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Festivalberichte

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SammyJankis
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Registriert: So 13. Sep 2015, 14:46

Re: Festivalberichte

Beitrag von SammyJankis » Mo 8. Jun 2026, 14:44

Ich war am Pfingstwochenende in Berlin auf dem Cakewalk Fest in der Malzfabrik. Die zweite Ausgabe wurde auf zwei Tage ausgeweitet und das Line Up versprach einiges. Im Endeffekt ein No-Brainer für mich, Ticket wurde direkt zu VVK Start geschossen. An dem Wochenende waren auch noch Karneval der Kulturen und das DFB Pokalfinale, war stressig, aber da musste man durch. Sehr schade war die Absage der europaexklusiven Death Threat Show. Das wäre für mich und wohl auch für einen nicht unerheblichen Teil der Crowd das Highlight gewesen. Erste Deutschland Show seit 2015/2016, es sollte nicht sein.


Samstag:

Samstag begann für mich mit der Anreise per Flixbus von Hamburg nach Berlin. Alles entspannt und pünktlich. Hatte noch genug Zeit fürs Essen bevor es zur Location ging. Die Veranstaltung fand dieses Jahr in einem anderen, etwas größerem Raum statt. Pro Tag waren um die 300 Zahlende am Start. Da ist sicher noch Luft nach oben, aber für ne gute Atmosphäre langt es alle mal. Sound war am ersten Tag leider ziemlich mau, am zweiten deutlich besser. Ansonsten gab es zwei Food Trucks, die durchweg überfüllt waren. Man durfte aber auch Essen mit reinnehmen bzw wurde nicht kontrolliert, also alles entspannt.

Detonator - Opener aus Köln , stumpfer Ufta Ufta Hardcore. Vor der Bühne so 15-20 Leute, die es gefühlt haben. Rest der Crowd musste noch ankommen. Trotz mehrerer Cover, u.a. Negative Approach, kamen die Demo Songs am besten an. Insgesamt guter Opener, aber kommen in kleineren Räumen besser.

Glow - Sind als Ersatz für Look Ahead, die sich leider aufgelöst haben, aufs Line Up gerutscht. Spielen viel, ich gucke sie auch oft. Kamen sehr gut an. Viel Mosh, passend zum Sanction/"I am King" Ära Code Orange Sound, und ein paar Textsichere. Cover wurde weggelassen. Haben mit der vor Kurzem erschienenen EP auch mittlerweile genug Songs, um ein Set zu füllen. Stimmung war also weiterhin gut.

Compete - Letzter Tag der Tour mit Turn of Phrase. Gestartet wurde mit einem Thin Lizzy Cover mit Unterstützung der Tour Mates. Danach das Set vom Mittwoch inkl. der Cover. Weiterhin viel Bewegung, erste Stage Dives. Set kam nicht ganz an Düsseldorf ran, war aber deutlich besser als Hamburg am Vortag.

Eternal Enemy - Zweite Show, wieder ein extrem dummes Set. Anders dumm als Detonator, da muss man differenzieren. Mosh war natürlich wieder hart und passend zum Slam Death Sound. Gab dieses Mal auch ein Metalcover. Death Threat Cover wurde trotzdem gespielt, kam wieder super an. Death Threat aufm Festland oder UK mit ner vernünftigen Show muss zeitnah kommen. Die Leute sind heiß drauf.

Once and for All - Wie in der Woche zuvor in Düsseldorf folgte auf eine Hannover Band die nächste. Auch hier ähnlich wie bei Eternal Enemy wurde Düsseldorf nicht getoppt, aber es war dennoch sehr stark. Bis dahin für mich der beste Gig des Tages.

Turn of Phrase - Auch hier, ähnlich wie bei Compete, besseres Set als Hamburg, aber kam nicht an Düsseldorf ran. Sound hat hier leider ne Menge kaputtgemacht. Band hatte aber augenscheinlich ne gute Zeit. Auch schön, dass vor zwei Sets Eternal Enemy den stumpfsten Slam präsentierten und nun Hardcore mit starkem Emo Einfluss gespielt wurde und beide Acts gutes Feedback erhalten. Spricht für die Veranstaltung.

Cannonball - UK Straight Edge im Stil der early 00er. Passend dazu das Mental Cover. War ein gutes Set, viel Bewegung. Textsicherheit war auch gegeben. Freut mich für die Band. Die beiden Gigs zu Beginn des Jahres bei den Force of Denial Abschiedsshows waren undankbar, da die Cannonball Sets primär als Pause und zur Erholung genutzt wurden. Hier war das anders. Versöhnlicher Gig.

Spirit Crusher - Ich bin Die Hard Fan und trotz der ganzen Bands, die seit Corona aufgeploppt sind, sind Spirit Crusher für mich die beste deutsche Hardcore Band. Heute auch wieder mit Räucherstäbchen. Gab dann die üblichen Songs. Vor der Bühne pures Chaos. Sänger ohne Berührungsängste, Mic durchweg in der Crowd. Natürlich wurde Mosh nicht hinten angestellt. Der Cro-Mags like Sound ist über jeden Zweifel erhaben. Für mich bester Gig des ersten Tages. Bin hyped auf die zweite LP und hoffentlich eine Release Show Ende des Jahres in Darmstadt/Mannheim/Ludwigshafen.

Magnitude - Exclusive Europe Show. Wurden als Ersatz für Death Threat gebucht. Keine Band kann Death Threat ersetzen, aber das habe ich auch nicht erwartet und ich hoffe sonst auch niemand in der Crowd. Magnitude haben auf jeden Fall abgeliefert. Habe die Band vor einigen Jahren stärker gefühlt, aber es war immer noch ne Top Show, teilweise mehr Chaos als bei Spirit Crusher. Allerdings gab es hier auch Songs, wo weniger los war. Man merkt schon, dass die erste LP der beste Output der Band ist. Mit "Defy" und "Opposition" direkt zu Beginn die beiden besten Songs spielen ist zwar cool, aber man verschießt auch etwas sein Pulver. Dennoch klasse Abschluss des ersten Tages.


Sonntag:

Viel entspannter für mich als Samstag, da kein Reisestress. Aufgestanden, lecker vegan gefrühstückt, bisschen eingekauft und dann ging es zur Location. Trotz schlechterem Headliner hatte ich größere Erwartungen in den zweiten Tag, was die Bands anging.

Tarwomb - Den zweiten Tag dürfte eine lokale Band eröffnen. Bands aus Berlin konnten sich bewerben. Waren junge Kids. Sound null ausgereift und der Sänger hat leider ne Menge peinliche Ansagen rausgehauen. Naja, nächste Band wird besser.

Meat Shield - Frühes Highlight, mit dem ich in dieser Intensität nicht gerechnet hatte. War erst die dritte Show der Band. Dafür absolut routiniertes Set, Sänger stimmlich stark verbessert. Sehr geil auch, dass trotz Ufta Ufta Sound Infest und Bulldoze gecovert wurden. Und beide Cover haben wunderbar funktioniert. War sehr stark.

Fear of Sin - Es ging stark weiter. Für mich beste deutsche Hardcore Band, die letztes Jahr ihre Demo gedropt hat. Gutes Riffing, fiese Moshparts. Das Integrity Cover wurde natürlich nicht gespielt. Dafür gab es In Cold Blood, man bleibt in Cleveland. Crowd war auch voll dabei. Top Gig, könnte ich jede Woche gucken.

Blockage - Eine von zwei Hardcore Bands aus Berlin, die rumkommt. Ein Mitglied ist auch im Orgateam des Fests. Ich war gespannt, ob es in Berlin einen Hometown Bonus gibt, aber hatte während der Show nicht das Gefühl. Im Endeffekt auch schon besser gesehen in NRW. Sound ist in Ordnung, aber gibt aufregenderen Bands, was schnelleren Sound angeht. Dennoch solide abgeliefert.

Wits End - Erste Show in Deutschland und die Crowd war da. Von Beginn an Chaos, mehr Mosh als ich erwartet habe. Die Songs der Demos sind top. Einfach ein perfekte Mix aus Mosh und Schnelligkeit. Dazu noch Madball und Agnostic Front Cover, wenn ich es richtig im Kopf habe. War groß. Hoffentlich ab jetzt häufiger in Europa.

Bulls Shitt - Einzige Band aus Skandinavien an dem Wochenende. Da bestehen für zukünftige Ausgaben noch massig Möglichkeiten für gute Buchungen. Ich hab im Vorfeld die Platte diverse Male gehört und war hyped. Und es stand Wits End in Nichts nach. Die Musik ist stark punkiger Hardcore, perfekt für Side to Sides. Es hat super gezündet. Crowd hatte 20 Minuten lang Spaß. Der Sänger hat diversen deutschen Bands Probs gegeben und mit der Ansage zum letzten Track "This song is for hardcore worldwide and i don't mean the youtube channel" zumindest mich zum schmunzeln gebracht hat. War astrein. Keine Band für die Massen, aber perfekt für solche Veranstaltungen.

Killing Me Softly - Einzige Metalcore Band des Wochenendes. Ich hab die ersten 1-2 Songs verpasst. Set war vom Sound her gut, aber habs nach Wits End und Bulls Shitt nicht gefühlt. Mosh war aber da, aber natürlich wars nicht wie in Glasgow, dennoch absolut in Ordnung. Stand allerdings auch am Ende des Raumes. Freund*innen meinten durchweg, dass die Band sehr lustlos gewirkt hat. Naja, also in Zukunft doch eher in UK gucken.

The Flex - Ohne Zweifel bestes Set des Wochenendes. Quasi Bulls Shitt, nur mit deutlicher Steigerung. Pit war riesig, durchweg Side to Sides, völliges Chaos vor der Bühne, Stage Dives, Headwalks. Ein Set, bei dem auch genrefremde verstehen würden, was an dem Genre faszinierend ist. Gab nochn Breakdown Cover. The Flex sind irgendwie zu der Band geworden, auf die sich alle einigen können. Völlig zurecht.

Integrity - Nicht viel erwartet, dennoch enttäuscht worden. Die Band ist im Endeffekt der Sänger, der sich für Gigs drei Leute für die Instrumente zusammensucht. Sound war vollkommen in Ordnung. Gab auch Mosh und Singalongs, wobei ich die neuen Tracks nicht brauche. Es würde reichen, nur Stuff von "Systems Overload", "Those who Fear Tomorrow" und "Humanity is the Devil" zu spielen, alle wären glücklich. Was die Show zur Lachnummer verkommen lässt, ist der Hype Man. Der Sänger hat anscheinend kein Bock mehr auf Singalongs, was in dem Alter verständlich ist. Dafür dann einen random Dude mit Sturmhaube zu aquirieren, der bei den wichtigen Parts nach vorne stürmt und das Mikro in die Crowd hält, kann nicht die Lösung sein. Fremdscham pur mit dem Höhepunkt beim größten Hit "Judgement Day", als der Sänger mitten in der Strophe aufhört zu singen und gemächlich etwas trinkt, während der Hype Man schnell in die erste Reihe spricht um zu übernehmen. In dem Moment ist etwas in mir gestorben. Bin dann auch raus. Abgesehen vom local Opener mieseste Band des Wochenendes.


Fazit:

Ein Headliner war ein Reinfall und der Sound am ersten Tag mies. An diesen Kritikpunkten führt kein Weg vorbei. Ansonsten bleibt aber eine klasse Veranstaltung mit einem Line Up, welches alles bedient, was momentan im Hardcore Kosmos angesagt ist. Hätte mir Mitte/Ende der 10er Jahre jemand gesagt, dass es in 5-10 Jahren eine solche Veranstaltung über zwei Tage in Deutschland gibt. Ich hätte stark daran gezweifelt. Das kann vom Line Up her mit den UK Festivals konkurrieren, für die ich häufiger mal längere Wege auf mich nehme. Wer mal Hardcore abseits von Turnstile, Knocked Loose und den alten Bands, die jedes Jahr 2-3x in Europa sind, erleben möchte, macht hier nichts falsch. Klare Empfehlung meinerseits. Nächstes Jahr safe wieder am Start. Wünsche wären:

the rival mob
demonstration of power
despize
dynamite
feels like heaven
echo chamber
big iron
angel ccaa
fierce
preemptive strike
listed
no laughing matter
There is panic on the streets

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