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Festivalberichte

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smi
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Re: Festivalberichte

Beitrag von smi » Di 11. Aug 2026, 20:52

Engholm hat geschrieben:
Di 11. Aug 2026, 12:42
Ich weiß nicht, inwieweit die an dem WE parallelen HH-Verstanstaltungen wie Elbriot und Wutzrock noch das Publikum aufgeteilt haben.
Wutzrock vielleicht schon etwas, wobei da wird in HH auch viel Stammpublikum. Elbriot vermutlich eher weniger und wenn man der GK glauben darf, könnte 2026 das erstmal letzte mal gewesen sein.

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smi
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Re: Festivalberichte

Beitrag von smi » Di 11. Aug 2026, 20:59

Ich war auch beide Tage beim Amplifire. Schönes Festivalgelände, gute Orga (von der einen Graben Secu bei fjört mal abgesehen), freundliches Personal. Hast unserer Gruppe auch rundum gefallen und einige haben sich gleich ein 27 Ticket geholt. Ich würde auch wieder fahren, aber nicht blind.

Bands waren hier schon einige Highlight genannt mit high vis, fjört, Turbostaat. Arson fande ich auch ganz amüsand. The Hebridean Sheep, kleine Hamburg two pieces Band, fande ich total super und habe mit sogar Merch gegönnt. Sehr satter und Abwechslungsreicher Sound.

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Quadrophobia
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Re: Festivalberichte

Beitrag von Quadrophobia » So 16. Aug 2026, 22:51

Ich war vergangenen Freitag beim Dockville

Tl;Dr: ich hatte einen schönen Tag, aber im Vergleich zu früher, ist wirklich vieles schlechter geworden (ein bisschen was aber auch besser)

Was das organisatorische betrifft, hat das Festival sehr starke Abstriche im Vergleich zu meinem letzten Mal - 2019 - gemacht. Es gibt den Shuttle nur noch für den Rückweg und auch erst ab 23:00 und er ist jetzt kostenpflichtig. Ausserdem muss man dafür trotzdem ca. den halben weg laufen. Der Campingplatz ist nicht mehr unmittelbar ans Gelände angeschlossen, was viele der Camper merklich blöd fanden. Und zuletzt wurde die Bühnen neu geordnet, die drittgrößte (Maschinenraum) gestrichen und ins Butterland verlegt, wo dafür die tolle Holzkonstruktionsbühne weggefallen ist (die steht nocj aber hinter der 0815 Bühne). Alles in allem merkt man auch über die Verkürzung - die mir persönlich sogar ganz gut passt - hinaus, dass erhebliche Einschnitte nötig waren. Auf der positiven Seite: Awareness ist gut umgesetzt und die Klosituatuon - früher wirklich oft angespannt ohne Ende - war sehr relaxed.

Was das Booking angeht: es wurde dann doch recht offensichtlich, dass es so einfach nicht funktioniert. Wenn es Samstag noch aus irgendeinem Grund erheblich voller war, kann da eigentlich niemand mit zufrieden sein. Es war zu keinem Zeitpunkt trotz kleinerem Gelände und trotz weniger Bühnen irgendwo voll. Selbst bei einem Act wie Blond, wo man eigentlich perfekten Fit mit der Zielgruppe erwartet, war es lediglich so voll wie früher am frühen Abend. Da muss man sich dann auch ernsthaft fragen, warum jemand 90€ für ein (Tages)ticket zahlen soll, um die zu sehen, wenn sie mit wenigen Monaten Abstand in drei Kilometern Luftlinie eine 4000er Venue spielen, was übrigens für die gesamte Spitze des Line Ups galt. Nächstes Jahr hat man immerhin nicht mehr das gleiche Datum wie die Skandi Festivals, weil man muss hier sehr offensichtlich wieder internationaler werden.


Wir waren gegen 15:30 am Gelände mit dem ersten Top: Schatten. Thermometer war bei 34 Grad und keine Wolke am Himmel. Absolut brutal. Zum Glück gab es genug Wasserstellen, wer wollte, konnte sich auch etwas beregnen lassen, dafür war ein tanktruxk aufgestellt.

Musikalisch haben wir mit Young Pepp losgelegt, eher unfreiwillig weil er nah am Schatten gespielt hat. Der ist 18 und hat mehrmals angekündigt, viele der Songs schon mit 13 geschrieben zu haben und so klangen sie halt auch. Trotzdem hab ich Respekt davor, sich in dem alter auf be Bühne zu stellen, auch wenns recht austauschbar war.

Im Anschluss gabs Schluma, deutscher Indie bei GHVC gesigned. Spaßig aber vielleicht ein bisschen zu viel Fokus auf leicht-ironische Ansagen. Nach der hälfte rüber zu

Wednesday weil wir einen guten Platz wollten. Das war die einfachste Aufgabe des Tages, vor der Bühne stand niemand dank sengender Sonne. Das änderte sich dann auch erst mit den ersten Tönen. Absolut astreines Set, auch insbesondere weil die genauso fett in der Sonne stehen mussten wie wir. Fokus gabz klar auf der neuen Platte, daraus gabs alle Hits plus bull believer. Einzig Wasp als Closer finde ich immer etwas fehl am platz aber das bleibt Randnotiz. vorne bei uns waren auch ca. 30 leute die wie wir eindeutig vor allem für diese Band da waren. Haben auch nen guten Turnout erzielt für den undankbaren Slot.

Danach musste erst mal im Wald Kraft getankt werden, man konnte von dort aber sowohl Drews Pegahorn als auch Deki Alem gut hören, beide irgendwie post punkig, erstere eher Bloc Party, letztere eher Wu-Lu. Beides cool, aber nichts nachhaltig hängen geblieben. Kann man aber sicher mehr mir vorwerfen als denen

Kurzer Abstecher zu Miami Lenz, tanzbar und der Crowd nach zu urteilen kam gut an. Wir wollten aber lieber Richtung Nest zu Afar, „Krautwave“ der hier sicher auch ein paar Fans hätte. Für meine Begriffe etwas zahm, aber sehr schön sphärisch und träumerisch mit 35 Minuten auch recht kurzweilig. Leider gabs danach ne erhebliche Lücke, weil weder Blond noch Von Wegen Lisbeth (Hate geht raus an dieser stelle) mich zu mehr bringen als Bühnenwechsel, leider gestaltete es sich so, dass sie Parallel spielten und somit kaum ein Teil des Geländes verschont blieb (kein Hate an Blond, aber musikalisch kann ich die einfach nicht).

Versöhnlicher Abschluss aber mit La securite aus Montreal, richtig nices Art Rock set, mehrstimmig, rotzig, mehrsprachig, sehr coole Leute, sehr groovige Songs, erinnerte an vieles von Arcade Fire bis L‘Impatrice. Die Gitarristin hatte Geburtstag, das wurde auch lieb gefeiert. Die waren ein Top Abschluss und bleiben auf meiner Watchlist.

Insgesamt ein guter Festival Tag, der aber vermutlich in den Jahren vorm Kind, in denen ich 3-4 Festivals pro Jahr mitnehmen konnte, nur mittelmäßig abschneiden würde. Ich habe trotzdem ein early Bird für 2027 gekauft, weil ich trotz aller Kritik möchte, dass es mit diesem Festival weitergeht

defpro
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Re: Festivalberichte

Beitrag von defpro » Mo 17. Aug 2026, 14:24

Ich war am vergangenen Wochenende auf dem Tells Bells Festival im hessischen Villmar. Früher habe ich das Festival regelmäßig besucht, weil es von meiner Heimat gut erreichbar war und das Line-Up ziemlich international aufgestellt ist, auch wenn ich mit der sehr punklastigen Ausrichtung häufig nicht ganz so viel anfangen kann. Damals hat es noch viel stärker einen Dorffest-Charakter gehabt, wo einige Leute aus dem Umkreis hinkommen, um Leute zu treffen, ohne jetzt wahnsinnig viel Interesse an der Musik zu zeigen (würde mich da bei einigen Ausgaben auch nicht von ausschließen). Mittlerweile sind die meisten dann doch schon aufgrund des Line-Ups da und reisen teilweise auch von weiter weg an. Sieht man auch daran, dass das Festival im Vorfeld wieder ausverkauft war (schon witzig, wenn ich bedenke, wie oft ich früher einfach spontan mein Ticket an der Abendkasse geholt habe). Es war mein erster Besuch seit 2018.

An der Orga gab es trotz Ausverkauf nicht viel auszusetzen. Man kam überall entspannt durch, Getränke- und Essensschlangen waren komplett im Rahmen (der vegane Burger war überragend), man konnte zu jedem Zeitpunkt so weit vor die Bühne, wie man wollte. Lediglich die Anzahl der Spülklos könnte man nochmal erhöhen. Das hat sich zu Stoßzeiten schon etwas gezogen (die Pissoirs waren dagegen schon fast überdimensioniert). Zum Glück hat man auch für ein paar Schattenplätze gesorgt, weil die Sonne freitags und am Samstag bis zum späten Nachmittag schon heftig geballert hat. Auch das Zelt mit Wassersprüher wurde von vielen Leuten genutzt. Man hat gemerkt, dass die Option auf kostenloses Trinkwasser dann doch etwas improvisiert war. Als wir freitags um kurz nach 6 auf das Gelände kamen, war schon alles leer. Samstags haben wir dann noch etwas abgreifen können, aber als dann irgendwann die Kanister leer waren und das Wasser aus den Carat-Tetra Paks in meine mitgebrachte PET-Flasche abgefüllt wurde, dann war uns der Aufwand dafür auch zu groß und wir haben uns einfach regulär was gekauft (1,50 € für 0,3l fand ich auch fair). Alle sonstigen Getränke gab's für 3 €. Man musste zwar immer nervige Bons eintauschen, aber da ist man zum Glück auch immer schnell drangekommen.

Musikalisch hat mich das Programm wie immer nur teilweise abgeholt. Als Metalhead wurden meine Präferenzen mit Stick to Your Guns, Terror und Speed zumindest in Ansätzen bedient. Dazwischen war es für meinen Geschmack dann aber doch oft eine 0815-Punk-Band zu viel, gerade wenn die besagten Herren (nicht gegendert) ihre Hochzeit in den 90ern hatten und die Shows dementsprechend auch nicht gerade ein Energie-Feuerwerk waren. Für mich hätte da ruhig noch die eine oder andere Band aus dem Post-Hardcore- oder Metalcore-Sektor ihren Platz finden dürfen. Aber das sehen bestimmt viele Leute anders, die eher aus dem Punk kommen. Positiv zu erwähnen ist, dass im Vergleich zu früher deutlich mehr Bands mit FLINTA-Mitgliedern auf der Bühne standen.

Highlight war für mich wie erhofft der Auftritt von Speed. Eine unglaubliche Energie auf und vor der Bühne und ein heftiger Abriss inkl. diesem verdammten Querflöten-Outro. Ich war zwar nach gefühlt jedem Song durch den Staub ziemlich im Eimer, aber es gab zum Glück einige Ansagen, die man zum Luft schnappen nutzen konnte. Denen hat man auch wirklich die Dankbarkeit angemerkt, es als Aussie-Band geschafft zu haben, mit ihren US-Idolen eine Bühne zu teilen. Es wurden interessanterweise auch Shoutouts an German Harcore (z. B. Echo Chamber und Spirit Crusher) verteilt, obwohl deutsche Bands im Line-Up ja stark unterrepräsentiert waren. Ich finde es eigentlich ganz cool, dass so international gebucht wird, zumal es ja auch einige Festivals gibt, die viel klassischen Deutschpunk buchen (z. B. das zwei Orte weiter stattfindende Seepogo). Zudem wüsste ich gar nicht, ob deutsche Hardcore-Bands überhaupt Bock auf solche Festivals mit Barriere haben.

Positiv überrascht war ich von The Baboon Show. Hab die vor Jahren mal als Vorband vor den Hosen gesehen. Damals klangen die Songs noch etwas punkiger, mittlerweile überwiegen Anleihen an AC/DC und Garage Punk a la The Hives. War eine willkommene musikalische Abwechslung mit einer starken Bühnenpräsenz und vielen Ohrwürmern.
Ebenfalls toll war der abschließende Auftritt von Hot Water Music. Hatte mich mit denen vorher nie so beschäftigt und es war schon insgesamt einer der gesitteteren Gigs des Festivals, aber Chuck Ragans Stimme (hab ihn ohne Bart erst gar nicht erkannt) holt aus den Songs nochmal das gewisse Extra raus.

Ansonsten noch gesehen:
Bubonix: Zu ihrer aktiven Zeit nie gesehen, obwohl die mit Abstand bekannteste Band aus der alten Heimat. Klang ganz gut, aber wir mussten erst mal ankommen.
Good Riddance: Ich mochte die kleinen pop-punkigen Einschübe, aber so ganz hat mich das nicht bekommen.
H2O: Schon mehrfach an gleicher Stelle gesehen. Sind leider zum Großteil einem Marsch zum Auto zum Opfer gefallen. Das, was ich noch mitbekommen habe, hat aber richtig Laune gemacht.
Stick to Your Guns: Ich war zu dem Zeitpunkt schon ziemlich müde und die Band hat es auch nicht geschafft, mich aus diesem Loch wieder rauszuholen. Mag die aber ganz gerne, auch die neueren Songs. Zudem war ich überrascht, dass es Pyro und Konfettikanonen gab. So viel production value gab es 2018 beim Tells Bells noch nicht.

Melonball: Skatepunk aus Nürnberg mit weiblichem Gesang. Hat mir auf Platte nicht ganz so viel gegeben, aber war live schon ziemlich spaßig. Zudem gab es ein Cover von The Outfields "Your Love", wo viel mitgesungen wurde.
The Chisel: Britischer Oi-Punk. Hier war es andersherum: Fand die auf Platte ganz ansprechend, so richtig ist live aber nicht viel davon angekommen.
All for Nothing: Spielen gefühlt alle paar Jahre auf dem Tells Bells, aber ich weiß gar nicht, ob ich sie schon mal gesehen habe. Klassischer Hardcore, aber female-fronted, was man ja nicht so regelmäßig sieht. Gewinnt keinen Innovationspreis, aber ich war einfach froh, mal wieder einen Sound zu hören, der mich mehr abholt.
Pulley: US-Skatepunk-Band, hatten ihre Hochzeit in den 90ern und das hat man leider auch gehört. Die Stimme klang wirklich nicht gut. Schade. Hatte mir nach den positiven Eindrücken beim Reinhören mehr von erhofft.
Terror: Hätte ein Highlight werden können, aber ich musste mich noch von dem Speed-Auftritt davor regenieren. Daher nur von weiter weg geschaut. Haben aber trotzdem wie immer Laune gemacht.

Insgesamt hatte ich ein tolles Wochenende. Mein Wunsch wäre für die Zukunft auf jeden Fall, stärker auf gehypete jüngere Bands zu setzen. Solche Buchungen wie Scowl, Drain oder in diesem Jahr Speed machen für mich einiges aus, gerade weil in den oberen Reihen ansonsten schon regelmäßig die gleichen Namen anzutreffen sind. Ich hoffe, dass es im nächsten Jahr mit dem Tells Bells wieder klappt und ich nicht wieder 8 Jahre Pause machen muss.

Edit: Gab übrigens im Vorfeld des Festivals eine kleine Kontroverse. Nachdem die Band Last Hounds absagen musste, hat man mit Deez Nuts einen überraschend prominenten Ersatz aus dem Hut gezaubert. Blöd nur, dass die Band am selben Tag eigentlich einen Gig in Hamburg spielen sollte, der dann abgesagt wurde, weil die Gage des Tells Bells vermutlich etwas üppiger ausfällt. Die Betreiber des Monkeys Music Club waren darüber nicht ganz so erfreut und haben ihrem Frust über die kurzfristige Absage sowie entsprechende Umsatzeinbußen in einem Social Media-Post Ausdruck verliehen, der dann doch überraschend viel Reichweite erzeugt hat. Letztendlich wurde die Absage dann doch wieder zurückgezogen, Deez Nuts haben auf dem Tells Bells einen Opening Slot um 12 Uhr bekommen (zu dem das Gelände wohl auch ziemlich voll gewesen sein muss) und sind danach weiter nach Hamburg gefahren, um dort ihre Show zu spielen. Laut dem Tell Bells war wohl ihre ursprüngliche Bookinganfrage auch für einen solchen Opening Slot gewesen und Kommunikationsprobleme mit Kingstar als Booking-Agentur haben dazu geführt, dass der Last Hounds-Slot mit Deez Nuts nachbesetzt wurde und die Absage für Hamburg kam. Nach meiner Einschätzung trifft das Tells Bells hier keine Schuld und im Endeffekt ist ja alles gut ausgegangen. Aber Deez Nuts und vor allem Kingstar haben sich hier nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

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Re: Festivalberichte

Beitrag von Stebbie » Mo 17. Aug 2026, 17:51

Noch ein paar Worte zum Haldern Pop von mir :-)

Das Festival war viele Jahre soetwas wie meine musiaklische Heimat, ein Fixpunkt meiner Jahresplanung von 2008 bis 2019. Doch es hat seither ganze sieben Jahre gedauert, bis ich mal wieder vor Ort sein konnte, was einerseits an den Umbrüchen der Coronapandemie lag, aber vor allem daran, dass ich nun zwei ganz andere Fixpiunkte bei mir im Haushalt habe, die einen früheren Besuch eher unmöglich gemacht haben.

Dieses Jahr war es aber soweit und ich konnte an den Niederrhein zurückkehren - das erste mal gemeinsam mit meiner Familie, was eine ganze Reihe von Herausforderungen, aber auch schönen Momenten mit sich brachte.

Grundsätzlich hat sich in den sieben Jahren wenig verändert, da es das offenbar Haldern Pop verstanden hat, relativ gut durch die doch nun schon ein paar Jahre andauernde Krise der (vor allem Indie-) Festivals zu navigieren. Etwas, wozu ich später noch einmal zurückkommen werde. In diesem Jahr konnte man offenbar, auch weil man die Besucher*innen noch einmal sensibilisiert hat, sogar mehr Tickets als im Vorjahr absetzen, die auch verstärkt im VVK erworben wurden. Der Samstag war dann sogar ausverkauft, was aber womöglich vor allem an den Sportfreunden Stiller lag, die sicherlich sehr stark gezogen haben.

Zu den wenigen (für manche aber nicht ganz so starken) Veränderungen gehörte die Ausdehnung auf den Mittwoch, der endlich den etwas stressigen Anreisedonnerstag entzerrt hat, ein großräumig umgestalter Reitplatz mit neuem(?) Niederrheinzelt und und die veränderte Eingangssituation im Spiegelzelt. Denn nicht nur wurde der kleine Vorraum entfernt, wodurch der Einlass flüssiger lief und womöglich sogar etwas mehr Kapazität geschaffen wurde, auch hatte man sich dafür entschieden, das Zelt zwischen den Gigs komplett zu räumen. Das resultierte zwar in langen Schlangen, aber auch in einem smoothen Zugang zum Spiegelzelt - was nur das Problem mit sich brachte, dass schon relativ früh Publikum von den Hauptbühnen gezogen wurde.

Ansonsten war wie gesagt alles wie gehabt. Es gab ein halbes Dutzend Venues, die verteilt über den Tag bespielt wurden und somit die perfekte Symbiose aus Ortskern (Kirche, Jugendheim, Pop Bar) und Festivalgelände schufen (Tonstudio, Reitplatz, Niederrheinzelt, Spiegelzelt). Hier hat man offenbar auch gelernt, dass man die wachsenden Kapazitäten nicht für ein größeres Lineup nutzt, sondern vor allem zur Entzerrung der kleineren Stages, denn fast alle kleineren Bands durften 2-3 am Tag ran - was auch die Bands gefühlt sehr gefreut hat, weil es unterschiedliche Räume schuf und zugleich für ein größeres Publikum sorgte.

Auch das Programm war wie gewohnt eine Wundertüte und ein Versprechen an die Zukunft - was aber ggf. auch daran gelegen haben könnte, dass ich mich vergleichsweise wenig habe einarbeiten könnten. Ich musste ja eh erst einmal ausloten, was mit den Kindern möglich sein wird - und was nicht. Wobei sich schnell zeigte, dass letzteres die Realität ist. In meinem inneren Kopf habe ich die vielen Bilder von Kindern mit Hörschutz und Windrädern im Blick, die fröhlich den Pusteblumen und Seifenblasen hinterherlaufen. Das gab es auch, aber als Elternteil sieht man dann auch viel stärker die vielen frustrierten Eltern, die ständig ein quengeliges und/oder müdes Kind managen müssen und realisieren, dass der heiß erwartete Act wohl ins Wasser fallen muss. Es dauerte auch ganze fünf Minuten, bis wir merkten, dass die Kinder eben nicht eine halbe Stunde auf der Schulter sitzen gucken, sondern sich sehr schnell langweilige. Und das sehr lauststark.

So blieben mir am Ende auch ganze 12 Acts, die ich mal mehr, mal weniger sehen konnte. Erstes Opfer waren Horsegirl, die am Donnerstag um 17 Uhr bei praller Sonne den Reitplatz eröffnen durften, aber auf der großen Bühne irgendwie etwas verloren wirken - zudem war auch die Bühne enorm laut, weshalb es mit dem Kinderhörschutz quasi unhörbar war. Also ein paar Songs gehört, ins Infield zurückgezogen, Kinder beschäftigt und ein wenig aus der Distanz gehört. Vielleicht noch einmal bei einer Clubshow in Hamburg?

Danach sind wir ins Camp, wo meine Frau sich mit den Kindern beschäftigt hatte, wodurch ich zumindest Friko in Ruhe sehen konnte - und das hat sich richtig gelohnt, denn Friko und Haldern, das passt im Grunde wie die Faust aufs Auge, weshalb es umso schöner ist, dass es gelungen ist, die Band für ihr einziges Deutschlandkonzert in diesem Jahr zu buchen. Die Band kam mit enorm viel Elan auf die Stage und hat enorm gute Stimmung verbreitet - in der Mitte hing das Set ein wenig mit den ruhigeren Stücken, aber das Ceremony-Cover am Ende hat dann doch wieder ordentlich Stimmung gemacht und gezeigt, was die Band drauf hat. Würde mich nicht wundern, wenn man die in zwei, drei Jahren auf derselben Bühne sieht, nun halt 2-3 Stunden später.

Anschließend ging es fix ins Camp, schnell die Kinder zu Bett gebracht. Der Plan war eigentlich, zu Westwide Cowboy ins Spiegelzelt zu gehen. Aber das fiel der Gemütlichkeit zum Opfern, sodass der Fokus auf Black Country, New Road lag. Die Band hatte sich wirklich viel vorgenommen, immerhin ist es schon das dritte Set beim Haldern Pop, dass sich qua Ants from Up Here auch in der Bandgeschichte verewigt hat. Nur wissen wir alle: Black Country, New Road ist nicht mehr dei Band von vor ein paar Jahren - nur ist das wohl noch bei vielen Besucher*innen angekommen, die vermutlich kurz bei Spotify reinhörten und somit eine ganz andere Band erwarteten. Auch wenn das Set ganz nett war und Forwever Howlong mir live besser gefällt als auf Platte, setzte etwa nach der Hälfte ein Exodus ein, den ich in dem Ausmaß noch nie beim Haldern erlebt hatte. Ich weiß nicht, ob es der späten Stunde (und ggf. dem Wunsch geschuldet war, dass man sich eher bewegen wollte und somit versuchte zu GANS ins Spiegelzelt zu kommen) geschuldet war, oder der Performance als solcher. Auf jeden Fall waren am Ende vielleicht nur noch 20-30% der Besucher*innen vor der Stage, so dass sie ausgerechnet in dem Moment, als sie sich sämtliche Bands des Tages für ein Band on the Run-Cover auf die Bühne holten, quasi kaum noch jemand da war. Das tat mir so sehr leid, dass ich irgendwann hoffte, dass es bald vorbei ist. Es ist halt das Risiko, dass man als Band eingeht, wenn die zentrale Figur aussteigt, man aber dennoch den Namen und den Fame fortführt, ohne aber die großen Werke, die jeder hören möchte, zu spielen - ich hatte kurz noch spekuliert, ob sie zumindest Haldern spielen. Klar ist, dass sie mit Forever Howlong alleine wohl nicht den Sloit bekommen hätten, sodass es rückblickend wohl für alle besser gewesen wäre, hätten Friko (die deutlich mehr Material haben) und BC,NR ihren Slot getauscht. bei Reddit kommentierte jemand, dass es beim Sziget wohl ganz ähnlich aussah.

Dass man die späte Stunde kein Manko sein muss, das haben dann The Notwist am folgenden Abend gezeig - die noch um 01.45 Uhr vor einer gut gefüllten Bühne gespielt haben. Und das auch vollkommen verdient, denn die Band hat ein überragendes Konzert gespielt, weshalb auch so mancher Altfan zu dem Schluss kam, dass die Band wohl nie besser als aktuell war. Ich kam vor dem Konzert etwas verschlafen aus dem Camp, da ich bei zu Bett bringen der Kinder selbst weggenickt bin, aber The Notwist haben mich richtig gepusht. Es ist fast schon schade, dass ich die Band erst so spät kennengelernt hab - in der Form würde ich die jederzeit wieder sehen wollen!

Das so als wesentliche Talking Points der Bands. Ansonsten habe ich noch am Freitag etwa 20 Minuten Susan O'Neill mit einem tollen Set in der Kirche und Silver Gore auf der Hauptbühne gesehen, die beide ein nettes und süßes Set spielten, während der wir aber viel mit den Kindern zu tun hatten, aus welchem Grund wir auch iedereen im Spiegelzelt nur via Leinwand gesehen haben - aber das sah schon sehr spaßig aus. Auf Cardinals habe ich mich eigentlich auch gefreut, aber die haben mich - vll. auch wegen der oben beschriebenen Verschlafenheit - etwas kaltgelassen. Ich hätte wohl besser Kabeaushé sehen sollen, die wohl ein richtig gutes Set gespielt haben.

Am letzten Tag haben wir uns dann komplett aufgeteilt, sodass ich zunächst The 113 in der Pop bar sehen konnte, die das Ding ordentlich abgerissen haben, und dann am Stück chéri chéri, Julia Effekt und La Securité. Erstere udn gerade letztere waren wirklich sehr unterhaltsame Gigs während ich Julia Effekt auf Dauer etaws belanglos fand. Aber passte vielleicht auch nicht auf die sonnendurchflutete Bühne.

Damit war das Musikprogramm für mich auch vorbei, da ich dem Abend meiner Frau den Vorzug gelassen habe. Immerhin konnte ich die Sportfreunde Stiller gut aus dem Camp hören, wo ich nahezu alleine war.

So bleibt ein schönes Wochenende, das zwar eine maximal andere Erfahrung gewesen und die gerade am Donnerstag viel, aber doch viele tolle Momente mit sich brachte. Das Haldern Pop hat sich in manchen Ecken noch verbessert und seine Stärken weiter asugebaut (nachdem es vor 10+ Jahren fast drohte zu einem Klischee zu werden). Es zahlt sich heute aus, dass das Festival vor zehn Jahren nicht in die Expansion gegangen ist, weshalb man heute ein relativ tragfähiges Format hat und vermutlich relativ sicher in die nächsten Jahre blicken kann, während so viele andere Festivals die Segel streichen müssen. Es wird daher spannend, ob das Haldern Pop der große Gewinner des Festivalsterbens werden könnte, denn viele Besucher*innen werden ja irgendwo hin gehen wollen - und das Festival hat einfach den benefit, dass es international relevant ist und man den Bands jederzeit anmerkt, dass sie das Umfeld schätzen (und natürlich auch, dass es eine Kernklientel jenseits der 40 hat, die einfach stabil kommt).

Von daher freuen wir uns schon aufs kommende Jahr. Dann mit realistischeren Erwartungen, besser vorbereitet und mit älteren, erfahreneren Kindern - und vielleicht der einen oder anderen Band mehr. Denn an guten Konzerten mangelte es das Wochenende trotz des nur wenig prominenten Lineups nicht.
(c) 26.06.2006

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SammyJankis
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Re: Festivalberichte

Beitrag von SammyJankis » Mo 17. Aug 2026, 18:06

defpro hat geschrieben:
Mo 17. Aug 2026, 14:24
Highlight war für mich wie erhofft der Auftritt von Speed. Eine unglaubliche Energie auf und vor der Bühne und ein heftiger Abriss inkl. diesem verdammten Querflöten-Outro. Ich war zwar nach gefühlt jedem Song durch den Staub ziemlich im Eimer, aber es gab zum Glück einige Ansagen, die man zum Luft schnappen nutzen konnte. Denen hat man auch wirklich die Dankbarkeit angemerkt, es als Aussie-Band geschafft zu haben, mit ihren US-Idolen eine Bühne zu teilen. Es wurden interessanterweise auch Shoutouts an German Harcore (z. B. Echo Chamber und Spirit Crusher) verteilt, obwohl deutsche Bands im Line-Up ja stark unterrepräsentiert waren. Ich finde es eigentlich ganz cool, dass so international gebucht wird, zumal es ja auch einige Festivals gibt, die viel klassischen Deutschpunk buchen (z. B. das zwei Orte weiter stattfindende Seepogo). Zudem wüsste ich gar nicht, ob deutsche Hardcore-Bands überhaupt Bock auf solche Festivals mit Barriere haben.
Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass die genannten Bands dort niemals spielen werden. Ohne Namen zu nennen bin ich mir auch sicher, dass einige Member von kleineren HC Bands aus diesem Kosmos ihre Band eher auflösen würden anstatt dort zu spielen. Bands, die ich auf dem Festival erwarten würden wären Defiance, Backstabbed, SoulPrison oder Dagger Threat. Die öffnen sich da eher dem "Mainstream" Hardcore/Punk.

Wie war denn die Reaktion der Crowd auf die Shoutouts? Ich bezweifel, dass ein Großteil der Anwesenden Echo Chamber und Spirit Crusher kennt.
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Re: Festivalberichte

Beitrag von defpro » Mo 17. Aug 2026, 20:45

SammyJankis hat geschrieben:
Mo 17. Aug 2026, 18:06
defpro hat geschrieben:
Mo 17. Aug 2026, 14:24
Highlight war für mich wie erhofft der Auftritt von Speed. Eine unglaubliche Energie auf und vor der Bühne und ein heftiger Abriss inkl. diesem verdammten Querflöten-Outro. Ich war zwar nach gefühlt jedem Song durch den Staub ziemlich im Eimer, aber es gab zum Glück einige Ansagen, die man zum Luft schnappen nutzen konnte. Denen hat man auch wirklich die Dankbarkeit angemerkt, es als Aussie-Band geschafft zu haben, mit ihren US-Idolen eine Bühne zu teilen. Es wurden interessanterweise auch Shoutouts an German Harcore (z. B. Echo Chamber und Spirit Crusher) verteilt, obwohl deutsche Bands im Line-Up ja stark unterrepräsentiert waren. Ich finde es eigentlich ganz cool, dass so international gebucht wird, zumal es ja auch einige Festivals gibt, die viel klassischen Deutschpunk buchen (z. B. das zwei Orte weiter stattfindende Seepogo). Zudem wüsste ich gar nicht, ob deutsche Hardcore-Bands überhaupt Bock auf solche Festivals mit Barriere haben.
Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass die genannten Bands dort niemals spielen werden. Ohne Namen zu nennen bin ich mir auch sicher, dass einige Member von kleineren HC Bands aus diesem Kosmos ihre Band eher auflösen würden anstatt dort zu spielen. Bands, die ich auf dem Festival erwarten würden wären Defiance, Backstabbed, SoulPrison oder Dagger Threat. Die öffnen sich da eher dem "Mainstream" Hardcore/Punk.

Wie war denn die Reaktion der Crowd auf die Shoutouts? Ich bezweifel, dass ein Großteil der Anwesenden Echo Chamber und Spirit Crusher kennt.
Backstabbed haben sogar dieses Jahr dort gespielt. Zweiter Slot am Freitag. Habs leider verpasst, aber von mehreren Leuten unabhängig voneinander positives Feedback zum Auftritt bekommen. Muss ich mal reinhören.

Es wurde halt generell die deutsche Hardcore-Szene gelobt und die Leute animiert, auf mehr Shows zu gehen. Die beiden Bands (+ noch irgendwas, habs akustisch nicht verstanden) wurden da einfach als Beispiele genannt. Das war alles der derselben Ansage. Da gab's am Ende schon viel Applaus für, aber ich glaube nicht, dass dies jetzt explizit für die genannten Namen galt, sondern mehr für die Message an sich.

Muss mir die Bands endlich mal anhören. Weiß auch nicht, warum ich das die ganze Zeit vor mir herschiebe.


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