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Ganz schön listig - Rankings aller Art

Daddelecke
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Taksim
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Re: Ganz schön listig - Rankings aller Art

Beitrag von Taksim » Mo 27. Mai 2024, 21:30

PJ Harvey

Fast jeder hält ein anderes Album für ihr bestes und fast jeder hat recht.
Seit über 30 Jahren aktiv hat sie eine beeindruckende Entwicklung hingelegt. Von ihren Anfängen mit ultra-knarzigen Garagenrock und Grunge auf Dry und Rid of Me (aber da schon ihr Gespür für tolle Melodien unter Beweis stellte) zu den etwas geradlinigen aber nicht weniger intensiven Alternative-Songs von To Bring You My Love und Stories from the City, Stories from the Sea über Ausflüge Richtung Trip Hop auf Is This Desire? und klavierbasierten Kammerpop auf White Chalk bis hin zu ihrem Alt-Folk Magnum Opus Let England Shake und dem von Poesie und abstrakteren, aber nicht weniger zugänglicheren Songs geprägten I Inside the Old Year Dying.
Eine wahnsinnig facettenreiche Diskographie voller überraschender Ideen, aber immer getragen von ihrer völlig eigenen im besten Sinne hochtrabenden Intonation.

Das war echt schwer. Auch in dieser Liste überwiegt mein Lieblingsalbum von ihr: Is This Desire?. Wird mir von der Allgemeinheit leider zu häufig übersehen, aber es ist eben auch nicht ihr Signature Sound. Dass die tiefgehenden Beats und die düsteren Bässe mich abholen ist aber keine Überraschung.

1. Joy
Wo wir beim Thema sind: dieser BASS! Wie der sich nach vorne fräst und nichts in seinem Wege übrig lässt macht mich fertig (der einzige noch fiesere Bass des Albums findet sich auf "My Beautiful Leah"). Dazu der intensivste Refrain ihrer Karriere, perfekt ergänzt durch diese tollen Snare-Akzente im Beat. Unfassbares Ding.

2. Send His Love To Me
Warte, oder ist das der intensivste Refrain? Die Sehnsucht in der Titelzeile geht auf jeden Fall durch Mark und Bein.

3. Grow, Grow, Grow
White Chalk wird mir ebenfalls zu selten genannt, wenn es um ihre besten Alben geht. Eine ganz andere, intime Atmosphäre herrscht auf diesem Album, in der ihre Stimme noch mal ganz anders zur Entfaltung kommt. Der hier bringt das für meine Begriffe am besten zum Ausdruck.

4. Down by the Water
Komm, einmal noch: dieser BASS!
Der Song von To Bring You My Love deutet schon an, was auf dem Nachfolger passieren würde. Von Trip Hop-Ästhetik beeinflusstes Meisterstück, das eine weitere Facette ihrer Intonation prominent in Szene setzt: das unheimliche Flüstern.

5. The River
Hier ist die Trompete der Star, die die trübe Melancholie nochmal deutlich mehr vertrübt. Wunderschön.

6. Big Exit
Ein ganz selbstbewusster, kompromissloser Banger mit einem Traumrefrain. Vielleicht ihr größter Ohrwurm.

7. Catherine
Noch mal ein Song von Is This Desire? und nochmal ein Stück düsterer, mysteriöser und einnehmender.

8. The Words That Maketh Murder
Ihre Stimme harmoniert wunderbar mit der ihres langjährigen musikalischen Partner John Parish. Dazu hält der Text schonungslose Impressionen bereit, inspiriert durch diverse Kriege.

9. O Stella
Schön heavy und schön groovy. MVP ist hier der Bassist, wie der immer zwischen den Bünden slidet kriegt mich jedes Mal.

10. England
Was für ein irres Sample! Und wie unbedarft sie dagegen ansingt kreiert eine wundersame Spannung, die der intensiven Materie einen gebührenden Rahmen gibt.
Zuletzt geändert von Taksim am Di 28. Mai 2024, 08:43, insgesamt 5-mal geändert.
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Baltimore
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Re: Ganz schön listig - Rankings aller Art

Beitrag von Baltimore » Mo 27. Mai 2024, 21:42

Taksim hat geschrieben:
Mo 27. Mai 2024, 21:30
PJ Harvey

Fast jeder hält ein anderes Album für ihr bestes und fast jeder hat recht.
Ja, das ist gerade bei PJ Harvey echt verrückt. Ich mag zum Beispiel "The Hope Six Demolition Project" am Liebsten.

Danke für die Liste. :thumbs:
808s und nichts fühl'n, alles, was ich kenn
Jeden Sonntagmorgen in der Kirche verbrenn'n
Für 'n paar Schmetterlinge an 'nem grauen Tag
Die Liebe ist tot und wenn nicht, dann stech ich nach...

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Taksim
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Re: Ganz schön listig - Rankings aller Art

Beitrag von Taksim » Mo 27. Mai 2024, 22:37

Baltimore hat geschrieben:
Mo 27. Mai 2024, 21:42
Taksim hat geschrieben:
Mo 27. Mai 2024, 21:30
PJ Harvey

Fast jeder hält ein anderes Album für ihr bestes und fast jeder hat recht.
Ja, das ist gerade bei PJ Harvey echt verrückt. Ich mag zum Beispiel "The Hope Six Demolition Project" am Liebsten.
Ach krass, damit bist du aber dann doch recht alleine. Ich mag die auch, aber die lese ich häufiger am Ende der Listen. Aber cool 8-)
Baltimore hat geschrieben:
Mo 27. Mai 2024, 21:42
Danke für die Liste. :thumbs:
Gern :smile:
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Re: Ganz schön listig - Rankings aller Art

Beitrag von Quadrophobia » Mo 3. Jun 2024, 06:54

Baltimore hat geschrieben:
Mo 27. Mai 2024, 21:42
Taksim hat geschrieben:
Mo 27. Mai 2024, 21:30
PJ Harvey

Fast jeder hält ein anderes Album für ihr bestes und fast jeder hat recht.
Ja, das ist gerade bei PJ Harvey echt verrückt. Ich mag zum Beispiel "The Hope Six Demolition Project" am Liebsten.

Danke für die Liste. :thumbs:
Ich tatsächlich auch

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Taksim
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Re: Ganz schön listig - Rankings aller Art

Beitrag von Taksim » Sa 8. Jun 2024, 12:48

Björk

Auch nach all den Jahren eine Künstlerin, die es erfolgreich schafft, eine gewisse mysteriöse Aura um sich zu wahren. Und eine, die, wie so mancher Künstler aus dem Land, einfach nur aus Island kommen kann. Die Bandbreite an Sounds über ihre gesamte Karriere sprengt alle Grenzen, doch ihr Werk wird immer von ihrer unnachahmlichen Stimme zusammengehalten.

In den letzten Jahren hat sie sich aufgemacht, quasi komplett zu demontieren, was eine Melodie sein kann. Ich muss zugeben, dass diese Experimente, auch wenn sie klanglich eindringlich sind, mir oft durch die Finger gleiten.

Auch bei dieser Liste wird mein Lieblingsalbum von ihr schnell deutlich. Der Großteil stammt von ihrem Meistwerk "Homogenic", für mich unantastbar ihr bestes. Es ist progressiv, mutig, fordernd, aber dabei fokussiert und kristallklar in der Ausrichtung. Harsche, abrasive Sounds treffen auf unheimlich andächtige, emotionale Passagen.
Hot Take der Liste sind möglicherweise gleich zwei Songs von "Volta", aber das Album hat mich damals zum Fan gemacht. Es ist etwas chaotisch, aber das liebe ich daran.

1. Chrystalline
Der ganze Song ist Wahnsinn, was Produktion und Melodieführung angeht, es ist von der ersten Sekunde einnehmend. Doch dann kommt dieser Endpart! Wie die Drums komplett freidrehen haut mich jedes Mal um. Das einmal live gesehen zu haben gehört zu einem meiner ganz besonderen Konzertmomente. Ich war überzeugt davon, dass die Drums programmiert sind. Und dann hat sie einen Typen auf der Bühne, der das live abzieht. Ich war echt sprachlos.

2. Jóga
Für mich ihr emotionalster Song. Wunderschöne Streicher treffen auf einen herzzerreißenden Refrain, alles kontrastiert von einem futuristisch-mechanischen Beat (dieser Break nach dem zweiten Refrain, meine Güte!)

3.All is Full of Love
Gefolgt von ihrem zweitemotionalsten Song.
Ein Lied, das einem auch in den dunkelsten Momenten noch vermag, Hoffnung zu geben.

4. Unravel
Den Song kann so wirklich nur Björk singen. Wie sie die Worte auseinanderzieht und emotional auflädt ist unfassbar.
Gibt es auch ein schönes Radiohead-Cover von.

5. Army of Me
Passend zum Titel marschiert das Ding unaufhaltsam voran. Björk kann eben auch richtig angepisst werden.

6. Hunter
Auch hier liebe ich die Bolero-mäßigen Streicher in Kombination mit den elektronischen Elementen. Das ganze kommt inklusive einer ihrer ikonischsten Lines: "I thought I could organise freedom. How scandinavian of me."

7. Declare Independence
Vielleicht ihr ungezügelster Song. Super harsche Synthies und Drums ebnen den Weg für ihre direkten politischen Slogans. Ein Unikat in ihrer Diskographie.

8. Hyper-Ballad
Ein Beispiel für ihre teilweise verspielten, visuell prägnanten Lyrics (zumindest was die Frühphase angeht). In ihrer Performance pusht sie sich dabei weiter und weiter.

9. Innocence
Erneut gibt der Beat die besondere Würze zu einem an sich schon tollen Song. Der Snaresound regelt.

10. Mutual Core
Ein weiteres Highlight auf "Biophilia", das Album, das diese abstraktere Spätphase ihrer Karriere eingeläutet hat. Besondere Elemente sind hier abermals ein irrwitziger Industrial-Beat und der langsam anschwellende Backgroundgesang im Refrain. Ich war lange überzeugt, dass das ein Soundeffekt ist, bis ich live sehen durfte, wie ihr Chor das intoniert. Total stark!
"I don't know."


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