Ich war leider so damit beschäftigt, die vier Körpersäfte Wasser, Schweiß, Bier und Sonnencreme im Gleichgewicht zu halten, dass ich gerade von den frühen Bands deutlich weniger gesehen habe als erhofft (
Ecca Vandal klang sogar aus 2km Entfernung im Camp noch stark). Besonders schade, weil es für mich in den oberen Reihen etwas dünn aussah mit Highlights.
Top 3: Meine Wahrnehmung war, dass der hohe Anteil an nicht rein männlichen Acts die Stimmung und das Publikum positiv beeinflusst hat.
Florence + the Machine oder
Halsey sorgen einfach für ne andere Energie als das klassische Rock Konzert. Besonders schön fand ich als bei Little Fix von
SPRINTS das blonde Mädchen auf die Bühne geholt wurde, um Gitarre zu spielen und die sich erstmal die Zeit genommen haben, ihr die Akkorde zu zeigen. Irgendwie geht's doch darum, gemeinsam ne gute Zeit zu haben und nicht die perfekte Performance abzuliefern. Vielleicht war ich aber auch nur sentimental.
Top 2: Mein einziges Must-See:
Alexisonfire. Hab ich selbst gar nicht so viel mit am Hut, ist aber eine der Lieblingsbands meiner Frau von vor 25 Jahren. Der Wetterbericht war hier etwas wankelmütig, aber als klar wurde, dass es kein Gewitter geben würde und unser bester Konzertkumpel überraschend noch mit nem Tagesticket auftauchte, war klar, dass das nur gut werden kann. Wir sind dann taufrisch aus dem Schatten des Pavillions in den ersten Wellenbrecher und hatten da einen Riesenspaß. Am meisten hat mich gefreut, dass meine Frau sone gute Zeit hatte und alles mitsingen konnte, aber der Auftritt war auch für mich als nicht Fan spitze und sowohl Band als auch die Leute hatten Bock. Ich glaube, sie haben 10min vor der Zeit aufgehört, hat der Stimmung aber keinen Abbruch getan.
Top 1: Ich bewerte das vermutlich komplett über und muss dazu sagen, dass ich mich im Genre nicht auskenne, fand die Situation aber so skurril, dass das eins meiner Top Hurricane Erlebnisse immer bleiben wird: Wir sind nach der Hälfte bei
Halsey los und wollten entspannt noch im Hellen runter vom Green WoMo Acker (weil wir da irgendwo in die letzte Ecke gelotst wurden und ich Angst um meine Achsen hatte). Als wir an der White vorbei kamen, fragte meine Frau, ob wir noch kurz bei
Boys Noize reinschauen wollen - der würde in 5 min starten.
Die Buchung hatte mich sehr gefreut, ich ihn aber abgeschrieben, weil der Slot am Sonntag Abend so blöd lag. Also rein ins Zelt und dann: Nichts. Keine 50 Personen stehen verteilt und leicht awkward im Raum rum. Der Boden ist noch übersät mit den Luftschlangen vom Act davor. Es wirkte, als würde gleich jemand kommem, uns rauszufegen und abschließen. Wir checken also grad die App, ob der Auftritt abgesagt wurde oder wir uns vielleicht beim Bandnamen verlesen hatten. Da kommt er komplett unprätentiös auf die Bühne, macht sein Mischpult an und geht im beinahe leeren Zelt direkt von 0 auf 100. Übelster Techno ballert den Leuten die ganze Hitze und Erschöpfung aus und Tanzlaune wieder in die Knochen.
Auf der einen Seite also n Typ, den ich zuletzt im Coachella Livestream mit Trent Reznor gesehen hab. Auf der anderen Seite ne Hand voll Raver, Musiknerds und n paar, die die Bühne verwechselt haben. Und er zerlegt den Laden komplett. Der Kontrast hätte nur krasser sein können, wenn er morgens um 4Uhr DJ Olli beim Scheeßeler Schützenfest abgelöst hätte. Das war so treibend und hat einfach nicht aufgehört geil zu sein. Wir haben uns dann nach ner knappen Stunde schweren Herzens losgeeist, sind aber draußen an der Leinwand nochmal hängen gelieben, wo schon nen 2-Personen-Privatrave am Laufen war. Geil auch der John Player Stand, wo dann Shakira lief, während 30 Meter nebenan das Zelt zerfetzt wird. Ich bin in der Vergangenheit oft nicht warm geworden mit den elektronischen Acts (Looking at you, Steve Aoki), aber das war unfassbar. Ich denk, das war son "Lightning in a Bottle" Moment - für uns aber der perfekte Abschluss.
Bonus:
Am Freitag gegen den Schweinehund durchgesetzt und schon zu
Raynor und danach
Grandson. Beides direkt Volltreffer, die wieder klar gemacht haben, warum ich mir die Strapazen eigentlich jedes Jahr wieder antun.
Flops und Hot Topics im Schnelldurchlauf:
- Bei
A Day to Remeber hatte sich vor uns (hinter den Wellenbrechern - beim "ich guck mal zu"-Publikum) als Überbleibsel von nem Circle Pit ne freie Fläche von 15x10m gebildet. Das hat dann allerlei Martial Arts Experten eingeladen, da ne Stunde lang ihre neusten Jump Kicks zu präsentieren. Sportlich gesehen tatsächlich recht eindrucksvoll, aber einfach unnötig. Shoutout an die beiden Daddys, die sich an den Händen gefasst und sich dann mittendrin im Kreis gedreht haben und sich danach fast mit Tränen in den Augen in den Armen lagen.
- Hier hatte ich erst etwas unverhältnismäßig Unfreundliches über
The Butcher Sisters geschrieben, aber Geschmäcker sind halt verschieden. Ich war sowieso nur zum Essen an der Stage. Die Jungs vom Käsespätzle haben ihren Missmut auch sehr deutlich gemacht.
- Ne Spilo als Sponsor? Keine Ahnung, was die geritten hat. Also doch, Geld halt. Aber dann macht das Ticket lieber 10€ teurer. Oder nehmt die Bundeswehr. Die haben vielleicht immerhin n paar gute Tipps fürs Camping.
- Auch wenn ich bei
Halsey nicht bis zum Schluss geblieben bin, fand ich die Buchung spannend und den Auftritt überraschend gut. Da war richtig Druck hinter. Irgendwann hab ich mich an dem üblichen Kram eh satt gehört. Gerne wieder sowas. Genau wie
Empire of the Sun.
- Bei den Essenspreisen bin ich zwiegespalten. Klar, alles irre teuer. Und bei 7€ für nen Bier überleg ich 3x, ob ich noch eins trinke. Zumal ich nicht ersichtlich fand, an welchen Ständen es welches gab und ein paar Mal das "falsche" hatte. Aber seid ihr zuletzt mal auf nem Weihnachtsmarkt, Volksfest oder Kirmes gewesen? Ist jetzt nicht so, dass das Hurricane nochmal 50% aufschlägt. Essen war die letzten Jahre immer Hit oder Miss. Da hatten wir Glück dieses Jahr. Und wenn man n bisschen sucht, kommt man auch preislich OK weg. Drei große Stücke Pizza für 16,70€? fand ich beispielsweise voll Ok. Davon sind wir zu zweit mehr als satt geworden. Unsere preisbewussten Camp Nachbarn hatten am Freitag nen Wagyu Burger und ne Pommes. Die waren zwar teuer, aber von der Menge und Qualität wurde danach das ganze Wochenende geschwärmt.
Außerdem gibt's die Möglichkeit, sich nen Snack mit aufs Gelände zu nehmen und man kann theoretisch zwischen den Bands im Supermarkt nachladen. Klar wäre mir ne Soli VoKü auch lieber, aber das is immernoch n kommerzielles Major Festival und die Zeiten, in denen die Ticketverkäufe allein das Festival tragen, sind vorbei. Das is insgesamt ne super priviligierte Veranstaltung und ich find, dass sie zumindest ansatzweise versuchen, die Teilnahme und Verpflegung auch für Menschen möglich zu machen, die sichs nicht leisten können. Das wird dann vielleicht auch gegenfinanziert über Personen, die bereit sind für Komfort, Bier und Co. mehr auszugeben.
- Die Ausnahme "Hype Act auf der Red" ist mittlerweile eher die Regel. Hat sich früher gefühlt besser verteilt. Ne Lösung hab ich auch nicht. Vielleicht könnte es was bringen, das Konzert dann auch auf die Leinwände der Blue zu legen. Is zwar n bisschen komisch, aber ob ich jetzt ganz hinten auf der Red auf ne Leinwand gucke, oder auf der anderen Bühne, is auch egal. Würde zusätzlich das Problem entschärfen, dass andere Acts "weggebasst" werden.
- Beim Cashless hatten wir keine Probleme, außer dass bei uns im Camp eine Aufladung nicht angekommen ist. Es sollte aber kein Problem sein, das nachzuweisen. Die offiziellen Buden waren sehr hinterher immer nochmal den Preis und den neuen Kontostand gegenzuprüfen. An den Foodtrucks waren die da nicht so hinterher. Sowieso waren die zumeist jungen Leute an den Bierbuden durchweg superfreundlich und ich glaub, dass das neue Bezahlsystem deren Job angenehmer gemacht hat (wobei das Trinkgeld jetzt vermutlich gegen 0 ging). Wenn die Rücküberweisung jetzt noch klappt, find ich's positiv.
- Bei der Anreise auf den Green WoMo, muss so Donnerstag gegen 8 oder 8:30 gewesen sein, hat jemand aus der Schlange massiv Öl verloren. Wir konnten beobachten, wie der ca. 20 Fahrzeuge vor uns dann abgeschleppt werden musste. Tat mir mega Leid für die so 100m vor der Einfahrt. Dadurch gab's aber natürlich nen Rückstau. Wirkte auf mich so, als hätte sich deswegen die Anreise auf den Platz stark verzögert.
- Ich hab das Gelände als n ein bisschen liebevoller und stimmiger empfunden. Etwas mehr Schatten, Deko leicht abgestimmter. Sponsoren prinzipiell zurückgenommen (außer Fielmann), aber trotzdem präsent. Und wenn ichs richtig gesehen hab, ist die Farbe nächstes Jahr wieder n Pinkton. Ich bin jetzt kein Designer, aber ich glaub, dass macht das Branding deutlich einfacher. Vielleicht deswegen auch die pinkrote Green Stage.
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