen. Mein größter Kritikpunkt, der bei mir beim Gelände geblieben ist, ist dass es nicht so richtige Ruheorte gibt. Es gibt zwei kleine Seen, bzw. Teiche, die für sich gesehen sehr schön sind, es gibt viele Vögel zu beobachten. Aber dennoch ist es schwierig, dort zur Ruhe zu kommen, denn der eine See hat auf der einen Seite eine Hauptbühne und auf der anderen die fünfte Elektro-Bühne nebenan, die durchgehend bespielt wird. Der andere See grenzt an der Linné Stage und der anderen Hauptbühne, zugleich ist da ein gemütlicher Biergarten, der aber auch seine eigene Musik spielt. Der einzige schöne Ort, wo man wirklich seine Ruhe hatte, war eigentlich die Höjden Stage, wenn da gerade keiner gespielt hat. Das ist schon ein bisschen weird für so ein an sich schönes Gelände. Ich weiß, dass das aus Festivalsicht quatsch ist, aber für mich wäre es ein Gemchanger gewesen, wenn die Elektro-Bühne nicht da gewesen wäre und so dieser Bereich zum Ruheort geworden wäre.

Aber ja, trotzdem habe ich mich eigentlich ganz gerne über das Festivalgelände bewegt, die positive Kehrseite des Problems sind dann natürlich kurze Laufwege, man ist natürlich immer schnell beim Bühnenwechsel und kommt überall schnell hin. Wenn es einem wirklich zu viel wird kann man auch schnell mal vom Festivalgelände runter und ne Runde Minigolf spielen. Ich musste aber auch da im Primavera Vergleich sagen, dass das Primavera bei all seiner Wuseligkeit dieses Problem für mich nicht hat, weil das Gelände doch sehr groß ist und man immer einen ruhigen Ort zum Durchschnaufen findet, zumindest wenn man die Hauptbühnen mal hinter sich lässt.

Das Festival-Essen ist komplett vegetarisch/vegan, was natürlich an sich wirklich stabil ist, aber leider habe ich auch lange nicht mehr so ein schlechtes Festival-Essen erlebt. In Schweden ist das natürlich dann auch noch sehr teuer. Also der vegetarisch/veganen Küche tut das Festival imho keinen Gefallen. Es ist entweder sehr wenig für viel Geld, einfach eher schlecht oder beides. Besonders ärgerlich ist es dann aber auch, wenn man eben vegan ist, dann schränkt sich die Auswahl doch nochmal ein, es gab zum Beispiel keine vegane Pizza und auch das Gefühl für veganes Essen fehlt so ein bisschen, ich habe zum Beispiel einmal von einem (zugegeben sehr überforderten) Burger-Stand einen vegetarischen Halloumi-Burger bekommen anstatt die vegane Variante. Das war sehr ärgerlich.
Da bin ich, muss ich sagen, mittlerweile deutlich besseres gewohnt, verwöhnt von sowas wie Dockville z.B., aber auch das Primavera kriegt es finde ich mittlerweile deutlich besser hin mit dem Essen.

Die Getränkepreise insbesondere für Alkohol habe ich tbh schlimmer erwartet, nach allem was man so im Vorfeld hörte. Ich dachte wirklich man zahlt hier so 12 Euro für n Bier, aber so schlimm war es dann doch nicht. Aber es waren eben schon etwa 8€ für ein 0,33l Dosenbier, oder so 9,50€ für einen gezapften halben Liter. Das ist natürlich schon sehr teuer, aber wie gesagt, ich hatte es fast noch schlimmer erwartet. In den Clubs beim Stay Out West (siehe unten) zahlt man etwa 6 Euro für 0,4l und da denke ich: Das zahle ich in teuren Hamburger Clubs wie Docks ungefähr auch. Dennoch hat sich die Trinklaune in Grenzen gehalten und ich muss sagen, dass ich das richtig angenehm fand. Und auch wenn viele mit diesen Dosen rumgelaufen sind, habe ich nicht eine Person erlebt, die unangenehm betrunken war und ich fand es dann auch besonders angenehm, das Festival selbst größtenteils alkoholfrei zu erleben. War damit von Getränken her womöglich das günstigste Festival, das ich seit langem erlebt habe. Man darf auch eine leere Wasserflasche mitnehmen, die man immer an zahlreichen Wasserständen auffüllen kann, soweit so normal, aber auch in den Stay Out West Venues wurde ich mehrmals darauf hingewiesen, dass ich meine Wasserflasche mit rein nehmen und drinnen auffüllen darf. Sehr cool.

Das Publikum war dann auch angenehm unstressig, auch wenn man den Leuten teilweise sehr anmerkt, dass die da sind, weil ein Festival in ihrer Nähe stattfindet und nicht, weil sie hier das Line Up des Jahres erwartet. Auf ein internationales Publikum ist das Festival nicht ausgelegt, die allermeiste Kommunikation findet auf schwedisch statt. Irgendwelche Probleme, das zu verstehen, hatte ich aber selten. Es gibt auch hier wie beim Primavera die notorischen Laber-Köpfe, die es einfach nicht interessiert. Es gibt Leute, die einen nicht durchlassen wollen, wenn man aus einer Menge raus (!) geht, was ich mittlerweile für die größte Unart halte auf Konzerten und Festivals, aber alles in Allem war ich doch recht selten genervt vom Publikum. Das einzige Problem war, dass sie doch teilweise recht kühl auf Acts reagiert haben, wenn sie nicht komplett drin waren bei dem Act, aber auch da gab es Höhen und Tiefen.

Ein weiterer Aspekt des Festivals sind die schon angeschnittenen Clubkonzerte, das sogenannte Stay Out West, also Konzerte, die zum Ende des Festivaltags in den Clubs der Stadt beginnen und dann so bis zwei/halb drei Uhr morgens anhalten. Zum Stay Out West habe ich zwei Tipps: Erstens – alle Acts, die fürs Stay Out West bestätigt werden, würde ich mir erstmal pauschal abschminken. Also nicht dieses Festival in der Hoffnung besuchen, die Stay Out West Acts zu sehen. Es kann an zu vielen Sachen scheitern. Man hat Rücken, gar keine Kraft mehr für ein Clubkonzert, man kommt nicht mehr rein, weil es voll ist oder die Location ist einfach komplett am Arsch der Welt, oder man muss sich eben für eine Venue entscheiden und in der anderen spielt dann ein anderer Herzensact. Also ist Stay Out West quasi ein Bonus, die Cherry On Top des Festivals. Der zweite Tipp ist aber: Trotzdem versuchen. Wenn man auch nur ein bisschen Bock hat und noch Motivation in den Knochen, dann kann ich nur empfehlen, die Hoffnung nicht aufzugeben, in diese Locations reinzukommen. Ich habe an jedem der drei Tage noch einen Stay Out West Gig mitgenommen und es war jedes Mal sehr cool.

Vielleicht klingt das in Summe n bisschen negativ, aber ich hatte eine wirklich gute Zeit und im Endeffekt geht es ja um die Konzerte und da hab ich sehr viele gute von erlebt. Um die geht es dann im nächsten Beitrag.
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Re: Festivalberichte

Beitrag von MairzyDoats » Sa 22. Aug 2026, 01:05

Sooo, Part 2!

Beim Way Out West gab es natürlich auch einige tolle Bands zu sehen und das Line Up war dieses Jahr wirklich phänomenal, im Vorfeld habe ich mich echt gefragt, wann die denn mal aufhören wollen, gute Sachen zu bestätigen. Das wird wahrscheinlich wieder lang, also nicht lang schnacken, wa.

Tag 1:

Es ging nach kurzer Orientierungsphase auf dem Gelände erstmal los mit der Pop-Künstlerin Yaeger im Zelt, das war voll okay, aber hat mich auch nicht so richtig bekommen. Danach ging es aber für mich direkt in ein Highlight rein, vielleicht auch schon das Tageshighlight, wenn man Stay Out West mal ausklammert.

Arthur Verocai mit dem Nu Civilisation Orchestra, der legendäre brasilianische Komponist, der vor allem für sein grandioses selbstbetitelte Album aus den 70ern bekannt ist, aber auch für einige namhafte Künstler*innen geschrieben hat oder von diesen gesampled wurde. Arthur Verocai kam mit einer Beinschiene auf die Bühne, für seine 81 Jahre altersgemäß gemächlich unterwegs, aber wirkte auch nicht unfit. Er hat größtenteils das Orchester dirigiert, aber auch mal einen Song selbst gesungen, ansonsten wurde der Gesang von zwei sehr charismatischen Sänger*innen übernommen. Ich hatte mich auf ein sehr entspanntes Konzert eingestellt, war dann aber überrascht, wie tanzbar, groovy und jazzig die ganze Angelegenheit war. Das hat mich wirklich mitgerissen. So eine schöne, positive Atmosphäre im Publikum und auf der Bühne. Mit diesem Konzert war ich schon richtig glücklich. Was ganz gut war für den Start, weil mich vieles danach an diesem Tag nicht ganz so umgehauen hat.

Im Anschluss kamen Clipse, die ich auch schon länger sehen wollte, aber auch schonmal auf dem Primavera verpasst habe. Und das war gut, aber für mich wollte der Funke auch nicht so komplett überspringen. Vom Publikum kam recht wenig, ich kann mir auch vorstellen, dass das in einem Club nochmal eine ganz andere Energie hat, hier war es solide.

Ich habe mich danach schonmal bei Oklou platziert, weil ich damit gerechnet habe, dass es hier voll wird und ich auch nicht vorher irgendwas halb gucken wollte. Mit Jehnny Beth und Lily Allen wäre auf jeden Fall namhaftes Kontrastprogramm geboten gewesen. Für mich füllt Oklou das Motto "es ist drin, was draufsteht" aus: Sie ist ok. So war auch dieser Auftritt. Es fing langsam mit ruhigen Stücken an, zum Ende ist sie dann Beat-lastiger geworden, das hat für mich besser funktioniert, aber Alles in Allem war auch das nur solide in meinen Augen. Gefühlt hat sie auch ein bisschen die Bühne leer gespielt, ich konnte immer weiter rein im Laufe des Konzerts, aber das mag auch daran liegen, dass die Leute sich zu Zara Larsson begeben haben, die im Anschluss spielen würde. Die haben wir uns nur von hinten angeguckt, würde ich nichtmal so richtig als gesehen bezeichnen, so richtig kam davon nicht viel rüber. Ich hab den Song gehört, zu dem Alysa Liu ihr tolles Programm geskatet hat, das war auch alles, was ich wollte. Solide Pop-Show, aber die Musik gibt mir in dem Fall nicht viel.

Dann haben wir uns für Moby platziert und das war für mich das nächste Highlight des Tages. Ich fand das wirklich richtig cool. Twin Peaks gesampled, alte Songs rausgekramt, die ich nicht mehr auf dem Schirm hatte, selbstironisch den Eminem-Diss eingebracht, absurd trashige Visuals und eine stabile Ansage zu Veganismus. Ich fands richtig nice. Einziger möglicher Wermutstropfen, dass glaube ich manche Videos, die so eingeblendet wurden, evtl KI-Slop waren? Sah jedenfalls n bisschen danach aus, das wäre schon whack. Wir sind dann irgendwann nach hinten für gute Plätze bei The XX, auch von dort konnte man das Konzert noch genießen, ich für meinen Teil hätte nichts dagegen gehabt, mir das bis zum Ende da vorne zu geben.

Die Zeiten, dass ich viel The XX gehört habe, sind lange vorbei und ich habe auch wieder gemerkt, dass mir die Band nicht ansatzweise so wichtig ist, wie den Leuten um mich rum. Ich finde die schon gut, keine Frage, aber ein bisschen was fehlt mir bei denen. Vielleicht ist es eine gewisse Unterkühltheit in der Musik, die mich nicht komplett abholt. Dennoch war die Show, der Sound und die Visuals schon sehr nice. Ich hatte hier auch meinen Spaß, auch wenn hier die Laber-Schweden (oder waren es Briten?) teilweise sehr nervig waren. Für mich hat es nicht so gut funktioniert, dass zum Ende hin der Solokram der drei rausgekramt wurde, das hat dem ganzen einen leichten Bruch gegeben, auch wenn alle Solo-Darbietungen schon stabil waren. Ich hatte mir aber eh auch noch ein anderes Ziel gesetzt: Das Ende von hinten gucken und dann ab zum Stay Out West. Ich habe mich also in der letzten Viertelstunde nach hinten begeben und da noch ein bisschen geguckt und bin dann während "Intro" raus. Die Vorstellung war ganz schön, mit dem Song im Rücken dann das Festival zu verlassen. Das hat aber nur so lange funktioniert, bis ich am Zalando-Stand vorbei gekommen bin, in dem gerade eine riesige Party abging. Na ja. Dann gehe ich halt zu "Yeah" von Usher vom Festivalgelände.

Ich habe direkt die Bahn bekommen und bin zum Pustervik gefahren, ein Club nicht weit vom Festivalgelände, dort sollte heute noch Ninajirachi beim Stay Out West spielen, den Clubkonzerten im Anschluss. Ich habe mir keine großen Hoffnungen gemacht, da reinzukommen, weil das womöglich der größte Hype-Act des Stay Out Wests war. Beim Club angekommen ging die Schlange auch schon um die Ecke und wurde auch hinter mir direkt länger, die App sagte schon die Auslastung sei "busy". Es ging dennoch voran, es haben sich auch noch zwei Mitstreiter*innen angeschlossen und wir haben ne ganze Weile zusammen gewartet. Irgendwann ging es nicht mehr voran und die App sagte auch "full". Wir waren so kurz davor aufzugeben, aber dann ging es plötzlich sehr schnell weiter und wir waren drin. Drinnen hat noch Thaiboy Digital gespielt, anscheinend ein schwedischer Hype, Publikum ging gut ab, aber ja, war nicht meins. Das hat mir aber auch gezeigt: Auch nach uns sind bestimmt noch viele Leute reingekommen, denn viele wollten hier Ninajirachi wahrscheinlich gar nicht unbedingt sehen und sind nach Thaiboy Digital gegangen. Dennoch füllte es sich dann auch bis an unnangehme Grenzen, aber die Show von Ninajirachi war auch wieder wirklich über alle Zweifel erhaben. Das war einfach nur der pure Abriss. Das sonst so reservierte schwedische Publikum war komplett außer Rand und Band, es wurde immer voller. Ich wäre gerne weiter in die Menge gekommen, aber absurderweise hat es einen immer weiter an den Rand getrieben. Das war aber auch nicht schlimm, denn da gab es immerhin ein bisschen Luft zum Atmen. Es war wirklich ein grandioses Geballer, das Album von Ninajirachi verströmt einfach so eine tolle Energie, vielleicht wieder einmal mit das Festival-Highlight gewesen. Sehr glücklich den Club verlassen und dann zu Fuß nach Hause.

Tag 2:

Der zweite Tag ist für mich am besten aufgegangen, hier habe ich die tollsten Sachen und auch Überraschungen erlebt. Es ging früh los mit Son Rompe Pera, selbst treffend beschrieben mit "Marimba Punk", aber es ist auch eine Cumbia-Band. Sieht man auch nicht alle Tage, wenn man es nicht gezielt aufsucht. Ich hatte meinen Spaß, die hatten ihren Spaß und das war sehr schön tanzbar und ein positiver Start in den Tag. Danach ging es zur Linné Stage im Zelt zu Sara Parkman, zu der ich nur hingeschleppt wurde, ohne sie zu kennen. Der Plan war eigentlich, den Anfang zu gucken und dann zu Annahstasia zurück zur Höjden Stage zu gehen, aber nach ein paar Songs war klar: Ich bleib hier. Das war richtig toll und intense. Die schwedische Musikerin tritt in einer traditionellen Tracht auf und macht schwedische Volksmusik mit modernem Anstrich und einem offensichtlichen Bruch mit Traditionen. Das war ein mächtiger Sound und so kraftvoll, auch wenn ich kein Wort verstanden habe, hat mich das richtig berührt und mitgerissen. Die Leute haben viel mitgesungen an dieser Stelle, das war was ganz Besonderes. Überraschungshighlight.

Danach ging ein bisschen der Pain los, weil ein paar Abgesandte unserer Gruppe Geese sehen wollten, die im Zelt doch mal wieder fehlplatziert waren, zumindest von ihrer Größe. Nektar waren noch dazwischen, ein aufstrebender schwedischer Rock-Act. Sehr junge Männer, sehr generische Rockmusik, die mich nicht wirklich gekriegt hat. Den Mädels neben mir hat es aber sehr gut gefallen, die sind richtig abgegangen, das hat ein bisschen abgefärbt und sie haben mir zugefächert, das war sehr wertvoll bei den Temperaturen im Zelt. Dazu gab es Vogelvisuals, das hat mich auch besänftigt. War den Umständen entsprechend okay. Aber Geese danach waren dann wieder einfach nur krass. Das war mal wieder großartig. Es war ein schwitziges Rumgeschiebe und die Band legt einfach einen so krassen Sound und so eine lässige Tightness an den Start, das ist wirklich toll. Einen Song wie "Taxes" in dieser euphorischen Masse zu erleben ist wirklich unvergleichlich aktuell – kann man sich auf Platte glaube ich gar nicht so gut vorstellen. Mich hat es noch mehr mitgenommen als das Konzert in Hamburg. Vielleicht hätte das auf der Main Stage auch gar nicht so gut funktioniert wie im Zelt, wer weiß? Großartig jedenfalls, mindestens Tageshighlight.

Danach musste ich echt erstmal runterkommen. Habe mich vor die Höjden gesetzt und mein Leben hinterfragt. Das kann so doch nicht weitergehen, ich muss auf noch mehr Konzerte gehen. Na ja, danach Fcukers auf Höjden. Geile Live-Band, gehen immer, auch hier wieder wirklich toll und spaßig gewesen.

Danach ging es zu Nick Cave And The Bad Seeds. Bin ich ja auch schon ne Weile Fan, auch wenn ich ihn jetzt lange nicht mehr aktiv gehört habe. Live auch immer über alle Zweifel erhaben. Die hatten es richtig eilig auf die Bühne zu kommen, haben 5 Minuten früher angefangen, weil sie meinten, sie haben bei ihrem 2-Stunden-Slot "wenig Zeit" heute. Nick Cave natürlich wieder immer mit einem Bein mitten im Publikum, schreit die Leute an, sucht die Nähe. Für mich waren in der Setlist leider recht wenige Highlights dabei, aber dennoch war es mal wieder gewohnt gut. Auch hier habe ich mich etwas früher nach hinten verabschiedet und das Ende dort geguckt, weil ich es noch ins Zelt schaffen wollte.

Lykke Li ist für mich eine Herzenskünstlerin, ich verfolge sie seit dem ersten Album und bin immer Verfechter gewesen, für mich ein underrated Pop-Act. Sie dann nach langer Zeit mal wieder zu sehen und dann auch noch in Schweden, das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Und The Cure hatte ich ja auch gerade erst auf dem Primavera gesehen. Das Zelt war komplett voll und die Menge ist heftigst laut ausgerastet, als sie auf die Bühne kam, aber danach kam dann doch nicht so viel vom Publikum. Um mich herum war es recht verhalten, die Leute kannten obviously die meisten Songs nicht. Ich bin am Ende doch der einzige Lykke Li Fan, den es gibt. Ich hatte auf einen schönen, riesigen Chor während Songs wie "No Rest For The Wicked" gehofft, aber das blieb bei mir in der Gegend leider aus. Dennoch war es richtig schön. Teils ist die Menge auch ganz gut ausgerastet, bei Songs wie "Little Bit", "Possibility" und auch "Get Some", bei dem ich nicht wusste, dass das bis heute so ein bekannter Song von ihr zu sein scheint. Aber es gab natürlich komplett kein Halten mehr bei "I Follow Rivers", der dann natürlich auch in dem Magician Remix gipfelte. Das war schon heftig, wie dazu dann alle ausgerastet sind. Danach dachte man, es sei natürlich vorbei, aber Lykke Li kam nochmal auf die Bühne, sagte irgendwas auf Schwedisch ins Mikro, zündete sich ne Kippe an und es lief plötzlich "The Rhythm Of the Night" von Corona vom Band, zu dem nochmal alle abgegangen sind, während sie zum Publikum tanzte. War vielleicht nicht mein bestes Lykke Li Konzert, aber ich bin froh, sie mal wieder gesehen zu haben, war schon sehr schön.

Danach bin ich dann zu The Cure rüber gegangen, aber ich habe auch gemerkt, dass ich da jetzt nicht mehr so richtig reinkomme und dass mir nun auch ziemlich die Füße weh taten. Ich habe mich hinten n bisschen hingestellt und mir einfach mal "One Hundred Years" gewünscht und der kam dann weirdly auch direkt als nächstes. Ach guck. War geil, danach habe ich dann zu "End Song" das Gelände verlassen.

Wo kann man sitzen? In der Kirche in der Nähe zum Festivalgelände! In der Annedalskyrkan fand ein Stay Out West Konzert von Sven Wunder statt, der im weitesten Sinne Filmmusik macht, sehr jazzig dabei. Die Kirche war okay besucht, hier wäre man aber auch bis zum Ende ohne Probleme reingekommen. Das war eine sehr schöne Darbietung, war entspannt und hat die große Kirche in schönes Licht getaucht. Für mich war das ein gelungener Abschluss eines richtig schönen Festivaltages. Kann ich empfehlen, sich den in einem schönen Rahmen mal zu geben, das war musikalisch auch wirklich fein.

Tag 3:

Den dritten Tag habe ich recht entspannt angehen lassen, habe mich in ein Café gesetzt und gelesen, damit fiel für mich leider Anoushka Shankar flach, über die in hohen Tönen berichtet wurde. Ich hatte mir aber danach auch eine andere Mission vorgenommen, während eine kleine Gruppe am Minigolfen war: Kino. Es gibt ein Kinozelt auf dem Gelände und zu diesem Slot wurden Kurzfilme gezeigt, das wollte ich mir mal geben. Leider habe ich da mal wieder schmerzvoll gemerkt, dass das Gelände zu klein ist und das hier dann doch sehr schlecht geplant ist. Das Zelt ist ein zu den Seiten offenes Zelt direkt neben der Elektro-Bühne. Das heißt man hat diese experimentellen Kurzfilme die ganze Zeit mit so einem Beat im Hintergrund gehört. Das ist schon irgendwie sehr unglücklich. Ich wollte es aber dennoch durchziehen. Drei anregende Filme angeguckt, hat trotzdem Spaß gemacht.

Danach bei Saint Etienne gab es dann leider nach zwei Songs einen langen Totalausfall beim Sound, sodass sich die band kurzzeitig verabschiedet hat. Ich hab mich dann in den Biergarten gesetzt, als ich mir dann eins der seltenen Biere dieses Wochenendes gezapft hatte, fing die Band doch wieder an. Und mit dem Glas Bier darf man den Biergarten nicht verlassen. Na ja, ich habe mich nicht allzu sehr stressen lassen, aber konnte dann noch das Ende mitnehmen. War abgesehen von der Unterbrechung ein spaßiger Auftritt.

Danach kam Ezra Collective. Die haben eine Weile gebraucht, haben aber das Publikum ordentlich eingeheizt mit der Zeit. Das war sehr anregend und hat die träge Masse richtig aufgeweckt, war schön, das zu sehen. Leider habe ich meine Toilettenpause genau so getimed, dass ich Damon Albarns Gastauftritt verpasst habe, aber gibt schlimmeres. Smerz auf der Höjden waren dann ganz cool, haben mich aber auch wirklich nicht umgehauen, war voll in Ordnung.

Danach ging es schon zu Lorde und das war mal wieder großartig. Auch hier zeigte sich das Publikum sehr verhalten, drei Ü30-Dudes umgeben von Teenagern und die Ü30-Dudes sind die größten Fans. Es war wenig textsicher um uns herum bis auf manche Songs, aber die Show war trotzdem ganz toll. Ich fands visuell wieder sehr cool gemacht und die Setlist war auch in Ordnung für etwa eine Stunde Spielzeit. "Supercut" ist ja immer ein geiler Song, aber irgendwie hat der an dem Abend anders gehitted, das war richtig krass. Irgendwann schaukelte sich das Publikum auch etwas mehr hoch, es wurde gesprungen und getanzt, einfach eine richtig gute Zeit. Wie immer richtig gut.

Danach kamen Gorillaz. Da wir bei Lorde bis zum Ende vorne geblieben sind, sind wir bei Gorillaz hinten geblieben. Mein Plan für Gorillaz war eigentlich nur gucken, ob mich das kriegt und wenn nicht, zum Stay Out West weiterziehen. Beim Primavera 2022 sind sie zwei Mal aufgetreten und haben eine kollektive Underwhelmung ausgelöst, gefühlt fand die niemand damals gut. So hatte ich sie dann auch abgespeichert, beim Primavera dieses Jahr hab ich sie mir gar nicht angeguckt, entsprechend war auch meine Motivation für diesen Gig. Aber meine Güte, ich fands diesmal richtig geil. Es war für mich das unerwartete Tageshighlight. So ein druckvoller Sound, Damon Albarn richtig gut drauf und nicht so am durchhängen. Die neuen Songs, die bei mir bisher nicht so richtig zünden wollten, ballerten plötzlich. Aber natürlich haben mich auch die Klassiker komplett abgeholt, die ich so natürlich noch nie gehört habe. Das war ganz groß für mich. Gorillaz damit für mich rehabilitiert, muss ich mir bei Gelegenheit wieder anschauen. Neues Album hittet jetzt auch nochmal ganz anders bei mir.

Danach war kollektiver Aufbruch, alle verstreuten sich in Richtung ihrer Unterkünfte und auch ich machte mich auch auf den Heimweg. Aber ich wagte auch nochmal einen kleinen Blick in die App und siehe da: Der Stay Out West Gig von Bleech 9:3 und Westside Cowboy war noch nicht einmal “busy”, da war noch grünes Licht. Ich dachte mir also, ich probiers einfach mal. Einfach zu Fuß los gelaufen zum Folkteatern, das direkt gegenüber von dem bereits erwähnten Pustervik ist. Dieses war schon voll mit langer Schlange, das sollte wohl heute noch von Jane Remover removed werden. Na ja, ich wollte noch eine andere Location sehen und stellte mich dann am Folkteatern an. Nach etwa 25 Minuten war ich drin, aber Bleech 9:3 musste ich dann leider verpassen, weil die Venue drinnen auch nochmal Einlassstopp hatte. Da habe ich aber auch noch eine wichtige Sache über das Stay out West gelernt: Die Leute hängen auch einfach nur in den Venues ab, ohne Konzerte zu gucken. Weil man da halt trinken darf. Das bedeutet erstens, dass mehr Menschen reingelassen werden, als in die Säle an sich passen und zweitens, dass immer wieder Leute rausgehen, auch wenn das Hype-Konzert des Abends noch gar nicht angefangen hat. Also deshalb: Einfach versuchen, vielleicht sogar, wenn es schon als voll markiert ist.

Aber nun gut, irgendwann waren Bleech 9:3 dann fertig und ich konnte rein und direkt in die 2. Reihe. Westside Cowboy kamen dann zu ABBA auf die Bühne und brachten eine Menge Motivation mit zu so später Stunde. Und ich weiß nicht, was es mit dieser Band auf sich hat. Es ist finde ich wirklich nicht die spannendste Musik auf Platte, aber live bringen die so einen druckvollen Sound und so eine tolle Dynamik mit, das ist einfach nur mitreißend. Das Publikum hat sich zwar nicht bewegt, war aber echt begeistert. Das war nochmal ein richtig toller Abschluss. An einer sehr ruhigen Stelle haben Leute dann leider so viel gelabert, dass der halbe Saal ge"shhh"t hat. Vor Allem bei einem Konzert, wo andere dann irgendwann doch nicht mehr reinkommen und dann geht man da hin, um sich zu unterhalten. Richtig unnötig. Aber dennoch war es ein großartiger Gig und ein würdiger Abschluss. Ich bin richtig happy nach Hause gegangen.

Am nächsten Tag sind wir dann alle recht kaputt, aber ich denke mal auch sehr zufrieden Heim gefahren. Ich fand es war wirklich ein tolles Festival mit phänomenalen Konzerten und wenn das Line Up wieder stimmt, würde ich es wieder in Erwägung ziehen und kann es sehr empfehlen.

Highlights:
Ninajirachi
Sara Parkman
Geese
Arthur Verocai
Gorillaz
Westside Cowboy
Zuletzt geändert von MairzyDoats am So 23. Aug 2026, 08:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Festivalberichte

Beitrag von rogerhealy » Sa 22. Aug 2026, 12:04

@MairzyDoats
Schöner Bericht!
Interessant finde ich deine Wahrnehmung bzgl. der Gorillaz: Ich fand die 2022 beim Primavera richtig gut, und hatte das Gefühl, dass fast alle einigermaßen begeistert waren. Das 2024er Konzert beim Primavera hab ich nur am Bildschirm verfolgen können und fand es viel schwächer.
Volle Zustimmung bei Westside Cowboy: Das Album haut mich nicht um, aber live sind die grandios. Schade, dass sie Hamburg bei ihrer Herbst-Tour links liegen lassen...

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Re: Festivalberichte

Beitrag von MairzyDoats » So 23. Aug 2026, 08:48

rogerhealy hat geschrieben:
Sa 22. Aug 2026, 12:04
@MairzyDoats
Schöner Bericht!
Interessant finde ich deine Wahrnehmung bzgl. der Gorillaz: Ich fand die 2022 beim Primavera richtig gut, und hatte das Gefühl, dass fast alle einigermaßen begeistert waren. Das 2024er Konzert beim Primavera hab ich nur am Bildschirm verfolgen können und fand es viel schwächer.
Volle Zustimmung bei Westside Cowboy: Das Album haut mich nicht um, aber live sind die grandios. Schade, dass sie Hamburg bei ihrer Herbst-Tour links liegen lassen...
Ja spannend, aber so isses manchmal, ich hab echt so viele verhaltene Stimmen zu den Gorillaz Gigs von 2022 gehört. Evtl war ich damals aber auch nicht so richtig empfänglich für die Musik.

Witzigerweise zündet das Westside Cowboy Album jetzt bei mir ganz gut durch die live Erfahrung, weil ich die Songs noch so präsent habe. :grin:
Ich hoffe aber auch, dass die nochmal auf ne normale Headliner Club-Tour nach Deutschland kommen und dann auch in Hamburg Halt machen.
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Re: Festivalberichte

Beitrag von fipsi » So 23. Aug 2026, 14:13

Ich war gestern als Tagesbesucher beim ArcTanGent. Das Festival fand zum letzten Mal in der Nähe von Bristol statt. Der letzte Tag konnte mit einem sehr exklusiven Line Up locken, bei dem ich nicht zu lange überlegen musste. Also wurde ein Kurztrip nach Bristol mit bisschen Sightseeing geplant. Das Festivalgelände liegt etwa eine halbe Stunde außerhalb der Stadt. Für mich war dann eine Taxifahrt die günstigste Option. Die Abreise gestaltete sich dank des schlechten Netz vor Ort aber schwierig. Da hätte man schon ein besseres Angebot bieten können für Tagesbesucher. Die angebotenen Busse waren mit 45 Pfund pro Fahrt auch kein Schnäppchen. Aber gut nächstes Jahr mit der neuen Location noch mehr im Nirgendwo wird das kein Thema mehr sein.

Kommen wir aber nun zu den positiven Punkten. Denn davon gab es mehr als genug. Gegen Mittag bin ich auf dem Festivalgelände angekommen. Dank der vielen campenden Besuchern war schon ordentlich was los und ich war überrascht von der Größe. Ich hatte dann die Befürchtung, dass es anstrengend werden könnte. Der Eindruck wurde zum Glück nicht bestätigt. Ich habe selten so ein angenehmes Publikum bei einer Besucherzahl im fünfstelligen Bereich erlebt. Insgesamt gab es vier Zeltbühnen von denen abwechselnd je zwei bespielt wurden. Im kleinsten Zelt habe ich dann auch direkt den Auftritt von Tanzana mitgenommen. Die sehr junge Band aus Glasgow spielte Alternative Rock, der ganz gut war um anzukommen. Kurz danach sollte das erste von vielen Highlights des Tages kommen. Jo Quail durfte zusammen mit dem Crossbones Ensemble und Percussions ihre vom Cello getragene Musik auf der Hauptbühne präsentieren. Das Zelt war dabei schon ordentlich besucht und viele saßen entspannt mit ihren Campingstühlen an den schattigen Plätzen. Wahrscheinlich dürfte die Hälfte der Crowd sie schon mal bei einem der zahlreichen Supportgigs gesehen haben. Publikum und Musikerin waren sich jedenfalls sehr vertraut. Es war schön ruhig in der Menge und durch die zusätzlichen Bläser konnte der Sound perfekt erweitert werden. Toller Auftritt. Mit ihr kann man einfach nie etwas falsch machen. Danach habe ich erstmal bisschen das Gelände erkundet und ein Blick in die anderen Zelte geworfen ohne irgendwo hängen zu bleiben.

Bald wurde es schließlich Zeit für eine meiner meistgesehensten Livebands nach einer langen Pause. Die Rede ist von Oathbreaker, die zum zehnjährigen Jubiläum ihres Albums Rheia ein paar ausgewählte Shows spielen. Das große Zelt füllte sich sehr schnell und es gab sehr viel Church of Ra Merch zu sehen. Schon beim Opener 10.56 hatte ich direkt Gänsehaut. Ich hätte nicht gedacht nochmal die Chance zu haben die Band nach der Auflösung zu sehen und dann auch noch vor einer so großen Menge. Die sorgte wohl auch dafür, dass mit dem Beginn von Second Son of R. sofort ein Pit ausgebrochen ist. Da wurden echt einige Leute mit der Zeit ordentlich zerlegt und wurden nach vorne abwechselnd mit den zahlreichen Crowdsurfern rausgezogen. Es war dann nicht nur körperlich, sondern auch emotional komplett mitreißend. Wahnsinn, was für großartige Songs das Album hat und wie gut die Band es immer noch schafft ihren ganz eigenen Sound auf die Bühne zu bringen. Selbst die Balladen haben funktioniert und die Masse hat geschwiegen. Es war einfach nur fantastisch. Am Ende wurde die vorgegebene Spielzeit deutlich überschritten und es wirkte so als ob der Sound abgedreht wurde. Keine Ahnung, wie man die Band für die Albumshow mit zu kurzer Spielzeit buchen konnte. Dadurch war jedenfalls das Ende etwas zu abrupt und die Pause zur folgenden Band auf der Hauptbühne deutlich geringer als erwartet. Mit Chat Pile kam dann der komplette Kontrast auf die Bühne. Die Musik ist deutlich einfacher zu greifen und weniger experimentell. Es macht aber schon Spaß und der Sänger kann mit seinen Ansagen ordentlich unterhalten und widmete das Set Otis Redding. Ich habe mir hier das Treiben von etwas weiter hinten angesehen. Selbst da war die Staubwolke noch übel. Bei einem Festival würde ich wohl die Chance definitiv nochmal nutzen die Band mitzunehmen und anderswo wäre das sicherlich ein Tageshighlight geworden. Danach habe ich mir erstmal eine Essenspause gegönnt. Es gab echt zahlreiche Stände mit akzeptablen Preisen. Ein wenig gestört hat mich das Angebot an alkoholfreien Getränken. Da hat ist mittlerweile einfach mehr drin an Abwechslung. Immerhin waren die Preise mit 3€ pro Dose fair und es gab kostenlos Wasser.

Als nächstes folgte dann Eivør mit ihrem großen Stilmix, der an dem Tag schon eine gelungene Abwechslung darstellte. Die Musik war stellenweise richtig schön tanzbar und war eher für die Feelgood Vibes da. Wirklich bleibenden Eindruck konnte das aber nicht hinterlassen und deshalb habe ich nochmal kurz bei A.A. Williams vorbeigeschaut. Das neue Album hat durchaus schöne Momente, aber live holt mich das nur bedingt ab. Irgendwie ist die ganze Darbietung zu trocken um einen komplett mitzureißen. Deshalb bin ich dann zurück ins größte Zelt. Dort haben sich schon sehr viele Zuschauer versammelt und warteten auf den Headliner des Abends. Mit Mariner von Cult of Luna & Julie Christmas feierte ein weiterer Post-Metal Meilenstein zehnjähriges Jubiläum. Die weltweit einzige Show war also der große Abschied des Tages und Standorts. Schnell merkte man, wie international die Crowd vor der Bühne wurde. Die Spannung war wirklich zu spüren und wurde mit dem langen Intro noch mehr aufgebaut. Als dann A Greater Call voll eingeschlagen ist, wurde die Stimmung noch besser. Viele haben jedes Wort mitgeschrien und waren einfach sofort dabei. Cult of Luna haben mal wieder gezeigt, warum sie zu den besten Livebands des Genres gehören. Der Sound war perfekt und jedes Riff wurde so unfassbar gut durch den farbigen Nebel gejagt. Passend zu den Farben des Albums gab es eine sehr schöne Lichtshow in deren Schatten man die Band und Julie Christmas nur noch erahnen konnte. Sie hebt mit ihren Vocals und der Performance alles nochmal auf eine ganz andere Stufe für mich. Es ist einfach die perfekte Mischung. In der Stunde hat alles gepasst. Das wird noch sehr lange nachwirken und hat unterstrichen, warum ich das Album so sehr liebe. Der Trip hat sich echt gelohnt. Einer der besten Tagesbesuche, die ich je bei einem Festival hatte.

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NOS Alive Festival 09.-11.07. in Algés bei Lissabon

Beitrag von Fender24 » Di 25. Aug 2026, 23:45

Wir waren im Juli beim NOS Alive Festival bei Lissabon. Aus Zeitgründen kam ich erst jetzt dazu, hierzu etwas zu schreiben.
Es ist insgesamt mein 3. Festival im Ausland. Zuvor war ich zwei Mal beim Primavera Sound Festival in Barcelona.
Wir waren eine Gruppe von 4 Personen und hatten das Festival als Anlass genommen, nach Lissabon zu reisen und somit auch etwas Sightseeing zu machen. Ich möchte mich an dieser Stelle auf meine Eindrücke vom Festival beschränken.

Das NOS Alive Festival ist insgesamt mit wohl ca. 40.000 Besuchern pro Tag deutlich kleiner als so manch anderes Major-Festival in Europa. Die Spitze des Line Ups war mit den Foo Fighters, Twenty One Pilots, Florence + The Machine, Nick Cave & The Bad Seeds und Lorde außerordentlich namhaft bestückt und hat unseren Geschmack sehr gut getroffen, nicht zuletzt deshalb hat es uns hier hin gezogen. Aber auch abseits der Headliner gab es einige interessante Acts zu sehen.
Der Preis für ein Full-Weekend-Ticket war mit 210 € für das Line-Up mit diesen Headlinern mehr als fair. Vermutlich hat hier auch der überpräsente Hauptsponsor Heineken stark unterstützt.

Das Festival-Gelände befand sich in Algés etwas außerhalb von Lissabon und lag an der Einmündung des Tajo in den Atlantik. Das Gelände war sehr schön gestaltet und bestand aus zwei größeren Bühnen und viele weiteren kleinen Bühnen. Auf den kleineren Bühnen spielten jedoch fast ausschließlich zahlreich gebuchte kleinere lokale Acts. Wir hielten uns hauptsächlich an der Hauptbühne (NOS Stage) und der großen Zeltbühne (Heineken Stage) auf, hier spielten fast ausschließlich internationale Künstler. Die Atmosphäre insgesamt habe ich als sehr entspannt empfunden, ich habe deutlich weniger Gedränge wahrgenommen als auf anderen größeren Festivals und es war oft auch während der großen Acts noch möglich weit nach vorn zu kommen. Das Durchschnittsalter hätte ich wohl auf Mitte 30 geschätzt.

Am Donnerstag, den 09.07. war unser erster Festival-Tag. Wir waren ca. 18:00 Uhr an dem Gelände angekommen. Die Bändchenvergabe war sehr gut organisiert, nach nur wenigen Minuten Anstehen hatten wir unser Festivalbändchen. Nachdem wir uns erst einmal etwas das Gelände an sich erkundet haben, begaben wir uns dann anschließend zu den Bühnen. Hier haben wir noch einen Teil von A Perfect Circle mitbekommen, sind dann aber zur Heineken Stage weitergezogen, denn dort haben die Alabama Shakes gespielt. Das war ein erstes Highlight. Die Band um Front-Sängerin Brittany Howard spielte ein Mix aus den beiden Alben „Boys & Girls“ und „Sound & Color“ und hatte sichtlich Spaß. Auch ein neuer Song vom kommenden Album war dabei. Für mich war es das erste Konzert dieser Band.

Danach ging’s für uns rüber zur Hauptbühne, wo Nick Cave & The Bad Seeds auftraten. Was für ein intensives Konzert! Zunächst standen wir weiter hinten, sind dann aber weiter nach vorn vorgerückt. Die Show begann mit „Get ready for love“, zu meiner Freude folgte dann auch gleich „From her to eternity“. Nick Cave befand sich hauptsächlich auf dem Steg vor der Bühne ohne Barriere direkt vor all seinen Fans, stieg in die Menge und genoss es sichtlich, jedem einzelnen die Hand zu schütteln. Ansonsten gab es Songs aus allen Schaffensperioden, besonders einnehmend war dann vor der Zugabe der Song „Hollywood“, in dem er den Tod seines Sohnes verarbeitet. Mit dem Song „Into my arms“ verabschiedete er seine sichtlich glücklichen Fans.

Auf Matt Berninger, der im Zelt spielte, verzichteten wir, um uns einen guten Platz für Twenty One Pilots zu sichern. Ich mag ihn, habe ihn aber im letzten Jahr bereits gesehen und hatte Twenty One Pilots aufgrund der unglücklichen Überschneidung beim Hurricane nur teilweise sehen können. Nun also das volle Konzert. Obwohl ich sie auf Platte eher selten höre und ihre Musik auch gar nicht so herausragend finde, war ich erneut überwältigt von der Live-Performance, das Duo ließ mit Hilfe ihrer Musik auch keinen Moment aus, die Stimmung anzuheizen. Der Drummer kletterte auf den Turm rechts neben der Bühne und der Sänger/Rapper performte zwischenzeitlich auf einer beweglichen Metalltafel. Spätestens bei den Schluss-Songs „Stressed Out“ und „Trees“ war das Publikum völlig in Ekstase. Danach war für uns Schluss, das Projekt TOMORA ließen wir dann aus, um den nächsten Zug zur Unterkunft noch zu erreichen.

Am nächsten Tag ließen wir es ruhig angehen und verbrachten den Großteil des Tages am Strand, das Festivalgelände haben wir erst deutlich später, aber gerade noch rechtzeitig zu Wolf Alice erreicht. Die Band hatte ich gerade erst vor wenigen Wochen auf dem Hurricane-Festival gesehen, ich mag sie aber so gern, dass ich sie mir immer wieder gern anschaue. So war auch das Konzert wieder richtig schön. Das Publikum um mich herum blieb jedoch recht verhalten, vermutlich waren viele auch hauptsächlich für die Foo Fighters vor der Bühne, die dort danach spielen sollten. Nach etwa der Hälfte der Wolf Alice-Show haben wir uns dennoch zur großen Zeltbühne aufgemacht, wo The War On Drugs anfingen zu spielen. Für mich war es das erste Konzert dieser Band überhaupt und ich habe das Konzert als absolutes Must-See eingeplant, da ich auch alle ihre Alben sehr mag. Das Konzert war dann auch total passend für diesen warmen Sommerabend und die Band verspürte eine große Spielfreude. Viele im Publikum um uns herum ließen sich von der beschwingten, treibenden bis z.T. euphorischen Musik anstecken und tanzten, auch für uns hätte das Konzert gefühlt noch ewig so weitergehen können.

Danach gings von uns wieder ab zur Hauptbühne, da dort nun der Hauptact und Headliner des Tages, die Foo Fighters spielen sollten. Wir kamen recht spät, als sie mit „All My Life“ begannen, haben uns dann aber noch ein ganzes Stück nach vorne begeben können. Das Publikum war spätestens nach den folgenden „The Pretender“ und „Times Like These“ in völliger Ekstase, sprangen und sangen kollektiv mit. Dave Grohl selbst schien gut gelaunt und sprach mehrfach darüber, wie sehr die Band Portugal vermisst habe – schließlich sei es der erste Auftritt seit neun Jahren gewesen. Die Setlist bestand aus so gut wie allen großen Hits, das aktuelle Album wurde hierbei komplett ausgespart. Toll fand ich die Bandvorstellung durch Dave Grohl - er stellte die Musiker vor, indem jeweils ein Song aus deren musikalischer Vergangenheit angespielt bzw. gespielt wurde. Er machte aus der Bandvorstellung damit eine kleine Reise durch die Musikgeschichte der einzelnen Musiker. Zum Schluss gab es wie gewohnt noch „Everlong“ und die vielen Besucher sahen nach dem 2,5 Stunden langen Konzert sehr happy aus.

Danach sind wir noch mal rüber zur großen Zeltbühne, wo Zara Larsson mit „Midnight Sun“ eröffnete und aus Rock plötzlich eine riesige Tanzparty wurde. Obwohl mir die Musik auf Platte nicht viel gibt, war die Show recht unterhaltsam. Neben der Kulisse aus einer grünen Wiese und den farbenfrohen Visuals sorgten die Tänzerinnen und die passende Musik an sich für etwas sehr spielerisch-leichtes. Highlight war natürlich „Lush Life“. Kurz vor Ende des Konzertes haben wir dann wieder den Heimweg angetreten.

Nachdem wir am Folgetag einen Ausflug zum hübschen Küstenstädtchen Cascais gemacht haben, wollten wir pünktlich zu Florence Road wieder auf dem Gelände sein. Ich habe die noch sehr junge Band mal als Support eines Konzerts von Wolf Alice in der Columbiahalle Berlin gesehen und fand sie damals schon recht interessant. Seitdem verfolge ich sie und mag auch die Musik ihrer EPs. Sie wirkten live auch schon deutlich freier und selbstbewusster. Die vier Frauen wirkten, als würden sie gerade vor den Augen des Publikums wachsen. Bei „Hanging Out to Dry“ kam dann alles zusammen: ein eingängiger Song, eine junge Band, die sichtlich Spaß auf der Bühne hatte, und ein Publikum, das den Refrain lautstark mitgesungen hat.

Bei Lorde dann auf der Hauptbühne war die Atmosphäre dann noch intensiver und emotionaler.
Die Show begann mit der Mitsing-Hymne „Royals“, worauf dann der Hit vom neuen Album „What was that“ folgte. Die Inszenierung war am Anfang zunächst recht reduziert, später wurde es dann deutlich intensiver. Besonders schön: „Liability“ – hier wurde ein Video von Lorde als jüngeres Mädchen auf ihren Körper projiziert. Und Lorde hatte einen ganz persönlichen Bezug zu Florence, die nach ihr auf der Hauptbühne spielte: Sie erzählte dem portugiesischen Publikum, dass ihre Mutter ihr als Kind Musik von Florence + The Machine vorgespielt hatte. Dass sie nun unmittelbar vor Florence auf derselben Bühne spielte, bezeichnete sie sinngemäß als einen besonderen Traum. Mit den Songs „Girl, so confusing“, „Green Light“, „David“ und schließlich „Ribs“, bei dem Lorde durch die Menge bis zu einer Stage mitten in der Menge ging, endete das Konzert absolut euphorisch.

Als wäre das Konzert von Lorde nicht schon ein Höhepunkt des Tages gewesen, sollte dann auf der gleichen Bühne der nächste Höhepunkt warten: Florence + The Machine. Ich hatte sie vor einigen Wochen bereits auf dem Hurricane gesehen und war dort schon völlig beeindruckt von der gesamten Inszenierung aus Musik, Spiritualität und Gemeinschaft. Daher störte es mich überhaupt nicht, dass ich das komplett gleiche Konzert noch einmal erleben durfte. Wieder war ihre körperliche Präsenz enorm. Sie war ganz in rot gekleidet, barfuß und begleitet von 4 Tänzerinnen. Sie rannte, sprang und bewegte sich immer wieder weit über die Bühnen hinaus. Die Setlist selbst war eine gute Mischung aus Songs des aktuellen Albums und den großen Klassikern wie „Shake it out“, „You Got the love“ oder „Never let me go“. Den größten Moment erlebten wir bei „Dog Days Are Over“, bei dem Florence das Publikum bat, die Handys wegzustecken. Eine riesige Menge Menschen, die nicht durch Smartphone-Bildschirme voneinander getrennt war, sondern gemeinsam sang und tanzte. Nach dem Konzert war der dritte und letzte Festivaltag für uns vorbei und wir nahmen die nächste Bahn auf dem Weg zu unserer Wohnung.

Fazit:
Es war für uns insgesamt ein sehr schönes Festival, eingebettet in einen Urlaub. Das Gelände ist nicht zu groß aber recht idyllisch und mit ein paar ruhigeren Plätzen gestaltet, die Menschen waren insgesamt entspannt, ich kann mich auch nicht erinnern, mal auf erkennbar besoffene Menschen gestoßen zu sein. Die Essensauswahl war sehr gut, von einem Hot-Dog bis zu veganem Essen war alles dabei. Die Preise waren keinesfalls teurer als auf deutschen Festivals und die Portionen erschienen größer im Vergleich. Auch die An- und Abreise war durch die Bahnhaltestelle direkt am Festival gut geregelt, die Bahn fuhr selbst nachts halbstündlich in die Innenstadt Lissabons sowie in die andere Richtung. Nicht wenige nutzten aber auch die zahlreich vorhandenen Taxis.

Gerade nach diesem Wochenende bin ich ein Fan von der Kombination Festival und Sightseeing in einer schönen Stadt. Wer darauf steht, dem bieten sich mit Lissabon beste Möglichkeiten. In Lissabon kann man eine Menge schöner Plätze entdecken oder sich gut auch einfach nur treiben lassen. Auch das Umland bietet mit seinen hübschen Küstenstädten in der Nähe viel. Wir können insbesondere auch einen Ausflug auf die Burg Sintra nordwestlich von Lissabon wärmstens empfehlen. Nach all den schönen Tagen kann ich mir gut vorstellen, dieses Festival und diese Stadt erneut zu besuchen!

stylex
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Re: Festivalberichte

Beitrag von stylex » Mi 26. Aug 2026, 16:39

Da man in den mir bekannten Musik/Festival-Foren sehr wenig zum Golden Leaves Festival in Darmstadt liest, hier mal ein kleiner Bericht zum letzten Sonntag (hatte ein Tagesticket).
Ich war vor zwei Jahren bereits einmal für einen Tag dort und mir war klar, dass ich bei passendem Lineup alleine schon auf Grund der netten Atmosphäre und der schönen Location irgendwann zurückkommen werde. Das Gelände liegt mitten im Wald und ist 25 Minuten Busfahrt von Darmstadt Hbf entfernt. Sowohl auf dem Hinweg als auch auf dem Rückweg musste man nie lange auf einen Bus warten. Man merkt schon beim Betreten des Geländes, dass hier, was Deko und Beleuchtung angeht, sehr viel Liebe ins Details gesteckt wurde.
Am Eingang steht auf einem Schild direkt der Timetable des jeweiligen Tages, der bei diesem Festival nicht vorab veröffentlicht wird.
Das Festival ist sehr familienfreundlich und auf den vielen freien Flächen sind überall Picknickdecken ausgebreitet. Durch den vielen Platz gibt es nirgendwo auf dem Gelände Engstellen und man kann innerhalb von 2-3 Minuten fast immer die Bühne wechseln.
Es gibt drei Bühnen. Die Hauptbühne, die „Rücken an Rücken, mit ein paar Bäumen dazwischen, zur zweiten Bühne steht und eine sehr kleine dritte Bühne. Da die beiden großen Bühnen abwechselnd bespielt werden kommen sie sich auch sound-technisch nicht ins Gehege.
Das Tagesticket hat in der ersten Preisstufe 54 Euro gekostet. Alle Acts, die ich gesehen habe waren wirklich gut. Hatte ich wirklich selten, dass ein Festival Tag durchgehend so viel Bock gemacht hat. Soft Loft, Art School Girlfriend, Polica, Holly Humberstone und Agnes Obel als absolut würdige Headliner.
Das Publikum war gerade bei den ruhigeren Acts sehr aufmerksam. Keine lautstarken Unterhaltungen im Umkreis, wie es sonst ja inzwischen leider fast Normalität ist. Auch wenn ein paar der früheren Acts von der Art der Musik vielleicht bei Dunkelheit noch besser/atmosphärischer gewesen wären, finde ich es gut, dass man auch die dritte Bühne nicht in ein Zelt gepackt hat, da man bei dieser schönen Umgebung einfach draußen sein will.
Abschließend kann man nur ein großes Lob an den Veranstalter und die vielen freiwilligen Helfer aussprechen, dass man so etwas mit so viel Liebe zum Detail und zu so einem Preis heute noch hinbekommt.

defpro
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Registriert: Fr 20. Mai 2016, 14:38

Re: Festivalberichte

Beitrag von defpro » Fr 28. Aug 2026, 13:20

stylex hat geschrieben:
Mi 26. Aug 2026, 16:39
Da man in den mir bekannten Musik/Festival-Foren sehr wenig zum Golden Leaves Festival in Darmstadt liest, hier mal ein kleiner Bericht zum letzten Sonntag (hatte ein Tagesticket).
Ich war vor zwei Jahren bereits einmal für einen Tag dort und mir war klar, dass ich bei passendem Lineup alleine schon auf Grund der netten Atmosphäre und der schönen Location irgendwann zurückkommen werde. Das Gelände liegt mitten im Wald und ist 25 Minuten Busfahrt von Darmstadt Hbf entfernt. Sowohl auf dem Hinweg als auch auf dem Rückweg musste man nie lange auf einen Bus warten. Man merkt schon beim Betreten des Geländes, dass hier, was Deko und Beleuchtung angeht, sehr viel Liebe ins Details gesteckt wurde.
Am Eingang steht auf einem Schild direkt der Timetable des jeweiligen Tages, der bei diesem Festival nicht vorab veröffentlicht wird.
Das Festival ist sehr familienfreundlich und auf den vielen freien Flächen sind überall Picknickdecken ausgebreitet. Durch den vielen Platz gibt es nirgendwo auf dem Gelände Engstellen und man kann innerhalb von 2-3 Minuten fast immer die Bühne wechseln.
Es gibt drei Bühnen. Die Hauptbühne, die „Rücken an Rücken, mit ein paar Bäumen dazwischen, zur zweiten Bühne steht und eine sehr kleine dritte Bühne. Da die beiden großen Bühnen abwechselnd bespielt werden kommen sie sich auch sound-technisch nicht ins Gehege.
Das Tagesticket hat in der ersten Preisstufe 54 Euro gekostet. Alle Acts, die ich gesehen habe waren wirklich gut. Hatte ich wirklich selten, dass ein Festival Tag durchgehend so viel Bock gemacht hat. Soft Loft, Art School Girlfriend, Polica, Holly Humberstone und Agnes Obel als absolut würdige Headliner.
Das Publikum war gerade bei den ruhigeren Acts sehr aufmerksam. Keine lautstarken Unterhaltungen im Umkreis, wie es sonst ja inzwischen leider fast Normalität ist. Auch wenn ein paar der früheren Acts von der Art der Musik vielleicht bei Dunkelheit noch besser/atmosphärischer gewesen wären, finde ich es gut, dass man auch die dritte Bühne nicht in ein Zelt gepackt hat, da man bei dieser schönen Umgebung einfach draußen sein will.
Abschließend kann man nur ein großes Lob an den Veranstalter und die vielen freiwilligen Helfer aussprechen, dass man so etwas mit so viel Liebe zum Detail und zu so einem Preis heute noch hinbekommt.
Danke für den schönen Bericht. Ich hatte tatsächlich auch Tickets für den Sonntag, musste diese aber krankheitsbedingt leider wieder verkaufen. Die fünf o. g. Acts (+ Hundreds) hätte ich mir ebenfalls angeschaut.

Wie war denn so die Auslastung des Geländes? Man scheint ja dieses Jahr einen Rekord an Besuchern erreicht zu haben, aber ausverkauft war es ja scheinbar nicht. Hatte mich zumindest für den Sonntag etwas gewundert, da Holly Humberstone aktuell mit "To Love Somebody" ziemlich durch die Decke geht und die Tickets auch nicht so teuer waren.

Witzig fand ich auch, dass man mit dem FLINTA-Booking-Konzept in diesem Jahr gar nicht so stark hausieren gegangen ist. Ist mir auch erst beim Reinhören der mir unbekannten Artists aufgefallen, dass wirklich nur Acts mit (prominenter) FLINTA-Beteiligung gebucht wurden.

Werde das Festival auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder auf dem Schirm behalten. Bin mir gar nicht sicher, ob ich mir etwas mehr musikalische Abwechslung wünschen möchte. Auf der einen Seite waren die größeren Slots fast alle irgendwo im Midtempo-Art-Pop verhaftet, was ich mir jetzt nicht unbedingt stundenlang am Stück geben muss (gibt aber auch Schlimmeres). Auf der anderen Seite haben mir die gebuchten deutschen/österreichischen Indie-Pop-Künstlerinnen, die vermutlich alle in Berlin leben und auf TikTok steil gehen, musikalisch überhaupt nicht zugesagt. Daher hoffe ich, dass man den Fokus auf internationale Acts zukünftig so beibehält.

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MairzyDoats
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Re: Festivalberichte

Beitrag von MairzyDoats » Di 1. Sep 2026, 13:30

Rock en Seine 2026

Ich war zuletzt auf dem Rock en Seine in Paris. Ich hatte alles in allem ne sehr gute Zeit, aber kann es tbh dennoch nur bedingt empfehlen. Es war mein drittes internationales Festival dieses Jahr und das dritte Festival im Monat August, also hab ich mir ordentlich gegönnt diesen Sommer. Demnach konnte ich auch die Schwächen des Festivals gut verkraften.

Ich dachte im Vorfeld, dass ich mich ein bisschen übernommen habe, mit Amplifire, dann direkt Way Out West, dann kleine Berlin Sidequest zu Deftones und dann weiter nach Paris zum Rock en Seine. Aber am Ende bin ich doch sehr froh, das gemacht zu haben.

Ich war nur mal als Kind in Paris und erinnere mich an wenig und bin komplett begeistert von dieser Stadt. Ist ja kein Geheimtipp, na klar, aber ich war nicht darauf vorbereitet, wie schön diese Stadt ist. Ich bin gewohnt planlos da rein gegangen, habe das Hotel ausgesucht, weil es günstig war und lustig aussah. Lage wurde zwar gelobt und es war nah an der Seine, aber ich hatte keine Ahnung, was da so in der Nähe ist. Als ich dann einfach mal losgestapft bin, um was essen zu gehen, um dann random ungeplant vor Notre-Dame zu stehen, war wild. Überhaupt war die ganze Gegend mit seinen vielen Brücken und Bauten einfach nur krass. Habe mir dann die nächsten Tage viel Stuff angeguckt, war im Musée d'Orsay (in dem ich random auf Marina Abramović getroffen bin und parallel mit ihr durch die Ausstellung gegangen bin, eine Story die ich ab jetzt jedem immer erzählen werde, sorry not sorry). Einfach toll. Außerdem musste ich täglich zu Land&Monkeys gehen, eine komplett vegane Bäckerei-Kette, die mich komplett fertig gemacht hat. Natürlich die besten Croissants die ich je gegessen habe, aber auch ganz viel anderer wilder Stuff in vegan, das war der Himmel auf Erden für mich. An dem Punkt, als ich dann innerhalb von Paris näher ans Festival-Gelände umgezogen bin, haben die Füse literally schon gebluded, aber auch nix, was ein Blasenpflaster nicht regeln konnte.
Vor dem Festival hab ich noch geguckt, was sonst so in der Stadt ging, wollte gerne noch einen Club von innen sehen und bin dann auf eine gratis Show von Michael Cera Palin im Supersonic gestoßen, die ganz grandios war. Richtig gute Band, stabile Ansagen, Moshpit ging sehr gut ab. Wenn die mal Support von PUP sind oder so, kann ich für nix garantieren.

Aber gehen wir mal rein ins Festival, wird ja schon wieder lang genug hier.

Tag 1 - Mittwoch

Der erste Tag war eigentlich der Hauptgrund für mich, dieses Festival zu besuchen. Eine ganze Menge der Artists hatte ich gerade erst gesehen, aber Tyler, the Creator ist mir zuletzt immer wieder durch die Lappen gegangen. Diesen Tag wollte ich ganz entspannt angehen und mir erstmal alles angucken auf dem Gelände, um dann irgendwann zu Tyler nach vorne. Dennoch war ich beim ersten act am Start, Miki, eine französische Pop-Künstlerin. War ganz spaßig, aber mir ist hier direkt was aufgefallen: Das Publikum bewegt sich nicht. Größtenteils wirklich gar nicht, es wird sehr wenig getanzt und häufig nichtmal mit dem Kopf genickt oder so. Ich dachte mir aber, na gut, ist ja auch erst der erste Act. Dennoch hat sie das Publikum dann tatsächlich zu einem Circle Pit motivieren können und diesen traurigsten Pit der Welt kann man sich nun auch auf Instagram anschauen.
Bin dann so über das Gelände geschlendert, es ist recht klein aber sehr länglich, das heißt die Bühnen sind teils trotzdem weit auseinander, zwischen der Hauptbühne und den kleinsten Bühnen ist man gemütlich schonmal 15 Minuten unterwegs, was natürlich unpraktisch ist, da es in den meisten Fällen gar keine Pausen zwischen den Acts gibt. Das war ohnehin krass, dass man zwischen den Bühnen, die – abgesehen von den beiden kleinsten – wirklich alle recht weit auseinander waren, fast nie Pausen zwischen den Acts hatte. Der letzte Ton war an der einen Bühne gespielt, da ging es an der anderen los. Fünf bis zehn Minuten Ruhe zwischen Konzerten sind schon was wert, habe ich gemerkt. Da hat man sich teilweise ein wenig gefreut, wenn Bands nicht komplett ihre Spielzeit ausgenutzt haben.
An sich ist das Gelände ein Park, aber Ende August lassen die Bäume hier die ersten Blätter und auch der Rasen ist eher Stroh, also sehr schön ist das Gelände nicht. Dennoch gibt es natürlich dann auch hier schöne Statuen auf dem Festivalgelände zu betrachten, dit is Paris, wa. Aber ich glaube mit ein bisschen Lichtspielereien könnte man das Festival noch deutlich ansprechender gestalten. Auch hier tragen die Bühnen Namen von großen Sponsoren, direkt am Eingang gab es einfach einen Stand wo man ne Volkswagen Currywurst bekommen konnte. Sehr viele Stände wieder, wo man irgendwas machen konnte, Karaoke zB, wurde auch wieder viel angenommen.

Ich habe mir dann ein paar Acts noch so am Rande angeschaut, Ravyn Lenae und Magi Merlin, beide haben mich nicht so richtig abgeholt, aber ich hatte auch keine großen Erwartungen, heute abgesehen von Tyler ein Highlight zu sehen. Musste mir dann vor Tyler Sombr angucken und das war erwartbar scheiße. Sombr einfach Kackmusik, sorry.
Na ja, dann ging ein bisschen das Gedränge los für Tyler, the Creator und ich dachte mir, wenn Tyler losgeht, wird das hier ja eh mit dem ersten Ton nochmal wild neu durchgewürfelt. Falsch gedacht. Mit dem ersten Ton gingen erstmal alle Handys hoch und haben fast den ganzen Song mitgefilmt. Das hat sich so ziemlich durch das ganze Set gezogen. Bei jedem Song Euphorie über diesen Song, dann Handy hoch und Filmen, dabei natürlich nicht bewegen. Es wurde vereinzelt gehüpft, aber so ein Trauerspiel habe ich glaube ich noch nicht erlebt.
Tyler hat dabei ne gewohnt krasse Show geliefert, das war musikalisch mal wieder richtig geil. Und die Crowd war heftigst textsicher, aber diese Unbeweglichkeit war komplett skurril. "St. Chroma" hat einen der heftigsten Drops direkt zu Beginn und von dem Publikum kommt: nichts. Der Dude vor mir hat seine Freundin hochgehoben, damit sie was sieht. Guess what, sie hatte dabei ihr fucking Handy direkt vor dem Gesicht. Ich bin normalerweise niemand, der sich darüber aufregt, mache auch immer meine paar Fotos und ab und zu ein Video, aber das war next Level. Jede Ansage wurde mitgefilmt, die Leute haben sich natürlich selbst gefilmt, Snaps gemacht, most documented Event in History. Irgendwann hat sich in der Ferne dann doch noch ein Pit abgezeichnet, als ich mich zu dem dann vorkämpfen konnte, war der Spaß auch schon fast wieder vorbei. Da wurde dann irgendwann noch ein Pit gestartet, der zweittraurigste des Abends, der aber dann schnell wieder unterbrochen wurde, weil irgendwer was verloren hat. Wahrscheinlich ein Handy.
Eine absolut weirde Sache, die das französische Publikum außerdem immer wieder gemacht hat, war zwischen den Songs die Seven Nation Army Melodie anzustimmen, wie in einem fucking Fußballstadion. Hab ich überhaupt nicht gecheckt. "Chromakopia" hätte man ja auch chanten können, aber na ja. Das kam über das Wochenende immer mal wieder vor, aber zum Glück auch nicht durchgehend. Tyler hat dann immer inne gehalten und das unkommentiert gelassen, aber ich hatte das Gefühl, er fand das evtl auch n bisschen weird.

Tylers Setlist zeigt, dass er mittlerweile so einen krassen Katalog hat, dass er den Part, wo er ausgewählte "alte Songs" nur anspielt, dann Songs von Flower Boy oder Igor kommen. Der älteste Song war "She" von Goblin, also auch sowas wie "Yonkers", das er vor ein paar Jahren noch angespielt hat, ist rausgefallen. Aber so gut das alles war, mit dem Publikum war es leider recht ernüchternd. Bin ein bisschen perplex nach Hause gegangen und hatte die Hoffnung, dass der nächste Tag besser wird, bei Lorde erwarte ich ja auch keinen Moshpit.

Tag 2 - Donnerstag

Der Wetterbericht hat ab diesem Tag für den Rest des Festivals nichts Gutes versprochen, es war quasi Dauerregen angesagt. Also Regenponcho eingepackt und los, ich wollte auf jeden Fall direkt den ersten Act erwischen, Florence Road. Das Festival hat für mich sehr humane Zeiten, es geht nachmittags gegen 15 Uhr los und dann nie viel länger als Mitternacht. Das heißt ich konnte immer vor dem Festival noch ein bisschen Paris erkunden, weil die Festivaltage nie so körperlich anstrengend waren wie zB beim Primavera, wo es bis spät in die Nacht geht.

Florence Road waren dann sehr entspannt, ein guter Start. Ist nicht die außergewöhnlichste Musik, aber sie machen ihre Sache eben sehr gut, finde man kann sich die immer geben. Danach @Norakete getroffen und zusammen zu Changeline ans andere Ende des Festivals gegangen. Das war sehr cool, Hyperpop/Rap-Geballer aus Frankreich, sehr skurril und sehr politisch, hat Spaß gemacht. Danach kam dann ein krasser Regenschauer und es hat sich gezeigt, dass dieses Gelände so eines ist, das direkt matschig wird. Also würde ich Gummistiefel brauchen für die nächsten Tage. Zum Glück blieb es heute dennoch immer nur bei vereinzelten Schauern. Ich bin dann in der Gegend geblieben, während Nora schonmal in Richtung Hauptbühne gegangen ist, weil da hat ja irgendwann noch Lorde gespielt.
Ich wollte erst noch was essen und dann auf jeden Fall Wednesday sehen.

Die Essenssituation war ein bisschen verwirrend. Wie es auf Festivals immer üblicher wird, wird auch hier auf ein vermehrt auf ein vegetarisch/veganes Angebot gesetzt, es gab dabei extrem viel vegetarisches, das Festival verspricht 50% vegetarisch, gefühlt war es mehr. Der Hot Dog (!) Stand hatte glaube ich kein Fleisch, wenn ich das richtig gesehen habe. Und so gern ich das sehe, in dem Fall hat es das aber leider mal wieder nicht einfacher gemacht, wenn man vegan ist. Nicht ein einziges Mal habe ich gesehen, dass darauf hingewiesen wurde, dass ausdrücklich was vegan ist. Demnach musste ich auch davon ausgehen, dass die Leute, die das verkaufen, das womöglich auch nicht wissen. Also habe ich möglichst alles gemieden, was irgendwie Käse oder gewisse Saucen haben könnte, am sichersten sind dabei immer Küchen aus Asien, die ja wenig mit sowas arbeiten. Na ja gut. (Essen war natürlich auch noch sehr teuer, aber immerhin bin ich jedes Mal von einer Mahlzeit auch ordentlich satt geworden und es war auch nicht so schlecht wie beim Way Out West)

Anyway, Wednesday waren dann wie immer richtig gut, einfach eine tolle Live-Band. Hier kam auch nochmal ein ordentlicher Schauer runter, aber das hat gar nicht gestört. Und siehe da: Ein Moshpit! Am Ende vom Set kam Bewegung einer Handvoll Leute rein, womit sich dann etwas abzeichnete für die nächsten Tage: auch hier auf diesem Festival lässt es sich an den kleinen Bühnen besser aushalten und es gibt mehr Potential für eine Crowd, in der man sich bewegen kann. War auf jeden Fall nice, die Band zeigte sich dankbar, dass die Leute trotz Wetter am Start geblieben sind. Es gab auch durchgehend recht viele politische Ansagen auf diesem Festival, die sich gegen den Rechtsruck richten, viel gegen das Regime in den USA und Solidarität mit Palästina.

Dann ging es für mich zurück an die Hauptbühne wo gerade Djo angefangen hat. Ich versuche bei solchen Bühnen immer gerne den einen Hack zu finden, wie man irgendwie nach vorne kommt. Bei dieser Hauptbühne war das recht schwer. Die Bühne ist nicht von den Seiten erreichbar, nur von hinten. Auf der rechten Seite wird sie schmaler, weil da der VIP Bereich ist, auf der linken Seite ergibt sich hinten ein Engpass, weil da eine Tribüne ist für Menschen mit Behinderungen und VIPs. Vor der Tribüne ist es dann aber idR luftig. Das bedeutet allerdings, dass man wirklich nur durchkommt, wenn man sich einmal unangenehm durchzwängt. Am besten schließt man sich einem Zug aus Leuten an, die irgendeine Mission haben, (wieder) nach vorne zu kommen. Getränke holen oder Klo oder so, denn an der Bühne gibt es beides nicht. Leider gestaltet sich das natürlich immer noch etwas schwieriger bei einer Masse die sich so gut wie gar nicht bewegt und nicht tanzt.
Hier habe ich dann meine einzigen unangenehmen Momente mit dem Publikum erlebt, die Leute waren teils hammer pissed, dass hier noch Leute durch wollten, obwohl es wie gesagt noch luftig war. Einmal übel auf französisch angeschnauzt worden, weil ich an einer Person vorbei wollte. Und ich verstehe auch, dass es nervig ist, wenn Leute sich ständig an einem vorbei zwängen. Aber es kann auch nicht die Erwartungshaltung sein, dass hinter dir jetzt die Crowd dicht gemacht wird, weil du da stehst, obwohl vor dir noch ne Menge Platz ist. Na ja, wie gesagt, war die einzige unangenehme Situation.

Djo war dann entspannt, nicht weltbewegend, aber ich find die Musik macht schon Laune, ist eingängig und spaßig. Kann man sich mal geben. Aber ich wollte ja eigentlich vor allem zu Lorde nach vorne und hab dann den Strom der Leute genutzt, die nach Djo raus wollten und das hat gut funktioniert. Vor der Hauptbühne haben sich nun einige große und auch recht tiefe Pfützen gebildet, die auch nicht absickerten. Das hat natürlich die Menge ein bisschen eingeschränkt, aber teilweise war es den Leuten auch einfach egal und sie haben sich ohne Gummistiefel in diese Pfützen gestellt, die so tief waren, dass ihre Schuhe komplett unter Wasser waren.

Meine Erwartungshaltung vor Lorde war, dass wieder abnormal viel gefilmt wird, wenig getanzt, aber viel mitgesungen. Und es wurde nicht ansatzweise so viel gefilmt. Zwar immer noch recht viel, aber ich würde sagen noch recht normal für einen Pop-Act. Das war beim Rest des Festivals nie wieder so extrem wie bei Tyler. Aber getanzt wurde wirklich wenig und gesungen auch weniger als ich erwartet hatte. Dennoch, Lorde war wie immer ein Highlight.
Es war weitestgehend die gleiche Show wie beim Way Out West, sie hatte nur einen etwas längeren Slot. Das heißt hier gab es noch "Hard Feelings" und "Oceanic Feeling", war wieder wirklich schön. Selbst bei den musikalischen Höhepunkten kam vergleichsweise wenig Stimmung auf, aber immerhin halt wieder die Seven Nation Army Melodie for some reason. An einer Stelle meinte Lorde "Paris, I can hear you Sing, but can you Dance?!", und turns out, Paris can't dance. Ich fand es dennoch richtig schön und konnte dann nach dem Konzert Nora wieder finden und wir konnten gemeinsam schwärmend gen Ausgang und Tram gehen.

Tag 3 - Freitag

Für Tag 3 hatte ich mir eine Mission vorgenommen: Hauptbühne weitestgehend meiden. Eher den kleinen französischen Act sehen als irgendwas, was ich eh gerade schon auf anderen Festivals mitgenommen habe. Die andere Mission waren aber erstmal Gummistiefel, die ich mir im nächsten Decathlon gekauft habe, weil meine Wetter-App mir wieder den ganzen Tag Regen prophezeit hat. Das war eine dreiste Lüge, es hat durchgehend die Sonne geschienen und ich habe in den Dingern nur geschwitzt, matschig war es auch nicht mehr. Tja nun.

Mein Plan war den ersten Act auszulassen um direkt zu CMAT an die Hauptbühne vorzudringen, als einzige Ausnahme. Aber die mussten kurzfristig canceln. Also bin ich bei den kleinen Bühnen geblieben und doch zum ersten Act, Billie, französische Pop-Sängerin, das hat schonmal Laune gemacht und es gab ein Kate Bush Cover, war ganz nice. Gabriel Kröger danach war auch okay, französischer, beatlastiger Folk in die Punk-Richtung. Hat mich dann aber nicht so richtig da behalten und ich bin n bisschen rumgelaufen, das was ich zum Ende gehört hatte, klang dann aber noch etwas geiler.

Da ich Biffy Clyro gerade erst gesehen hatte, habe ich mich auch hier gegen die zweitgrößte Bühne und für eine der kleineren entschieden. Und das war eine sehr gute Entscheidung. Hier haben Sarāb gespielt und das war das erste Highlight des Tages. Das war zwar im weitesten Sinne Prog-Rock, aber solcher, der halt geil ist. Quasi die syrisch-französische Antwort auf The Mars Volta. Das hat richtig gebockt. Die haben eine richtig tolle Spielfreude auf die Bühne gebracht, was sich natürlich nicht so richtig aufs unbewegliche Publikum ausgewirkt hat. Ein Gedanke, den ich an diesem Tag öfters hatte: ein Primavera-Publikum hätte zu dieser Band in einem der Clubs oder auf der kleinsten Bühne alles auseinander genommen ohne die Band und die Sprache zu kennen. Aber hier: nichts. Nun gut, einziger Wermutstropfen, war trotzdem geil, ich hoffe ich sehe die nochmal wieder.

Danach bin ich dann doch einmal abgewichen und zur Mainstage rüber, ich hatte Bock auf Wet Leg. Easy recht weit nach vorne gekommen und ne richtig gute Zeit gehabt. Mag die Band einfach sehr gerne, die haben einfach einen Haufen guter Songs, die sie immer wieder mit einem super Sound rüber bringen. Auch hier wieder keine Bewegung im Publikum, aber war egal. Auf der Bühne stand auch eine Frau, die die Lyrics in Gebärden übersetzt hat, we love to see it. Das sollte aber auch mein einziger Ausflug zur Hauptbühne bleiben.

Bei Sparks war es schon krass voll, wäre aber womöglich die bessere Entscheidung gewesen, weil das ganz witzig klang, ich bin aber zu Kurt Vile & The Violators gegangen. Noch nie gesehen. An sich hat die Musik in der Abendsonne ganz gut funktioniert und war sehr entspannt. Aber ich kann einfach nicht mehr mit diesem hingenuschelten männlichen Slackertum. Sorry, dass du auf dieser Bühne stehen musst. Super Gag, dass du dich bei der Crew bedankst, aber deren Namen nicht kennst. You go Boy, give us nothing. Was für eine langweilige Scheiße im Endeffekt. Ich bin gegangen und hab das eher zur Hintergrundmusik werden lassen, wollte was essen, aber überall war es voll.

Als ich mich wo angestellt hatte, ging neben mir gerade La Flemme los, eine französische Punk-Band und ich habe sie erst nur gehört und nicht zur Bühne geguckt und dachte - naiv wie ich bin - man, das geht ja ganz gut nach vorne, vor der Bühne muss es ja abgehen. Well, wirklich wieder so eine Formation aus Statuen vor der Bühne. So unbeweglich, dass es witzig war. Nachdem mir dann nach einer Viertelstunde anstehen mitgeteilt wurde, dass sie nur noch Fleisch haben, ohne das irgendwo dranzuschreiben, bin ich etwas angefressen vor die Bühne, wo sich nun tatsächlich etwas tat.
Der Gitarrist gab seine Gitarre an eine Frau im Publikum ab und ging selbst dorthin, um die Menge zu einer Wall Of Death zu motivieren und.. das hat dann plötzlich funktioniert! Das war eine weitere Erkenntnis: Wenn die Band es eingefordert hat, ging es dann und die Leute hatten auch Bock. Hätte Tyler vielleicht auch mal machen sollen. Daraufhin gab es durchgehend einen Moshpit, gefühlt sind das immer die potenziell gefährlichsten: von wenigen Leuten, die das nicht so oft machen. Natürlich direkt ein Handy gefunden, das durch die Luft gewedelt ohne Erfolg, also kurz beim Lost & Found abgegeben und zurück in den Pit. (konnte die Verliererin dann am Ende ausfindig machen und sie dahin schicken) Das war echt nicht die spannendste Musik, aber hat richtig Spaß gemacht und endlich hat sich mal was getan.

Ich bin weiter in der Region der kleineren Bühnen zu Wilco geblieben, hab endlich was zu essen gefunden und mich dann gemütlich ohne Probleme nach vorne begeben. Das war überraschend gut. Könnte auch so Slacker-mäßig rübergebracht werden, aber die älteren Herren auf der Bühne haben sich doch für das zugeknöpfte Jeanshemd entschieden und eine angenehme Energie auf die Bühne gebracht. War cool, hab vergessen, dass ich die sogar mal ne zeitlang gehört habe.

Danach kam ne kontroverse Entscheidung, ich hab mich gegen Nick Cave entschieden, aber keine zehn Pferde hätten mich gerade zur Hauptbühne motivieren können, egal wie bright oder zimtig die sind. Nick Cave geht zwar immer und ist immer gut, aber ich hab ihn ja auch gerade erst gesehen. Stattdessen gab es ttssfu, die ich aber auch wirklich gern sehen wollte. Relativ düsterer shoegazey Pop, ich hatte hier ein bisschen mit moody Stimmung und Resting Bitch Face gerechnet, was natürlich voll okay gewesen wäre, aber die Sängerin war durchgehend am lächeln, hatte ne richtig gute Zeit, hat einige Ansagen gemacht und sich auch einmal ins Publikum begeben, um dieses (erfolglos) zu motivieren. Das hat es dann zum Ende selbst hinbekommen, hier gab es wieder einen kleinen Moshpit. Es wird! Leider hat ttssfu sage und schreibe 20 Minuten zu früh aufgehört. Sie wollte wahrscheinlich selbst zu Nick Cave, dem sie einen Song gewidmet hat, in dem es darum geht, dass man einen Crush hat. Wünsche ihr viel Erfolg damit, würde ich mir wieder angucken.

Peaches danach war ein würdiger Abschluss für den Tag. Ich hab sie jetzt schon recht oft verpasst und tatsächlich noch nie gesehen, hätte ich vielleicht mal früher hingehen sollen. Meine Erwartungshaltung war immer, dass das weniger Konzert als Kunstinstallation ist, aber es ist beides. Der Mut zur Hässlichkeit und Goofyness, gepaart mit feministischen und politischen Messages und dann noch einer Musik, die gut nach vorne geht, hat mich 100% abgeholt. Es war witzig, schön, hässlich und richtig gut tanzbar, das fand diesmal selbst das Pariser Publikum. Auch, wenn das woanders sicher noch viel krasser gewesen wäre, hat man hier sehr schön miterleben können, wie die Crowd langsam auftaut. Es gab mehr Kostümwechsel als auf ner Pop-Show, aber eben immer ins Groteske neigend oder einfach weniger Klamotten als vorher. Ging richtig gut nach vorne, damit ging der Tag ganz gelungen zu Ende, ich war recht zufrieden und hatte das Gefühl, das Beste draus gemacht zu haben.

Tag 4 - Samstag

Es ist Samstag und da gibt es in Paris was? Richtig, auf die Fresse. An diesem Tag wurde das Publikum einmal komplett ausgetauscht anscheinend und die Leute hatten richtig Bock. Ich frag mich ein bisschen, ob das eine bewusste Entscheidung war, diesen Samstag zum härtesten Tag zu machen. Die Ausrichtung des Tages legte nahe, dass hier mehr gehen könnte, aber damit gerechnet habe ich nach den letzten Tagen nicht. Diesmal fing der Starkregen vor dem Festival an, also wusste ich immerhin, dass ich heute die Gummistiefel durchaus gut gebrauchen könnte - beste Entscheidung ever.

Ich kam etwas zu spät zu Mannequin Pussy an der Hauptbühne, aber das war schonmal ein sehr guter Start. Ging richtig gut nach vorne, hammer stabile Ansagen, richtig gute Band. Hier bin ich noch nicht vorne reingegangen, aber man hat heute schon gesehen: Da geht mehr als die letzten Tage. Danach bin ich hier geblieben für Lambrini Girls. Vor der Bühne hat sich schon eine ordentlich matschige Landschaft gebildet und die Band hat keine Kompromisse gemacht. Noch bevor das Konzert richtig losging wurde schon die Menge gespalten, danach durchgehend der härteste Moshpit bis jetzt. Das war wild, Crowd wirklich einmal wie ausgetauscht. Auch hier stabile Ansagen, früh im Set haben sie hinter sich einmal riesig "Fuck Marine Le Pen" eingeblendet und das bis zum Ende stehen lassen. Ansagen gegen den Faschismus, für Community und für trans Personen. Seven Nation Army gab es hier heute den ganzen Tag nicht, stattdessen antifaschistische Gesänge. War großartig.

Danach musste ich erstmal durchschnaufen, Gummistiefel und Hosenbeine komplett matschig, ich hab mich gefühlt wie auf nem Hurricane zu Abi-Zeiten. Erstmal was essen, im Hintergrund liefen Dynamite Shakers, habe ich aber nicht allzu viel von mitbekommen. Danach kamen Man/Woman/Chainsaw, Forumsband der Stunde so ein bisschen. Fand ich auch tatsächlich sehr gut, erwartbar gute Liveband. Sehr viele Menschen auf der Bühne, Highlight waren die Geigerin und die Keyboarderin, die nicht immer was zu tun hatten und deshalb übel selbst zur Musik abgegangen sind, war spaßig zu sehen. Publikum natürlich hier wieder verhalten, aber die muss ich nochmal im Club sehen. Finde manche Songs immer noch deutlich besser als andere, aber gute Band. "Nosedive" in der Abendsonne zum Abschluss kam besonders gut.

Danach mal wieder High Vis. Mittlerweile ja schon echt oft gesehen und ich habe auch schon beim Amplifire eine Show gesehen, wo so gut wie gar nicht gemosht wurde, das war auch hier meine Befürchtung. Dennoch musste ich hin und was soll ich sagen. Das war der wohl härteste Auftritt, den ich bisher von denen gesehen habe, das war richtig heftig, was da abging. Komplettes Chaos im Pit, der Sänger hatte diese überraschte Freude ins Gesicht geschrieben, ich wahrscheinlich auch, we love to see it. Nach Bremen für mich die zweitbeste Show der Band bisher.

Danach wieder durchschnaufen zu Grandma's Ashes, eine französische "Stoner, grunge, nu-metal, gothic rock, industrial, progressive rock"-Band laut App und irgendwie war das tatsächlich alles ein bisschen drin. Hat mich jetzt nicht umgehauen, aber cooler Slot für so eine junge französische Band, war an sich schon cool und würde ich mir auch wieder angucken. Ich bin aber ein bisschen früher gegangen, um mich vorne bei Turnstile zu platzieren, der heutige Tag hat ja nur geliefert. Und ja, auch hier war der Pit wieder richtig mächtig und wild. Die Leute hatten richtig Bock. Habe auch die ja erst eine Woche vorher gesehen und auch eh nicht zu knapp in letzter Zeit. Aber diesmal haben sie zu meiner Überraschung die Setlist abgeändert, was gut funktioniert hat. Der zuletzt typische Closer "Birds" kam direkt als Opener statt "Never Enough", danach ging es direkt in "Real Thing" von Time & Space rein. Sonst natürlich dominiert natürlich von den letzten beiden Alben, aber es war auch noch Zeit für zwei weitere Songs aus der Zeit davor, "Drop" und "I don't wanna be blind". "Never Enough" kam dann als vorletztes und als letztes "TLC". Hat für mich alles sehr gut funktioniert.

Das Gute ist, dass nach "TLC" nicht direkt der Strom der Leute zur Hauptbühne losging, weil noch so atmosphärischer Sound in der Luft lag und noch für einen Song Zeit gewesen wäre, aber ich wusste, da kommt nix mehr. Also konnte ich relativ entspannt zu Deftones rüber und mich noch recht gut links hinten vor der Tribüne platzieren. Ich wusste hier geht wieder nicht so viel, aber das war in dem Fall egal. Fands wieder richtig gut, aber war jetzt auch schon das dritte Mal, dass ich genau diese Show gesehen habe. Die liefern aktuell einfach ab. Die Berlin Show vor zwei Wochen war die zweitbeste, die ich von denen je gesehen habe, da kommt nicht viel ran, aber hat mir dennoch viel Spaß gemacht. Da auch Deftones ein wenig früher aufgehört haben, konnte ich noch den letzten Song von Fcukers mitnehmen, "Bon Bon", der geht natürlich auch immer, hierzu nochmal das sogenannte Tanzbein geschwungen und damit nochmal dem Euphorielevel die Krone aufgesetzt. Dieser Tag hat alles nochmal rausgerissen, das hatte ich nicht erwartet. Ich hab ganz beseelt das Gelände verlassen.

Alles in Allem ein durchwachsenes Festival-Erlebnis, die Crowd hier ist einfach hammer weird und auch das Gelände teils n bisschen schwierig. Dennoch sehr gute Sachen gesehen und ich mochte, dass ich auch so viele französische Acts gesehen habe. Ich mag an dem Festival, dass die Tage sehr stark stilistisch aufgeteilt sind. Da kann man sich auch mal einen Tag rauspicken und das mit einem Paris-Urlaub verbinden, weil die Stadt war für mich das heimliche Highlight. Das war am Ende dann doch einfach ein richtig schöner Urlaub. Ich war auch recht froh, den ebenfalls gut besetzten Sonntag nicht mitgenommen zu haben, das wäre mir zu viel gewesen und wäre wahrscheinlich für mich auch nicht gegen den Samstag angekommen. Hätte nur einen Tag zum Durchschnaufen gebraucht, für mich ging es direkt am Sonntag mit dem Zug zurück nach Hamburg.

Highlights:
Lambrini Girls
High vis
Sarāb
Turnstile
Lorde
Zuletzt geändert von MairzyDoats am Mi 2. Sep 2026, 00:23, insgesamt 1-mal geändert.
Hallo wie geht willkommen in meiner Signatur. Lass dir hier bitte richtig gut gehen einfach, Käffchen für dich

stylex
Beiträge: 24
Registriert: So 1. Nov 2015, 14:59

Re: Festivalberichte

Beitrag von stylex » Di 1. Sep 2026, 14:30

defpro hat geschrieben:
Fr 28. Aug 2026, 13:20
stylex hat geschrieben:
Mi 26. Aug 2026, 16:39
Da man in den mir bekannten Musik/Festival-Foren sehr wenig zum Golden Leaves Festival in Darmstadt liest, hier mal ein kleiner Bericht zum letzten Sonntag (hatte ein Tagesticket).
...
Wie war denn so die Auslastung des Geländes? Man scheint ja dieses Jahr einen Rekord an Besuchern erreicht zu haben, aber ausverkauft war es ja scheinbar nicht. Hatte mich zumindest für den Sonntag etwas gewundert, da Holly Humberstone aktuell mit "To Love Somebody" ziemlich durch die Decke geht und die Tickets auch nicht so teuer waren.
Ich habe nur den Vergleich zu 2024 mit Olli Schulz als Headliner und mir kam es dieses Jahr nur einen Tick voller vor. Es könnte aber auch sein, dass es sich durch die 3. Bühne, die es damals noch nicht gab, besser auf dem Gelände verteilt.
Es war jedenfalls möglich bei Holly Humberstone, bei der ich etwa 25 Minuten vor Start vor der Bühne stand, in der dritten Reihe zu stehen (ohne drängeln natürlich).
Bin mir gar nicht sicher, ob ich mir etwas mehr musikalische Abwechslung wünschen möchte. Auf der einen Seite waren die größeren Slots fast alle irgendwo im Midtempo-Art-Pop verhaftet, was ich mir jetzt nicht unbedingt stundenlang am Stück geben muss (gibt aber auch Schlimmeres). Auf der anderen Seite haben mir die gebuchten deutschen/österreichischen Indie-Pop-Künstlerinnen, die vermutlich alle in Berlin leben und auf TikTok steil gehen, musikalisch überhaupt nicht zugesagt. Daher hoffe ich, dass man den Fokus auf internationale Acts zukünftig so beibehält.
Es stimmt schon, dass die Acts an diesem Tag auf dem Papier nach wenig Abwechslung klingen, aber da sie teilweise sehr "unterschiedlich speziell" waren, ist mir das vor Ort nicht negativ aufgefallen. Bin aber auch sehr gespannt wie das Lineup nächstes Jahr aussehen wird.


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