> Festival Community Magazin - klickst Du hier <

Festivals 2026

Benutzeravatar
Quadrophobia
Beiträge: 16970
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:15
Wohnort: Hamburg
Kontaktdaten:

Re: Festivals 2026

Beitrag von Quadrophobia » Di 30. Jun 2026, 13:48

MairzyDoats hat geschrieben:
Di 30. Jun 2026, 13:17
Glaube das Problem der sterbenden Festivals wird noch unterschätzt. Gut möglich, dass zu wenig Leute hingehen, aber auch wenn du dein Festival heute ausverkaufst ist das kein Garant dafür, dass sich das rechnet. Und das gilt auch für große Festivals.

Die beiden simplen gemeinsamen Nenner von allen Festivals aktuell sind so wie ich es mitbekommen habe: extrem gestiegene Künstler*innen-Gagen und extrem gestiegene Produktionskosten seit Corona. Beim Immergut gab es wohl auch einen Talk dazu (ich war nicht da, shame on me, habe nur davon gehört) wo zB darüber gesprochen wurde, dass allein sowas wie Toiletten sauber halten ein großer Kostenpunkt ist für so ein kleines Festival.

Und seit Leute weniger auf Festivals gehen, um Sachen kennenzulernen, weil das ja der Streaming-Algorithmus übernimmt, bekommen Festivals auch keinen Freundschaftspreis mehr dafür. (So zumindest die Theorie) Ganz abgesehen davon natürlich, dass das Touren für die Künstler*innen natürlich auch viel teurer geworden ist und die froh sein können, da nicht mit Verlusten rauszugehen. Also die nehmen die hohen Gagen idR auch nicht aus Geldgeilheit. Ich Finde das sieht man auch daran, dass Festivals auf die Taktik gehen, ihr Programm zu verkleinern, wie zB das Dockville oder das Maifeld Derby. Die Alternative wäre womöglich, Tickets zu Preisen anzubieten, die niemand mehr bezahlen will/kann. Vielleicht ist das auch der Grund, dass man nix mehr aus dem RBF Line Up kennt, weil man die bekannten Namen für so ein Showcase-Festival nicht zum Showcase-Preis bekommt.

Ein spannendes Gegenbeispiel ist das Krach Am Bach, das jedes Jahr seine Gewinne spendet (20.000€ im Jahr 2025) Dadurch dass es aber auch ein Benefiz-Festival ist, wo viele Leute einfach nur für ein Ticket mit anpacken, fallen wahrscheinlich sehr viele Personalkosten weg.

Mich würden schwindende Besucher*innen-Zahlen von Festivals schon interessieren und wie das einschlägt, ich glaube aber, dass die genannten Kosten für kleine Festivals einfach nicht zu stemmen sind.
Wollte gerade schreiben, dass das Krach am Bach ja auch in seine letzte Ausgabe geht, aber dann fiel mir wieder ein, dass es ja zwei davon gibt. Du redest vermutlich vom Stoner Festival und nicht vom Punk Festival?

Benutzeravatar
MairzyDoats
Beiträge: 2769
Registriert: Mo 14. Sep 2015, 11:28

Re: Festivals 2026

Beitrag von MairzyDoats » Di 30. Jun 2026, 14:15

Quadrophobia hat geschrieben:
Di 30. Jun 2026, 13:48
Wollte gerade schreiben, dass das Krach am Bach ja auch in seine letzte Ausgabe geht, aber dann fiel mir wieder ein, dass es ja zwei davon gibt. Du redest vermutlich vom Stoner Festival und nicht vom Punk Festival?
Ja genau. Auch komplett vergessen, dass es zwei davon gibt. :grin:
Hallo wie geht willkommen in meiner Signatur. Lass dir hier bitte richtig gut gehen einfach, Käffchen für dich

Benutzeravatar
NeonGolden
Beiträge: 2212
Registriert: Di 15. Sep 2015, 09:14

Re: Festivals 2026

Beitrag von NeonGolden » Mi 1. Jul 2026, 10:11

MairzyDoats hat geschrieben:
Di 30. Jun 2026, 13:17
Und seit Leute weniger auf Festivals gehen, um Sachen kennenzulernen, weil das ja der Streaming-Algorithmus übernimmt, bekommen Festivals auch keinen Freundschaftspreis mehr dafür. (So zumindest die Theorie)
Ich kann ja nur von mir und meinem persönlichen Umfeld sprechen, aber ich weiß nicht, ob diese Theorie so zutreffend ist. Seitdem ich bzw. wir auf Festivals gehen (2006), werden die Festivals schon primär danach ausgesucht, was man im Lineup kennt und gerne sehen möchte. Wenn man dann zusätzlich noch neue Sachen entdecken konnte, war das die Kirsche auf der Sahne und führte dann meistens zu dem internen Gütesiegel "die haben gutes Booking, da bleiben wir mal dran". Es war aber seltenst eine Quelle für Neuentdeckungen. Neue Musik gibt es in meinem Umfeld durch aktives Reinhören aufgrund von Rezensionen, Blogs, dieses Forum und Empfehlungen von Freunden. Da hat sich in den letzten 20 Jahren quasi nichts geändert.
Aber klar, wir sind auch eine andere Generation und heute läuft das wahrscheinlich für viele anders.
Einen Freundschaftspreis in dem Sinne habe ich aber noch nie gezahlt. Würde ich aber machen, wenn das offen kommuniziert wird und nicht stattdessen irgendwelche Veränderungen im Konzept vorgenommen werden, die im Endeffekt die Qualität mindern.
MairzyDoats hat geschrieben:
Di 30. Jun 2026, 13:17
Ich Finde das sieht man auch daran, dass Festivals auf die Taktik gehen, ihr Programm zu verkleinern, wie zB das Dockville oder das Maifeld Derby. Die Alternative wäre womöglich, Tickets zu Preisen anzubieten, die niemand mehr bezahlen will/kann. Vielleicht ist das auch der Grund, dass man nix mehr aus dem RBF Line Up kennt, weil man die bekannten Namen für so ein Showcase-Festival nicht zum Showcase-Preis bekommt.
Die Entwicklung, dass Festivals dazu übergehen ihre Lineups wieder zu verkleinern, betrachte ich als absoluten Gewinn und begrüße ich sehr. Ich verstehe nicht, warum relativ kleine Festivals wie das Appletree unbedingt drei oder vier(?) Bühnen haben müssen. Lieber ein gut kuratierstes Lineup auf zwei Bühnen mit abwechselnder Bespielung als vier Bühnen um auch ja jeden Geschmack bedienen zu können und damit am Ende die Qualität des Lineups komplett zu verwässern oder den Preis extrem zu steigern.

Kill'em
Beiträge: 34
Registriert: Mo 14. Sep 2015, 12:44

Re: Festivals 2026

Beitrag von Kill'em » Mi 1. Jul 2026, 10:20

Ackerfest Open Air, Schöppenstedt, 21. - 22.08.

Ignite
Callejon
Massendefekt
Drei Meter Feldweg
Le Fly
Mandel Kokain Schnaps
Our Mirage
The Pinpricks
Small State
Rambo Ramon
Stereo Start
Below Zero
Hotfilter
Final Impact
Maelføy
Cobra Gang
Quiet Girl

Special Guest: DJ Bavaria (Markus Babbel)

Ein kleines ehrenamtliches Festival in Südost-Niedersachsen. Ich war letztes Jahr schon da und es war wirklich schön. Zwei Tage inkl. Camping sind mit 34,50 € auch mehr als fair.

Benutzeravatar
MairzyDoats
Beiträge: 2769
Registriert: Mo 14. Sep 2015, 11:28

Re: Festivals 2026

Beitrag von MairzyDoats » Mi 1. Jul 2026, 12:01

NeonGolden hat geschrieben:
Mi 1. Jul 2026, 10:11
Ich kann ja nur von mir und meinem persönlichen Umfeld sprechen, aber ich weiß nicht, ob diese Theorie so zutreffend ist. Seitdem ich bzw. wir auf Festivals gehen (2006), werden die Festivals schon primär danach ausgesucht, was man im Lineup kennt und gerne sehen möchte. Wenn man dann zusätzlich noch neue Sachen entdecken konnte, war das die Kirsche auf der Sahne und führte dann meistens zu dem internen Gütesiegel "die haben gutes Booking, da bleiben wir mal dran". Es war aber seltenst eine Quelle für Neuentdeckungen. Neue Musik gibt es in meinem Umfeld durch aktives Reinhören aufgrund von Rezensionen, Blogs, dieses Forum und Empfehlungen von Freunden. Da hat sich in den letzten 20 Jahren quasi nichts geändert.
Glaube das war ungeschickt ausgedrückt. (war aber auch ein Gedanke, der wohl im besagten Talk geäußert wurde, nicht von mir) Würde auch nicht sagen, dass auf Festivals gehen um Bands kennenzulernen eine primäre Motivation für Besucher*innen ist, sondern ein Nebeneffekt, der sich aus so einem Line Up ergibt, der wiederum für Künstler*innen reizvoll ist. Wenn man gerade nix zu gucken hat, guckt man sich halt was anderes an oder hört sich vorab ins Line Up rein und lernt dadurch neue Bands kennen. Und für diesen guten Nebeneffekt haben Bands in der Vergangenheit weniger Gage bei Festivals verlangt, aber diese Zeit ist wohl passé. Wie gesagt, nicht mein Gedanke, dafür hab ich auch zu wenig Einblick.
NeonGolden hat geschrieben:
Mi 1. Jul 2026, 10:11
Die Entwicklung, dass Festivals dazu übergehen ihre Lineups wieder zu verkleinern, betrachte ich als absoluten Gewinn und begrüße ich sehr. Ich verstehe nicht, warum relativ kleine Festivals wie das Appletree unbedingt drei oder vier(?) Bühnen haben müssen. Lieber ein gut kuratierstes Lineup auf zwei Bühnen mit abwechselnder Bespielung als vier Bühnen um auch ja jeden Geschmack bedienen zu können und damit am Ende die Qualität des Lineups komplett zu verwässern oder den Preis extrem zu steigern.
Sehe ich auch so, kann mir auch vorstellen dass ein Festival ohne Überschneidungen für Künstler*innen auch ein Stück weit reizvoller ist.
Hallo wie geht willkommen in meiner Signatur. Lass dir hier bitte richtig gut gehen einfach, Käffchen für dich

Benutzeravatar
Stebbie
Hausmeister
Beiträge: 6837
Registriert: Di 15. Sep 2015, 10:44
Wohnort: I'm just trying to get home

Re: Festivals 2026

Beitrag von Stebbie » Mi 1. Jul 2026, 14:10

Gehe ich auch voll mit, empfinde ein kleineres Programm auch als Gewinn - es sei denn, die Bühnen haben einen konkreten Mehrwert, der noch einmal ein ganz anderen Raum eröffnet und nicht einfach nur ein weiterer Programmpunkt ist.

Ich glaube auch nicht, dass das "Entdecken" eine wirklich dominante Motivation ist, zugleich kann ich mir aber vorstellen, dass der Ruf als Festival der Stars von morgen ein wirklich guter USP sein kann. Das erfordert natürlich eine wirklich konstant gute Kuratierung und Netzwerkarbeit, was vermutlich einfach viel wichtiger werden wird, um sich auf dem schwerer werdenden Markt behaupten zu können. Manchen gelingt es aber durchaus - gerade das End of the Road ist da ja gut unterwegs.

Ich hatte mir die Tage des öfteren die Frage stellt, ob es vielleicht auch einfach notwendig wird, dass man hauptberufliche Geschäftsführungen einsetzt, die sich dann um die strategische Entwicklung des Festivals und Communitybuilding (vor Ort und in der Szene) kümmert.

Weiß jemand, wie es da hier aussieht?
(c) 26.06.2006

Benutzeravatar
Bloodflood
Beiträge: 164
Registriert: Mi 4. Apr 2018, 16:00
Wohnort: Kiel

Re: Festivals 2026

Beitrag von Bloodflood » Do 2. Jul 2026, 18:15

Passend zur Diskussion hat sich der NDR auch etwas mit dem Thema Kleine Festivals in der Krise: Darum kämpfen sie ums Überleben beschäftigt. Der Fokus liegt komplett auf S-H und unter anderem auf den Beispielen die @Stebbie auch schon erwähnt hat (Skandaløs, Wilwarin).

Bin immer noch sehr traurig über das aus des Wilwarin. War seit 2014 jedes Jahr dort und hab Zeiten erlebt als es im Frühjahr bereits ausverkauft war. Und jetzt waren es 1900 verkaufte Tickets im April bei kalkulierten 4000..
War immer ne wilde Mischung vom Programm her, aber hatte in meiner Wahrnehmung lange ein sehr treues Stammpublikum. Die Gerüchte über einen potenziellen Ausfall des Festivals 2026 geisterten aber auch schon während der 2025er Edition übers Festival, also kams auch nicht komplett überraschend. Traurig ists trotzdem.


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Bing [Bot] und 34 Gäste