Noch ein paar Worte zum
Haldern Pop von mir
Das Festival war viele Jahre soetwas wie meine musiaklische Heimat, ein Fixpunkt meiner Jahresplanung von 2008 bis 2019. Doch es hat seither ganze sieben Jahre gedauert, bis ich mal wieder vor Ort sein konnte, was einerseits an den Umbrüchen der Coronapandemie lag, aber vor allem daran, dass ich nun zwei ganz andere Fixpiunkte bei mir im Haushalt habe, die einen früheren Besuch eher unmöglich gemacht haben.
Dieses Jahr war es aber soweit und ich konnte an den Niederrhein zurückkehren - das erste mal gemeinsam mit meiner Familie, was eine ganze Reihe von Herausforderungen, aber auch schönen Momenten mit sich brachte.
Grundsätzlich hat sich in den sieben Jahren wenig verändert, da es das offenbar Haldern Pop verstanden hat, relativ gut durch die doch nun schon ein paar Jahre andauernde Krise der (vor allem Indie-) Festivals zu navigieren. Etwas, wozu ich später noch einmal zurückkommen werde. In diesem Jahr konnte man offenbar, auch weil man die Besucher*innen noch einmal sensibilisiert hat, sogar mehr Tickets als im Vorjahr absetzen, die auch verstärkt im VVK erworben wurden. Der Samstag war dann sogar ausverkauft, was aber womöglich vor allem an den Sportfreunden Stiller lag, die sicherlich sehr stark gezogen haben.
Zu den wenigen (für manche aber nicht ganz so starken) Veränderungen gehörte die Ausdehnung auf den Mittwoch, der endlich den etwas stressigen Anreisedonnerstag entzerrt hat, ein großräumig umgestalter Reitplatz mit neuem(?) Niederrheinzelt und und die veränderte Eingangssituation im Spiegelzelt. Denn nicht nur wurde der kleine Vorraum entfernt, wodurch der Einlass flüssiger lief und womöglich sogar etwas mehr Kapazität geschaffen wurde, auch hatte man sich dafür entschieden, das Zelt zwischen den Gigs komplett zu räumen. Das resultierte zwar in langen Schlangen, aber auch in einem smoothen Zugang zum Spiegelzelt - was nur das Problem mit sich brachte, dass schon relativ früh Publikum von den Hauptbühnen gezogen wurde.
Ansonsten war wie gesagt alles wie gehabt. Es gab ein halbes Dutzend Venues, die verteilt über den Tag bespielt wurden und somit die perfekte Symbiose aus Ortskern (Kirche, Jugendheim, Pop Bar) und Festivalgelände schufen (Tonstudio, Reitplatz, Niederrheinzelt, Spiegelzelt). Hier hat man offenbar auch gelernt, dass man die wachsenden Kapazitäten nicht für ein größeres Lineup nutzt, sondern vor allem zur Entzerrung der kleineren Stages, denn fast alle kleineren Bands durften 2-3 am Tag ran - was auch die Bands gefühlt sehr gefreut hat, weil es unterschiedliche Räume schuf und zugleich für ein größeres Publikum sorgte.
Auch das Programm war wie gewohnt eine Wundertüte und ein Versprechen an die Zukunft - was aber ggf. auch daran gelegen haben könnte, dass ich mich vergleichsweise wenig habe einarbeiten könnten. Ich musste ja eh erst einmal ausloten, was mit den Kindern möglich sein wird - und was nicht. Wobei sich schnell zeigte, dass letzteres die Realität ist. In meinem inneren Kopf habe ich die vielen Bilder von Kindern mit Hörschutz und Windrädern im Blick, die fröhlich den Pusteblumen und Seifenblasen hinterherlaufen. Das gab es auch, aber als Elternteil sieht man dann auch viel stärker die vielen frustrierten Eltern, die ständig ein quengeliges und/oder müdes Kind managen müssen und realisieren, dass der heiß erwartete Act wohl ins Wasser fallen muss. Es dauerte auch ganze fünf Minuten, bis wir merkten, dass die Kinder eben nicht eine halbe Stunde auf der Schulter sitzen gucken, sondern sich sehr schnell langweilige. Und das sehr lauststark.
So blieben mir am Ende auch ganze 12 Acts, die ich mal mehr, mal weniger sehen konnte. Erstes Opfer waren
Horsegirl, die am Donnerstag um 17 Uhr bei praller Sonne den Reitplatz eröffnen durften, aber auf der großen Bühne irgendwie etwas verloren wirken - zudem war auch die Bühne enorm laut, weshalb es mit dem Kinderhörschutz quasi unhörbar war. Also ein paar Songs gehört, ins Infield zurückgezogen, Kinder beschäftigt und ein wenig aus der Distanz gehört. Vielleicht noch einmal bei einer Clubshow in Hamburg?
Danach sind wir ins Camp, wo meine Frau sich mit den Kindern beschäftigt hatte, wodurch ich zumindest
Friko in Ruhe sehen konnte - und das hat sich richtig gelohnt, denn Friko und Haldern, das passt im Grunde wie die Faust aufs Auge, weshalb es umso schöner ist, dass es gelungen ist, die Band für ihr einziges Deutschlandkonzert in diesem Jahr zu buchen. Die Band kam mit enorm viel Elan auf die Stage und hat enorm gute Stimmung verbreitet - in der Mitte hing das Set ein wenig mit den ruhigeren Stücken, aber das Ceremony-Cover am Ende hat dann doch wieder ordentlich Stimmung gemacht und gezeigt, was die Band drauf hat. Würde mich nicht wundern, wenn man die in zwei, drei Jahren auf derselben Bühne sieht, nun halt 2-3 Stunden später.
Anschließend ging es fix ins Camp, schnell die Kinder zu Bett gebracht. Der Plan war eigentlich, zu Westwide Cowboy ins Spiegelzelt zu gehen. Aber das fiel der Gemütlichkeit zum Opfern, sodass der Fokus auf
Black Country, New Road lag. Die Band hatte sich wirklich viel vorgenommen, immerhin ist es schon das dritte Set beim Haldern Pop, dass sich qua Ants from Up Here auch in der Bandgeschichte verewigt hat. Nur wissen wir alle: Black Country, New Road ist nicht mehr dei Band von vor ein paar Jahren - nur ist das wohl noch bei vielen Besucher*innen angekommen, die vermutlich kurz bei Spotify reinhörten und somit eine ganz andere Band erwarteten. Auch wenn das Set ganz nett war und Forwever Howlong mir live besser gefällt als auf Platte, setzte etwa nach der Hälfte ein Exodus ein, den ich in dem Ausmaß noch nie beim Haldern erlebt hatte. Ich weiß nicht, ob es der späten Stunde (und ggf. dem Wunsch geschuldet war, dass man sich eher bewegen wollte und somit versuchte zu GANS ins Spiegelzelt zu kommen) geschuldet war, oder der Performance als solcher. Auf jeden Fall waren am Ende vielleicht nur noch 20-30% der Besucher*innen vor der Stage, so dass sie ausgerechnet in dem Moment, als sie sich sämtliche Bands des Tages für ein Band on the Run-Cover auf die Bühne holten, quasi kaum noch jemand da war. Das tat mir so sehr leid, dass ich irgendwann hoffte, dass es bald vorbei ist. Es ist halt das Risiko, dass man als Band eingeht, wenn die zentrale Figur aussteigt, man aber dennoch den Namen und den Fame fortführt, ohne aber die großen Werke, die jeder hören möchte, zu spielen - ich hatte kurz noch spekuliert, ob sie zumindest Haldern spielen. Klar ist, dass sie mit Forever Howlong alleine wohl nicht den Sloit bekommen hätten, sodass es rückblickend wohl für alle besser gewesen wäre, hätten Friko (die deutlich mehr Material haben) und BC,NR ihren Slot getauscht. bei Reddit kommentierte jemand, dass es beim Sziget wohl ganz ähnlich aussah.
Dass man die späte Stunde kein Manko sein muss, das haben dann
The Notwist am folgenden Abend gezeig - die noch um 01.45 Uhr vor einer gut gefüllten Bühne gespielt haben. Und das auch vollkommen verdient, denn die Band hat ein überragendes Konzert gespielt, weshalb auch so mancher Altfan zu dem Schluss kam, dass die Band wohl nie besser als aktuell war. Ich kam vor dem Konzert etwas verschlafen aus dem Camp, da ich bei zu Bett bringen der Kinder selbst weggenickt bin, aber The Notwist haben mich richtig gepusht. Es ist fast schon schade, dass ich die Band erst so spät kennengelernt hab - in der Form würde ich die jederzeit wieder sehen wollen!
Das so als wesentliche Talking Points der Bands. Ansonsten habe ich noch am Freitag etwa 20 Minuten Susan O'Neill mit einem tollen Set in der Kirche und
Silver Gore auf der Hauptbühne gesehen, die beide ein nettes und süßes Set spielten, während der wir aber viel mit den Kindern zu tun hatten, aus welchem Grund wir auch
iedereen im Spiegelzelt nur via Leinwand gesehen haben - aber das sah schon sehr spaßig aus. Auf
Cardinals habe ich mich eigentlich auch gefreut, aber die haben mich - vll. auch wegen der oben beschriebenen Verschlafenheit - etwas kaltgelassen. Ich hätte wohl besser Kabeaushé sehen sollen, die wohl ein richtig gutes Set gespielt haben.
Am letzten Tag haben wir uns dann komplett aufgeteilt, sodass ich zunächst
The 113 in der Pop bar sehen konnte, die das Ding ordentlich abgerissen haben, und dann am Stück
chéri chéri,
Julia Effekt und
La Securité. Erstere udn gerade letztere waren wirklich sehr unterhaltsame Gigs während ich Julia Effekt auf Dauer etaws belanglos fand. Aber passte vielleicht auch nicht auf die sonnendurchflutete Bühne.
Damit war das Musikprogramm für mich auch vorbei, da ich dem Abend meiner Frau den Vorzug gelassen habe. Immerhin konnte ich die Sportfreunde Stiller gut aus dem Camp hören, wo ich nahezu alleine war.
So bleibt ein schönes Wochenende, das zwar eine maximal andere Erfahrung gewesen und die gerade am Donnerstag viel, aber doch viele tolle Momente mit sich brachte. Das Haldern Pop hat sich in manchen Ecken noch verbessert und seine Stärken weiter asugebaut (nachdem es vor 10+ Jahren fast drohte zu einem Klischee zu werden). Es zahlt sich heute aus, dass das Festival vor zehn Jahren nicht in die Expansion gegangen ist, weshalb man heute ein relativ tragfähiges Format hat und vermutlich relativ sicher in die nächsten Jahre blicken kann, während so viele andere Festivals die Segel streichen müssen. Es wird daher spannend, ob das Haldern Pop der große Gewinner des Festivalsterbens werden könnte, denn viele Besucher*innen werden ja irgendwo hin gehen wollen - und das Festival hat einfach den benefit, dass es international relevant ist und man den Bands jederzeit anmerkt, dass sie das Umfeld schätzen (und natürlich auch, dass es eine Kernklientel jenseits der 40 hat, die einfach stabil kommt).
Von daher freuen wir uns schon aufs kommende Jahr. Dann mit realistischeren Erwartungen, besser vorbereitet und mit älteren, erfahreneren Kindern - und vielleicht der einen oder anderen Band mehr. Denn an guten Konzerten mangelte es das Wochenende trotz des nur wenig prominenten Lineups nicht.