Festivalberichte
- SammyJankis
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- Registriert: So 13. Sep 2015, 14:46
Re: Festivalberichte
Ich war am Pfingstwochenende in Berlin auf dem Cakewalk Fest in der Malzfabrik. Die zweite Ausgabe wurde auf zwei Tage ausgeweitet und das Line Up versprach einiges. Im Endeffekt ein No-Brainer für mich, Ticket wurde direkt zu VVK Start geschossen. An dem Wochenende waren auch noch Karneval der Kulturen und das DFB Pokalfinale, war stressig, aber da musste man durch. Sehr schade war die Absage der europaexklusiven Death Threat Show. Das wäre für mich und wohl auch für einen nicht unerheblichen Teil der Crowd das Highlight gewesen. Erste Deutschland Show seit 2015/2016, es sollte nicht sein.
Samstag:
Samstag begann für mich mit der Anreise per Flixbus von Hamburg nach Berlin. Alles entspannt und pünktlich. Hatte noch genug Zeit fürs Essen bevor es zur Location ging. Die Veranstaltung fand dieses Jahr in einem anderen, etwas größerem Raum statt. Pro Tag waren um die 300 Zahlende am Start. Da ist sicher noch Luft nach oben, aber für ne gute Atmosphäre langt es alle mal. Sound war am ersten Tag leider ziemlich mau, am zweiten deutlich besser. Ansonsten gab es zwei Food Trucks, die durchweg überfüllt waren. Man durfte aber auch Essen mit reinnehmen bzw wurde nicht kontrolliert, also alles entspannt.
Detonator - Opener aus Köln , stumpfer Ufta Ufta Hardcore. Vor der Bühne so 15-20 Leute, die es gefühlt haben. Rest der Crowd musste noch ankommen. Trotz mehrerer Cover, u.a. Negative Approach, kamen die Demo Songs am besten an. Insgesamt guter Opener, aber kommen in kleineren Räumen besser.
Glow - Sind als Ersatz für Look Ahead, die sich leider aufgelöst haben, aufs Line Up gerutscht. Spielen viel, ich gucke sie auch oft. Kamen sehr gut an. Viel Mosh, passend zum Sanction/"I am King" Ära Code Orange Sound, und ein paar Textsichere. Cover wurde weggelassen. Haben mit der vor Kurzem erschienenen EP auch mittlerweile genug Songs, um ein Set zu füllen. Stimmung war also weiterhin gut.
Compete - Letzter Tag der Tour mit Turn of Phrase. Gestartet wurde mit einem Thin Lizzy Cover mit Unterstützung der Tour Mates. Danach das Set vom Mittwoch inkl. der Cover. Weiterhin viel Bewegung, erste Stage Dives. Set kam nicht ganz an Düsseldorf ran, war aber deutlich besser als Hamburg am Vortag.
Eternal Enemy - Zweite Show, wieder ein extrem dummes Set. Anders dumm als Detonator, da muss man differenzieren. Mosh war natürlich wieder hart und passend zum Slam Death Sound. Gab dieses Mal auch ein Metalcover. Death Threat Cover wurde trotzdem gespielt, kam wieder super an. Death Threat aufm Festland oder UK mit ner vernünftigen Show muss zeitnah kommen. Die Leute sind heiß drauf.
Once and for All - Wie in der Woche zuvor in Düsseldorf folgte auf eine Hannover Band die nächste. Auch hier ähnlich wie bei Eternal Enemy wurde Düsseldorf nicht getoppt, aber es war dennoch sehr stark. Bis dahin für mich der beste Gig des Tages.
Turn of Phrase - Auch hier, ähnlich wie bei Compete, besseres Set als Hamburg, aber kam nicht an Düsseldorf ran. Sound hat hier leider ne Menge kaputtgemacht. Band hatte aber augenscheinlich ne gute Zeit. Auch schön, dass vor zwei Sets Eternal Enemy den stumpfsten Slam präsentierten und nun Hardcore mit starkem Emo Einfluss gespielt wurde und beide Acts gutes Feedback erhalten. Spricht für die Veranstaltung.
Cannonball - UK Straight Edge im Stil der early 00er. Passend dazu das Mental Cover. War ein gutes Set, viel Bewegung. Textsicherheit war auch gegeben. Freut mich für die Band. Die beiden Gigs zu Beginn des Jahres bei den Force of Denial Abschiedsshows waren undankbar, da die Cannonball Sets primär als Pause und zur Erholung genutzt wurden. Hier war das anders. Versöhnlicher Gig.
Spirit Crusher - Ich bin Die Hard Fan und trotz der ganzen Bands, die seit Corona aufgeploppt sind, sind Spirit Crusher für mich die beste deutsche Hardcore Band. Heute auch wieder mit Räucherstäbchen. Gab dann die üblichen Songs. Vor der Bühne pures Chaos. Sänger ohne Berührungsängste, Mic durchweg in der Crowd. Natürlich wurde Mosh nicht hinten angestellt. Der Cro-Mags like Sound ist über jeden Zweifel erhaben. Für mich bester Gig des ersten Tages. Bin hyped auf die zweite LP und hoffentlich eine Release Show Ende des Jahres in Darmstadt/Mannheim/Ludwigshafen.
Magnitude - Exclusive Europe Show. Wurden als Ersatz für Death Threat gebucht. Keine Band kann Death Threat ersetzen, aber das habe ich auch nicht erwartet und ich hoffe sonst auch niemand in der Crowd. Magnitude haben auf jeden Fall abgeliefert. Habe die Band vor einigen Jahren stärker gefühlt, aber es war immer noch ne Top Show, teilweise mehr Chaos als bei Spirit Crusher. Allerdings gab es hier auch Songs, wo weniger los war. Man merkt schon, dass die erste LP der beste Output der Band ist. Mit "Defy" und "Opposition" direkt zu Beginn die beiden besten Songs spielen ist zwar cool, aber man verschießt auch etwas sein Pulver. Dennoch klasse Abschluss des ersten Tages.
Sonntag:
Viel entspannter für mich als Samstag, da kein Reisestress. Aufgestanden, lecker vegan gefrühstückt, bisschen eingekauft und dann ging es zur Location. Trotz schlechterem Headliner hatte ich größere Erwartungen in den zweiten Tag, was die Bands anging.
Tarwomb - Den zweiten Tag dürfte eine lokale Band eröffnen. Bands aus Berlin konnten sich bewerben. Waren junge Kids. Sound null ausgereift und der Sänger hat leider ne Menge peinliche Ansagen rausgehauen. Naja, nächste Band wird besser.
Meat Shield - Frühes Highlight, mit dem ich in dieser Intensität nicht gerechnet hatte. War erst die dritte Show der Band. Dafür absolut routiniertes Set, Sänger stimmlich stark verbessert. Sehr geil auch, dass trotz Ufta Ufta Sound Infest und Bulldoze gecovert wurden. Und beide Cover haben wunderbar funktioniert. War sehr stark.
Fear of Sin - Es ging stark weiter. Für mich beste deutsche Hardcore Band, die letztes Jahr ihre Demo gedropt hat. Gutes Riffing, fiese Moshparts. Das Integrity Cover wurde natürlich nicht gespielt. Dafür gab es In Cold Blood, man bleibt in Cleveland. Crowd war auch voll dabei. Top Gig, könnte ich jede Woche gucken.
Blockage - Eine von zwei Hardcore Bands aus Berlin, die rumkommt. Ein Mitglied ist auch im Orgateam des Fests. Ich war gespannt, ob es in Berlin einen Hometown Bonus gibt, aber hatte während der Show nicht das Gefühl. Im Endeffekt auch schon besser gesehen in NRW. Sound ist in Ordnung, aber gibt aufregenderen Bands, was schnelleren Sound angeht. Dennoch solide abgeliefert.
Wits End - Erste Show in Deutschland und die Crowd war da. Von Beginn an Chaos, mehr Mosh als ich erwartet habe. Die Songs der Demos sind top. Einfach ein perfekte Mix aus Mosh und Schnelligkeit. Dazu noch Madball und Agnostic Front Cover, wenn ich es richtig im Kopf habe. War groß. Hoffentlich ab jetzt häufiger in Europa.
Bulls Shitt - Einzige Band aus Skandinavien an dem Wochenende. Da bestehen für zukünftige Ausgaben noch massig Möglichkeiten für gute Buchungen. Ich hab im Vorfeld die Platte diverse Male gehört und war hyped. Und es stand Wits End in Nichts nach. Die Musik ist stark punkiger Hardcore, perfekt für Side to Sides. Es hat super gezündet. Crowd hatte 20 Minuten lang Spaß. Der Sänger hat diversen deutschen Bands Probs gegeben und mit der Ansage zum letzten Track "This song is for hardcore worldwide and i don't mean the youtube channel" zumindest mich zum schmunzeln gebracht hat. War astrein. Keine Band für die Massen, aber perfekt für solche Veranstaltungen.
Killing Me Softly - Einzige Metalcore Band des Wochenendes. Ich hab die ersten 1-2 Songs verpasst. Set war vom Sound her gut, aber habs nach Wits End und Bulls Shitt nicht gefühlt. Mosh war aber da, aber natürlich wars nicht wie in Glasgow, dennoch absolut in Ordnung. Stand allerdings auch am Ende des Raumes. Freund*innen meinten durchweg, dass die Band sehr lustlos gewirkt hat. Naja, also in Zukunft doch eher in UK gucken.
The Flex - Ohne Zweifel bestes Set des Wochenendes. Quasi Bulls Shitt, nur mit deutlicher Steigerung. Pit war riesig, durchweg Side to Sides, völliges Chaos vor der Bühne, Stage Dives, Headwalks. Ein Set, bei dem auch genrefremde verstehen würden, was an dem Genre faszinierend ist. Gab nochn Breakdown Cover. The Flex sind irgendwie zu der Band geworden, auf die sich alle einigen können. Völlig zurecht.
Integrity - Nicht viel erwartet, dennoch enttäuscht worden. Die Band ist im Endeffekt der Sänger, der sich für Gigs drei Leute für die Instrumente zusammensucht. Sound war vollkommen in Ordnung. Gab auch Mosh und Singalongs, wobei ich die neuen Tracks nicht brauche. Es würde reichen, nur Stuff von "Systems Overload", "Those who Fear Tomorrow" und "Humanity is the Devil" zu spielen, alle wären glücklich. Was die Show zur Lachnummer verkommen lässt, ist der Hype Man. Der Sänger hat anscheinend kein Bock mehr auf Singalongs, was in dem Alter verständlich ist. Dafür dann einen random Dude mit Sturmhaube zu aquirieren, der bei den wichtigen Parts nach vorne stürmt und das Mikro in die Crowd hält, kann nicht die Lösung sein. Fremdscham pur mit dem Höhepunkt beim größten Hit "Judgement Day", als der Sänger mitten in der Strophe aufhört zu singen und gemächlich etwas trinkt, während der Hype Man schnell in die erste Reihe spricht um zu übernehmen. In dem Moment ist etwas in mir gestorben. Bin dann auch raus. Abgesehen vom local Opener mieseste Band des Wochenendes.
Fazit:
Ein Headliner war ein Reinfall und der Sound am ersten Tag mies. An diesen Kritikpunkten führt kein Weg vorbei. Ansonsten bleibt aber eine klasse Veranstaltung mit einem Line Up, welches alles bedient, was momentan im Hardcore Kosmos angesagt ist. Hätte mir Mitte/Ende der 10er Jahre jemand gesagt, dass es in 5-10 Jahren eine solche Veranstaltung über zwei Tage in Deutschland gibt. Ich hätte stark daran gezweifelt. Das kann vom Line Up her mit den UK Festivals konkurrieren, für die ich häufiger mal längere Wege auf mich nehme. Wer mal Hardcore abseits von Turnstile, Knocked Loose und den alten Bands, die jedes Jahr 2-3x in Europa sind, erleben möchte, macht hier nichts falsch. Klare Empfehlung meinerseits. Nächstes Jahr safe wieder am Start. Wünsche wären:
the rival mob
demonstration of power
despize
dynamite
feels like heaven
echo chamber
big iron
angel ccaa
fierce
preemptive strike
listed
no laughing matter
Samstag:
Samstag begann für mich mit der Anreise per Flixbus von Hamburg nach Berlin. Alles entspannt und pünktlich. Hatte noch genug Zeit fürs Essen bevor es zur Location ging. Die Veranstaltung fand dieses Jahr in einem anderen, etwas größerem Raum statt. Pro Tag waren um die 300 Zahlende am Start. Da ist sicher noch Luft nach oben, aber für ne gute Atmosphäre langt es alle mal. Sound war am ersten Tag leider ziemlich mau, am zweiten deutlich besser. Ansonsten gab es zwei Food Trucks, die durchweg überfüllt waren. Man durfte aber auch Essen mit reinnehmen bzw wurde nicht kontrolliert, also alles entspannt.
Detonator - Opener aus Köln , stumpfer Ufta Ufta Hardcore. Vor der Bühne so 15-20 Leute, die es gefühlt haben. Rest der Crowd musste noch ankommen. Trotz mehrerer Cover, u.a. Negative Approach, kamen die Demo Songs am besten an. Insgesamt guter Opener, aber kommen in kleineren Räumen besser.
Glow - Sind als Ersatz für Look Ahead, die sich leider aufgelöst haben, aufs Line Up gerutscht. Spielen viel, ich gucke sie auch oft. Kamen sehr gut an. Viel Mosh, passend zum Sanction/"I am King" Ära Code Orange Sound, und ein paar Textsichere. Cover wurde weggelassen. Haben mit der vor Kurzem erschienenen EP auch mittlerweile genug Songs, um ein Set zu füllen. Stimmung war also weiterhin gut.
Compete - Letzter Tag der Tour mit Turn of Phrase. Gestartet wurde mit einem Thin Lizzy Cover mit Unterstützung der Tour Mates. Danach das Set vom Mittwoch inkl. der Cover. Weiterhin viel Bewegung, erste Stage Dives. Set kam nicht ganz an Düsseldorf ran, war aber deutlich besser als Hamburg am Vortag.
Eternal Enemy - Zweite Show, wieder ein extrem dummes Set. Anders dumm als Detonator, da muss man differenzieren. Mosh war natürlich wieder hart und passend zum Slam Death Sound. Gab dieses Mal auch ein Metalcover. Death Threat Cover wurde trotzdem gespielt, kam wieder super an. Death Threat aufm Festland oder UK mit ner vernünftigen Show muss zeitnah kommen. Die Leute sind heiß drauf.
Once and for All - Wie in der Woche zuvor in Düsseldorf folgte auf eine Hannover Band die nächste. Auch hier ähnlich wie bei Eternal Enemy wurde Düsseldorf nicht getoppt, aber es war dennoch sehr stark. Bis dahin für mich der beste Gig des Tages.
Turn of Phrase - Auch hier, ähnlich wie bei Compete, besseres Set als Hamburg, aber kam nicht an Düsseldorf ran. Sound hat hier leider ne Menge kaputtgemacht. Band hatte aber augenscheinlich ne gute Zeit. Auch schön, dass vor zwei Sets Eternal Enemy den stumpfsten Slam präsentierten und nun Hardcore mit starkem Emo Einfluss gespielt wurde und beide Acts gutes Feedback erhalten. Spricht für die Veranstaltung.
Cannonball - UK Straight Edge im Stil der early 00er. Passend dazu das Mental Cover. War ein gutes Set, viel Bewegung. Textsicherheit war auch gegeben. Freut mich für die Band. Die beiden Gigs zu Beginn des Jahres bei den Force of Denial Abschiedsshows waren undankbar, da die Cannonball Sets primär als Pause und zur Erholung genutzt wurden. Hier war das anders. Versöhnlicher Gig.
Spirit Crusher - Ich bin Die Hard Fan und trotz der ganzen Bands, die seit Corona aufgeploppt sind, sind Spirit Crusher für mich die beste deutsche Hardcore Band. Heute auch wieder mit Räucherstäbchen. Gab dann die üblichen Songs. Vor der Bühne pures Chaos. Sänger ohne Berührungsängste, Mic durchweg in der Crowd. Natürlich wurde Mosh nicht hinten angestellt. Der Cro-Mags like Sound ist über jeden Zweifel erhaben. Für mich bester Gig des ersten Tages. Bin hyped auf die zweite LP und hoffentlich eine Release Show Ende des Jahres in Darmstadt/Mannheim/Ludwigshafen.
Magnitude - Exclusive Europe Show. Wurden als Ersatz für Death Threat gebucht. Keine Band kann Death Threat ersetzen, aber das habe ich auch nicht erwartet und ich hoffe sonst auch niemand in der Crowd. Magnitude haben auf jeden Fall abgeliefert. Habe die Band vor einigen Jahren stärker gefühlt, aber es war immer noch ne Top Show, teilweise mehr Chaos als bei Spirit Crusher. Allerdings gab es hier auch Songs, wo weniger los war. Man merkt schon, dass die erste LP der beste Output der Band ist. Mit "Defy" und "Opposition" direkt zu Beginn die beiden besten Songs spielen ist zwar cool, aber man verschießt auch etwas sein Pulver. Dennoch klasse Abschluss des ersten Tages.
Sonntag:
Viel entspannter für mich als Samstag, da kein Reisestress. Aufgestanden, lecker vegan gefrühstückt, bisschen eingekauft und dann ging es zur Location. Trotz schlechterem Headliner hatte ich größere Erwartungen in den zweiten Tag, was die Bands anging.
Tarwomb - Den zweiten Tag dürfte eine lokale Band eröffnen. Bands aus Berlin konnten sich bewerben. Waren junge Kids. Sound null ausgereift und der Sänger hat leider ne Menge peinliche Ansagen rausgehauen. Naja, nächste Band wird besser.
Meat Shield - Frühes Highlight, mit dem ich in dieser Intensität nicht gerechnet hatte. War erst die dritte Show der Band. Dafür absolut routiniertes Set, Sänger stimmlich stark verbessert. Sehr geil auch, dass trotz Ufta Ufta Sound Infest und Bulldoze gecovert wurden. Und beide Cover haben wunderbar funktioniert. War sehr stark.
Fear of Sin - Es ging stark weiter. Für mich beste deutsche Hardcore Band, die letztes Jahr ihre Demo gedropt hat. Gutes Riffing, fiese Moshparts. Das Integrity Cover wurde natürlich nicht gespielt. Dafür gab es In Cold Blood, man bleibt in Cleveland. Crowd war auch voll dabei. Top Gig, könnte ich jede Woche gucken.
Blockage - Eine von zwei Hardcore Bands aus Berlin, die rumkommt. Ein Mitglied ist auch im Orgateam des Fests. Ich war gespannt, ob es in Berlin einen Hometown Bonus gibt, aber hatte während der Show nicht das Gefühl. Im Endeffekt auch schon besser gesehen in NRW. Sound ist in Ordnung, aber gibt aufregenderen Bands, was schnelleren Sound angeht. Dennoch solide abgeliefert.
Wits End - Erste Show in Deutschland und die Crowd war da. Von Beginn an Chaos, mehr Mosh als ich erwartet habe. Die Songs der Demos sind top. Einfach ein perfekte Mix aus Mosh und Schnelligkeit. Dazu noch Madball und Agnostic Front Cover, wenn ich es richtig im Kopf habe. War groß. Hoffentlich ab jetzt häufiger in Europa.
Bulls Shitt - Einzige Band aus Skandinavien an dem Wochenende. Da bestehen für zukünftige Ausgaben noch massig Möglichkeiten für gute Buchungen. Ich hab im Vorfeld die Platte diverse Male gehört und war hyped. Und es stand Wits End in Nichts nach. Die Musik ist stark punkiger Hardcore, perfekt für Side to Sides. Es hat super gezündet. Crowd hatte 20 Minuten lang Spaß. Der Sänger hat diversen deutschen Bands Probs gegeben und mit der Ansage zum letzten Track "This song is for hardcore worldwide and i don't mean the youtube channel" zumindest mich zum schmunzeln gebracht hat. War astrein. Keine Band für die Massen, aber perfekt für solche Veranstaltungen.
Killing Me Softly - Einzige Metalcore Band des Wochenendes. Ich hab die ersten 1-2 Songs verpasst. Set war vom Sound her gut, aber habs nach Wits End und Bulls Shitt nicht gefühlt. Mosh war aber da, aber natürlich wars nicht wie in Glasgow, dennoch absolut in Ordnung. Stand allerdings auch am Ende des Raumes. Freund*innen meinten durchweg, dass die Band sehr lustlos gewirkt hat. Naja, also in Zukunft doch eher in UK gucken.
The Flex - Ohne Zweifel bestes Set des Wochenendes. Quasi Bulls Shitt, nur mit deutlicher Steigerung. Pit war riesig, durchweg Side to Sides, völliges Chaos vor der Bühne, Stage Dives, Headwalks. Ein Set, bei dem auch genrefremde verstehen würden, was an dem Genre faszinierend ist. Gab nochn Breakdown Cover. The Flex sind irgendwie zu der Band geworden, auf die sich alle einigen können. Völlig zurecht.
Integrity - Nicht viel erwartet, dennoch enttäuscht worden. Die Band ist im Endeffekt der Sänger, der sich für Gigs drei Leute für die Instrumente zusammensucht. Sound war vollkommen in Ordnung. Gab auch Mosh und Singalongs, wobei ich die neuen Tracks nicht brauche. Es würde reichen, nur Stuff von "Systems Overload", "Those who Fear Tomorrow" und "Humanity is the Devil" zu spielen, alle wären glücklich. Was die Show zur Lachnummer verkommen lässt, ist der Hype Man. Der Sänger hat anscheinend kein Bock mehr auf Singalongs, was in dem Alter verständlich ist. Dafür dann einen random Dude mit Sturmhaube zu aquirieren, der bei den wichtigen Parts nach vorne stürmt und das Mikro in die Crowd hält, kann nicht die Lösung sein. Fremdscham pur mit dem Höhepunkt beim größten Hit "Judgement Day", als der Sänger mitten in der Strophe aufhört zu singen und gemächlich etwas trinkt, während der Hype Man schnell in die erste Reihe spricht um zu übernehmen. In dem Moment ist etwas in mir gestorben. Bin dann auch raus. Abgesehen vom local Opener mieseste Band des Wochenendes.
Fazit:
Ein Headliner war ein Reinfall und der Sound am ersten Tag mies. An diesen Kritikpunkten führt kein Weg vorbei. Ansonsten bleibt aber eine klasse Veranstaltung mit einem Line Up, welches alles bedient, was momentan im Hardcore Kosmos angesagt ist. Hätte mir Mitte/Ende der 10er Jahre jemand gesagt, dass es in 5-10 Jahren eine solche Veranstaltung über zwei Tage in Deutschland gibt. Ich hätte stark daran gezweifelt. Das kann vom Line Up her mit den UK Festivals konkurrieren, für die ich häufiger mal längere Wege auf mich nehme. Wer mal Hardcore abseits von Turnstile, Knocked Loose und den alten Bands, die jedes Jahr 2-3x in Europa sind, erleben möchte, macht hier nichts falsch. Klare Empfehlung meinerseits. Nächstes Jahr safe wieder am Start. Wünsche wären:
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Re: Festivalberichte
Primavera Sound 2026
So, nach kurzem Mittagsschlaf und bisschen Krempel auspacken, jetzt wieder auf dem Sofa zu Hause. Und was soll ich sagen: Es war wieder einmal eine absolut wundervolle Festival- und Urlaubswoche mit lieben Leuten, einer Wohnung, die wirklich hätte nicht besser sein können (150 Meter neben dem Geländeeingang), viel Strand und Sonne und natürlich der besten Musik der Welt - also für mich.
Hat sich in vieler Hinsicht angefühlt wie ein Best-of-Primavera - was die unzähligen positiven Seiten des Festivals angeht und ebenso, was das gewohnte organisatorische und kommunikative Versagen angeht in manchen Bereichen. Werde auf Letzteres noch etwas eingehen, möchte aber schonmal sagen, dass die Probleme, die es zweifelfrei gab, nicht im Ansatz dem Katastrophenbild entsprechen, das entsteht, wenn man auf dem Subreddit unterwegs ist. 90% des Gejammers dort stammt von Amerikanern, die so unselbständig und unfähig sind, dass sie auf einem durchschnittlichen Hurricane-Freitag mit etwas Regen, Hitze und paar Stunden Anstehen in der Bändchenschlange, schlichtweg sterben würden. Ich bin mir sicher. Aber in der deutlichen cooleren Online-Community rund ums Primavera, nämlich dem Discord, wurde das Posten von Reddit-Jammerthreads so - wie jedes jahr - zur guten Belustigung für alle Beteiligten…während man eine schöne Zeit auf dem Festival hatte.
Aber nun zum Wesentlichen:
Angekommen sind wir, wie in den letzten jahren auch, am Montagnachmittag. Diesmal waren wir zu Dritt in unserer Wohnung direkt am Festivaleingang mit Balkonsicht direkt in Richtung der Hauptbühnen von 12. Stock aus - ich, Hartmann (wer Ihn kennt) und Julian (MairzyDoats). Waren dann Abends nur noch ums Eck ein bisschen Tapas essen und ein paar kühle Estrellas aus dem gefrorenen Glass trinken. Konzert haben wir uns gespart.
Dienstag haben wir dann einen schönen Strandtag eingelegt. Also schön im Mittelmeer schwimmen, paar Bierchen trinken und Musikhören während man in der Sonne liegt. Das gute Leben. Abends waren wir dann noch Tapas essen und die ein oder andere Sangriakaraffe trinken, bevor es dann mit Konzerten losging. Dazu sei kurz gesagt, dass dieses Jahr das erste war, in dem ich nicht auf Anhieb Plätze für alle Ciutat-Konzerte, die ich sehen wollte, bekommen hatte. Mal gewinnt man, mal…aber gut: Am Ende bin ich dann im normalen limitierten Vorkauf für die Clubkonzerte, der auch Nicht-Festivalbesuchern offensteht, doch erfolgreich gewesen und konnte die Musikwoche, wie erhofft, mit Fine und Snuggle starten im LAUT-Club.
Der ist klein und s(ch)nuggelig - vielleicht 150 Leute, schätze ich. Fine und Snuggle kommen beide aus Dänemark und sind der großartigen Kopenhagener Dream-Pop-Szene zuzuordnen. Was die Künstler dort so viel besser macht, als fast alles, was sonst dem Genre zuordnen ist: Sie können tatsächlich gute Songs schreiben, während vielen Genrekolleg*innen ja meist schon eine Soundästhetik reicht, die dann schnell abflacht ohne gute Songs. Fine kannte ich vorher weniger und was soll ich sagen: Es war überragend. Wer Mazzy Star (und Hope Sandovals Gesang) so sehr vermisst wie ich: Näher kommt man heute nicht mehr dran. Es war wirklich wunderschön. Auch die Backingband war super tight. Publikum euphorisch und respektvoll, mega Start ingesamt. Danach kamen Snuggle, deren Album Goodbyehouse im letzten Jahr eines meiner liebsten war. Bisschen mehr Dynamik als Fine, etwas mehr Shoegaze. Es war großartig. War sogar noch besser als erwartet. Bin jetzt Fine-Fan.
Danach sind wir noch rüber in den Sala Apolo zu Yves Tumor. Dessen Musik mag ich auch supergern auf Platte, heute Abend war es nichts. Die Band war gut, aber Yves Tumor wirkte ziemlich unmotiviert und verwirtt. Zwischendurch war er auch mal 10 Minuten nicht mehr auf der Bühne, keine Ahnung was da los war. Cool war aber, dass der gemeinsamte Song mit NINA von bar italia gespielt wurde - denn die standen zuvor im gleichen Club auf der Bühne.
Mittwoch waren wir dann wieder schön am Strand und haben nachmittags noch vegetarische Burger gemacht im Apartment, bevor es dann zu Mogwai im Razzmatazz gehen sollte. Meine Post-Rock-Zeit ist schon länger vorbei und auch wenn Mogwai da immernoch eine Ausnahmestellung haben für mich, höre ich sie nicht mehr ganz so häufig. Als der Gig im Club mit 2-Stunden-Slot angekündigt wurde, habe ich mich aber trotzdem sehr gefreut. Und zum Glück war es auch fantastisch. Sicherlich das beste der (glaube ich) sechs Konzerte, die von der Band gesehen habe. Der Sound war laut und super druckvoll, die Crowd ruhig und vor allem die Setlist für mich überragend: “Yes! I Am a Long Way From Home” als Opener, “New Paths to Helicon, Pt. 1” kurz danach (mein Lieblingssong der Band), “Hunted by a Freak”, endlich mal wieder “Mogwai Fear Satan”, “Auto Rock” und als Zugabe eine mächtige 20-Minuten-Version von “My Father, My King”.
Hier nochmal zu den Ciutat-Gigs: Die sollte man eher als Bonus sehen, sind für mich aber absoluter Teil dessen, was das Festival so großartig macht. Man sollte sich also zum richtigen Zeitpunkt um Tickets bemühen - was so gut wie immer auch klappt, wenn man etwas Geduld hat. Habe viel Gejammer im Vorfeld vernommen…man hätte das Ticketing nicht kommuniziert (ich habe ca. 15 Mails bekommen + Social Media + Website, aber gut…) und es wäre ja ohnehin unfair, dass man jetzt nicht das kleine Geese Club-Konzert vor 1000 Leute sehen könnte (war parallel zu Mogwai), weil es ja in einer Sekunde ausverkauft gewesen wäre. Das ist so die Qualität des Gejammers von sehr vielen. Aber wie oft, gibt auch immer ein Funken Wahrheit: Tatsächlich wurde es technisch verkackt, dass die Leute, die über Fever Festivaltickets gekauft hattem (ich), bei der ersten Runde der Platzvergabe teilnehmen konnten. Nervig, wurde aber schnell gelöst.
Wir sind dann nach dem Mogwai-Gig zum Gelände rübergegangen und habe noch einen guten Platz ergattert für den letzten Act vom Opening Day: Wet Leg. Ich war mit der Musik nicht so wirklich vertraut und werde vermutlich auch kein Überfan werden, aber Spaß gemacht hat es allemal. Das Publikum war auch into it, obwohl das beim Opening-Day, der für alle Einwohner in Barcelona geöffnet ist und dementsprend auch oft als Hangout-mit-Background-Musik-Tag genutzt wird, nicht immer selbstverständlich ist. Hatte im Anschluss einen hartnäckigen Ohrwurm von “mangetout”.
Donnerstag dann der erste richtige Festivaltag, der zu Beginn erstmal im Zeichen stand von einem von Cameron Winters sehr seltenen Sologigs - angesetzt im Auditorium mit rund 2000 Plätzen Kapazität. Von unserem Balkon aus hatten wir besten Ausblick darauf, wie fucking real der Hype um Geese und ihren Frontmann gerade ist. Ab 12 Uhr standen die ersten Leute dort, Einlass war erst ab Viertel vor 4, Beginn um 17 Uhr - an einem Festivaltag, der normalerweis bis 6 Uhr in die früh geht standen die Leute also schon stunden vorher an. Und war das bisschen zu stressig, also haben wir bis 15 Uhr Limoncello-Spritz auf dem Balkon getrunken und sind dann runter - die Schlange war mittlerweile wohl einige hundern Meter lang. Wir hatten Glück und fanden Bekannte, die uns genädigerweise aufgenommen haben an ihrem Schlangenplatz, sodass wir uns gute Einlasschancen ausrechenen konnten - theoretisch. Aber das Primavera wäre nicht das Primavera, wenn nicht immer wieder organisatorisch vollig gehirnamputiert wirkende Entscheidungen getroffen werden würden. In Kürze: Die eine gesonderte Einlassschlange für das Auditori wurde kurz vor Geländeöffnung kurzfristig aufgelöst, sodass alle Eingänge nutzbar wurden. Das führte dazu, dass plötzlich mehrere Tausend wildgewordene Fans auf alle Eingänge zugesprintet sind. Das hätte auch gefährlich werden können…was für ein Schwachsinn. Diejenigen aus unserer Gruppe, die auch losgerannt sind, kamen auch rein, uns war das aber zu viel Stress. Unendlich dämlich von allen Beteiligten - Orga trifft die Hauptschuld, klar, aber auch kacke von den Leuten die dann wie besengt losprinten müssen.
Wir sind dann zur Cupra-Stage (ehemals Ray Ban) gegangen und haben das Festival mit Gisela Joao einläutet. Schön im Sitzen bei (da noch) gutem Wetter machen die lokalen Acts immer direkt gute Laune bei mir. Der Stress zuvor, direkt vergessen. Wobei lokal hier nicht so ganz stimmt: War nämlich portugiesischer Fado. Schön! Im Anschluss spielten dann Men I Trust auf der gleichen Bühne, wärend es sich langsam zuzog. Kannte die Band jetzt nicht megagut und habe einfach entspanntes Konzert im Sitzen erwartet, aber wurde echt sehr positiv überrascht. Das hatte deutlich mehr Groove und musikalische Finesse, als ich erwartet hatte. Im Grunde war es ein City-Pop-Konzert vom Vibe her - und ich liebe City-Pop. War innerlich richtig im Zen-Modus irgendwann. Danach war ich noch kurz bei Geese, was mir aber zu voll war. War ja eh beim Konzert in Berlin vor kurzem und besser geht es sowieso nicht. Stattdessen habe ich mir im Auditori caroline angesehen und es war wirklich himmlisch schön. Für mich der beste Auftritt des Tages. Völlig beeindruckend, wie Musik so emotional und gleichzeitig so durchkonzipiert klingen kann. Gibt nicht immer Standing-Ovations im Auditori, aber hier gab es am Ende kein Halten mehr.
Beim Rausgehen aus dem Auditori haben wir uns dann ein wenig gefühlt wie Cillian Murphy am Anfang von 28 Days Later: Die Welt war untergeangen in der einen Stunde, die wir gemütlich drinnen saßen. Wolkenbruch, Stromausfall auf der Main Stage, Absage von diversen Acts - auch von Massive Attack, wo wir eigentlich gerade hinwollten. Woher wir das wussten? Nun, eigentlich überhaupt nicht, denn es gab mal wieder eine Masterclass in Kommunikation des Festivals. Also eigentlich keine. Wir haben uns das alles mehr oder weniger zusammengereimt. Nungut, also wieder zurück richtung Cupra-Area. Mac DeMarco auch abgesagt, hmm. Dann aber Licht am Horizont gesehen - auf der Pitchfork-Stage (heute Schwarzkopf) schien noch was passieren. Schnell dahin spaziert und gerade rechtzeitig für ein absolut magisches Konzert von Skullcrusher im strömenden Regen. Bin eigentlich davon ausgegangen, dass sie Überscheidungen zu Opfer fallen würde, umso schöner sie dann doch zu sehen. Hat für mich etwas sehr Grouper-haftes, wenn auch etwas reduzierter und mit weniger Fokus auf Soundästhetik. Himmlich schön. Im Anschluss sind wir dann auf die Cupra-Stage gegangen, wo Father John Misty spielen sollte. Dort standen wir dann also schön weit vorne und durften ein superkraftvolles Konzert von einem der besten Songwriter seiner Generation bewundern, das auch nochmal eine ganze besondere Euphorie freigesetzt hat, nachdem man vorher schon dachte, dass gleich alles abgesagt werden würde. Sound war auch absolut bombastisch. “Holy Shit”…schmelzen und weinen. Danach habe ich schön TV Girl verpasst (wollte ich eigentlich sehr gerne sehen), weil die Nachricht kam, dass nun doch Massive Attack spielen würden etwas verspätet. Also schön dumm an der Mainstage rumgestanden und über eine halbe Stunde gewartet, damit dann doch wieder absgesagt wurde. Massive Attack sind einfach verflucht. Dann aber ganz fix rüber zur kleinsten Bühne, der Port Stage (ehemals Adidas) zu Melt-Banana. Denn eines ist Gesetz: Wenn es nach 2 Uhr ist und dort was passiert, wird es großartig. Und das war es auch. Der Regen war schlimmer denn je, aber das hat die Menge umso mehr motiviert. Heftiger Moshpit und mega sympathischer Aufritt der japanischen Noise-Rock-Legenden. Liebe das Primavera für solche Buchungen. Dann pitschepatschenass und rundum glücklich heim.
Am nächsten Tag haben wir nur bisschen rumgegammelt und zusammen gekocht und sind dann bei wesentlich besserem Wetter am Nachmittag wieder rübergeschlendert aufs Gelände. Zuerst gab es .bd. Lokale Band, die eine an The World Is a Beautiful Place yadda yadda yadda erinnernde Mischung aus Emo und Post-Rock auf die Bühne gebracht haben. War super zum reinkommen. Dann rüber zu NewDad, die die Mainstage eröffnet haben. Sehr entspannter Indie-Rock. Nicht für die Ewigkeit, aber großartig für einen sonnigen Nachmittag. Im Anschluss bin ich dann liebend gerade meiner Pflicht nachgekommen und habe mir Slowdive auf der Mainstage angesehen. Sound war am Anfang etwas daneben leider und auch der Slot im Hellen war nicht perfekt, aber was soll man sagen: Wenn sich “Allison” oder “Souvlaki Space Station” in deine Gehörgänge graben, ist auch ein unperfektes Slowdive-Konzert pure Schönheit. Im Anschluss ging es dann wieder zu kleinen Port-Stage zu Water From Your Eyes. Bin großer Fan sowohl von Nate Amos Soloprojekt This Is Lorelei als auch seiner Band und hatte dementsprechend eine fantastische Zeit mit dem weirden Indie-ish-Rock, der geboten wurde. Crowd auch super drin und mächtig voll, obwohl 15 Minuten später schon The Cure anfangen sollten. Dort ging es dann für mich auch hin im Anschluss.
Hier haben wir mal wieder Trick 17 angewandt: Addison Rae war gerade fertig auf der rechten Bühne, also sind wir genau dort entgegen den abwandernden Popfans nach vorn gegangen und sind ein paar Minuten vor Beginn noch ziemlich weit nach vorn gekommen. Klappt immer, wenn zwei minimal unterschiedliche Acts hintereinander spielen. Zu The Cure: Vorfreude war sehr groß bei mir, denn ich habe die Band zuletzt 2012 beim Hurricance gesehen. Bin jetzt nicht der allergrößte Fan, aber kenne und schätze vieles doch sehr. Jetzt kommt aber meine Frevelei: Ich würde ein 90 Minuten-Set mit Fokus auf den eher ruhigen, melancholischen Songs einem 2,5-Stunden-Gig wie hier doch definitiv vorziehen. Es war schon sehr stark, aber vor allem den kompletten Indie-Schützenfest-Zugabenblock hätte ich einfach nicht gebraucht. Zudem hatten die Briten um uns herum durch die Konzertlänge ziemlich viel Zeit, um äußerst besoffen und unangenehm zu werden - und die haben sie natürlich liebend gerne ergriffen. Laberspanier mittweile wirklich nur noch auf Platz 3 der nervigen Festivalgruppen. Sauf-Boomer-Briten sind definitiv ätzender, Amerikaner sowieso konkurrenzlos. Während sich die meisten Besucher im Anschluss dann vor die Cupra zu Pinkpantheress gedrängt haben, bin ich zur kleinen Port-Stage zu Kylesa gangen. Das war leider gar nicht so gut. Glaube wenn Stoner-Rock/-Metal, dann mag ich eher die sehr langsame, psychedelische Schiene à la Sleep mehr. War okay. Gleiches gilt für Viagra Boys, die dann zum Tagesabschluss auf der Occident-Stage (Ex-Amazon) gespielt haben um 3 Uhr. Es ging wirklich ordentlich ab und das Saxofon hat dem ganzen Post-Punk-Krempel eine wirklich coole Dimension hinzugefügt, aber mir das nicht so wahnsinnig viel gegeben und dieses proletenhafte Machogehabe finde ich auch immer unangenehm. Im Nachhinein aber echt richtig viel positives Feedback vernommen von Fans der Band. Bin ich halt nicht.
Dann kam nach einem entspannten Tagesstart der finale Festivaltag und es sollte der vielleicht beste Tag auf irgendeinem Festival werden, den ich je erlebt habe. @MairzyDoats meinte das auch…und euphorisiert auf dem Heimweg sind uns beiden zumindest keine Gegenbeispiele eingefallen.
Los ging es mit Grace Ives in der Sonne auf der Cupra-Stage. Für alle Menschen, die Pop in der Lorde-Spielart mögen. Hört in das aktuelle Album rein, es ist genial. Und live war es auch toll. Könnte halt genauso auch um 22 Uhr auf der Mainstage spielen von der Musik her. Super! Dann bin ich rübergegangen ins Auditori, wo Beverly-Glenn Copeland und Elizabeth Copeland spielen sollten. Begleitet wurde die Beiden von einem Pianisten und einer Saxofonisten. Ich wusste nicht was mich erwarten würde und wurde umgehauen. Es war ein solch wundervolles Konzert voller Liebe, Wärme und Empathie, dass es kaum in Worte zu fassen ist. Da war vieles dabei, was man sonst schnell als kitschig oder peinlich abtun würde. Aber es war so ehrlich und aufrichtig und das ganze Publikum hat sich darauf eingelassen, dass es am Ende einfach ein total großartiges und erfrischendes Erlebnis war. So wunderbar, dass man danach einfach nur ein guter Mensch ein möchte in dieser zynischen, abgeklären Kackgesellschaft - für sich und alle, die einem was bedeuten. Im Anschluss haben wir uns dann sehr dicht vor der linken Hauptbühne positioniert, um einen guten Platz zu haben für My Bloody Valentine. Von dort haben wir dann noch das richtig gute Konzert von Little Simz gesehen. Dachte immer, dass wäre so Intellektuellen-Rap mit smoothen Jazz-Beats, den ich nicht mögen würde, aber live ging es ordentlich ab und war auch wirklich super tight gerappt. Mega gute Vibes zum Sonnenuntergang.
Und dann folgten My Bloody Valentine. Es gibt, abgesehen von Boards of Canada vielleicht, keinen Act in der Welt, denn ich schon so lange so gerne live sehen wollte. Seit 10 Jahren habe ich diesen Auftritt beim Primavera manifestiert und ENDLICH hatte ich Erfolg. Schon den ganzen Tag über hat sich völlig surreal angefühlt, dass es heute soweit sein sollte. Dank spontan angekündigten Oliva Rodrigo-Suprise-Konzert am anderen Ende des Geländes, war das Publikum, das sich vor der Mainstage (zumindest dort wo wir standen) eingefunden hatte, auch absolut Primavera-Oldschool - alle zu einhundert Prozent fixiert auf das, was kommen sollte. Als Little Simz fertig war, konnte man die Luft förmlich knistern hören. Und dann, pünklicht nach dem Sonnenuntergang, kam die Band auf die Bühne und los ging es. Eigentlich kann man an einer solchen Erwartungshaltung ja nur scheitern, but not today. Denn es war unfassbar. Eines der besten Konzerte, die ich je gesehen habe. Ich war 75 Minuten wie weggebeamt. Transzendental. Ich war so unfassbar glücklich! Dann brauchte ich erstmal Pause und musste dieses Konzert wirken lassen, einsinken lassen. Wieder klar kommen.
Deshalb habe ich mir Joey Valence & Brae im Anschluss auch nur von hinten angeschaut. Auch das war megagut. Glaube man kommt nicht näher dran an einen Beastie Boys-Auftritt im Jahr 2025. Und die Crowd war absolut fucking hyped. Mega spaßig. Dann folgte ein Primavera-typischer Cut und: Knocked Loose auf der Cupra. Es war nicht megavoll, aber alle die da waren, wollten Stress. Gibt ja immer dieses Phänomen beim Primavera: Jedes Mal, wenn eine der “token Hardcore-Bands” spielt, spawnen plötzlich 10 Dudes in All Out War-Shirts und let’s go. Keine Ahnung, wo die sich sonst so rumtreiben, aber es ist einfach immer ein Mysterium. Sound war klasse abgemischt und dementsprechend richtig hart. Ging richtig gut zur Sache…das erste Mal, dass jemand auf dem Primavera von der Bühne “Who can fucking Spinkick” gefragt hat - und diese dann auch bekommen hat. War klasse.
Der Abschluss des Festivals für mich sollte dann Ninajirachi sein. Meine Vorfreude war nicht geringer als gigantisch, denn “I Love My Computer” ist für mich mein liebstes Album des letzten Jahres und berührt mich einfach sehr - und super fun ist es natürlich auch. Es war 4 Uhr, es war die kleinste Bühne (warum auch immer) - also perfekte Voraussetzungen. Und es wurde soooooooooooo unfassbar schön. Ist etwas persönlich, aber ich hatte zuletzt aufgrund vieler Gründe eine alles als einfach Zeit und mir geht es nicht so wahnsinnig gut. Und irgendwie kam alles raus als ich hier vor der Bühne stand. Keine Ahnung wie, aber ich war so dermaßen glücklich und im Reinen mit mir als ich dort getanzt habe…es hat sich angefühlt, als würde das ganze emotionale Brackwasser aus mir rausgepumpt werden. Um mich herum auch nur glückliche, liebe Menschen, die einfach losgelassen haben. Als das Konzert schon längt vorbei war und die Bühne leer, hat die Menge einfach selbst die Songs weitergesungen und getanzt. Totale Euphorie. Kleiner Shoutout an den Dude, der seinen MacBook dabei hatte in der Frontrow - und dann tatsächlich ein Autogramm vom Nina drauf bekommen hat zum Schluss.
Werde alles tun, um das alles irgendwie mitzunehmen in die Zeit nach dem Festival. Dürfte jedem hier klar sein, aber: Musik kann echt so krasse Dinge mit dir machen. Wahnsinn!
Nach dem Festival ist aber bekanntlich vor dem Ciutat-Abschluss. Also ausgeschlafen, nochmal ausgiebig schwimmen gewesen im Mittelmeer und Tapas gefuttert und dann ging es noch zu Die Spitz im kleinen Club (La Nau). Primavera-Sonntag und Menschen mit Gitarre auf der Bühne von kleinen Clubs ist halt auch immer der einfachste Weg für tolle Konzerte. Mega lieb und sympathisch wurde der Club zerlegt. Permanent offener Pitt, immer mehrere Leute am Crowdsurfen und Stagediven, Band im Publikum, Publikum auf der Bühne. Es war crazy. Hätte so gerne noch ein Shirt oder so mitgenommen zum Support, aber gab leider keins. Danach noch zu Fuß an der Strandpromenande zurück zum Apartment geschlendern und das Festival Revue passieren lassen, viel zu wenig schlafen und zurück nach Hannover.
Morgen dann Post-Festival-Depression oder “Suicide Tuesday” wie es der Discord getauft hat.
Alles in allem war die Woche wieder überragend. Einfach die perfekte Mischung aus Urlaub, Sonne und der besten Musik der Welt. Orga werden die halt nie hinbekommen. Man das Gefühl, für jede Verbesserung (exzellente Wasserversorgung - habe locker über 10 Mal die Flasche nachgefüllt ohne länger als 2 Minuten warten zu müssen, gute Klosituation, Oliva Rodrigo) muss auch wieder irgendwas verbockt werden (Cameron Winter, Kommunikation). Als müsste das allgemeine Gleichgewicht der Inkompetenz gehalten werden. Aber gut, dass muss man einfach bisschen seinen inneren Zen-Modus finden und sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen. Dann ist’s auch halb so wild, denn wirklich schlimm war eigentlich nix in diesem Jahr.
Ja, das Festival ist (zu) Groß geworden und ganz ehrlich: Wenn man einfach nur auf die großen Acts auf der Hauptbühne steht und den ganzen Tag da rumhängt, gibt es bestimmt bessere, cleaner organisierte Festivals, wo man ein ähnliches Line-Up bekommt (wenn auch kein MBV hehe). Aber in diesem großen Festival steckt halt immernoch das Festival, als das das Primavera Sound bekannt geworden ist. Ist immer leicht, sich über die Lifestyle-People lustig zu machen, aber ich sag wie es ist: Es gibt kein Festival, wo so viele Menschen zu finden sind, die so dermaßen offen, neugierig und musikbegeistert sind wie hier.
Liebs. Nächstes Jahr wieder, das waren wir uns direkt einig. Frühbucher werden gekauft.
Fav Gigs:
+++ My Bloody Valentine
+++ Ninajirachi
++ Beverly-Glenn Copeland & Elizabeth Copeland
++ Die Spitz
++ Father John Misty
++ caroline



So, nach kurzem Mittagsschlaf und bisschen Krempel auspacken, jetzt wieder auf dem Sofa zu Hause. Und was soll ich sagen: Es war wieder einmal eine absolut wundervolle Festival- und Urlaubswoche mit lieben Leuten, einer Wohnung, die wirklich hätte nicht besser sein können (150 Meter neben dem Geländeeingang), viel Strand und Sonne und natürlich der besten Musik der Welt - also für mich.
Hat sich in vieler Hinsicht angefühlt wie ein Best-of-Primavera - was die unzähligen positiven Seiten des Festivals angeht und ebenso, was das gewohnte organisatorische und kommunikative Versagen angeht in manchen Bereichen. Werde auf Letzteres noch etwas eingehen, möchte aber schonmal sagen, dass die Probleme, die es zweifelfrei gab, nicht im Ansatz dem Katastrophenbild entsprechen, das entsteht, wenn man auf dem Subreddit unterwegs ist. 90% des Gejammers dort stammt von Amerikanern, die so unselbständig und unfähig sind, dass sie auf einem durchschnittlichen Hurricane-Freitag mit etwas Regen, Hitze und paar Stunden Anstehen in der Bändchenschlange, schlichtweg sterben würden. Ich bin mir sicher. Aber in der deutlichen cooleren Online-Community rund ums Primavera, nämlich dem Discord, wurde das Posten von Reddit-Jammerthreads so - wie jedes jahr - zur guten Belustigung für alle Beteiligten…während man eine schöne Zeit auf dem Festival hatte.
Aber nun zum Wesentlichen:
Angekommen sind wir, wie in den letzten jahren auch, am Montagnachmittag. Diesmal waren wir zu Dritt in unserer Wohnung direkt am Festivaleingang mit Balkonsicht direkt in Richtung der Hauptbühnen von 12. Stock aus - ich, Hartmann (wer Ihn kennt) und Julian (MairzyDoats). Waren dann Abends nur noch ums Eck ein bisschen Tapas essen und ein paar kühle Estrellas aus dem gefrorenen Glass trinken. Konzert haben wir uns gespart.
Dienstag haben wir dann einen schönen Strandtag eingelegt. Also schön im Mittelmeer schwimmen, paar Bierchen trinken und Musikhören während man in der Sonne liegt. Das gute Leben. Abends waren wir dann noch Tapas essen und die ein oder andere Sangriakaraffe trinken, bevor es dann mit Konzerten losging. Dazu sei kurz gesagt, dass dieses Jahr das erste war, in dem ich nicht auf Anhieb Plätze für alle Ciutat-Konzerte, die ich sehen wollte, bekommen hatte. Mal gewinnt man, mal…aber gut: Am Ende bin ich dann im normalen limitierten Vorkauf für die Clubkonzerte, der auch Nicht-Festivalbesuchern offensteht, doch erfolgreich gewesen und konnte die Musikwoche, wie erhofft, mit Fine und Snuggle starten im LAUT-Club.
Der ist klein und s(ch)nuggelig - vielleicht 150 Leute, schätze ich. Fine und Snuggle kommen beide aus Dänemark und sind der großartigen Kopenhagener Dream-Pop-Szene zuzuordnen. Was die Künstler dort so viel besser macht, als fast alles, was sonst dem Genre zuordnen ist: Sie können tatsächlich gute Songs schreiben, während vielen Genrekolleg*innen ja meist schon eine Soundästhetik reicht, die dann schnell abflacht ohne gute Songs. Fine kannte ich vorher weniger und was soll ich sagen: Es war überragend. Wer Mazzy Star (und Hope Sandovals Gesang) so sehr vermisst wie ich: Näher kommt man heute nicht mehr dran. Es war wirklich wunderschön. Auch die Backingband war super tight. Publikum euphorisch und respektvoll, mega Start ingesamt. Danach kamen Snuggle, deren Album Goodbyehouse im letzten Jahr eines meiner liebsten war. Bisschen mehr Dynamik als Fine, etwas mehr Shoegaze. Es war großartig. War sogar noch besser als erwartet. Bin jetzt Fine-Fan.
Danach sind wir noch rüber in den Sala Apolo zu Yves Tumor. Dessen Musik mag ich auch supergern auf Platte, heute Abend war es nichts. Die Band war gut, aber Yves Tumor wirkte ziemlich unmotiviert und verwirtt. Zwischendurch war er auch mal 10 Minuten nicht mehr auf der Bühne, keine Ahnung was da los war. Cool war aber, dass der gemeinsamte Song mit NINA von bar italia gespielt wurde - denn die standen zuvor im gleichen Club auf der Bühne.
Mittwoch waren wir dann wieder schön am Strand und haben nachmittags noch vegetarische Burger gemacht im Apartment, bevor es dann zu Mogwai im Razzmatazz gehen sollte. Meine Post-Rock-Zeit ist schon länger vorbei und auch wenn Mogwai da immernoch eine Ausnahmestellung haben für mich, höre ich sie nicht mehr ganz so häufig. Als der Gig im Club mit 2-Stunden-Slot angekündigt wurde, habe ich mich aber trotzdem sehr gefreut. Und zum Glück war es auch fantastisch. Sicherlich das beste der (glaube ich) sechs Konzerte, die von der Band gesehen habe. Der Sound war laut und super druckvoll, die Crowd ruhig und vor allem die Setlist für mich überragend: “Yes! I Am a Long Way From Home” als Opener, “New Paths to Helicon, Pt. 1” kurz danach (mein Lieblingssong der Band), “Hunted by a Freak”, endlich mal wieder “Mogwai Fear Satan”, “Auto Rock” und als Zugabe eine mächtige 20-Minuten-Version von “My Father, My King”.
Hier nochmal zu den Ciutat-Gigs: Die sollte man eher als Bonus sehen, sind für mich aber absoluter Teil dessen, was das Festival so großartig macht. Man sollte sich also zum richtigen Zeitpunkt um Tickets bemühen - was so gut wie immer auch klappt, wenn man etwas Geduld hat. Habe viel Gejammer im Vorfeld vernommen…man hätte das Ticketing nicht kommuniziert (ich habe ca. 15 Mails bekommen + Social Media + Website, aber gut…) und es wäre ja ohnehin unfair, dass man jetzt nicht das kleine Geese Club-Konzert vor 1000 Leute sehen könnte (war parallel zu Mogwai), weil es ja in einer Sekunde ausverkauft gewesen wäre. Das ist so die Qualität des Gejammers von sehr vielen. Aber wie oft, gibt auch immer ein Funken Wahrheit: Tatsächlich wurde es technisch verkackt, dass die Leute, die über Fever Festivaltickets gekauft hattem (ich), bei der ersten Runde der Platzvergabe teilnehmen konnten. Nervig, wurde aber schnell gelöst.
Wir sind dann nach dem Mogwai-Gig zum Gelände rübergegangen und habe noch einen guten Platz ergattert für den letzten Act vom Opening Day: Wet Leg. Ich war mit der Musik nicht so wirklich vertraut und werde vermutlich auch kein Überfan werden, aber Spaß gemacht hat es allemal. Das Publikum war auch into it, obwohl das beim Opening-Day, der für alle Einwohner in Barcelona geöffnet ist und dementsprend auch oft als Hangout-mit-Background-Musik-Tag genutzt wird, nicht immer selbstverständlich ist. Hatte im Anschluss einen hartnäckigen Ohrwurm von “mangetout”.
Donnerstag dann der erste richtige Festivaltag, der zu Beginn erstmal im Zeichen stand von einem von Cameron Winters sehr seltenen Sologigs - angesetzt im Auditorium mit rund 2000 Plätzen Kapazität. Von unserem Balkon aus hatten wir besten Ausblick darauf, wie fucking real der Hype um Geese und ihren Frontmann gerade ist. Ab 12 Uhr standen die ersten Leute dort, Einlass war erst ab Viertel vor 4, Beginn um 17 Uhr - an einem Festivaltag, der normalerweis bis 6 Uhr in die früh geht standen die Leute also schon stunden vorher an. Und war das bisschen zu stressig, also haben wir bis 15 Uhr Limoncello-Spritz auf dem Balkon getrunken und sind dann runter - die Schlange war mittlerweile wohl einige hundern Meter lang. Wir hatten Glück und fanden Bekannte, die uns genädigerweise aufgenommen haben an ihrem Schlangenplatz, sodass wir uns gute Einlasschancen ausrechenen konnten - theoretisch. Aber das Primavera wäre nicht das Primavera, wenn nicht immer wieder organisatorisch vollig gehirnamputiert wirkende Entscheidungen getroffen werden würden. In Kürze: Die eine gesonderte Einlassschlange für das Auditori wurde kurz vor Geländeöffnung kurzfristig aufgelöst, sodass alle Eingänge nutzbar wurden. Das führte dazu, dass plötzlich mehrere Tausend wildgewordene Fans auf alle Eingänge zugesprintet sind. Das hätte auch gefährlich werden können…was für ein Schwachsinn. Diejenigen aus unserer Gruppe, die auch losgerannt sind, kamen auch rein, uns war das aber zu viel Stress. Unendlich dämlich von allen Beteiligten - Orga trifft die Hauptschuld, klar, aber auch kacke von den Leuten die dann wie besengt losprinten müssen.
Wir sind dann zur Cupra-Stage (ehemals Ray Ban) gegangen und haben das Festival mit Gisela Joao einläutet. Schön im Sitzen bei (da noch) gutem Wetter machen die lokalen Acts immer direkt gute Laune bei mir. Der Stress zuvor, direkt vergessen. Wobei lokal hier nicht so ganz stimmt: War nämlich portugiesischer Fado. Schön! Im Anschluss spielten dann Men I Trust auf der gleichen Bühne, wärend es sich langsam zuzog. Kannte die Band jetzt nicht megagut und habe einfach entspanntes Konzert im Sitzen erwartet, aber wurde echt sehr positiv überrascht. Das hatte deutlich mehr Groove und musikalische Finesse, als ich erwartet hatte. Im Grunde war es ein City-Pop-Konzert vom Vibe her - und ich liebe City-Pop. War innerlich richtig im Zen-Modus irgendwann. Danach war ich noch kurz bei Geese, was mir aber zu voll war. War ja eh beim Konzert in Berlin vor kurzem und besser geht es sowieso nicht. Stattdessen habe ich mir im Auditori caroline angesehen und es war wirklich himmlisch schön. Für mich der beste Auftritt des Tages. Völlig beeindruckend, wie Musik so emotional und gleichzeitig so durchkonzipiert klingen kann. Gibt nicht immer Standing-Ovations im Auditori, aber hier gab es am Ende kein Halten mehr.
Beim Rausgehen aus dem Auditori haben wir uns dann ein wenig gefühlt wie Cillian Murphy am Anfang von 28 Days Later: Die Welt war untergeangen in der einen Stunde, die wir gemütlich drinnen saßen. Wolkenbruch, Stromausfall auf der Main Stage, Absage von diversen Acts - auch von Massive Attack, wo wir eigentlich gerade hinwollten. Woher wir das wussten? Nun, eigentlich überhaupt nicht, denn es gab mal wieder eine Masterclass in Kommunikation des Festivals. Also eigentlich keine. Wir haben uns das alles mehr oder weniger zusammengereimt. Nungut, also wieder zurück richtung Cupra-Area. Mac DeMarco auch abgesagt, hmm. Dann aber Licht am Horizont gesehen - auf der Pitchfork-Stage (heute Schwarzkopf) schien noch was passieren. Schnell dahin spaziert und gerade rechtzeitig für ein absolut magisches Konzert von Skullcrusher im strömenden Regen. Bin eigentlich davon ausgegangen, dass sie Überscheidungen zu Opfer fallen würde, umso schöner sie dann doch zu sehen. Hat für mich etwas sehr Grouper-haftes, wenn auch etwas reduzierter und mit weniger Fokus auf Soundästhetik. Himmlich schön. Im Anschluss sind wir dann auf die Cupra-Stage gegangen, wo Father John Misty spielen sollte. Dort standen wir dann also schön weit vorne und durften ein superkraftvolles Konzert von einem der besten Songwriter seiner Generation bewundern, das auch nochmal eine ganze besondere Euphorie freigesetzt hat, nachdem man vorher schon dachte, dass gleich alles abgesagt werden würde. Sound war auch absolut bombastisch. “Holy Shit”…schmelzen und weinen. Danach habe ich schön TV Girl verpasst (wollte ich eigentlich sehr gerne sehen), weil die Nachricht kam, dass nun doch Massive Attack spielen würden etwas verspätet. Also schön dumm an der Mainstage rumgestanden und über eine halbe Stunde gewartet, damit dann doch wieder absgesagt wurde. Massive Attack sind einfach verflucht. Dann aber ganz fix rüber zur kleinsten Bühne, der Port Stage (ehemals Adidas) zu Melt-Banana. Denn eines ist Gesetz: Wenn es nach 2 Uhr ist und dort was passiert, wird es großartig. Und das war es auch. Der Regen war schlimmer denn je, aber das hat die Menge umso mehr motiviert. Heftiger Moshpit und mega sympathischer Aufritt der japanischen Noise-Rock-Legenden. Liebe das Primavera für solche Buchungen. Dann pitschepatschenass und rundum glücklich heim.
Am nächsten Tag haben wir nur bisschen rumgegammelt und zusammen gekocht und sind dann bei wesentlich besserem Wetter am Nachmittag wieder rübergeschlendert aufs Gelände. Zuerst gab es .bd. Lokale Band, die eine an The World Is a Beautiful Place yadda yadda yadda erinnernde Mischung aus Emo und Post-Rock auf die Bühne gebracht haben. War super zum reinkommen. Dann rüber zu NewDad, die die Mainstage eröffnet haben. Sehr entspannter Indie-Rock. Nicht für die Ewigkeit, aber großartig für einen sonnigen Nachmittag. Im Anschluss bin ich dann liebend gerade meiner Pflicht nachgekommen und habe mir Slowdive auf der Mainstage angesehen. Sound war am Anfang etwas daneben leider und auch der Slot im Hellen war nicht perfekt, aber was soll man sagen: Wenn sich “Allison” oder “Souvlaki Space Station” in deine Gehörgänge graben, ist auch ein unperfektes Slowdive-Konzert pure Schönheit. Im Anschluss ging es dann wieder zu kleinen Port-Stage zu Water From Your Eyes. Bin großer Fan sowohl von Nate Amos Soloprojekt This Is Lorelei als auch seiner Band und hatte dementsprechend eine fantastische Zeit mit dem weirden Indie-ish-Rock, der geboten wurde. Crowd auch super drin und mächtig voll, obwohl 15 Minuten später schon The Cure anfangen sollten. Dort ging es dann für mich auch hin im Anschluss.
Hier haben wir mal wieder Trick 17 angewandt: Addison Rae war gerade fertig auf der rechten Bühne, also sind wir genau dort entgegen den abwandernden Popfans nach vorn gegangen und sind ein paar Minuten vor Beginn noch ziemlich weit nach vorn gekommen. Klappt immer, wenn zwei minimal unterschiedliche Acts hintereinander spielen. Zu The Cure: Vorfreude war sehr groß bei mir, denn ich habe die Band zuletzt 2012 beim Hurricance gesehen. Bin jetzt nicht der allergrößte Fan, aber kenne und schätze vieles doch sehr. Jetzt kommt aber meine Frevelei: Ich würde ein 90 Minuten-Set mit Fokus auf den eher ruhigen, melancholischen Songs einem 2,5-Stunden-Gig wie hier doch definitiv vorziehen. Es war schon sehr stark, aber vor allem den kompletten Indie-Schützenfest-Zugabenblock hätte ich einfach nicht gebraucht. Zudem hatten die Briten um uns herum durch die Konzertlänge ziemlich viel Zeit, um äußerst besoffen und unangenehm zu werden - und die haben sie natürlich liebend gerne ergriffen. Laberspanier mittweile wirklich nur noch auf Platz 3 der nervigen Festivalgruppen. Sauf-Boomer-Briten sind definitiv ätzender, Amerikaner sowieso konkurrenzlos. Während sich die meisten Besucher im Anschluss dann vor die Cupra zu Pinkpantheress gedrängt haben, bin ich zur kleinen Port-Stage zu Kylesa gangen. Das war leider gar nicht so gut. Glaube wenn Stoner-Rock/-Metal, dann mag ich eher die sehr langsame, psychedelische Schiene à la Sleep mehr. War okay. Gleiches gilt für Viagra Boys, die dann zum Tagesabschluss auf der Occident-Stage (Ex-Amazon) gespielt haben um 3 Uhr. Es ging wirklich ordentlich ab und das Saxofon hat dem ganzen Post-Punk-Krempel eine wirklich coole Dimension hinzugefügt, aber mir das nicht so wahnsinnig viel gegeben und dieses proletenhafte Machogehabe finde ich auch immer unangenehm. Im Nachhinein aber echt richtig viel positives Feedback vernommen von Fans der Band. Bin ich halt nicht.
Dann kam nach einem entspannten Tagesstart der finale Festivaltag und es sollte der vielleicht beste Tag auf irgendeinem Festival werden, den ich je erlebt habe. @MairzyDoats meinte das auch…und euphorisiert auf dem Heimweg sind uns beiden zumindest keine Gegenbeispiele eingefallen.
Los ging es mit Grace Ives in der Sonne auf der Cupra-Stage. Für alle Menschen, die Pop in der Lorde-Spielart mögen. Hört in das aktuelle Album rein, es ist genial. Und live war es auch toll. Könnte halt genauso auch um 22 Uhr auf der Mainstage spielen von der Musik her. Super! Dann bin ich rübergegangen ins Auditori, wo Beverly-Glenn Copeland und Elizabeth Copeland spielen sollten. Begleitet wurde die Beiden von einem Pianisten und einer Saxofonisten. Ich wusste nicht was mich erwarten würde und wurde umgehauen. Es war ein solch wundervolles Konzert voller Liebe, Wärme und Empathie, dass es kaum in Worte zu fassen ist. Da war vieles dabei, was man sonst schnell als kitschig oder peinlich abtun würde. Aber es war so ehrlich und aufrichtig und das ganze Publikum hat sich darauf eingelassen, dass es am Ende einfach ein total großartiges und erfrischendes Erlebnis war. So wunderbar, dass man danach einfach nur ein guter Mensch ein möchte in dieser zynischen, abgeklären Kackgesellschaft - für sich und alle, die einem was bedeuten. Im Anschluss haben wir uns dann sehr dicht vor der linken Hauptbühne positioniert, um einen guten Platz zu haben für My Bloody Valentine. Von dort haben wir dann noch das richtig gute Konzert von Little Simz gesehen. Dachte immer, dass wäre so Intellektuellen-Rap mit smoothen Jazz-Beats, den ich nicht mögen würde, aber live ging es ordentlich ab und war auch wirklich super tight gerappt. Mega gute Vibes zum Sonnenuntergang.
Und dann folgten My Bloody Valentine. Es gibt, abgesehen von Boards of Canada vielleicht, keinen Act in der Welt, denn ich schon so lange so gerne live sehen wollte. Seit 10 Jahren habe ich diesen Auftritt beim Primavera manifestiert und ENDLICH hatte ich Erfolg. Schon den ganzen Tag über hat sich völlig surreal angefühlt, dass es heute soweit sein sollte. Dank spontan angekündigten Oliva Rodrigo-Suprise-Konzert am anderen Ende des Geländes, war das Publikum, das sich vor der Mainstage (zumindest dort wo wir standen) eingefunden hatte, auch absolut Primavera-Oldschool - alle zu einhundert Prozent fixiert auf das, was kommen sollte. Als Little Simz fertig war, konnte man die Luft förmlich knistern hören. Und dann, pünklicht nach dem Sonnenuntergang, kam die Band auf die Bühne und los ging es. Eigentlich kann man an einer solchen Erwartungshaltung ja nur scheitern, but not today. Denn es war unfassbar. Eines der besten Konzerte, die ich je gesehen habe. Ich war 75 Minuten wie weggebeamt. Transzendental. Ich war so unfassbar glücklich! Dann brauchte ich erstmal Pause und musste dieses Konzert wirken lassen, einsinken lassen. Wieder klar kommen.
Deshalb habe ich mir Joey Valence & Brae im Anschluss auch nur von hinten angeschaut. Auch das war megagut. Glaube man kommt nicht näher dran an einen Beastie Boys-Auftritt im Jahr 2025. Und die Crowd war absolut fucking hyped. Mega spaßig. Dann folgte ein Primavera-typischer Cut und: Knocked Loose auf der Cupra. Es war nicht megavoll, aber alle die da waren, wollten Stress. Gibt ja immer dieses Phänomen beim Primavera: Jedes Mal, wenn eine der “token Hardcore-Bands” spielt, spawnen plötzlich 10 Dudes in All Out War-Shirts und let’s go. Keine Ahnung, wo die sich sonst so rumtreiben, aber es ist einfach immer ein Mysterium. Sound war klasse abgemischt und dementsprechend richtig hart. Ging richtig gut zur Sache…das erste Mal, dass jemand auf dem Primavera von der Bühne “Who can fucking Spinkick” gefragt hat - und diese dann auch bekommen hat. War klasse.
Der Abschluss des Festivals für mich sollte dann Ninajirachi sein. Meine Vorfreude war nicht geringer als gigantisch, denn “I Love My Computer” ist für mich mein liebstes Album des letzten Jahres und berührt mich einfach sehr - und super fun ist es natürlich auch. Es war 4 Uhr, es war die kleinste Bühne (warum auch immer) - also perfekte Voraussetzungen. Und es wurde soooooooooooo unfassbar schön. Ist etwas persönlich, aber ich hatte zuletzt aufgrund vieler Gründe eine alles als einfach Zeit und mir geht es nicht so wahnsinnig gut. Und irgendwie kam alles raus als ich hier vor der Bühne stand. Keine Ahnung wie, aber ich war so dermaßen glücklich und im Reinen mit mir als ich dort getanzt habe…es hat sich angefühlt, als würde das ganze emotionale Brackwasser aus mir rausgepumpt werden. Um mich herum auch nur glückliche, liebe Menschen, die einfach losgelassen haben. Als das Konzert schon längt vorbei war und die Bühne leer, hat die Menge einfach selbst die Songs weitergesungen und getanzt. Totale Euphorie. Kleiner Shoutout an den Dude, der seinen MacBook dabei hatte in der Frontrow - und dann tatsächlich ein Autogramm vom Nina drauf bekommen hat zum Schluss.
Werde alles tun, um das alles irgendwie mitzunehmen in die Zeit nach dem Festival. Dürfte jedem hier klar sein, aber: Musik kann echt so krasse Dinge mit dir machen. Wahnsinn!
Nach dem Festival ist aber bekanntlich vor dem Ciutat-Abschluss. Also ausgeschlafen, nochmal ausgiebig schwimmen gewesen im Mittelmeer und Tapas gefuttert und dann ging es noch zu Die Spitz im kleinen Club (La Nau). Primavera-Sonntag und Menschen mit Gitarre auf der Bühne von kleinen Clubs ist halt auch immer der einfachste Weg für tolle Konzerte. Mega lieb und sympathisch wurde der Club zerlegt. Permanent offener Pitt, immer mehrere Leute am Crowdsurfen und Stagediven, Band im Publikum, Publikum auf der Bühne. Es war crazy. Hätte so gerne noch ein Shirt oder so mitgenommen zum Support, aber gab leider keins. Danach noch zu Fuß an der Strandpromenande zurück zum Apartment geschlendern und das Festival Revue passieren lassen, viel zu wenig schlafen und zurück nach Hannover.
Morgen dann Post-Festival-Depression oder “Suicide Tuesday” wie es der Discord getauft hat.
Alles in allem war die Woche wieder überragend. Einfach die perfekte Mischung aus Urlaub, Sonne und der besten Musik der Welt. Orga werden die halt nie hinbekommen. Man das Gefühl, für jede Verbesserung (exzellente Wasserversorgung - habe locker über 10 Mal die Flasche nachgefüllt ohne länger als 2 Minuten warten zu müssen, gute Klosituation, Oliva Rodrigo) muss auch wieder irgendwas verbockt werden (Cameron Winter, Kommunikation). Als müsste das allgemeine Gleichgewicht der Inkompetenz gehalten werden. Aber gut, dass muss man einfach bisschen seinen inneren Zen-Modus finden und sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen. Dann ist’s auch halb so wild, denn wirklich schlimm war eigentlich nix in diesem Jahr.
Ja, das Festival ist (zu) Groß geworden und ganz ehrlich: Wenn man einfach nur auf die großen Acts auf der Hauptbühne steht und den ganzen Tag da rumhängt, gibt es bestimmt bessere, cleaner organisierte Festivals, wo man ein ähnliches Line-Up bekommt (wenn auch kein MBV hehe). Aber in diesem großen Festival steckt halt immernoch das Festival, als das das Primavera Sound bekannt geworden ist. Ist immer leicht, sich über die Lifestyle-People lustig zu machen, aber ich sag wie es ist: Es gibt kein Festival, wo so viele Menschen zu finden sind, die so dermaßen offen, neugierig und musikbegeistert sind wie hier.
Liebs. Nächstes Jahr wieder, das waren wir uns direkt einig. Frühbucher werden gekauft.
Fav Gigs:
+++ My Bloody Valentine
+++ Ninajirachi
++ Beverly-Glenn Copeland & Elizabeth Copeland
++ Die Spitz
++ Father John Misty
++ caroline



Re: Festivalberichte
Da bekommt man ja gleich Fernweh - vielen Dank für den schönen Bericht!
-
ArcticMonkey90
- Beiträge: 2112
- Registriert: Fr 29. Jan 2016, 00:22
Re: Festivalberichte
Sehr schöner Bericht und ja organisatorisch ist es verbesserungsfähig. Werde auch nächstes Jahr wieder dabei sein. Ich fand ja spannend wie viele bekannte Personen dieses Jahr da waren. Habe selber einen Netflix Star gesehen, aber anders als auf dem Coachella wirkte es als die doch auch für die Musik da waren. Fliege heute zurück und werde dann auch versuchen ein paar Worte niederzuschreiben.
- MairzyDoats
- Beiträge: 2749
- Registriert: Mo 14. Sep 2015, 11:28
Re: Festivalberichte
Schöner Bericht! 
Muss mal gucken, wie mein Bericht aussehen wird, da wir ja die meiste Zeit zusammen rumgehangen sind, hast du ja schon alles abgedeckt, aber ich versuche evtl auch nochmal einige Highlights aus meiner Sicht aufzulisten.
Vorab schonmal: In den letzten Jahren hatte ich ja eine leichte Hassliebe entwickelt und war jedes Jahr am überlegen, ob ich wieder hinfahren soll. Nach diesem Jahr gibt es für mich keinen Zweifel. Frühbucherticket ja eh, aber ob ich am Start bin, steht diesmal außer Frage.
Muss mal gucken, wie mein Bericht aussehen wird, da wir ja die meiste Zeit zusammen rumgehangen sind, hast du ja schon alles abgedeckt, aber ich versuche evtl auch nochmal einige Highlights aus meiner Sicht aufzulisten.
Vorab schonmal: In den letzten Jahren hatte ich ja eine leichte Hassliebe entwickelt und war jedes Jahr am überlegen, ob ich wieder hinfahren soll. Nach diesem Jahr gibt es für mich keinen Zweifel. Frühbucherticket ja eh, aber ob ich am Start bin, steht diesmal außer Frage.
Hallo wie geht willkommen in meiner Signatur. Lass dir hier bitte richtig gut gehen einfach, Käffchen für dich
Re: Festivalberichte
Wunderbarer Bericht
Leider kollidiert es immer (meistens) mit meinem (Heim-) Festival Rock im Park.....aber ich bin ja noch (äääähhhhmmmmm) jung
) und vielleicht passt es mal zeitlich
Leider kollidiert es immer (meistens) mit meinem (Heim-) Festival Rock im Park.....aber ich bin ja noch (äääähhhhmmmmm) jung
- Katzenkraft
- Beiträge: 225
- Registriert: Mo 13. Jun 2022, 15:30
Re: Festivalberichte
Finde es auch einen richtig schön zu lesenden Bericht und mega, dass ihr trotz aller Widrigkeiten so eine gute Zeit hattet! 
- Dieter Meyers
- Beiträge: 521
- Registriert: Mo 21. Sep 2015, 22:00
Re: Festivalberichte
Richtig schöner Bericht.
Ich werd denke ich auch noch einen kleinen Bericht schreiben, vieles erkenn ich aber wieder. Insbesondere froh bin ich, dass ich nicht der einzige war, der diesen unfassbar lebensbejahenden und herzerwärmenden Auftritt von Beverlyn-Glenn Copeland erleben durfte.
Ich werd denke ich auch noch einen kleinen Bericht schreiben, vieles erkenn ich aber wieder. Insbesondere froh bin ich, dass ich nicht der einzige war, der diesen unfassbar lebensbejahenden und herzerwärmenden Auftritt von Beverlyn-Glenn Copeland erleben durfte.
„Die Bettler betteln, die Diebe stehlen, die Huren huren. Ein Moritatensänger singt eine Moritat."
Re: Festivalberichte
Freut mich echt sehr meinen Eindruck vom Konzert in Berlin bestätigt zu sehenDieter Meyers hat geschrieben: ↑Di 9. Jun 2026, 18:00Richtig schöner Bericht.
Ich werd denke ich auch noch einen kleinen Bericht schreiben, vieles erkenn ich aber wieder. Insbesondere froh bin ich, dass ich nicht der einzige war, der diesen unfassbar lebensbejahenden und herzerwärmenden Auftritt von Beverlyn-Glenn Copeland erleben durfte.
Gab es da auch die Pause mit dem Video?
- Dieter Meyers
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Re: Festivalberichte
Ne, aber dafür einen kunterbunten Chor, der an diesem Tag (und nur für diesen Tag) erstmals zusammen mit Copelands auftrat.fipsi hat geschrieben:Freut mich echt sehr meinen Eindruck vom Konzert in Berlin bestätigt zu sehenDieter Meyers hat geschrieben: ↑Di 9. Jun 2026, 18:00Richtig schöner Bericht.
Ich werd denke ich auch noch einen kleinen Bericht schreiben, vieles erkenn ich aber wieder. Insbesondere froh bin ich, dass ich nicht der einzige war, der diesen unfassbar lebensbejahenden und herzerwärmenden Auftritt von Beverlyn-Glenn Copeland erleben durfte.![]()
Gab es da auch die Pause mit dem Video?
„Die Bettler betteln, die Diebe stehlen, die Huren huren. Ein Moritatensänger singt eine Moritat."
Re: Festivalberichte
Hast du gerade BoC auf's nächste PS gejinxt?slowdive hat geschrieben: ↑Di 9. Jun 2026, 00:42Und dann folgten My Bloody Valentine. Es gibt, abgesehen von Boards of Canada vielleicht, keinen Act in der Welt, denn ich schon so lange so gerne live sehen wollte. Seit 10 Jahren habe ich diesen Auftritt beim Primavera manifestiert und ENDLICH hatte ich Erfolg.
Dann muss ich wohl doch mal wieder hin.
- MairzyDoats
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Re: Festivalberichte
Ich war ja bekanntlich auch auf dem Primavera Sound Festival und hier ist nochmal ein kleiner Bericht aus meiner Perspektive. Für mich war es tatsächlich eins der besten Jahre, die ich da verbracht habe und ich hatte dort einfach eine richtig gute Zeit. Dazu eins vorweg: Das ist natürlich ein FOMO-Festival schlechthin, für Leute die nicht da waren, aber auch zum Teil sogar für Leute die da waren. Es läuft häufig eine sehr individuelle, feine Linie dazwischen, wer eine richtig gute Zeit hat und vielleicht auch nur eine okaye oder nicht so gute Zeit. Mal steht man direkt nebeneinander und die Person neben dir findet alles prächtig, während es bei dir nicht so ist. Mich hat an Stellen der Regen mehr abgefuckt als andere, mal hatte jemand Kopfschmerzen oder die gleiche Musik hat einfach nicht so gut funktioniert. Das ist alles so individuell, ich glaube das wird oft vergessen.
Da ich viel mit slowdive zusammen gemacht habe, hat er die chronologische Erzählung unserer Woche eigentlich schon sehr gut abgedeckt, ich kann da eigentlich nur ergänzen, mal etwas ausführlicher, mal weniger. Fine und Snuggle am Dienstag haben mich ebenfalls sehr abgeholt, erstere durch den Überraschungseffekt sogar noch ein Stück mehr, das war einfach hammer schön. Kann ich sehr empfehlen, die mal live zu erwischen. Mogwai ist einfach nicht mein Genre, für mich war es mal wieder die Bestätigung, dass ich einfach kein Post-Rock mag. Dafür war es aber trotzdem ganz okay, sehr krasser Sound teilweise. Wet Leg mag ich einfach, die haben sehr gute Songs und machen eine sehr spaßige Show, war ein guter Act für den Mittwoch auf dem Gelände. Ich hatte das Gefühl die Sängerin war nicht ganz so fit, hat bei einigen Passagen die hohen Töne nicht mitgenommen, n bisschen weggenuschelt oder eher Sprechgesang gemacht, hat dem aber keinen Abbruch getan. Würde ich mir immer wieder angucken.
Danach bin ich dann auf Solo-Mission gegangen, weil ich auch noch Ciutat-Tickets für das Sala Apolo am Mittwoch bekommen habe, für Melt-Banana und Model/Actriz. Melt-Banana hatte ich schonmal gesehen, ist sehr wilder Punk bestehend aus einer Sängerin, einem Gitarristen und einem Drum-Computer. Das war sehr chaotisch und die Menge war schön zerteilt in eher verwirrte Menschen, und die andere Hälfte, die es komplett gefeiert haben. Ich fands geil. Diese Zerteilung der Masse hat danach Model/Actriz zunichte gemacht. Das war einfach nur heftig. Eins dieser Ciutat-Konzerte für die Ewigkeit. Ich habe noch nie den ganzen Saal in so einer Ekstase erlebt, das war magisch. Ich bin eigentlich nur noch geblieben, weil ich noch so energiegeladen von Melt-Banana war. Treibender, düsterer Synth-Pop, ein ausgefallen gekleideter, queer-coded Sänger, den ich als "evil Perfume Genius" beschrieben habe. Dieser hat die Menge immer wieder angetrieben, bis er dann genug hatte und selbst durch die Menge gestreift ist und die Leute persönlich animiert hat, das hat die Crowd immer am meisten aufgebracht. Ich musste teilweise lachen, weil diese kollektive Euphorie so ansteckend war. Ich glaube das habe ich zum letzten Mal bei Haiku Hands im Spiegelzelt beim Haldern erlebt. Also wenn ihr die Chance habt, Model/Actriz zu sehen, hingehen. Man man man. Habe danach noch den Anfang von King Hannah King Princess Princess Chelsea Hannah Diamond gesehen. Das war soweit voll okay und sah spaßig aus, aber es war mir zu spät, ich wollte meine Kräfte für das Festival sparen.
Über den Donnerstag wurde schon viel geschrieben, ich hab ihn auch schonmal skizziert, Lowlights waren wie schon erwähnt das Cameron Winter-Desaster, Geese und mein Regenponcho, aber eigentlich auch halb so wild. Statt Geese haben wir ja auch die tolle Show von caroline im Auditori gesehen, was für sich auch schon ein Highlight war. Für mich haben TV Girl den Abend gerettet. Das waren einfach extrem gute Vibes in einer der recht seltenen Regenpausen an diesem Tag, die haben mich einfach richtig abgeholt in dem Moment. Der Sänger hat sehr lässig sehr lustige Ansagen gemacht, das war das Konzert, das mich wieder reingeholt hat. Danach wieder Melt-Banana, auch wieder sehr gut, aber das war dann auch genug.
Am Freitag war mein Highlight Water From Your Eyes. Das ist ja schon eher sperriger Indie, aber der hat die Menge sehr gut im Griff gehabt. Richtig tolle Energie haben die auf die Bühne gebracht, zwischen den Songs kam dann eher so eine Slacker-Energie zutage, die aber auch nicht unsympathisch war. Gleichzeitig eigentlich mal die ausführlichsten politischen Ansagen, die ich auf dem Festival vernommen habe. Fand ich richtig stark, den Auftritt.
The Cure war dann aber auch wieder so ein besonderes Primavera-Erlebnis. Es ist eine sehr gute Live-Band und ich konnte sie sehr gut genießen, was aber schon kurios war: Über die zwei einhalb Stunden Spielzeit konnte man live mitverfolgen, wie das Umfeld um einen herum immer besoffener wird. Das war auf ne Art sehr nervig, aber auch irgendwie amüsant, weil so absurd. Und dadurch, dass sich die Crowd immer mal wieder über die lange Spielzeit gelichtet hat, konnte man sich ein bisschen Richtung Bühne bewegen und hatte immer wieder irgendeine neue menschliche Kuriosität neben sich stehen. Erst will man sich von den labernden Amis abkapseln, dann steht man neben einem britischen Düsenlarry, der kaum noch stehen kann, dann geht es weiter und man denkt sich "hey, hier ist gut" und wird dann weggezogen, weil "der Typ hinter dir hat zwei Biere in einer Hand, die er die ganze Zeit in seiner Arme-Hochreiß-Pose über deinen Kopf hält" – great, thanks. Dennoch war es musikalisch sehr nice. Ich fand selbst den letzten Block mit den Hits sehr spaßig, weil sich das dann doch nochmal alles etwas entladen hat und alle gut mitgesungen haben.
Kylesa war leider auch für mich eine der Enttäuschungen. Dabei habe ich sie letztes Jahr auf dem Krach am Bach gesehen und ordentlich abgefeiert, da waren sie mit Abstand mein Highlight. Die Setlist war ähnlich, aber gefühlt ging es letztes Jahr deutlich mehr nach vorne. Ich hatte auch das Gefühl, dass sie unter dem guten Sound auf der Bühne eher gelitten haben, da hat man gemerkt, dass der Gesang nicht so richtig sitzt, für mich wirkte das alles diesmal viel zu clean. War schade, hat mich gar nicht gekriegt. Viagra Boys haben den Freitag dann sehr gut abgeschlossen. Trotz später Stunde haben die mich nochmal nach vorne gebracht, mag die Band. Ich kann aber auch ich auf die Prolligkeit und die "höhö, guck mal oberkörperfreier Säufer-Sänger mit Bierbauch"-Vibes verzichten.
Der Samstag war, wie slowdive schon angedeutet hat, für mich auch einer der besten Festival-Tage, die ich bisher erlebt habe. Das waren eigentlich nur Highlights. Grace Ives hat für einen schönen entspannten Start gesorgt, Empfehlung für die Pop-Heads hier. Ich habe mich dann gegen den Plan entschieden, mich bei dem guten Wetter ins Auditori zu setzen, ich hatte echt Bock auf Big Thief und das habe ich auch nicht bereut. Es war schon relativ voll bei der Hauptbühne, es wurde auch wieder viel gelabert, was ich aber gar nicht so wahrgenommen habe. Big Thief haben ein recht leises Set gespielt, aber was für eins. Das war richtig toll. Ohne irgendein Backdrop oder Visuals hat mich das so in seinen Bann gezogen, das war der Hammer. Danach haben wir Little Simz von der anderen Bühne aus geguckt, was mal besser, mal weniger gut rüberkommt, hier war es richtig nice. Das war musikalisch so druckvoll und ging so gut nach vorne. Ich habe sie vor Jahren schonmal gesehen, was auch sehr gut war, trotzdem lagen da Welten zwischen.
Danach kam mit My Bloody Valentine auch für mich das Highlight des Wochenendes. Unglaublicher Sound, nicht so laut wie die Memes es versprechen, aber ging dennoch gut rein. Es gab recht simple, trippy Visuals auf den Leinwänden, keine Ansagen bis auf eine ganz am Ende, hier hat alles gepasst. Das Publikum war super mausig um uns rum, alle haben gestrahlt und gevibed. Gleichzeitig wurde das auch immer auf den Leinwänden abgebildet, teils überlagert von den Visuals wurden Leute aus dem Publikum gezeigt, die einfach nur eine gute Zeit hatten, dieser billige Trick hat diesmal super funktioniert. Bei den Songs ging mir einfach so das Herz auf, die hätten ruhig auch noch ne Ecke länger spielen können.
Danach haben wir uns wieder von den Hauptbühne verabschiedet, was eine sehr gute Entscheidung war. Dabei haben dort ja eigentlich The XX und Gorillaz gespielt, die man sich durchaus mal angucken kann. Aber diesmal hab ich mir vorgenommen: Weniger Hauptbühne und das war ein guter Plan. Kurz an Dijon vorbeigekommen, den ich im Auge behalten sollte, das war eine sehr gute Show. Aber es zog uns erstmal zum Hot-Dog-Stand und dann zu Joey Valence & Brae, die damit für mich eins der grandiosesten Trios einläuteten, die das Festival für mich so toll abgeschlossen haben. Ich habe das Hamburger Konzert aus Dusseligkeit vercheckt (quirky and fun) und war froh, sie dann hier nochmal sehen zu können. Und hier hat sich dann auch wieder ein Primavera-Schlüsselmoment ergeben, der mich immer wieder auf dieses Festival zurückziehen wird. Vom Hamburg-Konzert habe ich eine Insta-Story mit der Caption "Tonight in a Nutshell" gesehen, ein Foto vom Konzert, wo weit und breit nur so Dudes zu sehen waren. Und als ich auf dem Weg in den Moshpit war, musste ich daran denken, gefolgt von dem Gedanken "na ja sowas gibt es hier ja nicht" und ungelogen die erste Person, die ich im Moshpit so richtig wahrgenommen habe, war eine adrett gekleidete Dame so um die 50 mit einem schwarzen Kleid und einem stilvollem Bob, die komplett abgegangen ist. Das Konzert war dann ein krasser Abriss. Der Vergleich zu Beastie Boys liegt nahe, aber ich fühlte mich von der Energie vor der Bühne auch an Run The Jewels erinnert. Es hatte dabei alles sehr schöne positive Vibes, der Moshpit wie gewohnt gut gemischt, es war toll. Der nächste Abriss kam dann von Knocked Loose auf der Cupra (ex-Ray Ban). Als wir da ankamen, war noch gar nichts los, der Gedanke drängte sich auf, ob das nicht auf eine kleinere Bühne gehört, aber irgendwie hat sich dann diese Nische hier doch eingefunden, obwohl es dieses Jahr im Line Up nicht so viel Gesellschaft für sie gab. Der Pit war dann so ziemlich das wildeste, was ich auf diesem Festival bisher gesehen habe. Die Ansagen haben konstant zur Gewalt animiert, "Is there anybody who can do a spinkick" wird womöglich ein beliebtes Meme bleiben. Ich habe mich irgendwann mal umgeguckt und die Sitzplätze der Bühne waren zwar nicht voll, aber ganz oben haben sich eine Menge Schaulustige versammelt, die sich wahrscheinlich gefragt haben, was zur Hölle hier gerade passiert.
Ninajirachi war dann der perfekte Abschluss. Das hat einfach nur richtig Spaß gemacht, die kleinste Bühne des Festivals war komplett voll und wir waren ganz vorne mit dabei. Es war Abriss 3/3 an diesem Abend und das hat einfach nur wahnsinnig viel Spaß gemacht. Das Set war sehr ausgefallen, hat einige andere Songs mit eingestreut, und die Menge gut eingeheizt. Auch hier wieder richtig schöne Stimmung in der Crowd, es war der perfekte Abschluss für einen ziemlich perfekten Tag. Einfach toll.
Am Sonntag hat Die Spitz dann nochmal einen sehr guten Abriss nachgeschoben. La Nau, einer der kleinsten Ciutat-Clubs war gerammelt voll und es wurde nochmal alles aus den strapazierten Körpern rausgeholt. Moshpits sind schon ein witziges Konzept auf jeden Fall. War nochmal ein großes Highlight diese Band. Super sympathisch, es wurden mal Instrumente getauscht, die Rolle der Sängerin rotiert, es gab einen Moshpit nur für Girls und die Gays. Es war wunderbar. Wir hatten noch Tickets für den Abend im Sala Apolo, diesmal haben wir uns das gespart, ich glaube das war eine gute Idee, auch wenn ich Ata Kak und Gelli Haha noch gerne gesehen hätte. Wann anders dann.
Highlights:
My Bloody Valentine
Model/Actriz
Ninajirachi
Big Thief
Water From Your Eyes
Enttäuschungen:
Kylesa
Cameron Winter nicht gesehen
Geese nicht gesehen
Gelli Haha nicht gesehen
Nächstes Jahr wieder, Ticket ist bereits gekauft.
Da ich viel mit slowdive zusammen gemacht habe, hat er die chronologische Erzählung unserer Woche eigentlich schon sehr gut abgedeckt, ich kann da eigentlich nur ergänzen, mal etwas ausführlicher, mal weniger. Fine und Snuggle am Dienstag haben mich ebenfalls sehr abgeholt, erstere durch den Überraschungseffekt sogar noch ein Stück mehr, das war einfach hammer schön. Kann ich sehr empfehlen, die mal live zu erwischen. Mogwai ist einfach nicht mein Genre, für mich war es mal wieder die Bestätigung, dass ich einfach kein Post-Rock mag. Dafür war es aber trotzdem ganz okay, sehr krasser Sound teilweise. Wet Leg mag ich einfach, die haben sehr gute Songs und machen eine sehr spaßige Show, war ein guter Act für den Mittwoch auf dem Gelände. Ich hatte das Gefühl die Sängerin war nicht ganz so fit, hat bei einigen Passagen die hohen Töne nicht mitgenommen, n bisschen weggenuschelt oder eher Sprechgesang gemacht, hat dem aber keinen Abbruch getan. Würde ich mir immer wieder angucken.
Danach bin ich dann auf Solo-Mission gegangen, weil ich auch noch Ciutat-Tickets für das Sala Apolo am Mittwoch bekommen habe, für Melt-Banana und Model/Actriz. Melt-Banana hatte ich schonmal gesehen, ist sehr wilder Punk bestehend aus einer Sängerin, einem Gitarristen und einem Drum-Computer. Das war sehr chaotisch und die Menge war schön zerteilt in eher verwirrte Menschen, und die andere Hälfte, die es komplett gefeiert haben. Ich fands geil. Diese Zerteilung der Masse hat danach Model/Actriz zunichte gemacht. Das war einfach nur heftig. Eins dieser Ciutat-Konzerte für die Ewigkeit. Ich habe noch nie den ganzen Saal in so einer Ekstase erlebt, das war magisch. Ich bin eigentlich nur noch geblieben, weil ich noch so energiegeladen von Melt-Banana war. Treibender, düsterer Synth-Pop, ein ausgefallen gekleideter, queer-coded Sänger, den ich als "evil Perfume Genius" beschrieben habe. Dieser hat die Menge immer wieder angetrieben, bis er dann genug hatte und selbst durch die Menge gestreift ist und die Leute persönlich animiert hat, das hat die Crowd immer am meisten aufgebracht. Ich musste teilweise lachen, weil diese kollektive Euphorie so ansteckend war. Ich glaube das habe ich zum letzten Mal bei Haiku Hands im Spiegelzelt beim Haldern erlebt. Also wenn ihr die Chance habt, Model/Actriz zu sehen, hingehen. Man man man. Habe danach noch den Anfang von King Hannah King Princess Princess Chelsea Hannah Diamond gesehen. Das war soweit voll okay und sah spaßig aus, aber es war mir zu spät, ich wollte meine Kräfte für das Festival sparen.
Über den Donnerstag wurde schon viel geschrieben, ich hab ihn auch schonmal skizziert, Lowlights waren wie schon erwähnt das Cameron Winter-Desaster, Geese und mein Regenponcho, aber eigentlich auch halb so wild. Statt Geese haben wir ja auch die tolle Show von caroline im Auditori gesehen, was für sich auch schon ein Highlight war. Für mich haben TV Girl den Abend gerettet. Das waren einfach extrem gute Vibes in einer der recht seltenen Regenpausen an diesem Tag, die haben mich einfach richtig abgeholt in dem Moment. Der Sänger hat sehr lässig sehr lustige Ansagen gemacht, das war das Konzert, das mich wieder reingeholt hat. Danach wieder Melt-Banana, auch wieder sehr gut, aber das war dann auch genug.
Am Freitag war mein Highlight Water From Your Eyes. Das ist ja schon eher sperriger Indie, aber der hat die Menge sehr gut im Griff gehabt. Richtig tolle Energie haben die auf die Bühne gebracht, zwischen den Songs kam dann eher so eine Slacker-Energie zutage, die aber auch nicht unsympathisch war. Gleichzeitig eigentlich mal die ausführlichsten politischen Ansagen, die ich auf dem Festival vernommen habe. Fand ich richtig stark, den Auftritt.
The Cure war dann aber auch wieder so ein besonderes Primavera-Erlebnis. Es ist eine sehr gute Live-Band und ich konnte sie sehr gut genießen, was aber schon kurios war: Über die zwei einhalb Stunden Spielzeit konnte man live mitverfolgen, wie das Umfeld um einen herum immer besoffener wird. Das war auf ne Art sehr nervig, aber auch irgendwie amüsant, weil so absurd. Und dadurch, dass sich die Crowd immer mal wieder über die lange Spielzeit gelichtet hat, konnte man sich ein bisschen Richtung Bühne bewegen und hatte immer wieder irgendeine neue menschliche Kuriosität neben sich stehen. Erst will man sich von den labernden Amis abkapseln, dann steht man neben einem britischen Düsenlarry, der kaum noch stehen kann, dann geht es weiter und man denkt sich "hey, hier ist gut" und wird dann weggezogen, weil "der Typ hinter dir hat zwei Biere in einer Hand, die er die ganze Zeit in seiner Arme-Hochreiß-Pose über deinen Kopf hält" – great, thanks. Dennoch war es musikalisch sehr nice. Ich fand selbst den letzten Block mit den Hits sehr spaßig, weil sich das dann doch nochmal alles etwas entladen hat und alle gut mitgesungen haben.
Kylesa war leider auch für mich eine der Enttäuschungen. Dabei habe ich sie letztes Jahr auf dem Krach am Bach gesehen und ordentlich abgefeiert, da waren sie mit Abstand mein Highlight. Die Setlist war ähnlich, aber gefühlt ging es letztes Jahr deutlich mehr nach vorne. Ich hatte auch das Gefühl, dass sie unter dem guten Sound auf der Bühne eher gelitten haben, da hat man gemerkt, dass der Gesang nicht so richtig sitzt, für mich wirkte das alles diesmal viel zu clean. War schade, hat mich gar nicht gekriegt. Viagra Boys haben den Freitag dann sehr gut abgeschlossen. Trotz später Stunde haben die mich nochmal nach vorne gebracht, mag die Band. Ich kann aber auch ich auf die Prolligkeit und die "höhö, guck mal oberkörperfreier Säufer-Sänger mit Bierbauch"-Vibes verzichten.
Der Samstag war, wie slowdive schon angedeutet hat, für mich auch einer der besten Festival-Tage, die ich bisher erlebt habe. Das waren eigentlich nur Highlights. Grace Ives hat für einen schönen entspannten Start gesorgt, Empfehlung für die Pop-Heads hier. Ich habe mich dann gegen den Plan entschieden, mich bei dem guten Wetter ins Auditori zu setzen, ich hatte echt Bock auf Big Thief und das habe ich auch nicht bereut. Es war schon relativ voll bei der Hauptbühne, es wurde auch wieder viel gelabert, was ich aber gar nicht so wahrgenommen habe. Big Thief haben ein recht leises Set gespielt, aber was für eins. Das war richtig toll. Ohne irgendein Backdrop oder Visuals hat mich das so in seinen Bann gezogen, das war der Hammer. Danach haben wir Little Simz von der anderen Bühne aus geguckt, was mal besser, mal weniger gut rüberkommt, hier war es richtig nice. Das war musikalisch so druckvoll und ging so gut nach vorne. Ich habe sie vor Jahren schonmal gesehen, was auch sehr gut war, trotzdem lagen da Welten zwischen.
Danach kam mit My Bloody Valentine auch für mich das Highlight des Wochenendes. Unglaublicher Sound, nicht so laut wie die Memes es versprechen, aber ging dennoch gut rein. Es gab recht simple, trippy Visuals auf den Leinwänden, keine Ansagen bis auf eine ganz am Ende, hier hat alles gepasst. Das Publikum war super mausig um uns rum, alle haben gestrahlt und gevibed. Gleichzeitig wurde das auch immer auf den Leinwänden abgebildet, teils überlagert von den Visuals wurden Leute aus dem Publikum gezeigt, die einfach nur eine gute Zeit hatten, dieser billige Trick hat diesmal super funktioniert. Bei den Songs ging mir einfach so das Herz auf, die hätten ruhig auch noch ne Ecke länger spielen können.
Danach haben wir uns wieder von den Hauptbühne verabschiedet, was eine sehr gute Entscheidung war. Dabei haben dort ja eigentlich The XX und Gorillaz gespielt, die man sich durchaus mal angucken kann. Aber diesmal hab ich mir vorgenommen: Weniger Hauptbühne und das war ein guter Plan. Kurz an Dijon vorbeigekommen, den ich im Auge behalten sollte, das war eine sehr gute Show. Aber es zog uns erstmal zum Hot-Dog-Stand und dann zu Joey Valence & Brae, die damit für mich eins der grandiosesten Trios einläuteten, die das Festival für mich so toll abgeschlossen haben. Ich habe das Hamburger Konzert aus Dusseligkeit vercheckt (quirky and fun) und war froh, sie dann hier nochmal sehen zu können. Und hier hat sich dann auch wieder ein Primavera-Schlüsselmoment ergeben, der mich immer wieder auf dieses Festival zurückziehen wird. Vom Hamburg-Konzert habe ich eine Insta-Story mit der Caption "Tonight in a Nutshell" gesehen, ein Foto vom Konzert, wo weit und breit nur so Dudes zu sehen waren. Und als ich auf dem Weg in den Moshpit war, musste ich daran denken, gefolgt von dem Gedanken "na ja sowas gibt es hier ja nicht" und ungelogen die erste Person, die ich im Moshpit so richtig wahrgenommen habe, war eine adrett gekleidete Dame so um die 50 mit einem schwarzen Kleid und einem stilvollem Bob, die komplett abgegangen ist. Das Konzert war dann ein krasser Abriss. Der Vergleich zu Beastie Boys liegt nahe, aber ich fühlte mich von der Energie vor der Bühne auch an Run The Jewels erinnert. Es hatte dabei alles sehr schöne positive Vibes, der Moshpit wie gewohnt gut gemischt, es war toll. Der nächste Abriss kam dann von Knocked Loose auf der Cupra (ex-Ray Ban). Als wir da ankamen, war noch gar nichts los, der Gedanke drängte sich auf, ob das nicht auf eine kleinere Bühne gehört, aber irgendwie hat sich dann diese Nische hier doch eingefunden, obwohl es dieses Jahr im Line Up nicht so viel Gesellschaft für sie gab. Der Pit war dann so ziemlich das wildeste, was ich auf diesem Festival bisher gesehen habe. Die Ansagen haben konstant zur Gewalt animiert, "Is there anybody who can do a spinkick" wird womöglich ein beliebtes Meme bleiben. Ich habe mich irgendwann mal umgeguckt und die Sitzplätze der Bühne waren zwar nicht voll, aber ganz oben haben sich eine Menge Schaulustige versammelt, die sich wahrscheinlich gefragt haben, was zur Hölle hier gerade passiert.
Ninajirachi war dann der perfekte Abschluss. Das hat einfach nur richtig Spaß gemacht, die kleinste Bühne des Festivals war komplett voll und wir waren ganz vorne mit dabei. Es war Abriss 3/3 an diesem Abend und das hat einfach nur wahnsinnig viel Spaß gemacht. Das Set war sehr ausgefallen, hat einige andere Songs mit eingestreut, und die Menge gut eingeheizt. Auch hier wieder richtig schöne Stimmung in der Crowd, es war der perfekte Abschluss für einen ziemlich perfekten Tag. Einfach toll.
Am Sonntag hat Die Spitz dann nochmal einen sehr guten Abriss nachgeschoben. La Nau, einer der kleinsten Ciutat-Clubs war gerammelt voll und es wurde nochmal alles aus den strapazierten Körpern rausgeholt. Moshpits sind schon ein witziges Konzept auf jeden Fall. War nochmal ein großes Highlight diese Band. Super sympathisch, es wurden mal Instrumente getauscht, die Rolle der Sängerin rotiert, es gab einen Moshpit nur für Girls und die Gays. Es war wunderbar. Wir hatten noch Tickets für den Abend im Sala Apolo, diesmal haben wir uns das gespart, ich glaube das war eine gute Idee, auch wenn ich Ata Kak und Gelli Haha noch gerne gesehen hätte. Wann anders dann.
Highlights:
My Bloody Valentine
Model/Actriz
Ninajirachi
Big Thief
Water From Your Eyes
Enttäuschungen:
Kylesa
Cameron Winter nicht gesehen
Geese nicht gesehen
Gelli Haha nicht gesehen
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